Einzelbild herunterladen
 

ttfdHnrta'S#**« &“sn ,|lte der Sonn- i eilagt. »terttb i Uexitg*Pt<l* ei : e vrinaerlsh« BH® 6e> eEgdbiKSel^”*6 Wwärts 1 Ulf 50 Pro-

Veranlrvortlichek

Sc! tiftldter:2LWe6ler für die Anzeigen:

J. Parzeller in Sn*^a

ZuldaerMZeitllng

w»ch«nbeiiage:„IvnstrleckeSonntagrzettung" monakbevage: „Fuldaer GeschichtsblStter"

Ikjeigen: Vie ein spaltige petitzeile ober bereit Bannt 15 pfg. Reflanten die Petitzelle 25 pfg.; bet wieder- Holungen wird ettifpr

Rabatt gewährt-

Rotati ans druck n> Verlag der Fuldaer Ac> tiendrrckerei in Fulda. Fernsprecher Rr 9.

M 120.

Fulda, Dienstag den 28. Mai 1907.

34. Jahrgang.

Iweites HLLatt

fallen, so find sie nach jeder Richtung hin zu ver- werfen und zu bekämpfen. Der soziale Friede wird in Deutschland in Zukunft in nicht geringem Maße davon abhängen, wie weit allein die Stärke sowohl der Organisationen der Arbeiter als der­jenige der Arbeitgeber beide Teile zur

gegeuscitigrn Achtung und Verständigung zwingen wird. Wer auf dem volkswirtschaftlich Wohl begründeten Standpunkt stebt, daß auch bei uns einmal die Zeit des Ringens zwischen den beiderseitigen Arganisationeu durch eine Periode sozialen Vertragens abgelöst werden wird, wird zu diesem Zweck ebensosehr eine Verstärkung der Arbeiterorganisationen wünschen, wie eine solche der Arbeitgeberorganisationen. Wie im Inter­esse der Einigkeit die letzteren jedoch jede unbe­rechtigte Sondcrbündelei in ihren Reihen verur­teilen, so können erstere auch verlangen, daß man ihnen mit Vercinsgebilden vom Leibe bleibt, die volkswirtschaftlich ein Unsinn und nur geeignet sind, die im Interesse des sozialen Ansgleichs so notwendige Einheit in der Arbei­terbewegung mehr, wie leider schon nötig war, zu zersetzen und hintanzuhalten.

Für die gewerkschaftlichen Bestrebungen haben die nichtsozialistischen Arbeiter ihre christlich­nationalen Gewerkschaften, für ihre geistig-sittli­chen ihre konfessionellen Arbeitervereine. Wozu da noch diese gelben Gebilde? Mögen sie für die Zukunft Aussicht haben oder nicht, jedenfalls ha­ben wir es für unsere Pflicht gehalten, über ihren Charakter der Arbeiterschaft die Augen zu öffnen!

„Ich habe nicht mit des Mädchens Geheim­nissen zu tun, noch mit denen ihres Vaters. Ich habe Vertrauen zu Miß Strange; sie wird mir alles sagen, was ich über sie zu wissen nötig habe."

„Sie sollten doch jedenfalls ihre Vergangen­heit kennen lernen. Sie haben ei» Mädchen in Ihr Haus genommen, über welches Sie nichts wissen, als was sie und ihre frühere Gouvernante zu sagen beliebten. Ich weiß, daß der Gouver­nante von würdigen Leuten ein gutes Zeugnis ausgestellt worden ist; ich weiß, daß Sie des Mädchens Gesicht für ein hinreichendes Zeugnis ihrer Ehrenhaftigkeit halten; aber dennoch dürf­ten Sie getäuscht werden. Sie wissen, Wolga, | daß ich keine andere Absicht haben kann, als Ihr eigenes Bestes. Das Mädchen ist eine Aben­teuerin. Sie ist zur Verfolgung irgend eines Zweckes gekommen. Fragen Sie darnach, und wenn sie meine Vermutungen zerstreuen, wenn sie beweisen kann, daß sie nur gekommen ist, um ihr Brot zu verdienen, will ich jedes Wort zurück­nehmen, was ich gegen sie gesagt habe."

„Sie haben eine große Abneigung gegen Miß Strange."

