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3fpar3tuerHiH<lSba M^heilage: „Illustrierte Zonntagszettung"

Zeitung

moiMttsbenag«: „Fuldaer GeschichkblStter"

»13eigen: Die ehr fpaltige Petitzeile ober bereu Lau» 15 Pf-. Reflamen die Petitzeile LS Pf-.; bei Wiebe» Holungen wirb entfp» Rabatt gewährt.

Rotation,brück u. Verlag ber.hnlbaer »o titnbrtderei in Sulba» Svmiprecher Rr.

Fulda, Mittwoch den 1. Mai 1907.

J\6 99.

34. Jahraang.

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Irveites WlÄtt.

vculichcs Keich.

Berlin, 30. Aprll 1907.

r. Zentrum und Reichstags-Wahlrecht. Als Gegner der Einführung des ReichStags-Wahl- rechtes in Preußen hat sich der Landtags • Ab­geordnete Graf Anton Spee bekannt. Er hat in der,Rhein. Volksstimme' zugleich bemerkt, daß er mit dieser Anschauung nicht allein fleht, fon- bet» festgestellt, daß mit ihm eine Anzahl Zentrums. Abgeordnete denselben Standpunkt in dieser Frage einnehmen, wie Graf Ballestrem, Geh.. Rat König, Graf Praschma, Prinz Sten­berg, Albers, Birker, Dirker, Euler, Ostrop, Pin­gen, Rmtcken, Rügenberg, Graf Strachwitz, Stramberg, Underberg, Wattendorf und Gras Wolff-Metternich. Nach unseren Erkundigungen hat Graf Spee hier zuviel behauptet, er kann dies nicht beweisen. Graf Spee hat einfach den Zentrums-Antrag von 1907 auf Einführung des Reichstags-Wahlrechtes hingenommen und die gongen Namen herausgeschrieben, die diesen An­trag nicht unterzeichnet haben. Aber es ist falsch, anzunehmen, als feien nun diese allesamt Gegner der Einführung des Reichstags-Wahlrechtes in Preußen, z. B. war der vom Grafen Spee ge­nannte Abg. Pingen damals noch gar nicht Mitglied des Abgeordnetenhauses; ähnlich steht es mit Underberg. Die Abgeordneten Euler, Rügenberg und Wattendorf aber flehen auf dem Boden des Antrages; sie waren um jene Zeit nicht in Berlin und haben deshalb den Antrag nicht unterschreiben können, von den anderen Ab- geordneten wird dasselbe versichert. Als Gegner des Reichstags-Wahlrechtes bleibt unseres Wissens in erster Linie Graf Strachwitz übrig, von dem bekannt ist, daß er in dieser Frage eine eigenartige Stellung einnimmt, der überhaupt ein politischer Sonderling ist und keinen Anhang in der Zentrums-Fraktion besitzt. Die Verdäch- tigungen der Gegner, welche sich an die Behauptun­gen des Grafen Spee knüpfen, sind also ganz und gar haltlos und fallen in sich zusammen.

* Ein Hereinfall des .Berliner Tageblattes'. *>a% .Berliner Tageblatt' bringt stets aus Rom Berichte, die auS bester Quelle stammen sollen. Bald hat es „einen" hervorragenden Prälaten, bald sogar „einen* Kardinal durch seinen dorttgen Vertreter befragen lasse». Der Schwindel wird geglaubt, obwohl sich jeder Einsichtige sagen muß, daß kein Prälat den Vertreter eines so ausgesprochen kirchenfeindlichen Blattes empfängt. Diesmal aber ist das ,Tageblait' hereingefallen: Es veröffentlichte eine „Unterredung» feines Korrespondenten mit dem frühere» Minister Luzzatti über internationale Fragen. Luzzatti läßt nun in den größten Blättern Italiens er- klären, daß er keine Unterredung gewährt habe. Wenn das .Berliner Tageblatt' wieder Gespräche mit Kardinälen austischt, wird man sich an diesen Humbug erinnern.

