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kistationrdru-r u. Verlag der 8uldaer Ar» tlendr lckerei in Zulda. zerniprecher Nr 9.

34. Jahrgang.

Fulda, Dienstag den 4. Juni 1907.

M 125.

Kvstes '^Ölcxft.

veutjches Reich.

Berlin, 3. Juni 1907.

t. Der Kaiser ist in diesem Jahre nach der Beriiner Parade nicht, wie eS seine sonstige Ge- wohnhett ist, an der Spitze der Truppen zum Schloß geritten. Das hat zu allerhand Gerüchten geführt. Das Polizeipräsidium teilt daher mit: „Ta» durch eine hiesige MiUagszeitung ver­breitete Gerücht, daß der Heimritt des Kaisers an der Spitze seiner Truppen nach der Früh- jahrsparade auf Anraten der Po lizei unterblieben sei, entbehrt seder Begrün­dung." Hierzu erfährt der .Berliner Lokalanz.' ncch salzendes: Als am Schluffe der Parade ein leichter Regen herniederging, sah der Kaiser du herankommende« schwarzen Wolken und be­fahl, da er, wie die meisten Retter, während tineS Regens nicht gern zu Pferde sitzt, die Heimfahrt mittels des Automobils. Gleichzeitig sar dte er einen Adjutanten zu dem PolizeiprLsi- de-len von Borries und dem Polizeimajor Hofft, dem jetzigen Führer der Schutzmannschast- und ließ ihnen die Aenderung seiner ursprünglichen Absicht, sich zu Pferde mit der Fahnenkompagnie -rach dem Schloß zu begeben, mitteilen. Die Erzählung von der polizeilichen „Warnung" ist vollständig erfunden.

* Den Antrag zur Wahlrechtsreform wollen .ie freisinnigen Fraktionen des Abgeordneten- Hauser noch in dieser Woche zur Besprechung dringen.

* Im Reichsjustizamt ist am Montag eine Konferenz von Settretern der größeren Justiz- Verwaltungen zusammengetreten, um die Vor- schiage zu beraten, die vom Reichsjustizamt für die Organisation der Strafgerichte und für die Gestaltung de§ Strafprozesses vorgelegt sind. Auf Grund dieser Beratungen roirü die Reichsjustizverwaltung, nachdem sie die Zustimmung der beteiligten preußischen Refforts gefunden hat, die für den Bundesrat bestimmte Vorlage festzustellen haben.

* Eine Reichstagsersatzwahl ist durch den lob des konservativen Abg. Nißler notwendig geworden. Nißler ist Sonntag nacht im Alter io» 54 Jahren am Herzschlag gestorben. Er vertrat seit 1898 im Reichstag den rnittelfrän- kischcn Wahlkreis Dinkelsbühl-Feuchtenwangen.

* Wegen Beschaffung von 700 Lokomo­tiven für das Elatsjahr 1808 ist das Eisen- bahnzentralamt in Berlin beauftragt worden mit den Werken, welche zur Zett für die preußisch- hessische Staatseisenbahnverwaltung beschäftigt sino, in Verhandlungen zu treten. Die Lieferung der Lokomotiven soll am 1. April 1908 beginnen und am 31. Oktober 1908 abgeschlossen sein.

* Bebel im Offizierkasino. Zu der Erzählung der „Rhein.-Westf. Ztg." über den Besuch des Ab. geordneten Bebel in Jüterbog bemerkt zutreffend die „Straßb. Post": Diese Erzählung wimmelt geradezu von Unmöglichkeiten! Ein jun­ger Offizier wird so leicht keinem alten Herrn „vertrauensvoll auf die Schulter klopfen", um fo weniger, wenn er Weitz, daß dieser Herr ein Reichstagsabgeordneter ist. Dazu hat auch der jüngste Offizier doch zuviel „Kinderstube"! Fer­ner: Wie denkt man sich das denn eigentlich, daß in einem Offizierkastno ein Offizier neben einem

liUexa

oder

Airf geheimnisvollen Wegen.

Roman von ®buatb Wagner.

