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«dtatia»,druck #. Verlag der Zuldaer Ao> tieudr rckerei ie $»15» Kernsprecher Hr 9.
M 123,
Fulda, Samstag deu 1. Juni 1907.
34. Jahrgang.
Krftes Wlcrtt.
□ Die englischen Journalisten vom Kaifer empfangen.
Seit einigen Tagen wurde in der Presse lebhaft die Frage erörtert, ob der Kaiser die eng- Üschen Journalisten empfangen werde. Man wandte ihr umso größere Aufmerksamkeit zu, als bekanntlich König Eduard die Vertreter der deutschen Presse bei ihrem Besuch in England nicht empfangen, sondern einen Tag vor ihrer Abreise das Schloß verlassen hatte. Ein Teil unserer Presse hatte daher geglaubt, es müsse der deutsche Kaiser angesichts dessen auch seinerseits einen Empfang der englischen Herren a b l e h n e n. Wir zweifeln nicht, daß, wenn die englischen Journalisten zuerst in Deutschland gewesen waren und die Vertreter der deutschen Presse einen Gegenbesuch in England gemacht hätten, König Eduard sie
nicht empfangen habe« würbe,
wenn man feine Landsleute in Berlin nicht der Auszeichnung durch den Kaiser gewürdigt hätte. Von diesem Gesichtspunkt aus hat man in unserer Presse dem Kaiser die Ablehnung eines Empfanges angeraten. Wie ober unsere Regierung England gegenüber immer höflich ist, so hat auch in diesem Falle Fürst Bülow dafür gesorgt, daß sich die englischen Gäste nicht über deutsche Un- liebenswürdigkeit beklagen können, und so sind denn die englischen Herren am Freitag anläßlich der Potsdamer Frühjahrsparade vom Kaiser empfangen worden. Es handelt sich dabei aber nicht um einen zeremoniellen Akt, sondern mehr um eine zwanglose Zusammenkunft. Nach der Parade hielt der Kaiser vor dem Portikus der Kgl. Orangerie und ließ sich von dem Präsidenten des englischen Komitees, Wilson, mehrere von den englischen Journalisten vorstellen. Er unterhielt sich längere Zeit mit ihnen. Nach einem Bericht der „Nordd. Allg. Ztg." soll der Kaiser dabei geäußert haben, es wäre von großem Nutzen, wenn auch andere einflußreiche Männer Englands nach Deutschland kämen, das würde sehr viel dazu beitragen, ein besseres Einverständnis zwischen beiden Völkern anzubahnen. Gewiß kann es nur von Vorteil für, die Beziehungen zweier Länder zu einander sein, wenn sich ihre Bevölkerung gegenseitig näher kennen und schätzen lernt, aber wir möchten doch vor übertriebenen Hoffnungen in dieser Beziehung warnen. Weder das englische Volk noch die englische Presse macht die Politik. Die englische Prefse spiegelt ebenso gu t wie die Presse anderer Länder nur die augenblicklichen Strömungen an maßgebenden Stellen wieder, mag sie sich nun freundlich oder feindlich zu denselben stellen. Diese Strömungen aber werden durch Besuche von Journa- listen oder durch Besuche einzelner einflußreicher Persönlichkeiten n i ch t in bestimmte, einem anderen Lande freundliche Bahnen gelenkt. Jene Strömungen entspringen den Aspirationen der diplomatischen Kreise und ebenso wenig wie Fürst Bülow sich durch die deuffche Presse seine Zirkel stören läßt, ebenso wenig wird das bei der eng- lischen Diplomatie der Fall sein. Wir vermögen daher in den gegenseitigen Besuchen der Vertreter der deutschen und englischen Presse nur eine angenehm berührende Episode zu erblicken und wir stimmen der Konservativen Korrespondenz bei, wenn sie schreibt: „Es ist unterhaltend, täglich mehrmals Gäste zu bewirten und anzutoasten aber von politischer Wichtigkeit und nachhaltiger Wirkung ist das alles nicht." Sollte bei der ganzen Geschichte eine
Wertschätzung der Presse
ALexcr
oder
Auf geheimnisvollen Wegen.
