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34. Jahrgang.

Fulda, Mittwoch den 22. Mai 1907.

M 115.

Zuldaer

( Verantwortlicher Schriftleiter:A.wetzl«r

ßjfchtkt Ut-«ch mit Ausnahme der Son» duid Feiertage, viertel- jßhrt. vezuarpreir ohne Bringcrl 1t;n nnd deireSgeldinzuldaund h«»w8rts 1 Illi. SV pfg.

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reits im Jahre 1898 im ganzen 790 katholische Ar­beitervereine mit etwa 170 000 Mitgliedern be­standen, eine Zahl, die sich seither wesentlich er- höht hat. Die katholischen Arbeitervereine können also für sich das Verdienst in Anspruch nehmen, mit an erster Stelle in die „vaterländische Arbei­terbewegung" eingetreten zu sein. Ihnen zur Seite stehen die christlichen Gewerkschaften. Auch der Gesamtverband der evangelischen Ar­beitervereine Deutschlands, der jetzt 92 000 Mitglieder zählt und in diesen Tagen die 25jähr. Jubelfeier der evangelischen Arbeitervereine be­geht, nimmt für sich in Anspruch, in der Wahrung „vaterländischer Interessen" sich nichts zu verge­ben. Wir sehen also, daß die christliche Arbeiter­schaft schon längst durch ihre einflußreichen Or­ganisationen all das hochhält, was der neue Bund vertreten zu wollen vorgibt. Im üßrigen wollen wir sein Programm abwarten und zusehen, wie er danach handelt.

Jahre alt, an den Folgen des Gelenkrheumakis- mus gestorben. Nur drei Jahre hat er an der Spitze des Kammergerichts stehen können, an die er von Halle ans berujen wurde, wo er acht Jahre hindurch als Landgerichtspräsident tätig gewesen war.

* Ein Wechsel aus die Zukunft. Die ,Nordd. Allg. Ztq/ hat geglaubt, der Zenlrmns- preffe einen Rüffel erteilen zu solle!?, weil sie angeblich ungerechterweise die Tätigkeit der Mehr­heit des Reichstages ungünstig kritisiert habe. Es soll das gewisiermaßen aus einem Rache- gesüht des Zentrums heraus erfolgt sein. Das offiziöse Blatt scheint über die Stimmung, welche in der Zentrumspartei herrscht, wenig unter­richtet zu sein, wenn eS glaubt, die Zentrums- presse sei so einfält'g, daß sie von einer un­günstigen Kritik der neuen Reichstagsmehrheit einen Zerfall derselben erhoffe und darum mit einer solchen Kritik einsetze. Zu einer Kritik des „Blocks", die aus seiner bisherigen Tätig­keit Rückschlüffe zieht auf seinen Bestand in der Zukunft, fehlen dre Unterlagen, denn in den drei Monaten der neuen politischen Aera

hat keine Aufgabe den Reichstag beschäftigt, bei welcher die liefen wirtschaftlichen und politischen Gegensätze, die zwischen der Rechten und Linken nun einmal bestehen, zum Ausdruck hätten kommen müssen. Mangels einer gesetzgeberischen Aktion von weitgehender innerpolitischen Trag­weite blieben die Gegensätze in einem verborgenen Zustande. Die Reichsleitung mag ihren guten Grund gehabt haben, solche Aktionen in dem verflossenen Tagungsabschnitt zu vermeiden, den Block trifft hierbei keine Schuld. Man darf nicht vergessen, daß während sonst die Etatsbe­ratung schon im Dezember begann, sie in diesem Jahre erst im Februar beginnen konnte. Aber wenn es verkehrt ist, in dieser Beziehung der Mehrheit Vorwürfe zu machen, dann ist es auf der anderen Seite nicht minder verkehrt, ihr, wie es das Organ des Fürsten Bülow tut, ein großes Lob zu spenden. Das sind politische Mätzchen, denn das war doch selbstverständlich, daß die neue Mehrheit, die infolge der Kolonialforde­rungen der Negierung und dank ihrer Wahl­mache zustande gekommen ist, in den Kolonial- sragen nicht versagen konnte, sondern um jeden Preis, selbst unter teilweiser Verleugnung ihrer bisherigen politischen Grundsätze, die For­derungen der Regierung bewilligen mußte. Und was die Sozialpolitik betrifft, die neben den Kolonialftagen allein noch in betracht kommt, so mußte man schon im Hinblick auf das Zen­trum, dem man die Führung auf diesem Gebiete nehmen wollte, eine Huldigung an die Sozial­reform veranstalten. Damit ist das Gebiet, auf dem sich die neue Mehrheit zu betätigen hatte, bereits erschöpft.

