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wochenbeilagr: „Aluftrierie §0Mtag5ZeitUNg" monafsbetlage: „Fuldaer Gesthichtsblätter"
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Rotati»«»druck s. Verlag der Fuldaer 3c« tiendr ickerei in sfelba.
Zernfprecher Nr 9.
M 108.
Fulda, Montag den 13. Mai 1907.
34. Jahraang.
schLstigt. Sie empfiehlt dem Plenum des Abgeordnetenhauses solgmde Beschlüsse: 1. eine Petition mn einheitliche gesetzliche Regelung der BesoldungsoerhLltniffe der Lehrer und Leiter an den öffentliches Mittelschulen der Regierung zur Berücksichtigung zu überweisen, 2. eine Petition um Regelung der Anstellung-Verhältnisse der Oberlehrerinnen an höheren Mädchenschulen und Ährerinnenseminaren und Einführung von Stellen für Direktorinnen an diesen Lehranstalten, sowie eine wettere Petition um Gehaltserhöhung für die Seminarkehrerinnen und -Oberlehrerinnen der Negierung als Material zu überweisen, 3. eine Petition um Erhöhung des Witwengeldes der Witwen von Lehrern, die vor dem 1. April 1900 verstorben sind, der Regierung zur Erwägung dahin zu überweisen, daß sie erneut in eine wohlwollende Prüfung der Verhältnisse ernteten möchte.
* S?” 3^ Puttkamer legt nach einer Berliner Meldung der Münchener Neuesten Nachrichten" das Kolonialamt Berufung gegen das Urteil des Disziplinargerichtshofes ein. Ferner teilt das Blatt mit, es sei endgültig entschieden, daß Puttkamer nicht wieder nach Kamerun geht, auch nicht für kurze Zeit.
* Die falschen Propheten des Bundes der Landwirte. Der Bund der Landwirte kommt in einer Preßpolemik mit dem Abgeordneten v. Kardorff herzlich schlecht weg; letzterer hatte den Bund an seine Haltung gegenüber dem Zolltarif erinnert und hierbei betont, daß die Vertreter des Bundes diesen abgelehnt hätten; fetzt aber stelle sich der Bund so, als sei er die Ursache, daß es der Landwirtschaft gut geht. Dem gegenüber stellt nun Herr v. Kardorff folgendes fest: 1. Festschrift von E. Klapper (Dezember 1902): „Die Annahme des Antrages Herold (Kardorff) bedeutet für die deutsche Landwirtschaft eine Verschlechterung selbst gegenüber der gegenwärtigen Lage. . . 2. E. Klapper:
Agrarkorrespondenz (Dezember 1902): „Und kann man diesen Kampf wirklich als einen Kampf gegen die Sozialdemokratie bezeichnen — wenn er in seiner wirtschaftlichen Wirkung zum Todes kämpfe des deutschen Bauernstandes führen muß, zur Zertrümmerung dieses bisher stärksten Bollwerks gegen die Sozialdemokratie?"- 3. Sitzung des preußischen Abgeordiietenhauses vom 28. Januar 1903, Abg.v. Wangenheim: „Ich bin der ehrlichen Ueberzeugung, daß der jetzige Tarif in feinen Folgen schlechter sein wird, als der vorige usw." „Nach meiner persönlichen Kenntnis der Lage können wir getrost Gift darauf nehmen, daß die Viehzölle trotz des schönen Schemas nicht höher ausfallen werden, als sie heute sind!"" (Es ist doch recht erfreulich, daß Herr v. Wangenheim damals kein Gift genommen hat!) „Durch die wirtschaftliche Gesetz- gebung, die wir angewendet haben, werden wir die Sozialdemokratie in weitgehendstem Maße fördern! . . ." 4. Dieselbe Sitzung: Abgeordneter v. Oldenburg-Jannschau: „Ob der Zustand, in den wir durch den neuen Zolltarif kommen werden, ein glücklicherer fein wird, ist mir fraglich!" 5. Sitzung vom 29. Januar 1903: Abg. Hahn: „Ich kann Herrn v. Zedlitz nur sagen, daß eine große Enttäuschung und in manchen Kreisen eine liefe Erbitterung darüber herrscht, daß die Regierung ihre „Versprechungen nicht wahr gemacht hat!" „Nun vergleich« man"", so schreibt Herr v. Kardorff
weiter, „mit diesen Prophezeihungen die Jubel- Hymne im Zirkus Busch! Es gehört in der Tat heute eine gesunde Portion edler Dreistigkeit dazu, zu behaupten, alles fei eingetroffen, was damals die Bundesleitung vorhersagte."
