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woch-nbeNoq«: „Illustrierte Sonntagrzeltung" Msnakdeilag«: „Fuldaer Geschichtsblätter"
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»statton;druck w Verlag der 5«lda«r Ad tiendr ickerei in Sulba.
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Fulda, Montag den 22. April 19t-7.
34. Iahrnanq.
§ Disharmonie im europäischen Uonzert.
Es gibt leider immer noch Deutsche, welche unsere internationale Lage als nicht besonders gefährlich bezeichnen wollen; freilich schmilzt die Zahl derselben wie der Schnee in diesen Taren unter den Strahlen der Sonne. Wir halten es für eine Pflicht der gewiffenhasten Presse, das Volk bei Zeiten auf die Gefahren aufmerksam za machen, die sich aus der heutigen internationalen Spannung ergeben, damit wir vor lieber» rasch ungen gesichert sind. Wenn man in höheren Militärkreisen von einem bevorftehen» Den Kriege spricht, so ist damit freilich noch r icht viel gesagt; denn diese Kreise sind für den Krieg da. Wenn aber die Diplomaten die Möglichkeit eines kriegerischen Zusammenstoßes in eile Ferne verlegen, so ist damit ebenfalls nichts gesagt; die Diplomaten haben schon oft Vogelstraußpolitik getrieben, und bekanntlich müssen sie das Handwerk einstellen, wenn der Säbel entscheidet. Tatsächlich hat sich in den letzten Wochen die Lage so zugespitzt, daß man in ernsthaften Berliner Kreisen mit der Nähe des Krieges rechnete. Nicht wenig trug zur Festigung dieser Ansicht bei, daß über daS Verhältnis der leitenden Persönlichkeiten und deren Zerwürfnis manches gesprochen wurde, waS nicht sehr erfreulich war.
Nach dem Duell Bülow-Podbielsky folgte tatsächlich ein solches Bülow-Tschirschky, wenn wir auch zugeben, daß in den allerletzten Tagen ein Ausgleich stattgefunden hat. Eifersucht und Neid spielten nicht die letzte Rolle in Den Auseinandersetzungen; nachdem der Kaiser in Homburg weilt und so weder den Reichskanzler noch den Staatssekretär besucht, fällt der erste Grund zur Reibung weg; Die Offiziösen haben daher auch hohen Mut und leugnen jetzt alles ab. Aber es geht hier wie so oft bei solchen Dingen: die breite Oeffentlichkeit erfährt von solchen Zerwürfnissen erst, wenn sie beigelegt sind. Wo Rauch ist, ist auch Feuer, und der Rauch ist bekanntlich dann am stärksten, wenn ein kalter Wasserstrahl das Feuer gedämpft hat. Die beiden in betracht kommenden Staatsmänner aber bemühen sich, durch ihre Vertrauten int Reichstage den Parteien mitteilen zu lassen, daß sie völlig einig sind. Bundesratsmitglieder wie fürstliche Abgeordnete stellen sich in den Dienst dieser Staatsmänner, um überall zu versichern, es herrsche volle Einmütig- ieit. Wer nachgegeben hat, roiffen wir nicht, nehmen aber an, es sei Fürst Bülow gewesen. Für uns ist daS Entscheidende, daß heute ein offener Zwiespalt nicht mehr besteht und daß in der heutigen nicht angenehmen Lage die Staatsmänner in derselben Richtung marschieren wollen. Je geschlossener untere AuSlandspolmk ist, desto besser für das Vaterland.
