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Fuldaer WZeitung

Botati onsbrud n> Verlag der Zuldaer 3c* tiendrrckerei in Zulda. Zernsprecher Nr 9.

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I. parzeLer in Jnlba

Erscheint täglich mit «nrnahmr der Sonn- > «ndHeiertagr. viertel- tzährl-vezugspreir^ ichne vttngert'hn und Veli ekgeld in Zu lda «nd auswärts löt öv pfg-

JV8 114.

Fulda, Dienstag den 21. Mai 1907.

34. Jahrgang.

Zweites Wtatt.

[] Pas gesunde agrarische Programm der deutschen Liberalismus.

Zur Zeit beschäftigt man sich in der liberalen Presse angelegentlich mit einer Broschüre des ®e- Heimrats Witting, der früher Oberbürger« «neister von Posen war, jetzt Direktor der Natio- iralbank ist. Am 19. April dieses Jahres hat Wit- ting im nationalliberalen Verein in Berlin über das Ostmarkenproblem gesprochen, das- ifelbe Thema behandelt jetzt eine von ihm heraus- gegebene Schrift. Bei der Anstedelungspolitik in den Ostmarken läßt er deren Vorteile die Nach­teile weit überwiegen und sagt dann: „Nur auf dem Wege

intensivster Kultur

durch selbständige Bauern kann jene Gliederung des Grundbesitzes erzielt werden, die in anderen Teilen Deutschlands politisch unb wirtschaftlich so wohltätig wirkt." Zu diesem Grundsatz und seinen Erläuterungen schreibt die „Natioualztg." in Nr. 227 vom 27. Mai: „Dieser Gedaukengang Wittings entwirft in kurzen Zügen das ge­sunde agrarische Programm des deutschen Liberalismus." Dieses Wort ist wert, daß man sich damit beschäftigt. Freilich haben längst vor Witting schon viele andere den Wert der intensiven Kultur erkannt; sie haben deshalb auch dafür gesorgt, daß der Landwirt- schaft die Vorbedingungen gegeben wurden, die ihr diese Kultur ermöglichen, und daß sie deren Früchte zu ihrem Fortkommen angemessen ver­werten und ihren Betrieb in der eingeschlagenen Weise aufrecht erhalten kann. Anders verhielt sich der „deutsche Liberalismus", sowohl die Na­tionalliberalen als auch der „entschiedene" Libera­lismus.

Wir beginnen mit dem „gesunden agrarischen Programm" deS

Freisiuus und seiner Gefolgschaft.

Wie diese Herren bestrebt waren, der Landwirt­schaft zur Verwirklichung des von Witting er­wähnten Grundsatzes die Hand zu reichen, er­zählt uns die Vergangenheit. Als am 19. Mai 1897 das Margarinegeseh in namentlicher Abstimmung mit 186 gegen 101 Stimmen an­genommen wurde, stimmten die Freisinnigen und die süddeutsche Volkspartei dagegen, — weil es bre unlautere Konkurrenz, welche die Kunstbutter der Landwirtschaft machte, eindä-mmte. Ain 22. März 1895 wurde vom Zentrum beantragt, den Zoll nicht nur für künstlichem sondern auch für tiatürlichen Honig zu erhöhen. Der Antrag fand den entschiedene Widerspruch der Frei­sinnigen, — weil die deutsche Bienenzucht dringend eines erhöhten Zollschuhes bedurfte. Als am 22. Februar 1895 der Reichstag eine Ne. solution annahm, in welcher ein wirksamer Zoll auf Quebrachaholz (in derGerberei benutzt) verlangt wurde, stimmten die beiden freisinnigen Parteien und die süddeutsche Volkspartei dagegen, weil die zollfreie Einfuhr des Ouebracho- holzes der in größeren landwirtschaftlichen Stri­chen Deutschlands aus der Kultur von Eichenschäl- waldungen namentlich kleineren Besitzern und ländlichen ©emeinben zufließenden wichtigen Ein­nahmequellen schwere Konkurrenz machte. Als out 6. Juni 1896 das Börsengesetz angenom­men wurde, stimmten die Freisinnigen und die Mitglieder der Volkspartei dagegen, — weil es die willkürliche Preisgestaltung nach den Spe­kulationsbedürfnissen einzelner Personen verhin­derte. Vorher schon, am L Mai 1896, hatten Frei­sinnige und Demokratett gegen das Verbot des

