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M-aer W Zeitung

monatsbeiiage:Fuldaer GeschichtMStter

34. Jahwanq.

M 97.

Fulda, Montag den 29. April 1907

der Forderung der 10. Kompagnie für Kamerun.

Das Blatt hat gar nicht unrecht mit folgenden

Betrachtungen:

nungen enthielt, stießen Warmhäuser,

Ich gehe mit Ihnen", erklärte Mrs. Tomkins

bestimmt.

fein.

Abschied.

(Fort,. s )

Bedeutung aber ei hält dieser Vorgang erst durch die Taisache, daß Herr Spahn namenS des Zen­trums erklärte, er halte das ganze in erster Lrnie für eine Geldfrage, und da die Notwendig­keit dieser Forderung nicht zu bestreiten sei, so stimme seine Partei für ihre Bewilligung. Wir stehen also vor der nicht ganz unrmereffanten Situation, daß der Freisinn in einer kolonial- militärrschen Frage aus „grundsätzlichen" Be­denken versagt hat, während das Zentrum diese Bedenken beiseite setzie und der Regierung-- sorderung durch sein Votum zur Annahme ver»

Kotaticnsftrud u. Verlag der 5nldaer Ht« tienör uirrei in Sulöa. frerrfpredw Nr «.

An ; « iaen: vi« fpaltigt peiltzeilr oder deren Raum |5 Pfg. Reklamen Jit prtilzell« 25 Pfg.; bei Wieder­holungen wird enispr- Radalt gewahrt.

Die Untersuchung, sowie die Verhandlung Kulturkampfes beoorstehen — oder ob sie in den haben ja auch zweifellos ergeben, daß v. Putt- Bahnen, die Studt wandelte, weiter zu fahren kamer nicht der Mann ist, das verantwortungs- gedenkt.

Amt eines Gouverneurs auSzuüben. Eine Gefahr für den nationalen Block

Zu der Frage der Neubesetzung des Gou- erblickt die .Deutsche Taaesztg/ tn der ab- verneursposten in Kamerun meldet nunmehr das | lehnenden Haltung der Freisinnigen gegenüber ,Berl. Tagebl/: „Wie schon früher verlautete, ~ 'st der Geheimrat Seitz, der zur Kolonialab- teUung des Auswärtigen Amtes gehört, dazu auserfehen, als Nachfolger des Herrn v. Putt- kamer nach Kamerun zu gehen. Geheimrat Seitz dürfte feine Stellung im Laufe des Sommers ibernehmen. Seitz war bekanntlich schon in Kamerun tätig, und in der Denkschrift über die Untersuchung der Kolonialskandale ist auch sein Warne genannt. Er war der Ab-

Alles, was vor Gericht versäumt worden sei, müffe der Reichstag nachholen.

Bei dieser Gelegenheit solle der Reichstag sich auch Kenntnis darüber verschaffen, wie die Kolonialfälle untersucht worden seien und ob auch wirklich volle Aufklärung geschaffen sei, denn im Falle Pattkamer sei da- nicht geschehen.

Die ,Berl. Morgenpost^ sagt über das Ver­halten des Staatsanwalt» u.a. folgendes: Seine Rede war eine einzige, fast ununterbrochene Lob­rede auf den Gouverneur, eine feurige Feier seiner Vnchienste. Mancher erwartete am Schluß dieses Hymnus einen Antrag auf Verleihung de- Schwarzen Adlerordens, und man war ein wenig erstaunt, als statt deflen ein Wort von Dienst, entlaffung siel. Er sprach auch geistvoll von einem „besonderen kolonialen Sittengesetz".

In ähnlichem Sinne wie die ,Frankf. Ztg/ und die,Berl. Morgenpost läßt sich auch die ,Freis. Ztg/ vernehmen.

Was nun die Frage der Rückkehr Jesko'S von Putlkamer auf seinen Posten in Kamerun, die anfangs vom ,Berl. Lokalanz/ gemeldet war, inzwischen aber von der »Nordd. Allg. Ztg/ als noch nicht endgiltig entschieden bezeichnet worden ist, betrifft, so wird diese Möglichkeit von allen Blättern ohne Unterschied b e st r i t t e n. Die .Franks. Ztg/ nennt es eine Möglichkeit, die das Kolonialamt gar nicht in Aussicht nehmen kann, wenn es nicht mit einem Schlage alles Vertrauen einbüßen will.

