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Fuldaer W Zeitung

wochenbeNag«: „Illustrierte Zonntagzzeitung" Monatsbeilage: „Zuldaer Geschichtsblatter"

rlnzeigen: Vie ein» fpalttge peützelle oder deren Baum fS pfg. Reliameu »ie Petitzeile 25 Pfg.; bei Wieder­holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

Botattonrdruck u. Verlag der Suldaer Ae» ttendrickerei in Snlda. Fernsprecher Ur 9.

M 106.

Fulda, Frettag den 10. Mat 1907

34. Jahraauq.

Zweites Wtcrtt.

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[w | ver Block und seine Gönner am Schluffe der Reichstagzsesfion.

. Hochgemut und fiegesfroh trat der Block in jb«t neuen Reichstag ein. Sein erster Akt war die Bergewaltigmrg des Zentrums,

daS auS dem Präsidium ausgeschlossen wurde. Diese Ungerechtigkeit rächte sich wiederholt; in GeschäftSordnungsfragen blieb der Block nicht einig; er spaltete sich und ließ seine Präsidenten im Stich. Im Lause der Verhandlungen freilich zeigte sich eine Wandlung; hatte man zuerst das Zentrum ganz umgangen, so geschah dies nach Ostern nicht mehr. Von da ab wurde kein Schlußantrag mehr ohne oder gegen das Zen­trum gestellt; wo daS Zentrum nicht unterschrieb, da hiett sich der Block zurück; er hatte gelernt, wie gefährlich es ist, eine Fraktion mit 110 Ab­geordneten einfach als Lust zu behandeln. Nament­lich von konservativer Seite her legte man allen Nachdruck auf ein Zusammenarbeiten mit dem Zentrum; übermütig und herausfordernd benahmen sich nur der Freisinn, der jedoch am SamStag hierfür bös gestraft worden ist. Einer der übermütigsten Zentrumshasser ist dort der schwäbische Abg. Storz, der seine paar »Demokraten" ganz »national" gemacht hat, so daß diese alle- schlucken.

Die Niederlage KämpfS war ein harter Schlag, - zumal der Freisinn baffen Wiederwahl nur er­reichte, nachdem er sich den Konservativen gegen­über dahin verpflichtet hatte, die Wahl des Abg. Freiherrn v. Richthofen für gültig zu erklären. Nun ist Kämpf wieder Vizepräsident- aber er hat eine Schlappe erlitten, die nicht zur Erhöhung der Ansehens des Blocks beiträgt.

Der Freisinn zeigt sich aber trotzdem täglich ungeduldiger.

Der frühere ReichstagSabq. Herr v. Gerl ach hat jüngst in Köln eine Rede gehalten, in der er ausführte, der Liberalismus müsse der Re­gierung em Ultimatum stellen, und, wenn dann kein wirklich liberales Gesetz verlangt werde, zur Opposition übergehen, selbst wenn Fürst Bülow stürzen sollte. WaS Herr von Gerlach ausführte, hat eine zeitlang auch seine Freunde im Reichstage beschäftigt; ein Dell des Freisinns war bei der Beratung des Etats des Reichskanzlers entschlossen, diesen zur Rede zu stellen und eine bündige Zusage zu erzielen. Aber in einer Mrmischen FrütionSfitzung wurde dann die Parole auSgegeben: »Kinder, seid brav!" Der Freisinn will sich noch gedulden bis zum Herbste; dann aber fordert er Einführung der vielen Wechsel, die man ihm ausstellte. Ob sie eingelöst werden? Und von wem?

Diese Frage ist berechtigt angesichts der vielen Meldungen über den

Rücktritt des Reichskanzlers.

Diese Gerüchte find zunächst entstanden, weil Fürst Bülow am Tage der großen Debatte über die auswärtige Politik allgemein den Eindruck eines müden ManneS machte, und sie sind noch stärker und entschiedener aufgetreten, seit Herr v. Tfchirschky und Bögendorff die vom Fügten v. Bülow angekündigte Rede nicht gehatten hat.

