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Zeitung
mondsMiage: „Sulbaer Geschichtsblätter
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Rotatiensbtud n. Verlag der Snlbaer Xt» tienör iderei in.Hulda. Fernsprecher Nr 9.
M 99.
Fulda, Mittwoch den 1. Mai 1907.
34. Jahraanfl.
Erlies Wlcrtt
Meinung, daß.
denken? In dem Bewußtsein unseres guten Gewissens können wir diese Frage verneinen.
ieße sich um Hunderte vermehren. Aber wir geben un- nicht der Hoffnung hin, gewiffe Leute, für welche ein katholffcher Priester und Missionar soviel bedeutet wie ein rote- Tuch für den Stier, zu bekehren.
Deutsches Reich.
Berlin, 30. April 1907.
v. Stimmungsbild aus dem Reichstage. Wer sich dem Reichstage am Dienstag mittag näherte, konnte an der Physiognomie der Straße schon erkennen, daß das Reichsparlament einer Sitzung entgegenging, welche nicht zu den Alltags-Erscheinungen gehört. Zu Dutzenden standen die Leute herum, welche btS zur letzten Minute die Hoffnung nicht aufgaben, irgend einen Abgeordneten zu treffen, mit dessen Hilfe sie Zutritt zu den Verhandlungen des Reichstages finden würden. Und die Aufregung, welche sich draußen geltend machte, trat im Reichstage selbst in erhöhtem Maße in die Erscheinung. In den Wartehallen, in der Wandelhalle, in den Foyers — überall Gruppen von Abgeordneten, Diplomaten, Vertretern der Presse und von Sensation? - Bedürftigen. Und nun gar erst drinnen im Saale: die Bänke der Abgeordneten nahezu alle besetzt, in der Diplomaten - Loge ein malerisches Bild von Damen der höheren Gesellschaft, in der Hof-Loge hervorragende Persönlichkeiten in Uniform, auf der Journalisten-Tribüne ein Schwarm von Vertretern der Presse des In- und Auslandes, und alle Logen bis auf den letzten Platz besetzt. Die Bundesrats-Estrade weist ein Heer von Staats- : warnten auf, und dieAufmerksamkeit aller ist gerichtet auf den Mann, der auf dem ersten Platze am Bundesratstische sitzt: auf den Fürsten Bülow, aus dessen Munde man eine klärende Mitteilung über die internationale Lage erwartete. Seit Fürst Bülow zum letzten Male im Reichstag war, erscheint er gealtert; seine Schläfe ist melierter, als es früher »er Fall war. Zu Beginn der Sitzung sitzt er, wie es in wichtigen Augenblicken seine Gewohnheit ist, mit verschränkten Armen in sich gekehrt da. Er leitet die Debatte nicht ein, er horcht aufmerksam auf den ersten Redner, den Zentrums- abg. Frhrn. von Hertling, der sein staatsmännisches Talent von neuem bekundete. Er gibt seiner Rede die Signatur, daß der 13. Dezember in der auswärtigen Politik für seine Partei keine Rolle spiele, und geht dann auf die Neugruppierung der Mächte ein. Unsere Lage bedingt nach ihm, daß wir uns an der Abrüstungsfrage auf der Haager Konferenz nicht beteiligen können. Die Auffassungen der Abgg. Baffermann (natlb.) und Fürst Hatzfeld (Rp.) berührten sich in vielen Punkten mit der des Abg. Frhrn. v. Hertiing. Als dann Fürst Bülow das Wort ergreift, herrscht lautlose Stille. Fürst Bülow sprach in ruhigem Tone, frei von Ueberhebung dem Auslande gegenüber, aber auch voll Zuversicht auf die Wehrkraft Deutschlands. Man sah förmlich bei seinen einzelnen Redewendungen, wie sein Gehirn arbeitete, um stets den prägnanten Ausdruck zu wählen, und als eine erfreuliche Erscheinung muß es bezeichnet werden, daß sich zwischen seiner Auffassung und der deS Hauses, abgesehen von der Sozialdemokratie, Einmütigkeit zeigte. Seine Rede war auf den Grund gestimmt, daß Deutschland den Frieden will, daß eS sich aber gegen Eventualitäten sichern muß und an der Abrüstungsfrage sich nicht beteiligen kann, roet die Abrüstung praktisch undurchführbar ist.
