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Fulda, Donnerstag den 2. Mai 1907.

34. Jahrgang.

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। vu lujuuupc vivjt iwuer uno Alexa

machte keinen Versuch, sie auf andere Gedanken I au bringen.

(Fortsetzung folgt.!

1

Mrs. Goss berichtigte sogleich ihre Schlüffe in Bezug auf Alexa. Deren unvergleichliche Schön- heit, stolze Haltung und Würde hatten sie zu der Ueberzeugung gezwungen, daß das Mädchen aus vomehmer Familie war. Jetzt änderte sich ihre Ansicht dahin, daß Alexa die Tochter eines herun­ter gefoni menen Adeligen sein müsse, der nach Frankreich geflohen war, um seinen Gläubigern zu entgehen, und daß, nachdem sie in Luxus er» Zogen, sie gezwungen war, sich selbst ihren Unter« Mit zu verdienen. Sie war in Geschäften nach England gekommen: das mochte bedeuten, sie wollte sich eine Stelle als Gouvernante oder Ge- ellschafterin suchen. Vielleicht war ihre Gesund- Helt etwas angegriffen, welche zu kräftigen sie hierhergekommen war, ehe sie eine Stelle als Gou­vernante oder Gesellschafterin antrat. Wahr- chcinlich hatte chr jemand Mont Heron als ruhi- gen und nicht zu teuren Ort angeraten. Mrs. Goff durchdachte diese Idee weiter und Alexa

„Di e Dienerin, welche Sie hierherbrachte, wohnt doch in England?" fragte sie.

„Ja: sie war so freundlich, mich während der Reise von Paris hierher in ihre Obhut zu neh­men", sagte Alexa. „Ich bin nicht daran gewöhnt, ein Mädchen zu halten, ober ich bin hier allein und Ihr freundliches Geplauder wird mir gewiß gut tun."

„Haben Sie eine Stelle angenommen, Miß?" fragte Mrs. Goff.

„Das habe ich nicht."

„Es ist besser, Sie warten damit, bis Sie kräftiger find," sagte die Dienerin, deren Theorie jetzt schon zur feststehenden Tatsache geworden war. „Ein paar Rosen auf diesen zarten weißen Wan­gen wird Sie gesünder erscheinen lassen, und Sie wissen, die Damen engagieren nicht gerne kranke Gouvernanten.

Alexa stimmte lächelnd bei. Mrs. Goff hatte ihre Arbeit eben beendet, als das Essen für Alexa gebracht wurde. Sobald der Tisch wieder abge- röumt war, ging Mrs. Goff hinunter zum Essen und um sich mit der Wirtin zu unterhalten.

Sie teilte dieser ihre vermeintlichen Entdeckun­gen mit und sprach ihre Ueberzeugung aus, daß hre junge Herrin von guter Familre fei und eine lassende Stelle suche.

Alexa benutzte Mrs. Goff's etwas lange Ab­wesenheit zum Nachdenken über ihre eigen? Ange­legenheit. Wie sollte sie ihr Werk beginnen? Wenn sie nur irgendwie Zutritt im Schloß Mont Heron erhalten könnte, würde sie einen Anhalt inben, auf Grund dessen sie weitere Pläne machen und weiter nachforschen konnte. Aber der Mar­quis war nicht verheiratet, sie konnte also nicht als Gouvernante ober Gesellschafterin ins Schloß i'ommcn und als gewöhnliches Dienstmädchen konnte sie nicht gehen. Es würde gleich verraten werden, daß sie irgend welche Absicht hatte und zur Ausführung dieser Absicht eine so niedrige Stellung annehme. Da plötzlich kam ihr eine Idee, welche sie vor Aufregung zittern liefe.

Wie es hieß, würde sich Marquis Montheron demnächst mit Lady Wolga Clyffe, ihrer Mutter, ihres Vaters geschiedener Gattin, verloben. Lady

mit Ruhe und ohne Anzeichen von Albdruck. Für Italien weist er die Behauptung von besten unsicherer Teilnahme am Dreibund zurück. Auch England gegenüber bleibt er ruhig; es sind keine Bestrebungen vorhanden, welche das freunb- schastliche Verhältnis stören könnten. Anderer­seits fteöt er aber die

Schwierigkeiten und Gefahren, von denen wir umgeben find, nicht in Abrede. Das beste Mittel dagegen erblickt er indessen in ruhigem Selbstbewußtsein und in dem Vertrauen auf die eigene Kraft. Alles in allem ist er also frei von Ueberhebung, aber auch von Furch" gegenüber dem Auslande.