* Marineetat und Ausland. Die rasche Verabschiedung des Marineetats hat im Auslande den gewünschten Eindruck gemacht. Die .Times" läßt sich telegraphieren: „Admiral v. Trrpitz hatte diesmal eine ganz leichte Aufgabe im Reichstage und er war zweifellos imstande, die Kommission zu überzeugen, wie wenig wünschenswert es fei, die beabsichtigte Vergrößerung des Umfanges der Schlachtschiffe und Kreuzer öffentlich zu erörtern. Obgleich diese Heimlichkeit der deutschen Regierung nicht unter allen Umständen die Voraussetzung begründe, daß Ueberrafchungen in Vorbereitung seien in Bezug auf die Schiffe oder deren Bewaffnung, so wird die Handlungsweise der Leitung der Marine ohne Zweifel bemerkt und nach ihrer Bedeutung richtig bewertet werden. Deutschland hat keinen Teil seines Schiffbauprogrammes aufgegeben und seine Hilfsmittel, sowohl finanzieller wie technischer Art, sind durch- aus wohlbekannt."
r. Liberales Dränge«. Es ist noch in aller Erinnerung, wie sehr der „entschiedene" Liberalismus im Wahlkampfe um Garantien und Zugeständnisfe bettelte. Nun hat aber der gesamte Freisinn in den Hauptwahlen am 25. Januar ganze 9 Mandate gewonnen, infolgedesfen war er des Bettelns müde. Von dort an forderte er nur noch. Bereits am Sonntag nach den Hauptwahlen schrieb das ,Berl. Tagebl/: „Bisher hat der Reichskanzler sich um alle Zugeständnisse an den Liberalismus herumgedruckt: jetzt wird er Farbe bekennen müssen. Ohne den Liberalismus kann in Deutschland nicht langer regiert werden, das ist die Lehre, die man schon jetzt aus den Wahlen herauslesen muß." Ausgangs Februar kamen bann die großen Etats- Debatten im Reichstage. Dabei gab sich Dr. Wiemer für den Freisinn alle Mühe, der Re- gierrmg klar zu machen, daß das Ruder des Reichsschiffes immer mehr nach links gesteuert werden muß. 9 tun kam die zweite Etatsberatung und damit beim Reichs-Justizamt der kategorische Imperativ des Abgeordn. Müller-Meiningen: „Namens der freisinnigen Parteien habe ich förmlich zu verlangen!" Das sieht einem Ultimatum an die Regierung verzweifelt ähnlich. Aber auch jetzt noch ist der „entschiedene" Liberalismus der Unbefriedigte und Unzufriedene. Auch in den Reihen des „unentschiedenen" Liberalismus scheint sich manches zu rühren. Die nationalliberale Partei hält ihren diesjährigen Delegiertentag am 5. und 6. Oktober in Kassel ab. Die Verhandlung soll durch einen allgemeinen politischen Vortrag des Abg. Bass ermann eingeleitet werden. 'Nach der,Nationalztg." beschränkt sich die Tagesordnung des ersten Tages lediglich auf dieses eine Thema, „um der allgemeinen Aussprache den weitesten Spielraum zu gewähren." Bis dorthin haben die Herren hoffentlich ihre Sonderwünsche alle zurechtgelegt, sodaß sie dem Reichskanzler bei dem für kurz darauf in Aussicht genommenen Wiederzusammentritt des Reichstages vorgelegt werden können. Wird dann die «liberale Aera" ihren Anfang nehmen?
