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J. parzeler in Selbe

Fuldaer W Zeitung

Wochenbeilage: „Illustrierte Zomttagzzeltung" Monatsbeilage: „Mldaer Geschichtsblätter"

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Sotattan,druck n. Verlag bei Suldaer A«- tiendr rckerei in Sulba. Zernsprecher Ur 9.

JV3 116.

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Fulda, Donnerstag den 23. Mai 1907.

34. Jahrgang.

des Flottenvereins, sondern vor allem auch seine zu Bauzwecken. Sollte die jetzt begonnene Ans> unpassende, hetzerische Agitation eine Annäherung sperrung der Bauarbeiter eine vollständige Lahnv

auch die Brauereien durch die Verluste der Re» staurateure in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Brauereien könnten unter Uniständen um so härter getroffen werden, als ihre Aussichten an sich zurzeit nicht die günstigsten sind. So zeigt es sich, wie eine Massenaussperrung lähmend aus das gesamte Wirtschaftsleben wirkt.

* Halbe Gewerkschaften hat nun der Reichs-

dem Fürsten Bülow folgende Stelle aus dem Artikel in der schon erwähnten Nummer der „Freisinnigen Zeitung", welcher mit Bezug auf die Unterwerfung Bassermanns unter das flotten» vereinliche Programm lautet: „Die eine Schwalbe Baffermonn macht noch lange keinen Sommer, und im übrigen wird sehr vielen, die zwar gut „national" gesinnt sind, aber dieses Wort nrcht stets unnützlich im Munde führen, nicht nur das ohne jede Sachkenntnis und ohne eine Ahnung der internationalen Verhältnisse aufgestellte Endziel

Ziegeleien jährlich 2 Milliarden Steine produ­ziert worden sind, während die Absatzmöglichkei nur ungefähr 600 Mill, betrug. Der Handel mit Bauholz dagegen wird stark in Mit­leidenschaft gezogen. In Berlin wird jährlich für ca. 30-40 Mill. Holz für Balken und Fuß» höben gebraucht; der Holzkonsum der Bautischler läßt sich auf 15 Mill. M jährlich beziffern, sodaß ein Gesamtbetrag von etwa 50 Mill. <K, heraus­kommen würde. Demnach entfallen auf die Woche der Bausaison etwa 1,5 Mill. M Holzverbrauch

verband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie in Hamburg errichtet. Der Kaiser und der Reichs­kanzler lwben dem „Bund vaterländischer Arbei­tervereine" auch Begrüßungstelegramme und Glückwünsche zugesandt. Wir warnen alle katho­lischen Arbeiter, einem solchen Arbeiterverein bei­zutreten ; denn einmal scheint es sich um eine Organisation von Streikbrechern zu handeln, und ! sodann richten sich solche „nationalen" Vereine nach alter Erfahrung bei den Wahlen stets gegen das Zentrum.

* Die neue Zentrumsorganisation in der Ostmark hat bereits tn den Kreisen Danzig- Stadt und Danzig-Land eingesetzt und weiterer Ausbau derselben steht bevor. Diese erfreulichen Schnitte bereiten den Konservativen und Liberalen viel Kopfzerbrechen und Unbehagen. So schreibt die /Kat.-Ztg/: „Wir halten dies Unternehmen für durchaus verfehlt. Gerade in der Ostmark scheint es uns dringend wünschenswert, jede weitere Parteizersplitterung zu vermeiden und wir können uns auch kaum denken, daß dort das Bedürfnis nach einer solchen Organisation so besonders lebhaft sein sollte. Daß im letzten Grunde weiter nichts dabei herauskommen würde, als eine weitere Stärkung des Polentums, liegt bei der bekannten Haltung des Zentrums gegen die Polen auf der Hand." Diese Auslassung.n sind ganz dazu angetan, nun erst recht für die Zentrumsorganisation im Osten zu arbeiten; wenn politische Gegner solche Schritte für ver- fehlt halten, sind sie höchst zeitgemäß.

* Der diesjährige sozialdemokratische Partei» tag wird in der dritten Septemberwoche in Rüttenscheid bei Essen abgehalten werden.

Freuden tun. Ich habe Einfluß, und durch mei­nen Bruder, den Herzog von Clyffebourne, könnte ich ihm eine Staatsanstellung verschaffen, wenn ihm eine solche zusagen sollte."

