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34. Jahraang.
Fulda, Freitag den 17. Mat 1907.
112.
Krstes Wlcrtt.
[] Die österreichischen Wahlen.
Das erste große Ringen hat sich vollzogen; zum erstenmale ging das Volk nach dem allgemeinen und gleichen Wahlrecht zur Urne. Der Ausfall der Wahl hat große Ueberraschungen gebracht; wenn auch noch nicht alle'Resultate vor- liegen, läßt sich dies behaupten. Während fast alle Kronländer am Dienstag wählten, hat Galizien erst am Mittwoch ab zustimmen. Aber der Wahlausfall in diesem Lande interessiert deshalb nicht so sehr, weil den Löwenanteil der Mandate die Polen erhalten; die Rutherren werden 5 Mandate erringen und die Sozialedmokraten nur wenige. Der Wahlausfall zeigt dasselbe Ergebnis wie in anderen Ländenr des allgemeinen Stimm- rechts:
sehr viele Stichwahlen;
es sind insgesamt 231 Abgeordnete gewählt und 168 Stichwahlen erforderlich. Die gewählten Abgeordneten verteilen sich nach ihrer Parteinch- tung wie folgt: Katholisches Zentrum 28, Christlich--Soziale 59, Deutsche Volkspartei 5, Sozialdemokraten 57, Iungtschechen 4, Alttschechen 2, Tschechische Nationalsoziale 1, Tschechische Agrarier 6, Klerikale Tschechen 4, Deutschs Argrarier 9, Frei- Altdeutsche 3, Ruthenen 6, Rumänen 2, Italiener 10, Slowenische Volkspartei 19, Liberale Slove- nen 4, Kroaten 1, Parteilose 1, Freisinnige 1, Polnisch-Klerika le 1 und Deutsch- Klerikale 1. Mit diesen Zahlen ist eigentlich alles gesagt. Das Ergebnis der Wahl ist: 1. großer Sieg der Christlich-Sozialen; großer Sieg der Sozialdemokraten; 3. totale Niederlage des Liberalismus in allen Schattierungen; 4. starke Wahlbeteiligung. Wir sind im allgemeinen mit Ausnahme des Ergebnifies unter 2 mit diesem Ausfall sehr zufrieden. Der neue österreichische Reichsrat wird eine starke positiv-katholische Mehrheit besitzen, der Liberalismus, der so lange in Oesterreich herrschte, liegt am Boden; er hat im Volke keine Kraft gehabt.
Der Sieg der Christlich-Sozialen, die in Verbindung mit dein Zentrum und einigen ihnen nahestehenden Gruppen nahezu 100 Mandate erhalten, kommt dem steten Beobachter nicht über- raschend. Diese Partei arbeitet seit Jahren zäh und unermüdlich für das wahre Volkswohl und für den Ausbau ihrer Organisation. Keine andere Partei hat so diel Vorarbeit für die Wahlen geleistet, wie diese, sie kann deshalb auch die Früchte einheimsen. Auf positiv christlichem Boden stehend legte sie auf die Pflege der idealen Güter allen Wert und sührte mit viel Energie den Kampf gegen den verderblichen Einfluß des Liberalis- rnus in der Schule, Presse und Verwaltung. Karl Lueger mit seinem tüchtigen Stab treuer Mitarbeiter hat die Partei geschaffen und groß gemacht; wir wollen nicht alle ihre Schritte recht- fertigen. In Wien fing die Reorganisation an und unter allen europäischen Hauptstädten hat heute nur Wien ein
christliches Regiment.
Dann eroberte die Partei Niederösterreich und jetzt ist sie über die ganze Monarchie zerstreut und setzt in Tirol und Steiermark ebenso entschieden ein wie in Wien. Was sie überall für die Erhall tung des christlichen Geistes geleistet hat, bleibt ihr steter Ruhm. Jedoch diente sie auch dem Volke in materieller Hinsicht und nahm sich besonders der Wünsche des Mittelstandes an; das Wiener Stadtregiment ist in dieser Hinsicht vorbildlich für alle Städte gttvorden. Ihre Gegner behaupteten nun, daß das allgemeine Wahl-
ALesta
oder
Auf geheLmmsvoHen Wegen.
