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«»tationrdruck u. Verlag d« H«ibaer Re» tlendrrckerei tit Hulda. Hernsprech« llr ».

M 118.

Fulda, Samstag den 25. Mai 1907.

34. Jahrgang.

Zweites "23tott

Darum

daS Leben deS Zaren bestand und die schon in den Palast eingedrwngenen Verschwörer im letz­ten Augenblick veichaftet wurden. Die Duma wie auch der Reichsrat nahmen eine Adresse an, welche die Freude über die Erhaltung des garen ausspricht.

Der finnische Landtag ist eröffnet worden. Die Sozialisten besitzen die Mehrheit; sie haben bereits einen Antrag eingebracht, es solle jeder, der mehr als 3000 Mark sein eigen nennt, dieses Mehr an die Staatskasse abliefern. Natürlich wird die Regierung ihre Zustimmung versagten.

gaben bezweifelt werden, vielleicht würde sie ent- lassen werden, wenn sie Klage erhob; dann schien ihr auch die Sache zu unbedeutend. Es blich ihr nichts übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

„Wenigstens bin ich nicht'gezwungen. Sie fer­ner anzubören, Lady Markham", sagte sie. „Ich bitte, mich zu entschuldigen."

Sie erhob sich, schritt durch den Saal und trat in die Halle. Tie Haustiir stand offen, und da« Brausen der gegen die Felsen schlagenden Wellen drang an ihr Ohr. Sie zögerte einen Augenblick, dann eilte sie hinauf in ihr Zimmer, nahm einen Shaw!, huschte dann wieder die Treppe hinab und ging hinaus ins Freie.

Es wehte ein rauher Wind. Alexa wickelte sich fest in den Shawl und schritt den Klippen zu, wo sie sich im Schutze eines hohen Felsens niedersetzte und dein Getöse des Anpralls der Wellen an dem zerklüfteten Felsenufer lauschte.

„Ich habe eine Feindin im Hause", dachte sie. „Es ist gut, daß Mrs. Jngestre mir eine zeit­weilige Heimat zu Montheron angeboten hat, denn wahrscheinlich werde ich Clyffebourne bald verlassen müssen. Aber was kann ich getan ha- - m*r den Haß der Lady Markham zuzu­ziehen?"

Der Himmel war mit Wolken bedeckt. Tiefe Dunkelheit umgab die Felsen, aber die weißen Schaumhaupter der Wellen unter ihnen waren 'wtbar. Offenbar war ein Sturm im Anzuge. Alexa hüllte sich noch fester in ihre Umhüllung und zog sich in eine in den Felsen gehauene Ver­tiefung zurück, um vor dem Wind geschützt zu ein.

In demselben Augenblick wurden nahende Schritte und Stimmen hörbar. Alexa erschrak, blickte aus ihren; Versteck hervor und sah einen Mann und eine Frau Arm in Arm sich dem Fel- eit nähern, hinter welchem sie sich befand. Sie waren mir rod) einige Schritte von ihr entfernt.

Alexa zog sich ganz in die Hoble zurück. Sie dachte, es seien Gäste des Hauses und würden an ihr dorübergehen, ohne sie zu bemerken. Aber bei den ersten ihr verständlichen Worten wurde ihre Aufmerksamkeit erregt und sie zum Horchen gezwungen.

Das Pärchen waren Pierre Renard und Fe- nee, Lady WolgaS Kammermädchen, und sie spra­chen über Alexa.

Pierre Renard war von Montheron herüber- geritten, um Felice zu besuchen, mit der er schon lange ein Liebesverhältnis unterhielt. Er hatte seine Geliebte zu einem Spaziergang eingeladen, was diese auch angenommen hatte. Was ihn heute hierher führte, war vorzugsweise, etwas näheres über Alexa zu erfahren.

„Wer ist diese neue Gesellschafterin der Lady Wolga?" fragte er mit erzwungener Gleichgil­tigkeit. „Wer ist diese Mademoiselle Strange?"

„Sie ist eine junge Dame aus einem frem­den Lande", erwiderte Felice. „Wo hast Du sie gesehen?"