. „Sie sind sehr gütig, Mylady", sagte Alexa mit schmerzersüllter Stimme; „aber mein Vater wird nie nach England zurückkehren, es sei denn, daß ein großes Glück über ihn käme, — ein Glück, welches jetzt noch in so weiter Ferne liegt, wir der Abendstern von der Erde!"

„Das Hinscheiden eines Verwandten vielleicht, den er zu beerben hofft!" fragte Lady Wolga. „Sie brauchen nicht zu antworten, Alexa, ich kan« warten, bis Sie mir Ihr Vertrauen schenken. Aber denken Sie über meinen Vorschlag nach uni erwähnen Sie denselben gegen Ihren Vater in Ihrem nächsten Briefe. Sehen Sie Ihrem Vater ähnlich?"

„Ja, aber ich bin auch meiner Mutter ähn­lich", antwortete Alexa ruhig, obwohl ihr Herz so bewegt war, daß es ihrer ganzen Anstrengung bedurfte, um ihre Ruhe zu behaupten.

' „Ihr Vater muß ein stattlicher Mann sein", sagte Wolga forschend. „Gleichen seine Augen den Ihrigen?"

„Sie sind blau wie die meinen", antwortete das Mädchen vorsichtig, „und er ist so herzensgut wie er edel ist."

„Ich wundere mich, daß Sie ihn verlassen konnten. Sie waren sein einziges Kind, wie Sie sagten?"

„Unser Haus wurde von Räubern niederge­brannt, und der Hauptmann hatte geschworen, mich fortznführen, deshalb war ich dort nicht sicher und bat meinen Vater, mich nach England reisen zu lassen. Es war hart für ihn, seine Zu­stimmung geben zu müssen, aber er sah ein, daß es so am besten sei."

lFortsetzunq folgt.)

oder gar ein Zusammengehen unmöglich ma- legung des Baugeschäftes in Berlin und seiner chen." Es ist nur gut, daß der Freisinn einen Vororte bewirken, so würde das einen wöchent- Sündenbock schon gefunden, falls ihm die Lust, lichen Ausfall in der genannten Höhe bedeuten, mitzumachen, schon vergangen wäre. Die Haupt- Aus den Kreisen des Eisengroßhandles fache spart aber das freisinnige Organ bis zum hört man, daß die Aussperrungen das Eisen- und Schlüsse seines Artikels auf, der also lautet: „Bei Stahlgeschäft sehr stark in Mitleidenschaft ziehen dem in vielen anderen Verwaltungszweigen stei- würden. Ganz besonders wird das Trägerge- gcnden Ausgaben des Reiches kann dieser Plan schäft zu leiden haben. Der Konsum Berlins und (des beschleunigten Ausbaues unserer Flotte), eines Umkreises von 30 Kilometer um die Stadt selbst wenn er technisch möglich ist, nur durchge- bezifferte sich in den letzten Jahren auf ca. 130 000 führt werden, sofern gleichzeitig die To., sodaß also auf einen Monat zirka 11000 To.

Steuerlasten des Reiches erhöht kommen; diese letzteren repräsentieren in der

... Form, tote sie tn den Verbrauch übergehen, eine

werden." Weit« man diese Ausführungen den Summe von ca. 2% Mill. M. Von Bedeutung Artikeln der „Freis. Ztg." aus ähnlichen Anlässen | wird die Aussperrung auch für die Braue» tu früheren Jahren gegenüber hält, ist sofort zu reieu sein. Gerade die Bauarbeiter, deren Ar- erkennen, wie zahm das Organ der Freisinnigen beitsstätte von ihren Wohnungen weit entfernt zit Volkspartei auch in dieser Hinsicht bereits gewor» sein pflegt, sind die besten Kunden der kleineren den ist. Nachdeiit es aber selbst die Steuerfrmre Restaurants, die ihrerseits wieder meist in finan- angeichnttten hat, rufen wir ihm für den Fall der zieller Abhängigkeit von den Brauereien stehen. Verwirklrchung der flottenvereinlichen Pläne jetzt Bei längerer Dauer der Aussperrung würden also schon zu: „Hi e r i st R h o d u s, h i e r t a u z e, ' "" ' ' "" ~ ~ '

bewilligungslitstiger „entschiedener"Liberalismus!