71] (Nachdruck verboten.)

Mrs Jngestre hörte sich selbst gern erzählen, und da sie nun eine geduldige Zuhörerin gefunden hatte, sprach sie eifrig weiter. Plötzlich unter­brach sie sich, als sie nach der Uhr sah mit dem Ausruf:

„Wie die Zeit vergeht! Es ist schon nach sechs Uhr. und wir offen in einer Stunde. Der Mar- quis ist sehr pünktlich. Soffen Sie uns hinauf­gehen. Mein Zimmer ist in der Nähe der Jhri- gen."

Sie gingen hinaus in die Halle.

„Das ist der Salon," sagte Mrs. Jngestre, auf eine Tür zeigend. „Doch Sie wiffen es. Ich ver­gaß, daß Sie vor drei Wochen zum Effen hier wa­ren. Das ist die Bibliothek, sie ist mit dem Bal- Eonzimmer verbunden. Dort am Ende der Halle geht ein Korridor in den rechten Flügel des Schlosses, wo das Speisezimmer und eine Reihe anderer Gemächer sich befinden. Hier, dem Bal­konzimmer gegenüber, sind die Privatzimmre des Mkarquis. Weiter hin —"

Sie schwieg, als die Tür von Lord Mont- rFon!n vribQtäimmer geöffnet wurde und ein euer Wcann mit grauem Haar und Bart, gebeug- ^er Gestalt und sorgenvollen Zügen heraustrat. Gr schien tief betrübt zu fein/

Mr. Orrin, der Landverwalter" flüsterte Mrs. Jngestre Alexa zu, dem Manne'nachsehend, als « ^urch die Halle schritt. Er ist f0 unbeliebt unter den Pachtern, tote der Marquis beliebt ist

flange in der KamUie gewesen und

Zivllisten sitzt, besten Namen er nicht kennen soll? Glaubt man nicht, daß auch in Offizierkafiuos die Sitte der Borstellung herrscht? Sicherlich: Wir find politische Gegner von Herrn Bebel, aber wir möchten doch gegen seine Charakterifierung als „der gesprächige Alte" Verwahrung einlegen. Herr Bebel ist alles andere eher, als ein „gesprä­chiger Alter", der „feiner uniformierten Umgeb­ung" zuprostet" und sich über die „kolossale Ein- fachhett und Gediegenheit des Essens im Offizier- kosino wundert".

Der Kampf im Berliner Baugewerbe hat sich von neuem wesentlich verschärft. Am Sonntag nahmen auch die im Zentralverband organisierten Putzer und die Putzträger dazu Stellung. Die Putzer beschloffen mit großer Mehrheit, auf den Beschluß des Verbandes der Baugeschäfte nur die angefangenen Putzarbeiten Herstellen zu kaffen, neue Verträge aber nicht mehr einzugehen, am Montag überall da die Arbeit einzustellen, wo die Angehörigen der Bau­gruppen ausgesperrt oder wo die neuen am 26. Mai beschlossenen Forderungen nicht bewilligt worden find. Eine stürmische Versammlung, durch deren Beschlüsse ein großer Zwiespalt in die Reihen der Arbeiter getragen wird, hielten die Putzträger ab. Als die Leitung vorschlug, überall die Arbeit niederzulegen, wo die Putzer in den Ausstand treten, erhob sich von allen Seiten lärmender Widerspruch. Man ver­langte 60 Pfg. Stundenlohn. Wo diese For­derung nicht bewilligt wird, soll die Arbeit nicht wieder ausgenommen werden, auch dort nicht, wo die Putzer weiter arbeiten. Obgleich die Führer sich lebhaft dagegen aussprachen und erklärten, daß dadurch Uneinigkeit in die Reihen der Kämpfer getragen werde, wurde unter großer Erregung der Vorschlag abgelehnt und mit großer Mehrheit der von den Gegnern ein­gebrachte Antrag angenommen, wonach Montag Überall dort die Arbeit nicht wieder ausgenommen werden soll, wo 60 Pfennig nicht zugestanden werden.

