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Rotati on, druck u. Verla- derruldaer Re» tiendr rckerei in finlbe. Fernsprecher Nr 9.

M 92.

Fulda, Dienstag den 23. April 1907.

34. Jahrgang.

Erstes Mlalt.

* Entschädigung für Schössen und Geschworene.

Der Etat der Reichsjustizverwaltung ist am Moritag im Reichstag wider Erwarten noch nicht zu Ende beraten worden. Infolgedessen harren auch die dazu vorliegenden Resolutionen noch ihrer Erledigung. Bekanntlich betreffen zwei Anträge auch die Gewährung einer Entschä­digung an Schöffen und Geschworene. Ein Zentrumsantrag fordert vom Reichstag die Vorlegung eines Gesetzentwurfes, durch wel. chen den Geschworenen und Schöffen neben der Vergütung für die Reise eine Entschädigung für die Zeitoersäumnis in der Form von

Tagegeldern

au? Landesmitteln gewährt wird. Ei» Antrag der freisinnigen Parteien fordert, daß die gleich­mäßige Zuziehung aller Stände zum Ge- schworenen- und Schöffendienste in den einzelnen Bundesstaaten durch Zahlung von Tagegeldern aus Lande-mitteln an die Schöffen und Ge» schworenen erleichtert wird. Der freisinnige An- trag scheint in der Form weiter zu gehen wie der Zentrumsantrag; in der Tat deckt er sich aber vollständig mit ihm. Wenn das Zentrum direkt auch die Berücksichtigung aller Stände beim Schöffen- und Geschworenendienste nicht zum Ausdruck bringt, so liegt die Aufstellung dieser Forderung schon darin, daß überhaupt eine Ent­schädigung gereicht werden soll. Dadurch wird es eben ermöglicht, daß das Schöffen- und Ge- !chworenenamt nicht nur jenen überragen wird. Deren Mittel es ihnen gestatten, ehrenamtlich tagelang im Sitzungssaal« zu verweilen. Bei Gewährung der Entschädigung ist eS auch einem unbemittelten, befähigten Mann aus dem Volke möglich, Schöffe oder Geschworener zu sein.

War nun die Frage der Entschädigung selbst betrifft, so ist diese Forderung schon längst erhoben worden. Auch der Reichstag hat sich bereits wiederholt damit beschäftigt. Noch im vorigen Jahre hat er zwei Resolutionen ange­nommen, welche sich inhaltlich mit den dies­maligen Anträgen decken. Zunächst wurde be» schloffen, daß den Schöffen und Geschworenen außer der Reisekostenentschädigung auch eine Ver­gütung tür Zeltversäumnis aus den Landesmitteln der Bundesstaaten gewährt werden solle. Die zweite Resolution forderte außerdem die Bei- jiehunq minderbemittelter Staatsbürger zum Schöffen-- und Geschworenendienst. Von jeher war also der Grundzug der Anträge dahin gerichtet, durch Gewährung einer Entschädigung den Kreis, aus dem die Volksrichter genommen werden, zu erweitern, um dadurch bas Vertrauen der Ail- aeme.nheit zur Rechtspflege mehr zu heben und cu fördern. Fallen dann doch alle Nebenrück- sichten weg. welche bisher bei der Auswahl von Scl öffen und Geschworenen in den Vordergrund treten mußten. Inwiefern diese Bestrebungen bei der Re-chsregierung Anklang gefunden haben, steht noch dahin; wenigstens ist bei der jetzigen Leraiunq der Staatssekretär des Reichsiustiz- amreS über die in den Resolutionen niedergelegten Forderunaen dinweqaeqlitten. AndereriertS lag

Atiexcr

oder

Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von Eduard Wagner.

26! (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung auS dem zweiten Blatt.)