Deutsches Kelch.

Berlin, 22. Mai 1907.

* Dem verstorbene« Präsidenten des Obrr- landeskultitrgerichtes, Rintelen, widmet der „Reichsanzeiger" einen tiefempfundenen Nachruf. Nachdem zunächst seiner charitativen und literari­schen Verdienste rühmend gedacht ist, heißt es wei- ter: „Mit großer Liebe hing Rintelen an seiner westfälischen Heimat nnb eine besonbere Freude War es ihm, als anläßlich seines 50jährigen Amts- jiibiläums seine Vaterstadt Arnsberg ihm das Ehrenbürgerrecht verlieh. An seinem Grabe Tauern zwei Töchter und sieben Söhne, nachdem >ie liebende Gattin ihm schon vor mehreren Jah­ren im Tode vorangegangeit toar. In dem Da- hingeschiedenen verliert der Staat einen treuen Beamten von hervorragender Arbeitskraft, rei­chem Wissen und klarem und scharfem juristischen Urteil, fein Kollegium einen ausgezeichneten, Wohlwollenden Vorgesetzten, fein großer Freun­deskreis einen stets gefälligen, opferfreudigen Helfer."

IN. Der Kampf im Berliner Baugewerbe bat am Dienstag seinen Anfang genommen; auf den Bauten ruhen alle Arbeiten. Die Arbeitnehmer haben einen st r e n g e n K o n t r o l l d i e n st eingerichtet. Im Wirtschaftsleben zeigen sich heute noch keine Folgen; aber sie bürften gar bald kommen. Für die Z i e g e l i n d u st r i e erhoffen viele von der Banarbeiteraussperrung eine Ge­sundung, ja schon die Furcht vor der Aussperrung hat in den letzten Wochen heilsame Wirkungen ausgeübt. Was bisher selbst die ungünstigsten Zeituinstände nicht zu erreichen vermocht haben, das ist infolge der Aussicht auf ein Aufhören der Bautätigkeit eingetreten: Die Praxis des sinn­los „ins Blaue hinein" Produzierens, die noch bis vor kurzent befolgt wurde, hat plötzlich aufge- hört, die Ueberproduktion war in der Berliner Ziegeleiindustrie chronisch geworden. Ohne Ueber- treibitng kann behauptet werden, daß in den letz­ten Jahren in den für Groß-Bcrlin arbeitenben

Alexa kam und las ihr aus Byrons Gedichten vor; aber weder die Schönheit und der Inhalt der Gedichte, noch die weiche, und doch so ausdrucks­volle Stimme des Mädchens vermochten, sie zur Aufmerksamkeit zu veranlassen. Alexa bemerkte die Zerstreutheit und innere Unruhe, und schrieb dieselbe dem heutigen Besuche des Marquis zu.

„Ich bin heute nicht ganz in der Stimmung zum Zuhören, Alexa", entschuldigte sich Lady Wolga. „Ich bin so sehr von anderen Dingen er­füllt, daß es mir unmöglich ist, meine Gedanken zu beherrschen. Sie sehen blaß ans, mein liebes Kind. War der gestrige Abend zu aufregend für Sie?"

„O nein, Mylady," antwortete Alexa rasch.

„Ich habe," sagte Lady Wolga freundlich, „mehrmals auf Ihrem Gesicht einen Ausdruck ge­sehen, der nicht zu Ihrer Jugend paßt, — einen Ausdruck, der auf ein bestimmtes Vorhaben, eine feste Entschlossenheit folgern läßt. Es ist ein son- derbarer Ausdruck utid es mag sein, daß ich ihn falsch ausgelegt habe. Es scheint mir, als hätten Sie einen geheimen Kummer. Wenn Sie einer Freundin bedürfen, hoffe ich, daß Sie sich ver­trauensvoll an mich wenden!"

„Sie sind sehr gütig —"

„Ich bin nur selbstsüchtig. Ich liebe es, glück- liche Gesichter um mich zu sehen. Gibt es nichts, was ich für Sie tun kann? Ist große Freund­schaft uns wert, wenn kein Anspruch auf Teil­nahme oder Hilfe an sie gemacht werden kann?"