„Weil ich sie durchschaue", versetzte die alte Lady, „sie kann mich nicht täuschen. Ich bin fest davon überzeugt, daß sie Lord Kingscourt ge-! kannt hat, ehe sie nach Clyffcbourne kam. Schon darin hat sie Sie —"

„Sie irren sich. Ich bin davon unterrichtet, daß Miß Strange mit Lord Kingscourt in Grie- chenland bekannt wurde; sie hat es mir selbst gesagt."

„Aha", entgegnete Lady Markham überrascht. „So hat sie es getan, verlassen Sie sich darauf, um niic zuvorzukommen, denn sie hat erforscht, daß ich ihr Geheimnis entdeckt habe. Sie haben sie mit Ihren Gästen gleichgestellt und behandeln sie wie eine jüngere Schwester. Natürlich steht es Ihnen frei, Ihren eigenen Saune« zu will-1

Niederkämpfens der Gewerkschaften

statt zum Ausgleich des Kräfteverhältnisses zwi­schen Arbeiter und Arbeitgeber. Speziell die deut­schen Großindustriellen mit verhältnismäßig ge­ringen Ausnahmen sinnen noch darüber nach, wie sie die bestehenden gewerkschaftlichen Verbände in ihrem Einfluß lahm legen können, statt über I Mittel und Wege, sich mit ihnen zu verständigen

und zu einem dauernden verträglichen Verhält­nis nicht zuletzt auch im Interesse der Industrie zu gelangen.

Aus den vorgezeichneten Gründen ist also die deutsche Gewerkschaftsbewegung noch lange nicht innerlich so gefestigt, wie das vom rein volkswirt­schaftlichen Standpunkte zu wünschen wäre. Ins­besondere wird, solange zwei Weltanschauungen die menschliche Gesellschaft in zwei Heereslager scheiden, an eine Verschmelzung der gewerkschaft­lichen Organisationen kaum zu denken sein. Diese vom rein volkswirtschaftlichen Standpunkte be­klagenswerte Tatsache noch zu verschlimmern, setzen neuerdings Tendenzen ein, die sich in der Gründung sogenannter

gelber Gewerkschaften nach französischem Muster dokmnentieren. Wer sich näher über diese sran- .zösischen Gebilde unterichten will, möge die beziig- lichen Artikel im „Zentralblatt" der christlichen Gewerkschaften, 1906, Nr. 21 ff. nachlesen. Ge­nug, es handelt sich hier bei uns darum, Or- ganisationen breiteren Raum zu verschaffen, die gewerkschaftlich weder Fisch noch Fleisch sind, die hauptsächlich von den Arbeitgebern ge­gründet werden, um gerade die Arbeiter von dem I Anschluß an die echten gewerkschaftlichen Organi­sationen abzuhalten. Demgemäß wird der Streik entweder grundsätzlich abgelehnt oder wenigstens nicht praktisch gehandhabt; umsomehr wird Wert gelegt auf die Verbindung der Vereine mit Un- terstützungseinrichkungen und sonstigen Maß­nahmen, die den Arbeiter erkennen lassen sollen, daß er als Mitglied eines solchen Fabrik- oder Werkvereins, wie die neuesten Unterstützungs­und Vergnügungsorganisationen sich nennen, recht wohl auf das eigentliche Koalitiousrecht ver- I zichten kann. Unter derselben Flagge wie diese

Werks- und Fabrikvereine segeln die neuerdings vom Reichsverband zur Bekämpfung der Sozial, demokratie gegründeten sogenannten reichstreuen! Arbeitervereine. Die christlich-nationalen Ge- Werkvereine erscheinen diesem übernationalen Verband neuerdings nicht mehr national genug. Deshalb gründet er unter dem lebhaftesten Segen der Scharfmacher-Kreise und deren Organe die oben genannten reichstreuen Arbeitervereine, deren Charakter — man denke u. a. auch an die Versuche der Gründung eines nationalen Becg- arbeiterverbandes im Ruhrrevier — durch die f Patenschaft ihrer Hintermänner, der scharfmache- rischen und sozialrückständigen Leute voin Reichs­verband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie, hinreichend gekennzeichnet ist.