Wir haben von seinen Worten neues nicht mehr erfahren. Dagegen ist er in der Lage, da­rüber triumphieren zu können, daß die Einmüttg- feit der Auffassung des gesamten Hauses über seine Ansichten ihm zur Seite steht; nur die So­zialdemokraten sind im anderen Lager. Nicht mit Unrecht mag Fürst Bülow hierin einen Erfolg feiner Politik erblicken.

Wolga weilte jetzt zu Clysfebourne und der Mar­quis besuchte sie täglich. Der Aufenthalt z« Clysfebourne würde für sie also vorläufig das beste fein. Obwohl sie nicht mehr daran dachte, daß der Marquis mit dem Morde ihres OnkelS in irgend einer Verbindung stand, fühlte sie doch, daß, wollte sie ihre Aufgabe beginnen und mit Erfolg zu Ende führen, sie ihn durchaus kennen lernen mufete, wie auch fein Leben und seinen Charakter.

„Ich will jeden der Zeugen gegen meinen Vater erforschen, einen nach dem andern", dachte sie, „und mit dem Marquis von Montheron be­ginnen. Wenn sie mir alle unschuldig scheinen, werde ich nach einer andern Lösung des Geheim­nisses ausschauen. Ich muß den Mörder finden, und ich glaube, die Vorsehung wird mich führen."

Sie überlegte, wie sie sich Zutritt zu Clyffe- bourne verschaffen könne. Sollte sie in die Dienste der Wolga, — ihrer Mutter treten können, ohne sich zu verraten? Würde sie stark genug fein, ihres Vaters Mißgeschick und ihre Pflicht stets vor Augen zu behalten? Beide Fragen beant­wortete sie bejahend. Kein egoistischer Gedanke, nicht ihre Liebe zu dem jungen Grafen, nichts, was es auch fein mochte, sollte sie von ihrer hei­ligen Sache abbringen.

„Der geradeste Weg ist vielleicht der beste", sprach sie zu sich selbst. „Wenn ich zu meiner — zu Lady Wolga ginge,— selbst in meinen Ge­danken will ich sie welche meinen Vater in feinem Elend kalt verliefe und nach seiner Verurteilung zum Tode eine Scheidung von ihm erwirkte, — will ich sie nicht Mutter nennen, —nie, nie! Was auch die Zukunft mir bringen mag, sie kann nie einen Platz in meinem Herzen finden! Aber wen» ich zu ihr ginge und nach Beschäftigung fragte, möchte sie mir eine Stelle in ihrem Haufe geben, und ich würde Gelegenheit finden, den Marquis gründlich kennen zu lernen. Wenn mich mein Mut nicht verläßt, will ich morgen zu ihr gehen. Ich kann es tun, ich will es, es gilt meines teuren Vaters und meine eigene Ehre. Ich will ftarf fein und bleiben!"

liegen. Es ist also wohl nicht möglich, daß bei Gegenüberstellung und Berücksichtigung dieser zwei Umstände schließlich noch Unzuträglichkeiten für uns entstehen könnten. Daraus ergibt sich, dafe der Zentrumsantrag durchaus berechtigt ist, umsomehr als Fürst Bülow selbst sachlich nichts dagegen einzuwenden vermag.