»er«ut»ertn*tr $»rtftleit«:l.n>etlef für Sie Anzeigen:

1. p«rel«r ht Huldn

Ürfdxhit til-Nch, mtt ÄUMahmr der Sonn« uttb Seiet legt. viertel» führt, vezu grpreir ohne Briwgerl'bn und veSelgeldinssulda und a$i$»irt$ l Hit 50 Pfg.

wochMbrnaae: „Illustrierte Sonntagrzeitung"

Wesenheit bei Ausnahme standesamtlicher An­zeichen beschuldigt.

„Seine eigentliche politische

.. . ----------- । Küste von Cornwallis. Die Mauern des Schlos-

t ... -lvlk wollen den ersten Zug benutzen, ses, von harten Steinen gebaut und grau wie dann können wir heute abend tn Mont Heron der Felsen selbst, auf dem sie standen, schienen ■ " 1 nur ein Teil desselben zu fein.

Deutscher Reich.

Berlin. 27. April 1907.

Sie erkundigte sich nach dem Abgang der Züge und erfuhr, daß es die höchste Zeit sei, um den Schnellzug der Südwest-Bahn zu erreichen. Sie bestellte sogleich einen Wagen, während Alexa die bis zur Ankunft desselben übrige Zeit benutzte, ein paar Zeilen an ihren Vater zu schreiben, ihm ihre Ankunft in London und die Abreise nach Mont Heron unter dem Schutze einer Frau, wel­che sie von Paris aus begleitet hatte, mitteilend. Der Brief wurde auf dem Wege zum Bahnhof in einen Briefkasten gesteckt.

Eine Stunde später befand sich Alexa wieder in einem Waggon erster Klasse und fuhr ihrem vorläufige» Bestimmungsorte zu: dem Orte ihrer Geburt, der Heimat ihrer Vorfahren, dem Schlosse, wo ihr Vater so glücklich gewesen und so viel gelitten hatte, und wo ihr Onkel auf so rätselhafte Weise ermordet worden warl Würde es ihr gelingen, dieses Rätsel zu lösen? Sie hatte eine Aufgabe vor sich, vor welcher ein Mann zu- rückschrecken mochte, der mit der Enthüllung von Geheimniffen vertraut war — und sie war nur ein schwaches, unerfahrenes Mädchen! Hatte sie sich zu viel zugetraut? Würde sie Verderben über sich selbst und ihren Vater bringen, den sie mehr liebte als ihr eigenes Leben? Oder würde ihr die Liebe zu ihrem Vater die nötige Kraft und der Selbsterhaltungstrieb die nötige Umsicht ver­leihen, um alle Hindernisse zu überwinden und sie zum Siege zu führen? Tie Beantwortung all' dieser Fragen lag tief im Schoße der Zukunft verborgen und nur die Zeit konnte den Schleier lüften, den Alexa schon jetzt vergeblich zu durch­dringen suchte.

14. Kapitel.

A« der Stätte der Tatsachen.

Mont Heron, der Stammsitz des Marquis von Montheron lag auf einem steilen Felsen an der

Die Wogen deS Meeres schlugen tosend gegen öen zerklüfteten Fuß des Felsens und um sein Haupt brauste der Wind wild wie zur Winters­zeit. Die Natur schien diesen Platz zu dem un­wirtlichsten in ganz England bestimmt zu haben; aber die Absicht der Natur war durch die Kunst vereitelt worden.