Roman von Eduard Wagner.
62] (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung aus dem zweite» Blatt.)
Die Anmeldung des Essens fetzte der weiteren Unterhaltung ein vorläufiges Ende. Der Marquis bot Lady Wolga seinen Arm, Lord Kings- court führte Alexa, und die übrigen folgten paar- toeife.
Das Speisezimmer bot einen brillanten Anblick. Palmen aller Art füllten die Nischen, Blumen zierten die Tafeln und Silberteller strahlten das Licht der zahlreichen Kandelaber zurück.
Lady Wolga war während des Essens sehr heiter, heiterer, als der Marquis sie je gesehen hatte, aber er ahnte, daß ihre Fröhlichkeit nur eine er- zwungene war, dazu dienend, ihre Aufregung zu verdecken.
Die Damen vertrieben sich die Zeit, so gut sie konnten. Mrs. Jngeftre setzte sich auf einen Schaukelstuhl und schloß die Augen, da sie sich mehr als je „schwach und angegriffen" fühlte. Lady Markham hatte in mißvergnügter Stimmung mit mehreren Damen eine Unterhaltung angeknüpft, bereit Gegenstand Alexa war. Ein paar junge Damen spielten zusammen, während andere in dem Wintergarten uucherspazierten.
Lady Wolga hielt jetzt ihre Zeit für gekom- men; sie näherte sich Alexa, welche allein in einer Kensternische saß.
„Alexa, kommen Sie mit mir in das @ar- derobezimmerl" sagte sie leise.
»lexa erhob sich und folgte Lady. Wolga.
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recht sie wegfegen werde; das Gegenteil trat em; ihre Herrschst ist mehr befestigt als ie zuvor. Wenn sie bei den Stichwahlen noch ennge Erfolge erhielt, so kann sie die stärkste Parier des Steichsrats werden und gar den Präsidenten stell len So lohnt sich langjährige treue Arbeit am Wohle de- Volkes Wenn die Christlich-Sozialen vollends alle Kinderkrankheiten abgelegt haben, find sie auf dem besten »ege, für Oesterreich das zu werden, was daS Zentrum für Deutschland ist, ihr christlicher Charakter und ihr sosm^S En- pfmben sichert ihnen eme solche Zukunft.
Ueberrafchend kam für viele der
Siegrszug der Sozialdemokraten;
im letzten Reichsrate hatten sie 11 Mandate; jetzt schon 57 und babei find sie in vielen SttHvahlen beteiligt; aber man rechnete mit höchstens 40 Sitzen. Die Sozialdemokraten haben ihre Eroberungen hauptsächsich auf Kosten der Liberalen gemacht. Alle die bekannten Führer haben ein Mandat errungen. Die soziakbemokra- tische Preffe jubiliert und feiert die Sozialdemokraten als He einzige Reichspartei, die nicht unter dem Nationalitätenstreit leide; letzteres ist nun falsch. Auch in Oesterreich hat jede der einzelnen Rationen auch ihre besondere Sozialdemokratie; nur schließen sie sich nadlet in einer Fraktion zusammen. Der fozialdemokratifchen Preffe in Denffchland tut der Sieg doppelt wohl, nachdem die Partei bei uns so viele Niederlagen erlitten hatte. Ein Wermutstropfen für die Genoffen aber ist, daß sie in Wien so schlechte Geschäfte machten; sie wÄlten hier die rote Fahne aufpflanzen; aber die Christlich-Sozialen waren nicht zu schlagen; nur unbedeutende Erfolge hat hier die Sozialdemokratie errungen.