Was nun die Erörterung der internationalen Lage selbst betrifft, so wurde sie von Frhr. von H e r 11 i n g vorzüglich und nach allen Seiten wirkungsvoll eingeleitet; es war eine

formvollendete, hochpolitische Rede, deren sachliche Ruhe die Anerkennung aller Par­teien sich sicherte. „Eine grofezügige, bedeutsame und staatsmännische Rede", nannte sie nachher Fürst Hatzfeld von der Reichspartei. Mit Freuden begrüfeen wir es, daß er von vornherein das alte Märchen zurückwies, dafe das Zentrum beim Etat des Auswärtigen Amtes scharfe Kritik üben und Verärgerungspolifik treiben würde. Seine wohldurchdachten Ausführungen zwingen auch die polttische Gegnerschaft, das Geg enteil dieser alten Behauptungen als das Richtige anzn- erkennen. Frhr. v. Hertling erfreute sich einer Aufmerksamkeit, wie sie keinem der nach ihm fol­genden Redner aus dem Haufe zuteil wurde. Nicht minder allgemein war der a n er f e n n ende Beifall, der feinen Worten folgte. Er hat unsere internationalen Beizehungen treffend ge­schildert, sodaß nach ihm der Sprecher der Konser­vativen und selbst Herr Bassermann direkt lang- wellig erschienen. Hertling erblickt in der Hal­tung Englands durchaus keine Gefahr, auch in dessen Annäherung an Spanien, Italien und Frankreich nicht. Einer gegen Deutschland gerichteten Koalition spricht er die innere Ein­heitlichkeit ab; et hielt auch nicht zurück mit seiner Ansicht über die von England betonte sogenannte Abrüstungsidee.

Diese Frage stellte der Reichskanzler in feiner Rede in den Vordergrund. Fürst Bülow sprach noch nicht in direkter Folge auf den Zen­trumsredner, er stellte vielmehr die Geduld des Hauses noch auf eine harte Probe, indem er die bürgerlichen Parteien zuerst Revue passieren liefe. B a s s e rm an n hat es verstanden, mit seiner Weitschweifigkeit die Aufmerksamkeit gänzlich ab­zuleiten. Zu sehr erinnerte seine Rede an fein Auftreten am 14. November. Damals schickte er ebenfalls schweres Geschütz seiner Rede voraus; als er aber an der Stelle zu sprechen begann, wo der Tanz stattfinden sollte, war das Pulver verknallt. Heute war es nicht anders. In Mag­deburg zog er vom Leder, im Reichstag schien et nichts mehr davon zu wissen, sodaß selbst Fürst Bülow sich über ihn lustig machte: „Ich halte nicht alles für gut, was bei diesem Anlaß Herr Bassermann über unsere Lage und über unsere auswärtigen Beziehungen gefügt hat, aber seine Ansicht über das viele Reden teile ich." Damit konnte sich Bassermann zufrieden geben, Bülow hat aber geschickt hinübergespielt, daß er nut kurz sprechen würde. Eine knappe halbe Stunde widmete er der gesamten Materie, infolgedessen waren seine Ausführungen möglichst allgemein gehalten. Mit Genugtuung und Dankbarkeit stellte er fest, daß sie sich mit der Ansicht der Ver­treter der bürgerlichen Parteien deckten. Bülow war vorsichtig, keine Namen zu nennen. Bis vor kurzem hat er ja noch einen Gegensatz zwischen Zentrum und bürgerlichen Parteien her- zustelleu gesucht. Diesesmal kann er es aber von der Einmütigkeit der Auffassung nicht ausschlie- ßen. In der Hauptsache beschäsfigte sich feine Rede mit derAbrüstungsfrage; auch hierin weicht er nicht von der Auffassung Hertlinas ab. Tie M a r o k k ofra g e betrachtet Fürst Bülow

und äußerte, daß ihre Sachen nachkommen mür­ben.

-Aus welchem Teile Englands kommen Sie, Miß?" fragte Mr. Goff, der es jetzt erst einfiel, dafe sie nichts übet ihre junge Herrin mufete.

„Ich kam hierher von Paris," antwortete Alexa. „Meine Heimat ist nicht in England."

„Nicht in England? O, Sie sprechen so gut Englisch und sehen aus wie eine Engländerin."

-Ich bin Engländerin von Geburt."

„Und. Ihre Eltern wohnen in Paris?" forschte Mrs. Goff weiter.

„Ich habe keine Mutter," erwiderte Alexa, und em leises schmerzliches Zucken ihrer Lippen ver­anlagte bte Dienerin zu der Annahme, dafe der Verlust ihr noch wehe tat. „Ich bin allein und kam m Geschäften nach England."

„In Geschäften?" Ein junges Mädchen wie Sie!" rief Mrs. Goff ungläubig und erstaunt.