half. Mit anderen Worten: Zentrum und Frei­sinn haben bei diesem Kommissionsbeschluß ihre Rollen vom 13. Dezember 1906 vertauscht l Wir möchten diese „Unstimmigkeit" im natio­nalen Block einstweilen allerdings nicht allzu ernst nehmen, denn wir können nicht glauben, daß den freisinnigen Parteien die Bedeutung ihres Schritte- nicht schon zum Bewußtsein ge­kommen sein sollte; und so lebhaft wir ihre Haltung in der Kommission bedauern, io ent­schieden möchten wir doch annehmen, daß sie ihre Stellung im Plenum ändern. Zweifache Erwägungen werden ihnen das als notwendig und selbstverständlich erscheinen laffen. So ver­schieden die beiden Vorgänge hinsichtlich ihrer Bedeutung sind, so deutlich ist doch die Aehnlich- keit der gegenwärtigen Lage, in der der Freisinn dem Süden Kameruns tatsächlich den nötigen Schutz versagte, mit der Lage vom De­zember, wo das Zentrum mit seiner Haltung den Süden von Südwestafrika geiährdete. (Ist falsch! D. Red.) Und der Freisinn wird sich doch darüber nicht im Unklaren fein, daß die erste und selbstverständlichste Voraussetzung deS Bestehens und Gedeihens des „nationalen Blockes" ist, daß er in Fragen der Ehre und Sicherheit de- Reiche- und feiner Kolonien zu­sammenhält. Wollte der Freisinn wrklich in einem Rückfall in seine alte „Unentwegtheil" einet Forderung auf diesem Gebiete versagen, so würde diese Voraussetzung de-Volkes in einer Weise erschüttert, die nicht nur von größter Bedeutung wäre, sondern auch die schwerwiegendsten praktischen Folgen haben könnte." — Der Freisinn hat aber bereits die Folgen seiner Ablehnung gezogen: der freisinnige Korreferent Dr. Meiner ist sofort aus der Budgetkommission ausgetreten und hat da- Korreferat niedergelegt. Seine Partei- freunde wollen jedoch in ihrer ablehnenden Stellung verharren. Da- Zentrum hat hier­bei sehr geschickt manöveriert, indem e- daS bewilligte, waS sachlich erforderlich ist. Daß der Block dabei in -die Brüche ging, ist im Grunde genommen sür da- Zentrum ohne Belang, wenn auch die dadurch geschaffene Lage ein gewisses Vergnügen bei ihm auS- löst. Er treibt keine Politik der Rache und keine de- Zornes. Auch im Plenum war am Freitag eine interessante Abstimmung, zu der selbst daS ,Berl. Tageblatt' schreibt: „Am be­merkenswertesten war der Streit um ein Ver» sammlung-hau- für das Osfizierkorps der Land­wehrinspektion Berlin, das auf dem Terrain der WesteiSbahn am Zoologischen Garten errichtet werden soll. Während die freisinnigen Parteien gegen diese Forderungen waren, trat Abg. Erzberger für sie mit Entschiedenheit ein. Er hatte auch, wie es sich nachher heraus- fteflte, seine Partei hinter sich. So kam es, daß die Position schließlich gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten von den Konservativen, dem Zentrum und dem größten Teile der Rationalliberalen angenommen wurde. Zm Hause wurden bei diesem Ergebnis höhnische Stimmen laut: „Der neue Block!" Mit diesem Mißton schloß die Be­ratung."

• Wa8 dem Gesamtliberalismus auf die Beine Hilst, sagt uns die ,9taltib. Ztg/ in olgenden Worten über einen Bierabend des jungliberalen Vereins zu Berlin: „Man faß tn

tonen und ein PalmenhauS. Auf der Seite land­einwärts neigte sich der Berg von der oberen Ster- rasse an zu einem schrägen Abhänge und hier ührte eine breite Chauffee durch Blumen- und Gemüsegärten zu dem etwa eine halbe Stunde entfernten Dorf Mont Heron.

Ursprünglich ein unbedeutendes Fischerdorf, war es jetzt ein zwar kleiner, aber sehr beliebter Badeort, hatte eine Kirche, zwei Gasthäuser, eine Anzahl Villen, welche während der Badezeit an Fremde vermietet wurden, mehrere Badehäuser und hübsche Anlagen. Die Umgebung eines Hei­nen Hafens und eine Sandbank nach Eintritt der Ebbe bildeten die Lieblingsorte der hier weilen- den Fremden.

Das Torf gehörte zum Schloß Mont Heron und die Gasthäuser, Villen und Wohnhäuser brachten dem jetzigen Besitzer eine ansehnliche Summe an Miete ein.