Deutschland tttt autokratisch regiertes Land.
Auch eine im übrigen durchaus freundliche Stimme, die kürzlich von Amerika herübergedrungen ist, spricht geradezu aus, in der Hand des deutschen Kaisers liege die Entscheidung über Krieg und Frieden. Wenn das deutsche Parlament, sich öfter mit der auswärtigen Politik beschäftigen würde, so würde das Ausland erkennen, daß, wie Deutschland kein Einheitsstaat ist, sondern ein sehr kompliziertes Staatswesen, es auch nicht autokratisch regiert wird; man würde sich überzeugen, daß in diesem Deutschland eine Politik nicht möglich sein würde, die sich im Gegen- satz befindet zum Willen des deutschen Volkes. (Sehr wahr! und lebh. Zustimmung.) Wie die Dinge jetzt liegen, müssen wir uns mit dem Vorbehalt, daß wir nicht hinreichend unter- richtet sind, mit Fragen der auswärtigen Politik beschäftigen. Vor der Unterbrechung unserer Tagung durch die Osterferien habe ich in der Presse gelesen, meinepolitischenFreun- de warteten nur auf die Beratung der auswärtigen Politik, um eine gründliche Kritik am Herrn Reichskanzler zu üben Diese Nachricht war ebenso grundlos, ich kann sagen, ebenso kindisch wie vieles andere, was in der letzten Zeit über uns kolportiert worden ist. Wir sind der Meinung, daß bei Besprechung der auswärti- gen Politik jedeErinnerungandiein- neren Zwistigkeiten zurückzutreten hat. (Lebh. allseitiges Bravo!) Als wir uns vor etwa einem Jahre über die auswärtige Politik unterhielten, brachte der Herr Reichskanzler seine Befriedigung über den Ausgang der Kaufe- renz von Algeciras zum Ausdruck. Nun ist inzwischen ein Jahr ins Land gegangen, und man könnte fragen.besteht die Befriedigung beiunsnochfort? Ich habe schwarzgallige Artikel gelesen, in denen es hieß, daß die Konfe- renzakte nicht das Papier mehr wert feien, auf dein sie geschrieben seien, daß die Entwickelung nicht vorwärts, sondern rückwärts geführt habe. Jedenfalls ist eine Beruhigung- in Marokko noch nicht eingekehrt. Gerade die Besetzung von lldsch- da hat neue Beunruhigung hervorgerufen; man hat geglaubt, daß Frankreich noch immer nicht seine Absicht aufgegeben habe, ein neues T u- n e s i e n zu schaffen. Ich glaube, in weiten Kreisen herrscht
über Marokko noch Ungewißheit, und ich möchte wünschen, daß der Reichskanzler beruhigende Erklärungen, abgeben möge, wie es neulich der französische Minister Pichon getan hat. Von besonderem Interesse sind die Auffassungen in der Presse von einem Calcul, wonach Ma - rokko als ein Ausgleichsobjekt dienen soll. Ich weiß nicht, was derartigen Verlautbarungen zugrunde liegt. In einer französischen Revue habe ich gelesen, Marokko soll als Aus-
Gewissens können wir diese Fr (Lebhafter Beifall.) Ich bin der wenn — was ich nicht weiß — wirklich der König von England gewisse Antipathien haben sollte, von diesen Antipathien bis zu einer in die Tat sich um- ietzenden feindlichen Politik Englands gegen Deutsch- land noch ein sehr weiter Weg sein würde. Und dann Frankreich! Wir haben neulich allerdings noch angesichts der bedauerlichen Entgleisung des Ministers Clemenceau wahrnehmen müssen, daß hier noch gewisse, uns nicht gerade freundlich gesinnte Ünierströmungen vorhanden sind. Aber so sehr wir das bedauern, so dürfen wir das doch nicht überschätzen. Ich bin der Ueberzeugung, daß auch das französische Volk genau so wie das englsiche, vielleicht sogar noch mehr in seiner überwiegenden Mehrheit friedlich gesinnt ist. (Sehr richtig« und Zustimmung.) Ich bin der Meinung, daß auch die französische Revublik der Natur der Sache nach.
