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Setationrdruck u. Verlag der Zuldaer 1t* tiendr ackeret in Ktlda. Zernsprecher Nr 9.

' M 119.

Fi^va, Montag den 27. Mai 1907.

34. Jahrgang.

ber-

noch zu weit gefaßt; es müsse heißen: Darf ein katholischer Geistlicher liberale Anschauungen öffentlich bekennen und im Parlamente . . treten? Diese Frage habe der Erzbischof von Bamberg verneint.

X Zwei liberale Zonöertiage im bayerischen Hieras.

Die Erzdiözese Bamberg hat das zweifelhafte Mück, daß mit einem Schlage zwei von ihren Pfarrern weltberühmt werden wegen ihres Be- kenntrnsses zum Liberalismus. Pfarrer Gran­dinger, der sich zum Landtagskandidaten, für Die liberale Partei hergegeben hat, gehört infolge der Reklame, die für ihn die ganze „aufgeklärte" Presse gemacht hat, schon seit Wochen zu den meistgenannten Männern Deutschlands. Jetzt ist Pfarrer T r e m e I aus Balsbach als Verteidiger seines gesinnungsverwandten Konfraters Gran- hinger gegen den gemeinsamen Erzbischof auf dem Plane erschienen und verfällt auch sofort der ^rherrlichung durch alle kirchenfeindlichen Blät­ter. Letztere wollen aus dem Auftreten Tremels beweisen, daß Herr Grandinger Schule mache; in Wirklichkeit ist Herr Tremel schon längst libe­ral gewesen und hat sich als solcher in der Presse betätigt, ehe Herr Grandinger zum Kandidaten der Liberalen gemacht war.

Dieser Zwischenfall bat zwei Seiten. In kirchlicher Hinsicht liegt die Auflehnung von Geistlichen gegen den Wunsch und Willen ihres Bischofs vor, und dieses Aergernis ist sehr zu beklagen. In politischer Hinsicht liegt der Persuch der liberalen Partei vor, sich eine Art Renommier-Soutane oder Konzessions-Geistlichen Oulefllen, und dieses sonderbare Experiment uchen wir wahrlich nicht tragisch zu nehmen.

besten wäre es natürlich, wenn es unter den stlichen überhaupt nicht solche

Querköpfe und Sonderlinge mibe, die sich einbilden, ihre Amtspflicht und Klmtswürde ließen sich vereinigen mit der Tätig, feit der liberalen Partei, sogar der besonders felturkämpferischen liberalen Partei Bayerns. Aber wenn unter den vielen tausenden von Pfar­rern eine eigenartige Natur auftaucht, so ist das für Menschenkenner nicht überraschend. „Es muß auch solche Käuze geben", sagt Goethe.

Der Erzbischof von Bamberg hat es als ein Mergernis bezeichnet, wenn ein katholischer Pfar­rer der liberalen Fraktion sich anschlösse, die in der Schulpolitik gegen die kirchlich-religiösen In­teressen ankämpft und deren Presse den katholi- xhen Glauben zu verunglimpfen pflegt. Pfarrer Grandinger hat demgegenüber die Ausrede ver­sucht, er werde nicht Mitglied, sondern nur Hospi­tant der liberalen Fraktion werden. Der Erz­bischof erwidert mit Recht, daß das Aergernis in dem Anschlüsse an die kirchenfeindliche Partei liegt, einerlei ob der Ausdruck „Mitglied" oder »Hospitant" erwählt wird. Das ist ganz klar und einfach. Die liberale Presse jedoch und auch ,6er freiwillige Sachwalter Pfarrer Tremel ber- wirren die Sache, um dem Herr Erzbischof unter- -uschieben, daß er im Interesse der Zentrums- Politik handle. Das bietet man demselben Rirchenfürsten, dessen Unabhängigkeit und Tap­ferkeit in Wahlangelegenheiten noch im Antaug ßebmar (Reichstagsstichwahl) dieselbe Presse chöchlichst gepriesen bat.