Vonseiten der wirklich gewerkschaftlich organi- sterten Arbeiter liebt man es Wohl, die eben ge­zeichneten gelben Gewerkschaften als eine Sumpf­pflanze auf dem Felde der deutschen Arbeiterbe­wegung zu bezeichnen. Mag dieser Ausdruck etwas stark sein, jedenfalls find sie

ein Unkraut,

das je eher je besser ausgerottet wird. Niemand wird etwas dagegen haben — vielmehr es be­grüßen — wenn wohlwollende Arbeitgeber durch Wohlfahrtseinrichtungcn, gesellige Vergnügun­gen rc. den Arbeitern zu Hülfe komnien, ein per­sönliches Band zwischen sich zu knüpfen versuchen. Sobald aber solche Bestrebungen darauf speku­lieren, die Gutmütigkeit oder die Unerfahrenheit des Arbeiters auszunutzen und ihn bewußt u m sein Koalitionsrecht zu bringen, oder ihn gar dazu zu erziehen, seinen Kollegen bei berechtigten Bestrebungen in den Rücken zu

seinen Plänen nicht folgen will, der wird ver­schrien. Und da spricht der Schreiber der Zu­schrift mit stolzen Worten davon, daß „jeder Vet- dacht einer etwa gegen den Katholizis­mus gerichteten Tendenz der Flotten­vereinstätigkeit beseifigt" wäre, während er selbst über die „patriotische Betätigung" des Zentrums und des katholischen Volkes zu Gericht sitzt! Eine solche Herabsetzung aber und noch viel mehr die Bekehrungsversuche zu den flottenvereinlichen Schwärmereien, wie sie in der Zuschrift zu er­kennen sind, wird sich das katholische Volk mit aller Entschiedenheit verbitten. Es ist nicht gewillt, mit seinem Patriotismus, der so glänzend schon erprobt wurde, längst bevor es einen Flot­tenverein gegeben hat, ein so

gefährliches Spiel

getrieben zu sehen, wie es seit dem Bekaniltwer- den der Keimschen Korrespondenz offen bargelegt worden ist. Darum heißt nach wie vor die j Losung: Katholiken,-heraus aus dem Flottenverein!

vermischtes.

* Eine unerhörte Stromerfrechheit berichtet man aus Hausen bei Offenbach: Dort betrat ein Walz­bruder ein Bauernhaus, um zu „fechten". Da er niemanden sah, stattete er der Küche, aus welcher ihm ein unwiderstehlicher Dust entgegen strönite, eine ungestörte Visite ab. Bei dem Verlassen des Hauses begegnete ihm die Bäuerin, die er mit bestem Erfolge um Brot anbettelte. Als später die Frau nach dem Mittagessen schaute, gewahrte sie zu ihrem größten Erstaunen, daß der freche Kumpan das im Sauer- krauttopfe verborgene Schinkenstück, eine vollständige Familienportion, an sich genommen und als Ersatz seine schmutzigen und zerfetzten Socken in das leckere Sauerkraut gesteckt hatte. Die telephonisch verständigte Gendarmerie verhaftete bald darauf den Burschen.

::: Gelbe Gewerkschaften.

Die Zersplitterung der deutschen Arbeiterbe­wegung tn mehrere Gewerkschaftsorganifationen beeinträchtigt nicht allein die Aktionskraft der­selben, sondern sie schwächt sie auch gegenüber den auf ihre Bekämpfung gerichteten Versuchen. Woran es liegt, daß diese Zersplitterung in Deutschland eintreten konnte im Gegensatz zu England, wo sich die Arbeiterbewegung, wenn auch in weniger zentralisierten Verbänden, so doch auf einheitlicherer gewerkschaftlicher Basis vollzog, braucht angesichts der historische» Ent­wickelung wohl nicht näher mehr ausgeführt zu werden. Die enge Verbindung zwischen sozial­demokratischer Partei und den „freien" Gewerk- schasten, die beide einende sozialistisch-materiali­stische Weltanschauung zwang die nichtsozialisti- schen Arbeiter, die gewerkschaftlichen Drang in sich fühlten, zur Gründung wirklich neutraler Ge­werkschaften ohne politische Nebentendenzen, als welche heute die christlich-nationalen Gewerk­schaftsorganisationen im Gegensatz zu den „freien"-sozialistischen als historische Tatsache da­stehen.

