34. Jahrgang.
Fuld a, Domerstag den 6. Juni 1907.
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Berlin, 5. Juni 1907.
Ei» neues Opfer der Eulenburgaffäre. Das .Berliner Tageblatt" schreibt: „Schon seit ungefähr 14 Tagen war eS bekannt, daß zu de« in Ungnade gefallenen Mitgliedem der Eulen- burgischen Tafelrunde auch der Generalleutnant Graf Wilhelm v. Hohenau, Flügeladjutant des Kaisers, gehörte. Da der Name des Generalleutnants jetzt von anderer Seite in Verbindung mit dieser Affäre genannt wird, so wollen wir mitteilen, daß Graf Hohenau bereit- am 8. Mai aufgehört hat, beim Kaiser Dienst zu tun, und daß er sofort durch den Obersten Freiherrn v. Marschall ersetzt wurde. Am Tage vorher hatte der Kronprinz dem Kaiser die Nummern der »Zukunst' übergeben, die er selber von ehemaligen Regimentskameraden erhalten hatte. Die Serie der Entlassungen hatte übrigens schon vor einiger Zeit mit der schlichten Verabschiedung eines Grafen L., der einem als besonders vornehm gellenden Regimente angehörte, begonnen. Man nimmt an, daß auch in den hohen Kommandostellen ein Wechsel bevorsteht, da gewisse Persönlichkeiten beschuldigt werden, das OsfizierkorpS einzelner Regimenter nicht genügend beaufsichtigt zu haben. Die Staatsanwallschast scheint im übrigen entschlossen zu sein, dem Antrag des Grafen Kuno Moltke und des Fürsten Eulenburg auf Einleitung eines Verfahrens gegen Maximilian Harden nichtstattzugeben, da ein derartiger Prozeß bester vermieden bliebe. Die Mitglieder der Tafelrunde wären damit auf den Weg der Privatklage verwiesen.
* Also doch nicht! Mtt großen Worten wurde in dm letzten Tagen angekündigt, daß die beiden freisinnig en Frakt tonendes preußi- schm Abgeordnetenhauses die Folgerung erheben würdm,daß ihr Wahlrechtsantrag noch vor Schluß der Session zur Besprechung gelange. Merkwürdiger Weise hat der Freisinn am Mitt- woch beschloffm, von der Forderung Abstand zu nehmen. Warum wohl?
.*. Ein Denkmal für dm ftüheren Präst- deuten des ReichsverficherungSamteS, Bödiker, soll im Dienstgebäude des ReichsversicherungS- amteS errichtet werdm. Unter dem Vorsitze des jetzigen Präsidenten Dr. Kaufmann hat sich zu diesem Zweck ein Ausschuß gebildet, welchem die Voifitzenden mehrerer Berufsgenostenschaftm und Versicherungsanstalten, sowie Vertreter der Arbeiter aus den verschiedmsten Berufsgruppen an- gehörm. Der Ausschuß hat einm Aufruf erlassen, in welchem der Verdienste BödikerS ge- dacht und um Beihilfe zu dem Denkmal gebeten wird. Beiträge find zu richtm an die Kaffe der KnappschastsberufSgmoflenschaftm Berlin, Klop« stockstraße 17.
v. Der Prozeß Pöplau ist mdlich zum Ab schluß gelangt, nachdem er mit einer Pause wochenlang die Oeffevtlichkeit beschäftigt hat. Pöplau wurde nur im Falle Kiew und Kannenberg für schuldig befunden, daS Amtsgeheimnis verletzt zu haben, indem er Abschriften aus den Akten an den Abg. Erzberger zur beliebigen Benutzung übergeben hat. Die Strafe lautet auf drei Monate Gefängnis. Von einer Geld- strafe wurde Abstand genommen, weil es sich um einm Racheakt PöplauS gehandelt habe.
ALsZecr
oder
Auf geheimnisvollen Wegen.
Roman von Eduard Wagner,
73} (Nachdruck verboten.)