Roman von Eduard Wagner.
681 Otachdruck verboten.)
(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)
„Sie trennten sich nicht im Garten von einem Manne unter Küssen und Umarmungen?" fragte Lady Wolga, das Unglaubliche noch immer nicht fastend.
Alexa errötete.
"Ich leugne es nicht," entgegnete sie stand- hast. —
•i'lPSS h?ar 69 "ord Kingscourt. Das hat mchts Besonderes auf sich, mein liebes Kind —"
„Der Mann war nicht Lord Kingscourt " fiel Lady Markham ein.
„Nein, er war es nicht," bestätigte Alexa. „O Mylady, schonen Sie mich! Wenn Sie mir nur «ine Zeitlang Verstauen schenken könnten."
Lady Wolga schien verwirrt und bekümmert. Ihr Vertrauen war nicht leicht zu erschüttern. Sie hatte das Mädchen lieben gelernt mit einer Zärtlichkeit, die ihr selbst unerklärlich war. Daß Alexa ein Geheimnis besaß, war ihr Flor; aber wie konnte sie etwas Schlechtes von diesem Mädchen glauben? Sprachen doch ihre Augen voller Treue und Aufrichtigkest für die Reinhett ihrer Seele.
In ihrer Unentschlossenheit und Verwirrung machte sie der Szene ein rasches Ende.
„SBir wollen die Sache heute abend nicht weiter besprechen", sagte sie ernst. „Alexa, ich werde ©tejoglettfi m Ihrem Zimmer besuchen."
Sie entließ ihre junge Gesellschaftern mit gewohnter Freundlichkeit, und Alexa, begab sich schweigend auf ihr Zimmer.
„Lady Markham," sprach die Lady ernst, als
und namentlich der deutschen Presse an maßgebender Stelle in Deuffchland herausspringen, so wäre das immer schon ein erfreuliches Resu tat. Aber auch an ein solches vermögen wir nid zu glauben, denn die Vertreter der deuffchen Presse haben von jener Stelle wiederholt schon manch bitteres Wort hören miiffen.
):( Der Maximalarbettrtag.
Ein direkter allgemeiner Maximalar- b e i t s t a g für erwachsene Arbeiter bestand schon in den 90er Jahren in der Schweiz und in Oesterreich, und zwar von elf Stunden, aber auch nur für Fabriken. In der deutschen Gesetzgebung war damals erst für jugendliche Arbeiter und für Arbeiterinnen die Arbeitszeit in den Fabriken beschränkt. Im übrigen besteht nur ein sogenannter hygienischer Maximalarbeitstag, indem die Gewerbeordnung dem Bundesrat das Recht gibt, für Bestiebe, in denen eine die Gesundheit gefährdende übermäßige Arbeitszeit besteht, die Arbeitszeit zu regeln. Im wesentlichen ist zunächst für die Bäckereien von diesem Recht Gebrauch gemacht worden. Außerdem haben die Erhebungen über die Arbeitszeit in Gesteidemühlen, Gast- und Schankwirtschaften und in Ladengeschäften zu weiteren Maßnahmen geführt. Schon vor mehr als zwanzig Jahren hat das Zentrum im Reichstag. eine
gesetzliche Festlegung
der höchstzuläffigen täglichen Arbeitszeit zu erreichen gesucht. Es wollte wenigstens nach dem Vorbilde der Schwey und Oesterreichs die Arbeitszeit in Fabriken auf höchstens elf Stunden beschränken. Die Forderung wiederholte es namentlich 1890 bei der Beratung des Arbeiter- schutzgesetzes, aber ohne Erfolg. Vier Jahre später forderte der Reichstag auf Grund eines Zen- stumsantrages Erhebungen über die Wirkungen des Elfstundentages für Arbeiterinnen, die Regierung kam aber dem Wunsche nicht nach. Erst als im Jahre 1897 infolge eines
