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M 121.
Fulda, Mittwoch ben 29. Mai 1907.
34. Jahraanff.
Irveitss ~2jH'att.
(:) Das heilige Fronleichnamsfest.
Das Fronleichnamsfest ist eine der katholischen Kirche eigentümliche Feier zur besonderen Verehrung des allerheiligsten Sakramentes, ein von der siegreichen Wahrheit des katholischen Glaubens an den mit Fleisch und Blut, mit Leib und Seele, mit Gottheit und Menschheit wahrhaft, wirklich und wesentlich im allerheiligsten Sakramente gegenwärtigen Heiland gefeiertes iLriumphfest.
Die Verehrung des Altarsakramentes war Von jeher in der Kirche ein Gegenstand größter Sorgfalt und innigster Frömmigkeit. Um sein Geheimnis nicht den Heiden Preis zu geben, flüchteten die ersten Christen mit demselben in die ,Katakomben und verhüllten seine Kenntnis unter symbolischen Bildern und Ausdrücken. Die ganze kirchliche Liturgie bildet nur einen erhabenen Lobgesang, dessen harmonische Akkorde zu Ehren des allerheiligsten Sakramentes erklingen. Obschon die Häresie frühzeitig sich vermaß, die Grundfesten des Glaubens, das Geheimnis der heiligen Dreifaltigkeit und die Göttlichkeit der Person Christi, anzutasten, schreckte sie doch ein volles Jahrtausend vor der anbetungswürdigen Hoheit des allerheiligsten Sakramentes zurück. Hieraus erklärt sich, daß das Bedürfnis nach einem eigenen Feste im Gegensatz zur Häresie erst im 12. Jahrhundert hervortrat und die Einführung desselben bis in das 13. Jahrhundert /sich hinzog.
, Als vorzügliche Förderin des Fronleichnamsfestes wird die selige Julianna, Nonne des -Augustinerinnenklosters Cornclienburg bei Lüttich in Belgien, genannt. Julianna zeichnete sich durch große Frömmigkeit und Tugend aus, weshalb sie um 1230 zur Priorin ihres Klosters ge- /vählt wurde, und ward von Gott außerordentli- ^cher Gnadenbeweise gewürdigt. Insbesondere chatte sie eine Erscheinung, durch welche sie sich zur Einführung des Fronleichnamsfestes angetrieben fühlte. Sie offenbarte sich dem Domini- Fanerprovinzial Hugo von St. Caro und dem Archidiakon Jakob von Troyes in Lüttich, welche ihr Vorhaben billigten. Ersterer wurde 1245 Kardinal und päpstlicher Legat, letzterer saß als Urban IV. von 1261 bis 1264 auf dem päpstlichen Stuhle; beide ließen sich nun die Ausführung des von Julianna angeregten Gedankens desto eifriger angelegen sein.
Nachdem das Fest in der Diözese Lüttich durch Den Bischof Robert 1254 und seinen Nachfolger Heinrich Eingang gefunden batte, ordnete Papst Urban IV. seine Feier 1264 für die ganze Kirche an und setzte dieselbe auf den ersten Donnerstag nach der Pfingstoktav fest. Papst Clemens V. bestätigte die Einführung des Festes im Jahre 1311, Papst Johann XXII. neuerdings im Jahre 1316, ebenso Martin V. im Jahre 1429 und Papst Eugen IV .im Jahre 1433.
Namentlich hat das tridentinische Konzil in feiner 13. Sitzung vom 11. Oktober 1551 das Fronleichnamsfest und die feierliche Fronleichnamsprozession als ein mannhaftes triumphierendes Bekenntnis des katholischen Glaubens gutgeheißen und lebhaft empfohlen. Die Kirche will ihre heilige Freude und jubelnde Huldigung nicht auf das Gotteshaus und die Gläubigen, die es fassen kann, beschränken; es drängt sie ins Freie, sie möchte die ganze Schöpfung in einen einzigen Tempel zur Verehrung des unter Brots- gestalt verhüllten göttlichen Heilandes ^rmwan- deln. „Daher der festliche Schnruck der Straßen,
Ale«c»
oder
Auf geheirnnisvollen Wegen.
w — von Eduard Wagner.
