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ZuldaerM Zeitung

Wochenbeilage: „Illustrierte bonntagszeitung" Monatrbeilage: „Fuldaer Geschichtrdlätter"

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Rotationsbrnd u. Verlag der 5nldaer Ar» tiendr rckerei in.Hulda. 8ernlprech«r Nr 9.

M 98.

Fulda, Dienstasi den 30. April 1907.

34. Jahraanq.

Erstes WLalt.

Deutsches Reich.

Berlin. 29. April 1907.

» * Der Kaiser weilte in dm letzten Tagm in

dm Reichslanven. Zu der Kaisertafel wurde diesmal, entgegen dem früheren Brauch, der Präsident des reichsländischm Oberkonsistoriums, Dr. CurtiuS, nicht zugezogen. Dr. CurtiuS hat bekanntlich zusammen mit dem ehemaligen Unterstaatsfekretär von Elsaß-Lothringen Prinzen Alexander v. Hohenlohe die Denkwürdig­keiten des Reichskanzler Clodwig v. Hohenlohe- Schillingsfürst herausgegeben, deren Veröffmt- lichung seiner Zeit in Berlin peinlich berührte. Darauf dürfte es zurückzuführen sein, daß CurtiuS nicht zur Tafel zugezogm wurde. Das reichs- ländische Oberkonsistorium hat wegen dieser Zurücksetzung seines Präsidenten eine Beschw erde- schrift veröffentlicht, nachdem mehreren Mit­gliedern der Kürperschaft eine beim Statthalter erbetene Audienz nicht bewilligt worden war.

r. Der Reichstag hat seine Dispositionen dahin getroffen, daß bereit- morgen, Dienstag, die Beratung des Etat- deS Auswärtigen Amtes stattfindet. Zum ersten Male werden wir bei dieser Gelegenheit den Reichskanzler wieder im Reichstag zu sehen bekommen. Verschiedene Blätter teilen mit, daß sich die Führer der größeren Parteien lediglich auf die Abgabe kurzer Erklärungen beschränken würden. Dagegm glaubt der ,Berl. Lokalanz/ mitteilen zu tonnen, daß der Reichskanzler nur dann das Wort zu nehmen gedenke, wenn der Gang der Debatte ihn dazu nötigen sollte. Hierzu gibt das genannte Blatt folgende Begründung: »Das ausführliche Expofs, das Fürst von Bülow in der großen Reichstagssihung vom 14. November über die internationale Lage gegeben hat, ent­spricht in seinen Grundzügen auch jetzt noch der allgemeinen Situation, eher ließe sich sagen, daß der politische Horizont an einigen Stellen lichter geworden ist, als er es damals war." Was die übrige Geschäfts­lage des Reichstags betrifft, so soll das Be­amtenpensionsgesetz, wenn irgend möglich, vor Pfingsten noch erledigt werden. Dagegm wird von der Vorlage über die MajestStsbeleidigungs- prozeffe nur noch die erste Lesung vorgenommen werben; die übrige Arbeit überläßt man vorerst der Kommission. Daraus ergibt sich der weitere Schluß, daß der Reichstag vor Pfingsten bis zum Herbst vertagt, aber nicht geschlossen werden soll.

(*) Die „Enthüllungen" der liberalen Presse über die Kolonialschule des Oblatenklofters in Hünfeld. Durch eine Anzahl von liberalen Blättern gehr folgende Notiz: „Einen liefen Blick in die Seele des Zentrums hat die Verhandlung der Budgetkommission des Reichs- lages über die „Kolonialschule" in Hün­feld eröffnet. Wenn man sich aus den Kolonial­debatten der jüngsten Zeit der innigen Beziehungen erinnert, die das Zentrum zur katholischen Mis­sion unterhält, so wird man für unmöglich er­klären, daß eS innerhalb der Zentrumssraktion keinen Menschen gegeben haben sollte, dem die Wahrheit über die sog „Kolonialichule in Hün- selb" nicht wohlvertraut war. Und vergleicht

Stresea

oder

Auf gehrinrnisnollen Wegen.

