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ZMaerKZeitung

wochenbeklage: „Ivllftnerte Zonntagszettung" monafsbeiiage: „Mldaer Geschichtrblatter"

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Notat»onrdruck u. Verlag der «uldaer Ne» tiendrrckerei in $ul6a. «ierrlort der Nr <#.

M 113.

Fulda, SüAstag den 18. Mai 1907.

34. Jatzroang.

Drtttes Mlatt.

* Uonfesfionelle Bildung an Gym­nasien.

Ein Berliner Mitarbeiter schreibt uns: Ein protestantischer Oberlehrer stellte in den oberen Klaffen seines Gymnasiums im Re­ligionsunterricht die Frage: „Was würden Sie tun oder sagen, tvenn Sie einen Katholiken von der Irrtümlichkeit seiner Religion über­zeugen wollten? Die Antworten lauteten etwa folgendermaßen: 1. Es ist unmöglich, einen Katholiken von der Verkehrtheit seiner Religio» zu überzeugen. Die Leute sind so verbohrt, daß alles umsonst ist: 2. Ich mache dem Katho­liken seinen Religionsschwindel und all das dumme Zeug, das die Katholiken treiben, lächerlich. 3. Die Ueberzeug- ungstreue der Katholiken imponiert mir, ihr fester, strenger Glaube. 4. Ich lasse jeden in diesen Dingen ungeschoren, mag er eine Ueberzeugung haben, lvelche er will. — Diese Antworten sind bedeutungsvoll für den religiösen Tiefstand unserer höheren Lehranstal­ten; von einer religiösen Ueberzeugung oder Begeisterung für den eigenen Glauben findet fid) feine ©put; für den Katholiken aber hat man nur Haß und Abscheu. In einem freisinnigen Blatte wird der Wunsch aus­gesprochen, ein katholischer Oberlehrer möchte das katholische Gegen st ück zu dem kleinen protestantischen Kulturdokumente lie­fern. Dazu bemerkt die „Kreuzzeitung":

„Wir zweifeln nicht, daß auch er hochmütige und blasierte Antworten erhalten würde; aber es dürften auch solche nicht ganz fehlen, die sich von dem freudigen, dankbaren und aufrichtigen Bekenntnisse zu den Heilslehren der Kirche einen tiefen Eindruck auf Andersgläubige ver­sprächen."

Das protestantische Blatt gibt damit selbst zu, daß der katholische Religionsunterricht bes­ser ist und mehr nützt; es fährt dann fort:

„Wir wollen den evangelischen Religions­unterricht nicht allein verantwortlich machen für den beschämenden Ausfall jener Unter­suchung. Soweit hier nicht Fehler der häus­lichen Erziehung zutage treten, macht sich be­sonders der Einfluß unserer Kultur­kampfpresse bemerkbar, die in jedem überzeugten Katholiken einen verbohrten Men­schen sieht, und die sich nicht die kleine Mühe nimmt, den „Religionsschwindel" und „all das dmnme Zeug, das die Katholiken treiben", auf den historischen Kern und die Entstehungsur­sache hin zu untersuchen, weil daun der Eil,druck des „Lächerlichen" von selbst verschwinden-wür­de und nur die Gewißheit einer der wahren Religiosität hinderlichen Veräußerlichung übrig bliebe. Wir muffen aber auch den Katholi­zismus selbst verantwortlich machen fiir die „Zerklüftung der Ration". Die katholische Kirche und noch mehr ihre weltliche politische Organisation betreiben vielfach die Entfrem­dung ihrer Mitglieder von allen Andersgläubi­gen, ihre berufliche und gesellschaftliche Äbschlie- ßung mit einer Konsequenz, die böse SBitfirn- gen haben muß. Den Anlaß , zu dieser Zusam­menfassung aller katholischen Elemente, zu ihrer kriegsmäßigen Organisation, hat ohne Frage der Kulturkampf gegeben. Wer liegt nicht an» dererseits auch wieder in dieser Organisation eine Herausforderung der Andersgläubigen? Die Stimmungsenqilete unter unserer gebildeten fugend scheint uns also für beide Seiten eine ernste Warnung zu ergeben."