„Ich bedarf keiner menschlichen Hilfe", ant­wortete Alexa. „Niemand kann mir helfen, als Gatt, welcher in alle Herzen schaut und dem alle Geheimnisse bekannt sind."

„Sie sind vielleicht bekümmert um Ihren Va­ter?" fragte Lady Wolga, von ihrer Zuneigung zu dem jungen Mädchen angespornt, zu versuchen, | ob sie Alexa nicht zu Mitteilungen bewegen tonne. „Ist dies nicht Ihre erste Trennung von ihm?" I

-Die erste feit meiner frühesten Kindheit Wir I

sind einander alles in allem gewesen, so lange ich zurückdcnken kann!"

„Dann wundere ich mich nicht, daß Sie manch­mal so besorgt sind. Es ist sehr hart, getrennt zu werden von denen, die wir lieben," und Lady

I Wolga seufzte schwer. „Haben Sie von Ihrem Vater etwas gehört seit Ihrer Anwesenheit in England?"

„Nein. Mylady, aber ich erwarte recht bald einen Brief."

Die Züge des schönen Gesichts waren so ernst und sorgenvoll, daß Lady Wolgas Herz tief er­griffen wurde. Sie konnte nicht ahnen, daß dies Mädchen ihre Tochter sei, weil diese ihrer Mei­nung nach tot toar, — eine solche Möglichkeit konnte ihr nicht im Traum einfallen, — und doch fühlte sich ihr Herz zu Alexa hingezogen mit einer Zärtlichkeit, welche sie nicht zu erklären vermochte.

„Sie haben mir noch nichts von Ihrem Vater erzählt", sagte sie in gewinnender Weise, die des Mädchens Herz höher schlagen machte. „Ich wollte so gern, daß Sie mir mehr werden möchten, als eine bloße Gesellschafterin. Erzäh­len Sie mir etwas über Ihren Vater, Alexa. Ihre Mutter ist schon lange tot, sagten Sie, wenn ich nicht irre?"

„Ich habe meine Mutter nicht gekannt."

„Haben Sie keine Verwandten in England?" „Keine, welche von meinem Dasein wissen." „Und Sie wurden in Griechenland erzogen?" „Ja."

„Entschuldigen Sie, mein Kind? aber ich ver­mute, daß Ihr Vater Verluste gehabt hat, welche ihn zwangen, ins Ausland zu gehen", sagte Lady Wolga schonend. „Es gibt viele Engländer, welche ans diesen Ursachen gezwungen sind, im Ausland zu leben. Ich wünsche nicht, Ihnen auf­dringlich zu erscheinen, aber wenn es irgend et­was gibt, was ich tun kann, um Ihren Vater Ihnen näher zu bringen. io würde ich es mit

Alle Bemühungen der Efsmer Parteileitung, in Essen selbst einen Saal für den Parteitag zu finden, waren vergeblich. Der Saal, in dem der Parteitag stattfindet, hat zwar riesige Dimen­sionen — es haben darin mehr als 3000 Per« fonen Platz —, aber er hat keine Nebenräume. < Die Zimmer für Presse, Post usw. werden jetzt gebaut. Mitte des nächsten Monats wird unter Bekanntgabe der provisorischen Tagesordnung die Einladung erfolgen.

(*) Wahlrechtsreform im Grotzherzogtum Hessen. Das Interesse der Bewohner Hessens ist gegenwärtig der Wahlrechtsreform zugewendet, die zur Zeit vom Gesetzgebungsausschuß der zweiten Kammer beraten wird. Nachdem die übrigen süddeutschen Staaten ihren Einwohnern ein zeitgemäßes Wahlrecht gegeben haben, muß auch Hessen daran denken. Schon einmal ist die Absicht, das direkte Wahlrecht einzuführen, an dem Widerstand der ersten Kammer, insbe­sondere des Wormser Lederindustriellen, Freiherrn vonHeyl-Herrnsheim gescheitert. Sie wollte zwar die direkte, geheime Wahl zugestehen, verlangte aber als Gegenleistung Einräumung größerer Rechte hinsichtlich der Gestaltung des Budgets, was indes die zweite Kammer im vollen Einverständnis mit Staatsminister Rothe verweigerte. Das neue, anfangs als liberal ge­zeichnete Ministerium Ewald hat nun nach vorheriger Besprechung mit einflußreichen Mit­gliedern der ersten Kammer dem Landtag einen neuen Entwurf unterbreitet, der den Wünschen der ersten Kammer entsprechend ausgearbeitet ist und deshalb in der zweiten Kammer bet allen Parteien ohne Ausnahme wenig Anklang findet. Das Schicksal der Vorlage ist ungewiß, ihre Ablehnung erscheint sehr leicht möglich, da die zweite Kammer wichtige Volksrechte preiszugeben nicht gewillt »ist, um da- direkte Stimmrecht zu erkaufen, das über kurz ober lang doch kommen muß. Sodann hat dte Regierung noch den Entwurf einer neuen Wahlkreiseinteilung vorgelegt, die merk- vürdigerweise den Sozialdemokraten auf den Leib zugeschnitten ist. Auch dieser Entwurf wird voraussichtlich unter den Tisch fallen. Auch Diesmal also werden dir berechtigten Wünsche des hessischen Volkes unerfüllt bleiben, wenn nicht noch der Regierung und der Kammer in etzter Stunde bessere Einsicht kommt.