Erstes Wlcrtt.
Deutsches Reich.
Berlin, 11. Mai 1907.
* Zeugenvernehmung des Kaisers? Die sozialdemokratische Münch. Post" hatte z« Zeit der Reichstagswahlen anläßlich eines Vortrages von Dr. Karl Peters in München allerhand Be- trachlungen über dessen frühere Tätigkeit in den Kolonien angestellt. Peters stellte daraufhin Strafantrag wegen Beleidigung. Der be- klagte Redakteur hat nunmehr den Antrag ge- stellt, den Kaiser als Zeugen zu vernehmen. Einer Vernehmung des Kaisers wie der aller übrigen deutschen Bundesfürsten und ihrer Angehörigen steht an sich nach der Strafprozeßordnung nichts im Wege; die Vernehmung hat in der Wohnung der betreffenden Fürstlichkeit zu erfolgen; sie leistet den Eid durch Unterschreiben der Eidesformel, und ihre Aussage wird im Protokoll in der Haupt Verhandlung verlesen. Zu der Verhandlung selbst werden solche Zeugen nicht geladen. — ES bleibt nur fraglich, ob das Gericht dem Anträge der Münch. Post" statt- geben wird. Inzwischen ist der Antrag abgelehnt worden.
* Vertagung des Reichstags. Der Reichstag will morgen am Dienstag schon Schluß machen. So bat es wenigstens der Seniorenkonvent am Samstag erneut beschlossen, und die Sitzungen werden aus dem gleichen Grunde bereits am Montag und Dienstag um 11 Uhr be- ginnen. Außer kleineren Vorlagen steht für Montag auch die zweite Beratung des Handelsabkommens mit Nordamerika auf der Tagesordnung. Für Dienstag abend hat der Reichskanzler noch ein " parlamentarisches Gartenfest in seinem Palais angesagt. Die Einladungen dazu sind schon ergangen. Die große Vertagung des Reichstags soll sich bis in den November erstrecken. Wie verlautet, wird die erste Sitzung nach den Ferien voraussichtlich nm 12. November stattfinden.
.-. Die drohende Einkommenstruererhöhnng in Preußen. Der Mehrbedarf für das nächste Jahr in Preußen, für dessen Deckung der Finanzminister Herr v. Rheinbaben neuerdings im Herrenhause, wie auch früher schon im Ab- aeordnetenhause, eine Erhöhung der Einkommensteuer angekündigt hat, wird auf etwa 28 Mill. Mark geschätzt; er resultiert in der Hauptsache aus den höheren Aufwendungen für die Beamtengehälter und den erhöhten Zufchüffen des Staates für notleidende Schulgemeinden. Aus der in § 23 des Einkommensteuergesetzes neu eingeführten Deklarationspflicht der Arbeitgeber Über die Einkommen ihrer Arbeiter, die einen Betrag von 3000 Mark nicht erreichen, verspricht sich die Finanzverwallung eine Mehreinnahme von etwa 6 Mill. Mark, so daß also noch für 23 Millionen Mark laufender Mehrausgaben Deckung -geschaffen werden muß. — Ob der Finanzminister mit der beabsichtigten schärferen Anziehung der Steuerschraube beim Landtage Glück haben wird, ist allerdings noch zweifelhaft.
* Mit Lehrerbesoldungsfragen hat sich die Unter r ich tskommis siondesAb geordneten- Hanfes aus Anlaß mehrerer Petitionen be«
Al'exc»
oder
Auf geheimnisvollen Wegen-
Roman von Eduard Wagner.