Die „Bossische Zeitung" stellt sich recht klug und gewissenhaft, indem sie sagt: Die Frage, ob ein katholischer Geistlicher liberal fein dürfe, sei

Fehlgeschofleu, Tante Boß.

Es gibt mancherlei „liberale Anschauungen", die man eventuell öffentlich vertreten kann, ohne Deshalb den kirchlichen Zensuren zu verfallen, 8- B. liberale juristische oder volkswirtschaftliche

Al-exa

ober

Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von Eduard Wagner.

60| (Nachdruck verboten.)

29. Kapitel.

Lady Markham sichert sich einen Verbündeten.

Am nächsten Morgen erschien Lady Wolga, Panz gegen ihre Gewohnheit, im Frühstückszim- ^Er, gerade zur rechten Zeit, um die Brieftasche, weuhe soeben gebracht wurde, ihres Inhalts zu entleeren. Sie schloß die Tasche auf und schüt- telte den Inhalt aus. Es waren beinahe für sämtliche Gäste Briefe und mehrere für sie selbst, welche sie zurücklegte zur späteren Oeffnunq in der Bibliothek. Der letzte Brief, dessen Adresse sie ausrief, war für Alexa er trug den Post­stempel „Athen".

Lady Wolga betrachtete einen Augenblick die Handschrift der Adresse mit Aufmerksamkeit und reichte dann den Brief Alexa, welche ihn unge­öffnet in die Tasche steckte.

Lady Markham hatte sie scharf beobachtet; sie trat jetzt näher an sie heran und sprach mit er­heuchelter Freundlichkeit:

"Ist der Brief von Ihrem Vater, Miß Strange?"

Alexa antwortete bejahend.

„Gewiß der erste Brief, seitdem Sie dis Hei­mat verlassen haben? Es wundert mich, daß Sie nicht ungeduldig sind, ihn zu lesen. Alle lesen Briefe. Sie sollten den Ihrigen auch lesen"

„Ich ziehe es vor, ihn in meinem Zimmer zu lesen", erwiderte Alexa mit Würde. t

Lady Markham lächelte. ,

„Sie will ihn nicht im Beisein anderer öff- nen . dacksie sie. Es ist stckl-1- ttr*« fa

Grundsätze. Der Erzbischof von Bamberg hat nur den Anschluß des Geistlichen an die liberale Fraktion für anstößig erklärt, weil dieser An- schluß den Glauben erweckt, der betreffende Geist­liche trete für das ganze Programm der liberalen Partei ein und übernehme auch die Verantwort- lichkeit für die Haltung der Parteipresse. Daß in der Tat ein

Aergernis für das katholische Volk vorlieg-t, bestätigen die Liberalen selbst durch Wort und Tat. Sie wollen ja gerade deshalb den sonderbaren Pfarrer Grandinger (unter Hintan­setzung ihres Hasses gegen die katholischen Geist­lichen) von dem protestantischen Volk wählen las­sen, um diese Soutane als einen Deckmantel im Kampfe gegen die Vertreter des katholischen Vol­kes und dessen kirchlich-religiöse Interessen, na­mentlich in der Schulpolitik, zu benutzen.

Entweder — ober! Entweder bekehrt und bessert sich der Liberalismus in der Kirchen- und Schulpolitik dermaßen, daß er nicht mehr akatho- lisch ist, und das wäre ja recht erfreulich. Oder es tritt der Gegensatz zwischen der katholisch-prie­sterlichen Weltanschauung und der liberalen Po­litik so drastisch zu Tage, daß Herr Grandinger aufhören muß, entweder Pfarrer oder Hospitant der liberalen Fraktion zu sein; das wäre ein klärendes Ereignis und das Ende des Spuks!

Deutsches Reich.

Berlin, 25. Mai 1907.