v. Die Ernennungen für das Kolonial-Amt sind nunmehr abgeschlossen. Zum Unterftaats- sekretär ist der bisherige Gouverneur von Deutsch- Südwestasrika, v. Lindequist, ernannt worden, der in der letzten Zeit wiederholt in die Kolonial- Debatten im Reichstage eingegriffen hat. Linde­quist trat als Regienmgs-Affessor im Jahre 1892 in die Kolonial-Abteilung, war jahrelang bei der Landeshauptmannschaft in Windhuk beschäftigt und wurde 1900 zum General - Konsul in Kap­stadt ernannt; 5 Jahre später wurde er als Gouverneur nach Südwesiafrika berufen. Als sein Nachfolger daselbst wurde der Geh. Legationsrat Landtags - Aba. v. Schuckmann ernannt, der seit 1886 dem Auswärtigen Amte angehört, int Jahre 19t 0 wegen eines Augenleidens, das nun­mehr wieder behoben ist, in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden ist. Dem Verlauten der,Rordd. Allgem. Zig/ zufolge wird Linde­quist nochmals auf kurze Zeit nach Südwestasrika zurückkehren, um seinem Nachfolger die Einarbei­tung in die Gouvernements-Geschäfte zu erleich­tern. Reben dem Kolonial - Direktor Contze wurde der Wirkt. Legationsrat und vortragende Rat imReichs-Kolonial-Amte, Dr. Schnee, mit der Wahrnehmung von Direktorial - Geschäften beauftragt. Zu vortragenden Räten im Reichs- Kolonial-Amte sind der Regierungs- und Baurat Balzer, der Geh. Regierüngsrat Haber, der bisherige kommissarische Oderrichter von Deutsch- Südwestasrika, Dr. Anton Meyer, und der Legationsrat Dr. Heinke ernannt worden. Die ,Nordd. Allgem. Ztg.' hebt hervor, daß somit den sämtlichen neuen vortragenden Räten des Reichs-Kolonial-Amtes eine mehrjährige Erfah­rung im Kolonial- bezw. im Auslands - Dienste zur Seite stehen. Derartige Erfahrungen allein machen es nicht; ähnliches hat man bei früheren Ernennungen schon hören können, und hintendrein hat es doch gehapert. Dr. Meyer spielte bei den

„Das ist unmöglich", rief er endlich. „Sie stellen mir ein Hindernis in den Weg, welches unüberwindlich für mich ist. Es ist töricht, an eine Reinigung des Namens Lord Stratford Herons zu denken I"

„Weshalb?" fragte Lady Wolga erregt.

„Weil diesen Namen keine Macht der Erde zu reinigen vermagl"

„Aber ich sage Ihnen, daß er unschuldig ist. Die Wahrheit wird an das Licht kommen, seine Unschuld würde bewiesen werden, wenn nur je- mand tote Sie, sich mit der Sache befassen wollte."

„Niemand außer Ihnen glaubt an feine Un­schuld. Verzeihen Sie, liebe Wolga, aber ich muß Ihnen die Wahrheit sagen, Sie zwingen mich dazu. Jedermann in England, selbst seine besten Freunde, halten Lord Stratford Heron schuldig, den Mord an seinem Bruder begangen zu haben. Er wurde vom Gericht überführt und zum Tode verurteilt."