>" trotzen Bedenken aber muß ein jüngst erfolgtes
Pretzmanöver
Veranlaffung geben, weil dieses unsere Stellung erschwert. Die liberale.Kölnische Zeitung' wird gern für offiziöle Auslassungen l enützt, und so b.uhie sie vor einigen Tagen eine sehr scharfe Note mit Spitzen gegen England, wie über- Haupt dieses Blatt an der Englandhetze sich stark beteiligt. Zum Vorstoß stieß es schneidig in die Krieas'rompele Heute aber läßt dasselbe Blatt
bereits die Friedensschalmei ertönen und bläst zum Rückzug. Es läßt sich abermals offiziös melden, daß die deutiche Regierung zurzeit keinen Anlaß zu haben glaube, Wasserstrahlen nach London zu entsenden; wonach ihre früheren Wutergüsse als nicht offiziös anzusprechen wären. Diese nachträgliche Abwieglung entlastet freilich weder die rheinische Offiziöse noch die Regierung in den Augen des Auslandes. Hat doch gerade die .Deutsche Tageszeitung^ dieser Tage erst die freisinnige Presie darüber belehrt, in welcher Art nach Bis- marckschem Rezept sich die Regierung offiziöser Sprachrohre zu bedienen pflege, ohne doch die äußere Verantwortung für die Ergüsse solch' offiziöser Organe zu übernehmen! Im AuSlande aber liest man in der Regel nur die Angriffe, und die Versti mmung ist da! Daher legt sich die Erwägung nahe, daß die Regierung nur ihre eigenen Organe zu Auslastungen über die auswärtige Politik benutzen sollte; sie hat hierfür den.Reichsanzeiger' und die.Nordd. Allg. Ztg/ Die heute so vielfach benutzte.Köln. Zig/ ist nur ein ausgesprochenes Parteiorgan; sie ist ganz und gar nationalliberal; man weiß daher nie, ob die Kundgebungen dieses Blattes nicht im Parteiinteresse zugespitzt sind. Es ist ober keine Uebereinstimmung zwischen dem Reichsintereste und dem Parteiintereste vorhanden. Der Unfug, der daher in der letzten Zeit tn der .Köln. Ztg/ sich geltend machte, schädigt Deutschlands Position "gar sehr und vermehrt die Zahl der Mißverständnisse.
Wer sich ein klares Bild über die internationale Lage macht, der kann nur dringend wünschen, daß der Reichstag gar bald den Etat des Auswärtigen Amtes beraten möge, damit er eine gründliche Aussprache herbeisühren kann. Es ist dies im Interesse des deutschen Vo'keS sogar geboten; man will wissen, wohin die Fahrt geht. Der Reichstag kann nicht diesen Etat solange xutücf[teilen, bis er unter Umständen sofort die Kosten der Mobilmachung mitzugenehmigen bat. Ob man Vertrauen zu den Staatsmännern hat oder nicht: Der Reichstag ist die Vertretung des deutschen Volkes und hat einen Anspruch auf volle Klarheit. Unseres Wissens haben sich auch verschiedene Zentrumsabgeordnete in dieser Richtung bemüht und sind beim Reichslaaspräfldenteu vorstellig geworden, um eine solche Aussprache in dieser Woche herbeizusühren; wenn sie sich in den Bahnen hält, die das Zentrum hierbei gehen wird, so wird diese D> batte eine große Kund- gebung zugunsten des Weltfriedens werden, ohne daß Deutschland etwas von seinem Ansehen preiSgibt. Mit allem Nachdruck muß und wird betont werden, daß Deutschland sich seine Lebensbedingungen nicht unterbinden lasten wird, daß eS wachsen will, wie andere Völker und daß feder, der uns hieran hindert, auf Granit beißt. Mit derselben Entschiedenheit muß auch zum Ausdruck kommen, daß das Reich keine Er- o b er u n g s p o l i t i k auf Kosten fremder Nationen treiben will; wir haben nachgerade genug Kolonien; was unser Handel sich an Absatzgebieten erobert, geschieht in friedlichem Wettbewerb, den wir mit allen Kulturvölkern miimachen wollen Eine Voraussetzung tür den (Erfolg dieser Kundgebung ist allerdings, daß die All- deutschen sich zurückhalten; wenn jedoch je einmal, so gebietet hier das Fntereffe des Vaterlandes eine einmütige Kundgebung nicht
nur aller bürgerlichen Parteien, sondern sogar des ganzen Reichstages. Daß die Sozialdemokratie diese Absicht nicht stören wird, glauben wir zu wissen; aber Leuten ä la Siebert, Baster- mann, Dr. Arndt und Genossen fehlt auf diesem Gebiete jede Mündelsicherheit, besonders wenn sie ihre geistreichen Witze vorbringen wollen. Wenn zwar Bassermann nur einen neuen Aufguß feiner schon oft gehaltenen „großstaats- männischen Rede" gibt, dann ist die Sache nicht sehr gefährlich, weil sie nichts Neues enthält; sie könnte dann höchstens in Rußland einige Verwirrung anrichten; der neueste Parla- mentswih, der in den Wandelhallen des Reichstages eifrig erzählt wird, lautet dahin, daß Der Zar von Rußland an Größ enwahnvor- stellungen leide, indem er sich für Bassermann hätte.