** Der Fall Puttkamer - Germar will noch nicht zur Ruhe kommen. Nach Abschluß des Disziplinarverfahrens hatte Frau v. Germar, der in der Verhandlung allerdings recht übel mitge­spielt war, in einem Schreiben von neuem schwere Anschuldigungen gegen Puttkamer erhoben, die denn auch den Erfolg hatten, daß, wie Staats­sekretär Dernburg im Reichstage mitteilte, die Untersuchung von neuem eingeleitet wurde. Jetzt hat Herr v. Puttkamer sich veranlaßt gesehen, in dem ,Kleinen Journal auf die Vorwürfe seiner ehemaligen Freundin zu antworten. Er erklärt, daß, wenn Frau v. Germar bestreitet, mit Aus­nahme der einmaligen Geldstrafe niemals gericht­lich bestraft worden zu fein, dies eine Unwahr­heit fei. Sie sei im ganzen fünfmal bestraft worden; barunier einmal in Dresden zu 2 Monaten Gefängnis, die betreffenden Strafakten liegen vor. Es sei auch unrichtig, daß nicht ein Brief des Herrn v. Puttkamer bei der Verhandlung Det­lefen sei, und daß mindestens 12 Briese beschlag­nahmt seien. Kammergerichfsrat Strähler hat keine anderen Briese beschlagnahmt, als jene beiden, die bei den Akten liegen und die auch gelegentlich der Verhandlung verleben sind. Eben wegen dieser Briese ist auch Herr v. Puttkamer zu der Geldstrafe verurteill worden, da man es nicht für korrekt hielt, sich als Beschuldigter an eine Zeugin mit solchen Briefen zu wenden. Auch Frau v. Germar sei unter Eid vernommen worden

jedermann mochte ihn gern, als der frühere Mar­quis noch lebte, aber er hat jetzt sehr strenge An­ordnungen getroffen und läßt die Pächter die höchste nur mögliche Miete bezahlen, weshalb er allgemein verhaßt ist. Sie klagen bei Lord Mont- heron über ihn, aber dieser weigert sich, ihn zu entlassen, weil er so lange in der Familie gewe­sen ist und für deren Interessen strebt. Aber alle Vorstellungen und Verweise haben bei Mr. Orrin keinen Erfolg. Kein Wunder also, daß ihn die Leute Haffen!"

Alexa konnte diese Beschreibung mit dem ehr- ! lichen, bekümmerten Gesicht des alten Mannes nicht in Einklang bringen.

„Ich habe nun den Landverwalter gesehen," dachte sie, „und auch er scheint mir unfähig, einen Mord begehen zu können. Er möchte Gründe ge­habt haben, den Marquis zu vernichten, aber er kann keine so schreckliche Tat begangen haben. Ich glaube, daß er sowohl, wie Puffet, durchaus un­schuldig an dem Verbrechen ist. Der Kreis, in welchem ich die Frage, wer den Mord begangen hat, erörtern muß, zieht sich immer enger zusam­men und zeigt mir eine Spur, welche mein Herz mit Schrecken erfüllt."

34. Kapitel.

I« den Ruine« von Mont Heron.

Als Lord Kingscourt in das Gesellschaftszim­mer zu Mont Heron trat, war er ebenso erfreut wie überrascht, Alexa daselbst in Mrs. Jngestre's Gesellschaft anzutreffen.

Der Graf hatte kaum Zeit, einige Worte mit ferner Geliebten zu wechseln und feine Freude über ihr Hiersein auszusprechen, als der Marquis von Montheron erschien. Dieser war ungewöhn­lich still und machte auf Alexa den Eindruck, als sei ihm ihre Anwesenheit im Schloß nicht ange­nehm, jedoch wurde diese Befürchtung durch seine Freundlichkeit; gegen sie bald verscheucht.