„Ich bin zwanzig Jahre alt," sagte Alexa ruhig, „alt genug, um Vieles tun zu können."

(!) Die auswärtige Lage vor dem deutschen Reichstage.

Nicht allzu oft beschäftigt sich der deutsche Reichs- tag mit der internationalen Lage und unseren Beziehungen zu den auswärtigen Mächten. Höch­stens geschieht dies einmal bei der Etatsberatung, ein zweitesmal vielleicht, wenn von dieser oder jener Seite eine Interpellation eingebracht wird, um Auskunft zu erhalten über die Punkte, welche von unserer internationalen Politik die Allge­meinheit berühren. So steht auch jetzt wieder das deutsche Volk unter dem

Banne eines Gefahrenkreises, der es nach unkontrollierbaren Gerüchten und Zeitungsschreibereien bedrohen würde, Grund ge­nug, um wieder einmal eine Stunde der Aus­sprache über unsere Lage zu widmen.

Die Gelegenheit dazu war bereits am Diens­tag gegeben. Wider Erwarten kam der Etat des Auswärtig en Am t e s jetzt schon im Reichs­tag zur Erörterung. Hieß es doch anfänglich in der Wandelhalle, dafe er erst zum Schluß, kurz vor Pfingsten an die Reihe kommen sollte. Mit Recht betonte der Zentrumsabgeordnete Frhr. v. Hertling, daß es sehr nützlich märe, menn der Reichstag sich öfter als bisher mit der auswärtigen Politik beschäftigen mürbe. Nur be- darf es dazu eines anderen Instrumentes, als es seither der Fall war. Zwar ist bei allen Erörte­rungen dieser Materie vom Reichskanzler eine hochpolitische Reden gehalten worden, ob sie aber die berechtigten Wünsche alle befriedigt hat, ist eine andere Frage. Es ist deshalb sehr zu be- grüßen, daß das Zentrum seinerzeit schon den Antrag eingebracht hat, daß der Reichskanzler dein Reichstag von Zeit zu Zeit über die inter­nationalen Beziehungen des deutschen Reiches urkundliches Material zugehen lasten sollte. Die Verwirklichung dieses Antrages würde auch das Erfühl beseitigen, daß der Reichstag sich auf diesem Boden nur tastend bewegen kann. Anderer Ansicht ist der Reichskanzler. Freiherr v. Hertling hat den Zentrnmsantrag mit sach­lichen, durchaus richtigen, treffenden Gründen belegt, welche sogar den Führer der National- liberalen zu der Erklärung veranlaßte, daß sie den ZcntruiWresolutionen z u st i m m e n wurden. Ter Reichskanzler glaubt aber, bisher schon zur Genüge getan zu haben, wenn er in seinen pro­grammatischen Reden dem Reichstag eine „große Sitzung" schenkte. Er stellte sich sogar das Zeug- nis ans, daß er unter allen Ministern der einzige ist, der sich am eingehendsten, am freimütigsten über dir c.uswä! ttge Frage aussprechen würde. Gin Mehr hat seiner Ansicht nach der ReicbSrng überhaupt nicht zu beanspruchen, dieses Mehr ist von Gefahr, „es könnte Unzuträg lich- keiien für das Land zur Folge haben". So versicherre uns wörtlich der Reichskanzler . Sie Gründe, welche der Reichskanzler dafür ms Feld führte, erscheinen nicht stichhaltig. Zwar hält er den Wunsch des Reichstags, über Gang und Stand unserer auswärtigen Politik unter;T-bter?,u werden, für durchaus berech­tigt. der Antrag geht ihm aber zu weit. Er behalt bje entscheidenden Entschlüsse der Stelle vor, die über alle Einzelheiten unterrichtet ist und der das ganze Material zur Verfügung stelle. Etnas anderes verlangt ja der Zentrmnsanträg rurchaus rucht. Er überläßt das ganze dem @r- mesjer. des Reichskanzlers, was er dem Reichstag bonegen will oder nicht. Und Frhr. v. H-ctlina schrankte den Antrag auf Mitteilungen ein, die h* wlbstverständlich nur auf Dinge beziehen kön- nen^welchc^als abgeschlossen hinter uns

