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Verlag der Lnlbaer Xe* tienbritferei in 8wlb< w Zenriprecher Br. 9.

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M 121. Fulda, Mittwoch den 29. Mai 1907. 34. Jahrgang.

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Krstes Matt.

I Wegen des hl. Fronleichnamsfestes Wirb die nächste Shtötwer der Fuldaer Zeitung erst am Freitag ausgegeben.

□ Vie Regentenwahl i« Braunschweig.

Am 13. September 1906 starb Prinz Albrech von Preußen, welcher seit dem 21. Oktober 1885 die Regentschaft für das Herzogtum Braunschweig führte. Mit seinem Ableben ist die braunschweigische Thronfolgestage, welche lange Jahre geruht hatte, von neuem aufgerollt und allgemein mit dem größten Interesse verfolgt worden, schon allein infolge der näherer« Um­stände, von denen die Frage der Wiederbesetzung Les braunschweigischen Thrones begleitet war. Der rechtmäßige Erbe des Thrones ist der Herzog Ernst August von Cumberland, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg. Seiner Thronbe­steigung stand aber der Bundesratsbeschluß vom Jahre 1885 entgegen, der den Herzog und sein Harrs wegen ihrer Stellung zu Preußen von der Üebernahme der Regierung ausschloß. Die Er­eignisse find noch bekannt; Preußen -bestand au: der rückhaltlosen Verzichtleistung des Herzogs von Cumberland auf Hannover für sich und seine Familie. Es kam ein neuer Bundesratsbeschluß zustande, welcher den früheren bestätigte und es blieb dabei, daß der Herzog von Cumberland von bet Regierung in Braunschweig ausgeschlossen ist.

In der Zwischenzeit find acht Monate ver­strichen, die Regierung von Braunschweig und die Vertretung des braunschweigischen Volkes haben in dieser Zeit sich mit der anderweiten Regelung der Regentschaftsfrage beschäftigt. Am Dienstag dieser Woche batte sich nun das Land über die P e r f o n seines neuen Regenten zu ent- Meiden. Die Wahl fiel, wie aus den Mittei­lungen in den letzten Tagen als bekannt schon vorausgesetzt werden konnte, auf den Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg. Da die Wahl in der braunschweigischen Volks­vertretung einstimmig erfolgte, so wird da­rin ein gutes Vorzeichen für seine Regentschaft .erblickt.

Im übrigen hat die Wahl des Herzogs von Mecklenburg in der Berliner Presse durch­weg eine

günstige Aufnahme

gefunden. Das „Berlin er Tageblatt" be­merkt dazu kurz: „Seine mehrjährige Tätigkeit als Regent von Mecklenburg-Schwerin und seine sonst betätigten Eigenschaften rechtfertigen die Erwartung, daß es ihm gelingen wird, das Ver­trauen der Braunschweiger, das sich in der Ein­stimmigkeit der Wahl ausspricht, zu erhalten und zu vertiefen." Die „Voss. Ztg." schreibt: „Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß gegen den neuen Regenten keinerlei Einwand geltend ge­macht werden konnte, der gegen ein Mitglied des Hauses Cumberland zu erheben war. Wir hof­fen, daß endlich im Herzogtum Braunschweig Ruhe einkehren wird und sich seine Verhältnisse politisch wie wirtschaftlich in erfreulicher Weise entwickeln werden. Daß kein Hohenzoller Regent 'tmrbe, wird Preußen den Braunschweigern sicher­lich nicht nachtragen." Die „BerlinerN. 91.“ schreiben zur Wahl: „Die ganze Persönlichkeit des Herzogs Johann Albrecht bürgt dafür, Haß die Zukunst des Braunschweiger Landes sich in den besten Händen befindet. Er hat sich auf den verschiedensten Gebieten als ernster, tüchtiger, tatkräftiger Mann bewährt. Von warmem na­tionalen Empfinden erfüllt hat er stets mit leb- haftem Eifer an allen Bestrebungen zur Förde-

ALe«a

oder

Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von Eduard Wagner.