Ein „Menschenfreund". Dr. Tille, der Saarbrücker Handelskammersyndikus, der gelegentlich des vorjährigen Streiks auf der Burbacher Hütte das Wort prägte: „Die

Menschenrechte gehören in die Rumpelkammer!», hat dieser Tage im „Verein der Freidenker" in Saarbrücken einen Vortrag über die Menschen- rechte gehalten, der beweist, daß er im vergan­genen Jahre in der „Kunst», seine geistige Tätig- feit dem Wunsche und Willen seiner scharf- macherischen Gönner anzupaffen, noch weitere Fortschritte gemacht hat. Herr Dr. Tille leug­nete* in diesem Vortrag rundweg, daß es natür­liche und auf der göttlichen Weltordnung fußende Menschenrechte gebe. Die „sogenannten" Menschenrechte seien vielmehr lediglich Produkte der wirtschaftlichen Ent­wickelung, die nur durch die Arbeit, die Volksvermehrung und die soziale Ausscheidung beeinflußt werde! Gegen diese wirtschaftliche Entwickelung ift nach Dr. Tille kein Kraut ge­wachsen, und wenn sie eines Tages dahin führen wüte, daß ein Teil der Menschhett von dem anderen geknechtet, zu Sklavendiensten gezwungen würde, so müßten sich diese unglückseligen Menschen eben darein fügen, und der Sklaverei des alten Heidentums würde die des modernen Heidentums folgen.

Soweit sind wir aber doch noch nicht, und wenn die Scharfmacherpolitik des Herrn Tille in den Kreisen seiner Gönner noch so viele An­hänger finden würde. Die unveräußerlichen, in der göttlichen Weltordnung begrün­deten Menschenrechte wird sie doch nicht auS der Welt schaffen können.

8 Des „Regierungskandidaten" überdrüssig sind die protestantischen Bauern des HunSrück. Der liberalen „Trier. Ztg." (Nr. 192) wird näm­lich geschrieben:

„Unter der hiesigen Bevölkerung, die als königstreu und national gesinnt bekannt und bewäbrt ist, macht sich in der Neuzeit eine nicht unbedenkliche Unzufriedenheit immer mehr be­merkbar. Veranlaßt wird diese durch &i’ gr- sunddeitspolizeilichen Maßregeln, die in fam- tärer Richtung nur Gutes bezwecken, die aber die Bauern und die Gemeinden finanziell außerordentlich schwer belasten. Schreiber die­ses hörte von Bauern, auf deren patriotischen Sinn man sich verlassen konnte (also jetzt nicht m<chr?l l D. V.), daß sie bei einer aber­maligen Reichs- oder Landtagswahl ihre Stimme nicht mehr dem Regierungs­kandidaten geben würden."

Der bett. „Regierungskandidat" ist Dr. Paa- sche, der über den Kandidaten des Bundes der Landwirte, Generalmajor z. D. v. Kloeden ge­siegt hat. Der Grund der Beschwerde ist offenbar sehr berechtigt, aber die Drohung klingt für alle, die die Vehältniffe kennen, gar zu komisch. Bei den kommenden Wahlen wird auf dem Hunsrück, genau wie bei den bisherigen, die Konfession ausschlaggebend sein. Gerade bei der letzten Reichstagswahl hätten die Bauern einen Abgeordneten bekommen können, der sich in erster Linie und in wirksamer Weise ihrer wittschaft- lichen Bedürfniffe angenommen hätte, nämlich den vom Bunde der Landwitte aufgestellten v. Kloeden in Wiesbaden, der sicher ebenso „natio­nal" und „königstreu" ist wie Dr. Paasche. Aber weil v. Kloeden auch die Stimmen der Katholiken erhalten sollte, deshalb fielen selbst diejenigen von ihm ab, die 1903 den Kandidaten des Bundes gewählt hatten, und gingen zu Paasche über. Die konfessionelle Abneigung siegte also über den Wunsch nach wirtschaftlicher Besserstellung, und so wird es auch in Zukunft bleiben. Deshalb wird

eS auch Herrn Paasche trotz der Drohung »ich sehr bange werden. Außer der Wahlperiode ist er überhaupt kaum auf dem Hunsrück gewesen, um die Wünsche und Beschwerden seiner Wähler entgegenzunehmen. Wie ganz anders ha­ben sich dagegen die Zentrumsabgeord- neten Wallenborn, Wolff-Metternich und Dr. .Marcour im preußischen Abgeordnetenhaufe am 18. Apttl 1907 der Eifeler Bevölkerung angenom­men, die unter denselben hatten Polizeiverfügun­gen zu leiden hat. Warum ist Dr. Paasche, der doch auch dem Abgeordnetenhause angehött, bei dieser Gelegenheit nicht für den Hunsrück mit ein­getreten? War er vielleicht gar nicht anwesend?!