Lord Kingscourt führte Alexa zu Tische und der Marquis bot feiner .Schwägerin den Arm.

und sie sagte damals aus, Herr v. Puttkamer habe sie niemals zu beeinflussen gesucht. In ihrem Briese beschuldigt sie sich also selbst einer falschen Aussage. Ein aktiver Offizier, Hauptmann Schlinkmann, der derzeit in Metz steht, und durch den Herr v. Puttkamer die jetzige Frau v. Germar seinerzeit int englischen Buffet kennen gelernt habe, habe gleichfalls unter Eid ausgesagt, daß auch er selbst die Dame unter dem Namen v. Eckardstein kennen gelernt habe. — Soweit Herr v. Puttkamer. ES ist für den Dritten schwer, in diesem Wust von Wider- sprüchen zu unterscheiden, was Wahrheit und was Dichtung ist.

* Das Ergebnis der bayerischen Landtags- Wahlen wird vom .Vorwärts' mit folgenden Sätzen begleitet:

„Der Liberalismus bleibt trotz aller schimpf­lichen Kompromiffe mit allem bürgerlichen Ge­schmeiß in seiner klägl ichen Ohnmacht. Er wird voraussichtlich weiter die Politik der großen Worte treiben, die infolge der Scheinsiege bei den letzten Reichstagswahlen ihn auch in Bagern noch von rosigen Morgen- rölen träumen lassen wird, wenn der letzte Liberale — längst in's unreaktionäre Paarungs- Himmelreich hinübergewanbert ist. Unb vor allem haben sie ben Trost, einen wirklichen katholischen Pfarrer — den Grandinger — in ihrer Fraktion zu zählen."

Fürst Bülow freut sich in bet ,Norb- deutfchen Allgemeinen Zeitung' auch hierüber unb meint:

„Im übrigen wies der Wahlkampf vor allem zwei sehr interessante Momente auf, die weit über die blau-weißen Grenz­pfähle Beachtung sanden, die Kandidatur des liberalen katholischen Geistlichen Grau­dinger, der nun auch gewählt ist und als erster liberal-katholischer Geistlicher in ein Parlament einzieht, und die Spaltung des Zentrums in den sicheren Kreisen der Ober­pfalz, die mancherlei Erscheinungen von grotesker Originalität zeitigte. Der Libera- liSmus ist diesmal mehr wie je geschloffen in den Wahlkampf eingetreten, er kann mit den erzielten Erfolgen im ganzen wohl zufrieden fein, dagegen haben Konservative unb Liberale in Wahlkreisen, in benen bas Zentrum bet Feinb war, nicht immer einen hinlänglichen Weg zur Verständigung gefunben. Die Bewegung bes nationalen, teils konservativ, teils liberal gefärbten Katholizismus, bie währenb ber Wahizeil ihren Ausgangspunkt in einer be­kannten Kundgebung maßgebender Persönlich­keiten aus Rheinlanb - Westfalen genommen hat, zieht noch immer weitere Kreise. Daß diese Beivegung mit den Wahlen sich keines wegs erschöpft hat, ist bet beste Beweis, baß- sie nicht, wie bie Zentrumspresse es gern bar­stellen möchte, von außen willkürlich in bie Reihen bes Katholizismus hineingetragen worben, fonbetn aus inneren Antrieben bisher zentrumstreuer ober zentrumsnaher, nunmehr aber burch bas engherzige Parteiregiment ber Zentrumsleiter abgestoßener Kreise erwachsen ist.

Welche Täuschung! „National-Katholiken" gibt es in Bayern schon gar nicht, benn sonst wäre Pfarrer Granbinger nicht als liberaler Kanbibat aufgetreten. Es ist übrigens sonder- bar, baß Bülow im Februar 1907 dem Erz- bischof von Bamberg für seine Haltung in ber

Die Herren erzählten von ihrer Wasserfahrt und begaben sich nach dem Essen mit den Damen ins Familienzimmer. Auf Ersuchen spielte und 'ang Alexa und wurde sie in einer Arie von Lord Kingscourt begleitet. Nach dieser Unterhaltung wurde ein Besuch des Wintergartens und der Ge­wächshäuser unternommen. Der Abend verging für Alexa sehr angenehm. Es war niemand hier, von dem sie gekränkt worden wäre. Mrs. Jn­gestre sah sie für die Freundin der Lady Wolga an und das war genügend, um sie anzuspornen, alles zur Unterhaltung des Mädchens aufzubieren, bis sie von Müdigkeit übermannt wurde und in ihrem Lehnstuhl einfchlummerte.