46] (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)
, »Ihr voller Name ist Alexandra Strange? Sie sollen^ mir eines Tages alles über sich selbst erzählen, über Ihren Vater und Ihre griechische Heimat," sprach Lady Wolga, ihre Hand auf das Haupt des Mädchens legend. „Ich will Sie jetzt nicht länger vom Briefschreiben abhalten Felice soll mich entkleiden, und dann, da Ihr Brief in- zwischen wohl fertig sein wird, will ich sie zu Ihnen schicken. Sie kann Ihnen bei Ihrer Nachttoilette helfen und Ihnen sagen, was Sie zu toif- sen wünschen in Betreff der Pflichten als Gesell- fchafterin," fugte sie in scherzhaftem Tone und 13- chelnd hinzu. „Fragen Sie sie nach allem, was sie wollen, sie wird Ihnen Auskunft geben; denn sie kennt meine Gewohnheiten, von denen ich mich nicht gern lossage."
Sie drückte noch einen Kuß auf Alexa's Stirn, wünschte ihr eine gute Nacht und entfernte sich.
„Ich verstehe mich selbst nicht," dachte Lady Wolga, als sie in ihrem eigenen Gemache angekommen war. „Dieses Mädchen hat mich bezaubert. Wenn ich bei ihr bin, vergeße ich meine gewohnheitsmäßige Vorsicht. In Wirklichkeit weiß ich nichts von ihr, als daß sie mir so gut empfohlen worden ist. Sie hat sich in mein Herz gestohlen. Seit vielen Jahren habe ich mit niemandem gesprochen wie ich mit ihr gesprochen habe. In ihr scheine ich gefunden zu haben, wonach ich so lange gesucht habe. Ihre Gegenwart grbt mir neuen Frieden und eine wunderbare Ruh«. Ich will
, '.'M mrr ihre Liebe zu gewinnen.
Die Vorsehung hat sie mir gesandt, glaube ich, um mich zu bewahren, daß ich in Wirklichkeit werde, für was mich die Welt gegenwärtig hält — für kalt und herzlos I"
22. Kapitel.
Wichtig« Enthüllungen.
Als die leisen Tritte der Lady Wolga auf dem Korridor verhallt waren, warf sich Alexa in einen Sessel und weinte, als ob ihr das Herz brechen wollte. Nachdem sie ihre Ruhe wiedererlangt hatte, setzte sie sich an den Schreibtisch, um ihren Brief zu beendigen. Sie schrieb ihrem Vater, daß sie ihre Stelle zu Clyffebourne angetreten, daß sie diesen Abend daselbst Lord Kingscourt und den Marquis von Montheron gesehen habe, und berichtete über ihre Unterredung mit dem Ersteren. Uebet den Marquis von Montheron schrieb sie:
Der jetzige Marquis scheint bte Gutmütigkeit selbst zu fein. Er ist bei seinen Untergebenen und den Einwohnern des Dorfes sehr beliebt. Er ist freundlich und sanft, und es wäre zweifellos ungerecht, wollte man einen Verdacht gegen ihn he- gen. Selbst ich, die ich mit einem Vorurteil gegen ihn hierher kam, muß gestehen, daß ich ihn nicht fähig halte, solch' ein Verbrechen zu begehen."
„Lieber $ater," fuhr sie dann fort, „soll ich Dir von ihr, — von Lady Wolga- erzählen? Sie fft. über alle Beschreibung schön, schöner, als ich nur die Schönheit einer Frau geträumt habe; sie )st voll Anmut in ihrem Benehmen, voll Grazie m ihrem Wesen, und würdevollen Stolzes in ihrer Haltung. Ich hielt six für herzlos, aber heute erglühte ihr Herz unter einer naturgemäßen Eingebung für mich; sie sprach liebevoll zu mir und küßte mich. O, Vater! Wie mein Herz schwoll unter diesen Küssen, — den Küssen meiner Mutter! Hätte ich in dem Moment nicht an Dich ge. dacht, ich hätte ihr zu Füßen fallen und den Saum ihres Kleides küssen fönnen. Ich liebe sie wegen ihrer Gute und -weil sie mit so großer Zärtlich
keit an ihr verlorenes Kind zurückdenkt, weil sie noch im Stillen so tief um dasselbe trauert; ich möchte mich von ihr wenden, weil sie so grausam gegen Dich gewesen ist, mein armer Vater!