\ Die Einnahmen des Deutschen Reiches im Jahre 1906. Die Ergebnisse der wichtigsten Einnahmen des Reiches im abaelaufenen Etats- fahre 1906 sind nunmehr veröffentlicht worden. Ein Trost für die Zukunst läßt sich aus dem Zahlenmaterial nicht herauslesen. Zunächst sind die Zölle mit einer Einnahme von 554,57 Mil­lionen Mark etwas hinter dem Voranschlags zurück- geblieben; das war vorauszusehen angesichts der Tatsache, daß die Einfuhr vor dem 1. März 1906, an welchem die neuen Handelsvetträge mit Zollerhöhungen in Kraft traten, ganz erheb­lich gesteigett wurde. Für die nächsten Jahre ist deshalb mit einer Erhöhung der Zolleinnahmen zu rechnen. Auch die Tabaksteuer mit einem Ertrage von 9,99 Millionen Mark, sowie die Maischbottich-Steuer haben nicht das er­mattete Ergebnis gehabt, während die Zucker» steuer, die Branntweinsteuer und die Brau­st euer den Voranschlag überschtttten haben. Ins- gesamt.haben die Zölle und Verbrauchs-Ab­gaben dem Reiche eine Einnahme von 925,6 Millionen Mark gebracht. Bon den Stempel­steuern haben die Wechselstempelsteuer, die Börsensteuer und die Frachturkunden- Stempelsteuer erkleckliche Ueberschüsse gebracht, die Personen-Fahrkarten-, Erb» fchafts- und Tantiemensteuer sind hinter dem Voranschläge zurückgeblieben. Die Po st­und Telegraphen - Verwaltung brachte 564,5 Mill. Mark, die ReichS-Eisenbahnen 116,4 Millionen Mark ein. Aber mit diesen Brutto - Einnahmen sind bei den letztgenannten auch die Ausgaben bedeutend gestiegen, sodaß der Rcinertrag nicht allzu hoch sein düttte.

* Stapellauf deutscher Kriegsschiffe im Jahre 1906. Die gegenwärtig gespannte politische Lage wird von der Preffe der Panzerplatten- fabtitanten und ähnlicher Patrioten dazu auS- gebeutet, Stimmung für eine größere Beschleu­nigung im Ausbau unserer Flotte zu machen. LLaS für die Verstärkung unferer Flotte geschehen ist, wird natürlich nicht gesagt. ES ist deshalb angebracht, einmal die Kriegsschiffe aufzuzählen, d.e allein im Jahre 1906 von Stapel gelaufen sind; es sind das die Linienschiffe „Schle­sien" und „Schleswig-Holstein" mit einer Wasser­verdrängung von 13,200 Tonnen und einer Ge- schwindigkeft von 18 Seemeilen, dann die Panzerkreuzer „Scharnhost" und „Gneisenan" mit 11,600 Tonnen Wasserverdrängung und 22,5 Seemeilen Schnelligkeit, außerdem noch 2 kleine Kreuzer, 17 Torpedoboote, 1 Untersee- boot und 1 Minen schiff, insgesommt allo 25 Fahrzeuge, In demselben Jahre rourben dazu baufettig 2 Linienschiffe, 1 kleiner Kreuzer, 1 Vermeffungsfahrzeug. Das 1906 im Reichstag

angenommene Flottengesetz bewilligte weiter sech­große Breiiger, die Größensteigerung der Schiffe und die Vermehrung der Torpedoboote. In dem Zeittaum von 1901—1917 wird das Reich für feine Flotte nicht weniger als 3711 Millionen Mark, also fast vier Milliarden^ aufwenden. Diese Zahlen beweisen zur Genüge, daß der Reichstag das Wesen und die Not- wendigkeft einer starken Kriegsflotte hinreichend zu würdigen versteht.