börsenmäßigen Term in Handels ttt Ge­treide und Mühlenfabrikaten gestimmt, — weil das Verbot sich gegen die durch das Börsenspiel hervorgerufenen Preisschwankungen und Preis- drückereien richtete. Als das Gesetz vom 27. April 1894 über die Erhöhung der Börsen st euer zur Annahme gelangte, stimmte die freisinnige Volkspartei dagegen, — weil die Börsensteuer kapitalkräftige Schultern belastet, die am leich­testen höhere Steuerbeträge zu zahlen in der Lage sind. Die süddeutsche Volkspartei stimmte nur schweren Herzens zu. um, wie K. Hausmann er­klärte, nicht „Tausende von Wählern auf dem Lande" zu verlieren. Mit dieser Auslese sei die Liste für jetzt geschlossen; sie läßt sich noch bedeu­tend erweitern. Das Aufgezählte genügt aber, um zu zeigen, tote „gesund" das agrarische Programn: des „entschiedeneit" Liberalismus ist.

Auch die . -L.AAK7

Nationalliberaleu

haben in diesem Punkte manches auf dem Kerb­holz. Wir erinnern nur daran, daß sie noch ent­schiedene Gegner jeglichen Schutzzolles auf Ge­treide waren, als das Zentrum bereits im Jahre 1879 dafür eintrat. Wenn in neuerer Zeit auf ihrer Seite verschiedenes besser wurde, so geschah dies „nur der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe". Tatsächlich haben sie früher, als sie im Besitze der politischen Macht waren, gar nichts für die Bauern getan. Zwei Zeugnisse über bett bayerischen Liberalismus sollen dies bestätigen. Nach Nr. 26 der „Augsburger Postztg." vom 15. Februar 1898 mußte auf deut Parteitag der schwäbischen Nationalliberalen Professor Bogt in Augsburg seiner Partei vorwerfen, daß sie „die Verbindung mit den breiten Schichten des Vol­kes verlöre n habe" er erklärte weiter: „Es ist versäumt worden, der einen oder der anderen Be­rufsart vollständig gerecht zu werden. Wir müs­sen bekennen, bafe wir in dieser Beziehung alle miteinander einen großen Fehler gemacht haben, indem wir besonders demjenigen Stande, der die große historische und politische Unterlage bildet, dem Bauernstände, nicht genug Rechnung getragen haben." Wie das zu verstehen ist. sagte uns der bekannte Dr. Ratzinger, der auch von Liberalen vielfach als Kronzeuge att- gerusen wird, als er Mitte 1893 in der „Donau- zeitnng" schrieb: „Gerade der (bayerische) Land­tag von 1863 bis 1869 war es, welcher jene

verderbliche liberale Gesetzgebung

schuf, über welche unser Bauernstand mit Recht so bitter klagt. Damals wurde der Grund zum Niedergang des bayerischen Bauernstandes gelegt, damals trium­phierte der Liberalismus auf Kosten des Wohlstatt des unserer Landwirte.'' Auch hierin enthüllt sich in der Tat ein sehr „ge­sundes" agrarisches" Programm.

Im übrigen ist aber die „Natioualztg.", das führettde Organ der Nationalliberalen, von bett Ausführungen Wittings so entzückt, daß sie in ihnen die „wirksamste Wahlparole" für die Nationalliberalen zu ben bevorstehenden Wah­len zum preußischen Abgeordnetenhause erblickt. Diesen Wert besitzt nach Ansicht des genannten Blattes die Broschüre aber nicht wegen des Ost­markenproblems, sondern weil ihr Verfasser gleichzeitig dem preußischen Verwaltungssystem scharf zu Leibe rückt. Wenn nun die „National- zertung" als Wahlparole „die Modernisierung der preußischen Verwaltung" proklamiert, so wird man dafür sorgen müssen, daß die Wählerschaft in diesem Zusammenhang auch an das „gesunde agrarische Programm des deutschen Liberalis­mus" erinnert wird.