Mr. Strange — wir müssen den Namen bei- behalten, den er selbst angenommen — beobachtete sie mit einer Angst, die sie sich nicht erklären konnte. Würde sie dem Urteil der Gerichte und der Welt beistimmen? Würde sie sich von ihm wenden und ihn aufgeben? Sie hatte stets voller Teilnahme mit dem Vater gesprochen, ehe sie wußte, wer dieser Vater war. Was mochte sie nun sagen, da ihr alles bekannt war.

Sobald der Nebel, der ihr Gehirn momentan umflorte, sich geklärt, sobald die erste Verwirrung vorüber und sie imstande war, die ganze schreck­liche Wahrheit zu fassen, sprang sie auf, eilte zu ihrem Vater und schlang ihre Arme um seinen Nacken, seinen Kopf herabziehend und sein Gesicht mit Küssen bedeckend.

„Armer Vater!" rief sie in schmeichelndem Tone, welcher zeigte, daß ihre Liebe durch das Ge- hörte nicht im mindesten erschüttert war. „Wie gut ist es, daß Du mir die Geschichte erzählt hast. Nun kann ich Dir Deine Bürde tragen helfen."

Mr. Strange sank auf den nächsten Stuhl. Von dem Augenblick seiner Verurteilung an hatte er kein Wort der Teilnahme oder des Bedauern- mehr gehört, und darum überwältigte ihn der r-^n ^)iefe innige Teilnahme, dieser un- ersa;utterllche Glaube auf ihn machte. Er verbarg ein Gesicht an der Brust seiner Tochter und schluchzte laut.

Alexa tröstete ihn mit herzlichen Worten und zärtlichen Liebkosungen. Endlich hatte er sich be- rubiat. Er erhob seinen Kopf und sagte:

aber vor einigen Tagen ein« Meldung vor, auS der hervorging, daß in RegierunaSkreisen doch ein Umschwung sich zu vollziehen beginnt.

Wen« die Forderung auf die Gewährung einer Entschädigung an Schöffen und Geschworene noch nicht erfüllt ist, so scheint das

HaupthinderniS auf der preußischen Seite zu suchen zu sein. BiS vor kurzem hatte sich der Bundesrat mit den vorjährigen Resolutionen nicht beschäftigt, weil Preußen der Ansicht ist, daß diese Frage lediglich im Zusammenhänge mit der Straf- pro„eß - Reform erledigt werden soll. Nunmehr haben aber die süddeutschen Regierungen einen Schritt vorwärts gemacht. Bayern, Würt­temberg und Baden haben nämlich beim Bundes­rat gemeinsam einen Antrag auf Gewährung der Entschädigung eingebracht. Das scheint die Folge der jüngst bei der Interpellation über die Straf- prozeß-Reform auf fast allen Seiten des Hause- zum Ausdruck gebrachten Sympathie für die An­träge zu sein. Immerhin dürfen wir jetzt er­warten, daß die Frage schneller gefördert wird, nachdem rin Teil der Regierungen selbst Stellung dazu genommen hat.

Leider hat sich der Vertreter der Reichsregie- ntng über den Stand der Angelegenheit noch ausgeschwiegen. Daraus kann geschloffen werden, daß der B u n d e s r a t selbst einen Beschluß darüber noch nicht gefaßt hat. Tatsächlich soll auch der Antrag der süddeutschen Regierungen noch die zuständigen Ausschüsse beschäftigen. Ist aber Süddeutschland erst vorgegangen, so wird sich Preußen auch nicht mehr auf die Dauer aus­schließen wollen. Diese Hoffnung ist um so be­rechtigter, als der Reichstag zweifelsohne die Re­solutionen des Zentrums und der Freisinnigen erneut mit großer Mehrheit annehmen wird. Wir erwarten deshalb, daß sich die vorliegenden Be­schlüsse ehestens zu einem Gesetzentwurf über die Gewährung einer Entschädigung an Schöffen und Geschworene und zur Hinzuziehung auch des minder­bemittelten Volksteiles zu dem bisherigen Ehren- amte verdichtet. Liegt doch darin ein äußerst wirksames Mittel, daS Vertrauen in unser Rechts­pflege kräfttgst zu unterstützen und zu fördern.