abermalige» Antrages des Zentrum» wieder Erhebungen verlangt wurden, hat der Reichskanzler den Fabrik- und Gewerbeinspektionen Anweisung dazu gegeben. Die Ergebnisse der Erhebungen sind in den Berichten der Fabrik- und Gewerbeinspektionen für das Jahr 1897 nie- dergelegt. Sie boten geeignete Anhaltspunkte, um weiter in die Erörterung der Frage einzusteten, für welche Industrien in erster Linie Verordnungen gegen eine gesundheitsschädliche Arbeitszeit nötig sind. Die Regierung hat aber den Eintritt in diese praktische Arbeit auf Jahre verschoben, trotzdem bereits am 20. Januar 1899 der Zentrumsabgeordnete Dr. Hitze sie ernstlich an ihre Pflicht gemahnt hat. Dor einigen Wochen hat nun, wie schon bekannt, Graf Pofadowsky erklärt, daß ein Gesetz in der Ausarbeitung begriffen fei, welches den Fabrikarbeiterinnen eine Neuregelung der Arbeitszeit bringen soll. An der Einführung dieser praktischen Reform kann das Zentrum ein erhebliches Verdienst für sich in Anspruch nehmen. Wenn nun die Sozialdemokratie, wie zur Zeit die sozialdemokratischen Organisationen im Berliner Baugewerbe es tun, immer wieder den Achtstundentag in den Vordergrund stellen, so ist
diese Agitation wertlos.
Erst im Januar 1900 erklärte noch der französische sozialistische Minister Mille- r a n d inbezug auf die sozialdemokratische Forderung des Zehnstundentages: „Wenn jemand das Gefühl der Verantwortung hat, ich sage einfach, wenn jemand bei guten Sinnen ist, wird er anerkennen, daß man nicht ohne Ueb-rgang von heute auf morgen 157000 Betrieben' den
te mit der alten Dame allein war, „ich muß Sie bringen t) Bitten, daß diese peinliche Szene, sowie der Vorfall, welcher dazu Veranlassung gab, ein Geheimnis bleibt. Unsere Gäste dürfen nichts babon erfahren."
„Ich werde schweigen!"
„Es ist sehr wahrscheinlich, daß die Sache sich leicht aufllären läßt", fuhr Lady Wolga 'ort. „Der Mann mag ein unwürdiger Verwandter von Miß Strange sein, den sie nicht anerkennen will. Sie wird mir ohne Zweifel alles erklären; aber Sie und andere haben kein Recht auf ihr Vertrauen. Wenn sie mich zufrieden stellt, raufen Sie auch zufrieden sein."
„Es tut mir leib, meine liebe Wolga," ver- ehst die alte Dame, „daß ich Ihnen diesen Summer bereitet habe."
Lady Wolga nickte und bat Lady Markham noc^nals eindringlich, zu schweigen, woraus sich diese zurückzog. Lady Wolga schritt einige Minuten gedankenvoll auf und ab, dann verließ auch ie den Salon, ging langsam die Treppe hinauf und klopfte nun leise an Alera's Türe. Diese öffnete. Die geröteten Augen und die Spuren von Tränen auf ihren Wangen verrieten, daß sie geweint hatte.
Lady Wolga setzte sich am Kamin nieder und totnfte Alexa zu sich. Diese eilte herbei, kniete neben der Lady nieder und lehnte ihr Gesicht an i>eren Knie. Lady Wolga ftreidfelte ihr das blonde Haar und spielte zärllich mit den auf die Schultern herabhängenden Locken.
„Sie wissen, daß ich Sie lieb gewonnen habe Alexa, fragte sie sanft.
Eine leichte Kopfbewegung Alexa's beant- wartete die Frage zusttmmend.