ALsxcr

oder

Ans geheimnisvollen Wegen.

Roman von Eduard Wagner.

54] (Nachdruck verboten.)

Alexa blieb stumm, obwohl Mrs. Jngestre eine bestätigende Antwort zu erwarten schien.

s „Daß sie den Marquis liebt, ist gewiß," sagte oie letztere. „Ihr Ehrgeiz würde befriedigt wer­den, wenn sie in den Besitz der Titel käme, die rhrem Bereich einst so nahe waren. Sie verließ Diont Heron einst in Schmach, und würde nun rm Triumph zurückkehren. Die Herons sind ein altes Geschlecht, Jahrhunderte älter als die Clyf- fes, und deshalb mag selbst die Tochter eines Her­zogs sich geehrt fühlen durch diese Verbindung. Es steht unumstößlich fest. Miß Strange: Lady Wolgas Erscheinen hier heute abend ist das als zukünftige Herrin des Schlosses."

Die Idee war Alexa nicht neu, aber dennoch war es ihr peinlich, sie immer wieder anhören zu müssen. Während ihr Vater in schmachvoller Verbannung lebte, stand sein geschiedenes Weib rm Begriff, den Mann zu heiraten, welcher die Stelle einnahm, die rechtmäßig ihrem Vater zu- kam. Alexas Seele empörte sich gegen eine solch» ,Heirat. Sie fühlte, daß sie ihrer Mutter nie 'vergeben konnWwenn diese wieder heiraten, und am wenigsten, wenn sie den Marquis von Mont- $cr?no. ‘^tra*en. toürbe. Sie mußte gewaltsam nach Fassung rrngen. Es gehörte in Wahrheit ein so entschlossener und fester Charakter, tote ihn Äfeja besaß, dazu, um ihre furchtbare Gemüts­bewegung zu verbergen. Aber ihr Herz drohte ttt brechen, wenn sie an ihre schöne, stolze Mutter — und an threu gramgebeugten Vater dachte.

„Gedenken Sie bei Lady Wolga zu bleiben nach ihrer Verheiratung, Miß Strange?" fuhr Mrs. Jngestre nach einer Pause fort.

»Nein, nein", antwortete Alexa. „Das ist un- möglich."

„Ich dachte es. Lady Wolga hat dann einen Gesellschafter an ihrem Gatten und wird Ihrer Dienste nicht bedürfen. Die Heirat steht nahe bevor. Ich kenne den Marquis zu gut, um zu wtswn, daß er nun ein schleuniges Ende in die Sache bringen wird. Wenn Lady Wolga Sie entlassen sollte, wohin werden Sie bann gehen?"

Alexa beschlich ein unbehagliches Gefühl.

»Ich weiß es nicht", sagte sie; „ich habe noch nrcht an eine solche Möglichkeit gedacht."

„Nein? Sie sollten aber daran denken, Miß Strange. Nichts ist in der Jugend mehr ge­boten ,als Borbedachtsainkeit und Vorsicht. Ich bin auf Ihre Zukunft bedacht gewesen. Sie ge­fallen mir, und ich möchte Sie gern beständig um mich haben. Wären Sie nicht genötigt, Lady Wolga zu verlassen, würde ich nicht so zu Ihnen sprechen. Aber Sie werden bald einer anderen Heimat bedürfen. Wollen Sie eine solche bei mir annehmen?"

„Bei Ihnen?"

„Ja. Ich möchte gern eine junge Gesellschaf­terin haben, die mir vorliest, mit der ich mich unterhalten kann und die mir gleichsam eine Tochter ist. Ich bin kinderlos und habe ein klei­nes, aber hinreichendes Einkommen. Ich hin immer kränklich, mit einem Leiden behaftet, wel- ches die Aerzte auf dem Lande nicht imstande sind, zu kurieren. Wenn der Marquis fein» Braut heimführt, muß ich Mont Heron verlas­sen. Ich möchte mich dann in London nieder- lassen, mit einer teilnehmenden Gesellschafterin, welche mich pflegt, toenn ich krank bin, mir Me­dizin gibt und mir liebevoll aufwartet. Ich kann Ihnen kein hohes Salair bezahlen, aber

[*] Der Achtstundentag.