Deutsches Reich.

Berlin, 22 April 1907.

r. Einen Entwurf betreffend Abänderung der Gewerbeordnung hat der Bundesrat vor einigen Tagen angenommen. Er erfüllt die Wünsche der Handwerkerwelt nach Einführung des sogenannten kleinen Befährgungs- nachweises. Darnach sollen in Zukunft nur noch geprüfte Meister zum Halten von Lehr­lingen berechtigt sein.

r. Das Gesetz über die Milderung der Majestätsbeleidigungsprozesse sche.nt im Bun- desrat nicht allgemeine Billigung zu finden. Wie in einem Berliner Lokalblatt verlautet, wird der Entwurf wohl in einer der nächsten Sitzungen verabschiedet werden können, weil unter den Bundesregierungen noch Meinungsverschie­denheiten über die vorgeschlagene Fassung be­stehen. Leider ist nicht mitgeteilt, ob der Vor­schlag einem Teil der Regierungen zu weit geht, oder ob er den gehegten Erwartungen nicht ent- spricht.

„Halte mich nicht für schwach, Alexa; aber ich hatte den Eindruck meiner Erzählung auf Dich gefürchtet. Dich jetzt verlieren, würde ich nicht ertragen können/

„Laß uns nicht mehr über diese Mordtat spre­chen, Vater. Eine Frage brennt mir auf der Kehle, doch ich wage sie nicht auszusprechen. Erst erzähle mir von dem kleinen Mädchen, der kleinen Konstanze Heron."

„Du wirst es erraten haben: das Mädchen warst Du, jetzt als Alexa Strange bekannt."

„Und meine Mutter?" stieß das Mädchen hastig die Frage heraus, die sie erst nicht auszu- sprechen wagte. „Erzähle mir doch von ihr."

„Deine Mutter, Alexa, mein geschiedenes Weib, die Tochter des Herzogs von Clyffebourne, hat wieder ihren Mädchennamen, Lady Wolga Clyffe, angenommen. Sie ist in England, Alexa, glaubt. Du seist tot und weiß, daß ich als Flücht­ling in irgend einem Winkel der Erde mich ver­berge. Sie ist eine anerkannte Schönheit, um- geb« von vielen Bewerbern", und Mr. Strange's Gesicht verzog sich in bitterem Schmerz. „Am Morgen seiner Abreise von hier sprach Lord Kingscourt zufällig von ihr. Sie bat in all den Jahren nicht wieder geheiratet, aber es heißt, daß sie jetzt verlobt ist —"

„Verlobt! Meine Mutter! Dein Weib!"

. „Mein geschiedenes Weib, Alexa. Ich habe keinen Anspruch an sie."

„Verlobt! O Vater, es kann nicht wahr fein."

„Sie glaubte mich schuldig, wie alle Welt. Verdamme sie nicht, Alexa. Ich habe keinen Vor­wurf für sie; dazu habe ich sie zu sehr geliebt. Ich liebe sie noch und würde alles darum geben, wenn ich, selbst ungesehen, sie einmal Wiedersehen könnte. Aber obwohl ich ihr keinen Vorwurf machen kann, verzehre ich mich doch vor Eifersucht bei dem Gedanken, daß sie einen anderen heiratet. Ich habe noch stets an sie gedacht als an mein Weib, habe noch immer auf eine Wiedervereini­gung mit ihr gehofft, wenn die Vorsehung die Wahrheit ans Licht bringen und meinen Namen