Was die Ausführungen über die Folgen der Kulturkampfspreffe betrifft, so halten ton sie für zutreffend. Anders aber ist es, toaS die Bemerkungen gegen den Katholizismus an» langt; das Blatt gibt selbst zu, daß die katho­lischen Organisationen eine FolgedesK u l- t r r k a m p f e 3 sind. Gut; dann aber blei- oen wir zusammen; eine Minderheit hat nur in ßrer Einigkeit Kraft und Stärke. Die katho- Irschen Schüler aber würden nie solche Anttoor-

der katholische Religionsunter­richt ffch nicht mit den anderen Religionsge­meinschaften befaßt, sondern weil er Herz rmd Willen der Schüler zu gewinnen sucht. '

Deutscher Reich.

Berlin. 16. Mai 1907.

m fcar „gnädige" Generalmajor Keim. Kerm veröffentlicht hn „Tag" einen Artikel über die Kölner Flottenvereinstagung, die eine Selb st Verherrlichung seiner Person ohnegleichen darstellt. Des weiteren macht er einen höchst merkwürdigen Vorschlag. Die Zen- rrnmsleute sollen Mitglieder des Vereins blei­ben, dafür soll dann die Briefdiebstohlsgeschichte nicht mehr gegen das Zentrum ausgespielt wer­den. Keim schreibt: „Hoffentlich bedeutet aber Hie Kölner Tagung vor allem eine Umstim- tr u n g des besonnenen Teiles des Zen­trums — welcher ohne Zweifel die Mehrheit

Partei umst*" ^"raunsien he8 k8«ttenver-

S Der Tintenklecks.

Skizze von S. Fisch.

(Nmhdruck verbotrn.7

Er starb im Kreise seiner Familie, wohl- t>abend und hochgeehrt. Dannt fie sein Bei­spiel nie vergessen, rief er oft seinen Kindern zu: „Hütet euch vor jedem Tintenklecks!" Ein sol­cher spielte immlich in seinem Leben eine große Rolle. Laßt und hören!

Heinrich war ein herzensguter Knabe, frisch und offen, voll Witz und Laune. Eltern, Ge- chwister, alle wären mit ihm vollkommen zu- "rieben gewesen, wenn nicht ein gewisser Leicht- tnn in der Haltung seines Aeußern, in der Klei­dung, ihm einen Anstrich von Nachlässigkeit ge­geben hätte. Wie oft rief ihm der Lehrer, wenn er so recht verzottelt in die Schule kam, entge­gen: Heinrich, Heinrich, mir graut vor dir! Aber alle Vorstellungen nutzten einfach nichts; er wollte es nicht herausfinden, wie man sich' anschicken müsse, um immer so sauber und akku­rat drein zuschauen tote seine Kameraden. Alt- 'luges Aufpaffen auf alle Bewegungen und Spähen nach allem, was im Wege lag oder stand, war nun einmal nicht seine Sache. Und so ließ man ihn schließlich gewähren und erhoffte von >en späteren Jahren eine Wendung zum Bessern.

Nun begab es sich, daß Heinrich eines Tages mit seinem Sc^vesterlein Julie unter allerlei Schnurren im Garten herumttollte, dabei wa­ren sie nahe der Gartenmauer gekommen, drü­ben lag eine Wiese, die einem Herrn Hummel gehörte ,der aber bei den Kindern wegen seines verdrießlichen Humors und seiner Kautzmanie- ren als Knecht Rupprecht verschrien war. Eben satten die beiden unter einem Apfelbaum, deffen Zweige hinüberlugten, ein erbauliches Gespräch begonnen.