Der achtstündige Arbeitstag ist ein Pro­grammpunkt der Sozialdemokra­ten, jedoch nicht von allem Anfang an. Im Jahre 1890 begnügten sie sich noch mit dem Ver­langen nach einem zehnstündigen Arbeitstag: im Jahre 1894 gingen sie auf ben Neunstundentag über, und erst seit 1896 ist der Achtstundentag zur offiziellen Forderung der Partei geworden. Am 4. Februar 1897 wurde im Reichstage zum ersten Male über einen sozialdemokratischen Antrag ver­handelt, durch welchen die Regierung aufgefordert wurde, „einen Gesetzentwurf vorzulegen, wodurch eine regelmäßige tägliche Arbeitszeit für alle im Lohn-, Arbeits- und Dienstverhältnis im Ge­werbe-, Industrie-, Handels- und Verkehrswesen stehenden Personen auf acht Stunden festgesetzt wird." Die Sozialdemokraten richteten ihren An­trag also nicht auf das Erreichbare, sondern gleich auf das Alleräußerste, welches der Ablehnung von vornherein sicher war. Hat doch auch die „Frankfurter Zeitung" seinerzeit schon zu dem Antrag bemerkt: „Die Antragsteller können doch darüber nicht im unklaren fein, daß die allge­meine Einführung des achtstündigen Arbeits­tages vom gegenwärtigen Reichstag niemals be­willigt werden wird und auch aus inneren Grün­den in Deutschland gairz unmöglich ist. Dem An­trag kann daher nur die Bedeutung einer Demon­stration beigelegt werden."

Von besonderer Bedeutung war die Haltuiig des Zentrums. Angesichts der Aussichts­losigkeit deS sozialdemokratischen Antrages suchte eö wenigstens das zur Zeit Mögliche und Er­reichbare in Bezug auf einen Maximalarbeits­tag anzustreben. Im Namen ihrer Partei stellten Dr. Hitze und Freiherr v. Her kling einen Antrag auf Einführung einer Maximalarbeits- woche von 63 Stunden für die Fabrikarbeit. Was das Zentrum hiermit forderte, deckt sich un­gefähr mit dem Zehnstundentag. Die Marimal­arbeitswoche gestattet aber größere Beweglichkeit und erleichtert die Durchführung einer Normal­arbeitszeit. Mit Recht konnte Dr. Hitze am 4. Februar 1897 im Reichstag erklären: „Wenn wir einmal auf ben Zehnstundentag kommen, bann würden die gewonnenen Erfahrungen uns von selbst darauf drängen, nun auch weiter zu gehen zu neun unb vielleicht auch acht Stunden. Diesen Weg schlagen wir ein." Daß dieser Weg der richtige war. wurde zunächst durch die Verhand- lungen des Reichstags selbst bestätigt.

Der Antrag der Sozialdemokraten wurde durch den Abgeordneten Fischer begründet; er fand bei keiner anderen Partei Unterstützung. Der Zenttumsredner Dr. Hitze hatte aber die Genugtuung, daß sämtliche Redner, die nach ihm sprachen seinen Ausführungen mehr ober minder zustiminten, toenn auch mit Einschränkungen. Aber trotzdem hatte der Zentrumsantrag, welcher eine Marimalarbeitswoche verlangte, keine Aus­sicht, vom Reichstag angenommen zu werden. Unb nun brachte das Zentrum einen zweiten An­trag ein, in welchem die Regierungen ersucht wurden, 1. Erhebungen . . . . darüber an- zustellen, in welchen gewerblichen Betrieben durch übermäßige Dauer bet täglichen Arbeitszeit die Gesundheit der Arbeiter gefährdet wird; 2. auf Grund dieser Erhebungen überall dort, wo eine selche Gesundheitsgefährdung vorliegt, in Aus- führung des § 120e Abs. 3 der Gewerbeordnung durch entsprechende Verordnungen die Ar­beitszeit zu regeln." Drei Tage wurde damals über die Anträge verhandelt. Das Schlußergeb­nis war, daß unter Ablehnung aller übrigen An­träge der vorstehende Zentrumsantrag a u g e • n o n: m e n wurde. Für denselben stimmten Mit­glieder aller Parteien. Seine Annahme bedeutete einen Erfolg des Zentrums, da die gesamte Recht- ebenso wie die Sozialdemokraten dafür stimmten.