„Gestern abend, im Schlosse. Sie hat daS Aussehen einer jungen Fürstin. Ist sie eine Ver­wandte von Mylady?"

„O nein, sie ist Myladys Gesellschafterin, nichts mehr. Aber wenn Du sie gesehen hast. Pierre, dann kannst Du sagen, Du hast die schön­te Dame in ganz England gesehen —"

„Und eine, die den Herons von Mont Heron o ähnlich sieht, daß sie wirklich von ihnen ab- tainmen könnte; sie sieht auch Lady Wolga ähnlich. Es ist ein ganz sonderbares Zusammen­treffen. Hast Du die Aebnlichkeit nicht bemerkt?" __ »Auf den ersten Blick und ebenso bemerkte Mylady dieselbe."

„Ich sollte denken, Du würdest eifersüchtig auf diesen neuen Ankömmling sein, Felice.

, „Ich! Weshalb? Mylady hält viel von mir, Jierre; aber ich bin keine Gesellschafterin für' ie. Ich besitze zu wenig Bildung, als daß ich sie durch meine Unterhaltung intereffiferen könnte.

In Spanien haben die Tauffeierlichkeiten des Thronerben unter prunkvollem Zeremoniell stattgefunden. Als Vertreter des deutschen Kai- sers nahm Prinz Friedrich Leopold von Preußen an der Ferer teil. Die Kriegsflotte Spaniens soll tatsächlich wieder aufgebaut wer­den, wie auS dem Marinebudget, das den Kor­tes vorgelegt worden ist, hervorgeht.

. In Marokko haben die Regierungstruppen m letzter Zeit über die Aufständigen einige Er­folge errungen.

Der italienische Minister des Auße- ren, Tittoni, hat in der Kammer eine Rede über die auswärtige Politik Italiens gehalten, die den Geist der Versöhnung und des guten Willens atmete. Tittoni versicherte, er halte un­erschütterlich am Dreibund fest, das schließe aber herzliche Beziehungen zu England und Frankreich nicht aus. Hinsichtlich der Abrüst- ungsfrage stehe Italien prinzipiell auf demsel­ben Standpunkt wie Deutschland und Oesterreich, nur sei der Weg, den es hinsichtlich der Behand­lung dieser Frage auf der Haager Friedenskon­ferenz ernschlagen werde, etwas verschieden von dem der Verbündeten.

An Rußland mehren sich die Raubanfälle tagtäglich. Schreckenstaten werden aus allen Teilen des Reichs gemeldet. Die Regierung hat lieber zahlreiche Verhaftungen »olktisch Verdächtiger vornehmen lassen, mitunter wurden ganze Versammlungen von 30 und mehr yctioneit flltt(5seitifl verhaftet. In der Duma hat Ministerpräsident Stolypin zugestanden, daß vor einigen Wochen eine Verschwörung gegen

schlecht hat viel mehr Lebenszähigkeit, als das männliche. Nur 9 hunderjährige Männer gegen 43 Frauen mit dreizifferiger Jahreszahl! Son- derbarerweise scheinen die Juden in dieser Hin- ucht eine Ausnahmestellung einzunehmen: auf 1 hundertjährige Jüdin kommen 3 männliche Is- rächten. W,e erklärt sich das? Liegt die Ur- fache m der Rasse oder in den verschiedenen Lebensgewohnheiten? Die männlichen Juden haben im allgemeinen wohl weniger schwere kör- perliche Arbeit, als die übrige männliche Bevöl- keruiig m ihrer großen Masse. Die männlichen v^uden sind aber auch durchschnittlich mäßiger im Trmken und Rauchen, als das Gros der christ- lichen Männer.

Was nun die konfessionelle Grup- vrernng der Hundertjährigen angeht, so zeigt auf den erften Blick der Katholizismus einen ge­waltigen Vorsprung. Er braucht nur ein gutes drittel, also etwa 18 Hundertjährige, aufzuwei- ien; in der Tat besitzt er 32, während auf den doppelt so starken Protestantismus nur 16 fak- len. Das Verhältnis hat sich also vollständig umgekehrt.