64j (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)

Lady Wolga und Lady Markhain stände« et­was abseits, um dem Spiel zuzusehen. Alle an­deren Damen waren zur Teilnahme am Spiel bereit und ergriffen die Bälle; nur einer blieb sibrig.

L "®’e das Spiel gelernt, Alexa," sagte Dady Wolga. „Sie müssen eine Partie überneh­men. Nehmen Sie den Ball, mein Kind."

- Ehe Alexa ablehnen konnte, was ihre Absicht war, ließ eine junge Dame ihren Ball fallen und äußerte, sie möchte lieber einen Spaziergang nach den Klippen machen. Ihrem Beispiele folgte eine zweite, und sie gingen Arm in Arm dem Strande B Einige andere zogen sich ebenfalls unter ver- edenen Vorwänden zurück und nur zwei ält- e Damen blieben auf ihrem Posten verwirrt tzmd halb unschlüssig zurück.

l Diese kleine Revolte war ganz ruhig verlau- & Nicht ein Ton oder Blick deutete die Ursache plötzlichen Auseinandergehens der Spielerin- Ett an; aber Alexa wußte sehr gut, was es zu deuten hatte, und das Blut schoß ihr in die Wangen. Auch Lady Wolga schien die Ursache zu begreifen, denn ihre Augen schleuderten zorn- glühende Blitze.

^Können Sie mir sagen, was das zu bedeuten Hat?" fragte sie, zu Lady Markham gewendet, t „Es bedeutet", antwortete diese ein.wenig be­sorgt, „daß die jungen Damen Miß Strange nicht bnff ihnen gleichstehend betrachten."

rung der Reichsinteressen teilgenommen. Als Regent in seinem engeren Vaterlande hat er sich vom 10. April 1897 bis zum 9. April 1901 die volle Anerkennung und den aufrichtigen Dank aller Brtwlkerungskreise erworben. Die Braun­schweiger können daher dem Antritt seiner Re­gentschaft mit vollem Vertrauen entgegensetzen."

Die „Germania" widmet der Wahl einen längeren Artikel, in welchem sie nochmals des näheren auf die braunschweigische Frage und deren weitere Begleitumstände eingeht. Schließ­lich schreibt sie: „Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg ist weder Welfe noch Preuße und das wird nicht zum wenigsten dazu beigetragen haben, seine Wahl zum Regenten zu sichern und die feindlichen Parteien in Braunschweig auf diese „Kompromißkandidatur" zu einigen. Auf die Person des neugewählten Regenten wollen wir damit in keiner Weise irgend welchen Vor­wurf werfen. Herzog Johann Albrecht hat ja als Regent des Herzogtums Mecklenburg-Schwerin bereits ein gutesBefähigungszeugniS erworben, er ist auch als Vorsitzender der deut­schen Kolonmlgesellschast in den weitesten Kreisen T^utschlands bekannt, und wir können ihm zum Ruhme bekennen, daß fein letztes Aufsteten auf dem Wormser Kolonialtage, bei welchem er im Gegensatz zum Flottenverein parteipolitische Be­strebungen wett von sich wies, ihm neue Sym-> pathien eingetragen hat. Wir hegen deshalb auch die Hoffnung, daß Herzog Johann Albrecht als Regent von Braunschweig sich von denselben weit­herzigen Grundsätzen der Toleranz und Parität leiten lassen wird, um das von der Natur reich­gesegnete Land Braunschweig und feine biedere Bevölkerung zu wahrer Wohlfahrt und zum rech­ten Glücke zu führen."

Die „Deutfche Tageszeitung" be­merkt: „Noch lebt in vielen braunschweigischen Herzen die Welfentreue; noch find nicht alle Wun­den vernarbt, die auch hier die Ereignisse des Jahres 1866 schlugen. Gerade darum wünschen wir dem Herzog umso herzlicher lange Jahr­zehnte gesegneter Regentschaft. Lein hoher na­tionaler Sinn, feine vorbildliche Reichs- und Pflichttreue werden noch immer Grollenden ein Beispiel geben; und unter den klugen, sorgsamen Händen des neuen Regenten werden sich hoffent­lich die alten Gegensätze glätten, die Wunden schließen. Mit dieser Hoffnung begrüßen wir freudig die Entscheidung im Braunschweiger Landtagssaal."