„Aber doch wahr! Du bist sehr schlau, Pierre," sagte Jean voll Bewunderung. „Wer sonst als Du würde das alles entdeckt haben, weil das Mädchen blaue Augen und blondes Haar hat. die an ihn erinnern!"
„Gab es wohl jemals eine so seltsame und der- wickelte Geschichte? Das Mädchen, eine gemietete Gesellschafterin bei ihrer eigenen Mutter, — Gast in dem alten Schlosse, dessen rechtmäßige Herrin sie ist! Wenn alles gerecht gegangen wäre, würde sie heute Marquise von Montheron und mein Herr einfach Mr. Roland Jngestre fein!"
„Glaubst Du, daß sie weiß, daß sie die rechtmäßige Herrin des Schlosses ist?" frug Jean.
„Ob sie es weiß? Glaubst Du, daß ihr Kommen nach Mont Heron ein zufälliges sei? Das Mädchen ist hier in einer geheimen Absicht. Sie will das Terrain kennen lernen, um ihres Vaters Namen von dem Verdachte des Mordes zu befreien und eines Tages ihre Rechte geltend zu machen und von ihrem Eigentum Besitz zu ergreifen."
„Was würde Lord Montheron dazu sagen?" fragte Jean sinnend. „Wie würde es ihm ankommen, wenn er in seine Armut zurückkehren müßte, wenn er wieder, wie man zu sagen pflegt, aus der Hand in den Mund leben sollte, während er jetzt tjm Ueberflusse schwelgt?"
Pierre schüttelte energisch den Kopf.
„Mylord hat bei all seiner Sanftmut und Sie- venBrürdigkeit doch seine Schwächen," sagte Jean Renard. „Er würde hinwelken wie ekne Treib- -Hauspflanze in der Sonne. Seine Hände sind
t. Aus dem Kolonialamte. Staatssekretär Dernburg wird, wie nunmehr feststeht, am 15. Juli von Neapel aus die Reise nach Dar« eS-Salam antreten. Der Zeitpunkt der Rückreise steht noch nicht fest. Wenige Tage vorher wird der Gouverneur Dr. Seitz, deffen Ausreise durch seine vor kurzer Zeit erfolgte Trauung verschoben worden war, mit seiner jungen Frau die Reise nach Kamerun antreten. Geheimrat Gleim, der ihn gegenwärtig im Gouvernement vertrttt, wird alsdann nach Deutschland in den heimischen Kolonialdienst zurückkchren. Der Gouverneur v. Linde - quist fährt bereit- am 15. Juni zur Vorbereitung der Uebergabe der Geschäfte nach Deutsch- Südwestafrika. Nach seiner Rückkehr sollen nach den im Verlaufe der Neuorganisation der obersten Kolonial - Behörde getroffenen Dispositionen die Presse-Angelegenheiten auf ihn übergehen. Bisher hatte den Verkehr mit den Zeitungen Legattonsrat v. d. Gröben. Da man die Presse« Angelegmheit dem Unterstaatssekretär v. Lindequist überträgt, scheint maw ihr eine erhöhte Bedeutung beizumeffeu. Der Nachfolger des Herrn v. Lindequist auf dem Posten der Gouverneurs von Südwestafrika, Herr v. Sch u ck« mann, wird erst am 25. Juli zur Kolonie gehen, da die Aufgabe seines hiesigen Haushaltes längere Zeit in Anspruch nimmt. Nach Berliner Blättern sollte Herr v. Schuckmann seine Ernennung zum Gouverneur dem Umstande verdanken, daß er als Saxoboruffe Korpsbruder des Herrn v. Lindequist fei, daß er mit einer Tochter des Botschafters v. Radowitz verheiratet, und daß sein Bruder Kommandeur der 16. Husaren sei. Hierzu stellt die ,Deutsche Tagesztg/ fest, daß zwar der Bruder des Herrn v. Schuckmann Kommandeur des genannten Husarenregimentes ist, daß aber die anderen Behauptungen sämtlich unzutreffend seien.
