frtdwnt täglich mit rktsnahm« der So««- undzeiertage. viertel' iährt.v«;«g5prei5 ohne Briwgerhbn uod Ve?leLgeldin8«ldau«d qnrwiirt, l Ult. 50 pfg.
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woch-nbeiiage: „Illustrierte Sonntagrzeitnng" *5^zS|ie5r* Moxakbriloge: „Fuldaer Geschichtsblätter"
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Rotation,druck u. Verlag der 5uldaer Ar» tirndr räerei in Zulda. Fernsprecher Nr 9.
M 115.
Fulda, Mittwoch den 22. Mai 1907.
34 Jahrqang.
Zweites WLatt.
□ Haeckels Monistenbund.
Vor etwa Jahresftrst hat der Verfasser der „Welträtsel", der bekannte Professor Haeckel, feinen Monistenbnnd gegründet, dessen Ehrenpräsident er ist. Der Bund predigt, tote sein Gründer, den
Atheismus.
Der persönliche Gott, der freie Wille und die Un« sterblichkeit der Seele sind durch die Naturgesetze ausgeschlossen. So verkündet es der monistische Bundespräsident selbst. Noch weiter geht der Generalsekretär des Bundes, Dr. Heinr. Schmidt- Jena, welcher in einer Flugschrift (Nr. 2) zur Werbung für die Monisten die drei Thesen aufstellt:
„Erstens: daß das C h r i st e n t u ni als Weltanschauung völlig zersetzt und a u f g e - l ö st, als Sittenlehre heute völlig ungenügend ist; zweitens: daß wir imstande sind, an die Stelle des Alten, Veralteten, eine neue «md entwickelungsfähige Weltanschauung zu setzen, die ein Ergebnis naturwissenschaMch-vhi- losophischen Denkens ist und in ihrer Anwendung auf das Einzel- und Gesellschaftsleben die sehensreichsten Wirkungen verspricht; drittens: daß dieses Neue und Bessere nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht hat, sich in organisiertem Kampf gegenüber dem organisierten Alten diejenige Stellung im Geistesleben der Menschheit
erringen, die seiner kulturellen Bedeutung ent-
Diese Lehrsätze führten bekanntlich zu der Rede, welche Professor Dr. Reinke- Kiel am 10. Mai im preußischen Herrenhaus gegen Haeckel und seinen Monistenbund hielt. Ueberaus scharf wandte er sich gegen die „grundstürzenden Ge- ■ danken einer Schar von Fanatikern" und hielt den Haeckel'schen Theorien folgenden Satz entgegen: „Die Hochhaltung der alten Weltanschauung mit ihrem ehrlichen Fortschritt des Wissens verbürgt uns die Aufrechterhal- tung unserer geistigen Kultur, während der materialistische Monismus Haeckels mir einen
Rückfall in Barbarei zu bedeuten scheint."
Es war zu erwarten, daß Haeckel und die Herren seines Gefolges diese Abwehr nicht unbeantwortet lassen und den Versuch machen würden, den Hieb abzulenken. Sie sind bereits auf der Bildfläche erschienen und benutzen zu ihrer Rechtfertigung den Inseratenteil des „Berliner Tagebl.", den sie in Nr. 244 vom 16. Mai um eine volle halbe Seite bereichert haben. Diejenigen, welche in dieser Frage auf Seiten des Kieler Profesiors stehen, haben die Antwort, die ihnen geworden ist, nicht zu fürchten, int Gegenteil, sie dürfen sich freuen, daß sie von einer Offenheit zeugt, wie sie in dem diplomatisch und vorsichtig gehaltenen Programm des Bundes nicht zu Tage tritt. Auf diese Weise ist es auch dem gewöhnlichen Mann aus dem Volke ermöglicht, mit aller Klarheit zu erkennen, welche Ziele und Zwecke sich hinter dem Monisten- bund verbergen. Wir lassen den Wortlaut der Gegenerklärung hier folgen. Zunächst wird gegen die Rede Reinkes protestiert und aus seinen „eine an sich schon reaktionäre Regierung gegen fortschrittliche Bestrebungen scharfmachenden Angriffen" erst recht die dringende Nottvendigkeit des Bundes hergeleitet. Dann heißt es:
„Die ständig wachsende Gefahr, womit Orthodoxie und Klerikalismus besonders unter der Aera Studt unser gesamtes wissenschaftliches
oder
Alts geheimnisvollen Wege«.