Am erfreulichsten ist die
totale Niederlage des Liberalismus,
der dieses Schicksal reichlich verdient hat; nur ein kleines Häuflein seiner Leute hat sich retten können; auch die gemäßigten Liberalen haben sehr schlecht abgefchnitten. Die „ deutschen" Krakehler, wie Schönerer, Wolff, Jro, Herzog, aber sind ganz von der Bildfläche verschwunden und mußten fast überall den Ge- noffen Platz machen. Die Niederlage dieser Po- littker ist eine wahre Wohltat und liegt im Interesse des Parlamentarismus aller Länder. In ihnen ist auch die politffche Los von Rom-Bewegung zusammengebrochen; weshalb gewisse alldeutsche Blätter sehr schlecht auf den Ausfall der Wahl zu sprechen sind. Die Konsequenzen können nicht ausbleiben. Die liberale Herrschaft ist befestigt und ihre Rechte müssen rasch verschwinden.
Die Einführung der
Wahlpflicht
in einer Anzahl von Kronländereien hat sich treff- sich bewährt; überall haben weit mehr als 90 % der Wähler abgestimmt, ein Resultat, das ohne Wahlpflicht nicht zu erreichen gewesen wäre. Nachdem man in Belgien dieselbe Erfahrung gemacht hat, dürften andere Länder auch,an diese Ergän- zung des bestehenden allgemeinen Wahlrechts denken.
Wir wollen hoffen, daß Oesterreich aus diesem Wahlausfall neue Kraft für seine innere Erster- kung ziehen möge, daß es besonders die liberalen Uebermächte in der Schulgesetzgebung rasch beseitigen möge.
Deutsches Reich.
Berlin, 16. Mai 1907.
• Eine PrAsideutentzalerie soll im Reichstag errichtet werden. Die Ausschmückungskom- Mission hat beschlossen, Oelbilder von allen Reichs-
„Mein liebes Kind," sprach die Lady, ihre Aufregung jetzt nicht mehr zurückhaltend, „sinst war ich Herrin in diesem Schlosse. Ich kam hierher als Brant, und ging, — doch ohne Zweifel haben Sie die Geschichte gehört. Es waren Folterqualen für mich, heute abend mit fröhlichen Gästen hierher zu kommen; aber ich habe diese Qualen standhaft ertragen in der Voraussicht, meine alten Zimmer einmal wiederzusehen. Sie sind nicht in Benutzung, seitdem ich sie verließ. Es fiiw noch Reliquien von meinem Kinde vorhanden, die ich mir verschaffen möchte. Auch hoffe ich einige Reliquien zu finden von einem, der mit ebenso teuer ist, als mein so schmerzlich beweintes totes Kind. Kommen Sie mit mir, Alexa. Sie können vor der Türe warten; niemand darf diese geheiligten Räume mit mir betreten, aber ich wollte nicht allein fortgehen, denn es hätte bemerft werden können und einer bösen Zunge Veranlassung gegeben haben zu boshaften S&euierfungen. Ihre Anwesenheit vor der Tur jener Zimmer wird ein genügender Schutz fein gegen etwaiges Eindringen und ich bleibe unbeobachtet. Kommen Siel"
Lady Wolga ging voran durch die Halle« die breite Stermortreppe hinaus in den großen Saal, dann beg sie ab in einen Korridor, schritt an her Reihe von Türen vorüber und blieb endlich vor einer Tür stehen, die sie zu offnen versuchte, was ihr nach einigen Augenblicke» gelang.
„S^en Sie sich, Alexa," fügte Lady Wolga, auf eine Lank zeigend, „und warten Sie auf mich."
Sie öffne e nun die Türe ganz und trat ein. Alexa konnte nur einen flüchtigen Blick in das prachtvE ausgcstattete Zimmer Werfen; bann schlich sie die Ture wieder und Alexa war allein.
Es schien ihr, als habe fee ein Recht, die Zimmer ebenfalls zu betreten. Es trieb sie, ihrer Mutter zu folgen, die jetzt unzweifelhaft bei dem Andkick v-"- ihr"« weftrst». stcki an
tagSpräfidenteu fite dar ReichStagSgebärrde Herstellen zu lassen.