§ Die Konfessionsschule — eine Forderung der Toleranz. Der bekannte liberale Parteiführer Frankfurts, Professor Dr. Trommers- Haufen, gehört im Gegensatz zu seinen Parteigenossen zu den schärfsten Gegnern der Simultanschule. Auf dem letzten (15.) „Deutsch- evang Schulkongreß", der vor wenigen Tagen in Ansbach tagte, hat er abermals der Äon« fessionsschule das Wort geredet und die Simul- tanschule im Interesse der Toleranz verworfen. Ihm stimmt Max Lorenz im ,Tag" (270) vollkommen bei, indem er schreibt:
„Sehr richtig! Denn was ist Toleranz? Nicht jene Gleichgültigkeit, jene scheinbare Objektivität, die allerlei andere Meinungen gelten läßt aus Mangel an einer eigenen Meinung, aus Charakterlosigkeit. Der wahrhaft Tolerante hat selber sehr fest und tief wurzelnde Meinungen und Ueberzeugungen und tritt darum mit sittlicher Achtung und intellektuellem Verstehen vor die ebenso fest und tief verankerten Ueberzeugungen anderer. Er wird und muß sie bekämpfen, aber gerade darum und dadurch, daß er sie durch eigenes tiefer greifendes Verständnis überwunden hat. Wie kämpfen denn heute, im Zeitalter neu» deutscher Unkultur, Männer und Meinungen, Parteien und Prinzipien gegeneinander? Indem sie wie Bretter auf sich losschlagen, brutal und verständnislos — oder aber die „feinen Geister" verzichten überhaupt auf den Kampf und sind „tolerant" aus Dekadenz und Skeptizismus. Solche Toleranz ist keine sittliche Elgenschaft, sondern ein krankhafter
nicht zum Arbeiten, feine sanften und gezierten Manieren passen nicht für einen Mann, der sein Brot verdienen muß. Er besitzt keine Charakterfestigkeit, keinen Willen, keine Energie, dieser feine Marquis von Montheron, welcher ja gar kein Marquis ist, sondern der sich auf den Platz gedrängt, welcher dem wahren Marquis zn- kommt."
Pierre lachte zustimmend.
„Ja, Mylord ist sanft und weich und liebenswürdig," sagte er; „er ist schwach und verwöhnt und nicht imstande, sich durch Arbeit durch die Welt zu schlagen. Wenn das Mädchen sich zu erkennen gibt und ihre Ansprüche geltend macht, ist er ruiniert. Aber da fällt mir etwas ein," fuhr er in verändertem Tone fort, „das Mädchen muß in irgend einer Mission hierhergekommen sein. Ihre eigene Mutter weiß nicht, wer sie ist. Nun, weshalb gibt sie sich ihrer Mutter nicht zu erkennen? Das ist eine-Frage für Dich, Jean!"
„Die ist so leicht nicht zu beantworten, daß ich mich wundere, daß Du noch fragst. Lady Wolga soll nicht wissen, daß ihr Gatte, — ihr früherer Gatte — noch lebt! Wenn sie es wüßte, würde sie ihn verraten, Lady Wolga wird den jetzigen Marquis heiraten, und selbstverständlich vertritt das Mädchen die Interessen ihres Vaters."
„Du hast Recht; und sicherlich ist sie gekommen in dem Glauben, daß ihr Vater unschuldig ist an dem Verbrechen, dessen er schuldig befunden wurde, und will versuchen. Beweise seiner Unschuld zu finden."
„Aber er war schuldig, Pierre, darüber kann kein Zweifel fein."
„Gewißheit", erwiderte Pierre rauh. „Das Gericht hat diese Frage für immer erledigt. Alle Tatsachen sprechen gegen ihn. Ich selbst habe sehr belastende Aussagen gegen ihn gemacht, und ich hätte es noch schlimmer^ machen können."
„Du mochtest Lord Stratford nie leiden."
„Nie!" zischte Pierre durch die zusammeng«.