Roma« von Eduard Wagner.
(Nachdruck verboten.)
-...Alexa fühlte sich doch nicht behaglich mit den «taften, obgleich diese nach dem Beispiele Lady Wolgas gezwungen waren, sie als gleichberechtigt mtt ihnen anzusehen. Das junge Mädchen begab
' nriJr0Wolga sich zurückgezogen, in 100 pe ei» Buch nahm und las. . N>ar in Gedanken versunken,
toett&e, nach ihnen Mienen zu urteilen, sie mit Srnst und Schmerz erfüllen mußten. Plötzlich vernahm sie nahende Tritte auf dem weichen Rasenteppich, und aufblickend, sah sie den Marquis von Montheron vor sich.
Es war etwas Ungewöhnliches, Ausfallendes tn dem Wesen des Marquis, was Lady Wolgas Aufmerksamkeit sofort erregte. Sein Gesicht war gerötet und der Ausdruck seiner Augen sprach von der Unruhe seines Innern. Es war etwas in seinem Wesen, was Lady Wolga verriet, daß -er Augenblick nahte, welcher eine Wendung ihrer -gegenseitigen Beziehungen bringen sollte.
. Sre empfing ihn freundlich wie immer und «tt äußerlicher Ruhe, obwohl ihr Herz rascher «nd heftiger zu schlagen begann. Auf ihre Ein- der Marquis neben ihr auf der Bank Platz.
_ »Fch 6in erfreut, daß Sie so wohl ausfehen, Wolga, sagte Lord Montheron. „SA fürchtete, ©te unwohl zu finden nach der schweren Ausgabe, die Sie gestern bestanden. Sie haben den Schmerz, den die Erinnerungen Ihnen verur- sackit haben müssen, standhaft ertragen. Keiner der Gäste ahnte, was Sie gelitten haben müssen."
und religiöses, soziales und politisches Leben bedrohen, kann nur mehr durch ein energisches Zusammengehen aller unabhängigen und freigesinnten deutschen Männer und Frauen eingedämmt und abgewendet werden.
Frei von Dogmen und Glaubenszwaug
will der deutsche Monistenbund in unserem Volke die Grundgedanken einer wissenschaftlich haltbaren, einheitlichen Welt- und Lebensanschauung verbreiten und eine von Kirchenlehren unabhängige Lebensgestaltung und sittliche Erziehung der künfttgen Generationen anbahnen. . . Wir hoffen zuversichtlich, daß die jüngsten Scharf- macherangriffe im preußischen Herrenhaus alle freiheitlich und fortschrittlich Gesinnten veranlassen werden, den deutschen Monistenbund durch Beitritt und durch finanzielle Beihilfe kräftig zu unterstützen in dem fdaueren Ringen um die Herstellung wahrhaft paritätischer Ver- h ä l t n i s s e in unserem deutschen Vaterlande, die wir in erster Linie erblicken in völliger Trennung von Kirche und Schule und völliger Trennung von Kirche und S t a a t."
Jedes dieser Worte verdient unterstrichen und besonders notiert zu werden. Die wahren Ziele des Monistenbundes liegen hiermit auch für jene klar zu Tage, die bisher noch nicht damil bekannt traten. Die Herren sprechen von „Freiheit von Dogmen und Glaubenszwang", huldigen aber selbst den dogmatischen Lehren Haeckel'scher Observanz, die so oft schon zu Auseinander- setzungen Veranlassung gegeben haben, zuletzt noch in den Nachwirkungen der P. Wasmann- schen Borträge in Berlin. Daraus geht auch schon hervor, tote der Bund sich die „wahrhaft paritätischen Verhältnisse" denkt, von denen er mit so hochtönenden Worten spricht. Das Ideal seiner Bestrebungen ist aber „völlige Trennung von Kirche und Schule und völlige Trennung von Kirche und Staat". Und da gewinnt jetzt ein anderes Moment hohes Interesse.