n. Ein findiger Kopf, der wie Fürst BlS- marck „Aber zuristilche Zwirnsfäden nicht stolpert", scheint der Vorsitzende deS Posener Schöffen­gerichte-, Amtsrichter Ueker, zu sein. In einem Schulstreikprozeß, der am 16. ds. MtS. vor ge­nanntem Gerichte verhandett wurde, soll er also erkannt haben: „Die Nichtteilnahme der Kinder an dem schulplanmäßigen Unterrichte, die durch die Verweigerung des deutschen Gebet-, der Antworten im deutschen Religionsunterrichte usw. erwiesen sei, sei gleich einer SchulversäumniS zu erachten und gleich einer solchen zu bestrafen. Es genüge nicht, daß da- Kind persönlich in der Schule anwesend sei, sondern es müffe ver- langt werden, daß es dem Unterricht auch geistig folge. Der Angeklagte habe durch sein Verbot diese geistige Anwesenheit seiner Kinder im Religionsunterrichte verhindert, damit auch die Sicherheit und Ordnung des Staate- gestatt. Diese geistige Abwesenheit sei gleich der persönlichen Abwesenhert zu er» achten und zu bestrafen." — Man sieht, der Mann läßt eS an dem nötigen Schneid nicht fehlen und geht energisch vor. Aber seine juristischen Luftsprünge finden nicht einmal den Beifall seiner Freunde, sie erregen selbst bei den Hakatisten schwersten Kaliber- Kopsschütteln. So schreiben z. B. die .Berliner Neuesten Nachr/: „Mit juristischen Spitzfindigkeiten, wie sie die Entscheidung des Schöffengerichts in Posen zum Ausdruck bringt, wird man eher das Gegenteil von dem, was beab- sichtigt wird, bewirken. Die Polen werden durch eine solche Auffassung des Gerichtshöfe», für die ihnen naturgemäß jedes Verständnis ab­geht, unnötig erbittert und zu noch heiligerem Widerstande aufgestachelt werden." — Und die ,Tägl. Rundschau', die allen Maßnahmen der Regierung gegen die katholischen Polen zujubelt, sagt dem Herrn Amtsrichter folgende bittere Wahrheit: „ . . . Wir glauben nicht, daß diese juristische Konstruktion einer „geistigen SchulversäumniS" ein sehr glücklicher oder auch nur brauchbarer Gedanke war." ... — Man kann sich allerdings nicht wundern, wenn bei solchen richterlichen Erkenntnissen die Erbitterung unter den Polen immer mehr wächst und der Schulstreik, so sehr er auch zu bedauern und zu verutteilen ist, fortdauert.

* Ein schnelles Urteil fällt die konservative ,Kreuzztg.' in ihrer neuesten Wochenrundschau, indem sie schreibt: „Im Laufe der verfloflenen Woche ist auch der Bericht der Kolonialabteilung über die Ergebnisse der Untersuchung der in der Oeffentlichkeit erörterten Fälle der Kolomalver- waltung durch die damit betrauten drei richter­lichen Beamten an den Reichstag gelangt und damit der Oeffentlichkeit übergeben. Betracht-t man das von uns im einzelnen bereits mitge- teilte Ergebnis, so muß man des alten Sprich­wortes von den kreisenden Bergen gedenken, aus denen nur ein lächerliches Mäuslein entspringt. So nichtig war die große Kolonial- skandaläktion, die von den Abg. Erzberaer und Roeren zur Freude der Sozialdemokratie und unter deren kräftigem Beifall in Szene gesetzt wurde. Wenn auch freilich nicht zu ermatten ist, daß dieses Erqebnts bessernd auf dema­gogische Elemente, die unterem Volke die Freude an der Kolonialpolitik systematisch verderben möchten, und unser Vaterland nach Möglichkeit vor dem Auslande bloßzustellen suchen, ein­

reinigen sollte. Ein vergeblicher und törichter Traum! Ich werde als Schuldiger in mein Grab steigen und sie wird einen anderen heiraten. Es ist sonderbar, sie dachte Marguise von Montheron zu werden als mein Weib. Jetzt hat sie die Aus­sicht, Marguise von Montheron zu werden, aber als die Gattin eines anderen."

„Ich verstehe Dich nicht, Vater!"