Der größere und feinere der beiden Gasthöfe trug auf einem weißen Schilde das Wappen der Montherons und wurde „Gasthof zu Mont Heron- genannt. Es war ein großes, zweistöckiges Gc- bäude, umgeben von einem großen und hübschen Garten, welcher im Sonimer sehr besucht ward.

Am Vormittag des ihrer Abreise von London olgenben Tages kam Alexa Strange mit ihrer Begleiterin im Gasthofe zu Montheron an. Sie waren erst spät am Abend in Penzance angelanat und genötigt gewesen, dort zu übernachten; am andern Morgen hatten sie sich einen Wagen bc- tellt, der sie nach Mont Heron brachte. Hier nahm ihre Begleiterin, Miß Tomkins, von ihr

An das Hauptgebäude, welches die Woh- “ "!'t" “* s , Konserva-

/. Eine Kulturkampfdebatte im preußischen Landtage. Man hätte meinen können, wir be­fänden un- mitten in einem frischsröhlichen Kulturkampf und da- Reich fei in Gefahr, von ein paar Ordensleuten in feinen Grund­festen erschüttert zu werden, wenn man die Reden laS, welche die nationalliberalen Abgeordneten Dr. Voltz und Dr. Friedberg am vergangenen Freitag im preußischen Ab- geordnelenhause hielten. Einige Ordensnieder- laffungen der Franziskaner in Oberschlesien hatten er den Nationalliberalen angetan, und sie ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen, diese Franziskaner al- eine Gefahr für da- Deutschtum und al- eine Stütze der groß- polnischen Agitation hinzustellen, und dann gegen den Kultusminister Studt, der die Niederlassungen genehmigt hat, wieder einma Sturm zu laufen. Geschickt und würdevol wieS der ZentrumSabg. Dr. Porfch die Hetzereien und Verdächt-gungen zurück, und auch Kultusminister Dr. Studt wehrte sich kräftig 'einer Haut. Den Abg. Friedberg brachte dies derart in den Harnisch, daß er dem Minister illoyale Handlungsweise vorwarf, wo- dem er­regten Herrn, der den »furor protestanticus* des General- Keim zu verkörpern scheint, einen Ordnungsruf seitens des Präsidenten eintrug.

. t । Das ,Berl. Tageblatt' nimmt den Vorfall zum

Die ,Freis. Ztg/ meint dazu: „Damit wäre Anlaß, um von neuem darzulegen, daß der ja dann der Affäre die Krone aufgesetzt! Vor- Kultusminister Studt nicht mehr in den Rahmen lausig aber erscheint unS diese Nachricht un- per Regierung passe. Fürst Bülow müffe un- glaublich.« v. Putlkamer habe sich ja selbst versäumt anS Werk gehen, ihn auszuschiffen, für „tropendienstunfähig" erklärt. Die ,Germ/ Besonders der Ordnungsruf, den sich Dr. sagt: „Das fehlte Retabe noch.... Eiserne Fried! erg zuzog, liegt ihm schwer im Magen. Vestn nennt Herr Dernkmrg daS ja wohl!" Wenn die Regierung den Kultusminister nicht DaS Stöckersche .Reich' schreibt zu dieser endlich abschüttle, werde sie das Vertrauen des Frage: „Mit der Praxis, daß Männer, die in Volkes noch gänzlich einbüßen. — Es macht E uropa sich nicht zurechtsinden konnten, nachgerade einen kornischen Eindruck, wenn nun in die Kolonien abgeschoben werden, die Liberalen sich immer als das „Volk" auf- muß endgiltig gebrochen werden. Äkur die spielen. Besonders im Munde des winzigen besten und tüchtigsten und sittlichsten sind auf Häufleins Freisinniger kann dieser Ausdruck vorgeschobenem und weithin sichtbarem Posten den Vernünftigen nur ein Lächeln abzwingen, verwendbar, wenn unsere Kolonisation dem Sicher ist, daß Kultusminister Studt nicht Mutterland zum Segen werden und den Farbigen mehr lange im Amte bleiben wird. Die Wahl zur Erstehung dienen soll. Die Verkehrtheiten seines Nachfolgers wird zeigen, ob die Regierung ungeeigneter Be.mlen haben uns jetzt gerade gewillt ist, den liberalen Heißspornen nach- hinreicheude Opfer an Blut und Gut gekostet." zugeben — und dann dürste eine Art neuen

und sie bestand darauf, daß Mr. Tomskins daran teil nähme.