63] -Nachdruck verbalen.)
„Ein geheimnisvoller Einsiedler l" bemerkte der Marquis, mit einem leichten höhnischen Zug auf seinem freundlichen Gesicht. „Ein Mann ohne Charakter, verbittert durch das ganze Leben wegen einer Enttäuschung —"
„Sie sind im Irrtum, Marquis", unterbrach ^ord Kingscourt den Marquis. „Mr. Strange - hat einen sehr festen Charakter und einen hohen Sinn für alles Edle. Er ist ein Mann, welcher Ehrfurcht einflößt. Ich verstehe ihn nicht ganz, aber er ist einer der besten Menschen, welche ich »emals kennen lernte."
„Wissen Sie etwas näheres über ibn, Lord Kingscourt?" fragte plötzlich Lady Markham. „lieber seine Familie, seinen früheren Wohnort, die Familie seiner Frau?"
„Ich wagte nicht, ihn mit solchen Fragen zu belästigen," antwortete der Graf in zurückweisendem Tone. „Er ist nicht der Mann, welcher ungebührliche Vertraulichkeit gestatten würde."
„Ich habe es von Anfang an gesagt, daß etwas Geheimnisvolles um Miß Strange ist", - sagte Lady Markham. „Sie werden die Wahrheit meines Verdachtes erfahren. Sie ist nicht, was scheint."
„Ich stimme mit Lady Markham überein," - sprach der Marquis. „Ich muß mich wundern, tdaß Sie sich von dem hübschen Gesicht des Mädchens so verblenden lassen, Lady Wolga. Sie 'würden am besten tun, sie zu entlassen."
„Das werde ich nicht tun!" erklärte Lady Wolga entschieden. „Sie hat mit ihren wundervollen Augen mein Herz gewonnen, und ich will
durch die man zieht; daher die Zweige und Blumen, mit denen man den Weg bestreut. Es zieht ja derselbe einher, der einst, obwohl selbst in ärmlicher Gestalt, unter dem Freudenjubel der Menge über die mit Palmeuzweigen bestreuten Wege in Jerusalem einzog." (Wilmers, Lehrbuch der Religion, XI. 469).
Aber wenn auch die äußere Feier des Fron- leichnamsfestes irgend welche Einschränkung ihres Glanzes erleiden möchte: unsterblich wie die Idee des Festes wird jene einzig schöne Verherrlichung die Zeiten und Menschen überdauern, welche der große Thomas von Aquin durch das im Auftrage des Papstes Urban IV. von ihm erfaßte Offizium des Festes dem hochheiligen Fronleichnam Bereitet hat. Man hat dieses Werk mit Recht eine liturgische Epopoe genannt, in welcher sich die erhabene Meistersthaft eines übermenschlichen Geistes offenbart, die gotterleuchtete Ergießung „einer Seele, welche rein von Sünden und frei von irdischen Neigungen, gleichsam ein heller Kristall geworden ist" (Alban Stolz, Sternen- himinel 159). „Die sinnige Typik, der poetische Duft und Hauch, der die ganze Konzeption durchweht; der Geist verklärter Andacht, dem alle Segensborne der gottbegnadeten erlösten Natur sich erschlossen haben; der weihevolle tiefe Friede, der über dem ganzen Werk schwebt und das Vorgefühl himmlischer Ostern atmet — all diese Eindrücke wirken zusammen. (Werner, der heilige Thomas von Aquin I. 792.)
Die Fronleichnamshymnen mit dem allbekannten Fange lingua, insbesondere die Sequenz Sion Salvatorem, sind „durch ihre dogmatische Präzision und dichterische Vollendung ausgezeichnet" (Brück, Kirchengeschickte, 542). „Der höchste lyrische Schwung, tiefgläubige Anbetung, Sehnsucht nach der Anschauung der ewigen Klarheit Gottes tönt aus ihnen, „himmlische Rythmen von Menschenmultd gesungen", unter deren Klängen „dieses irdische Jammertal wirklich zur Vorhalle des Himmels" wird (Wimmers, Lehrbuch der Religion IV. 471). Nimmt doch der heilige Thomas von Aquin in feiner Zeit wie in der ganzen späteren Geschichte eine Stellung »nicht blos von ungewöhnlicher, sondern in der Tat von wunderbarer Art" ein: „Die Welt wird von seiner Lehre gesättigt, weil sie selbst von den höchsten Höhen genährt und erfrischt ist." (Haffner, Geschichte der Philosophie 592).
