Einzelbild herunterladen
 

Zuldaer

veranlwortlit^r

U

6rL'rtint 18gli«r, mH «urrahme der Sonn« nn&Xeteitog«. viertel« jÄhn.Ve;narprei« ohne Btingetbbn nnb Vel!eü-eldin5«lda und ausioBrts l Ölt ZO psg-

SchrHtl»Her:ö-w«bl«r

z!par,«»er ln^ulda Wgchrnbtilage: rr3nufftictfc Sonntaftsjeitung

Zeitung

Rotation,druck u. Verlag der.«luldaer Ae» tlendr ickerei in ^utda. 8«mspr«cher Nr *).

An; e <a en: Vie ein­spaltige'/rtttzeile oder deren Raum 15 pfg. Reklame i oie peMzeile 25 Pfg.; bei Wieder­holungen wird «ntspr.

Rabatt gewahrt.

Monatrbeilage: „Fuldaer GeschlchKblatter"

M 8G.

Fulda, Dienstag den 16. April 1907.

34. Jahraang.

MtM

Krfles

Verwaltung in Berlin darzutun, hat man einen Geschäftsplan aufgestellt, der einfach für den Kundigen lächerlich ist. Da steht an der Spitze „Operation". Man denke sich: das Kommando in Berlin soll die Operation in den Kolo­nien vorbereiten. Die Schwarzen werden künf­tig so galant sein, daß sie die Unruhen da aus- stechen lassen, wo es das Berliner Kommando wünscht. Eine ganze Reihe ähnlicher „Arbeiten" lasse sich noch aufführen. Jedermann fragt sich verwundert: was soll dieser große Stab von Offizieren? Man streitet noch, ob eine Kolonial- armee kommt oder nicht, wenn aber diese Organi- ation kommt, so muß eine Kolonialarmee Nachfolgen, weil sonst diese vielen Leute nichts zu tun haben, und weil der Kommandeur der Schutz­ruppe auch einmal vor die Front treten will. Bis- her haben Zentrum und Freisinn dahin gestrebt, den Militarismus einzuengen und aus der Schutztruppe Polizeitruppen zu machen. Die Vor­lage geht den umgekehrten Weg; sie hat eine

Vermehrung der Schutztruppe

im Gefolge. Die Freisinnige Presse spricht sich noch ganz bestimmt gegen diese Pläne aus; aber wer garantiert, ob die Fraktion nicht anders stimmt. Das Zentrum ist gegen eine solche Organisation, ist gegen diese Verschleuderung von Geldmitteln. Jedoch das deutsche Volk muß sich hierauf einrichten, daß es die Suppe der letzten Wahl ausißt und zwar ganz. Die Rechnung ist keine kleine und geringe. Die Entscheidung selbst wird von wesentlicher politischer Bedeutung sein; hier handelt es sich um die stärkste Be­lastungsprobe der Linksliberalen. Die Hauptdebatte über diese Frage dürfte im Plenum entstehen.

[ | Die nationale Mehrheit in Nöten.

Je länger die Session dauert, desto mehr wach­sen die Nöten der nationalen Mehrheit; in den ersten Flitterwochen konnte man sich noch an dem nationalen Präsidium erfreuen; aber diese Freude bedeutet für einen Wähler doch herzlich wenig. Inzwischen fiel der Block in Geschäftsord­nungsfragen wiederholt auseinander. Sonst bemüht er sich, alles gemeinsam zu schlucken, und so nahm der Block auch das Unterstaatssekre- tarnt in der Reichskanzlei an, obwohl ein Bedürf- nis hierfür nicht vorliegt; seit 1879 ging es mit der bisherigen Organisation. Aber Herr v. Loe- bell sollte seinen Lohn erhalten. Doch tote „Glück und Glas" ist das Verhältnis der neuen Mehrheit, als deren Führer sich der Abg. Dr. Wiemer fühlt. Während dieser früher stets be­scheiden in der Joppe in den Reichstag kam, sieht man ihn jetzt nur noch im Gehrock. Der „Reichs-1 regent" fühlt sich, und konservative Führer I machen so oft den Bittgang zu ihm hinüber. In zwei Punkten steht setzt dec Block vor einer Ent­scheidung, die für seine Fortdauer von nicht uiter- l sicher Bedeutung ist; es ist die

llngiltigkeitserklärung

der Schtoeidnitzer Wahl und die Frage der Ver­tagung des Reichstages.