Wir wünschen im Interesse des Friedens eine
offene und besonnene Aussprache des Reichstages,
der damit anch seine eigene Stellung bedeutend hebt und fördert.
Deutsches Reich.
Berlin. 20 April 1907.
* Die Zusagen des Reichskanzlers in seiner Programmrede sind nur schwer einzulösen. Es sieht heute schon fest, daß Fürst Bülow von Eriparniffen im Heere sprach, ohne sich vorher mit dem Kriegsminister m verständigen; letzterer hat dann auch die Sache glatt von sich abgelehnt. Jetzt stellt sich heraus, daß es mit der Zulage in Sachen der Beamtenausbei lemng ähnlich gehal en worden ist; nicht nur die Bundesstaaten hatten hiervon keine Ahnung, auch nicht einmal Der preußi'che Finanzminister, der zuerst interessiert ist. Diesem fällt es nun sehr schwer, einen Ausweg ,,u finden; wenn die Reichsbeamten aufgebessert werden, kann Preußen nicht zurückbleiben. Man erwägt deshalb in Den maßgebenden Kreiien, ob man nicht die Ein- kommensteuer erhöhen soll, wenn, vielleicht bei Einkommen von 6 00 Mark ab. I denfalls zeigt es sich, daß tolche Zulagen schnell gemacht sind, daß sie aber nicht io leicht einzulöien finx
§ Tie Schonzeit für bett Reichskanzler ist abgelaufen. Zrn freisinn. »Bert. Tagebt/ kommt Die Ungeduld des Freisinns sehr zum Aufdruck; während die Volksparteiler noch etwas Schonzeit geben, sind ihre Brüder von der .Freis. Vereinigung hierzu nicht mehr zu bewegen. Das B alt beklagt, daß keine der »ugefagten Vorlaien komme und meint bann, daß unter solchen Umständen natürlich unter den Mitgliedern des Reichstages eine ziemliche Unzufriedenheit beträte, über welche die Regierung sehr wenig unterrichtet zu fein scheine. Die Liberalen wünscklen, daß ihnen Der Reichskanzler einige Autklärungen gebe übet seine Absichten. Die Freisinnigen tagen: „Wir haben uns dem Fürsten Bülow zur Venügung gestellt, aber wir wißen bis fetzt noch nicht wo- für." Die Freisinnigen im Lande werden sch w-e- rig, wenn sie nicht Den geringsten srßchen Lu'l- zug bemerken. Was Gras Po> Dowsky bisher über das neue Vereins- und Versammlunasgeietz getagt habe, fei lehr wenig oerlranener- weckend. Da habe es geheißen: „Ruhe und Ordnung müssen auiiechtei halten und Verbrechen vei hütet werden; IN vieler Beziehung genüge das allgemeine ©trafreeht. Da Iraubten nicht
noch durch ein Vereins« und Versammlungsrecht Fußangeln gelegt zu werden. Die Freisinnigen hätten Dem Fürsten Bülow eine Schonzeit bewilligt. Aber viele von ihnen seien dcr Ansicht, daß sie unmöglich nach Hause gehen und bis zum Herbste warten könnten, ohne die geringste Sicherheit, daß sie nicht am Ende die „Genas- sührten" sein würden." Dieser Wink mit Dem Zaunpfahl ist sehr verständlich und ze'gt, daß die Schonzeit sich dem Ende nähert; das befürch- tet auch der Reichskanzler, weshalb er den Reichstag tunlichst bald in die Ferien schicken will. Der Block, der sich so brav verhalten hat, soll als Belohnung die Vertagung erhalten; einige Leute schmerzt es freilich, daß dann auch Die bösen SozialDemokraten und die noch böseren Zentrumsleute daran teilnehmen werden.