„Möchten Sie einen oder ein paar Tage in London verweilen", fragte Mrs. Tomkins wäh­rend des Essens, „um die vorzüglichsten Sehens­würdigkeiten in Augenschein zu nehmen?" Da Sie noch nicht in London gewesen sind, würde es gewiß interessant für Sie sein, eine Fahrt durch die Stadt zu machen."

„Ich danke Ihnen", erwiderte Alexa. „Ich mutz so rasch wie möglich weiter reisen."

„Mein Wohnort ist in Lancashire", sagte Mrs. Tomkins. „Ich werde morgen abend zu Hause erwartet; doch kommt es nicht darauf an, wenn ich einen oder zwei Stage länger bleibe. Ich kann Sie begleiten, wohin Sie zu gehen wünschen."

„Ich gehe nach einem kleinen Badeort in Cornwall, acht oder zehn Meilen von Zenzance an der Südküste", sagte Alexa. „Das Dorf heißt Mont Heron."

„Ich habe davon gehört", entgegnete die Frau. „Jedermann sprach vor Jahren von dem Orte, als das große Drama von Montheron in ganz England besprochen wurde. Aber die Berührung solcher Sachen ist nicht passend in Gegenwart emer jungen Dame wie Sie sind. Das Dorf Mont Heron ist sehr hübsch und im Sommer sind viele Fremde dort. Da wir jetzt im Oktober sind, wird die Luft dort vielleicht Ihnen dienlich sein, mr Winter aber ist sie zu scharf, fürchte ich, denn sie sehen sehr zart aus."

„Wenn Sie mich nach Mont Heron bringen können, würde ich Ihnen zu Dank verpflichtet sein, Mrs. Tomkins", sagte Alexa in ihrem gewinnen­den Tone, der alle, die mit ihr zusammen kamen sogleich für sie einnahm. „Ich muß dorthin, aber ich möchte nicht gern allein dort ankommen, ohne Begleitung. Wenn ich erst dort bin, kann ich mir leicht eine Dienerin nehmen."

Alexa

oder

Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von Wbuarb Wagner.

88] (Nachdruck verboten.)

„Da eilt eS vorwärts!" murmelte er, „und mit ihm meine kleine Taube, welche ich mit Zit- fern und Zagen aussende nach einem Oelzweig. Wird sie im wilden Sturme untergehen? O, mein Welchem Schicksal geht sie entgegen?" — Strange kam in Triest an und reiste mittelst der Eisenbahn auf der kürzesten Tour, die ihr Vater ihr bezeichnet, nach Paris weiter, wo sie an einem schönen Septemberabend ankam, ohne daß ihr auch nur der geringste Zwischenfall zugestoßen war. Wenn sie auch mit dem Reisen gänzlich unvcrtraut, im Umgänge mit den Men­schen ungeübt und mit dem Treiben und Leben in den großen Städten durchaus unbekannt war so dienten ihr die genauen Weisungen ihres Va­ters doch als so sichere Führer, daß sie sich überall ohne Schwierigkeiten zurechtzufinden vermochte.

Sie nahm einen Wagen und fuhr nach der Rue St. Honore, wo ihre frühere Gouvernante, mit der sie noch immer im Briefwechsel gestanden, « Lehrerin in einem englischen Pensionat an- gestellt war.

Von dieser wurde sie auf herzliche Weise aus­genommen. Fräulein Gauthier verschaffte Alexa eine Begleiterin. Noch an demselben Abend rei- sten Alexa und Mrs. Tomkins, dies war der Name der Dame, nach England.

Die Reise verlief ohne bemerkenswerte Mo- mfnte und Alexa und ihre Begleiterin kanien am nächsten Abend in London an, wo sie in einem Hotel Logis nahmen.