In Schweidnitz ist in der Stichwahl der kon­servative Abgeordnete Frhr. v. Richthoten gegen einen Sozialdemokraten gewählt worden. Frhr. v. Richthofen ist ein Kompromißkandidat zwischen Konservativen und Zentrum. Die Kom­mission erklärte nun mit den Stimmen des Zen­trums, des einen anwesenden Freisinnigen (Müller-Iserlohn) und der Sozialdemokraten die Wahl für ungiltig und zwar auf Grund eines Schreibens, das der Reichskanzler an den Chef­redakteur der „Tägl. Rundschau für Schlesien" gerichtet habe; dieser fragte an, wie der Reichs­kanzler sich zu der Wahl in Schweidnitz stellte; er erhielt folgende Antwort: In einem Briefe an Generalleunant v. Liebert habe ich deutlich aus- aesurochon, auf was es in dem gegenwärtigen Wahlkampf ankommt, und lwbe unter den zu be- | kämpfenden Gegnern die Sozialdemokra­ten in erfter Linie genannt. Ich muß es mir aber grundsätzlich versagen, über die Erfor­dernisse der Lage in den einzelnen Wahlkreisen von hier aus ein persönliches Urteil abzugeben." Die Kommission hat nun in ihrer Mehrheit in diesem Eingreifen des Reichskanzlers eine

Wahlbeeinslussimg

erblickt und deslmlb die Wahl kassiert. Liberale Blätter wollen nun geltend machen, daß der Kom­mission der zweite Satz des Schreibens nicht be­kannt gewesen sei; aber das ändert an der Tat­sache nichts, daß der Reichskanzler in diesem Falle sich gegen den Gegenkandidaten des Frhrn. v. Richthosen ausgesprochen hat. Nachdem Fürst Bülow öffentlich im Reichstage ankündigte, daß er künftig noch weit mehr in der Wahlagitation leisten werde, mußten jene Parteien, die eine«fot- che Beeinflussung nicht wollen, zum genannten Ergebnis kommen; dann sieht der Reichskanzler, daß sein Eingreifen seinen Freunden nur schadet. Die Zentrumsmitglieder verhielten sich hier ganz objektiv; Frhr. v .Nichthofen ist Kandidat des Zentrums, wird wohl auch von diesem wieder ge­wählt werden, aber trotzdem stimmten sie für Un- giltigkeit, um die amtliche Wahlbeeinflussung nicht zu üppig ins Kraut schießen zu lassen. Der Beschluß der Kommisiion hat nun bei dec Rechten und int Reichskanzlerpalais große Be-

weiß offenbar über die inneren Verhältnisse der ZentrumSpartei mehr als die Führer der Partei selbst. So wird die „Sinnesänderung" dem Einfluß des Häufleins Nationalkatholiken zuge­schrieben. Wir haben aber bisher weder von einer Sinnesänderung noch von letzterem etwas gemerkt. Doch man höre weiter: „Die Reue kommt nicht zu spät. . . . Die Regierung wird gern die Hand zu einer Verständigung bieten, welche die unerquicklichen Vorkommnisse am Schluffe des vergangenen Jahres vergeffen macht/' Intereffant an diesen Auslaffungei. ist, daß auch die ,Post' die Ereignifle im Dezember 1906 „u nerquickli ch" nennt. Fühlt Herr v. Zedlitz, der alte Zentrumsfeind, sich schon nicht mehr wohl im Kreise der neuen liberalen Freunde, mit welchen er doch noch vor einigen Wochen im preuß. Abgeordnetenhause den Vorstoß gegen den preußischen Kultusminister unternahm? Auch das Geständnis, daß die Summe von wenigen Millionen, die damals verweigert wurden, in keinerlei Verhältnis stehe zu der Folgenschwere des Konflikts verdient besonders verzeichnet zu werden. Jedenfalls aber ist es ein törichtes Beginnen, dem Zentrum Reue und eine Sehn­sucht nach den früheren Verhältnissen zu unter- schieben. ES hat keinerlei Veranlaffung, sich zu bekehren ober gar zudringlich zu werden, und alle Gerüchte von einem heißen Werben um einen Platz an der Regierungssonne entbehren jeder tatsächlichen Grundlage.