* Die Sicherstellung der Forderungen der Bauhandwerker kam am Samstag bei der Beratung des Etats Der Reichsjustizverwaltung (Siehe Den heutigen Reichstagsbericht) von neuem zur Sprache. Längst ist diese Frage spruchreif. Eine Vorlage Darüber ist bereits auch Dem alten Reichstage vorgelegt worden. Allgemein wurde erhofft, daß sie nunmehr alsbald' wieder auch im neuen Reichstag erwartet werden Dürfte. Für Diese Session muß aber Darauf verzichtet wer- Den, weil die Regierung für jetzt den Reichstag mit großen Entwürfen nicht belasten will. Dafür soll sie aber nach den Versicherungen deS Staatssekretärs eine der ersten größeren Vorlagen fein, die Dem Reichstag wieder zugehen werden.
Der Freisinn und die Abrüstung. Der nicht mehr hem Reichstage angehörige ft eisinnige Abg. Dr. Müller-Sagan nahm kürzlich in Berlin in einer Wählerversammlung Stellung zu Der Äbrüstungssrage und führte hierbei aus:
„Wie ist es uns Denn in London bei der Beratung über Die SchieDsgerichts frage ergangen ? Am Morgen hielt Englands leitender Minister für D.e Abrüstung eine begeisterte Rede, Bryan folgte mit einer ähnlichen Rede nach Nachher wurden wir d irch die Auenale von Portsmouth geführt und sahen Die Größe der englischen Rüstungen, sinn und gut, die ganze Kundgebung war Der blutigste Hohn aus die Abrüstungsfrage. Wir Freisinnigen sind der Ansicht, daß in der gegenwärtigen Situation alle bürgerlichen Parteien manches bewilligen müßen, was sie nicht ’u bewilligen brauchten, wenn König Eduard nicht fortgeietzt zum Schaden Deutschlands zu wirken versuchte. Wir Freisinnigen, die strengste Kritik aeübt haben an Luxusaufwendungen für das Heer, dürfen nicht Den Eindruck auskommen laßen, daß wir nicht bereit seien, zur Steigerung der Schlag» fetliateit und der Wehrhaftigkeit des Vaier- landes beizutragen. (Lebhafter Beifall.) Wir sind Deutiche und wollen Deutsche sein. Hinter dem Vaterlande kommt erst die Partei." (Erneute Zustimmung)
Es will uns fast scheinen, als habe Dr. Müller-Sagan Den Znhalt für seine Rede aus Der Wilhelmstiaße 77 bezogen; et ipncht schon ganz fon.etoalio und stellt eine Heeresver- mehrunq jetzt schon in Aussicht, ehe Die Regierung Diele ioiOeri. Welcher Lohn ist hierfür seiner Partei tn Aussicht gestellt ? Wie oft haben Die Freisinnsren oas Zentrum angegtiifen, wenn es Heeiesvorlagen bewilligte? Aber das Zenirum lat diele? ent, nachdem es sich von der
ALexcr
oder
Auf geheimnisvollen Wege»,,
Roman von Eduard Wagner.
^41 (Nachdruck verboten.)
Während des dem Streit folgenden Monats war der Marquis mürrisch und unzugänglich. Er war meistens vom Hause abwesend und sein Benehmen gegen Lady Wolga wurde so abstoß nd, daß ihr Gatte mehrmals cinzuschreiien und feinen wruöet zur Rede zu stellen genötigt war, was die» tcn nur noch zu größerem Zorn reizte.