♦ Der erbärmliche Freisinn. DaS Zenten«, fo schreibt die Föln. VolkSztg.", hat die längste Zeit seiner Geschichte in der Opposition gestand«, ist aber niemals Oppositionspartei um jeden Preis gewesen. Diese Stellung hat daS Zenten« auch jetzt nicht verlassen, wo ei gewaltsam und auf wenig ehrliche Weise in die Opposition gedrängt worden ist. Hierzu bemerkt nun die freisinnige ,BreSl. Ztg.ft „Unter der „wenig ehr- lichen Wesse" versteht daS rheinische Zentrum-- blatt vermutlich die Unwahrhaftigkett und die maßlosen Beschimpfungen, deren sich Bettreter deS Zentrums dem Reichstage und der Kolonialverwaltung gegenüber schuldig machten, und die ein weiteres Zusammenarbeiten der Regierung mit dieser Pattei schlechterdings nicht Erließen." Es ist nnS selten em Satz begegnet, der auf so wenig Raum so viel Unwahrheiten enthalten hat. Die „flnwahrhaftigkett" und die „Beschimpfungen" — wenn solche vorliegen — sind nämlich ganz im Lager deS Freisinns zu suchen. Die Zentrumsabgeordneten haben ange» kämpft gegen die schlechten Monopolverträge und haben deren Beseitigung erreicht; sie sordetten scharfe Maßnahmen gegen den Prügelstrafen, nnfng, was geschehen ist: sie wünschten Abschaffung des „schwarzen Fonds", was erreicht ist; sie vettangten Maßnahmen gegen den Miß. brauch von Negermädchen; von entsprechender Erlaß ist ergangen. DaS Zentrum kann sich auch heute mit seiner Kritik dieser Mißstände sehen lassen. Wer aber war es, der am 15. Dezember 1905 zuerst die tat- sächlichen und angeblichen Kolonialfkandale ein» Seiner Beamten und Offiziere im Reichstage vor. trug? Der freisinnige Abg. Ablaß! So zu lesen in dem stenographischen Bericht. Wer hat zuerst den ^ssuttkomer-Fakl in einer mehr als einständigen Rede im Reichstage behandelt? Der freisinnige Abg. Kopsch! Wer hat den ganzen Sommer über hn Jahre 1906 Kolonialskandale erzählt? Die freisinnigen Berliner Zeitungen! (,Frs. Ztg/, ,Berl. JagebL', ,Berl. Morgenpost' usw.). Wer Hal noch am 4. Dezember 1906 für die kommende Etatsberatung noch viel tollere Geschichten in Aussicht gestellt und dem Steichskanzler vor. geworfen, daß er jahrelang Vertuschung getrieben habe? Der freisinnige Abg. Dr. Müller. Meiningen: So der Freisinn dis zum 13. Dezember 1906. Und dann nachher? Wer hat zu allem geschwiegen? Die freisinnige BolkSpartei! Kein einziger ihrer Abgeordneten hat sich mehr um die Vorkommnisse gekümmert, die sie selbst vor Jahresfrist vorgebracht haben; nur einmal machte Abg. Kopsch einen schwachen Versuch bei der Puttkamer» Geschichte. Wer hat jetzt im Parlament die Ber- luschung getrieben? Die Freisinnigen. Und diese Gesellschaft und ihre Presse wagt eS noch, m-t solchen Vorwürfen zu kommen. Nun, bei den freisinnige« Parteien ist ja politische Grund- satzlosigkeit geradezu Trumpf geworden.
* Einigungsversuche in» Berliner Bange, werbe werden noch in letzter Stunde ongeftrebt, um die AnSsperrun g und ihre schweriviegenden Folgen zu verhüten. Von hervorragenden Sozial. Politikern wurde vorgeschlagen, an eine unparteiische Mittelperson, z. B. den Oberbürger, m ei st er K i r s ch n e r, mit der Bitte heranzutreten, durch Vermittelung die bevorstehende Aussperrung zu vechmdern. Öberbürgermeister Kirschner hat ihre Brust zu werfen und ihr zu sagen, daß ihr Kind nicht tot sei, daß es noch lebe und vor ihr stehe; aber sie beherrschte sich mit Aufbietung all ihrer Willenskraft. Sie durfte ja die Existenz ihres Vaters nicht verraten, selbst nicht seiner Gattin, die ihn noch liebte und um ihn trauerte, die ihn unschuldig glaubte und sein Andenken ehrte.