Aus dem Landtage.

Abgeordnetenhaus.

56. Sitzung vom 30. April 1907.

Eröffnung 10*4 Uhr.

Seknubärbahnvorkage.

Abg. Eickhoff (f. Vp.) wünfchte eine bessere Verbindung von Köln nach dem Sauerland und bringt das Eisenbahnunglück bei Langerfeld zur Sprache.

Eisenbahnrninister Breitenbach: Die Unter­suchung über das Unglück ist noch nicht abgeschlos­sen; ich gebe aber zu, daß ein zweites Gleis nötig ist.

Abg. Müller-Koblenz (Ztr.) bittet um den Bau einer Bahn von Mosheim an den Rhein.

Abg. Hrckrnroih (k.) verlangt die Erschließung des Westerwalds durch Bahnbauten.

Abg. Schwarze-Lippstadt (Ztt.) wünscht eine Verbindung von Lippstadt nach Lage.

Abg. Wallenborn (Ztt.) vertritt Wünsche aus dem Kreise Prünn-Daun-Bitberg.

Minister Breitcnbach erklätt, Wünsche einzel­ner Hütten und Gruben könnten keine Berücksich­tigung finden.

Abg. Wolff-Metteruich (Ztt.) bittet um eine Verbindung zwischen Mosel und Nahe.

Abg. Gerhardus (Ztt.) lenft die Aufmerk­samkeit des Ministers auf die Erschließung des nördlichen Teiles des Kreises Altenkirchen durch eine Strecke Morsbach-Friesenhagen-Hohenheim.

Abg. v. Savigntz (Ztt.) wünscht Verlängerung der Strecke Paderborn-Lippspringe über Lipp« springe hinaus.

Abg. Dr. Dahle» (Ztr.) bittet um eine Ver­bindung des Westerwaldes nach dem Rhein unb der Lahn.

Abg. de Witt (Ztr.) befürwottet den Ausbau der Linie Wipperfütth-Bg.-Gladbach.

Abg. Cahensly (Ztt.) gibt feiner Befriedi­gung Ausdruck, daß die Vorlage zwei Bahnlinien für den Regierungsbezirk Wiesbaden bringt.

Abg. Graf Strachwitz-Berthelsdorf (Zenir.) wünscht Anschluß des Kreises Groß-Strelitz an die Hauptstrecke Oderberg-Breslau.

Abg. Dr. am Zrhnhoff (Ztt.) klagt über die schlechten Bahnverhältnisse in der Eifel.

Abg. Dr. Boltz (nl.) wünscht den Dau einer Strecke Tarnowitz-Gleiwitz.

Abg. Fink (nl.) bittet um eine bessere Ver­bindung von Hannover nach Hamburg und Hil^ desheim.

Abg. Linz (Ztr.) tritt für die Erschließung des Kreises Cochem ein.

Eisenbahnminister Breitenbach: Die borge- tragenen Wünsche werden sorgfältig geprüft wer­den. Wo ein Bedürfnis vorliegt, wird Abhilfe geschaffen werden. (Beifall.)

Die Vorlage geht an die Budgetkommission.

Mittwoch 11 Uhr: Penfionsgesetze, Richterbe­soldungsgesetz.

Schluß 3% Uhr.

oder

Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von Eduard Wagner:

(Nachdruck verboten.)

Die ganze Szene sprach Alexa um so mehr an, als sie für sie den Reiz der Neuheit hatte..

Sie fetzte sich auf eine Bank vorn auf dem Platze, unbekümmert um die neugierigen Blicke, die von allen Seiten sich auf sie richteten, und winkte Mrs. ©off, neben ihr Platz zu nehmen. Die Bank befand sich in her Nähe der breiten, schonen Fahrstraße, welche m der Richtung vom Schlöffe her kam und auf der andern Seite am Gestade sich so weit erstreckte, als das Auge reichte.