Gegen die „Aera Studt" läuft der Monistenbund ebenso Sturm, wie die
„freikonservativ-liberale Paarung"
jüngst int preußischen Abgeordnetenhause, als sie die Einführung der obligatorischen Fachschulaus- sicht forderten. Wie die „Nationalzeitung" noch in Nr. 225 vom 16. Mai ihrem enttäuschten Herzen Luft machte, „durfte man nach der Annahme des Schulunterhaltungsgesetzes besonders bei der neuen Konstellation in der inneren Politik des Reiches erwarten, daß Regientng und Konser- vative diesem Antrag, der jetzt die gemeinsame Unterschrift sämtlicher Nationalliberalen, Fret- sinnigen und freikonservativen Abgeordneten trug, ein größeres Verständnis entgegenbringen wurden." Da dies nun nicht geschehen, gibt sich das liberale Organ der Hoffnung hin, daß „ihnen die Zukunft vielleicht eine besiere politische Einsicht bringt." Nun sind aber die sreikonservativ- liberalen Forderungen auf dem Gebiete der Schule nichts anderes als die Vorläufer der Haeckelschen Träume und Absichten. Auf dem Programm des bayerischen liberalen Blocks steht neben der Smtultanschule die Forderung: „Die Zukunft des Staates liegt in der Behauptung des weltlichen Charakters der Schule. Keine mittelaltevlicken Klosterschuleit, weltliche Fachaufsicht." Diese Forderung schließt bereits Trennung von Kirche und Schule in sich, wie es der Monistenbund ebenfalls will. Die Frage nach Trennung von K i r db e und Staat bat aber gerade in dem „Berliner Tageblatt", daS jetzt den Herren von Haeckel als £)r- gan dient, ebenfalls noch allerjiingst kräftige Förderung gefunden, als das liberale Papier in der Zeit des Wahlkampfes so sehnlich eine lieber- trag«ng des französischen Kulturkamp-
Lady Wolga blickte gedankenvoll und stillschweigend über das Meer.
„Es ist mir eine Erleichterung, Sie heute so ruhig und beiter zu finden, Wolga", fuhr der Marquis fort. „Ich sehe Ihre Ruhe als ein Zeichen an, daß die alten Wunden zum größten Teil bernarbt sind."
Lady Wolga antwortete noch nicht. Er nahm ihr Schweigen für Zustimmung und kühlte sich dadurch ermutigt.
„Ich habe gedacht", fuhr er fort, „daß meine lange Ergebenheit endlich eine erwiderte Neigung in Ihrem Herzen erweckt haben muß. Sie wis- sen, wie ich Sie liebe, Wolga, tote ich Sie seit Jahren geliebt habe. Ich kam jetzt hierher, um Ihnen das alles von neuem zu sagen und Ihnen meine Bitte zu wiederholen, mein Weib zu werden."
Lady Wolgas stolzer Mund öffnete sich e{n wenig, und ein schmerzliches Zucken spielte um ihre Lippen; sie sprach noch immer nicht, auch blickte sie tticht zu ihm auf.
„Wissen Sie, Wolga", fragte er, zu lächeln versuchend, „daß unsere Freunde, und selbst das ganze Schloßpersonal, Ihre Anlvesenheil bei meinem gestrigen Diner als ein Ankündigtmg unserer Verlobung ansehen?"
<wtzt sah ihn Wolga mit forschenden Augen an.
'<£rn"ete Damen, meine Gäste, nahmen auch an -öbrem Diner teil", sagte sie, „ober ihre An- toefenbett verursachte keine Bemerkung. Ich furchte, Marquis, Sie haben die Veranlassung 8“ dem Gerede gegeben. Ist es nicht so?"