„Wenn ich einmal groß bin tote die Mama", ilauderte Julie, „was glaubst wohl, was ich dann werden will?" — „O Du", lachte Hein­rich, »wa- will denn ein Mädchen werden, eine

eins und seiner Bestrebungen. Es würde sol­ches auch klug sein, insofern eine Partei, die auf die Dauer einen Verein bekämpfte, über deffen nationale Bedeutung auch nicht der geringste Zweifel mehr sein kann, den Schein vermeiden sollte, als ob sie dessen grundsätzlicher und sozu­sagen persönlicher Feind sei. Dann wird auch der Schein in der Briefdieb st ahlsge- schichte nicht mehr gegen das Zentrum ausge- p'.elt werden können. Ich würde eine solche Umkehr mit für die erfreulichste Er­scheinung der Kölner Tagung betrachten" — Man weiß nicht, worüber man sich mehr wundern soll: über die N a i v e t ä t des Herrn Keim, oder die Unverfrorenheit, mit der er aud) jetzt noch den schleierhaften Brief- dieWahl dem Zentrum an die Rockschöße zu hängen versucht. Die Ehre verbietet es Zentrumsleuten, noch länger einem Verein anzugehören, in dem ein Keim nach wie vor die erste Violine spielt.

n. Einer Aufhebung der Schutzherrschast über Kiautschou redet im Maiheft der „Preuß. Jahrbücher Dr. A. Menge - Tokio das Wort. In seinen beachtenswerten Ausführungen weist Tr. Menge darauf hin, daß China im Interesse seiner Selbsterhaltung sich der modernen Kultur zu erschließen beginne; die Einfuhr materieller Güter gehe mit der Aufnahme fremder, geistiger Ideen Hand in Hand. Um Deutschland seinen Test an dieser Einfuhr zu sichern, müsse in p o- litisch er Beziehung jeder SteindesAn- st o ß e s aus dem Wege geräumt werden. Nun habe Kiautschou bis dahin keinen wirtschaftlichen Gewinn abgeworfen, der zu den Aufwendungen des Reichs in irgend einem Verhältnis stehe. Auch für die Zukunft sei eine Aussicht auf eine bessere Entwicklung nicht vorhanden, da Kiaut­schou an keiner natürlichen Verkehrsader liege und zu wenig Hinterland habe. Militärischen Wert besitze das Gebiet für uns ebenfalls nicht. Der Verzicht auf die Oberhoheit in Kiautschou sei also in dieser Hinsicht unbedenklich. Vom Standpunkt der Poliük aus sei keine Einbuße an politischem Ansehen zu befürchten, da ja die Aufgabe freiwillig erfolge. Dagegen würde sie das Mißtrauen Chinas und Japans beseitigen und so unserem Handel und unserer Industrie weste, aufnahmefähige Absatzgebiete eröffnen. Auch könnten wir die Aufhebung der Oberhoheit über Kiautschou dazu benützen ,uns wertvolle Bergwerks- und Eisenbahnkonzes­sion e n zu sichern.

* Die Abschaffung des Religionsunterrichts wird, wie in Bremen, so auch in Hamburg von den Kirchenfeinden verlangt. Der größte Teil der Lehrerschaft unterstützt diese Bestrebungen aus Leibeskräften. Die Sache kam nun auch in die Schükfpnode, welche sich jedoch mit 199 gegen 149 Stimmen für die Beibehaltung des Religionsunterrichtes in den Volksschulen erklärte. Die auffallend hohe Stim­menziffer der Minderhest ist ein Beweis, wie weil in den Hansastädten die Agitation für die religionslose Schule bereits gediehen ist. Sie eröffnet für die Zukunft sehr trübe Aussichten.