„O, könnte ich doch mit ihr weinen und fie trösten!" dachte sie. „Mein Gott, vereinige uns, die wir so weit getrennt sind! Ist keine Hoffnung vorhanden zu meine- Vaters Rechtfertig- ung? Kann ich denn gar nichts tun?"
Sie rang verzweiflungsvoll die Hände. Mut und Hoffnung hatten sie eine» Augenblick verlassen. Eine Zett laug saß fie in Gedanken versunken da, bis leichte Schritte neben ihr fie auf- schreckten. Als sie aufblickte, sand fie sich einem Manne gegenüber, den sie nach ihres Vaters Beschreibung als Pierre Renard erkannte. Die hagere Ng«r, die kleinen stechenden Auge», die niedrige Stirn, »nd vorzugsweise eine lange Narbe über die ganze Wange von der Sttm bis znm Kinn, welche ihm ein unhettnlühes Ansehen verlieh, ließe» feinen Zweifel über seine Identität zu. Alexa sprang auf und trat unwillkürlich einen Schritt zurück.
Er bemerkte ihre Bewegung und lächelte spöttisch.
„Haben Sie sich verirtt, Mademosselle?" fragte er scharf. „Die Gäste find unten."
Alex« warf ihren Kopf stolz zurück m einer Wesse, welche Reuard sofort an Lady Wolga erinnerte. Er studierte die Züge des Mädchens aufmerksam.
^üadtz Wolga Clysst sst iu ihre früheren Zin> mer gegangen," erwiderte Alexa kalt, „und ich warte auf fie." „ .
Gin rascher Blitz schoß aus RenardS Seinen Augen. D« Ähnlichkeit AlexaS mit ihrem Vater, welche schon Lady Wolga und der Marquis von Mmckheron bemerkte», fiel itzur ebenfalls ans.
erklärt, et fei gern bereit, fit den Frieden im Baugewerbe zu wirten, Boraussetzung sei aber, daß dementsprechende Aufforderung an ihn er- gehe «nd daS Einverständnis beider Parteien vorhanden ist. ReuerdingS haben die Aussichten auf eine friedliche Beilegung des «Streitet sich etwas gebessert. ES haben nämlich am Donnerstag mittag neue Verhandlungen zwischen Arbeitgebem und Arbeitnehmern stattgefunden. Nachdem zuerst beide Parteien unter sich ver- handelt hatten und in einigen Punkten zu einer Verständigung gelangt waren, fand eine gemein- same Beratung statt, über deren Ergebnis noch nichts bekannt ift Nach allem scheint man doch noch Hoffnung hegen zu dürfen, daß die Verhandlungen zu einem guten Ende geführt weiden und der Kampf im Baugewerbe vermieden wird. — In der Berliner Holzindustrie ist am Mittwoch nach einer Arbeitspause von annähernd fünf Monaten in vielen Betrieben die Arbeit bereits wieder ausgenommen worden.
* Mit seinem Verbot der Kollektiveingaben der Beamten hat Minister Freiherr v. Rheinbaben in der Presse wenig Anklang gesunden, und mit Recht, weil das Petitionsrecht der Beamten dadurch aufgehoben wird. So schreibt die ,Nationalzeitu»g^: „Mit diesem Erlaß wird die Petitionssteihett der Beamten so gut wie aufgehoben. Denn es liegt auf der Hand, daß Petitionen, wenn fie Erfolg haben sollen, kollektiven Charakter haben müssen, sonst werden fie einfach als Aeußenmgen eines einzelnen „Unzu- friebenen“ angesehen. Den Herrn Finanzminister scheint nach dem Ruhme zu gelüsten, den sein Kollege vom Innern sich vor mehreren Monaten mit einem ähnlichen Erlaß errang. Jedenfalls wird im Abgeordnetenhause die Angelegenheit noch zur Sprache gebracht werden müssen, und man wird dem Minister wohl keinen Zweifel darüber kaffen, daß er mit dieser Verfügung, die schon durch ihren unnötig schürfen Ton Widerspruch Hervorrufen muß, auch sachlich vorbeigehauen und die ihm zustehenden Befugnisse weit überschritten hat.