Roman von Eduard Wagner.

33) Flachdruck verboten.)

„Nur ungern lasse ich Sie unter Fremden, Miß", sagte die gute Frau. „Ich wünschte, ich könnte bei Ihnen bleiben, bis Sie ein passendes Mädchen gefunden haben; aber ich werde zu Hause erwartet. Sehen Sie sich nur vor bei der Wahl einer Dienerin. Und nun leben Sie wohl, Mitzl^ch hoffe, daß die Rosen bald auf ihre blei­chen Wangen zurückkehren werden."

£t/tem nochmaligen Lebewohl entfernte sie sich. Alexa sah dem Wagen nach, bis er hin­ter den Bäumen und Häusern verschwunden war' dann wandte sie den Blick nach der See, welche wie ein großer Spiegel vor ihr ausgebrei'tet lag Sie trat an das Eckfenster, welches eine herrliche Aussicht darbot über das Meer, das felsige Ufer unterhalb des Dorfes und auf das stattliche Schloß, welches sich majestätisch auf dem hohen Felsen erhob und sich scharf am Himmel abgrenzte. Von dem viereckigen Turm wehte eine Flagge mit dem Familienwappen.

, Es bedurfte keiner Erklärung, um sich zu überzeugen, daß sie Mont Heron, das Schloß ihrer Ahnen, den Platz ihrer Geburt und ihrer ersten Kindheit, vor sich hatte.

Herz schlug rascher und ihre Augen blitzten.

„ das rechtmäßige Eigentum meines Vaters l dachte sie. Mein Vater ist in Wirk- lichkeit Marquis von Montheron, obwohl er unter dem Bann eines ungerechten Todesurteils steht und ein verurteilter Flüchtling ist. Und ich bin sn Wirklichkeit Lady Constanze Heron, obwohl rch hier nur Alexa Strange bin urkd. wenn mein

man den Feuereifer, mit dem die Herren Roeren und Erzberger auf mehr oder weniger unmittelbare Veranlassung von Missionaren sie die „Aufdeckung" irgend eines „Kolonialskandals" sich angelegen sein ließen, dann steht man ver- wundert vor dem völligen Stillschweigen, das jene Kämpen selbst in dem Augenblick beob­achteten, da der Hünfelder „Kolouialskan- dal" enthüllt werde. Freilich: das Wort vom goldenen Schweigen verwirklichte sich in diesem Falle zu Nutz und Frommen einer katholischen Anstalt I Da dürste das sonst so zarte Gewissen der klerikalen „Enthüller" sich ruhig schlafen legen." — Noch selten ist uns eine plumpere Erfindung zu Gesichte gekommen wie diele. Wir stellen nur folgendes fest: 1) die Kolonial­schule ist vorhanden; 2) sie wurde mit Wissen der Kolonialabteilung in Engelpor errichtet, weil dort die Anbauung von Weinbau möglich ist, im rauhen Hünfeld nicht; 3)der Abg. Erzberger hat in der Budqetkommission diesen Sachverhalt eingehend geschildert und erreicht, daß die Kommission mit großer Mehrheil die Position in Engelport genehmigte. Die Be- hauptung der liberalen Presse ist also nach jeder Richtung hin falsch. Wenn seither im Eta Hünfeld stand statt Engelport, so ist dies darauf zurückzuführen, daß die Vermögens- Verwaltung und Zentralinstanz für Engel- port eben in Hünfeld ist. Die ganze Auf- bauschung ist lächerlich und kleinlich, wie wir eS an folgendem Beispiel zeigen wollen. Im Etat für Togo sind 2 Bezirksamtmänner für Anenzo und Lame bewilligt, dieselben aber sind in den ganz anderen Bezirken Mirahöhe und Lakreda; der Abg. Erzberger hat dies festgestellt, ohne Aufhebens zu machen und nun bean­tragt, die Ortsbezeichnung zu streichen. Aber kein Mensch hat daran etwas gefunden. Nur gegen Hünfeld ziehen liberale Blätter zu Felde, obwohl der amtliche Bericht gerade die Er­folge der Engelporter Schule selbst anerkennt.