* Enttäuschte Hoffnungen. Die Behauptung der,Freis. Ztg/, es sei beabsichtigt, unmittelbar nach der völligen Beruhigung des Aufstandes in Südwestafrika die Nordsüdbahn von Windhuk nach Keetmannshoop als Verbindung der Lüderitz- bahn und der Nordbahn auszubauen, erklärt die ,Nationalztg/ für unzutreffend. Die Kolonial­verwaltung denke vorläufig nicht an den Bau dieser Linie, es sei denn, daß sie sich durch die Entdeckung von Mineralschätzen oder unerwartet rasche Ansiedelung doch-als nötig erweisen sollte. Davon aber könne bisher keine Rede fein. Die Teil-Linie von Windhuk nach Rehoboth hat be­kanntlich schon wiederholt den Reichstag beschäf­tig! ; aber sie sand bisher keine Gegenliebe. Der Block freilich dürste auch hier feine gesamte Ver­gangenheit verleugnen; denn schließlich ist er ja zum Bewilligen gewählt.

h. Pastoren über den Religionsunterricht. Daß Pastoren gegen den Religionsunter­richt in der Schule find, ist eine Unge­heuerlichkeit, die man auf dem 23. deut­schen Protestantentag in Wiesbaden erlebt hat, und worüber die Blätter joIgenbeS berichten:

Pastor Emde-Barmen, der Herausgeber des ,Protesiantenblatte§', erörterte das Inte- reffe, das die Familie am Religionsunterricht habe. Er betonte, daß die Familie sowohl am Lehrstoffe, wie an der Persönlichkeit. des Lehrers interessiert fei. Leider aber haben heute Vater und Mutter so gut wie nichts dreinzureden, deshalb müsse sich der Religions- lehrer mehr als Vater und Mutter und weniger als Lehrer fühlen. (Beifall.) Ein richtiger Religionsunterricht laffe sich nicht in starre Regeln oder in irgend eine Methode zwängen. Heute aber werde auch im Reli- gionsunterrrcht alles fein säuberlich in Qua­drate eingeteilt. (Heiterkeit.) Was habe zum Beispiel die Länge und Breite der Arche

Ordnung mit dem Mädchen und ihrem Barer. Ich fange an, die ganze Geschichte zu bezweifeln, obwohl das Mädchen so unschuldig aussieht."

Nach dem Frühstück eilte Alexa auf ihr Zim­mer und öffnete den Brief. Er war von ihrem Vater und aus der alten Heimat datiert.

Ihr Vater schrieb, daß er in dem Hause eines Weingärtners auf seinem Grundstück wohne und daß er mit einem griechischen Kaufmann wegen Verkaufs des Grundstücks zu einem annehm­baren Preise in Unterhandlung stehe.

„Unsere alte Heimat ist mir unerträglich ge­worben, seitdem Du nicht mehr hier bist", schrieb er. „Ich entbehre Dich überall und bereue, daß ich Dich nach England" reisen ließ. Ich kann die Befürchtung nicht verbannen, daß Dein Plan uns großes Unheil bringen wird. Und wenn ich an Dich denke, so jung und unschuldig, so un­bekannt mit der Welt, dann ist es mir, als müsse ich von Sinnen gewesen sein, daß ich Dich von mir gehen tiefe. Wenn Du bei Empfang dieses Briefes noch keinen Schritt vorwärts gekommen, wenn sich Dir noch keine Aussicht auf eine Lösung Deiner Ausgabe eröffnet hat, bitte ich Dich und befehle Dir, sogleich zu mir zurückzukehren. Aber, wenn Du Deinem Ziele näher kommst, dann bleibe und führe Deine heilige Mission zu Ende mit Deines Vaters Segen und seinen beständi­gen Gebeten. In Dich und die Vorsehung, ber ich noch immer vertraue, habe ich meine einzige Hoffnung gesetzt. Wenn ich mein Grundstück verkaufe, werde ich mir eine andere Zuflucht- ftätte in den Bergen aussuchen. Ich habe feit Deiner Ankunft in England noch nichts weiter von Mr gehört. Mein Bote geht an jedem Tage, an dem das Post-Dampfschiff ankommt, mrch Athen. Adressiere Deine Briefe an mich wie bis­her, und ich werde sie erhalten, wo ich auch bin. Sei auf Deiner Hut, mein Kind, und bedenke, wie viel von Deiner Vorsicht und Verschwiegen- heit abhängt. Du wirst Dich erinnern, daß, als ich auf dem Quai am Piräus stand, mich xtoei