„Es wurden schon vor ihm viele wegen Ver­brechen verurteilt, die sie nicht begangen hatten."

„Wolga, ich habe nie geahnt, daß Sie solche törichten Ideen hegten!" rief der Marquis. „Ihr Urteil sst ein durchaus irriges. Denken Sie an die Zeugenaussagen. Seine treuesten Freunde waren gezwungen, gegen ihn zu zeugen. Er ist schuldig!"

„Ich sage aber, er ist es nicht!" rief dagegen Lady Wolga in heftigster Erregung.

„Haben Sie Beweise seiner Unschuld?"

„Beweise? Nein! Wenn ich Beweise hätte, glauben Sie, daß ich damit nicht vor alle Welt hintreten und Gerechtigkeit verlangen würde? Beweise habe ich nicht, aber ich weiß, daß er un­schuldig ist, — daß er nie ein Unrecht tun konnte. Er war Ihr Verwandter. Sie sagen, daß Sie mich lieben, wohlan, helfen Sie mir, seinen Na­men zu reinigen, und ich will Ihnen dankbak sein für mein ganzes Leben.

und demokratischen Kreise in Stadt und Land". Es heißt darin: Die Landtagswahlen in Bayern und Sachsen stehen bevor. Im nächsten Jahre sind in Preußen schwere Kämpfe auf dem Boden des durch und durch ungerechten Dreiklassenwahl­rechtes auszufechten. Der deutsche Liberalismus wird alle Kraft einsetzen müssen, um sich auch in der Gesetzgebung der Einzelstaaten den ihm ge­bührenden Einfluß zu sichern. Vor allem gilt es, auf geistigem Gebiet und in den großen Kul- turfragen des Schulwesens liberale Staatsauffassung zur Geltung zu bringen. Volle Gewissens- und Religionsfreiheit, wie die Frei­heit der Wissenschast und ihrer Lehre muß ge­sichert, das Unterrichtswesen gemäß den Anforde­rungen der fortschreitenden Zeit ausgebaut und die fachmännische Schulaufsicht durchgeführt wer­den. Gegenüber kirchlicher Unduldsamkeit muß die religiöse Toleranz, gegenüber der auf welt­liche Machtstellung bedachten Hierarchie der mo­derne Staatsgedanke nachdrücklich gefördert wer­den. lieber die Blockpolitik bemerkt der Ausruf: „Die linksliberalen Parteien erstreben den Aus­bau des Staatswesens in freiheitlichem Geiste. Sie sind zu positiver Mitarbeit und zum Zusam­menwirken mit anderen Parteien gegenüber ge­meinsamen Gegnern bereit, sind aber nicht ge­willt, um taktischer Rücksichten willen von libera­len Forderungen abzugehen oder grundsa>liche Anschauungen preiszugeben." Der Aufruf ist vom 13. Mai datiert.

* Zum Tode des Kammergerichtspräsidenten v. Schmidt. Rach langem Leiden ist der Kammergerichlspräsident August v. Schmidt, 63

Deutsches Reich.

Berlin, 21. Mai 1907.

*Eine Schraube ohne Ende. Mit dem nächsten Riesenschlachtschiff, das in England bald vom Stapel laufen wird, soll, wie der Mil.-Pol. Korresp. geschrieben wird, die britische Admirali- tät der Welt in vieler Beziehung neue und noch viel größere Ueberraschungen als mit der Dread­nought bieten können. Trotz der schärfsteir Ge­heimhaltung scheint sicher zu sein, daß die Kampf­kraft und die Schnelligkeit des neuen Panzers noch erheblich gegen die Leistungen der Dread­nought erhöht fein werden. Auch soll die Feuer- geschtorndigkeit der großen Kaliber noch weiter ge­steigert fein, und das Schiff wird Äbwehrvor- richtungen gegen Unterseeboote und Torpedos er­halten, die als der höchste Triumph der modernen Mariuetechnik bezeichnet werden. Wie lange wird dieser „höchste" Triumph der höchste bleiben? Bei diesem Wettrennen dürfte anderen Völkern bald der Atem zu kurz werden.