Ter Wagen mit den ihm folgenden Reitern war bald den Blicken entschwunden. Die Kapelle horte zu spielen auf. Die Spaziergänger entfern- !.EN «ich. Die Luft wurde raub und der Wind sra linb unerträglicher. Alexa sprach den rwch dem Gasthof zurückzukehren und Stuf Mufich sogleich durch die Tat aus. itiinmrr1 ®e«e sprach sie kein Wort. In ihrem leg e sick n»s^L'?' * ihrer, Hut ab un” Koster . wahrend Mrs. Goff den

S ü wh Ä und den Inhalt in Schubladen sich ü^r di Schrank aufhing. Sie wunderte welch! inSUri«®? ®flrt«ofie ihrer Herrin, wch. Zeit gehabt hatte dieselbe xu vervollständigen; ober sie hatte eine

w Paris gelaßen mit dem Auftrag, ihr Kleider unfertigen 2u Men und bald nachzuschickew i- Alexa bemerkte bas Erstaune« der Dümeri-,

laffung, bei der Auswahl ihrer Etatsredner noch größereVorsicht walten zu lasten als bisher. Die Partei muß von ihren parlamentarische». Vertretern verlangen können, daß sie die öid» und die Stellung der Soz.albemodMe nach alle»! Richtungen hin scharf zu ziehen verstehen. Und? dreifach gilt daS dem Todfeinde der deutsche»! Arbeiterklasse gegenüber, dem völkerzerfresi f en den Militarismus, den sich die herrschende» Klaffen zu einem so brauchbaren Werkzeug zwei Aufrechterhaltung ihrer Macht gestaltet haben.Es Mehring scheint so ziemlich allein auf dem alte» Standpunkt zu stehen, denn Bebel selbst hat sich gemausert unb meint gegenüber einem Redakteur der,Nation^: „Die antimilitärischen Ideen und Agitationen Herves (Frankreich) sind in der deutschen Sozialdemokratie unmöglich. Die deutsche Sozialdemokratie ist ein entschiedener Gegner des bestehenden Heeressystems, aber sie erachtet eine militärische Organisation ia den heute bestehenden Staaten noch so lange für nötig, wie nicht in den verschiedenen Kultur« floaten Vereinbarungen und Einrichtungen getrof­fen find, welche Kriege ein- für allemal unmög­lich machen. Solange also noch die Gefahr be­steht, daß Kriege möglich sind, muß jeder Staat wenigstens soweit militärisch organisiert sein, daß er einem Angriffskrieg begegnen kann und das eigeneLand vor Eroberungen durch den Feind zu schützen vermag. Wenn also die deutsche Sozialdemokratie alle ehrlichen Bestrebungen unter­stützt, die darauf gerichtet sind, Kriege zu ver­meiden und den Frieden zu sichern, wie z. B. die Errichtung von internationalen Schiedsgerich­ten zur Entscheidung von Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Staaten, so hält sie doch eine- militärische Organisation solange sür nötig, wie die Gefahr eines Krieges vorhanden ist." Man wird gut tun, diese Auslassung sich aufzuhebe» für den Fa., datz Genossen wieder über di« Militärtasten klagen. Die Sozialdemokratie mausert sich auf diesem Gebiete ganz gewaltig.>

* Lex Müller-Fulda. Der Ertrag deS im Juni 19uti vom Reichstag auf Antrag der Abg. Speck und Müller-Fulda eingeführte» Stempels auf unausgefertigte Aktien, welcher im Febiuar unh März t>. I. auf für alle schon vor Erlaß des betreffenden Gesetzes beschloffenen refpj übernommenen derartigen Aktien (sog. Buchaktie^- zu entrichten gewesen ist, hat den ansehn liche» Betrag von mehr als 10V» Millionen Mark für die Reichskaffe ergeben. Da dies« Akiien ja nach dem Zeitpunkt ihres Jnkraft- setzens dem zur betreffenden Zeil giltigen Stempel­tarif unterwerfen nwrden, also bis 1894 V» %, von da bis 1900 .1%, unb seit Jnnr 1900 2% zu zahlen hallen, läßt sich aus dem oben er­wähnten Siempeleinkommen darauf schließen, daß tatsächlich für etwa 1 Milliarde ML olcher ungestempellen Werte existiert haben. Ohne den erwähuten Antrag der Zentrumsab­geordneten hätten sich diese Aktien natürlich wie bisher auch künftig, der Steuer entzogen zum Nachteil der Reichskaffe. Als die Vorlage des Bundesrates f. Zt. ans wiederholtes Verlangen der Abgeordneten an den Reichstag gelangt«, oßte die Milliarde bereits bestehender unausge- ertigter Aktien steuerfrei bleiben; der Reichs« lag beschloß jedoch nahezu einstimmig auch deren Heranziehung zur Besteuerung.