Auch die Folgezeit hat die Haltung des Zen» trums durchaus gerechtfertigt. Wir er­innern nur an die Tarifverträge, welche seither in großer Anzahl zum Abschluß gelangten und fast immer eine Herabsetzung der Arbeitszeit brachten, dort wo sie für unumgänglich erachtet wurde. Erst jüngst noch hat Graf Posadowsky auf eine Interpellation des Zentrums namens der Regierung die Zusage gegeben, einen Gesetz­entwurf vorzulegen, durch welchen die Arbeits- zeit der Fabrikarbeiterinnen auf elf Stunden herabgesetzt werden soll. Was nun die erneute Forderung der Berliner Maurer auf Ein­führung des Achtstundentags betrifft, so hat sich trotz vielfacher Anwendung des Neunstundentags in zahlreichen Gewerben unb Betrieben in Bezug auf die „inneren Gründe" gegenüber der früheren Sachlage noch keine Aenderung vollzogen. Das sieht bie Sozialdemokratie wohl selbst ein, sodaß ihre Führer schon vor Wochen zur Mäßigung geraten haben. Der radikalen Elemente können sie sich aber offenbar nicht mehr erwehren, unb die Katastrophe steht vor ber Tür. Das haben die Herren bann selbst verschuldet, welche mit ihrem Verlangen immer zum höchsten hinaufgehen, ob­wohl sie wissen, daß ihre Forderungen gar nicht auf Erfüllung rechnen können.

Ausland.

* Englanbseindliche Bewegung in Indien. Nach einer Meldung des Reutersthen BureauS arbeitet für die Boykottierung ausländi» scherWaren in Ostbengalen in ersterReihe eine Organisation, die sich als „National» Freiwillige" bezeichnet und über die ganze Provinz Banden auSschickt, die den Handel stören, ausländische Waren vernichten und die Händler in Schrecken halten. Wenn auch die Mo harne- dauer sich beharrlich weigern, sich an diesem Boykott zu beteiligen, so ist doch der Handel tat­sächlich lahmgelegt; auch die Feldarbeiten werden erheblich gehindert. Wegelagerer machen sich die allgemeine Nervösität der Bevölkerung zu nutze, und die Ausrechterhaltung der Ordnung ist bei der numerischen Schwäche der Polizeitruppen äußerst schwierig. Ein englischer Zeitungs-Kor­respondent sagt, daß die Organisation von be­stimmten Agitatoren, deren Namen den Behörden bekannt seien, gegründet sei und von einer Zentralstelle in Calcutta geleitet werde, die, im Besitze reichlicher Geldmittel, von hier aus ihre Filialen leitet. Die Mitglieder der Organisation, bewaffnet mit Keulen, Speeren und Schwertern, teilweise auch mit Flinten, hielten öffentliche Hebungen ab und trieben sich im Lande umher, wo sie Ausruhr predigten und den Hande! störten. Die Tatsache, daß diesen Leuten nicht das Handwerk gelegt wurde, wirke höchst nachteilig auf die Bevölkerung ein.

* Frieden in Mittelamerika. In Zentral» Amerika ist der Frieden jetzt definitiv geschlossen. Die Truppen von Nicaragua verlassen die Nordküste von Honduras. Alle Häsen sind wieder frei.

Reklamen- und Anzeigenteil.

Der ««förmige Leib bei Kinder« mit Rhachitts, welcher durch die stärkeren Darmgärungen hervorge- rufen wird und dir Schlaffheit der Muskulatur werden am leichteste» beseitigt durch die Ernährung mit ^»»»«»«"-Kiudermehk, welches, selbst gärungSun fähig, im Darm des KindeS gärungswidrig wirkt un» anderer­seits auch die Schlaffheit der gesamten Muskeln beseitigt.

Sie sollen nie Ursache haben, über mich zu kla­gen. Sind Sie meinen Vorschlägen geneigt?"

„Sie haben mich sehr überrascht. Mylady. Ich weiß nicht recht, was ich sagen soll", antwortete Alexa.