E,n daraus Schlüsse zieht, muß man ach, we Beteiligung der einzelnen Nationa­litäten anseheii. Don den 52 Hundertjährigen bo.tten nur 20 das Deutsche als Muttersprache. Also die große Mehrheit war in sprachlicher Hin- Ncht mcht-deutsch. Der eine Friese und der eine Engländer machten freilich wenig aus; aber unsere slavischen Mitbürger int Nordosteu um w mehr: 24 Hundertjährige hatten als Mutter­sprache polnisch, 2 kafsubisch, 1 masurisch. Dazu kommen noch 3 Littauer. Unter diesen Umstän- den muß natürlich die Mehrzahl der Hundert- fahrigen in den östlichen Provinzen sitzen: in Ostpreußen und Westpreußen je 8, in Posen 9, m Schlesien 10. Das macht schon 35 von 52. Westfalen weist dagegen nur 1 Hundertjährigen a«i, Rheinland nur 4 (darunter 2 Juden und fernen Protestanten). Man sieht, die slavische Raste im Nordosten hat nicht blos Kaninchen- Fruchtbarkeit, sondern auch Methusalem-Aus- dauer.

Die 24 Polen tragen wesentlich dazu bei, daS Uebergewicht des Katholizismus in der Gruppe der Hundertjährigen so stark zu machen. Aber wenn man die Fremdsprachigen und die Juden in Abzug bringt, so bleiben noch 16 Christen mit deutscher Muttersprache übrig, und von denen scheinen auf das katholische und das prot^stan- tiickie Bekenntnis je 8 zu entfallen. Da die katho- tische Bevölkerung um die Hälfte kleiner ist, be­deutet die bleiche Anzahl der deutschsprachigen Hundertiahrlgen einen Vorsprung des Katholi- zismus auf diesem Gebiete. Bekanntlich ist auch die Zahl der Selbstmörder bei den Katholiken er- bebhch geringer, als bei den Protestanten. DaS entschiedene Glaubensbekenntnis und die reich»- ren Gnaden- und Trostmittel in der katholischen Mtraje haben also doch einen günstigen Einfluß auf die Lebensenergie.

Es gibt bekanntlich Leute, die dem Ka­tholizismus eine besondere Zugkraft für daS w e t 6 lrche Geschlecht nachsaaen, dagegen den religiös-sittlichen Einfluß ' auf die Männerwelt als Vie! geringer hinstellen tool- len. Wenn das zutreffen sollte, so müßte ge­rade bei den Katholiken der Anteil des weib- lichen Geschlechts an der Langlebigkeit eine mehr ass durcifschnittliche Größe haben. Tatsächlich er- gibt sich das umgekehrte: bei den Protestanten kommen auf 15 hundertjährige Frauen nur 1 Mann, bei den Katholiken aber auf 27 Frauen 5 Männer.

. Auf die runde Zahl von 100 Jahren wollen wir uns nicht gerade verbeißen, sondern vielmehr an diese Ziffern die allgemeine Frage knüpfen: Bhe bringt man es zu einem gesegneten Alter? Iw glaube, die zwei wichtigsten Punkte in der

Unpolitische ZeltlSufe.

(::) Berlin, 23. Mai 1907.

(Nachdruck nicht gestattet.)

„Neunzig Jahre: Kinderspott; hundert Jahre: Gnad' bei Gott!" Das lautet so, als wenn ein hohes Alter eine fürchterliche Heim­suchung wäre. Man hört ja auch manchmal sa­gen: Ach, so alt will ich gar nicht werden! Das ist aber nicht so ernst gemeint; denn wenn mal