Deutsches Reich.

Berlin, 28. Mai 1907.

• „Moderne" Waffen im polnischen Schul­streik. Der polnische Schulstreik hat die preußi­schen Verwaltungsbehörden schon manche veraltete Verordnung aus verschimmelten und verstaubten Aktenmappen bervorholen lassen. Den Rekord aber hat in dieser Beziehung nunmehr unstreitig die Bromberger Regierung geschlagen. Sie hat die Lösung in den Jubiläumsgesetzen der Jahre 1808 und 1817 gesund««. Der Bauer Plos- zynski aus Wiecanowo (Reg.-Bez. Bromberg), dessen Tochter sich weigeri, im Religionsunter­richte deutich zu antworten, erhielt vom Land­ratsamte in Mogilno eine von der kgl. Regierung in Bromberg lithographisch herqestellte Aus- sorderung folgenden Inhaltes: „Ihre Tochter Marianna weigert sich, den Anordnungen der Schulbehörde bezüglich des schulpkanmäßigen Religionsunterrichtes Folge zu leisten. Wie es festgestellt worden ist, geschieht dieses aus Ihren ausdrücklichen Befehl. Hierdurch stören Sie un- gesetzlicher Weise die öffentliche Schulordnung.

-lind weshalb nicht, da ich sie doch mit mir gleichstelle?" fragte Lady Wolga stolz und streng.

„Meine liebe Lady Wolga", fiel eine nahe- stehende Gräfin, Mutter zweier blühender Töch­ter, ein, welche das Gespräch mit angehört und die bei Lady Wolga in hohem Ansehen stand, „e$ ist z» beklagen, daß diese Frage vor Miß Strange zur Erörterung kommt — und doch ist es vielleicht auch gut, da sie dadurch in den Stand gesetzt wird, sich zu rechtfertigen. Die jungen Dame» find gerne bereit, jede Freundin von Ihnen als ebenbürtig a nznerkennen; aber sie meinen, glaube ich, daß Ihr Gefallen an Ihrer Gesellschafterin Ihr gewöhnliches scharfes Urteil beeinträchtigt haben mag. An dem Benehmen des Mädchens läßt sich nichts aussetzen; aber wo« weiß man von Miß Strange? Wäre sie nicht so zurückhaltend in betreff der Aufklärung über ihre Vergangenheit und Familie, würde sie ohne Zweifel der Liebling aller werden."

„Ist es nicht genug, wenn ich für sie bürge?" tagte Lady Wolga. „Daß sie meine Gesellschaf­terin ist, sollte meinen Freunden genügen.“

Die Gräfin sah Lady Wolga ratlos an. Lady Wolga bot Alexa ihren Arm und führte sie dem Hanse zu. Ehe sie die Tür erreichten, kam die Montheron'sche Egnipage, in welcher Mrs. Jnae- Ire saß, die Allee herauf.

Lady Wolga empfing ihre Freundin um so herzlicher, weil sie bemerkte, wie freundlich diese gegen Alexa war.

Mrs. Jagest re brachte nach kurzer Einleitung ihre Angelegenheit vor. Sie betonte, daß sie sich 6 einsam fühle, nachdem ihre Gäste abgereist eien, daß sie annehme, Lady Wolga werde bald nach London gehen, um ihre Hochzeitsausstattung zu bestellen, und daß, wenn die Lady einwillige, und Miß Strange geneigt fei, es ihr angenehm ein werde, wenn Alexa auf ein paar Monate zu ihr zum Besuch käme.

Mit Betrübnis sah Lady Wolga bei der Ein­ladung! Alexas Antlitz sich erheitern.