Deutsches Reich.

Berlin, 1. Mai 1907.

* Der Kaiser Hai nach der ,Nordd. Allg. Zig/ das Achilleion auf Korfu käuflich erworben. Besitzerin des Schloffes war seit dem Tode der Kaiserin Elisabeth von Oesterreich ihre mit dem Prinzen Leopold von Bayern ver­mählte älteste Tochter, die Erzherzogin Giiela, die Nutznießung hatte Kaiser Fran; Joseph. Das Schloß war von Mitgliedern des österreichischen Kaiserhauses seit dem Tode der Kaiserin Elisabeth nicht bewohnt. Man hörte daher schon mehr­fach von Verkaussabsichten. In letzter Zeit sollten von privater Seite Verhandlungen be­gonnen worden sein, um das Achille>on zu Sanatoriumszwecken in die Hände einer Gesell­schaft zu bringen. Seiner Lage nach ist das Schloß als Erholungsaufenthalt vorzüglich ge­eignet, und den Kaiser hat zu dem Kauf beim auch der Wunsch bestimmt, sür die Mitglieder der kaiserlichen Familie eine Besitzung zu er­werben, die in mildem Klima liegt.

r. Der sozialdemokratische Weltfeiertag nahm bis jetzt in der Reichshauptstadt den alljährlichen Verlauf. Die Angaben über die Anzahl der Teil­nehmer schwanken indessen sehr. Nach der einen Meldung ist der Weltfeiertag von den großen Gewerkschaften umfangreicher gefeiert worden als in den Vorjahren. Die Metallarbeiter, Maurer, Bau- unb Holzarbeiter arbeiteten zum größten Teile nicht. Nach einer anbern Version sollen sich aber von ben rund 300,000 Berliner Arbei. lern nur etwa 10 v. H., und diese vielfach noch gezwungen, an der Feier beteiligt haben.

* Die Stellung der Sozialdemokratie zum Heere, die der Adg. Noske im Reichstage ge- kennzcichnet hat, gefällt nicht allen Sozialdemo­kraten. So meint Mehring in der ,L«ipz. Dolks- zlgck: „Immerhin muß gesagt werden, dafe Ge- nosse Noske die grundsätzliche Stellung der Sozial­demokratie zum Militarismus nicht mit der Schärfe betonte, die nötig war und die vor allen Dingen bei einer Rede zum Militärewt nötig war. Wir sind nicht gesonnen, deshalb dem Genossen Noske, der ja dem Reichstage erst kurze Zeil angehört, Dorwürfe zu machen. Aber vielleicht nimmt die Fraktion daraus Leran-

oder

Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von ®buarb Wagner.

3$ i (Nachdruck verboten.)

Mit freundlichem Lächeln, welches die Ge- wohnheil auf feinem Gesicht beständig gemacht zu haben schien. Verneigte er sich rechts unb links ge­gen bteiemgen, die ihn grüßten. Mehr ober, als bafe dieses Gesicht freundlich und doch auch stolz war, konnte Alexa nicht erkennen; sie war zu weit entfernt, alä dafe sie den Ausdruck und die Be- oeutung der Züge genau hätte erforschen können;

Q?,ob ber H^uplzng Güte unb 'ocuckatigkclt bekundete.

^Eer sagte, bafe Roland Jngestre eine$ ®crbrecben§ nnfaqig war", dachte das Mädchen, glaube nun, daß er Recht hatte. Der Mör- ber muß einer ber anderen Männer gewesen sein die bet seiner letzten Unterredung mit feinem er­mordeten Bruder zugegen waren."