Da neuerdings für die Gesundheitspflege viel mehr geschieht, als früher, so nimmt die Sterb­lichkeit ab. Infolgedessen muß auch die Zahl der Hochbetagten tvachsen. Nun gibt aber die Aufrechnung der Hundertjährigen in Preußen ein eigentümliches Bild. Bis zum Jahre 1880 zählte man mehr als 300 Leute von 100 Lebensjahren und darüber. Im Jahre 1885 aber wurden nur noch 91 gezählt; ja bei der Zählung von 1900 war die Ziffer der Hun- dertjährigeii auf 35 gesunken. Im Jahre 1905 hob sie sich wieder ein wenig, nämlich auf 52. Der Rückgang war aber nur scheinbar. Bei den früheren Zählungen batte man nämlich alles für 6are Münze genommen, was die hochbetagten Greise oder deren Angehörige angaben. Seit 1880 aber führte man eine schärfere Kontrolle ein und die Folge davon war, daß manche an­geblich Hundertjährige in die Klasse der Neun- zigjährigen zurückversetzt wurden. Vielleicht ist dabei gelegentlich auch mal zu scharf vorgegangen worden. Jedenfalls werden zurzeit wenigstens 52 Hundertjährige im preußischen Staat vor- Händen fein.

Sehr interessant ist nun die Verteilung die­ser Leute auf die Geschlechter, die Konfessionen und die Nationalitäten.

Zunächst wird bestätigt, was ja auch sonst schon längst erwiesen ist: das weibliche Ge­

ber Tod versuchsweise anklopft, so wird immer wieder auf das dringlichste um Verlängerung des Lebenswechsels gebeten. Die Hochbetagten leiden ja unter vielem Ungemach; doch fallen Stunden des Sonnenscheins und der Behaglich­keit dazwischen, und man muß auch erwägen, daß ein Neunzig- oder Hundertjähriger in der Regel Jahrzehnte hindurch ein verhältnismäßig rüsti­ges Alter genoffen bat, das den weniger zähen Naturen teilweise oder ganz versagt blieb.

Wir haben Verlangen nach einem recht langen Leben, aber zugleich Scheu vor den Schwächen und Beschwerden des hohen Alters, heißt es auch in dem Rätsel:

Wochen-Rundschau.

n. Fulda, 25. Mai 1907.

Die Parlamente find in den Ferien und so ist es auf dem Gebiete der hohen Politik ziem­lich still geworden. Während das englische und französische Parlament bis tief in den Sommer hinein tagen, glauben es unsere Volksboten nach Pfingsten in der engen Hauptstadt nicht mehr aushalten zu können. Besonders in diesem Jahre hatte es der Reichstag sehr eilig; allein die Regierungsorgane und die rechts gebildeten Dlockblätter spenden ihm gleichwohl hcches Lob und ereifern sich über die durch die Presse der ^vstositionsparteien und auch die freifinnige > reffe geübte, durchaus berechtigte Kritik an den .kläglichen Leistungen der abgelaufenen Sitzungs­periode. Während der Liberalismus der weite- ten Entwickelung der Reichspolitik, wenn auch mit Mißtrauen, so doch abwartend entgegen» sieht, erblickt er in Preuße n den H e m m- 1 chuh, der die liberale Aera hinanhalte und kündigt deshalb für Preußen einen funkenstieben­den Kampf an.

lich-sozialen anschließen, sodaß diese eine Stärke von zirka 100 Mitgliedern erreichen würden. Sie wären damit die stärkste Fraktion und hätten fast die Hälfte aller deutschen Mandate in den Händen.

In Frankreich versuchen Ministerpräfi- dent Clemenceau und seine Kollegen die öffent­liche Meinung durch Reden zu beschwichtigen und so über die Tatenlosigkeit deS Kabinetts hinweg- zutäuscheu. Schwere Sorgen bereiten der Re­gierung die Unruhen der Weinbauern im Süden, die sich in einer KrifiS befinden. All- sonntäglich veranstalten die Weinbauern Massen­kundgebungen, an denen sich bis zu 150 000 Per­sonen beteiligen, sie verweigern die Zahlung der Steuern, die Regierung bereitet deshalb ein Ab­hilfegesetz vor. Ein neuer Skandal scheint am politischen Himmel heraufzusteigen. Die Ein- Ziehung der Klöstergüter soll dem Staat annähernd 430 Millionen Franken eingebracht haben. Nach dem Gesetz sollten die Zinsen zur Zahlung' einer Leibrente an die Ordens­mitglieder und zur Altersversicherung der Ar­beiter verwendet werden. Es sind nun fünf Jahre vorüber, von Auszahlung einer Rente ist aber nichts bekannt geworden; zwar sind Verwalter mit hohen Bezügen angestellt worden, aber sie werden,verwalten, bis nichts mehr da ist. Dieses Ergebnis des schändlichen Kloster- und Kirchen- raubeS muß jeden anständig Denkenden em- frören.