Ist nun die

Zersplitterung der deutschen Gewerkschaft^, bewegung,

an der in erster Linie die „freien" Gewerkschaften infolge ihres sozialistischen Nebencharakters schuld sind, wie gesagt, eine sehr bedauerliche Erschein­ung, so hat man auf der andern Seite — so machtvoll die Gewerkschaftsbewegung in Deutsch-j land auch dasteht — damit zu rechnen, daß weite Kreise der deutschen Unter-! nehmerschaft dieselben noch n i ch t a l s b i e berechtigte Interessenvertretung der deutschen Arbeiter ansehen. Mag die deutsche Industrie noch so stolz sein auf eine gewifse Eben­bürtigkeit mit der englischen Industrie, jener freie Blick und das gesunde Urteil gerade hinsicht­lich der Organisationsbestrebungen der Arbeiter, Zigenschaften, die der englischen Industrie eigen tnd und sie groß gemacht haben, die fehlen noch o recht einem großen Teile der deutschen Unter­nehmerschaft. Dort Anerkennung der Gewerk- chasten als selbstverständliche und notwendige Interessenvertretung der Arbeiter, hier noch viel- ach offener Kampf gegen die Idee an sich, Miß­trauen und nur verhältnismäßig spärliches Ver­stehen! Die deutschen Gewerkschaftsorganisatio­nen, gleichviel welcher Richtung, sind aus der Periode des Ringens um die Anerkennung als gleichwertiger Kontrahent beim Abschluß des Ar- beitsvertrages also noch lange nicht heraus. Die deutschen Arbeitgeber organisieren sich teilweise noch in erster Linie unter dem Gesichtspunkte des

Hlottenverein und patriotische Betätigung.

Es gibt immer noch Leute, welche die Stel­lungnahme des Zentrums, überhaupt des katholi­schen Volksteiles gegenüber den Machenschaften des Flottenvereins nicht begreifen wollen. In ihren Augen handelt es sich nur um alte Feind- sck>aft und unbegründete Gehässigkeit, mit welcher „die Gesamtheit der Katholiken" gegen den Flot­tenverein mobil gemacht werden soll. Dieselben Herren befleißigen sich auch, immer wieder die „patriotischen Pflichten" der Katholiken vorzu­zeichnen. Mit Vorliebe beackern die „parteilosen" Berliner „Neuesten Nachrichten" dieses Gebiet. Allenthalben lassen sie sich etwas „von katholischer Seite" zu diesem Kapitel schreiben. Erst in Nr. 255 vom 23. Mai veröffentlichen sie eine solche Zuschrift, welche den Titel „Katholiken und Flot- tenverein" trägt. Sie ist in dem Geiste gehalten, den wir oben mit wenigen Worten schon gekenn­zeichnet haben, ihr Schluß lautet aber:

„Im übrigen ist für jeden ruhig denkenden Katholiken durch die Kölner Aussprache die ganze, so unerquicklich aufgebauschte Keim-An­gelegenheit erledigt. Jeder Verdacht einer etwa gegen den Katholizismus gerichteten Tendenz der Vcreinstätigkeit ist beseitigt; die Wege zu ersprießlicher ge­meinsamer Weiterarbeit sind wieder überall geebnet. Und dessen sollten wir Katholiken uns aufrichtig freuen. Denn, wo immer es sich um patriotische Betätigung han­delt, dürfen wir nicht grollend oder gleichgiltig abseits stehen, da gehören wir mit an die Ar­beit. Das kann katholischerseits nicht oft ge­nug wiederholt werden. Dieser Grundsatz muß eindringen in das katholische Volk und das Leitmotiv seiner ganzen politischen Tätigkeit werde n."

Also wieder einer, der uns Katholiken immer ,noch Vaterlandsliebe und Patriotisinus abspricht! ;Er stellt damit aber das eine fest, daß er von der „patriotischen Betätigung" des katholischen Vol­kes ke i n e Ahnung hat. In der Hauptsache hat der patriotische Lehrer der „N. N." doch wohl hur Heeres- und Marinefragen zu der von ihm hervorgehobenen Betätigung im Auge. Nun steht aber fest, daß das