Roah mit d« Religion zu tu», was die Namen dec 4 Flüsse, die in den Paradiesfluß aefloffen fei* sollen I (Heiterkeit). Die Eltern haben ein Recht zu verlangen, daß ihre Kinder mit solchen Dingen in der Schule nicht ge­langweilt werden. (Beifall.) Das Haupt­ziel im Religionsunterricht sei heute, daß der Katechismus möglichst gut sitzt. (Heiterkeit.) Tine rein äußerlrche Dressur sei der Religions­unterricht daher geworden. Was schließlich die Lehrer anlangt, so seien die Klagen der Orthodoxen über den zunehmenden Atheismus in der Lehrerschaft, besonders unter den Volks- schullehrern, übertrieben. Die Zeiten, wo Büchner- „Kraft und Stoff" das Lebens­brevier der jungen Lehrer bildete, seien vor­über, aber auch die Zeit der Häckel'schen Welträtsel". Der so oft beklagte „Atheismus" bei Tausenden unserer Lehrer sei nichts weiter als Unlust und gerechter Haß gegen uner- trägliche Zumutungen und unerhörten Ge­wissenszwang. Die Schlange im Paradies, der gesprächige Esel des Böleam (Heiterkeit) ufro. müssen von den Lehrern als geschichtliche Tatsachen gelehrt werden! Einem Lehrer, der das nicht mehr aushalten könne, der seine Zweifel und feine innere 9tot den Vorge­setzten klage, werde gesagt, er könne ja gehen."

So sprach ein protestantischer Prediger. Und er stand nicht allein. In der Diskussion sprach zunächst Pastor Ladendorf-Hamburg: Wir sollten nicht nur das 2 oder 3 Meter entfernte Ziel, sondern auch das Endziel im Auge halten. DaS Endziel ist, daß die Familie allein das Be­stimmungsrecht darüber hat, ob und welchen Unterricht die Kinder erhalten sollen. Weder die Kirche noch der Staat sollen da etwas dreinzureden haben. (Beifall.) Pastor Manchot-Hamburg: Ohne den so viel geschmähten Katechismus kann ich mir keinen Religionsunterricht denken, denn jeder Religions­unterricht muß mit der Erklärung der 10 Ge­bote anfangen. Was nicht in die Schule gehört, ist das Dogma. Einer Beseitigung des Reli­gionsunterrichtes aus der Schule kann ich nicht beistimmen. Wir würden in diesem Fall sofort die klerikale Schule bekommen. (Sehr wahr!) Dann wird es bei uns so kommen wie in Frankreich, daß sogar die liberalen Führer ihre Kinder in die klerikalen Schulen schicken. (Heiterkeit und Beifall.) — Pastor Rühly- Gummersbach: Solange die Lehrer auf Semi­naren in den engen Grenzen eines staatlich er­laubten Christentums erzogen werden, solange können sie nie christliche Persönlichkeiten werden. — Pfarrer Heyn-Greifswald: Grundsätzlich möchte ich betonen, daß der Religionsunterricht aus der Schule entfernt werden muß. Genau rote die Kirche die Erwachsenen religiös ausbildet, muß sie es auch bei der Jugend tun. (Widerspruch.)

Man kann solche Ausführungen nur mit Verwunderung lesen; wir zweifeln nicht, daß es diesen Predigern ernst ist mit ihren Ideen. Aber wir müssen fragen, was denn eigentlich für die Jugend noch geschehen soll, um sie reli­giös heranzubilden, um sie zu tüchtigen Christen zu erziehen? Wenn der Pastor gegen den Religionsunterricht in der Schule Sturm läuft, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn es auch der Sozialdemokrat tut.