Gemäß §§ 11 und 17 der Instruktion der Re­gierung vom 23. Oktober 1817 (Gesetz- Sammlung Seite 248) und § 48 Verfügung vom2«. Dezember 1808 (G.-S. 1817 S. 282) werden Sie hiermit aufgefordert, diese Störung der öffentlich«» Ordnung zu beseitigen, und binnen drei Tagen dafür zu sorgen, daß Ihr ge­nanntes Kind den Anordnungen der Schulbehörde wieder Folge leistet. Andernfalls wird die ange­drohte Geldstrafe von 3 Mark exekutivisch ein» gejogen, bei Fruchtlosigkeit der Pfändung wird die Strafe in einen Tag Hast umgewandelt.

Die englischen Journalisten m Deutsch­land. In Erwiderung des Besuches deutscher Journalisten in England im vergangenen Jahre sind am Montag über 40 englische Redakteure, Vertreter der bedeutendsten Blätter Englands, mit dem Aoyddampfer „Ziethen" in Bremerhaven eingetroffen. Die Landung erfolgte um 7 Uhr, die Weiterreise nach Bremen um 7 Uhr 53 Minuten. Vor der Landung sprach Chef­redakteur Gardiner (,Daily News') dem Nord­deutschen Lloyd den Dank für die den englischen Gästen gewährte Gastfreundschaft aus. Konsul Achelis dankte im Namen des Lloyd und sprach die Hoffnung aus, daß der Aufenthalt an Bord des „Ziethen" und in Deutschland über­haupt bei bett Gästen einen angenehmen Ein­druck hinterlassen werde. Als die englischen Gäste den „Ziethen" verließen, um sich an Land zu begeben, spielte die Schiffskapelle die Königs- Hymne, worauf die Journalisten ein dreifaches „Hip, hip, hurra!" ausbrachten. Alle Lloyd- schiffe im Hasen flaggten. Auch die Stadt Bremerhaven ist reich beflaggt. Kurz nach 9 Uhr trafen die englischen Journalisten in Bremen ein und wurden von einer Abord­nung des Senats begrüßt. Auch Bremen trägt reichen Flaggenschmuck. Nach einer Wagenfahrt durch die beflaggte Altstadt folgten die Journalisten einer Einladung des Verlegers. Schünemann zum Frühstück im Altbremer Hause. Der Gast­geber begrüßte die Gäste in deutscher Sprache undtdrückte die Hoffnung aus, daß die Gäste Bremen in ebenso treuem und gutem Andenken behalten, wie die anderen Städte, welche sie be­suchen würden. Der Chefredakteur der .Weser- jeitung', FikgerS, hob in einer in englischer Sprache gehaltenen Rede die Unabhängigkeit und Schnelligkeit der englischen Presse hervor. Er hoffe, daß in der ersten Stadt die Gäste den Gndruck eine- herzlichen Willkommens empfingen. Chefredakteur Davidson (Glasgow) führte in deutscher Sprache aus, als Vertreter einer Zei­tung, die der Deutschfteundlichkeit stets treu ge­blieben fei, wenn er auch dann und wann ein boshaftes Wort über die deutsche Weltpolitik ge­schrieben habe (Heiterkeit), könne er ehrlich be­teuern, daß er das Gut» erstrebt habe. Er habe sich stets bemüht, die Freundschaft beider Nationen zu erhalten und Mißverständnisse zn verhüten. Redner schloß mit einem Hoch auf den G .stgeber. Sodann wurde ein Begrüßungs­telegramm des ersten Vorsitzenden des Vereins deutscher Redakteure, ten Brink (,Germania'), verlesen und sehr beifällig ausgenommen. Dann folgte eine Besichtigung des Aktbremer Hauses und der Stadt Bremen

* Der deutsche Flottenverein will nach seinem letzten Jahresberichte 906,706 Mitglieder haben. Merkwürdigerweise ftab davon nur 315,350, also ein gutes Drittel, „Einzelmitglieder", wäh­rend 591,356, also säst zwei Drittel, als „körper.

„Ich werde noch etwa vierzehn Tage zu Clyf- febourne bleiben, Mrs. Jngestre", sagte die Lady. „Meine Gäste sind für diese Zett eingeladen. Wenn Miß Strange wünscht. Sie bis zu meiner Abreise zu besuchen, so will ich nichts dagegen einwenden; aber wenn ich zur Stadt gehe, muß sie mich begleiten."