n. „Neue Kolonialprojekte" so überschreibt die.Fress. Ztg/ den Leitartikel ihrer Nr. 119 vom 22. Mai. Der Artikel zählt die Bahn- inten auf, die in unseren Kolonien bereit­gebaut sind, sodann diejenigen, die im Bau be­griffen ober bereits bewilligt sind, außerdem ruch die, welche noch geplant sind. Das Blatt indet mit Recht den Bau von Eisenbahnen m den Kolonien für löblich, für weniger löblich aber, daß diese Bauten allesamt auf Kosten oder unter (Sarantie des Reiches gebaut werden und werben sollen. Es meint, das Prioatkapital solle sich mehr beteiligen, zumal ja tue Kolonialbahnen als sehr rentierlich ange- ’ priesen würden. Sodann beschäftigt sich die »Freisinnige Ztg/ mit den in der Denkschrift Dernburgs ausgestellten Plänen und meint kritisch:

„Diese Betrachlunr-n in der Denkschrift werden angestellt ohne Rücksichtnahme auf die Kosten, welche durch solche Bahn­bauten dem Reichs;äckel zugemutet werde» würden."

!:[ Mehr Schiffe?

„Danach hat der Kaiser also unztoeibeutig funbgegeben, daß er die Ziele bes beuffchen Flottenvereins, soweit biefer sie zur Zei kunbzugeben für angemessen hält, billigt." Also schließt bie „Freisinnige Ztg." (Nr. 117 vom 18. Mai) aus dem Erscheinen eines Kaiserbele­gierten auf ber Kölner Tagung bes Flottenver- eins, aus seiner Rebe unb ans bem „auffallend herzlichen Telegramm des Kaisers" an ben Ver­ein. Nun verlangt aber ber Flottenverein eine

Beschleunigung des Ausbaues

Mserer Flotte, hinter bet „bie alten, ausschweifen­den Pläne bes Flottenvereins unverändert lau­ern, um zur geeigneten Zeit in den Vorbergrunb "zu treten." Da dem Verein allerhöchste Anerken- chung wurde, ist bie Frage nach einer neuen Flot­tenvorlage nicht unberechtigt.

I Es ist darauf hinzuweisen, daß Generalmajor -Keim in einem Brief vom 15. Januar b. I. an Amtsrichter Knarbt in Hoyerswerba, wo Bas­se r m a n n fanbibierte, folgenbe Ratschläge er­teilt hat: „Vergessen Sie nicht, Herrn Bassermann Har zu machen, baß 1. Kolonialpolitik ohne Flot­tenpolitik Unsinn ist; 2. bie nationalliberale Par­tei sich in ber Flottenfrage sehrwenignatio- n a l benommen hat unb hierbei hinter bem Zen­trum hergelaufen ist, ba Herr von Tirpitz nicht Den Mut hatte, aus Angst vor bem Zentrum eine »ernüfntige Flottenvorlage einzubringen. Tas- Selbe gilt auch für Herrn von Bülow." In einer oer letzten Reichstagssitzungen hat sich aber Bas- fermann ganz auf den Boden der Wünsche des Flottenvereins gestellt, ber R ü f f e l hat ihn also offenbar bekehrt. Im übrigen wollen wir der „Freisinnigen Ztg." das Wort lassen, welche in Weiterentwickelung dieses Gedankens zunächst da­rauf hinweist, daß für bie Ausarbeitung einer neuen Flottenvorlage das Reichsmarineamt zu­ständig ist. Mit Bezug auf den oben erwähnten Brief Keims über Bassermann, Tirpiy unb Bülow fährt das genannte Blatt bann fort: „Inzwischen muß aber bei ber veränderten Sachlage Herr von Tirpitz bie Angst vor dem Zentrum verloren und den Mut zur