Ich sollte Dir schreiben, ob es wahr fft, daß sie sich mit dem Marquis von Montheron verhei- raten wird. Die Verlobung ist noch nicht veröffentlicht, doch jedermann hält sie für verlobt. Sein Benehmen gegen sie ist das eines Verlobten, aber aus ihrem Benehmen ist nichts Bestimmtes zu entnehmen. Ich sehe, daß sie ihn achtet und ehrt und glaube mit allen anderen, daß sie ihn heiraten wird. Sie ist auf seine Veranlassung nach Clyffebourne gekommen, welches sie vorher feit Jahren nicht besucht bat. Sie fährt mit ihm in seinem Wagen, ladet ihn und seine Gäste zum Mittagessen und verschiedenen Festlichkeiten ein und ist sehr liebenswürdig gegen ihn. Sie ist seit der tragischen Begebenheit nicht wieder auf Mont Heron gewesen, aber sie beabsichtigt übermorgen dahin zu gehen.
Ich würde dies, obwohl Du mich darum gebeten hast, Dir nicht erzählen können, nähme ich nicht an, daß es Dir keinen Schmerz bereitet; denn sicher kannst Du sie nicht mehr lieben, — die Frau, welche an Deine Schuld glaubte und sich auf die Seite Deiner Feinde stellte. Sie war für Dich verloren von dem Moment an, ob sie als Lady Wolga Clyffe oder als Lady Montheron für Dich verloren ist."
Sie sprach nach ihre Hoffnung auf das Gelingen ihrer Pläne und den Erfolg ihres Unternehmens aus und schloß dann den Brief.
Dies war kaum geschehen, als leise an die Tür geklopft wurde und auf ihr „Herein" Felice eintrat.
„Mylady hat sich zurückgezogen," sagte sie, „und beauftragte mich, zu Ihnen zu gehen, um Ihnen behilflich zu fein. Soll ich Ihr Haar für die Nacht ordnen, Mademoiselle?"
„Wenn es Ihnen gefällt, Felice, ja," anttoor-
Aus dem Reichstage.
51. Sitzung vom 11. Mai 1907.
Eröffnung: W/4 Uhr.
Der Weltpostvertrag wird, nachdem Staats- fefretär Kraetke die Vorlage begründet und die Erleichterungen und Taxenermäßigungen, die auf dem vorjährigen Weltpostkongreß in Rom vereinbart sind, aufgezählt hat, in erster und zweiter Lesung erledigt; ebenso debattelos in dritter Lesung die Uebereinkunft zwischen Deutschland und Frankreich betr. den
Schutz an Werken der Literatur und Kunst.
Die Zusatzübereinkunst zum
Handelsvertrag mit der Türkei
wird in erster und zweiter Lesung debattelos erledigt.
Interpellation Will (Ztr.) und Albrecht (Sz.) betr.
Grnbenungücke und ihre Verhütung..
Staatssekretär Graf Posadowsky erllärt sich bereit, die Interpellationen sofort zu beantworten.
Abg. Giesberts (Ztr.): In kurzen Zwischenräumen ereigneten sich die Massen-Unglücksfälle auf der Zeche Reden, in Klein-Rosseln und auf dem Mathildenschachte, von kleineren Unglücks- fällen gar nicht zu reden.