gegen die Wiederwahl v. d. Heidt's stimmte. Sofort wurde er von seiner Funktion als Wahl- Kommissar enthoben und sollte „im Interesse des Dienstes" nach Oppeln versetzt werden, Diest ging nicht, beantragte Disziplinarunter- suchung, da nur ein Racheakt wegen jener 'früheren Untersuchung vorläge, wandte sich an den damaligen Prinzregenten und setzte zuletzt durch, daß der Präsident deS Staaismiisistenums ihm befahl, die mündlich vorgetragenen Motive für seine Abstimmung — schwere Anschuldigung gegen den Minister v. d. Heidt — auch schriftlich auSeinanderzusetzen. DaS Schriftstück wurde dem letzteren vorgelegt, und v. d. Heydt stellte in amtlicher Erklärung dte Wahrheit des In- Halts in Abrede. Da Diest nicht zur Zurücknahme seiner Anschuldigung zu bewegen war, so wurde er suspendiert und zur Disziplinär- Untersuchung gezogen. Der Disziplinarhof sprach ihn, ohne den angetretenen Beweis über die Anschuldigung gegen v. d. Heydt zu erheben, von der Anklage böswilliger Denunziation frei, erteilte ihm ober einen Verweis. Diest versuchte vergeblich, die Untersuchung gegen v. d. Heydt dunhzusetzen, er ging aus des Ministers Schwerin wohlwollende Versetzungsvorschläge nicht ein, sondern nahm den Abschied. ,
Fürstenzusammenkünsten
ist kein zu großes Gewicht beizulegcn; sie haben auch früher schon stattgefunden, und auch früher sind schon freundschaftliche Redewendungen gebraucht worden, ohne daß sie eine politische Wirkung hatten. (Lebhafter Beifall.) Was die Zusammenkunft in Gaeta anbelangt, so muß sich die deutsche Press« hüten, eine Bevormundung anderer Nationen zur Schau zu tragen. Man hat den Besuch in Gaeta überschätzt. (Lebhafter Beifall.) England und Italien sind von Natur au8 aufemanber angewiesen. Italien kann sich nicht in eine unfreundliche Stellung gegenüber England hineindrangen lassen. Dir Beziehungen zwischen England und Italien sind also nicht von HauS aus danach angetan, Italien aus dem Dreibund herauSzudrängen. Weniger beachtet worden ist der Besuch des Königs von Italien in Athen. Man hat nichts davon gehört, daß bei dieser Reise der König von Italien der Kurier des Königs von England gewesen sei. (Heiterkeit^ Inzwischen ist allerhand verlautbart, was beschwichtigt. Der Messagers hat geschrieben, daß man in Athen die Zusammenkunft in Gaeta nicht freundlich aufgenommen habe. Griechenland sehe auf Mazedonien und könnte dort auf England stoßen. Hier ist ein Punkt, wo
die realen Interessen zu einer ganz anderen Gruppierung der Mächte führen könnten. Die Grirppierung muß nicht so gedeutet werden, als ob England, Italien, Frankreich usw. geschlossen gegen Deutschland vorgehen wollten. Sie kann auch nicht so gedeutet werden; es fehlt an Einheitlichkeit der Interessen. So liegt die Annäherung Spaniens an England gar nicht im Interesse Frankrerchs. Hauptsache ist die Frage, müssen wir immer an eine dauernde Feindschaft Englands und Frankreichs
gegen Deutschland
Aus dem Reichstage.
42. Sitzung vom 30. April 1907.
Eröffnung W4 Uhr.
Etat des Reichskanzlers und Auswärtige« Amts.