Nervenzustaud. Der wahre und sittliche Zweck des Gegner- ist nicht sowohl die Vernichtung des Gegners als vielmehr die Vertiefung und Befestigung der eigenen Ueberzeugung, bte dadurch unüberwindlich wird. Wer fo kämpft, ist stark genug, feindliche Meinungen ohne Schaden „ertragen* zu können, und ist darum wahrhaft tolerant."
Diese Ausführungen find beherzigenswert. Sie illustrieren vortrefflich die sog. „Toleranz" der Liberalen, die, wie wir stets bei ihrem Be» streben nach „Ausgleich der Konseffionen" betonten, nichts anderes ist als eine religiöse Grundsatz« ober Charakterlosigkeit. Sie geben aber auch treffend den Standpunkt der katholischen Kirche wieder, die in einer korrekten reli« giös-konfeffionellen Erziehung die beste Gewähr für Toleranz und Frieden sieht. Ist es nicht auffallend, daß gerade die strenggläubigen Kreise der einzelnen Konfessionen einander die weitestgehende Toleranz gewähren und am besten mit einander auskommen?
S. Die Entlassung des Grafen von Hohenau, die bereits vor einigen Tagen angekündigt wurde, ist nunmehr erfolgt. Graf v. Hohenau, ein Stiefbruder deS verstorbenen Prinzen Albrecht von Preußen, war Generalleutnant und diensttuender General beim Kaiser; er gehörte ebenso wie der entlassene Kommandant von Berlin, Graf Moltke, zum Freundeskreise des Fürsten Eulenburg in Liebenberg.
* Zu den bayerischen Landtagswahlen. Die Wahl des durch Losentscheidung gewählten liberalen Lehrers Kronauer in Germersheim wird nach einer Zeitungsmeldung sofort angefochten werden, weil eine Anzahl liberaler Wähler die Bedingungen des Wahlgesetzes nicht erfüllt hätte.
v. Leute für Deutsch-Südwestafrika gesucht. Nach einer Bekanntmachung an den Berliner Anschlagsäulen suchen die Bezirkskommandos I., II., HI. und IV. Mannschaften der Reserve aller Waffen, besonders aber Handwerker, wie Beschlagschmiede, Maurer, Schuhmacher und Zimmerleute zum sofortigen Eintritt in die Schuhtruppe für Südwestafrika.
Aus dem Landtage.
Abgeordnetenhaus.
69. Sitzung vom 5. Juni 1907.
Eröffnung 12y4 Uhr:
Erste und zweite Beratung des Gesetzentwurfs betr. den erweiterten Grunderwerb am Rhein-Weser-Kanal.
Abg. v. Pappenheim (k.) beantragt Uebecwei- sung der Vorlage au die Budgetkommission, weil es sich um eine Vorlage von großer finanzieller Tragweite handelt und viele Anträge vorliegen, die über den Rahmen der Vorlage hinausgehen.
Abg. v. Woyna (ff.) begründet eine Resolution, in der das Haus die Erwartung ausspricht, daß, falls die 16 Millionen nicht ausreichen, die Regierung noch weitere Mittel vom Hause verlangen werde.
Ein Antrag Fclisch (k.) will den Entwurf auf den Großschissahrtsweg Berlin-Stettin ausgedehnt und hierfür weitere 2 Millionen bereitgestellt wissen.
Abg. Dr. am Zehnhoff (Ztr.) tritt dem Antrag v. Pappenheim bei.
Abg. Hirsch-Essen (nl.) hält es für wünschenswert, wenn dem Landtag periodisch über den Fortgang des Landerwerbs Nachweisungen vorgelegt würden.
preßten Zähne. „Ich haßte ihn stets, — es war einer jener Abneigungen, über welche man sich selbst keine Rechenschaft geben kann, und er haßte mich ebenso. Sonst aber liebte ihn jedermann. Er war wie ein Fürst unter seinen Leuten und ich war nur geduldet von ihm!"