Sofort muh jener Debatte fiel in den Reichs- tagswandelgäugen das Wort, daß Fürst Bülow »einen Knax" zu haben scheine, und die Tatsache, daß Herr v. Tfchirschky am nächsten Tage keine Miene machte, dem Winke deS Reichskanzlers zu folgen und die undankbare Rolle des Diplomatenverteidigers zu spielen, galt für ein bedenkliches Zeichen. Fürst Bülow soll auch vergebens gegen die Verleihung des Schwarzen Adlerordens an ben Fürsten v. Moma Wider­spruch erhoben haben; ja er soll sogar bett Mut besessen haben, seine Entlassung anzubieten, falls bet Orden verliehen werde. Aber ernster als alle diese Meldungen ist ein Berliner Brie des,Fränk. Kouriett, in dem eS heißt:

„Wenn Fürst Bülow sich genötigt sehen sollte, über kurz oder fang seinen Abschied zu erbitten, so werden ihn dazu ganz gewiß nur Rücksichten auf seine Gesundheit bestimmen, nicht aber gelegentliche Meinungsverschie­denheiten mit dem Kaiser. In dieser Be­ziehung spricht man jetzt in Kreisen, die dem Reichskanzler durchaus freundlich gesinnt sind, viel von dem Eindruck, den sein Auftreten bei der jüngsten großen Erörterung im Reichstag über die auswärtige Politik gemacht hat; so vorzüglich Bülow gesprochen hat, sein Aussehen hat niemand gefallen, am allerwenigsten den­jenigen, die Gelegenhett hatten, ihn aus der Nähe zu beobachten."

Bon anderer Seite wird freilich behauptet, daß es sich nur um eine vorübergehende und zufällige Mattigkett gehandelt habe. Aus allen diesen Meldungen geht hervor, daß der Block sehr besorgt ist, daß sein Gönner in Pension gehen würde und natürlich noch mancher andere mit ihm. Tatsächlich hat die H e r r l i ch k e i t des Block in jenem Moment aufgehört, wo Bülow nicht mehr Reichskanzler ist. Diese Sorge lastet schwer auf den sonst übermütigen Freisinns­männern. Wir sehen der Entwicklung in aller Ruhe zu und können dies auch tun.

Deutscher Reich.

Berlin, 9. Mai 1907.

r. Fürst Bülow scheint während des ganzen Sommers fern der Reichshauptstadt weilen zu wollen. Erne Korrespondenz berichtet, daß der Reichskanzler in den letzten Tagen über­arbeitet gewesen wäre, aber keineswegs krank sei. Gleichwohl werde er nach Schluß der Reichstagsverhandlungen eine längere Erho­lungsreise antreten. (Siehe auch den Seit» atiifd.)

». Allerlei Zeichen der Zeit haben wir tot Ver­lauf der letzten Wochen unfern Lesern mitgeteilt. ES passiert so mancherlei, was auf „Sturm" hin- deutet und es wäre sehr verkehrt, wollte man dem­gegenüber wie der Vogel Strauß den Kopf in den Sand stecken, um sich dadurch über die vor­handenen Gefahren für den Augenblick hinweg zu täuschen. Als die Leute schliefen, kam der Feind und säte Unkraut, heißt's in der hl. Schrift. Auch der politische Schlaf kann verhängnisvoll werden. Bei den letzten Wahlen und infolge ihren vielfachen Begleiterscheinungen — wir erinnern nur an die merkwürdigen Maßregelungen katho­lischer Geistlicher — find die Katholiken ja freilich gehörig aufgerüttelt worden, aber es gehen schon wieder Leute mit allerlei Schlafpülverchen umher. Da heißt's auf der Hut fein, daß diesen gefähr­lichen Hausierern, die sich als gute Freunde aus­geben, das Handwerk gründlich gelegt wird. Fort- währende Aufklärung des.Volkes ist mehr als je