Lord Montheron zog sich in sein Zimmer zu­rück und so blieben die Liebenden sich allein über­lassen. Der Gras benutzte die Gelegenheit, zu versuchen, Alexa zu einer baldigen Heirat zu be­wegen. Er sagte ihr, daß er auf seinen Bries an ihren Vater noch keine Antwort erhalten habe, daß er aber hoffe, dieser werde seinen Wünschen nichts mehr entgegenstellen. Seine Vorstellungen und Bitten waren jedoch vergebens, denn Alexa er­klärte, daß sie nicht heiraten werde, selbst wenn ihr Vater seine Einwilligung geben sollte, solange noch jenes Hindernis vorhanden sei.

Der Abend war zu kurz für die Liebenden. Halb elf Ubr erwachte Mrs. Jngestre, und da dies die Zeit war, wo sie zur Ruhe zu gehen pflegte, verließ sie das Zimmer und nahm Alexa mit sich.

Als sie durch die Halle schritten, begegneten sie Pierre Renard, welcher auf dem Wege zu seinem Herrn war. Der Diener blieb wie vom Blitz getroffen stehen, als er Alexa sah, und schaute ihr furchtsam nach, als sie die Treppe hinausstieg. Die Aehnlichkett, welche er in ihren blauen Augen und dem blonden Haar mit dem verurteilten und verschollenen Lord Stratford Heron erkannt hatte, fiel ihm wieder auf und zwar noch mehr, als bei ihrem ersten Besuch im Schlöffe.

„Sie sieht den Herons von Montheron ähnlich genug, daß sie eine Tochter des Hauses sein könnte." murmelte er. „Wer ist sie? Wenn die

Stichwahl öffentlich im Reichstage bankte, unb daß er im Mai 1907 benjenigen Geistlichen feiern läßt, ber gegen ben Wunsch besselben Erzbischofs als Kandibat auftrat. Diese Gegen­überstellung sagt alles unb beweist, wie „gut" es ber Reichskanzler balb mit ben Bischöfen, halb mit ben liberalen Geistlichen meint. Aber alle, seine Hoffnungen auf eine Neubelebung bes Pfleglings „National-Katholiken" finb eitel.- Die Gesellschaft bes Reichskanzlers unb deren Absichten kennt man heute im ganzen katholischen Volke.

k. v. Bollmar über die Liberalen in Bayern. Am Abend des Wahltages in Bayern, den 31. Mai, sprach der Führer der bayerischen Sozialdemo­kratie, Abg. v. VoIlmar, in einer sozialdemo­kratischen Versammlung und sagte dabei u. a.: „Der Hauptgegner (die Liberalen) habe diesmal den Kampf in geradezu nieb erträdjtiger Weise geführt. Er (ber Rebner) habe, solange er nun "schon Abgeorbneter sei, boch nie geglaubt, baß bie Liberalen es fertig bringen würben, eine solche Verwilberung in ben Kampf hinein­zutragen ! Er erinnere ba nur an bas letzte liberale Flugblatt, bas an Lügenhaftig­keit schon alles übertreffe, was er (Rebner) bis­her gesehen habe. Dazu komme weiter noch, daß bei diesem Wahlkampfe alle die neuen kapitalisti­schen Kniffe unb Mittelchen, die man jüngst ken­nen gelernt, von den Liberalen wieder in An­wendung gebracht worden seien. Der „Zufall" will es nun, daß zu derselben Zeit ein liberales Blatt, die «Trier. Ztg/, in 9lr. 251 vom 1. Juni den Abg. v. Voll mar als „kompetenten Beurteiler bayerischer Verhältniffe" anerkannte. Tableau!

Aus dem Landtage.

Herrenhaus.