„Ich gehe un^rn von Ihnen, meine teure Lady", sagte Alexa, als beide Damen sich fragend zu ihr wendeten; „aber ich möchte gern einmal Moni Heron besuchen."

„Können Sie morgen zu mir kommen. Miß Strange?" fragte Mrs. Jngestre hastig.

„Wenn Lady Wolga es erlaubt."

Lady Wolga stimmte zu. Der Vorgang auf dem Croguetplatz hatte ihr die Augen geöffnet Sie wußte nun, welchen Kränkungen Alexa hier ausgesetzt Ivar und ahnte, wie viel sie schon im stillen gelitten haben mochte. Die eingeladene Gesellschaft konnte sie nicht auflösen, und so wollte sie bis zu ihrer Abreise Alexa gehen lassen. Die Angelegenheit wurde abgeschlossen. Lady, Wolga versprach, Alexa am nächsten Morgen in ihrem Wagen nach Mont Heron fahren zu lassen, und bald daraus verließ Mrs. Jngestre erfreut das Schloß.

Fast größer noch war aber die Freude der Lady Markham, als sie Alexas bevorstehende Reise er­fuhr. Ihre Anstrengungen schienen von Erfolg gefrönt zu sein. Endlich wurde sie der verhaßten jungen Rivalin ledig.

Lady Wolga erwies Alexa beim Essen und während des Abends besondere Aufmerksamkeil Sie befleißigte sich, vor ihren Gästen Lord Kings- courts Aeußerungen über Mr. Strange zn wie­derholen, vermied aber sorgfältig, zu ertvähnen, wo und unter welchen Umständen der Gras sie kennen gelernt batte. Sie bemühte sich. Alexas Ansehen wieder herzustellen; aber das Vorurteil war bereits zu stark geworden, als daß es hätte so leicht beseitigt werden können. So groß Lady Wolgas Ansehen und Einfluß auch waren, reich-

schaftliche" bezeichnet werden. Wir haben starken Verdacht, daß es mit diesen „Körperschaftlichen" nicht recht stimme. Wenn irgend ein Krieger­verein, der 200 Mitglieder zählt, feinen Beitritt erklärt oder ein Fabrikbesitzer fein Personal von 500 Personen „in corpore“ zum Beitritt an­meldet, so rechnet sich der Flottenoerein diese Hunderte offenbar ohne weiteres als Mitglieder »u, wenn auch die große Mehrheit der Krieger­vereinsmitglieder oder der Arbeiter vom Flotten­verein und Herrn Keim nichts wissen mag. Man weiß ja, wie in Vereinen solche Beitnttsbeschlüsse zu Stande kommen und wie wenig Fabrikarbeiter von ihren „Arbeitgebern" um ihre Meinung be­fragt zu werden pflegen. Daß es mit der schönen Armee von „körperschaftlichen" Mitgliedern nicht stimmt, geht auch schon daraus hervor, daß das Vereinsorgan Die Flotte, daS jedem zahlenden Mitglieds unentgeltlich geliefert wird, nur eine Auflage von 355,000 hat, alfo nicht viel mehr als der Flotten verein „Einzelmitglieder" zählt. Den „körperschaftlichen" Mitgliedern werden offenbar nur ein paar Exemplare geliefert, die an die betreffenden „Körperschaften" gehen und dort im Bereinszimmer ober Bureau ausliegen. Woraus zu schließen, daß die 591,356 „ körper­schaftlichen" Mitglieder zumeist „Steifleinene" sind, die nur auf dem Papiere der FlottenoernnS- Listen existieren.