Zentrum auf diesem Gebiete stets voll und ganz feine Schuldigkeit sgetcm hat. Alles unbedingt Erforderliche hat es bewilligt, jedes Zuviel aber versagt. Noch immer hat es dem Vaterland zum Schutze Wehr und Waffen gegeben, deren es bedurfte. Dem Volke aber Steuerlasten aufzuerlegen, die es erdrückt hätten, dazu konnte es sich nicht entschließen. Darin offenbart sich eine

ganz gesunde Politik

und da diese Politik sowohl die Verteidigung des Vaterlandes betrifft als auch das wahre Wohl des Volkes im Auge hat, fo liegt darin unseres Erachtens eine hervorragend hohe „patriotische Betätigung". In den Augen des Flottenvereins geht aber einem Volk und einer Partei, durch die es sich vertreten läßt, jeder Patriotismus ab, wenn sie die goldene Mitte einhalten zwischen der ewig unfruchtbaren Neinfagerei und der allzeit bereiten Bewilli- gungslust sogar uferlosen Phantastereien gegen­über. Es scheint aber, daß namentlich seit den letzten Reichstagswahlen lediglich der Flottenver- ein und seine Hintermänner tonangebend wären und darüber zu enffcheiden hätten, was als „patriotische Betätigung" aufzufasten und was als Vaterlandslosigkeit zu geißeln wäre. Wer

Roman von Eduard Wagner.

in] (Nachdruck verboten.)

Lady Markham würde viel darum gegeben haben, hätte sie Alexa's Gedanken erraten kön­nen. Ihr Gesicht verfinsterte sich, als Alexa ihre beleidigenden Worte unbeantwortet ließ.

,,8abt) Wolga ist in ihrem Boudoir", sagte sie. „^ch sah sie aus dem Bibliothekzimmer kommen und glaube, sie hat schon auf Sie gewartet. Miß Strange. Beim Lesen ihres Briefes haben Sie wahrscheinlich Ihre Pflicht als Gesellschafterin vergessen."

„Ich habe sie nicht vergessen", erwiderte Alexa ihre Erbitterung beherrschend, „aber Lady Wolga hat mich auf eine halbe Stunde beurlaubt und die Zeit ist noch nicht verflossen."

„Dann will ich Sie allein lassen. Miß Strange", bemerkte Lady Markham. „Mein Be­such war durchaus freundschaftlicher Art; Sie müssen nun auch einmal bei mir vorsprechen, wenn Sie Zeit haben."

Laby^Markham entfernte sich und eilte, mit neuem Stoff zur Verdächtigung versehen, zu Lady Wolga. Sie fand diese allein, Briefe und andere Papiere vor sich.

„Störe ich?" fragte sie.

„Durchaus nicht", lautete die freundliche Ant- «art. „Setzen Sie sich, Lady Markham."

Lady Markham folgte der Einladung.

„xsaj habe eben Miß Strange einen Bejnch abgestattet, Wolga", sagte sie scheinbar sorglos. ,„^ch fürchtete, das arme Mädchen möchte trau­rige Nachrichten von zu Hause erhalten haben Uber was meinen Sie? Sie hatte den Brief zu

3U‘exa

oder

Auf geheimnisvollen Wegen,

fahren; aber haben Sie ein Recht, Ihren Gästen eine Bekanntschaft aufzuzwingen, von bereu Ver­gangenheit Sie nichts wissen? Ihre Gäste sind von hoher Geburt. Von welcher Abkunft ist Miß Strange? Wer und was ist ihr Vater? Wer war ihre Mutter? Hatten ihre Eltern, welche beide Engländer sind, keine Verwandte? Ich bin eine alte Frau, Wolga, wie ich schon vorhin be­merkte, und meine lange Freundschaft zu Ihrer Mutter geben mir das Recht, ja machen es mir zur Pflicht, offen und aufrichtig zu Ihnen zu sprechen. Können Sie in Abrede stellen, daß ich recht habe?"

Bei all ihren Fehlern war Lady Markham eine Frau von gesundem Verstand. Lady Wolga vertraute ihr. Sie würde wissentlich nie eine Lüge gesagt haben; was sie gegen Alexa vor­brachte, glaubte sie selbst, und die Würde fester Ueberzeugung gab ihren Worte» umsomehr Ge­wicht.

„Ich stelle Ihren Scharfsinn nicht in Abrede, meine liebe Freundin", erwiderte Lady Wolga lächelnd; „ich leugne auch nicht, daß manche Ihrer Beweise einen Grund haben. Es ist etwas Rätselhaftes um das junge Mätzchen, wie es mir selbst scheint; aber ihr Geheimnis würde, wenn sie es erklärte, gewiß als sehr einfach befunden werden. Sie hat mein Hei^ gewonnen und ich glaube ihr. Mein Herz erwärmte sich für sie im ersten Augenblick, als ich sie sah. Sie ist ein feingebildetes, junges Mädchen, auf welches ich stolz sein würde, wenn sie meine Tochter wäre. Ihr Geheimnis hängt, denke ich, mit ihrein Va­ter zusammen. Wenn er ein Verschwender und arm wäre? Das Mädchen ist von vornehmer Geburt, davon bin ich überzeugt. Sie spricht mit zärtlicher Liebe und Ehrerbietung von ihrem Vater, welche sie der größten Achtung wert zeigt. Lasten Sie Miß Strange ihr Geheininis bewah­ren, Lady Markham; wir wollen sie für das nehmen, was sie ist." (Fortsetzung folgt.)