Am andern Morgen wurde Alexa auf ihren Wunsch daS Frühstück auf ihr Zimmer gebracht.

n. Das Urteil gegen 3esfo v. Putt« tarnet und die presse.

Die Preffe aller Parteien beschäftigt sic i gegenwärtig mit dem Urteilsspruch im Prozesse Putlkamer. Die Art und Weise, wie der Gerichts­hof über manche Dinge hinwegrilte, der gute Glauben, der dem ehemaligen Gouver­neur in allen seinen Handlungen beigemeffen wurde, die gelinde Strafe und nicht zuletzt die unglaublich klingende Nachricht, JeSko v. Putt­kamer werde wieder in feine Stellung nad Kamerun zurackkehren, haben fast liberal Befremden und Kopfschütteln erregt. Die konser­vative Preffe geht natürlich mit dem Herrn Gouverneur gnädig um. Ist er doch als Neffe Bismarcks und Sohn eines preußischen Kultus­minister- gleichsam einer der ihrigen. Auch nationiafliberale Blätter behandeln den Fall ab! ziemlich harmlo-: Die,Rheinifch-Westf. Ztg/ bringt e- sogar fertig, dem Verurteilten wegen feiner „Verdienste" ein Loblied zu singen. Man begreift die Haltung dieser Blätter, wenn man bedenkt, welchen Anschauungen ihr Leserkreis huldigt. Widerwärtig aber erscheint die Heuchelei eines Teiles der freisinnigen Preffe im Falle Putlkamer. Wenn die Redaktion des ,8erL Tagebl/ einmal nachsehen sollte, was sie im vergangenen Sommer in dieser Angelegen­heit alle- gesagt und geschrieben hat, und ihre jetzige Stellungnahme damit vergleicht, dann müßte ihr da- eigenttich die Schamröte in- Gesicht treiben. Aber da- ficht daS tapfere Freisinnblatt nicht an; namentlich die „Kusinen- geschichte" und die im Zusammenhang mit ihr stehende Paßfälschung werden gar wilde beur­teilt. E- fühlt sich nicht veranlaßt wegen der „Weibergefchichte" den „ersten Stein" auf den Gouverneur zu werfen. Weniger „harmlo-" erscheinen ihm die anderen Anschulbigungen. Mit einer Unverfrorenheit und Unverschämt­heit, die ihres gleichen sucht, bemüht es sich dann, den Gouverneur als Opfer de- Zentrums und der Missienäre hinzustellen, und schreibt: „Da- Zen:rum wird jammern, daß ihm Herr v. Putlkamer entgangen ist; es hatte bereis den Scheiterhaufen gerichtet. Wir fühlen un- von aller Gehäfstgkeit gegen Herrn v. Putlkamer frei; wir billigen ihm sogar zu, daß er den Tropenkoller in relativ erträglicher Form reprä­sentierte, und insofern finden wir uns gern mit dem milden Spruch de- Di-ziplinargerichtshofes ab." Da« heißt dann doch die Tatsachen auf den Kopf stellen. Gerade die freisinnigen Abgg. Kopsch und Dr. Ablaß haben die Angelegen­heit sehr eingehend behandelt, während da- Zentrum mehr eine abwartende Stellung einnahm. Zum Schluffe fühlt sich dann das ,Berl. Tgbl/ bemüßigt, gegen „verkrachte Junker unb bornierte Missionäre" kräftig vom Leder zu ziehen. Nur die ,Franks. Ztg/ und Die .Freis. Ztg/ sind ihrer früheren Haltung treu geblieben. So fagt die .Franks. Ztg/: „Wir können un- nicht denken, daß es bet dem Urteil der Dlsziplmarkammer fein Bewenden haben wild, das nicht nur durch seine Milde, sondem noch mehr durch feine Be­gründung beftemoet. Nicht immer hat es em Angeklagter so leicht mit seiner Verteidigung, wie es ihm hier der öffentliche Ankläger gemacht hat, schon d durch, daß die Anklage auf einige wenige Punkte beschränkt blieb, recht fchwer- wlegende Dmge aber ausgefchieden wurden."