„Da ich zum Tode verurteill, also so gut wie tot bin und Du in Wirklichkeit tot geglaubt bist, Men die Titel und Güter der Montherons an den nächsten Verwandten. Dieser ist ein Vetter von mir und war früher als Roland Ingestre bekannt; nun ist er Marguis von Montheron. Roland Ingestre war einer von denjenigen, wel­che mein Bruder zu Zeugen meiner Frau Demü­tigung erwählt hatte. Er ist nun der begünstigjte Liebhaber der Lady Wolga."

„Was für ein Mann ist er, Vater?"

„Er ist sehr beliebt. Als Roland Ingestre mochte ihn jedermann leiden, als Marguis von Montheron ist er ein Führer der Gesellschaft."

Alexa war eine Weile sehr gedankenvoll; ein ungewöhnlicher Ernst lag auf ihrem Gesicht; dann sagte sie:

„Vater, Du mußt viel über bte Sache nachge- dacht haben. Hast Du nie einen Verdacht gehabt, wer der Mörder Deines Bruders sein könnte?"

„Nein, Alexa, nein. Ich habe nachgedacht und erwogen,, aber ich wüßte nicht, auf wen ich meinen Verdacht lenken sollte.

„War jemand da, der durch den Tod Deines Bruders gewinnen konnte?"

„Niemand außer mir, so viel ich weiß. Er war ein Sonderling infolge seiner Lahmheit und bitteren Erfahrung in der Liebe, und hatte viele Feinde; ober ich weiß niemanden, den ich in Ver­dacht haben könnte, den Mord mit kaltem Blut ausgeführt zu haben."

„Hast Du nie daran gedacht, daß dieser Ro- land Ingestre mit der Tat in Verbindung stehen könnte?"

Mr. Strange lächelte

wirken könnte, so darf man wohl erwarten, daß die Oeffentlichkeit allen derartigen „Enthüllungen" und Beschuldigungen in Zukunft von vornherein wesentlich mit mehr Zweifeln entgegentreten und sich in dem Glauben an die Integrität (tadellose Haltung unseres Beamtentums) nicht so leicht irre machen laffen wird." — In diesen „Auslassungen liegt eine planmäßige Irreführung der Oeffentlichkeit; denn einmal ist man darüber einig, daß der Bericht so gut wie nichts enthält; zweitens ist bereits in einem Falle (Tuch) festgestellt worden, daß der Bericht eine falsche Darstellung gibt; die im Vorjahre erhobene Kritik des Reichstages war in allen Teilen zutteffend; Reichsschatzamt und Reichs­justizamt haben sich auf die Seite der Zentrums­abgeordneten gestellt und die Kolonialabteilung mußte nachgeben. Im Plenum deS Reichstage- werden noch eine Reihe von Unrichtig­keiten festgestellt werden; wie der Bericht über den durch die Untersuchung herbeigeführten Tat­bestand auch gar nicht- sagt. Was aber die von dem Abg. Erzberger vorgebrachten Miß. stände betrifft, so sind gerade sie schon in dieser mangelhaften Denkschrift als zutreffend ange­geben worden; wir nennen nur die Fälle Kannenberg, Brandeis usw. Von allen Auf­stellungen dieses Abgeordneten konnte nicht ein einziger alS unzutreffend bezeichnet werden. WaS die Anklage deS Abg. Korn betrifft, so will dieser im Plenum des Reichstages ant­worten. Die Darstellung der,Kreuzzeitung' ist somit nach jeder Richtung hin falsch. Wer am meisten Anlaß hat mit der Denkschrift unzu­frieden zu sein, da- sind die freisinnigen Abg. Dr. Ablaß, Kopsch und Dr. Mü Iler« Meiningen; deren Anklagen sind in der ge­nannten Denkschrist als unzutreffend bezeich­net worden, womit wir freilich noch nicht zu­geben, daß sie nun auch unzutreffend sind. Du Zentrumsabgeordneten haben jetzt schon alle Ursache, mit dem Resultat der Untersuchung zu­frieden zu sein; anders steht es mit dem Frei­sinn: er muß ^'ch nun wehren, fall- er nicht von Der .Kreuzzeuung' noch schwerere Vorwürfe über sich erg-hen lassen will.