Der Marquis errötete.
»Am Kampf und in der Liebe ist alles er- lauot, ertotberte et mit gezwungenem Lachen „Wenn ich zu dem Gerede Anlaß gegeben habe, so war es nur, weil Sie mir Hoffnung gemacht hatten: denn Sie waren in letzter Zeit aus- nahmswerse freundlich gegen mich. Sie kamen auf meine Veranlassung nach Clyffebourne, Sie besiegten Ihre Abneigung vor dem Besuch Mont
fes zur Trennung-von Kirche und Staat auch nach Deutschland herbeiwünschte. Es fand kräftige Unterstützung in der liberalen Verlier Börsen- und Handelszeitung vom 16. Januar, welche manches besser gestaltet sehen würde, „wenn unsere Regierung dem wirklich glänzenden Beispiel unserer welttichen Nachbarn folgen wollte, das diese auf dem Gebiet der Kirchenpoli- tik gegeben hat." Da das nationalliberale Zen- tralorgan den Konservativen „eine bessere poli- tische Einsicht" wünscht, ruft eS sie nur zur Hilfe für die Verwirklichung der Ziele Haeckels und seines Monistenbundes. Wir sehen also den libe- ralenTeil in den bekannten Paarungsgedanken in würdiger Gesellschaft.
Deutsches Reich.
Berlin. 21. Mai 1907.
r. lieber die Blockparteien gibt die .Nordd. Allgem. Ztg/ ihr Urteil nunmehr nochmals ab. In'Nr. 116 vom 19. Mai schreibt sie in ihren Rückblicken:
„Die Frage nach den parlamentarischen Erfolgen und der Dauerhaftigkeit der Blockmehrheit, die bei dieser letzten allgemeinen Etatsberatung angeschnitten wurde, hat natürlich nach Schluß des Reichstages die deutsche Preffe eingehend beschäftigt. Selbstverständlich, daß Zentrum undSozialöemokrstie „diesem" Reichstag, Der auf ihre Bedürfnisse nicht zugeschnit- ten war, schlechte Noten erteilen. Schlecht sind diese Noten vor allem deshalb, weil sie ungerecht sind und das gleiche Maß bei der Beurteilung dieses Reichstages und seinen Vorgängern schlechthin vermissen laffen. Was an dielen, Reichstage etwa vor altem ausznsetzen gewesen wäre, die Geschwätzigkeit des Anfanges, das waren Ueberbleibsel aus srüheren Zeiten, in denen das Zentrum selber den größten Teil des Heftes in der Hand hatte. Der A er ge r ergibt sich auch nicht sowohl aus den mangelhaften Leistungen des Reichstages als daher, daß der Block unbestreitbar bisher zusammen- gehalten hat und daß alle Prophezeiungen unsicher sind, daß er im Herbste wieder auseinanderfallen werde. Die erste Etappe ist siegreich überwunden, das kränkt die Gegner, zumal sie auch nicht leugnen können, daß der neue Reichstag in nationaler und kolonialpolitischer Hinsicht einen Umschwung zum bessern und in sozialpolitischer ebenfalls unverkennbar einen Fortschritt bedeutet. Da klammert man sich Denn, da sich das vorhandene Gute nicht hinwegleugnen läßt, an unerfüllte Wünsche, die indessen nach Maßgabe von Zett und Umständen bei dem bester, Willen nicht erfüllt werden konnten, und man übt sich in Unkenrufen für die Zukunft, die vermutlich ebenso wie die entsprechenden Unglücks - Prophezeiungen über den Verlauf der abgeschlosfenen Session ohne Widerhall in den Ereignissen bleiben werden."