In England hat Kriegsminister Hal- da n e seine friedliche Gesinnung gegenüber Deutschland in einer öffentlichen Rede bekundet. Der irische Nationalkonvent toar in Dublin versammelt, um sich über die vom Unter- staatssekretar Birrel dem Unterbaute vorgelegte irische Bill, die einen irischen Verwaltungsrat schaffen will, zu äußern. Einstimmig wurde der Gesetzentwurf zurückverwiesen, weil er die von den Iren erhoffte eigene gesetzgebende Kör­perschaft nicht vorsieht. Die Stellungnahme des Nationalkonvents ist im Interesse Irlands selbst zu bedauern, für die Liberalen Englands bedeutet sie einen schweren Schlag, der Entwurf wird vor­aussichtlich wieder zurückgezogen werden.

Alle möchten's werden. Niemand will es fein.

Auflösung: alt» Anders ausgedrückt: Unser natürlicher Wunsch geht weniger auf hohes Äl­ter,^ als auf andauernde Gesundheit und Kraft. Ewige Jugend — das wäre unser Ideal. Das gibt es aber auf Erden nicht. Im Himmel erst wird sich zu der Unsterblichkeit das Gefühl der unveränderlichen Kraftflllle gesellen. Hier im Jammertale müssen wir uns mit der gemischten Freude eines ausgedehnten Lebensabends be­gnügen.

ihr erlaubt, von Griechenland nach England zu relsen ohne Begleitung", und der es ihr überläßt, sich selbst eine Stelle zu suchen? Ich halte nur etwas von einem jungen Mädchen, dessen Ver­gangenheit ganz bekannt ist. um welches kein Schatten von Geheimnis schwebt."

„Lady Wolga ist mit der über mich einge- sogenen Erkundigung zufrieden", sagte Alexa stolz.

„Ah, Lady Wolga ist zu vertrauensvoll und arglos, und deshalb geziemt eS denen, die ihr zugetan find, ihre Jntereffen zu vertreten. Ich bö& Sie sind, was Sie zu fein schei­nen, Miß Strange."

„Mylady!"

. ^ie mögen entrüstet fein, aber ich glaube R» nur hier sind, um Ihre eigenen geheimen Zwecke zu verfolgen. Seien Sie ge-

Strange. Lady Wolga hat Freunde, die über «ie wachen, und wenn Sie ihr Schaden zuzufugen gedenken, werden Sie sich nur selbst Unannehmlichkeiten zuziehen."

Alexa warf ihren Kopf stolz zurück Hätte Lady Markham Alexas wirklich^ Namen gewußt wurde sie ihre Bosheit augenblicklich in die tiefste Demut verwandelt haben; so aber lächelte sie über deren Entrüstung.

. "5* Beleidigungen Lady Wolaa

Mitteilen , sagte Alera.

t » Tun Sie das, und zeigen Sie sich selbst al« das verräterische Wesen, für weißes ich Sie halte!" xief Lady Markham mit unvei-holenem Berger. „Sie werden nnden, daß ich e|ne an„ unb vertraute Freundin der Lady Wolga bin und oag eine Fremde keinen genügenden Einfluk be- >‘n wird, um sie mir abwendig zu K -sagen eie es ihr und sehen Sie, was dann ge­schehen wird." u

Stlera erwiderte nichts. Sie erkannte, daß sie, eine Fremde in diesem Hause, die Beleidi­gungen der Lady Markham nicht Lady Wolga m'tfellen konnte. Vielleicht konnten ihre An-