Auf Vorschlag des Präsidenten Grafen Stolberg soll zunächst
die äußere Politik
behandelt werden. _ Q . ,,,
Abg. Frhr. v. Hertltug (Ztr.): Dasdeutsche
Volk, das durch Gewohnheit und htstonsche Entwickelung jederzeit bestrebt ist, auf allen Gebreten der Kultur sich friedlicher Arbeit hrnzugeben, steht ich seit Wochen und Monaten
beunruhigt durch unkontrollierbare Gerüchte, durch pessimistische Zeitungserörterungen durch Behauptungen als ob eine unmittelbare Gefahr uns bedrohe. Und der Einfluß derartiger Nachrichten und Erörterungen ist um so großer, als in sehr weiten Kreisen eine mehr oder minder vollständige Unbekanntschaft mit den Verhältnissen der auswärtigen Politik zu bestehen scheint. Auch w i r A b g e 0 r d n e t e sind ja in der Regel nicht in der Lage, aus eigenem Wissen über diese Verhältnisse hier zu sprechen; auch wir haben, wenn wir diese Materie berühren, immer das Gefühl, -aß wir uns auf diesem Boden nur tastend bewegen können, und daß uns die fejte Unterlage für ein sicheres Urteil fehlt. Ich halte das nicht für einen befriedigenden Zustand (Sehr richtigl und Zustimmung links und im Zentr) Ich bin vielmehr der Meinung, daß es sehr nützlich wäre, wenn der deutsche Reichstag sich öfter als bisher mit der aus- wärtigenPolitikbesch ästigen wurde. Wir würden dadurch» namentlich wenn uns
authentisches Material
von fetten der maßgebenden Kreise zur Verfügung gestellt würde, einigermaßen über diesen unbe- friedigenden Zustand Hinwegkommen. Wir ha- bcn deshalb auch bereits zum Auswärtigen Amt eine Resolution eingebracht, in welcher die periodische Mitteilung von urkundlichem Material über bfe auswärtige Politik erbeten wird. Nun würden sich derartige Mitteilungen selbstverständlich nur auf Dinge beziehen können, die als abgeschlossen hinter uns liegen. Aber auch daS würde ein großer Fortschritt sein /sehr richtig/), wir würden dann wenigstens wissen, wie die Dinge wirklich vor sich gegangen sind, wie dte Gruppierung der Mächte war, in welcher Weise eine Lösung gesucht und gefunden worden ist. In der auswärtigen Presse begegnet man nicht selten der sonderbaren Auffassung, als sei
♦** Der „Patriotismus der Cat“.
Eine zeitgemäße Erinnerung.
In der heutigen Zett, wo die oberen Zehn- 1 tausend „aus dem Stande des Liberalismus" 1 so viel Rühmenswertes von ihrer „nationalen" ' Gesinnung zu erzählen wissen und durch die Bilderbogen des Flottenoereins das Zentrum zu : einer vaterlaudsfeindlichen Partei zu degradieren suchen, die noch hinter der Sozialdemokratie rangieren soll, ist es angebracht, zuweilen ein Streiflicht auf frühere Vorgänge zu werfen, welches den „Patriotismus der Tat" bei den heutigen Anklägern ganz eigentümlich beleuchtet. Auf die Notwendigkeit, 120 Millionen Taler im Juliusturm zu Spandau zinslos aufgespeichert zu halten, um der Börse zum Trotz, die 187 0 für die deutsche Kriegsanleihe keine Mittel zur Verfügung hatte, zu Beginn eines Krieges finanziell leistungsfähig zu sein, wollen wir hier nur nebenbei Hinweisen.