Asche verbrannt! Haben Sie je etwas Sonder­bareres ober Geheimnisvolleres gehört?" ™ allerdings seltsam!" pflichtete Lady Wolga bet.

... »Nie w meinem Leben habe ich so etwas ge­hört! erklärte Lady Markham lebhaft. „Selbst wenn rhr Vater unfreundlich geschrieben hätte, ist es durchaus nicht kindlich von ihr, den Brief M verbrennen. Es ist jedenfalls sonderbar, Wolga. Dte Wahrheit gesagt, — und es ist nicht mehr als recht, daß Sie erfahren, was ich denke — ich kann Miß «stränge nicht vertrauen."

„Lady Markhani —"

„Entschuldigen Sie, Wolga; ich bin eine alte Frau, alt genug, daß ich Ihre Mutter sein konnte; rch war die Freundin Ihrer Mutter, woran Sie stets so freundlich waren, zu gedenken' und Ihrer Mutter zuliebe muß ich Sie warnen vor dem Mädchen, dem Sie einen fo großen Platz in Ihrem Herzen eingeräumt haben. Ich gebe 3», sie ist schön, aber sie wird die Liebe ihrer Wohltäterin schlecht belohnen."

„Ich will solche Worte nicht von Ihnen über Miß Strange hören, Lady Markham", erwiderte Lady Wolga würdevoll. „Miß Strange ist eben­so rein und gut, wie sie schön ist."

„Weshalb verbrennt sie aber ihres Vaters Brief gleich nachdem sie ihn erhalten hat? Ich i denke, sie tat es, weil sie fürchtete. Sie möchten den Brief zu sehen begehren —"

„Unmöglich! Ich würde sie nie durch ein sol- ches Verlangen beleidigen. Ich sollte ihre Briefe zu lesen begehren? Sie konnte nicht denken daß ich so^ötwas tun würde."

„Sie könnten es von ihr verlangen, ohne daß Sie dadurch ein Unrecht begehen würden. Was wissen sie in Wirklichkeit von dem Mädchen, Wolga? Was wissen Sie von ihren Eltern? Es schwebt ein Geheimnis um sie und ihren Vater, und Sie haben ein Recht, Aufklärting darüber zu verlangen.'

Literarisches.

* Verkehrsbuch des Rhöngebirges mit neuer Wegekarie des Rhöngebirges. Wenn der in ^rtvöraphischer Beziehung sehr bekannte und > rührige Verlag Hofbuchdruckerei Eisenach H. Kahle e§ unternommen hat, neben der fo be­liebten und sich steigenden Absatzes erfreuenden Höhenschichienkarie der Rhön von Prof. C.Hoß- seid noch eine neue Karte herauszugebm, fo ist er damit einem seit langem von vielen Seiten aus­gesprochenen Wunsche entgegengekommen, eine Karte zu besitzen, auf der die einzelnen Routen und Wege genau nach deren verschiedenfarbiger Bezeichnung in der Natur zunt Ausdruck gebracht sind. Das ist ihm in bester Weise gelungen, und jeder Rhön­wanderer ivird jetzt, rven» er sich plötzlich einer oder mehreren farbigen Wegebezeichnungen gegen« übersieht, sich sofort nach der Karte über das Woher und Wohin dieser Wege orientieren können. Außer­dem sind auf der Karte schön angegeben in grüner Farbe der Wald und mit einem gelben Ton die in der Rhön fo charakteristischen Hutflächen. Wir sind überzeugt, daß die Karte sich viele Freunde er­werben wird, und umsomehr, als derselben für den beispiellos billigen Preis von 50 Psg. auch noch ein 32 Seiten starkes „Verkehrsbuch des Rhön­gebirges" beigegeben ist, das in alphabetischer Form über die wichtigen Rhönorte, Rhönberge und Gasthäuser mit den dort zu zahletlden Preisen Aus­kunft gibt.