k. Der Orden poar le mtirlte muß stark im Werte sinken, wenn man jetzt die Wahrheit über General Stössel erfährt. Rach der Heber« gäbe von Port Arthur verlieh bekanntlich Kaiser Wilhelm dem jetzt zur schimpflichen Hinrichtung verurteilten General den Orden Pour le mente und telegraphierte dazu dem Zaren: „Die Ver- teidignng von Port Arthur wird für immer ein Beispiel für die Soldaten aller Völker bleiben. Der Held, der Deine treuen Truppen komman-1 bierle, wird von der ganzen Welt bewundert, besonders in Meinem Heere und von Mir." Der Zar antwortete: „Im Namen Meines Heeres danke ich Dir für die hohe Auszeichnung, die Du dem General Stössel verleihen willst. Er tat an der Spitze seiner braven Garnison bis zum Ende tapfer seine Pflicht". Nach langen Beratungen, die auf Betreiben von ge­wissen Seiten immer wieder hinausgeschoben und „von neuem" ausgenommen werden mußten, ist die Kommission, die mit der leidigen Ange- legenheit des Generals Stöffel betraut war, nun doch zu einem für diesen vernichtenden Urteils­spruch gekommen, nämlich zur Verurteilung zum Tode und Hinrichtung durch den Strang. Dieser Urteilspruch, gefällt von aktiven Militärpersonen, bedarf keines Kommentars. Stöffel steht als Feigling in der Weltgeschichte da, diese Schmach kann kein Orden zudecken. Der Schwarze Adler­orden beim Fürsten von Monakko und der Orden pour le mitile bei Stöffel sind bittere Lehren; ob sie wirken werden?

* Die drei linksliberalen Parteien erlaffen in der demokratischen und freisinnigen Presse einen gemeinsamen Aufruf an alle „liberalen

worden, — nie! Roland, Sie sagen, daß Sie mich lieben. So wahr Gott mich hört, ich weiß aus eigenster, vollster Ueberzengung, daß mein Gatte unschuldig war an dem Verbrechen, dessen er beschuldigt wurde. Machen Sie den wirklichen Mörder des Marquis ausfindig, reinigen Sie Stratfords Namen und — ich will Ihr Weib werden!"

Ihre Augen leuchteten, und die edle Begeiste­rung, welche ihr die feste Ueberzengung von der Unschuld ihres Gemahls -verlieh, gab ihrem Ant­litz einen wunderbaren, fast überirdischen Schim­mer.

Der Marquis von Montheron fuhr tödlich er­schrocken zurück.

„Wird die Liebe Sie mit Mut und Scharfblick wappnen zu diesem Werke?" fragte Lady Wolga. „Den Gerichten ist es nicht gelungen; aber wenn Sie mich lieben, mögen Sie einen Erfolg er­ringen. Sie haben mein Versprechen, Roland. Reinigen Sie den Namen meines Gatten, der, wenn er am Leben wäre, heute Marquis von Montheron sein würde, und ich will Ihnen auf meinen Knieen danken, ja noch mehr, ich will Ihr Weib werden und Sie lieben! Wollen Sie Stratfords Namen von aller Schmach reinigen?"

Der Marquis kämpfte einen .furchtbaren Kampf. Die Aufgabe, welche Lady Wolga ihm gestellt hatte, war ihm zu unerwartet gekommen. Wie ein düsterer Schatten aus ferner Zeit stieg es vor seinem Ange ans und ließ ihn bis in das Innerste seiner Seele erzittern.

27. Kapitel.

Ein Bekenntnis.