Köchin, eine Wirtin!" — „Ja warte nur", warf Julie ein, „ich will doch was Besseres vorstellen, eine Edelfrau will ich fein." „Und ich", fiel Heinrich ein, „ich will ein General werden, der alle Burgen und Schlösser . . Ein Sump wirst Du werden, kein General", schallt auf ein­mal eine Donnerstimme von oben herab, und als die erschrockenen Kinder aufblickten, sahen sie den Hummel auf der Mauer stehen. - „Ja ein Lump, Du kleiner Schmutzhammel", fuhr er fort; „denn wer schon in der Jugend fein Ehrgefühl hat, und mit einem tellergroßen Tin­tenklecks auf der Weste lustig und ohne Scheu herumläust, der wird's all' feiner Lebtag zu nichts besserem bringen, als zu einem Bruder Liederlich. Merk Dir die Prophezeiung, Du schmutziger Feger mit dem allmächtigen Tinten­klecks!" und verschwand. Julie lachte erst un­bändig; als sie aber den Bruder ansah, tote er schamrot mit frühen Augen dastand, führte sie ihn tröstend ins Haus zurück, wo er sich sofort eine saubere Weste antat, die er, die Hände vor­haltend, ängstlich hütete. Dem Vater fiel das veränderte Benehmen Heinrichs auf und Julie erzählte ihm den Vorfalls Da trat der Vater vor ihn hin, hob sein Kinn in die Höhe und sprach ernst, und väterlich: „Heinrich, der Nach­bar hat Dir eine vortreffliche Lehre gegeben. Schau, es ist, nicht gerade wegen des Tinten­klecks auf Deiner Weste, etwas anderes mußt Du Dir inerten für immer: Dein Herz, Deine Seele, Dein Charakter ist auch ein Kleid, ein Ehrenkleid, und jeder Fehler, jede Untugend, die man an sich aufkommen läßt, ist so ein ab­scheulicher Tintenklecks daran. Was der Nach­bar eigentlich mit dem Tintenklecks meinte, ist Deine Leichtfertigkeit, ja wohl, und- wenn Du diese nicht ablegst, so wird das sicher eintreffen, was er Dir vorausgesagt hat. Jetzt denk da­ran!" — Heinrich antwortete nichts — aber von dem Tag an war keiner mehr besorgt und bedacht auf Sauberkeit des Anzuges, als er. Gr wurde überhaupt besonnener, gesetzter, und verging er sich wieder einmal, so war er ganz unglücklich und nannte feinen Fehler einen Tin­tenkleckse

Heinrich befand sich auf,der Universität, um sah auf seine künftige Advokateulaufbahn vor- zubereiten. Wer ihn kennen lernte, versprach sich in ihm einen Staatsbürger, der dem ge- tvählten Berufe alle Ehre machen würde. Jenen griesgrämigen Hummel hatte er zwar schon längst osrgessen, aber eines war ihm geblieben: er war bedacht, das Ehrenkleid seines Charak­ters unbemakelt zu bewahren. Indes war er kein bärbeißiger Zelot, der Freunde und Freu­den floh; er konnte in guter Gesellschaft über­schäumen vor Jugendlust, und selbst über die Schnur hauen — aber es hatte bei ihm doch wie­der alles feine Grenzen und man konnte sicher fein, daß er sich nimmermehr in einem Kreise zeigte, too es nicht mehr anständig zuging. Leich- tere Elemente nannten ihn wohl einen Schul­fuchs und hielten ihm auch gegen: Jugend hat keine Tugend, worauf er treffend erwiderte: das ist eine arge Jugend, die keine Tugend hat.