„Sie brauchen sich heute abend nicht zu ent­schließen", sagte Mrs. Jngestre freundlich. „Wenn Lady Wolga nach London geht, um ihren Braut­staat anfertigen zu lassen, vielleicht in zwei oder drei Wochen, könnten Sie zu einem Besuch zu mir kommen. Wir würden dann einanber kennen lernen. Der Marquis wirb Sie als einen lieben Gast begrüßen, unb mir wirb es angenehm sein. Sie bei mir zu haben, ba ich sonst ganz allein ein würde. Unsere Gäste verlassen uns zu der­selben Zeit, toenn Lady Wolga abreist, und das Schloß wird doppelt einsam und düster sein, nachdem wir so viel Gesellschaft gehabt haben. Rfit Lady Wolga will ich die Sache selbst arran­gieren."

Des Mädchens Herz schlug rascher. Ein Gast zu Mont Heron zu sein, — an dem Orte einige Wochen weilen zu können, wo sich das Familien- brama der Montherons abspielte, mußte ihr ein großer Schritt zu ihrem Ziele fein. Ihre Augen funkelten in höherem Glanze unb ihre Wangen glühten, als sie Mrs. Jngestre für ihre Einla­dung dankte.

„Ich werde kommen", sagte sie, „toenn Lady Wolga es erlaubt. Ich möchte gern einige Zeit in diesem Schlosse weilen, um bie alten Räume zu durchwandern unb bie Sagen zu hören, bie mit ihnen zusammenhängen. Ich banke Ihnen, Mylady, für Ihr gütiges Anerbieten."

„Da Sie meinen, daß es Ihnen hier gefallen wird, könnten Sie ja gleich bis zu Lady Wolgas Heirat als mein Besuch hier bleiben", sagte Mrs. Jngestre. „Und toenn Sie sich dann entschließen können, gehen Sie mit nach London als meine Gesellschafterin. Natürlich, toenn Sie hierher zum Besuch kommen, können Sie sowohl meine Gesellschafterin fein, wie mein Gast; doch wollen

wir nicht über das weitere sprechen, bis ich Mont Heron verlasse."

Alexa merkte, daß Mrs. Jngestre sich ihre Dienste wohlfeil zu sichern suchte; aber das Recht, einige Wochen im Schlosse weilen zu können, war ihr ganzes Vermögen wert. Sie war mehr als je überzeugt, daß bie Vorsehung sie leitete.

„Nun gut", sagte Mrs. Jngestre, welche bes Mädchens Freude bemerkte, „ich will bald mit Lady Wolga über diese Angelegenheit sprechen, — vielleicht schon morgen. Ah, Mylord", fügte iie hinzu, als Lord Kingscourt sich ihnen näherte, „wollen Sie bei uns Platz nehmen?''

„Ich danke, nein. Ich kam, um Ihnen Miß Strange zu entführen", sprach der junge Gras höflich. „Ich wünsche ihr einige seltene und prachtvolle Blumen im Wintergarten zu zeigen. Wollen Sie sie in Augenschein nehmen. Miß Strange?"

Alexa nahm bie Einladung an; sie erhob sich errötend unb entfernte sich mit Lorb Kingscourt

„Ich bin glücklich", dachte Mrs. Jngestre, dem Mädchen mit Wohlgefallen nachsehend. „Ich änn sie hier behalten und mich von ihr bedienen assen, ohne sie entschädigen zu müssen; und doch hat es ben Anschein, als wäre sie meine Gesell- chasterin. Ja, ja, ich bin glücklich, daß ich bie- es Mädchen für mich gewann; fie wird mir ein.

Schatz fein."

26. Kapitel.

Eine schwere Bedingung.

Es war am Morgen nach dem Diner zu Mont Heron. Die milde Lust und der klare Soit- nenschein hatten die Gäste zu Clyffebourne hin­ausgelockt in den Park und nach ben Klippen. Auch Lady Wolga befand sich im Freien; sie hatte anfangs an einem Gesellschaftsspiel teilge­nommen und sich bann in ben stillen Park be­geben, wo fie sich am Meeresufec auf einer Bank niederließ.

(Fortsetzung folgt)