Gottes eingeborenen wesensgleicher Sohn ist um der Menschen willen nicht nur Mensch geworden, sondern er hat sich auch verdemütigt bis zum Tode am Kreuze. Eben aber deshalb hat ihn Gott erhöht und ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, sodaß im Namen Jesu alle Knie sich beugen und alle Zungen bekennen, daß Christus in der Herrlichkeit Gottes des Vaters thront. (Philipper 2, 8—11.) Um gleichwohl, auch bei uns, den Menschen, zu wohnen, die mühselig und beladen sind, hat seine unendliche Liebe das immerwährende Wunder der Eucharistie geschaffen.
In der verhüllten Majestät dieses geheimnisvollen Sakramentes hält er unter BrotIgestalt am hochheiligen Fronleichnamsfest feinen glorreichen Umzug unter den Völkern, um die Huldigungen ihrer Gegenliebe zu empfangen. Folgen wir dem Könige der Ehren auf feinem Triumphzug.
Aus! and.
* Der französische Kultusminister Briand, sozialistischer Abgeordneter lür St. Etienne, hat bekanntlich durch seine Haltung in der Arbeiter- synditätssraze Den Unwillen sem er Parteifreunde erregt. Der sozialistische Verband für das Loire
nichts Schlechtes von ihr glauben. Sie ist rein und unschuldig, und ich a(aube auch an die Recht- lichkeit ihres Vaters um ihretwillen I"
Lord Kingscourt warf Lady Wolga einen dankbaren Blick zu. Beide wechselten ein Lä- cheln vollkommenen Einverständnisses, und Lord Kingscourt fühlte, daß die stolze Lady um fein Liebe zu Alexa wußte und dieselbe billigte.
In diesem, Augenblick kehrte die junge Gesellschafterin zurück und man war gezwungen, von etwas anderem zu sprechen. Ter Marquis und der Graf verabschiedeten sich bald darauf und Lady Markham begab sich auf ihre Zimmer, froh in dem Bewußtsein, in Lord Montheron einen Verbündeten gegen Alexa gefunden zu haben.
„Der Marquis von Montheron fühlt ebenfalls Mißtrauen und Abneigung gegen sie," dachte sie. „Er wird nicht zugeben, daß Miß Strange seiner Gemahlin als Gesellschafterin in das Schloß folgt. Ich werde mir sobald als möglich eine vertrauliche Unterredung mit ihm verschaffen und ihm all meine Zwei fel über das Mädchen mitteilen. Mit feiner Hilfe werde ich Lady Wolga gegen diese Abenteuerin stimmen, und die Ausführnng ihrer Pläne, welcher Art sie auch sein mögen, vereiteln!"
Uefcer Alexas Haupt zogen sich finstere, wet- terschwere Wolken zusammen. Was vermochte sie gegen so mächtige Feinde, die geheime und doch so feste Netze um sie zu schlingen versuchten? Sie hatte ja nichts für sich, als den unerschütterlichen Glauben an ihren endlichen Sieg, an den glücklichen Erfolg ihrer Sendung. Wie ungleich war der Kampf! —
30. Kapitel.
Unverhofftes Wiedersehen.
Drei Wochen waren vergangen, feit Alexa nach Clyfsebourne als Gesellschafterin der Lady Wolga gekommen war, und während dieser Zeit hatte sie die Liebe ihrer Mutter vollständig gewonnen. Es bäte sich um beider Herzen ein Band
Marktberichte.