Eines Abends — es sind nun achtzehn Jahre her — rief der Marquis seinen Bruder und dessen Gattin zu einer Besprechung in das Bibliothek- zimmer. Es waren noch andere Personen anwesend, etngclaben als Zeugen der Demütigunq des wnaen Paares. Vor dieser Versammlung erklärte dcr Marquis, es sage ihm nicht zu, daß ein Nachkomme des Herzogs von Clysfebourne sein Nach- folger sein solle, und daß er sich deswegen ent- schlossen habe, zu heiraten. Er erklärte weiter, daß die Verträge sestgesetzt seien und die Braut bereit sei. Tiefe war die jüngste Tochter eines verarmten Edelmanncs, und ihres Vaters Einfluß nute sie bestimmt, den Mangel an Liebe, das
f und Gebrechen des Bräutigams zu übersehen «ÖSÄK?8m °»d--n te Wl om
A-u lveißt nichts von dem enalifdien Leben Sen haff0nhp^ene Du in den Büchern ffin K' ^nnst Dir den Schrecken vor- etrnffnr6?. fiprnn h?nft n^l9Unfl %Otb und Lady Stratford Heron verursachte. Sie hatten fiefi bis- ber IN hem testen Glauben M,4eTbÄ Die
Nachfolger in dem Besitz der Titel und Güter sein würden; und nun so plötzlich enterbt zu werden, angewiesen zu sein auf den geringeren Teil eines jüngeren Sohnes, und zwar ohne jeden triftigen Grund, nur aus kindischer Bosheit und Rachsucht, das war unerträglich. Hätte der Marouis aus Liebe geheiratet, unqeachtct seiner bestimmten Erklärung, ledig zu bleiben, würde das junge Paar diese Enttäuschung ruhig ertronen haben; so aber empörte sich ihr Rechts- und Ehrgefühl.
Es gab eine stürmische Szene — und vor allen Zeugen!
Lord Stratford Heron drang in seinen Bruder, seinen Entschluß zuriickzunchmen; dieser aber der- höhnte ihn. Der Marquis blieb dabei, daß die Hochzeit schon am andern Morgen um elf Ubr stattfinden und große Festlichkeiten veranstaltet werden würden. Der Sausvogt, Kellermeistcr und Koch waren ins Vertrauen gezogen worden und batten schon eine ganze Woche lang die Vorbereitungen zu den Festlichkeiten betrieben, während der zuri'ickgcsetzte Erbe keine Ahnung von der ganzen Sache hatte.
Diese unerhörte Beleidigung machte den jungen Gatten rasend. In der Erbitterung rief er seinem Bruder, manches unbedachte Wort, und ick glaube sogar, einen Fluch über denselben zu; dann zog er den Arm seiner Gattin in den seinen und wollte das Zimmer verlassen. An der Tür wandte er sich noch einmal um und, vielleicht ziim Zwecke eines törichten Appells an die zu erwartende Braut, rief er in heftig drohendem Tone: „Tu denkst, morgen eine Brant heimzuführen in der Absicht, mich des Erbes zu berauben, welches Tu mir versprochen hast? Dcr Himmel wird solch s Unrecht nicht geschehen lassen I Du wirst nie eine Braut nach Monthcron bringen! Und ich schwöre Dir, daß ich für dieses beabsichtigte Unrecht, wcl- chcs nicht zur Ausführung kommen wird, mick rächen werde! Nimm Dich in Acht, Marquis von Monthcron 1"
Tas nxiren allerdings unvernii ftige Worte, in der Hitze mit furchtbarer Heftigkeit ausgcstoßcn aber ohne böse Absicht; ich schwöre cs Dir, Alexa! Es waren wilde, wahnsinnige Worte aber sie bedeuteten keine Schlechtigkeit oder ein beabsichtigtes Verbrechen. Aber diejenigen, welche sie hörten, bewahrten sie in ihrem Gedächtnis, um sie zu einer Zeit zu wiederholen, wo jede Silbe ein Naqcl zum Sarge desjenigen ward, der sie gesprochen hatte.