„Das ist der Strandweg," erklärte Mrs. Goff als sie sah, daß das junge Mädchen der Straße besondere Aufmerksamkeit schenkte. „Das eine Ende derselben ist drüben auf dem Schloß Mont- Heron und läuft auf dem Felsenufer hin in einer Strecke von acht Meilen, endend auf der andern /seite zu Clyffcbourne, dem Sitz der Herzoge von Clyffebourne."

Alexa hätte gern einige die Familie Clyffe- bourne betreffende Fragen an ihre Dienerin ge­rietet, aber ihr Herz fchlug fo ungestüm, daß sie keinen Lauf hervorbringen konnte.

„Der gegenwärtige Marquis verbraucht im­mer sehr viel Geld, wenn er sich im Schlosse auf­hält,". fuhr Mrs. Goff fort „Er liebt die Ein- samkett nicht, und darum ist immer Gesellschaft »m .Stoffe, wen» er zugegen ist, und eine Fest- llchkert jagt bte andere. Er steht hier in demsel­ben Ansehen, wie ein kleiner Fürst in seinem Lande. Tas ganze Dorf und alle Ländereien ringsum gehören ihm; aber er besitzt auch auf der anderen Seite noch große Länderstrecken mit Far­men, em Eisen- und ein Kohlenbergwerk, außer dem noch Güter in anderen Landjeilen und ein Haus in London. Die Clyffebournes kommen

nicht so oft nach Cornwallis. Sie haben anderswo große Güter, und hier sind ihnen Erinnerungen peinlich. Aber Lady Wolga Clyffe, des jetzigen Herzogs Schwester, — ihr Vater ist tot, — kam im vorigen Sommer hierher, und, wie ich gehört habe, ist sie jetzt wieder hier."

Alexa war keines Wortes fähig. Hätte die Dienerin ihr Gesicht sehen können, so würde sie erschrocken zurückgewichen sein.

Lady Wolga Clyffe ift eine stattliche Schön- bett, sprach Mrs. Goff weiter. „Sie fühtt ost auf der Straße spazieren, wenn sie sich in Clyffe- bourne cmfhält. Wenn wir sie auch heute nicht zu scheu bekommen, werden wtt doch höchst wahr­scheinlich den Marcju's sehen. Er ist ein bestän­diger Besucher zu Clyffebourne."

„Ich möchte ihn wohl scheu," sagte Alexa hastig. „Hat der Marquis gegenwärtig Gäste?"

„Ja, Miß. Er bat fast immer Gäste, und es gebt immer lustig im Schlosse zu. Es sind jetzt eine Anzahl Gäste anwesend, um dem früheren Mündel des Marquis, einem jungen Edelmann, M begegnen, der ein seltsames Abenteuer gehabt hat Es waren alle Zeitungen voll davon und vielleicht haben Sie es auch gelesen oder gehört."

Alexa schüttelte den Kopf.

„Der junge Mann ist ein Graf, deffen Vor­mund der Marquis etwa ein Jahr lang tvar. Der junge Graf reiste in fremden Ländern und wurde rn Giechenland von Räubern gefangen genommen und bmnahe getötet; dann lag er Monate lang krank in einer Bauernhütte. Gewiß haben Sie von ihm gehött. Es ist der Graf von Kings- court."

„Alexas Herz schlug zikm Zerspringen hastig. Ihr Gesicht wechselte in rascher Folge mehrmals die Farbe und blich endlich totenbleich.

Lord Kingscourt hier! Das Schicksal schien ihr harte Proben auferlegen zu wollen und ihr mehr aufzubürden, als sie ertragen konnte.

Mrs. Goff bemerkte die Aufregung des Mäd­chens nicht. Sie schloß aus deren Verhalten, daß

sie aufmerksam zuhöre, was sie ermunterte, weiter zu erzählen.

„Der junge Graf," fuhr sie fort, „kehrte vor einiger Zeit nach England zurück und wird seit­dem förmlich angebetet Er ist aber auch fo hübsch, wie es wohl kaum einen andern Mann gibt. Außer ihm ist Mr. Lettin Kollys, welcher mit ihm in Griechenland von den Räubern ge­fangen gehalten wurde, im Schloß, und Kapitän Wilbraham, ein Offizier, welcher ebenfalls von den Räubern gefangen genommen, aber von die- fen nach England geschickt wurde, um Lösegeld zu holen."