Den Vorwurf der „großen Tölpel­haftigkeit" erhebt die,Rhein. Wests. Ztg/, weil der Freisinn in der Budgetkommission die 10. Kompagnie für die Kameruner Schutztruppe adlehnte. Der Freisinn stellte sich, wie sein Wortführer Dr. Wiemer ausführte, auf den Standpunkt, daß grundsätzlich die Zivilgewalt in den Kolonien zu stärken sei, und daß des­halb der Freisinn zwar nicht die Schutztmppe, wohl aber die Polizeitruppe entsprechend zu ver­mehren bereit sei. Gleichwohl spricht die natio- naüiberate ,Rhein. Wests. Ztg? von „Tölpelei", weil der Freisinn durch sein Verhalten dem Zen­trum Gelegenheit gegeben habe, für die Re­gierungsforderungen einzutreten und dadurch Den Freisinn aus seiner Blockstellung zu ver­drängen. Daß der Freisinn durch ein solches Verhallen dem „verhaßten Gegner, dem Zen­trum, zu einem billigen Triumphe verholfen habe", sei nicht nur eine „Tölpelhaftigkeit", onbern auch eine „Schmach". Eine Reihe an­derer Blätter sprechen dasselbe au8 und erwarten eine „Bekehrung" im Plenum. Welch' schmach­volle Rolle für den „Freisinn", der seinen An- hängem verhieß, durch das BlockbündniS eine „neue liberale Sera" heraufführen zu können! Nun muß der Freisinn auch in den kleinlichsten Budgelfragen bei der Stange bleiben, wenn er nicht sogleich mit Liebenswürdigkeiten ledacht, der Tölpelei beschuldigt und mit dem

Vorhaben mißglückt, ich Alexa Strange bleiben muß bis zu meinem Tode. Bergen jene alten grauen Mauern da drüben das Geheimnis des Rätsels, welches zu lösen ich gekommen bin? O, mein gütiger Gott! Hilf mir, meines Vaters Namen reinigen und ihm zu seiner rechtmäßigen Stellung zu verhelfen! Jetzt mag der Kampf be- gmnen, ich bin entschlossen, eher zu sterben, als ohne Rettung zu bringen, zu meinem unglllck- rchen Vater zurückzukehren l"

Es wurde a;t die Türe geklopft und auf Alexa's „Herein" erschien der Wirt mit dem Fremdenbuch, Feder und. Tinte.

„Wollen Sie so gütig sein. Miß, Ihren Namen hier einzutragen?" sagte er. „Und wenn Sie etwas begehren, stehe ich zu Ihren Diensten."

Alea schrieb ihren Namen ein.

„Ich gedenke einige Wochen hier zu bleiben", sagte sie, „vielleicht auch länger, wenn es mit gefällt; deshalb wünsche ich mir eine Dienerin zu engagieren, eine ältere, gut empfohlene Per­son. Wollen Sie so freundlich fein, sich nach einer solchen für mich umzusehen?"

»Ich will zu meiner Frau gehen", entgegnete der Wirt. „Die weiß in solchen Dingen besser Bescheid als ich. Ich will Sie Ihnen sogleich zu- schrcken."

Er entfernte sich und wenige Minuten später erschien seine Frau. Sie hatte ein gutmütiges Gesicht.

Alexa grüßte sie höflich und trug ihr An­liegen vor.

«Was ist das für ein Schloß dort in der Ferne?" fragte sie, nachdem die Wirtin ihr ver­sprochen hatte, eine taugliche Dienerin herbeizu­schaffen und zwar in der Person einer Mrs. Goff die, wie sie erzählte, früher Dienerin im Schlosse' Montheron gewesen war und in dem Prozesse gegen Alexa's Vater auch als Zeugin vor Gericht gestanden hatte.