• Frankfurt, 27. Mai 1907. Am heutigen Wochenmarkte waren einheimische Brotfrüchte knapp offeriert und die wenig belangreichen Umsätze vollzogen sich zu weiter erhöhten Preisen. Ausländische Brotfrüchte den erheblich gestiegenen Preisen der Ejg>ortländer entsprechend teurer, aber nur für geringen Bedarf gekauft. Gerste umsatzlos. Hafer fest bei kleinen Umsätzen. Ma,S ebenso. — Es notieren je nach Qualität und Herkunft: Weizen hiestger und Wetterauer neuer 21.00 bis 22.00 M., kurhessischer je nachQualität 00.00- 00.00Mark, norddeutscher 00.00—00.00 Mk., russ. 21.00—22.25 M., Redlvinter 00.00-00.00 Mk., Kansas 00.00-00.00 Mk., La Plata 21.25-22.25 M., rumänischer 20.75-22.25 Mark. Roggen, hiesiger 20.50—21.00 Mk., rumän. 20. 5—21.2" Mk.. russischer 20.75 -21.25 Mk. Gerste geschäftslos. Hafer, hiesiger, 19.75 bis 20.50 Mk,. bayerischer 19.75-20.50 Mark, russischer 19 25 bis 20.25 M., rumän. 19.50—20.50 Mk., amerikanischer 19.50—20.50 M Mais (Mixed ) 14.50—15.00 M., Donaumais 14.75—15.00 M, La Plata 14.75—15.00 Mark, russischer 14.75-15.00 M. Alles per 100 Kilo, netto effektiv loco hier. — Mehl steigend. Es notiert je nach Qualität: Weizenmehl, hiesiges, Nr. 0 29.25 bis 29.75 M., feinere Marken 30.00-31.00 M., Nr. 1 27.25—27.85 M., feinere Marken 28.25—28.75 Mark, Str. 2 26.50—27.00 M., feinere Marken 27.00—27.75 Mark, Nr. 3 25.25-25.75 Mk., feinere Marken 25.75 bis 26.25 M., Nr. 4 23.00—23.50 M., feinere Marken 23.50—24.00 M., Roggenmehl hiesiges Nr. 0 29.00 bis 29.50 M., Nr. 1 27.00 27.50 M„ Nr. 2 22.50-23.50 Mark. Alles per 100 Kilo inklusiv Sack. Futterariikel unverändert. Weizenschalen 5.50—5.75 M., Weizen- kleie5.50—5.75M.,Roggenk!eie 5.80—6.00M., Futtermehl 7.50—8.50 M., Biertr.ber, getrocknet, 5.60—5.70 Mk. je nach Qualität. Alles per 50 Kilo netto effektiv loco hier.
Gottesdienstordnung in §ulda.
D o n n e r st ag, 30. Mai. (Fronleichnamsfeft.1 Dom. 6, 6 und 7 Uhr hl. Messen, 8 Uhr Pfarramt und Predigt, st.,10 Uhr Umgang und bischöfliches Hochamt, 12 Uhr bl. Messe, ’/»2 Uhr Andacht, 4 Uhr bischöfliche Besper. — Stadtpfarrkirche. ‘/*6 Uhr hl. Messe und Predigt, 6 und < Uhr hl. Messe, 8 Uhr Amt und Predigt, ‘,slO Uhr Festpredigt, Hochamt mit Diakonium und Chorgesang, 3 Uhr Andacht, l/i8 Uhr Maiandacht. — Pfarrkirche zum heiligen Geiste. 3,V7 Uhr Austeilung der hl. Kommunion, 7 Uhr Frühmesse, 8 Uhr Hochamt mit Predigt, 5 Uhr Andacht mit Segen. — Frauenberg. Heilige Messe um 5 Uhr (mit Mai-Andacht), -/»6 und V«8 Uhr hl. Messen, 8 Uhr Rosenlranzmesse, 9 Uhr feierliches Amt mit Aussetzung, zugleich Militärgottesdienst, nachmittags 2 Uhr feierliche Vesper mit sakram. Segen.
Reklamen- nud Anzeigenteil.
WM- verleihanftalt
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pro Cmtttr «. Woche 10 pfg. • Frankfurt a. M.