Einbringnna einer vernünftige» Flottenvorlage gewonnen haben. Denn ba es nach ber Versiche­rung bes Reichskanzlers in Deuffchland kein persönliches Regiment gibt, und wir bem Fürsten Bülow diese Versicherung aufs Wort glauben, so ist anznnehmen, baß der Chef der Ma­rineverwaltung bie Pläne des beuffchen Flotten- vereins gleichfalls billigt. Wir werben es also, wenn nicht alles täuscht, erleben, baß Herr von Tirpitz demnächst mit einer neuen Flotten­vorlage vor den Reichstag treten wird, bie iffauzeit ber Kriegsschiffe herabzusetzen."

Diese Möglichkeit hat viel für sich. Im übri- yen fühlen sich bie Flottenenthusiasten im Ver­trauen auf den „nationalen" Reichstag ihrer Sache anscheinend s e h r s i ch e r. In Nr. 216 d»>s „Tag" vom 17. Mai singt Dr. Hugo Böitger festen. Zusammenhalten ber Blockparteien hohes Lob unb spricht bie Ueberzeugung aus, »daß, toenn bie andere große nationale Forbe- 'ung nach einem unserer Weltmachtstellung ent- vrechenben Ausbau ber Flotte, demnächst auf ber Tagesordnung stehen wirb, bann ber nationale Block ebenso unbedingt seine Schuldig­keit tun wird, wie er es gegenüber ben kolo­nialpolitischen Fragen getan bat." Angesichts des­sen könnte man annehmen, daß bie Regiernna recht halb mit einer Flottenvorlage herausrücken will. Tas gehört auch zu den sogenannten natio­nalen Forderungen, für bie ber Reichskanzler bie unbebiiigte Zuverlässigkeit des Blocks in Anspruch nimmt. Sie wäre aber unseres Erachtens trotz- . bem eine vorzügliche Belastungsprobe für diese Zuverlässigkeit. Einsffveilen empfehlen wir ;

ALexcr

• oder

Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von Eduard Wagner.

57] (Nachdruck verboten.)

„Unb toenn ich daburch nur in meinem Glau­ben bestärkt würbe?"

„Ich werbe imftanbe fein, unsere Verlobung in einer Woche veröffentlichen zu können, Wolga," fuhr der Lord fort im Ton ber Ueberzeugung. „Ich will nach Hause gehen unb die Protokolle der Gerichtsverhandlung burchsehen. Wenn Sie ben alten Kellermeister unb einige anbere einem Ver­hör unterwerfen sollten, würden Sie sich leicht von der Wahrheit überzeugen können. Soll ich Ihnen einen jener alten Zeugen herüberschicken?"

„Noch nicht. Vielleicht werde ich sie später ver­hören."

Der Marquis erhob sich. Er sprach von ber Anorbnung weiterer Festlichkeiten und entfernte sich dann.

Lady Wolga sah ihm, als er über den Rasen­platz ging unb sich zu ben Spielenden gesellte, mit jenem seltsamen Ausdruck ihres Gesichtes nach, der schon am Tage vorher Alexa so sehr erschreckt hatte. Eine Weile später sah sie ihn sein Pferd »eftetgen unb die Allee hinabreiten. Sie ging bann ins Haus und schloß sich in ihr Zimmer ein. i .. Sie erschien beim zweiten Frühstück wie ge­wöhnlich, unb nahm bann an ben Zerstreuungen ihrer Gäste teil, wobei sie beiter wie immer war. Später unternahmen bie Damen eine Fahrt auf bem Strandweg, Laby Wolga aber enffchulbigte sich, daß sie sich nicht dabei beteiligen könne, begab sich auf ihr Zimmer unb ließ Alexa bitten, zu ihr xu kommen.