. Das ist Mont Heron ,der Sitz des Marquis von Montheron", antwortete die Wirtin. „Die

Ausschluß aus dem Regierungskartell bedroh werden soll. Die Taktik des Zentrums aber hat sich hierbei sehr gut bewährt. Den Scharf­machern wäre es lieber gewesen, wenn auch bas Zentrum die Forderung abgelehnt hätte, dann wäre sie gefallen und der Freisinn hätte im Plenum abfchweuken können. Jetzt ist er entbehrlich.

Die Kriegstrommel rührt wieder ein Mitglied der nationalliberalen Partei. Die angesehene Pariser Tageszeitung ,Petit Parisien' hat ein Mitglied ihrer Redaktion nach Berlin entsandt, um hier in politischen Kreisen eine Umfrage über die Beziehungen zwichen Deutsch- land 'und Frankreich zu veranstalten. Ter »Pettt Parisiew beginnt nunmehr mit der Ver- öffentlichung der seinem Vertreter zuteil gewor­denen Antworten. Der französische Botschafter in Berlin, Cambon, der Herzog v. Trachen- berg, Kolonialbirektor Dernburg, sowie her- oorragenbe Mitglieder der verschiedensten Par­teien glauben nicht an die Möglichkeit kriege­rischer Verwickelungen zwischen beiden Ländern. Nur der nationatliberale Abg. Semler machte eine Ausnahme; er führte eine geradezu kriegerische Sprache und ließ Worte fallen, wie sie sein Fraktionskollege Bassermann jüngs in Magdeburg vernehmen ließ. Die national» liberale Partei scheint es sich zur Aufgabe ge­macht zu haben, das Ausland zu beunruhigen und vor den Kopf zu stoßen und unseren Staatsmännern die ohnedies vorhandenen Schwierigkeiten in der auswärtigen Politik noch zu vergrößern. Die Erklärung Sem» ter8 hat der Franzose für fo wichtig angesehen, baß er sich dieselbe schriftlich geben liefe. Seniler wies einleitend daraus hin, daß eine Verständigung Frankreichs mit Deutschland sehr im Interesse Frankreichs gelegen sei, ging bann zu der englischen den Frieben bedrohenden Politik über, die Deutschland schließlich dazu zwingen könne, „zu handeln, ohne einen Angriff abzuwarten". Die englisch-fran- zösische Verständigung drohe „in jedem Augen­blick einen französisch-deutschen Krieg hervorzurufen". Semler schloß dann mit den Worten: „Zu meinem Bedauern muß ich bie Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland als gefährdet betrachten". Diese Auslassungen Semlers Haden in Frankreich allenthalben Beunruhigung hervorgeruseu. Das Ausland kennt recht gut die Beziehungen der nationalliberalen Partei zur Regierung und ihre Bedeutung im neuesten Kurs. Es mißt daher den Aussprüchen angesehener Mitglieder dieser Partei eine erhöhte Bedeutung bei. Dr. Paasche hat zwar jüngst anläßlich der Rede Bassermanns erklärt, Bassermann habe nur seine reine Privatmeinung vorgetragen, was ja hin­sichtlich des Abg. Semler sicherlich der Fall ist. Aber die Herren sollten es aus den angeführten Gründen vermeiden, das Ausland unnötigerweise herauszusordern und das gegen Deutschland überall schon bestehende Mißtrauen durch ihre Plaudereien noch zu nähren.

* „Muß denn durchaus gebetet werden?" Wie es nach liberaler Anschauung mit dem Beten in Simultanschulen gehalten werden soll, darüber spricht sich die liberale ,Strafeb. Post' in Nr. 447 recht offenherzig aus. Das Blatt schreibt, „daß man den Gedanken aufgeben muß, in den Simultanschulen

erste Frage, welche alle Fremden gewöhnlich tun, betrifft dieses Schloß. Ich nehme an. Sie haben davon gehört, — doch es ist möglich, daß Sie nichts davon wissen, da Sie noch so jung sind. Es trug sich dort das Drama von Montheron zu. Haben Sie davon gehört"

„Ich habe die Geschichte gehört", antwortete Alexa; „aber ich möchte sie wohl noch einmal hören."