13. Sitzung vom 3. Juni 1907.

Eröffnung 2(4 Uhr. Der Entwurf betr. die Erweiterung des Stadtkreises Hannover wird in einmaliger Beratung angenommen.

Beratung der

Berggesetznovelle

Die Kommission empfiehlt, den Enttvürf un­verändert anzunehmen.

Graf Ballestrem: Der Zustand von 1865, als der Stadt noch den ganzen Bergbau unter seiner, Vormundschaft hatte, war ein beschämender. Das Vertrauen, das man seiner Zeit in den privaten Bergbau fetzte, indem man die Bergbaufreiheit proklamierte, war berechtigt und es ist kein Grund vorhanden, ihm jetzt Rechte zu entziehen, die er nie mißbraucht hat. Der Entwurf hebt die Berg­baufreiheit für die Zukunft tatsächlich auf. Die nicht beabsichtigten Folgen des Gesetzes werden so­zialistischer Natur sein. Die Herren von der Re­gierung sagen: zur Verstaatlichung des ganzen Bergbaues habe der preußische Staat nicht genug Geld. Aber, meine Herren, durch ein Gesetz läßt sich heutzutage alles machen. Wenn nach etwa ein ober zwei Jahrzehnten, wenn wir noch etwas so­zialistischer entwickelt sein werden, der Antrag kommt auf Verstaatlichung des gesamten Berg­baues. so wird sich dawider kaum ein entschiedener Widerspruch bei der Regierung und der Häuser des Landtags finden. Ich will zugeben, daß der Staat einen gewissen staatlichen Bergbau haben muß. Aber diesen hat er bereits, ja sogar mehr als er braucht. Aus diesen Gründen komme ich zur Ablehnung der Vorlage. Dagegen bin ich ein Freund der Resolutionen, welche wünschen, erstens die Organisation der Bergbehörden dahin abzuän-

klein« Lady Konstanze am Leben geblieben wäre, würde sie gewiß gerade so aussehen, wie diese Miß Strange. Aber das Kind ist tot und begraben, darüber kann kein Zweifel sein — und doch warte ich mit Ungeduld auf Nachrichten."

Ungeachtet der Ereignisse des Tages, ihrer Unterredung mit ihrem Geliebten, ihres Begeg­nens mit zwei Männern, welche möglicherweise den Mord verübt haben konnten, wegen dessen ihr Vater zum Tode verurteilt worden war, — schlief Alexa doch bald ein, nachdem sie sich niedergelegt hatte. Die Schlaflosigkeit in der vergangenen Nacht und die Aufregung des vorhergehenden Abends hatten sie so abgespannt, daß sich ihre Ge­danken nicht mit den Erlebnissen dieses Tages be- schästigen konnten.

Am anderen Morgen nach dem Frühstück bat Mrs. Jngestre den jungen Grafen, Alexa die Sehenswürdigkeiten des Schlosses zu zeigen, da sie heftiger Kopfschmerzen halber nicht imstande sei, als Führerin zu dienen. Es bedarf wohl kaum er­wähnt zu werden, daß Lord Kingscourt sich mit Freuden dieser Aufgabe unterzog.

Ruinen bestanden in einem Teil des Schlosses, welcher Jahrhunderte älter war, als der jetzt in Benutzung stehende Teil. Die schmalen, spitz zu- laufenden Fensteröffnungen, die massiven Mau- ern und Zinnen, zum größten Teil mit Epheu überrankt, der große viereckige Turm, stellten ein malerisches ©anje dar, welches zwar noch stark ge­nug. aber nicht mehr bewohnbar war und doch einen so großen historischen Wert besaß, daß man es als ein Verbrechen würde angesehen haben, hätte man es zerstören wollen.

Hier waren große Zimmer mit Fußböden von Steinplatten, lange Korridore und große Hallen, aber auch kleine dumpfe, lüft- und lichtlose Zellen, welche in alten Zeiten als Kerker gedient hatten. An diese Ruinen stieß unmittelbar die Kapelle, welche noch vor nicht langer Zett benutzt worden war und deshalb in «och besserem Zustande sich befand,^ '