Mit entsetzten Augen starrte der Marquis die Lady an und der Schreck, der sich auf seinem Ge­sicht malte, zeigte deutlich, einen wie furchtbaren ®*Iaa ihm Wolaas Worte versetzt hatten.

filien — fein Tod ist eine feststehende Tatsache. Was veranlaßt Sie, so seltsam zu fragen?"

»Ich habe in den drei letzten Nächten von ihm geträumt und in meinen Träumen sah ich ihn lebend vor mir, aber mit einem wilden Tiere kämpfend, worüber ich mich so ängstigte, daß ich in einem entsetzlichen Gemütszustände erwachte."

„Sonderbar, daß Sie jetzt mehr von ihm träu­men, als früher."

„Es mag davon kommen, daß mich Miß Strange an ihn erinnert. Es ist eine jener tonn- Verboten zufälligen Sehnlichkeiten, wie sie zu­weilen Vorkommen, — aber sie ist ihm wirklich sehr ähnlich k"

„Und ebenso ähnlich ist sie Ihnen", bemerkte der Marquis; „aber die Aehnlichkeit ist, wie Sie sagen, eine zufällige. Man kann sie nicht erfor­schen .noch Zug um Zug verfolgen. Aber wir entfernen uns weit von der Sache; lassen Sie uns ruhig zu meiner Frage zurückkehren. Habe ich nicht lange genug um Sie geworben, um auf einen Lohn rechnen zu können, Wolga?"

„Wir sprachen von Stratford. Er ist tot und fein Name und Andenken find entehrt. Das kann ich nicht ertragen. Sein Name muß gerei­nigt werden von der Schmach, die an ihm haftet Er war unschuldig, und seine Unschuld mutz er­wiesen werden."

„Wie, nun nach achtzehn Jahren! Nun, da er tot ist! Wer kann durch feine Schmach verletzt werden?"

„Ich, Marquis!"

„Sie, Wolga? Sie bewirkten eine Scheidung von rhm; Sie tragen seinen Namen nicht mehr; Ihr Kind ist tot. Wie also könnte feine Schmach Sie berühren?"

„Es war, mein Vater, welcher auf Scheidung drang und sie durchsetzte. Ich würde noch heute freudig meines Gatten Namen tragen. Meine Treue und Liebe zu ihm sind nie wankend a>

ober

Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von Eduard Wagner.

66] (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)

„Sie kannten ihn so gut. Glauben Sie, daß er schuldig war?"

^?"^rch edvas anderes glauben ange­sichts der uberwalttgenden Beweise, die gegen ihn vor Gericht vorgebracht wurden? Ich glaube, daß e§ unüberlegt, nn Zorn tat, und so sagte ich vor Gericht aus Uh suchte das schrecklich? Ver- brechen zu entschuldigen, um seine Strafe zu mildern. Ich denke, er ging in seines Bruders Lumner, um eine Verständigung zu erwirken. Der Marquis war hart und grausam und reute ihn wahrscheinlich bis zum Wahnsinn. Ja, er muß wahnsinnig gewesen fein, als er das Ver­brechen verübte!"

, "Rein, nein, selbst im Wahnsinn war Sttat- ,f.r„x^ro?Deine/ Elchen Tat nicht fähig; er war

QJ5r£a£ er einen Mord begehen konnte.

konnte seine Natur so vollständig umwandeln Sie haben unrecht, Marquis. Ich ‘fretfe, daß er unschuldig war!"

Der. Marquis kachelte mitleidig. foÄwHW6 " reirtIi* W «*”

Der Marquis erschrak.