„Ich werde sie Ihnen gelegentlich gern er­zählen, Miß. Ich habe sie schon hundertmal mei­nen Gästen erzählt, bin aber nicht müde getoor- >en, sie zu wiederholen."

„Was bedeutet die Flagge auf dem Turm?" ragte Alexa.

„Sie bedeutet, daß der Marquis zu Hause ist. Er war sonst fast beständig auf Reisen; aber im letzten Jahre war er zu Hause, ausgenommen während der Londoner Saison."

„Ist er sehr beliebt?"

„Der Marquis? Ja, er ist allgemein beliebt, und mehr noch in London, als hier, wie ich höre; aber Jedermann sieht ihn gern und er hat viele Freunde."

Hiermit war das Gespräch zu Ende und bald darauf verabschiedete sich die Wirtin von Alexa.

Nach Ablauf von einer Stunde kam sie schon mit Mrs. Goff zurück. Die Erscheinung der Leh- eren gewann sogleich die Gunst Alexa's. Sie war eine ruhige, ältliche Person, einfach gekleidet, und hatte ein ehrliches, gutmütiges und ange­nehmes Gesicht. Sie machte eine tiefe Verbeu­gung vor Alexa, welche sie mit forschenden Blicken betrachtete. Auf die Frage des Mädchens erklärte ie sich geübt in den Obliegenheiten einer Kam­merzofe. Sie wurde engagiert und trat sofort ihre neue Stelle an.

„Und nun," sagte Alexa zu der Wirtin, „wollen Sie mir etwas Essen heraufschicken; fpä- er will ich einen Spaziergang auf den Hafen­damm machen und Mrs. Goff soll mich begleiten."

»Bitte, nennen Sie mich Marjory, Miß," jagte

außerhalb deS Religionsunterrichtes das Schulgebet weiter zu pflegen." Nach einigen Bemerkungen fährt das liberale11 Organ weiter:

„Aber muß denn durchaus gebetet werden? Kann eine Schreib- oder Zeichen­stunde nicht ohne Gebet begonnen werden? Wir haben von jeher an dem mechanischen Herleiern des Anfangsgebets in der Volksschule religiösen An st oß (!) genommen, weil es eine grobe Veräußerlichung darstellt, das Gebet zur gewohnheitsmäßigen Formel herab­drückt und dem Geiste des Evangeliums direkt widerspricht. Fällt es weg, so kann die wirkliche Religiosität nur gewinnen (!). Alle Schwierig­keiten fallen weg, wenn man Religion und Unterricht nicht verquickt, und am Ende gewinnt dadurch nur die Religion selbst."

Die Religion soll also mit dem ganzen Unterrichte nichts zu tun haben, sie soll aus­schließlich auf die Religionsstunde beschränkt werden, so will es die liberale Schulanschauung. „Muß denn durchaus gebetet werden?" Diese Frage ist durchaus charakteristisch für die religiöse Anschauung des Liberalismus, die so außer­ordentlich feinfühlig ist, daß sie sogar am Gebet vor und nach dem Unterricht „religiösen Anstoß" nimmt Völlige Trennung von Religion und Unterricht — das ist liberaler Grundsatz. Was muß das für ein Geschlecht werden, das aus solchen Schulen hervor geht!

» ........ .....l_______1-IJ.l_______ll.JB!

Aus dem Reichstage.

41. Sitzung vom 29. April 1907.

Eröffnung 1%. Uhr.

Erste Beratung des Gesetzentwurfs betr.

Aenderung des ReichsbeamtenpcnsionsgesetzeS

in Verbindung mit dem

Beamten- und Militärhinterbliebenengesetze.