Das Urteil der Bergleute
und der Sachverständigen geht dahin, daß zwar kleine Unglücksfälle niemals ganz zu vermeiden fein werden, daß aber derartige großeExplo- (tonen, wo ganze Strecken zu Bruch gehen, nicht vorzukomnten brauchen und nicht Vorkommen dürfen, wenn die entsprechenden bergbaupolizeili- zeilichen Vorschriften gehandhabt und durchgeführt werden. Aber daran hat es offenbar auch in Klein-Rosseln gefehlt. Man sagt ja, daß schon einige Tage vor dem Unglück Schlagwetter in kleinerem Umfange beobachtet worden seien. Man hat aber darauf nicht geach. tot; man hat gedacht: hat es so lange gegangen, so wird es auch weiter gehen. Aber eine solche Vertrauensseligkeit i st nirgends weniger am Platze als im Bergbetrieb. (Sehr richtig! und Zustimmung.) Die elsaß-lothringische Knappschaftsberufs - Genossen- schäft ist die einzige, die keine Unfallverhütungsvorschriften erlassen hat. Warum besteht das Reichsversicherungsamt nicht auf bereit Erlaß? Zu der Kontrolle sollten vor allem Bergarbeiter selbst hingezogen werden. (Beifall.) Der Bergbau hat sich bis jetzt gegen die Einwirkung der oberen Behörden, vor allem des Reichs- versicherungsamts, mit Erfolg gewehrt. Man will sich nicht von den Reichsbehörden in den Betrieb hineinreden lassen. Gerade das Unglück in Klein- Rosseln beweist, wie notwendig es ist, daß dem Reiche ein größerer Einfluß auf den B e r g b a u, speziell auf dem Gebiete der Unfall- Verhütungsvorschriften und ihrer Kontrolle eingeräumt wird. (Beifall im Zentrum.) Die Erklärung, die der Minister im preußischen Abge» ordnetenhaus zu dem Unglück in Reden abgegeben hat, bedeutet eine völlige
Baukerofterklärung des Bcrgarbciterschutzes;
denn , der Minister mußte zugeben, daß bei der Revision des Förderseils nicht „mit der nötigen Sorgfalt" vorgegangen sei. Sonst sind bei solchen Grubenunglücken die Beteiligten, die Auskunft geben können, meist tot; hier konnte einmal eine Feststellung getroffen werden. Aber diese Feststellung zwingt geradezu'zu der Frage: wenn sogar siberTage solche Bummeleien amtlich festgestellt werden, wie mag es dann erst unten in der Grube aussehen, wo die
tete Alexa mit einer Freundlichkeit, welche das Herz der Dienerin vollständig gewann.
Sie überließ sich Felice, welche aus einem Toilettekästchen Bürste und Kamm nahm, die reichen Flechten löste und dann mit Wohlgefallen die über Schulter und Nacken herabwallenden Locken kämmte. Sie pries das schöne Haar, äußerte viele schmeichelhafte Bemerkungen für Alexa, und sprach dann plötzlich von ihrer Herrin, welche sie in Betreff der Schönheit über alle anderen Frauen Englands stellte.
Alexa hielt ihre eigene Ansicht über Lady Wolga nicht zurück, sondern ftiramte in das Lob derselben ein, wodurch sie sich Felice's Herz noch mehr eroberte.
„Sie sind Mylady in vielen Stücken ähnlich' Mademoiselle," sagte Felice, welche ganz besonders zum Plaudern aufgelegt schien. „Ich sagte Mylady heute abend, daß Sie den Kopf genau so tragen und einen eben solchen Gang haben, wie sie. Und Sie erinnern mich auch noch an sonst Jemanden —"
Sie brach rasch ab. Alexa's Herz schlug ra« scher; sie wußte, wer dieser „Jemand" war.
„Mylady hat die Aehnlichkeit mit diesem Je- manb auch bemerkt," fuhr Felice nach kurzem Sägern fort, und zwar ehe ich mit ihr davon gesprochen hatte. Es ist ein wunderbarer Zufall, sehr wunderbar, aber die Welt ist voller Aehnlichkeiten. Manchmal sehen Menschen von verschiedenem Blut und Rang einander ähnlich wie Zwillinge. Es würde ja auch sonderbar sein, wenn unter all' den Millionen Menschen nicht einmal zwei sich ähnlich sehen sollten."
„Gewiß", ftimmte Alexa bei. „Aber an wen erinnere ich Sie denn, Felice?"
„An einen, dessen Schicksal schrecklich war, der aber nun tot ist", antwortete die Dienerin, und ihr Gesicht trübte sich. „Sein Name wird weder von Lady Wolga ausgesprochen, noch von denen, die sie umgeben."
(Fortsetzung Met?