Es war zu erwarten, daß das offiziöse Organ seine alten Behauptungen wiederholen würde; dadurch werden sie aber keineswegs stichhaltiger. Ungerecht sollen die Noten sein, die das Zentrum dem Reichstage gibt. Ist etwa die Unwahrheit gesagt, daß der vergangene Togungsabschnitt der unfruchtbar st e war, den ein deutscher Reichstag je erlebt hat? Was nun die angebliche Geschwätzigkeit betrifft, so ist in dem Volldampf- Tempo, wie es dem Block beliebte, noch lang« nicht eine sachgemäße Erledigung der Beratungs-
Herons, wo Eie so diel , gelitten; und brauche ich Ihnen zu sagen, wie ich mich freute, als Sie meine Einladung annahmen und sich entschlossen, mich in meinem Hause zu besuchen? Ich hielt diese Zustimmung für ein Zeichen neuer Gunst. Sie haben mich noch in anderer Weise zu Hoffnungen ermutigt, — ist meine ausdauernde Geduld und Hingebung nicht endlich einer Belohnung würdig?"
Seine Stimme hatte einen ungewöhnlich leidenschaftlichen Ausdruck angenommen; noch nie hatte Lady Wolga ihn so erregt gesehen, und sie betrachtete ihn deshalb mit Verwunderung.
„Ich kann nicht sagen, daß Ihre Erklärung mir so ganz unerwartet kommt, Marquis", sprach sie langsam, „und doch weiß ich nicht, was ich Ihnen antworten soll."
„Dank?" rief ber Marquis lebhaft, „Ihre Unentschlossenheit zeigt mir, daß Sie wenigstens nicht gesonnen sind, mich ganz abzuweisen."
„Ich habe Sie geachtet und gekannt" entgegnete Lady Wolga, „seitdem ich als Braut nach Mont Heron kam. Sie waren damals Roland Jngestte, derselbe freundliche und liebenswürdige Mann, der Sie jetzt find. Ich habe Sie immer gern gehabt und wundere mich nicht, daß der arme, unglückliche James so großen Gefallen an Ihnen fand. Er war sehr gütig gegen Sie. Er bezahlte wieder und wieder Ihre Schulden, er hieß Sie stets in seinem Schlosse willkommen, und es stand Ihnen frei, zu koinmen und zu gehen, wann es Ihnen gefiel."
„Ja, er war sehr gütig gegen mich", bestätigte der Marquis, nachdenklich den Kopf wiegend.
„Und welch ein sonderbares Mißgeschick war es, welches Sie zu seinem Erben machtet"
„Ein sonderbares, aber furchtbares Mißgeschick!" sagte der Marquis schaudernd. Er blickte Lady Wolga scheu an, senkte aber sogleich seine Augen wieder. Dieser Augenblick war ihm Pein- lich, da er diese Wendung des Gesprächs nicht wünschte. Die Lady sah ihn eine Welle forschend
Gegenstände zu finden, wenn anders man den Reichstag nicht lediglich al- eine BewilligungS- Maschine betrachtet. Noch viel weniger sehen wir ein, weshalb das Zentrum Aerger empfinden und dieser dazu noch aus dem Zusammen- hatten deS Blockes sich ergeben sollte. Verärge- rungs-Polttik treibt das Zentrum nicht, das hat es schon zu deutlich zu erkennen gegedm. Dann würde der offiziöse Rückblicker besser daran tun, mit dem Zusammenhalten des Blockes kein allzu großes Aufheben zu machen. Er muß doch auch roiffen, daß dieses Zusammenhalten vorerst gefliffentlich noch außerordentlich leicht gemacht worden ist; gleichwohl müssen wir ihn aber an die verschiedenen Mehrheiten erinnern, die sich allenthalben einstellten, und bei denen ein Teil der Blockparteien versagte. Was nun den in der,Nordd. Allgem. Ztg/ vorgekehrten unverkennbaren Fortschritt in sozialpolitischer Hinsicht betrifft, so sollte das offiziöse Organ doch auch au die Worte denken, welche ein Vertreter einer Mockpartei auf der Rechten äußerte, als es von der Regierung verlangte, daß zuerst strenge Ausnahme-Gesetze geschaffen werden sollen, bevor an eine Fortführung unserer Sozialpolitik gedacht werden könnte. Aus all' dem geht hervor, daß der offiziöse Artikelschreiber mtt Vorliebe Hoffnungsfreudiqkeit zur Schau trägt. Warten wir erst die nächste Session ab, vielleicht lautet sein Urteil dann anders
Ausland.