Das neue Reichskolonialamt ist nun- 4,«ehr endgiltig eingerichtet. Dernburg ist selbst- vei stündlich zum Kolonialstaatssekretär ernannt tvo.ben. Die übrigen Ernennungen haben überrascht, bei den Liberalen sogar bitter enttäuscht. Zum Unterstaatssekretär im Ko­lonialamt wurde Gouverneur v. Lindeguist von Südwestafrika ernannt. Er ist noch nicht lange xn der Kolonie tätig, man versprach sich viel von seiner Tätigkeit und nun wird er der Kolonie entzogen. Sein Nachfolger ist zum herben Schmerz der Liberalen der konservative Land­tagsabgeordnete v. Schuckmann geworden. Er war einmal Generalkonsul in Kapstadt, hat auch Puttkamer ein halbe? Jahr in Kamerun ver­treten. Ob er der richtige Mann am richtigen Platze ist, muß die Zukunst lehren. Kolonial­staatssekretär Dernburg hat die geplante Reise in die Kolonien aufgegeben; worüber die Blätter des Freisinns äußerst mißvergnügt sind.

t Der „entschiedene Liberalismus" chat es für nötig befunden, zu Pfingsten wieder einmal mit einem Aufruf vor die Oeffentlichkeit zu treten. An Worten läßt er es überhaupt nicht fehlen, dagegen gibt er im entscheidenden Augen­blick in Verleugnung aller Grundsätze klein bei. Der Ausruf hat den entschieden Liberalen wieder Zahlreiche Zurechtsveifungen von rechts einge­tragen; sie sollten sich vor tollen Seitensprüngen Hüten, die Kinderschuhe doch endfich ausziehen, folgerichtig denken lernen und bei der Stange bleiben.

In Bayern sind die Vorbereitungen zur ^andtagswahl im vollsten Gange. Der katho- tische Pfarrer Arandinger hält trotz der Mah­nungen seines Erzbischofs an seiner liberalen Mqndibatur fest. Ein wenig erfreuliches Bild ffm ZentrumSlager bieten manche Wahlkreise in Oberfranken und der Oberpfalz, wo der Lokal- Patriotismus zur Aufftellung mehrerer Sonder­kandidaturen geführt hat. Freilich sah es bis vor kurzem tm liberalen Lager nicht viel beffer «US.

In Oesterreich haben die Stichwahlen »um Reichsrat stattgefunden. Das endgiltige Er- gebniS ist noch nicht bekannt. Doch dürften in­folge deS Kompramisses zwischen Liberalen unb Sozialdemakratrn die Christlich-sozialen allzuviel Mandate nicht mehr errungen haben; die Konser- valiven wollen sich erfreulicherweise den Christ- 1

JU'exa

oder

Auf geheimnisvollen Wegen.

Raman von Eduard Wagner.

)9J (Nachdruck verboten.)

,Hadtz Walgas Neigung zu diesem Mädchen ,st unbegreiflich!" dachte sie. „Sie ist zweifellos eine Abenteuerin, und ich hoffe, es beweisen zu rannen. Wie ist es möglich, daß eine Dame, Frau in England genannt dSolga sich für ein Mädchen in- örOn dem niemand weiß, wer sie JL’SJÄ1 deren Vergangenheit in Mäbchm 7st m ^r.e^"^l "HM ist? Dieses iriL*V reniet? Zweck in diesem

will sie entlarven!"

St- ruckte erneu Stuhl neben Alexa und setzte V darauf. „Sre fitzen hier sehr einsam Miß Strange", sagte sie, „weshalb besehen Sie sick nicht ein Album oder gesellen sich den unbaren?"

„3# sehe lieber zu", erwiderte Alexa offen ist mir alles s» neu in England, daß es mir •Mr Vergnügen macht, zuzusehen, als mich selbst *n den Belustigungen zu beteiligen."

-«yber daS Zusehen hat den Anschein des Be. ^^ens, der Spionage", sagte Lady Markham

Mädchens Gesicht errötete.

»rh^rVQttn nicht denken, daß ich f0 falsch be- Xüfhmatottben f<,Irte" erwiderte sie mit Ent- e?flr^amSf*rte Beurteilung?" fragte Lady ''En Sie hören, Miß tott denken von einer jungen ZkhJi fn e lnc Verwandte IN England hat ffi* £*« «eboren ist? . Was sollen

•eoren ”n e!necJwtgen Game, deren Vater i