In derselben Nackt wurde James, Marquis Montheron, ermordet!
In dcr Frühe des Morgens wurde er von seinem Diener gefunden, in feinem Blute schwimmend. Lord Stratford Heron batte den größten Teil dcr Nacht außer Dem Hanse zngcbracht, vor- suchend, fein erhitztes Blut in her frischen Lust des Parkes zu kühlen. Er kam durch eine Nebentür ins Haus, nm zwei Uhr morgens und stahl sich hinauf in fein Zimmer. Er mußte an dem Zimmer seines Bruders vorbei. Er blieb etwa eine Minute stehen, in der Absicht, seinen Brndcr zu Wecken zu einer zweiten Unterredung: doch bedachte er sich und ging weiter. Als er langsam und leise dahinfchritt, wurde er von dem Kellermeister gesehen, welcher auf dem Wege nach einem unteren Zimmer war, um nach Tropfen gcaen Halsschmer, zcn zu suchen. Lord Stratford sah niemanden. Er trat in sein Zimmer und fand seine junge Gattin noch wach und sehr besorgt um ihn Erst spät chlicf er ein, und als er am andern Morgen erwachte und in das Frühstuckszimmer ging, wurde er von einem Polizcicigcntcn verhaftet und beschuldigt, seinen Bruder ermordet zu haben.
Ich will nickt versuchen, Dir die Schrecken jenes Tagcs zu schildern, Alcra. Es fand eine Leichen- ckau und die Aufnahme des Tatbestandes statt. Tie überzcnqendsten Beweise wurden gegen Lord Stratford Heron vorgcbracht, und er wurde vor ein Gericht gestellt, um sich gegen die Anklage we- mm Mordes zu verantworten. Die Bürgschaft
wurde zurückgewiesen und er in das Gefängnis der nächsten Gerichtsstadt gebracht. Ter Herzog von Clysfebourne beeilte sich, seine Tochter zu trösten und zu beschützen.
Bei der nächsten Schwurgerichtsperiode, die nach wenigen Wochen stattsand, kam die Anklage gegen Lord Stratford Heron zur Verhandlung.
Die, Beweise gegen ihn waren erdrückend. Es wurde ihm gesagt, daß seine Gattin, — selbst seine Gattin, — ihn für schuldig hielt. Die Hauptzeugen hatten ihn Nachcdrohungcn äußern hören; bet Kellermeister hatte ihn nachts um zwei Uhr vor der Zimmertür seines ermordeten Bruders gesehen: dagegen war er von niemanden im Park gesehen worden. Es war Blut an seinen Kleidern, und seine Erklärung, wie dieses dahin kam, fand keinen Glauben. Er hatte sich in Der Nacht zufällig in die Hand geschnitten und die kleine, unbedeutende Wunde bluten lassen. Es waren noch weitere Beweise gegen ihn, mit Deren Aufzählung ich Dich verschonen will. Es wurde ein ganzes Netz von Verdachtsgründen um ihn gesponnen, welches so stark war, daß er sich nicht aus demselben heraus» znwickeln vermochte und niemand von denen, die ihn kannten, an seine Unschuld zu glauben wagte.
Ich brauche Wohl nicht zu sogen, daß er verzwsi. feit für seine Ehre und sein Leben kämpfte. Er berief die tüchtigsten Advokaten des Königreiches zu sich, aber sie ließen, nachdem sie die Beweise gegen ihn gehört hatten, feine Sache fallen. Er beauftragte andere, aber sic hatten kein Vertrauen zu ihm. Es wurde ihm sogar geraten, er möge sich schuldig bekennen, um dadurch eine möglichst milde Strafe zu erwirken.
Tie Verhandlung kam zu dem erwarteten Ende. Lord Stratford Heron, nun Marquis von Mon- theron, wurde von den Geschworenen schuldig gesprochen, seinen Bruder ermordet zu haben und zum Tode durch den Strang verurteilt.
Trübe, furchtbare Wochen für den unglücklichen Gefangenen folgten. Seiner Gattin wurde vo»