* Heber wirtschaftliche Unternehmungen vvn Engländern in Rußland wird gemeldete Die städtische Behörde von Moskau hat ihre Verhandlungen mit englischen Kapitalisten über den Bau mehrerer Straßenbahnlinien abgeschlossen. Der Kostenbetrag einschließlich des Betrages für drei zu erbauende Bahnhöfe beträgt 10 Millionen Rubel und wird den englischen Kapitalisten durch Stadtobliqationen ausgezahlt werden. — Aus Irkutsk berichtet die .Petersburger Telegraphen-Agenturt: Die der Lena-Gesellschaft gehörigen Otekminsko-Gold« Wäschereien sind an eine englische Finanzgruppe verkauft werden.
* Amerikanische Kolonialpolttik. In der letzten Zeit mehren sich die Stimmen, welche die endgiltige Angliederung Kubas an die Vereinigten Staaten von Nordamerika verlangen. Amerikanische wie kubanische Großindustrielle und Kaufleute sind der Ansicht, daß nach Zurückziehung der amerikanischen Truppen die Unruhen von neuem ausbrechen würden. Den Amerikanern ist es vor allem um die ergiebigen Zuckerrohrund Tabakplantagen zu tun. Die Philippinen find jetzt neun Jahre im Besitz der Veremigten Staaten. Um den Besitz zu erhalten, haben sich die Amerikaner dazu verstehen müssen, den Eingeborenen das Recht der Selbstverwaltung ein» zuräumen. Die Amerikaner haben für ihre Kolonialpolttik bereits 4 Milliarden Mark ausgegeben; außerdem sind durch die Aufstände aus den Philippinen Tausende von Menschenleben verloren gegangen.
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an, bann sagte sie, zur Erleichterung des Mar- quis plötzlich auf dessen Angelegenheit zurückkommend :
„Ich sagte, daß ich Sie stets gern hatte, Roland, und darin habe ich die Wahrheit gesagt; aber einen Gatten soll man lieben, und Liebe ist eine Pflanze, die nicht auf Geheiß oder Wunsch gedeiht."
„Liebe wird mit der Zeit kommen. Werden Sie mein Weib, und ich will mir Ihre Liebe zu gewinnen versuchen. Der Erfolg meines Strebens ist mir sicher in einer Sache, die mein Herz ganz erfüllt. Liebe muß Liebe erzeugen! Sagen Sie, daß Sie mein Weib Werben wollen und Sie machen mich zu dem glücklichsten Menschen auf der Well."
„Ick Fann das noch nicht sagen", entgegnete Lady Wolga sanft. „Ich habe einst geliebt und mein Herz ist treu dem Andenken jener Liebe. Lord Strafford Heron, entehrt und verurteilt zu einem schrecklichen und schmachvollen Tode, besitzt noch meine Liebe und Treue —"
„Was ist das für eine Torheit, Wolgat Sie lieben Strafford noch? Einen Mann, der deS Mordes schuldig befunden und zum Tode berur- tritt wurde —"
„Der aber unschuldig war an diesem Verbrechen!" unterbrach ihn Lady Wolga im Tone vollster Ueberzeugung und ihre Augen blitzten hell.
„Unschuldig, sagen Sie? Er wurde der Tat überführt von dem Geschworenengericht der Peers. Seines Vaters Freund war der Richter, der das Urteil verkündete! Unschuldig!? Zum ersten- male seit jener schrecklichen Begebenheit habe ich jetzt bas Wort „unschuldig" mtt dem Namen Strafford Herons in Verbindung gehört. Unschuldig! Meine arme Wolga, wissen Sie, daß das Wort eine Beschuldigung des Gerichts, ja selbst der Krone enthält?"
Lady Wolga sah den Marquis streng an.
(Fortsetzung folgt.)