Für den
Monat Juni nehmen alle Postanstalten, Landbriefträger, Zcitungsträger und die Expedition (Harmonie) Bestellungen auf die »Fuldaer Zeitung" zum Preise von 50 Pfennig (ohne Bestellgeld und Bringerlohn) entgegen.
departement hielt am vergangenen Sonntag in St. Etienne einen Kongreß ab, auf welchem das Verhalten der Regierung im allgemeinen mißbilligt wurde. Dagegen wurde ein Antrag, Briand wegen seiner Stellungnahme besonders einen Tadel auszusprechen, abgelehnt, des- gleichen mit erheblicher Stimmenmehrheit ein Antrag, der den Ausschluß Briands aui der Partei verlangte. Das Rezept: „We, nicht pariert, der fliegt hinaus" findet also bei den französischen Sozialisten weniger Anwendunc als bei ihren deutschen Genossen.
e. Ein französischer bischöflicher Diözesan- konarefi findet in den Tagen vom 27.-29. Mai in Paris statt. Es handelt sich um Organi- sationspläne kirchlicher und sozialer Natur. Du Organisation in der Diözese einerseits und ir den Pfarrgemeinden anderseits stehen im Vordergründe, das die Zurückweisung der Kultusvereim die Kirche finanziell in eine sehr bedenkliche Lag, verseht hat. Die gemäßigte Presse ist der Ansicht, daß sich sowohl eine vollständige lieber- einstimmung des Episkopats mit dem Vatikan als auch eine Verständigung mit der Regierung erzielen lasse.
ca. Bom französischen Kulturkampf. Es hat sich vielfach die Meinung verbreitet, bet französische Kulturkampf sei in's Stocken geraten, besonders, weil das Parlament sich nicht mehr gefetzgebertsch damit befaßt. Demgegenüber fei darauf hingewiesen, daß fast kein Tag vergeht, an dem nicht eine Kirche geschlossen wird, sei es auf Beschluß irgend eines radikalsozialistischen 'Gemeinderats, sei es auf Anordnung eines Bischofs, zur Verhütung kirchenfeindlicher Exzesse.
f. Das norwegische Königspaar ist am Montag in Paris eingetroffen und von der Presse Warrn begrüßt worden. Präsident Falliere- empfing die Majestäten am Bahnhofe und geleitete sie unter den Beifallskundgebungen der Menge nach dem Ministerium des Aeußeren.
b. Das Attentat gegen den Präsidenten von Guatemala. Präsident Cabrera empfing eine Abordnung von Frauen, welche um Gnade für die vom Kriegsgericht wegen Verschwörung gegen das Leben des Präsidenten zum Tode Verurteilten baten. Der Präsident erklärte, es sei unwahr, daß 19 Mann zum Tode verurteilt worden seien; das Kriegsgericht habe die Ent- scheidung noch nicht gefällt.
* Ernstliche Unruhen sind in Persien ausgebro- chen. Ter Gouverneur von Laristen hat mehrere Tausend Kurdenreiter gesammelt und beabsichtigt. sich zum Schah ausrufen zu laffen. Seine Mannschaften sind mit Gewehren neuesten Systems und mehreren Schnellfeuergeschützen aus- geitattet., In der Hauptstadt Teheran ist es verhältnismäßig ruhig, doch sind die Läden geschlossen und das Parlament hält keine Sitzungen ab.
* Ausschreitungen von Chinesen gegen eine protestantische deutsche Missionsanstalt. Banditen zerstörten die deutsche Mission in Lientsckon bei Aakhoi; die Missionare wurden gerettet. Das deutsche Kanonenboot „Iltis" mit 20 Mann Verstärkung vorn Kanonenboot „Tsingtau" ist heute von Hongkong nach Dakhoi abgegangen.
* Der König Tschnlalongkoon von Siam wird im Juli dem Prinzregenten von Bayern in München einen Besuch abstatten. Dem Könige soll ein festlicher Empfang bereitet werden, da er verschiedenen Mitgliedern des bayerischen Königshauses in seinem Lande wiederholt die großartigste Gastfreundschaft erwiesen hat.
geschlugen, welches ebenso heilig wie unlöslich war.
Die dunklen Augen der Lady blickten mit inniger Zärtlichkeit, wenn sie auf dem lieblichen Antlitz des Mädchens ruhten. Das Herz der stolzen Frau erbebte beim Klange ihrer Summe, wie es bei keinem anderen Ton erbebte. Die wundervollen Augen, so ähnlich einem anderen Augenpaar, welches sie längst unter fremder Erde glaubte, erweckten seltsame Erinnerungen nt Lady Wolgas Brust und zauberten von neuem in ihrem Herzen harmonische Akkorde von Glück hervor, die im Verlaufe der Zeit entschlummert waren.