Staatssekretär Frhr. v. Stengel: Die Vor­lagen bezwecken, die materielle Lage der durch Alter und Krankheit dienstunfähig gewordenen Beamten bezw. ihrer Hinterbliebenen zu verbes­sern. Angesichts der Fortschritte auf dem Ge­biete des Militärvensionsgesetzes bedeuten diese Vorlagen einen Akt der ausgleichenden Gerechtig­keit. Ich bitte, die Vorlagen wohlwollend zu prüfen und so rasch wie möglich zu verabschieden.

Auf Antrag des Abg. Grafen Hompesch (Ztr.) werden die Vorlagen einstimmig an eine beson­dere Kommission von 21 Mitgliedern verwiesen.

Postetat.

Abg. Beck (Heidelberg) (nL): Dem ersten Teil des Antrags Hompesch betr. Massendrucksachen stinimen wir zu, dagegen lehnen wir ben früheren Schluß der Paketannahme ab. Der Antrag Ab­laß ist uns sympathisch. Die Aufbesserung der Beamten muß eine allgemeine fein, sie muß alle Beamten umfassen. Der Ort, wo die Beamten ihre Wünsche vorzutragen haben, ist der Reichs­tag. Wir dulden daher nicht, daß den Beamte» das Petitionsrecht verkümmert werde.

Abg. Singer (Soz.): Die Heraufsetzung des Ortsportos hat vollständig Fiasko ge­macht, das beweisen die Mindereinnahmen. Mit der Resolution Hompesch betr. weitere Einschrän­kung des Sonntagsdienstes sind wir einverstan­den. Die Resolutionen auf Gewährung von Ost­markenzulagen lehnen wir ab. Die Resolution Ablaß auf Aenderung der Personalordnung für die mittlere Beamienlanfbahn werden wir an- nehmen. Im weiteren führt Redner Klage über die übermäßige Ausdehnung der Ar­beitszeit, insbesondere des Nachtdienstes so-

Mrs. Goff, als die Wirtin fort war. „Ihr lieb­liches Gesicht und Ihre Freundlichkeit haben be­reits mein Herz gewonnen."

„Nennen Sie mich Miß Alexa," versetzte das Mädchen ruhig, welche fühlte, daß die Worte der Frau keine bloße Schmeichelei, sondern ein Aus­bruch der Herzensempfindung waren.

Sie trat wieder ans Fenster und blickte hin­über nach dem alten Schlosse mit der stolz vom Turm herabwehenden Flagge. Sie brannte vor Begierde, von ihrer neuen Dienerin die Geschichte her Mordtat von Montheron zu hören, aber sie beherrschte ihre Ungeduld.

„Ich will bis zürn Abend warten," sprach sie zu sich selbst. „Es ist schon ein kleiner Schritt nach vorwärts, daß ich mir eine Dienerin gesichert habe, welche zur Zeit des Mordes auf dem Schlaffe und eine Zeugin vor Gericht war. Es mag sich im Saufe der Zeit etwas zugetragen haben, was einen Lichtstrahl in das Dunkel werfen kann. Ich will mich gedulden bis heute abend, und dann oll diese Frau mir das „Drama von Montheron" erzählen."

15. Kapitel.

Am Hafen.

Am Nachmittag verließ Alexa Strange, be­gleitet von ihrer neuen Dienerin, ihr Logis und chritt langsam dem Wall zu. Sie trug ein schwar­zes Kleid und hatte einen kleinen Schleier über ihr Gesicht gezogen. Mr. Goff ging in geringer Entfernung hinter ihr. Ihr Gesicht glänzte vor Freude über ihre hübsche und graziöse junge Her­rin, welche, das stand fest bei ihr, einer edlen Fa­milie angehörte.

Sie gingen die Straße entlang. Im Vorbei­gehen besah Alera die wenigen kleinen Kaufläden, i)ie kleine hübsche Kirche, die reizenden Villen, in grünen Gärten anmutig gelegen, bis sie endlich auf den Wall kamen, wo die Bewohner der Ville» und Logierbäuser versammelt waren und ein Or­chester musizierte.

(Fortsetzung folgt.)