, Eines Nachmittags befand sich Heinrich in Gesellschaft von Kollegen auf einem Bummel nach einem nahen Dorf. Es ging heiter und fidel zu, Heinrich hatte wieder eine "seiner guten Stunden, da ihm der Witz und Schalk im Na­cken faß, sodaß mancher Kamerad nicht begrei­fen konnte, wie so ein „toller Bursch" in den Geruch der Schulfuchserei habe kommen können. Man lagerte sich im kühlen Schatten einer Wein schönte. Da huntpelte ein Invalide mit einem Stelzfuß heran, ließ feinen Jammerkasten seuf­zen und Lat um ein Almosen bei den jungen .Herren, was er auch erhielt, aber auch eine Menge loser Spässe dazu. Auf einmal wurde Heinrich kalt und nüchtern im Benehmen, und verbat sich solche Ungezogenheiten gegenüber die­sem ehrwürdigen Greis, sonst habe man es mit ihm zu tun. Tolles Gelächter war die Antwort, und einer der trunkensten erhob sich und unter­schlug dem Krüppel ein Sein, sodaß er nieder- gestürzt wäre, hätte ihn Heinrich nicht mit fei­ner. Armen aufgefangen. Gleich darauf appli­zierte er jenem übermütigen Fant eine so ge­wichtige Maulschelle, daß dieser in seiner ganzen Länge sich im Grase abmaß. Wütend raffte er sich auf — man hielt ihn zurück und erbittert schied man auseinander. Noch am selben Abend erhielt Heinrich eine in den pöbelhaftesten Aus­drücken abgefaßte Herausforderung zum Zwei- kämpf auf Pistole auf den nächsten Morgen. Schnell entschlossen setzte er sich nieder, um das Duell anzunehmen. Wie sehr er auch im inner­sten von der Torheit, mit der Faust eine Belei­digung gut zu machen, überzeugt war, und wie sehr er sich auch stets vorgenommen, ein Duell unbedingt abzulehnen, wenn er jemals in diese Sage kommen sollte — jetzt entschloß er sich den­noch dazu, damst es niemanden einfalle, ihn der Feigheit zu zeihen. Die Antwort,lag fertig auf »em Schreibtisch, als er durch eine aufgeregte Bewegung das Tintenfaß umstieß, dessen Inhalt einen Teil des Brieses überströmte. Beim An­blick des schwarzen Teiches erinnerte er sich plötz­lich jener Szene aus der Kinderzeit. Das Bild seines würdigen Vaters trat ernst warnend vor ibn hin. —- »Nein, ich gehe nicht! Das wär

em garstiger Tintenklex in meinem Charakter: Mögen sie von mir halten was sie wollen, am Ende liegt blutwenig am Urteil solch elender Renommisten!" In diesem Sinne schickte er die Vorladung zurück. Bald bot sich ihm eine schicklichere Gelegenheit, feinen Mut zu erpro­ben. Bei einer gefährlichen Feuersbrunst in einem Vorstadtviertel beteiligte er sich so mutig und tapfer bei den Rettungsarbeiten, daß die städtische Presse allgemein die Herzhaftigkeit dieses Studenten lobend und rühmend erwähnte.

Jahre vergingen, Heinrich hatte sich als An- tvalt in einer kleinen Stadt etabliert und in kurzer Zeit sich eine für feine bescheidenen Be­dürfnisse genügende Praxis erworben. Wie es seine Gemüts- rmd Denkungsart fast mit sich brachte, wurde er bald ein pater paupermn, ein Beschützer und Vertreter der Enterbten und Schwachen, die seine Mühewaltung allerdings nicht mit Gold und Silber entgelten konnten. Das väterliche Erbe war auch gering ausgefallen und so stand die Zukunft nicht gerade in rosigem Licht vor ihm. Es kam die Zeit der ersten Liebe, aber die Angehörigen des Mädchens, durch des­sen Besitz er glücklich zu werden hoffte, waren sehr reich und zögerten wohl, ihr Kind einem Manne zu geben, der, so lieb und schätzbar er ihnen auch war, doch nur ein schwaches Auskom­men zu bieten hatte. So fahr denn hin, schöner Stern!