jetzt nötig. Die auch in katholischen Kreisen leicht sich einschleichende Bettrauensseligkeit ist vor allem von Hebel. In der Politik muß man über­haupt kein Vettrauen schenken, sondern man mutz rechnen 6mal 6 gibt immer 36 und wenn man hofft, es könne jemand, der ganz besonders schlau ist, 37 herausrechnen, so irrt man sich. Wir möchten den Katholiken folgende Wahrheiten zu bedenken geben, die durch Erfahrung erhärtet find. Wir haben die erste Erfahrung nach dem Kriege gegen Frankreich gemacht. Da hatten wir eine Regierung, die durch ungeheure Erfolge auf den Schlachtfeldern und in der Politik sich eine bisher unerreichte Popularität (Volkstümlichkeit) erworben hatte, und gegen wen wurde alsbald die Trommel gerührt? Gegen die preußischen Katho- liken. Ein anderes Bild. Wer im Herbst 1906 die deutsche Presse las, mußte den Eindruck be­kommen, eine so unpopuläre, unbeliebte Regie- rung, wie die des Fürsten Bülow, habe es noch nie in Deutschland gegeben. Die Zentrumsblätter machten eine Ausnahme; sie waren es fast allein, in denen die Regierung nicht heruntergerissen wurde. Besonders die Auslandspolitik der Regie­rung mußte in Blättern der verschiedensten Rich­tungen Verhalten, aber die innere Politik wurde auch nicht freundlich beurteilt, „keinen Groschen" wollte man „diesem System" mehr bewilligen. Da hieb der Kanzler auf das Zentrum ein und sofort änderte sich das Bild: der eben noch Geschmähte wurde umjubelt wie noch nie, und unsere vorher angeblich so traurigen Verhältnisse strahlten auf einmal im rosigsten Lichte. Dieses Rezept wird in der preußischen Politik wohl noch häufiger an- gewendet werden: ein Staatsmann, der die letzte Patrone verschossen hat, bindet mit den Katholiken an, und dann wird ihm alles verziehen und ihm sogar ein Lorbeerkranz auf's Haupt gesetzt. Wer aus diesen beiden Ereignissen nichts, gelernt hat, der ist überhaupt unfähig in der Politik etwas zu lernen. Wir sagen, der erste und leitende politische Grundsatz der Katholiken muß ssein: Gesundes Mißtrauen! Rach den gemachten Erfahrungen müssen wir in Preußen-Deutschland sowohl vor den populären als vor den unpopulären Regie­rungen auf der Hut sein und uns vor allem auf die eigene Kraft verlassen. Das ist sicher für uns Katholiken eine sehr heilsame Wirkung des neueste« Kurses und deshalb können wir auch im Reichskanzler „einen Teil von jener Kraft sehen, die stets das Böse will und stets das Gute schafft."

* Sozialdemokratie und Armee ist seit der Beratung des Mklilärttats ein ständiges Kapitel in der sozialdemokratischen Presse; habet zeigen sich viele Unebenheiten; die große Mehr­zahl will auch hier revisionistisch werden. Der /Vorwärts hat Mühe, sie bei der Stange zu halten. In seiner neuesten Stummer (Nr. 106 vom 8. Mai 1907) schreibt er: »Das klassen­bewußte Proletariat führt in allen Ländern die schönste Opposition gegen ben Militaris­mus und gegen den Krieg. Sollte es dennoch zu einem Krieg zwischen zivilisierten Staaten kommen, so wirb es in allen Fällen gegen seinen Willen geschehen. Träte bet Krieg ein, so wirb bas Proletariat, seinem Klasjenintereffe folgend, auch in diesem Fall der Taktik treu bleiben, die es der kapitalistischen Staatspolitik gegenüber be­folgt: Es wirb auch den Krieg ausnützen, um seine Stellung zu stärken und seinem« Ziel, der Eroberung der politischen Macht, näher zu kommen. Da jeder Krieg eine Schwächung der Staatsmacht im Innern mit fich bringt; da jeder Krieg die wirt- schaftlichen Verhältnisse zerrüttet und dadurch die sozialen Gegensätze verschärft; ba jeder Krieg die Massen vor den Tod stellt und deshalb auch ihren politischen Wagemut steigert, ba überdies