„Sie toiffen auch, daß ich nichts Schlechtes von Ihnen denken kann. Ich meine. Sie befinden sich in irgend einer Bedrängnis, aus der ich sie leicht befreien könnte. Ich habe ein Recht auf Ihr Verstauen, mein Kind, und ich muß es geltend
Zchnstundentag für das gesamte Personal ans- erlegen kann. Das ist absolut unmöglich." Da- raus geht hervor, wie wenig den Interessen der Arbeiter gedient ist, wenn man seine Forderungen nicht aus das Erreichbare, sondern gleich auf das Alleräußerste richtet, welches der Ablehnung von vornherein sicher ist.
Deutsches Neich.
Berlin, 31. Mai 1907.
f. Der preußische Landtag nimmt in der kommenden Woche seine durch die Pfingstserien unterbrochenen Arbeiten wieder auf. Das Herrenhaus tritt bereits am Montag, den 3. Juni wieder zusammen. Neben kleineren Vorlagen harrt die Berggesetznovelle (MutungS- recht aus Kali und Kohlen) der Erledigung. Es wird angenommen, daß daS Herrenhaus an den vom Abgeordnetenhroitz bereits verabschiedeten Entwurf Aenderungen nicht vornehmen wird. DaS Abgeordnetenhaus beginnt seine Arbetten am Mittwoch, den 5. Juni. Neben unbedeutenden Vorlagen stehen die Nachtragsetats bett, die Beamtenbesoldungen auf der Tagesordnung. Am Mittwoch sollen diese NachtragSetatS beretts in erster und zweiter Lesung und am Donnerstag in dritter Lesung erledigt werden. Da aber daS Herrenhaus voraussichtlich an den wichtigeren Vorlagen Aenderungen nicht vornehmen wird, so dürfte das Arbeitspensum in wenigen Tagen erschöpft sein, sodaß man mit ziemlicher Sicherheit seinen Schluß am 8. Juni erwarten kann.
--- Ju einer Besichtigung der Marineanlagen m Kiel, Wik, Rendsburg und Mürwik sind, wie schon kurz gemeldet, auf Beranlaffung deS Herrn Staatssekretärs o. Tirpitz 24 Reichs- tagSabgeordnete und 6 Bundesratsmitglieder eingeladen worden. Die Besichtigung dauert 5 Tage, vom 3. bis 7. Juni, umfaßt auch verschiedene Manöver der Hochseeflotte und endigt mit einem Besuch auf dem Flaggschiff Sr. Kgl. Hoheit des Prinzen Heinrich von Preußen. Vom Zentrum find u. a. eingeladen die Abga. Oberlandesgerichts - Präsident Dr. Spahn, Frhr. von Thünefeld, Regierungsrat Speck und Müller-Fulda, doch wird der letztere verhindert sein, der Einladung Folge zu leisten.
Neber den Besuch Bebels im Kasino der Feldartillerirschule in Jüterbog schreibt man der .Rhein. Wests. Ztg/ aus beteiligten Osfi- zierssteisen: Bekanntlich nahmen auch die Sozial- demokratm an dem Ausfluge der Budgetkommission nach Jüterbog teil und wurden, wie die übrigen Teilnehmer, zu einem Frühstück im Kasino der dortigen Schießschule eingeladen. Allgemein fiel Bebel durch seine gute Manieren angenehm auf. Er war zuvorkommend, liebenswürdig, verbindlich, und machte die Offiziere durch fein artiges Betragen ganz das immerhin Ungewohnte vergeffen, ihrem größten deutschen Gegner gegenüber zu sitzen. Vor allem zeigte sich Bebel angenehm enttäuscht über die Einfachheit int Kasinoleben der Offiziere. Die Sache verlief folgendermaßen: Bebel sitzt neben einem jüngeren Offizier, der zwar weiß, daß der Herr ein Abgeordneter ist, aber keine Ahnung hat, daß gerade Bebel sein Nebenmann ist. Bebel war quitschfidel über das Gesehene, Über das schöne Wetter, wenn es auch etwas
machen. Wer war der Mann, den Sie diesen Abend im Gatten trafen?"