„Er behandelte Dich aber nicht wie einen Diener; er war selbst gegen jeden Bettler freundlich, der ins Schloß kam."
„Aber er suchte seinen Bruder zu überreden, mich aus dem Dienste zu entlassen. Er mißtraute mir von der Stunde an, als er mich sah, und ich haßte ihn und meinen Herrn dazu. — Fluch ihnen beiden!" und er fügte diesen Worten eine Verwünschung hinzu, die das Mädchen in ihrem Versteck erbeben machte. „Er unschuldig!" und der Diener lachte darauf. „Er war schuldig, und ich werde ihn noch hängen sehen! Ich werde Polizisten nach Griechenland schicken, die ihn verhaften 'und nach England bringen sollen! Hat er Dich erkannt?"
„Es schien nicht so, obwohl in seinen Augen ein gewisses Mißtrauen lag, das mir nicht gefiel. Er war auf seiner Hut und sagte wenig, aber er war höflich, wie in den Tagen seines Glanzes. Ich nahm mich in acht, mich nicht zu verraten; aber es kann doch sein, daß er mich erkannt hat. Ein Mensch, der in beständiger Ab- geschlossenheit lebt, keine neuen Gesichter sieht, muß stets diejenigen in Gedanken haben, welche er vor Jahren gesehen und gekannt hat. Nein, Pierre, er hat mich nicht vergessen, und dafür ist ein Beweis, was später folgte. Am Nachmittag sah ich ihn, und in der Nacht floh er ins Gebirge. Ich wartete mehrere Tage, aber er kam nicht zurück."
„Das ist ein Beweis, daß er Dich kannte. Schade, daß Dein Anblick ihn warnte, auf seiner Hut zu sein!"
„Seine Arbeiter sagten mir, er habe seinen Besitz verkauft und das Geld bereits erhalten. Er
Minister Breiteubach verspricht, diesen Wunsch in wohlwollende Erwähnung zu ziehen. Gegen den Antrag Woyna habe die Regiermig grundsätzliche Bedenken nicht.
Abg. Dr. Müller-Berlin (fr. Vp.): Der In- halt der Vorlage läßt es erklärlich erscheinen, daß sich der Interessenten eine Befürchtung ermächtigt; man hat aber nach den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte Bedenken gegen die staatliche Fürsorge, die auf Kosten anderer erfolgt.
Abg. Schwarze-Lippstadt (Ztr.) beschwert sich, daß in dem Entwurf keine Mittel für Grunderwerb am Lippe-Kanal vorgesehen sind.
Die Vorlage wird in die Budgetkommission verwiesen.
Erste und zweite Beratung des Antrag? Brück auf Annahme eines Gesetzentwurfs betr. Erweiterung des Kaiser Wilhelm- k a n a l s.
Der Antrag wird, nachdem
Minister Breiteubach erklärt hat, die Regierung habe keine Bedenken dagegen, anaeno m- m e n.
Erste und zweite Beratung betreffend
Nachtragsetat betr. Teuerungszulage au die unteren Staatsbeamte».
Der Nachtragsetat 7 964 680 <M, zur Gewährung einmaliger Beihilfen an alle unteren Staatsbeamten.
Die Kommission (Berichterstatter Schmedding (Ztr.) beantragt, alle hierzu vorliegenden Anträge und Petitionen der Regierung als Material zu überweisen.
Abg. v. Arnim (k.) bedauert, daß Preußen durch das Vorgehen des Reichs zu dieser Teuerungszulage gezwungen ist. Er halte es für richtig, daß nur den Unterbeamten eine Teuerungszulage gewährt werde, deren Gehalt so niedrig sei, daß die Tenerungszulagen für sie ganz unerläßlich seien.
Abg. Schiffer (nl.) ist mit dem Nachtragsetat einverstanden. Neben den Unterbeamten müßten aber im Sinne der ausgleichenden Gerechtigkeit wenigstens auch die mittleren Beamten bedacht werden, welche sich in den untersten Ge- haltsklasseu befinden und daher vielfach ein geringeres Gehalt bezögen als Unterbeamte in höheren Gehaltsklassen. Redner schließt sich dem Antrag auf Kommissionsverweisung an.