lein Staat, wenn er in ben Krieg zieht, mit Siegen rechnen kann, so wissen die Regierungen wie die herrschenden Klassen sehr gut, daß sie im Falle eines Krieges gegenüber bem grund­sätzlichen Kampf des Proletattats einen sehr schweren Stand haben würden." Dieses offene Einverständnis ist sehr bemerkenswert; die Sozialdemokratie will bei einem Krieg im Trüben fischen und das Vaterland schwächen. Wir haben es nie anders erwartet.

* Dernburgs Afrikareise ist abermals verschoben worben. Wie ein Berliner Blatt berichtet, wird Dernburg seine Reise nach den Schutzgebieten erst nach bet Neuorganisation seines Amtes antreten. Sie soll also erst im Juni stattfinden.

* Ein Ausschuß für liberale Beamten- und Angestelltenpolitik ist in Berlin begründet wor­den. Die Anregung dazu ging von der frei­sinnigen Vereinigung aus. Der Ausschuß soll namentlich alle nachweisbaren Fälle von Ver­kürzung ber staatsbürgerlichen Rechte der Be­amten zusammen stellen. Für bie übrige liberale Beamtenpolitik liegt ihm die Aufstellung von Leitsätzen ob. Nun wirb es an einer nachdrück­lichen Fürsorge für die Beamtenschaft nicht mehr fehlen können.

* Frau v. Germar, das ehemalige Frl. Ecke, soll einem Berliner Blatte zufolge den öffentt iichen Ankläger im Disziplinarverfahren des Gouverneurs v. Puitkamer, Kammergerichtsrat Kleine, wegen verleumderischer Belei­digung verklagt haben. Wenn diese Meldung den Tatsachen entspricht, stände also noch eine weitere Verhandlung in Aussicht, welche geeignet sein könnte, bie Affäre v. Puttkamer noch besser klar zu stellen.

* Weitere Lehrerversetzungen nach dem Osten. Wre verlautet, sollen zum 1. Juli weitere 80 Lehrer aus dem Westen nach der Ostmark versetzt werden. Am 1. Mai sind nach bem ,Duisbvrg. Generalanz/ im ganzen 90 Lehrer des Düsseldorfer Bezirks nach dem Osten versetzt worden. Allein aus Oberhausen und nächster Umgebung sind in den letzten Tagen 35 Lehrer nach bem Osten abgereift.

vermischtes.

* Ein probates Mittel. Auf der alten Exer- zierweide in Altona bissen sich zwei große Hunde. Schließlich biß sich der stärkere Hund so fest in den Nacken des schwächeren, daß alle Bemühungen des Eigentümers, die Hunde zu trennen, vergeb­lich waren. Da kam ein Arbeiter hinzu und er­klärte, er könne das bissige Tier schnell bändigen. Er zog seine Schnupftabakdose hervor und stopfte dem großen Köter die Nasenlöcher voll Tabak. Das toirfte erstaunlich. Der Hund ließ erschrocken los, begann entsetzlich zu niesen und rannte schleu­nigst davon.

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Gebrüder Schultheis

Fulda f riedlichste. 22.

ALexa

oder

Auf geheimnisvollen Wege«.

Roman von Eduard Wagner,

(Nachdruck verboten.)

„Ich kam allein", anttoortete Alexa, deren Stimme jetzt fester geworden war. „Wenigstens bis Paris kam ich allein. Don dott reifte ich in Begleitung einer Frau bis zu dem Dorfe Mont Heron."

Der Graf sah traurig und besorgt aus.