„Ich kann es nicht sagen, — selbst Ihnen nicht l" rief das Mädchen schmerzlich, ihre Augen lehend erhebend. „O, Lady Wolga, wenn ich önnte, würde ich Ihnen alles sagen; aber ich kann es nicht! Ich darf es nicht!"
„Ihr Vater ist in Griechenland. Sie sagten mir, Sie hätten keinen anderen Verwandten als ihn. Dieser Mann war nicht Lord Kingscourt, noch konnte er Ihr Verwandter sein. Wer also war es?"
„Ich kann es nicht sagen!"
Ueber Lady Wolga's Stirne zog eine dunkle Wolke.
„Sie sind nur ein Kind in Ihren Welterfahrungen, Alexa," sprach sie sanft und liebevoll, „und Sie mögen in irgend einer Weise mit einer unwürdigen Person bekannt geworden sein. ' Bertrauen Sie mir, als ob ich Ihre Mutter wäre, bie Sie vor so vielen Jahren verloren haben, und setzen Sie mich in die Lage, Ihnen zu Helsen. Sagen Sie mir, wer dieser Mann war."
„Ich kann es nicht, Lady Wolga. O, cs ist mir, als ob mein Herz brechen sollte! Sie werden i>a§ Vertrauen zu mir verlieren, wenn es nicht Iteteifg verloren ist, und ich möchte lieber sterben, als von Ihnen verkannt sein. Das Geheimnis, um welches Sie mich fragen, ist nicht das meinige, und deshalb darf ich es nicht sagen!" rief Alexa, verzweifelt die Hände ringend.
Lady Wolga's Augen wurden strenger.
„Alexa", sagte fie, „Ihr Vater ist nicht hier und kann nicht auf Sie achten; ich aber würde eine schlechte Freundin fein, wollte ich unterlaßen, Ihr volles Vertrauen zu verlangen, oder zu bitl- i>en, daß Sie in Ihrer Unerfahrenheit in die Hände eines Unwürdigen fallen. Sie lieben Lord Kingscourt. Weiß er von dem nächtlichen Besuch?"
„Rein, nein!"
heiß war, und über die liebenswürdige Aufforderung zum Frühstüch und ganz besonders über die gute Bewirtung. Es gab nur kalte- Bufett: Karbonaden, HemigSsalat und sonst so ganz einfache Sachen. Da hat sich denn der gesprächige Alte nicht enthalten können, seinem Nachbar feine Verwunderung auszusprechen über die koloffale Einfachheit und Gediegenheit deS Essens im Offiziers-Kasino: Heringssalat, Falte Koteletts usw. Er hätte sich doch ganz ander» und, wie er jetzt sähe, falsche Vorstellungen Über das Leben der Offiziere gemacht. Diese lebten ja koloffal einfach! Als er diese Ansicht nach wiederholtem Zuprosten zu seiner uniformierten Umgebung wiederholte, sagte der neben ihm sitzende jüngere Offizier zu ihm — er erkannte ihn nicht — indem er dem alten Herrn vertrauensvoll auf die Schulter klopfte: „Ja, sehen Sie einmal, Herr Abgeordneter, jetzt haben sich die hier im Kasino (gemeint ist die militärische Kasino-Kommission) noch besonders angestrengt; — weil die Herren vom Reichstag hier sind —> und haben alle möglichen Genüsse aufgefahren;i sonst kriegen wir keinen Heringssalat zum Früh«! stück!"
* Ueber die Frage der Zulassung der Presse zu den Sitzungen der Haager Konferenz verbreitet der ,New-Uork Heralk/ die Meldung, daß Deutschland undJapan sich dagegen ausgesprochen hätten, obwohl die Mehrzahl der Mächte und besonders Rußland und die Vereinigten Staaten für die Oeffentlichkeit der Sitzungen eingetreten wären. Demgegenüber erfährt die ,Voff. Ztg?, daß über diese Frage Verhandlungen zwischen den Mächten überhaupt noch nicht stattgefunden haben, daß aber Deutschland, sobald die Frag» erörtert wird, unbedingt für die Znlaffung der; Presse eintreten wurde, um durch die Oeffent- lichkeitderVerhandlungen allenP rejjtreibereien vorzubeugen. Die Erfahrungen von Algeciras nach dieser Richtung dürften noch nicht vergessen sein.