Fiimuzminister Frhr. k. Rheinbabe» wendet sich gegen einen Antrag der Freisinnigen, welcher auch den mittleren Beamten eine Teuerungszulage und zwar in Höhe von 150 M gewähren will. Die Gewährung einer Zulage von 150 au die mittleren Beamten würde 18 Millionen Mark erfordern. Eine so große Summe können wir aber nicht aufbringen. Ganz abgesehen von der finanziellen Frage können wir den mittleren Beamten eine Zulage schon deshalb nicht gewähren, weil wir sie dann auch den Lehrern zukommen lassen müßten. Wir müßte» dann zu einer weiteren Erhöhung der Einkommensteuer greifen. Ich glaube aber bestimmt in Aussicht stellen zu können, daß Ihnen im nächsten Jahr eine Vorlage für eine generelle Gehalks- aufbefferung der mittleren Beamten zugehen wird. Es handelt sich also nur um einen kurzen Aufschub. Deswegen bitte ich den freifinigen Antrag abzulehnen. (Beifall rechts.)
Abg. Herold (Ztr.): Ich werde auf die vom Abg. Schiffer besprochenen Einzelheiten nicht eingehen, sondern mich lediglich auf den vorliegenden Gesetzentwurf beschränken. Das Reich hat seinen Beamten Beihilfen in Höhe von 100 bezw. 150 cK gewährt. Das ist gewiß eine etwas mechanische Regelung. Aber ich glaube doch, der Reichstag hat sich damit ein großes Ve r- dienst erworben, daß er überhaupt die Ini- t i a t i v e in dieser Frage ergriffen hat (Sehr richtig!); jedenfalls hat er im Interesse der Stefan» sich leicht in den Bergen verstecken, wie es die Banditen tun, und feinen Vorgesetzten trotzen."
„Er mag der griechischen Regierung trotzen, — die Banditen tun das auch, — aber die englische Regierung ist doch eine ganz andere. Sie wird den Verurteilten von Griechenland fordern, die Banditen werden ihn suchen helfen und ihn ausliefern in der Erwartung, die Belohnung zu erhalten, die auf feinen Kopf gesetzt ist, und Du und ich werden ihn hinrichten sehen, Jean; ich will »och heute die Nachricht nach Scotland-Aord und an das Ministerium des Innern und des Aeußern schicken!"
„Ich denke, er wird mit feiner Tochter korrespondieren."
„Ich will die Post bewachen. Jeden Brief, der kommt und geht, werde ich einer Prüfung unter- werfen. Ich werde ein scharfes Auge auf die junge Marquise richten!"
„Wie Du diesen Lord Stratford Heron hassen mußt," sagte Jean. „Und doch erwies er Dir einen guten Dienst, indem er Dich von Deinem Herrn befreite; denn wenn Lord Stratford seinen Bruder nicht ermordet hätte, glaube ich, würdest Du, bei Deinem heftige» Temperamente, ihn ermordet habe» aus Dankbarkeit für das bübfdtl Merkmal, welches er Deinem Gesichte beibrachte. Er bat Deine Aussicht auf eine Heirat gänzlich zerstört, denn keine Frau würde einen Mann mit einem solchen Gesichte heiraten."
„Da bist Du sehr im Irrtum," erwiderte er gereizt. „Ich bin verlobt mit Felice Dopont, Lady Wolga's Kammermädchen. Wenn Mylord die Herrin heiratet, heirate ich das Mädchen."
„Eine gute Partie!" rief Jean verwundert. „Felice ist sparsam und wird ein hübsches Sümmchen zurückgelegt haben. Aber wie kommt sie da» zu. Dich zu heiraten, der sein ganzes Geld in Kleidung und Juwele» verschwendetes Wie willst Du sie ernähren? Wirst Du Mylord's Diener bleiben?"
' '(Fortsetzung folgt.) I