Alexa verharrte in Schweigen. Das Bewußt­sein, dem Geliebten fo nahe zu sein, das Erwäh- nen der Räuberbande erweckte eine Flut von Er­innerungen in ihr und raubte ihr fast die Sinne. Es schwamm ihr alles vor den Angen und sie be­merkte es nicht daß die Leute an ihr wiederholt vorübergingen, sie neugierig anfehend und äugen- scheinlich auf ein Ereignis wartend, welches für sie mehr Anziehungskraft befaß, als alles andere. Plötzlich rief Mrö. Goff erregt:

„Da kommen sie. Sehen Sie, Miß. Nun können Sie den Marquis von Montheron sehen und den jungen Grafen von Kingscourt, der von den Räubern gefangen genommen wurde, und all' die andern hohen Herren."

Alexa zog ihren Schleier dichter über ihr Gesicht und trat hinter ihre Dienerin, welche in ihrer Erregung aufgestanden und ein paar Schritte vorgetreten war.

Der elegante Wagen des Marquis von Mont- Heron, von vier stattlichen Pserden gezogen, von denen zwei von leichtbetreßten Lakaien geritten wurden, rollte mit mäßiger Schnelligkeit daher. Es saßen zwei Herren darin, in deren einen Alexa ihren Geliebten erkannte.

Sie schwankte leise und mußtt sich an der Lehne der Bank festbalten, um nicht umzusinken. Sie sah nur das schöne ausdrucksvolle Gesicht mit den dunklen Augen und die stolze Gestalt ihres Ge­liebten, — den Mann, de» eine furchtbare Kluft von ihr trennte.

Der Wagen fuhr vorüber, und ein kleiner Trupp Reiter folgte. Alexa erkannte unter diesen Mr. Bertin Kollys, welchen sie bei Gelegenheit seines Besuches bei dem Grafen in der Villa ihres Vaters von ihrem Fenster aus gesehen hatte, ohne von ihm gesehen worden zu sein.

Die kleine Gesellschaft verschwand bald in der Entfernung in der Richtung von Clyffebourne. Alexa hatte sich niedergesetzt, und die Gruppen Neugieriger gingen auf ihre Plätze zurück. Alexa blickte gedankenvoll unb schweigend vor sich hin, so lange, daß Mrs Goff zu befürchten begann, sie sei krank.

„Sie sehen leidend aus, Miß Alexa," sagte sie, als sie, selbst durch den Schleier, des Mädchens Bläffe bemerkte. „Möchten Sie lieber nach Hause zurückkehren?"

„O nein, nein!" erwiderte Alexa lebhaft. „Wtt wollen etwas näher an das Orchester gehen. Ich möchte den Wagen des Marquis noch einmal sehen, wenn er zurückkommt."

Sie stand aus und ging über den Platz, dem Musik-Pavillon zu, gefolgt von Mrs. Goff. Hier setzte sich das Mädchen auf einen Stuhl, und be­obachtete die Seqelfahrzeuge aus dem Meer und lauschte der Musik wohl über eine Stunde lang, bis die Luft schärfer wurde und sie zum Gehe» gezwungen war, um sich zu erwärmen.

Die Sandbank war menschenleer, da die Flut zurückkehrte, und auch der Hafenplatz leerte sich mehr und mehr, obwohl die Musikkapelle noch spielte. Eine plötzliche Bewegung unter den noch Anwesenden und ein Rufen durcheinander ver­kündete die Rückkehr der hohen Gesellschaft.

Alexa und ihre Dienerin batten ihren Platz an der Straße wieder eingenommen, als die Equi­page, langsamer ali vorher, vorüberfuhr. Ihre Augen energisch von ihrem Geliebten abwendend, auf den sie, wie durch magnetifdbe Kraft angezo­gen, gerichtet waren, betrachtete Alexa genau den Mann, welcher die Titel führt«, fcie rechtmäßig ihrem Vater gehörten.

(Fortsetzung folgt!