* Eine Eingabe studierender Frauen au den Kultusminister um Zulassung zur Immatrikulation ist von 160 Universitätsprofessoren befürwortet worden. In der von diesen dem Minister unterbreiteten Petiten heißt es: „Nach der gefronten Entwickelung des FranenstudiumS in den letzten Jahren, und nachdem die Zulassung der Frauen zu den Kollegien, Seminaren und Prüfungen in der Hauptsache praktisch erreicht ist, erscheint es angemessen, den Frauen, welch» die gleichen Vorbedingungen erfüllen wie die Männer, auch formell das Universitätsstudium freizugeben, wie das in den süddeutschen Staaten bereits geschehen ist."
/. Freisinnige Kritik am Freisinn. Di» jüngst erschienene Kundgebung des freisinnigen Blocks findet nachträglich in einem Teil der frei« finnigen Presse eine Kritik, wie sie kaum in der gegnerischen Presse geüot worden ist. Es scheint demnach, als ob Herr Müller-Meiningen mit seinem Mahnruf an den störrigen Teil der liberalen Presse nur wenig Erfolg gehabt habe. In dem ,Berl. Tagebl/ wird bem Manifest der Charakter eines Aufrufs an die Wähler abgesprochen und das ganze als ein Verlegenheitsprodukt bezeichnet. Den Verfassern, heißt es, war augenscheinlich zumute, als sollten sie in einem Raritätenkabinett Staub wischen. Freilich, was der Freisinn seinen Wählern zu bieten hat, ist schon danach.
„Werden Sie es ihm erzählen?"
„Nein, Lady Wolga, um alles in der Welt nicht!"
„Was soll ich davon denken? Mein Herz hängt an Ihnen, aber ich muß Ihr Geheimnis wissen, um Ihrer selbst willen. Sie können mir sicher vertrauen. Ich werde Ihre Mitteilungen treu bewahren. Ich beschwöre Sie, Alexa, erzählen Sie mir die ganze Wahrheit."
Alexa stand auf; fie war totenbleich und aus ihren Augen perften auf's neue heiße Tränen.
„Ich kann es Ihnen nicht sagen," erwiderte sie. „O, Lady Wolga, was müssen Sie von mir denken? Ich würde lieber sterben, als Ihre Achtung verlieren, und doch kann ich Sie in mehl Geheimnis nicht einweihen!" f
Lady Wolga erhob sich; ihr Gesicht war farblos, wie das des Mädchens.
„Wo kein Vertrauen ist, kann keine Liebe sein!" sprach sie mit sichtbarer Kälte. „Wenn Sie mir das eine schenken, gebe ich Ihnen daS andere. Inzwischen lassen Sie uns keine Zeichen gegenseitiger Zuneigung mehr austauschen. Sie werden morgen auf vierzehn Tage zu Mrs. Jn- gestre nach Mont Heron gehen; sollte diese wünschen, Sie länger bei sich zu behalten, so haben Sie die Freiheit, bei ihr zu bleiben I"
Und mit einem traurigen „Gute Nacht!" und mit einem Blicke, welcher zeigte, wie tief fie im Herzen verwundet war, verließ Lady Wolga das Zimmer.
Alexa stand wie erstarrt; lange mch blickt: fie nach der Tür, durch welche ihre Äkutter bet- chwunden war. Dann wart sie sich aufs Sopha uni) weinte bitterlich.
„Das ist eine förmliche Entlassung!" dachte te. „Sie wird m ir nicht gestatten, zu ihr zurück- zukehren. Ich habe ihre Liebe, ihre Achtung und ihr Vertrauen verloren. O, Himmel, erbarme dich meiner. Es ist zuviel, was ich zu tragen habe!"
(Fortsetzung Mfltl