Lady Markham gewahrte mit steigender Eifersucht und Besorgnis den großen Einfluß, welchen Alexa über ihre Herrin gewonnen hatte. Da sie das Mädchen für eine Heuchlerin hielt, die eine geheime Absicht verfolgte, hatte sie jetzt nur noch ein Ziel: Alexa aus ihrer Stellung zu verdrängen, und sie ließ keine Gelegenheit vorübergehen, ihr Verlegenheiten zu bereiten.
Die ersten Gäste von Clyffebonrne waren abgereist und andere eingetroffen, und auch diesen, wie den elfteren, flüsterte Lady Markham im Vertrauen ihre Ueberzengnng zu, daß Alexa eine Abenteuerin und ihr Vater ein verkommener Mensch fei, welcher zum Glück für fein Vaterland aus England entflohen war.
Die Folgen dieser Zuflüsternngen waren, daß Alexa von den Gästen unbeachtet gelassen wurde und daß man selbst Lady Wolga im Stillen bedauerte, daß sie sich so ganz von einem solchen Mädchen umstricken ließ.
All die Gute und Sorge der Lady Wolga reichten nicht hin, Alexas Leben zu Clyfsebourne zu einem angenehmen zu machen. Es bedurfte ihres ganzen Mutes, um die kleinen Zurücksetzungen und Angriffe zu ertragen, denen sie in Abwesenheit der Lady Wolga ausgesetzt war. Aber ihres Vaters wegen, sowie um ihrer ihr nun so teuer gewordenen Mutter nahe bleiben zu können, ertrug sie alles mit einer Würde, welche ihre Widersacherin zuweilen beschämte.
Der Marquis von Montheron hatte sich denen angeschlossen, welche Alexa für eine Abenteuerin hielten. Sie erinnerte ihn unangenehm an seinen Verwandten, Lord Stratford Heron, und er riet Lady Wolga oft, ihre Gesellschafterin zu entlas- fen. Er hatte sehr darauf gerechnet, daß Lady Wolga's Alleinsein sie ihm immer näher bringen würde, und ihre Zuneigung zu Alexa schien ihm gefährlich zu werden.
Die Gäste aus Schloß Montheron waren abgereist, mit Ausnahme Lord Kingscourts und seines Freundes Bertin Kollys. Mrs. Jngestre war sich meistens allein überlasten und fühlte sich umso verlassener. Damit steigerte sich auch ihr Verlangen nach einer Gesellschafterin, die ihr auf» warten und vorlesen konnte, welche teilnehmend ihre Klagen anhören und ihr die ßangetveUc der- treiben möchte.
Sie hatte noch nicht gewagt, Lady Wolga von ihrer Absicht, Alexa zu sich ins Schloß zu nehmen, in Kenntnis zu setzen .aber sie beschloß, nun uichh länger zu zögern. Sie glaubte, daß Lady Wolga bald nach London zurückkehren werde, daß ihr, Hochzeitstag bereits festgesetzt war und daß sie Alexa sehr wohl entbehren konnte.
„Gewiß wird es Lady Wolga eine Erleuchte- rung sein, wenn ich ihr anbiete, das Mädchen von ihr zu nehmen," dachte sie. „Roland kann Miß Strange nicht leiden, aber er hat nichts dagegen, wenn ich sie als Gesellschafterin um mich habe. Ich will noch heute nach Clyffebonrne gehen und mit Lady Wolga über die Sache sprechen."
Sie machte sogleich sorgfältig Toilette und be» teilte einen Wagen.
Die Damen zu Clyffebonrne waren seit einigen Tagen durch ungünstiges Wetter ans Haus gefesselt gewesen. Dieser Tag aber war milde und angenehm und die Gäste befanden sich auf dem großen Platze beim Croquetspiel. AlDa toat auf den Wunsch der Lady mit ihnen hinauAegan- gen, obwohl sie sich lieber auf ihr Zim«r zurückgezogen hätte.
(Fortsetzung folgt.)