„Gewiß ist ,er tot!" tief er. „Er entsprang vus dem Gefängnis. Seine Spur wurde bis »ach Südamerika verfolgt, wohin er unter esi^ Angenommenen Namen ging. Er starb in Bra-

[] .HaieMMche Arbeiterbewegung"

Aus Hamburg kam zu Pfingsten die Nachricht, baß dort von 37 deutschen Arbeitervereinen aus verschiedenen Gegenden ein

„Bund vaterländischer Arbeitervereine" begründet worden ist. Ziel und Zweck des neuen »Verbandes gehen aus Telegrammen hervor, welche er an den Kaiser und den Reichskanzler geschickt Hat. Darnach ist der Bund gegründet worden „zur Wahrung der Interessen aller treu zu Kaiser und Reich stehenden Arbeitnehmer"; in dem Tele­gramm an den Reichskanzler sind hieran noch die Worte angefügt: „unter Bekämpfung der Irr­lehren der Sozialdemokratie und ihres Terroris­mus auf wirtschaftlichem und politischem Gebiete." Ter neue Bund richtet sich also in der Hauptsache gegen die Sozialdemokratie. Wer nun die christ­liche Arbeiterbewegung in de» letzten Jahren ver­folgt hat, wird erkennen, daß die Gründer des neuen Bundes eigentlich erst recht spät auf- gestanden sind.

Schon in seiner Enzyklika vom 28. Dezember 1878 sagte der Heilige Vater: „Es erscheint darum zweckmäßig, die Vereine von Arbeitern zu unter­stützen, welche, unter dem Schutze der Religion er­richtet, dahin wirken, daß alle ihre Genossen mit ihrem Lose zufrieden sind, in ihren Arbeiten ge­duldig, zu einem stillen und ruhigen Lebenswaii- bel angeleitet werden." Deshalb verlangen wir Katholiken katholische Arbeiterver­eine, welche, wie Leo XIII. in der Enzyklika vom 20. April 1884 sagt, zum Zwecke haben, „die acht­baren arbeitenden Klassen zu unterstützen, ihren ^Kindern und Familien Hilfe und Schutz ange- deihen zu lassen und ihnen die Liebe zur Fröm­migkeit, Unterricht in der Religion und die un­bescholtenen Sitten zu sichern". Als dann der Arbeiterpapst am 15. Mai 1891 seine berühmte Enzyklika „Herum novarum" über die Arbeiter­frage erließ, da empfahl er besonders zur Heilung der großen sozialen Schäden unserer Zeit wieder­um die Gründung von Arbeitervereinen. Er wies aber auch auf die Gegenbewegung hin, deren Ver­einigungen Einrichtungen haben, die dem Wohle der Religion und des Staates nicht entsprechen und darauf ausgehen, die charakterfesten Arbetter, welche den Beitritt zurückweisen, in Verlegenheit und Elend zu setzen: „Damit sehen sich christlich gesinnte Arbeiter vor die Wahl gestellt, entweder Mitglieder von Bünden zu werden, die ihrer Re­ligion Gefahr bringen oder aber ihrerseits Ver­eine gründen, um mit gemeinsamen Kräften ge­gen jenes schmähliche System der Unterdrückung anznkämpfeil. Jeder, der nicht die höchsten Güter der Menschheit aufs Spiel gesetzt sehen will, muß das letztere als höchst zeitgemäß und wünschens- toert betrachten." Allein schon in diesen Worten sind das Wesen und die Aufgaben der katholischen Arbeitervereine so schön umschrieben, daß man be­fürchten muß, deren Bedeutung abzuschwächen, wollte man noch weiteres hiuzufügen.

Wenn man nun den Zweck der Hamburger Neugründung näher betrachtet, könnte mau fast den Eindruck gewinnen, als ob die' Arbeiteror­ganisation auf dem Boden der katholischen Welt­anschauung von nun ab als „unpatriotisch" und „antinational" verschrieen werden sollte, während nur der Hamburger Bund allein der Vertreter wahrer „vaterländischer" Interessen wäre. In der Tat haben aber gerade die k a t h o l i s ch e n Ar­beitervereine durch Befolgung der vom Heiligen Vater gegebenen Ratschläge schon seit Jahren den

Schutz von Thron und Altar

6 "f ih ter Fahne stehen und diese Fahne siegreich durch das Land getragen, sodaß be-

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