Vielleicht noch interessanter sind die Dinge, .«eiche der verstorbene konservative Abgeordnete und pommersche Landrat am Rhein, v. Diest- Daber von den dortigen Finanzgrößen auS der deutschen Werdezeit berichtet hat. Herr v. Diest hat bekanntlich schwere Kämpfe mit dem Fürsten Bismarck geführt, von dem er annahm, daß er im persönlichen Interesse eine zu enge Fühlung mit den Vertretern der Hochfinanz unterhalten habe. Vorder hat er als Landrat in Elberfeld- Barmen 1853 festgestellt, daß sich die Söhne reicher Leute vielfach auf strafbare Weise dem Militärdienste zu entziehen wußten. Er wurde durch offene Ordre des Kriegsministers und des Ministers des Innern (v. Westfalen) beauftragt, die Voruntersuchung über den ganzen Staat zu führen. Der Handelsminister v. d. Heydt und der Justizminister Simons, beide aus Elberfeld stammend, ersterer ndch stiller Teilhaber eines der größten Bankhäuser, fürchteten aber, daß ihre nächsten Anverwandten, v. d. Heydt sogar, daß er selbst in die Untersuchung verwickelt werden könnte, und versuchten Einwirkung. Nachdem bereits mehrere Hundert Dienstpflichtige nachträglich in Arbeiter-Abteilungen strafweise eingestellt worden, und es den Geld-Notabilttäten des Kreises nicht gelungen war, die durch Adresse an den König Friedrich Wilhelm erbetene Entfernung des Landrats v. Diest durchzusetzen, wurde letzterer durch den Kriegsmimster telegraphisch nach Berlin zitiert, um durch seinen Vertrag den König von einem ihm sehr empfohlenen Plane . abyibringen, wonach die durchgebrannten Kantonisten gegen Zahlung bedeutender Summen (bis 2000 Taler) zu einem wohltätigen Zwecke vom Militärdienst sreizu« lassen wären. Der Plan fiel im Ministerrat und die Untersuchung ging fort. Auch ein Rat im Ministerium des Innern zeigte sich beteiligt, derselbe nahm auf des Ministers Veranlassung den Abschied, aber der Minister (v. Westfalen) nahm an dem Abschieds-Festessen selbst teil. „ES war — sagt Herr v. Diest — schon Sitte geworden, den Mantel der Siebe um Korruptionen zu decken." Bald erklärte auch der „Ches der Armee-Abteilung des Kriegs- minifieriumS", daß weitere Energie in der Füh- rung der Untersuchung nicht zeitgemäß sei und nach kurzer Zett wurde daS Kommissarium dem damit nicht einverstandenen Herrn v. Diest entzogen.
Ein paar Jahre später, im November 1858 als der bewegliche Handelsminister v. d. Heydt allein von den alten Ministern in das Ministerium der neuen Aera eingetreten war und wieder in Elberfeld - Barmen zum Abgeordnetenhause kandidierte, war Herr v. Diest, der ernannte Wahl-Kommissar, der einzige Wahlmann, der in einer Vorversammlung durch Handheben
* Ein Lob der katholischen Missionen in einem naiionalliberalen Organ. Bekanntlich hat ein Teil der liberalen Presse, so beifpiels- weise das ,Berl. Tagebl/, die Verhandlungen gegen Jesko v. Putkamer zum Anlaß genommen, um gegen die Missionäre, insbesondere die katholischen, in ganz unbegründeter Weise zu Felde zu ziehen. Demgegenüber scheint es angezeigt, auf einige Auslassungen hinzuweiien, die einem Blatte, das gegen den Vorwurf der Kathollkensreundlichkeit strengste Verwahrung einlegen würde, von „mit den Verhält- nissen nabe vertrauten, durch langjährige Erfahrung ausgezeichneten Seite" zugehen. Die ,Berl. Reuest. Nachr.' schreiben u. a.: In allen Kolonien ist dte Ansicht der Ansiedler, daß die katholischen Missronen dieser Aufgabe (die Gleichwertigkeit zwischen Schwarzen und Weißen herberzusühren. D. Red ) weitaus mehr Verständnis entgegenbringen und mit größerem Geschick sie lösen als die protestantischen. Selbst die Buren, welche geborene Katholikenhaffer waren, pflegten zu