* Neber die Pumpwirtschaft klagt auch die,Frs. Zt g.' und meint: „Die Forderung des Tages muß für die Finanzverwaltung Spar­samkeit auf allen Gebieten und Beschränkung der Ausgaben auf das Allernotwendiqste sein. Das möge sich insbesondere Herr Derndurg gesagt sein lassen, dessen umfangreiche Kolomal­projekte nur geeignet sind, das Reich weiter in Schulden zu stürzen, ohne für absehbare Zeit andere als imaginäre Gewinne in Aussicht zu stellen." Ganz aut gesagt! Nur hält sich die freisinnige Volkspartei hieran so gut wie gar nicht.

* Ein parlamentarischer Maulkorb. Durch eine Reihe von Blättern geht eine Notiz, wonach die Zentrumsfraklion diejenigen Periönlichkeiien, die vor dem 13. Dezember bestimmend für die Politik der Fraktion geworden waren, nämlich die Abg. Roeren und Erzberger, jüngst auS- drücklich in einem Schriftstück zur Zurück­haltung bestimmt habe. Diese Meldung ist von Anfang bis zu Ende erfunden und erlogen. Der Abg. Roeren hat infolge seines Gesundheits­zustandes sich bisher den Reichstagsverhandlungen fern; halten müssen, kommt aber jetzt und wird schort beim Kolonialetat sprechen. Der Abg.

„Ingestre steht außer jedem Verdacht. Er hatte nichts zu gewinnen, denn wenn mein Stu­ber und ich beseitigt waren, hättest Du ihm noch immer im Wege gestanden. Ingestre war eines Verbrechens unfähig."

„Wie ist es mit den Dienern?" forschte Alexa weiter. „Könnte nicht der Kellermeister, der Dich vor der Tür Deines Bruder sah, der Täter ge­wesen sein?"

„Er? Ein alter, viele Jahre lang erprobter Diener? O, nein, Alexa, selbst in meinem Elend könnte ich keinen Verdacht auf ihn heften."

„Könnte es das Werk eines Einbrechers ge- wesen sein?

„Es ist nichts gestohlen worben. Der Mord war augenscheinlich ein Akt der Sladje."

„Es möchte doch ba§ Werk eines Einbrecher» gewesen fein, der vielleicht durch Deine Tritte verscheucht worden ist. Wurde am Morgen nicht eine offene Tür oder ein offene» Fenster be- merkt?"

„Ich weiß eS nicht. Meine Schuld wurde von vornherein als unzweifelhaft angesehen, daß sich niemand die Mühe gab, den wirklichen Mörder zu ermitteln, — selbst meine Anwälte nickt. Cb meine Gattin einen Versuch machte", fügte er bitter hinzu, „habe ich nicht erfahren. Wahrschein­lich tat sie es nicht, denn sie glaubte mich schuldig."

Wieder schwieg Alexa einige Minuten, in tie­fes Nachdenken versunken.

„Bemühe Dich nicht mit einem Rätsel, welche» zu lösen für Dich unmöglich ist, Alera", unter­brach Mr. Strange das Schweigen. „Du weißt nun meine Geschichte, und es ist nun an Dir, zu sagen, ob ich recht getan habe."

„Du hast recht getan, mich von meiner Mutter fort zu nehmen, ganz recht, Vater."

„Und auch, daß ich Lord Kingscourt's Antrag zurückwies? Wenn er wüßte, daß ich der Flücht­ling bin, der zum Tode verurteilt war, dem jetzt noch der Tod auf dem Schaffst bevorsteht, Wenn­er ergriffen wird, würde er sich entrüstet von Dir