„Ich begreife Deine Anwesenheit hier nicht, Alexa", erflärte er, „ich verstehe nicht, wie Dein Vater Dich von fich lassen konnte. Ich war nie in meinem Leben so überrascht, wie heute abend, als ich Dich im Salon der Lady Wolga sah und kann jetzt kaum glauben, daß Du eS »sittlich bist. Erkläre mir das Rätsel, Alexa."

„Die Ettlärung ist einfach", anttoortete Alexa. Sie erzählte ihm die Begegnung mit dem Ban- biten Spiridion und daß derselbe das HauS ihres Vaters in Flammen gefetzt hatte. „Unsere Hett mat tuar zerstört, die wir früh genug verlassen hatten, um nicht in die Hände der Räuber zu fal­len. Später erfuhren wir, daß Spittdion mtt seiner ganzen Bande gefangen genommen war. Aber der Bandit hat Freunde und Verbündete ge­nug, daß die Rückkehr nach unserer jerftorten Hei­mat immerhin für mich unsicher gewesen wäre, weshalb ich meinen Vater bat, mich nach England gehen zu lassen."

„Du bist hier jedenfalls sicherer; aber weshalb ®am Dein Vater nicht mit Dir?"

„Er mußte in Griechenland bleiben. Erst »ad; langem Bitten ließ er mich reisen Ich ahnte Dicht, daß ich Dich hier autreffen würde", flüsterte

sie, und ihre Wangen wurden glühend heiß. „Ich reiste zu meiner alten Gouvernante nach Paris) welche mich dem Schutz einer würdigen Frau über- gab. Mit dieser kam ich nach England und nach Mont Heron, wo ich hörte, daß die Gesellschafterin der Lady Wolga krank geworden sei. Ich bewarb mich um die Stelle und wurde engagiert.“

Sie erhob jetzt ihre Augen, die während ihrer Erzählung am Boden gehaftet hatten, und Lord Kingscourt sah durch dieselben in die Tiefe ihrer bekümmerte Sette. Er erfaßte ihre Hand und hiett sie lange in der {einigen.

Ich verstehe noch immer nicht, Alexa, weshalb Dem Vater Dich von sich tosten konnte", sagte er.

„Er vertraute mich der Sorge-der Vorsehung an, welche über alle Menschen wacht", erwiderte Alexa. „ES wurde ihm schwer, mich reisen zu lassen, aber er konnte meinen Bitten nicht wider- stehen."

„Er sagte mir, er könnte fich nie von Dir tren­nen. Run hat er es doch getan. Du bist eine Fremde m einem fremden Lande, der Gefahr aus­gesetzt, jeden Augenblick ohne Untettommen zu sem. Ich zittere, wenn ich an die Gefahr denke deren Du auf der Reise ausgesetzt toarft Deines DaterS Einwendungen gegen unsere Heirat sind nicht mehr stichhalttg. Ich werde morgen an ihn schreiben und ihn um feine Einwilligung zu unse­rer Dettindung bitten. Ich werde Lady Wolga ms Vertrauen ziehen —"

Alexa erfaßte rasch seinen Arm.

„Du darfst keines von beiden tun, Alfred!" rief sie ängstlich. „Du darfst nicht an meinen Vater schreiben, ebensowenig barfft Du Lady Wolga sagen, daß wir uns je zuvor gesehen haben."

„Alexa, hast Du aufgehört, mich zu lieben?" fragte der Graf bewegt.

„Rein, nein! Aber es liegt eine Kluft zwischen uns, Alfred, und ehe diese Kluft nicht ausgesüüt ist, werde ich —*

Sie hielt erschrocken inne und chre Augen

richteten sich aufs neue flehend auf daS Antlitz des Geliebten.

„Ich kann, ich darf Dir mein unseliges Ge- heiimiis nicht enthüllen. Aber vertraue mir und schweige", bat sie, zitternd vor Erregung.

Lord Kingscourt sah sehr ernst in das schöne, vor Aufregung gerötete Antlitz des jungen Mäd» cheus.

„Ich kann es Dir nicht sagen, WaS es ist", fuhr Alexa fort „$tfreb, es würde beff-r sül Dich fehl, nut au entsagen."