sagen, lieber einen roten Kaffern oder einen katholischen, nur beileibe keinen von einer protestantischen Station! Und weiter sagte dasselbe Blatt: Jedenfalls muß festgestellt werden, daß im allgemeinen die katholische Mission sehr gründlich arbeitet. Die Laienbrüder lehren die Eingeborenen erst arbeiten und gehorchen. Erst nach nnd nach bringt man dem Farbigen die Grundlagen des Christentums bei, und da spielt die Frage des Gehorsams gegen die Obrigkeit und den Brotherrn eine große Rolle. Es ist eine Tatsache, daß Eingeborene, die auf katho tischen Stationen erzogen worden sind, äußerst selten srech und anmaßend auftraten. Ich will nicht vergessen daraus hinzuwetsen, daß von den katholischen Eingeborenen keiner die Waffen gegen die Regierung in Südwestafrika ergriffen hat. Anders bei protestantischen Missionen!" Diese gewiß unverdächtige Stimme
gleichsobjekt für die Bagdadbahn dienen. Gewiß haben wir alles Interesse daran, das alte Kulturland zu erschließen und deutschen Interessen gerecht zu werden, aber als ein Objekt kann die Bagdadbahn, zu der ein deutsches Konsortium die Konzession erhalten hat, nickt betrachtet werden. W ich tiger als Marokko ist vielleicht K 0 n st a n t i n 0 p e l. Es ist wünschenswert, daß Deutschland seinen Einfluß in Konstantinopel nicht verliert, und ich würde bedauern, wenn die Zeitungsnachricht zutreffend wäre, daß zwischen Berlin und Konstantinopel die Freundschaft ab- nehme. Ich komme nun zu einem Thema, das in letzter Zeit im Vordergrund des Interesses gestanden hat, welches die schwärzesten Prophe- zeihungen gezeigt und die schärfte Kritik an den Leitern unserer Politik hervorgerufen hat. Es ist das
die Einkreisung Deutschlands
durch die Politik des Königs von England. Es besteht zwischen England und Frankreich. England und Italien sowie England und Spaniern enge Beziehungen. Enge Beziehungen bestehen auch zwischen England und Rußland, sowie England und Japan. Von Deutschland ist nicht die Rede. Das ist nicht schmeichelhaft, das ist vielleicht auch nicht angenehm, aber man soll die Dinge nicht übertreiben. In einem angesehenen belgischen Blatte habe ich gelesen, daß die neue Gruppierung nicht unbedingt als eine Is01i er u n g sten d enz Deutschland gegenüber zu betrachten sei und daß man aus der Stellungnahme der deutschen Presse zu der neuen Gruppierung annehmen müsse, daß Deutschland seine Macht auf Kosten anderer Rationen verstärken wolle. Eine böswillige Deutuyg der Gruppierung ist nicht zuerst von Deutschland ausgegangen, sondern von der französischen Presse. Nach ihr soll es der König von England darauf abgesehen haben, die deutsche Flotte, den deutschen Handel zu vernichten und die deuffchen Kolonien an England zu bringen. Das ist nichts weiter als eine Sensationsmache des Boulevardsblattes. In einer anderen französischen Revue, die weitgehende Informationen hat, war zu lesen, daß die deutsche Politik im Gegensatz stehe mit der zielbewußten Politik König Eduards, die sich mit der Delcasse- schen decke. Diese Politik bezwecke die
Beseftigung der deutschen Oberherrschaft,
unter der die Nationen in Berlin anzufragen hätten, ob sie frei atmen dürften. Auf welche Tatsachen kann sich eine derartige Behauptung stützen? (Lebhafter Beifall.) Welche Nationen haben bis jetzt in Berlin angefragt, ob sie frei atmen dürfen i (Erneuter Beifall.) Von solchen Aspirationen, von der Sucht nach einer Oberherrschaft in Europa ist Deutschland immer frei ge- roefen. Mehr Aufregung hat die Annäherung Englands an Spanien und Italien hervorgerufen. In der Presse sind die Zusammenkünfte überreichlich besprochen worden. (Lebhafte Zustimmung.)