* Aufruf des Zeughauses zu Berlin. Im Zeughause sollen Andenkentafeln mit den Namen der in ben vaterländischen Kriegen ge­fallenen oder tödlich verwundeten höheren Offi­ziere bis einschließlich der Regimentsführer auf­gestellt werden. De Zeughausverwaltung richtet an die Familien, Kirchenvorstände, öffentlichen und Hausarchive, Bibliotheken und auch an die Behörden die Bitte, durch Mitteilung über dort befindliches Material, namentlich aus älteren Zeiten das Zustandekommen dieses Ehrendenk­mals unterstützen zu wollen.

n. Demburgs freisinnige Freunde werden immer rmzufriÄener. Konnte« sie schon ost ge­linde Zweifel an der Richtigkeit seiner Rechen- exempel nicht unterdrücken, so sehen sie jetzt Un» behagen, wie Dernburg den Kaufmann immer mehr abstreift und mehr und mehr waschechter Burea ukrat wird. Haben doch dazu die jüngst erfolgten Personalernennungen im Kolonial­staatssekretariat bei den Freisinnigen nicht wenig verschnupft, und nun kommt Dernburg mit Aeußerungen über bit neuernannten Männer, die freisinnigen Blättern und Ohren schier un­glaublich klingen und die Enttäuschung des Frei­sinns auf'- Höchstmaß steigern. Derbe Lektionen muß deshalb Dernburg in den Spotten frei­sinniger Blätter lesen.

So schreibt bie ,Bofs. Ztg':

^Der Staatssekretär des Reichskolonialamts beginnt sich seiner Umgebung zu assi­milieren, wen» auch noch nicht in den Umgangsformen, so doch in den An- schauungen. Als er in fein Amt berufen • wurde, war des Rühmens fein Ende, daß mit ben Ueberlieferungin der Bureankratie ge­brochen werde, daß nicht mehr der Geheimrat, sondern der Kaufmann regiere. Mit dem neuen Mann sollte ein neues System jir Herrschaft kommen. In der Tat, Herr Derr- bürg verkündete alsbald, daß er die Kolonim als kaufmännisches Unternehmen betrachte, sprach von Inventur und Bilanz, wobei ec Zahlen zum besten gab, die wenn für Börsen»

tat sie doch nicht hin, das „geheimnisvolle Schwei­gen" des „unbekannten Mädchens" airfzuwiegeir.

Der Abend war schon weit vorgeschritten, als Alexa, während Lady Wolga mit einer ältlichen Dame sich beschäftigte, ihren weißen Shawl über Kopf und Schulter warf und das Haus verliess um den Park aufzusuchen.

Leichten Schrittes eilte sie dahin. Plötzlich aber blieb sie stehen; sie hatte, hinter dem Ge- trämh verborgen, einen Mann gesehen, welche, scharf durch das Fenster in den Salon blickte Er gewahrte Alexa erst, als diese erschreckt ei« paar Schritte zurückwich, und zog sich bestürzt zurück. Da fiel ein heller Lichtstrahl auf sein Gesicht und Alexa erkannte ihn. Sie stieß einen leisen Schrei aus, in welchem sich Schreck, Zwei­fel und Freude mischten.

„Vater!" stieß sie hervor. „O, Himmel, Vatert"

31. Kapitel.

Ans frischer Tat ertappt.

Der Mann, welchen Alexa eilig in das Gebüsch schlüpfen sah, war in der Tat ihr Baier. Ihr Erstaunen, ja ihr Schreck, ihn hier in England und zu Clyffebourne zu sehen, während sie ihn sicher in den fernen Gebirgen Griechenland's ver­borgen glaubte, läßt sich leicht denken.

Einen Augenblick glaubte sie, die Erscheinung sei nur ein Truggebild, denn es schien ihr un­möglich, daß ihr Vater hier sein konnte. Was sollte ihn bewogen haben, seine sichere Zufluchts­stätte zu verlassen und sich solchen Gefahren aus­zusetzen? Ihr Vater hier, wo bie Menschen ihn für einen Verbrecher hielten und ihn mit Freuden dem Schafott überliefern würdenl O, Himmelt Hatte er in seinem Kummer alle Vorsicht der. gessen?

Als ihr Ruf des Erkennens sein Ohr erreichte, taumelte er zurück in das tiefere Dunkel des Ge­büsches. In ihrem Schreck und ihrer Angst fprnnn Alexa ihm nach und erfaßte seinen Arm.