Engländer anredeten, die ich für Touristen hielt. Gestern traf ich einen dieser Engländer bei den Ruinen unserer Villa. Er fragte die alte Aminka aus, welche unter den Trümmern nach geschmol­zenem Silber suchte. Als ich kam, redete er mich an und erkundigte sich nach Spiridion, welcher nebenbei bemerft, aus dem Gefängnis entsprun­gen und wieder der Schrecken des Landes und besonders ber Reisenden ist. Ich beantwortete die Fragen des Fremden, bot ihm aber keine Be- Wirkung an, und er ging wieder. Die alte Aminka sagte mir, daß er sich sehr angelegent­lich nach mir erkundigt habe. Es mag nur Ein­bildung sein, die nun in jedem Reisenden einen Spion erblicken läßt, und in diesem besonders einen Menschen, den ich meiden muß, aber ich sehe mich doch veranlaßt, jetzt mehr als je auf meiner Hut zu fein."

Es folgten einige weitere Auslassungen, wel­che eine hoffnungsvollere Stimmung anbeuten sollten; aber Alexa erkannte doch, wie sehr ihr Vater sie entbehrte und wie unerträglich ihm das Alleinsein war.

Sie las den Brief noch einmal, dann zündete sie eine Wachskerze an, hielt den Brief über die Flamme und verbrannte ihn zu Asche.

Sie hielt die Kerze noch in ber Hand, als nach flüchtigem Klopfen und ohne auf den Ruf: „Her­ein!" gewartet zu haben, Lady Markham eintrat Ihre kalten, mißtrauischen Augen gewahrten die Erregung des Mädchens, und sie vermutete sofort, welches Schicksal der Brief erfahren hatte.

„Ich bitte um Entschuldigung, Miß Strange", sagte sie, „wegen meines unzeremoniellen Ein­tritts; aber ich war so besorgt um Sie, daß Sie sich so einsam fühlen möchten und bann wollte ich mich auch etfunbigen, ob Ihr Vater wohl ist und oh Sie gute Nachrichten erhalten haben. Wie, Sie haben einen Brief verbrannt?"

Alexa errötete leicht. Sie setzte den Leuchter auf den Tisch, auf welchem noch die Afche als Ueberreft be’» Briefes loa.

Ein Lob des Zentrums aus konserva» ivem Munde findet sich in der ,Kreuzzeitung'; )aS genannte Blatt bespricht die Patteiorgani« ätion im Regierungsbezirk Magdeburg und chreibt hierbei:

„Was da? Zentrum angeht, so war es sich hierzulande seiner nationalen Pflicht bei Stichwahlen stets bewußt und seine Anhänger haben niemals versagt, wenn es sich darum handelte, gegen die Sozialdemokratie Front jn machen. In einigen Kreisen gehen Zentrums­leute, soweit die Katholiken nicht schon so wie so sich den Konservativen angeschlossen haben, mit letzteren zusammen. Die letzten Land­tagswahlen im Jahre 1903 haben es bewiesen. In der großen Hauptsache sind die Katholiken des Regierungsbezirkes Magdeburg im Volks­verein für das katholische Deutschland gut organisiert. Durch ihre öffentlichen Versamm­lungen geht ein vornehmer Ton, der gegen den Liberalismus und die Sozialdemokratie, nicht ohne Schärfe ist, im übrigen aber wegen' des warmen patriotischen Empfindens jeden Konservativen angenehm berührt. Wenn es sich bei konservativen Stichwahlen um einige Hundert Stimmen handelt, die ausschlag­gebend sein können, so ist mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß das Zentrum fast immer zugunsten des konservativen Kandidaten gegen den Nationalliberalen, den Freisinn und die Sozialdemokratie seine Stimme in die Wagschale wirst."

Mehr oder weniger trifft dieses Urteil für ganz Deutschland zu. Der Freisinn hat durch seine jämmerliche Haltung alle Sympathie im katholischen Lager verloren; da wählt man hundertmal lieber sofort einen Konservativen; dann weiß man wenigstens, woran man ist. Der Freisinn hat sich im letzten Halbjahr um allen politischen Kredit gebracht; das werden die künftigen Ereignisse bekunden; es ist für ihn das beste, wenn er sich sofort den Nationalliberalen anschließt; diese Gesellschaft paßt zusammen.