Ein sehr verwickelter Prozeß, in dem es sich um das ganze sehr beträchtliche Erbe eines im Auslands verstorbenen Mannes handelte, um welches sich zwei Parteien aus der Verwandt­schaft anscheinend mit ziemlich gleichen Rechten Letoarben, nahm kurz darauf all seine Kräfte in Anspruch. Heinrich hatte wie gewöhnlich den ärmeren Teil vertreten. Nach kurzer Einsicht der Akten gewann er die Ueberzeugung, daß das Recht aus Seiten seiner Partei wäre, daß es ihm aber sehr schwierig werde, dasselbe geltend zu machen. Eben saß er einmal tief in die Akten vergraben über feinem Memorandum, als man ihm einen Brief zustelltc, dessen Inhalt in ihm einen Simm widersprechender Empfindungen entfesselte. Es war nämlich nichts anderes als ein von einer Drittperson für die Gegenpartei gestellter Anttag, auf eine Entschädigung von 2500 Napolöons, falls er sich entschlösse, der Sache eine solche Wendung zu geben, daß fein Klient das Feld räumen müsse. Der Antrag war in aller Form gestellt, daß er keinen Zweifel mehr Jbegen konnte. Schweiß trat auf Hein­richs Stirne, während er das Schreiben wieder durchlas, dessen lockender Hinterhalt eine Welt süßer Bilder vor seine Seele zauberte. Dazu war es unmöglich, daß der Unterschleif an den Tag kam und er könnte ja seinem Klienten ins­geheim nach und nach alles ersetzen. Er schwankte lange, aber die Lockung war zu verführerisch. Tadle niemand zu bart. Heinrich war ein An­fänger ohne Vermögen, die mächtigste Leiden­schaft griff in die Wagschale, ein höchst kritischer Dünkt auch für den vortrefflichsten Menschen — mit einem Wort: er setzte sich an das Pult und antwortete zustimmend auf jene Zuschrift.

Als er den Brief vollendet hatte, fühlte er sich ganz unwohl uno er trat an den Spiegel. Sein blasses und entstelltes Gesicht trat ihm auS demselben entgegen, und als er mit einem flüch­tigen Blick über feine Gestalt hinglitt, bemerkte er an der Weste einen großen Tintenfleck, den er sich in der Aufregung irgendwie angeleistet hatte. Er stand da, wie vom Donner gerührt und be­gann zu zittern tote Espenlaub und schien alle Fassung verloren zu haben. Dann erhob er dankend den Blick zum Himmel, der ihn vor dem Abgrund toeggezogen. Der Brief aber flog in Stücken und Fetzen in den Papierkorb.

Heinrich studierte nun mit beinahe über­menschlicher Anstrengung über den Gang jenes Prozesses und als der Tag der Entscheidung kam, bebte er dem richterlichen Ausspruch mit der Angst eines armen Sünders entgegen.

Heinrichs Klient hatte den Prozeß getoon- ncn. Als die Sentenz gesprochen wurde, freute sich der siegende Teil gewiß nicht mit so über­strömendem Entzücken des Reichtnmes, den er dadurch zugesprochen erhielt, als unser junger Advokat. Er ging umher wie ein Verklärter. Kurz daraus kam auch daS bräutliche Glück in sein Herz gezogen und als man ihn fragte, was ihn am meisten freue, gab er zur Antwort: der Tintenklecks! Seine Bekannten raunten sich aber kopfschüttelnd einander zu: Doktor Hein­rich ist übergeschnappt.

vermischter.

* ®ne interessante Entdeckung wurde in Fürsten­walde a. d. Spree gemacht. Es wurde bei den Reno­vierungsarbeiten an dem aus dem Mittelalter Summenden Rathause ein unterirdischer Gang ent» eckt, der eine Verbindung mit der einige Mmuten entfernt stehenden Domkirche bildet. Man fand u. a. dort Gebeine, Rüstungen, Gerätschaften, darunter eine Truhe mit Eifenbeschlägen, sowie eine Donner» düchse.

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