„Tu solltest mich besser kennen und nicht so zu mir sprechen. Ich liebe Dich, Alexa, und teerte Dich heiraten, oder feine!"

Des Mädchens Gesicht strahlte vor Glück und Freude.

„Dann mußt Du Dich gedulden, Alfred", sagte ’ie. „Wenn der Himmel mrine Gebete erhört, mag noch alles gut werden. Aber Du mußt zu niemanden über meinen Vater sprechen ober unte­rer früheren Bekanntschaft erwähnen."

„Ich habe nicht gern ettoaS mit Geheimnissen zu tun, Alexa. Deine Anwesenheit hier erfdjeint mir noch immer em Wunder. Erkläre mir das Geheimnis."

„Das kann ich nicht. Vertraue mir, Alfred, vertraue mir unbedingt, ober gebe mich auf. Ich bekenne es Dir, es besteht ein Geheimnis; aber niemand barf es wissen. Alfred, glaube mir ober laß uns für immer scheiden."

Lord Kingscourt schaute ihr einen Moment in die offenen, treuherzigen Augen und in das engelreine Antlitz, in welchem sich ihr Kummer und ihre Sorgen ausprägten. Er durfte nicht an ihr zweifeln.

„Ich vertraue Dir, Alexa", sagte er ernst. „Ich vertraue Dir unbedingt. Ich glaube, daß Du einen tieferen Grund hast, nach England ge­kommen zu sein, um irgend eine Mission auszu- ühren. Aber Du wirst Hilfe nötig haben, um das Hemmnis zu beteiligen, welches unsrer Hei­

rat im Wege steht. Versprich mir, mich zu rufen, wenn Du Hilfe gebrauchst."

„Ich verspreche es Dir. O, Alfred, nun ich weiß, daß Du mir vertraust, fühle ich mich nicht mehr so einsam und verlassen. Wäre doch mein armer Vater hier — wäre doch —"

Ihre Stimme erstickte im heftigen Schluchzen.

Es näherten fich unter lautem Gespräch einige Paare, und Lord Kingscourt zog Alexa von der Felsptotte unter den Schatten einer Baumgruppe zurück, wo er ihren Kummer mit Liebkosungen verscheuchte. Sie hatten jedoch keine Zeit zu wei- terem Meinungsaustausch, denn sie hörten plötz­lich in ihrer Mhe schleichende Tritte, welche sie zum Wtttergehen nötigten. Als sie aus dem Dunkel falten, begegneten sie Lady Mattham, welche sie mit forschenden Augen betrachtete.

„Mein Verdacht wächst I" dachte Lady Mart- Ham, als sie über die Schultern dem Pärchen nach­sehend, langsam weiterging. „Sie ist nicht, was sie zu fein vorgibt, diese Miß Strange. Ich will ihr Gehttmnis ausfindig machen und nicht ruhen, bis ich sie aus dem Hause ber Lady Wolga ver­trieben habe» Wo mag mir Lord Kingscourt sie früher gesehen haben? Wer ist sie? Ich werde mich ganz der Aufgabe widmen, dieser Miß Sttange, welche so unschuldig scheint und welche ohne Zweifel irgenb etwas gegen Lady Wolga im Schilde führt, bie Maske zu entreißen. Sie soll den Tag bereuen, an welchem sie in ben Dienst der Lady Wolga ttat.

20. Kapitel.

Der erste feindliche Angriff.

Alexa und Lord Kingscourt kehrten in den Salon zurück und bemerften, daß ihre Abwesen-- beit von niemanden beachtet worden war als von Lady Markham, was Alexa einigermaßen be­ruhigte, denn sie hatte gefürchtet, es möchte nach ihr gefragt worden sein. Als sie auf ihren Platz zurückgekehrt war, bat sie den jungen Grafen, er möge sie verlassen, da sein ferneres Verweilen bei fbr A"sm"tttomkeit erretten könnte. (F. f.)