* Eine vernünftige Ansicht über bie Be* Handlung ber Kolonialskandale. Vizeadmiral a. D. P. Hoffmann spricht sich im „Tag" mit aller Entschiedenheit gegen das Totschweigen der Kolonialmißstände ans und bezeichnet die Vorstellung als falsch, daß man die Augen Kolonialskandalen wegen schlie­ßen müsse, wenn man „großzügige überseeische Politik" treiben wolle. Sehr gefährlich werde aber das Beginnen, die öffentliche Meinung we­gen der Kolonialskandale zu beschwichtigen, wenn daran Ratschläge geknüpft werden, wie es in Zu­kunft mit Behandlung der Eingeborenen gehal­ten werden soll. „Wenn aus Seit Erfahrungen der Herrn Oettker und Peters heraus die unab­änderliche „Sklavennatur sans phrase" des Afri­kaners, die Meinung, „der Herr sei dem Neger so nötig wie der Fisch im Wasser", als Grund­satz hingestellt wird, wenn dafür Stimmung ge­macht wird, solche Grundsätze dem zukünftigen Verwaltungssystem in bett Kolonien zugrunde zu legen, so ist das ein gerne in gefähr- liches Unternehmen, dem nicht scharf ge­nug entgegengetreten werden kann. Es ist nichts anderes als der Versuch, jenen Herrenstandpunkt zu rechtfertigen und zu verallgemeinerit, der dem deutschen Reiche soeben eine halbe Milliarde für Kolonialkriege gekostet hat." Vizeadmiral Hoff­mann weist dann nach, daß ber von Peters und anderen empfohlene Herrenstaiiöpuilkt gerade von denjenigen Nationen nicht geteilt wird, die sich bis jetzt als die b e f ä h i g st e n Kolonisato-

„Wollen Sie sich setzen, Lady Markham?'' sagte sie kalt.

„Ich danke. Nur Teilnahme trieb mich zu Ihnen. Haben Sie gute Nachrichten erhalten?" und Sie sah Alexa forschend an.

„Mein Vater war ganz wohl, als er den Brie^ schrieb."

„Wie verschieden sind doch die Men —n. Ich hielt die Briese sehr in Ehren, die nn J Vater mir nach dem Pensionat schickte. Ich versichere Sie, ich habe sie noch alle, mit einem roten Band zusammengebunden. Ich würde lieber alles ent­behren, als die lieben Andenken an die Vergangen­heit zerstören. Es mag fein, daß ich etwas sen­timental bin, Miß Strange. Junge • Mädchen in den jetzigen Tagen vernichten Ihres VaterS Briefe gleich, nachdem sie sie flüchtig gelesen ha^ ben, wie es scheint. Es hat fast den Anschein, als ob Sie sich fürchteten, den Brief zu behalten."

Der höhnische Ausdruck ihres Antlitzes, wel­cher die letzten Worte begleitete, machte Alexa er­zittern. Wäre bisher noch ein Zweifel in ihr gewesen, so wurde es ihr jetzt zur Gewißheit, daß sie in Lady Markham eine erbitterte Feindin be- faß. Sie begriff deren kleinliche Mißgunst und Eifersucht und hielt es nicht für unmöglich, daß es derselben gelingen möge, Lady Wolga gegen sie einzunehmen und sie aus diesem Hause zu verdrängen.

Sie hielt es für ein Glück, daß ihr eine Zu­flucht in Montheron angeboten war. Ein länge­rer Aufenthalt in dem Schlosse ihrer Ahnen würde ihre Mission begünstigen, aber der Ge­danke an bie Trennung von ihrer Mutter berei­tete ihr neues Weh. Sie war nach Clyfsebourne gekommen mit einem Gefühl von Abneigung und Zorn gegen ihre Mutter, und das Zusammen- leben mit derselben hatte in wenigen Tagen oiefe widerstrebenden Gefühle in die innigste kindliche Zuneigung und Liebe verwandelt. Es war ihr daher ein peinlicher Gedanke, möglicherweise von ihrer Mutter im Zorn ober Mißtrauen gegen sie wieder zu scheiben.