* Zur Gründung eines Berbandes katholischer Jüngkingsvereine Deutschlands fordert ein Aufruf der Berliner katholischen Geisttichkett auf. Ter Aufruf ist an erster Stelle vom Prälaten Kleineidam unterzeichnet. Der Verband soll alle JünglingSvereine umfassen und bezweckt, nicht nur die religiösen und sittlichen Interessen der katholischen Jugend zu fördern, sondern auch durch geeignete Wohlfahrtseinrichtungen dir jungen Leute wirtschaftlich zu heben und zu unterstützen.
•g. Evangelischer Bund und Los von Rom- Bewegung. Heber die Summen, welche anS dem „Evang. Bunde" nach Oesterreich fließen zur Unterstützung der Abfallbewegung, gibt eine Borstandsfitzung des Chemnitzer Zweigvereins des Evangelischen Bundes interessanten Aufschluß Es wurde dort festgestellt, laut ,Chemn. Allg. Zig.' Nr. 103, daß im Jahre 1906 allein fast 300000 Mark vom Evaug. Bunde für die Los von Rom-Bewegung aufgebracht worden find. Aber daS genüge noch immer nicht den Bedürfnissen. Der Chemnitzer Zweigverein allein muß jährlich 4000 Märt aufbringen. Welche Summen überhaupt die Los von Rom- Bewegung in Oesterreich verschlingt, ergibt sich aus einer Mitteilung der ,Bonif. Son.' (Prag), wonach im Jahre 1906 über 2 Millionen M ark für die Abfallbewegung ausgegeben wurden ll Ob diese Rieseusummeu dem kläglichen Resultat entspreche«, möchten wir doch
„Ich bitte um Entschuldigung, Mademoiselle," sagte er respektvoll, „aber habe ich die Ehre, mit Miß Flora Tower zu sprechend"
„Stein," antwortete Alexa kurz.
Renard zögerte. Er hätte gern noch einige Fragen an das Mädchen gerichtet, aber er wagte es nicht. Die Sehnlichkeit, welche ihm aufgefallen, schien ihm immer deutliche zu werden, und Mißtrauen ertoatfjte in ihm. Er blieb einen Augenblick stehe», dann stammelte er eine Entschuldigung und ging weiter. Kaum, hatte er jedoch ein paar Schritte getan, als er wieder urnkehrte.
„Ich bitte um Entschuldigung. Mademoiselle," sprach er, sich demütig verneigend; „dars ich Sie um Ihren Namen bitten?"
Alexa würde ihn abgetmefen und seine Neugierde unbefriedigt gelassen haben, aber der Wunsch, ihn genauer zu betrachten, veranlaßte sie, ihm zu antworte».
„Stein Sterne ist Miß Strange," sagte sie. ,Hch bi» die Gesellschafterin der Lady Wolga."
„Ich danke Ihnen, Mademoiselle,'" versetzte Renard. „Ich bin Pierre Renard, der Kammerdiener des Marquis von Montheron, und fragte nur, wett Sie einem Bilde in der'Gallerte so ähnlich find. Ich bitte nochmals um Entschuldigung."
Er verbeugte sich abermals tief und enfernte sich Als er aus dem Korridor in den Saal trat, murmelte er vor sich hin: „Ihr Sterne ist Strange? Wer ist sie? Aus welcher Familie? Was will sie hier? Die Sache ist nicht ganz klar. Sie ist nicht, für was sie sich ausgibt. Wenn jedermann blind sst, Pierre Renard kann sehen; et hat ein paar scharst Augen, und er versteht, sie zu ge- brauchen! Miß Strange! Ich will alles über diese Miß Strange wissen, ehe ich eine Woche älter bin!"