* Die Farmer «Entschädigung in Südwest­afrika liegt nun, wis bereits gemeldet, vor. Gegenüber der Vorlage im Frühjahre 19'>6 wird hie? auf einen Ersatz für den Ausfall der Nach­zucht in dec Höhe von 3 Mill. Mark „verzich­tet", nachdem die gesamte Land-Kommis­sion sich sehr scharf hiergegen ausgesprochen hat. Dem Ergänzungs-Etat ist ein Bericht der Hilfe- leistungs -Kommission über die Verwendung der bereits bewilligten Mittet beigegeben. Die Hilse- leistungsgelder gelangten bisher hauptsächlich unter 4 verschiedenen Gesichtspunkten zur Verwendung, und zwar nach der wirtschaftlichen Erwünschtheit und Zweckmäßigkeit geordnet: 1) Für die Wie­deranschaffung der geraubten und zerstörten Betriebsmittel, 2) für die Gründung eines neuen vorübergehenden Erwerbes, solange die Unsicher­heit im Lande eine Rückkehr zum alten Wirt­schaftsbetriebe, vor allen Dingen der Farnnuvi, nicht zuließ, 3) zur Schuldentilgung, 4) zur Führung des Lebensunterhaltes. Die bis­her bewilligten Gelder sind aber teilweise auch an Leute gegeben worden, die es gar nicht nötig haben, z. B. an reiche Kaufleute, an eine Ge- sellichast, deren Aktionäre hohe Per önlichkeiten sind ?c. Nun sollen auch solche Leute noch Gelder erhalten, die während des Aufstandes steinreich geworden sind. Wir halten es für die Pflicht des Reichstages, daß er sehr genau prüft und daß er seine Zustimmung nicht ohne weiteres gibt. Der Freisinn hat bisher die Entschädigung verweigert; wie stellt er sich nun heute?

* Eine hübsche Ironisierung fozialdemo« kratischer Prophezeiungen bringt die Zeitschrift ,Dei Hammer' in solgenden Gegenüberstellungen: „Spätestens in 10 Jahren kommt der große Kladderadatsch", sagte Bebel 1875; — da stand die bürgerliche Welt noch 30 Jahre und wollte noch immer nicht untergehen. „Mit unfehl­barer Sicherheit eilen wir von Sieg zu Sieg," sagte Singer vor den letzten Wahlen: — Da

•abie Ziuuu^auung oc-> .coios veruigachte die Annahme, daß er die Zeit seiner Krankheit in dem Hanse irgend eines Arbeiters verlebt hatte, und er ließ diese Annahme unberichtigt.

Er war plötzlich zum Helden des Tages gewor­den. Engländer, welche sich besuchsweffe in Athen aushielten oder dort ihren Wohnsitz hatten, besuch­ten ihn. Er wurde zu Diners und Bällen einge- laden, lehnte aber jede Einladung ab, sprach so wenig wie möglich von seinem Abenteuer und fuhr mit dem nächsten Dampfer nach Triest.

„Ich werde wiederkommen," sprach Lord Kiugs- court zu sich selbst. „Ich habe Alexa nicht für immer Lebewohl gesagt. Ihr und mein Geschick sind in einer Weise miteinander verknüpft, das keine Macht der Erde zu trennen vermag. Sie gehört mir und ich werde wiederkommen, um meine Ansprüche auf sie geltend zu machen. Welches Ge- heimnis auch zwischen uns liegt, es soll feine Schranke für mich feint

Während das Schiff sich immer weiter vom Lande entfernte und Lord Kingscourt sinnenden Blickes auf das im Abendionnenschein leuchtende Gestade zurückschaute, wandelle Alexa, schmerzbe- drückt mid kämpfend mit ihrer Verzweiflung, im Garten.

Ihr Vater hatte sich feit der Stunde der Ab- reise Lord Kingscourts in seinem Zimmer auf ge­halten, sich außer Stande erklärend, sie zu scheu. Des Grasen Brief war ihm überbracht worden und er hatte ihn feiner Tochter geschickt, aber er hatte sich geweigert, den Weingärtner zu empfangen, der dann feinen Bericht Alexa abgeftattet batte, und dafür reich belohnt worden war. Das Mädchen hatte sich anfangs ihrem Schmerze überlassen, aber entschloffen von Natur, wie sie war, sammelte sie sich bald und trug ihre Bürde standhaft, ihres Vaters wegen, der ihren Stummer ihr nicht in den Augen absehen sollte. Seine Weigerung, sie zu sehen, beunruhigte sie noch mehr, und sie fühlte sich unendlich einsam und verlaffen, als sie lang, sam zwischen den Blumenbeeten und den Rosen- stränchem dahinschritt. (Forts, s.)

„Sind Sie so sicher'/' fragte der Gras.

„Ja, Mylord. Nachdem Spiridion Sie diesen Sommer in die Freiheit setzte, machte das Militär diese Gegend für die Räuber so unbehaglich, daß sie ein anderes Versteck aufsuchten, wo sie bis jetzt geblieben sind. Die Soldaten haben die Ver­folgung längst au'gegeben. Spiridion ist zu schlau für fiel"

„Dann haben wir nichts zu fürchten," bemerkte der Graf. '

„Nein; morgen oder übermorgen aber möchte die Sache schon schwieriger sein," sagte der Grieche leise. „Sehen Sie, Mylord, das Versteck der Räuber in dieser Gegend ist eine natürliche Festung. Spiridion hält sich jedes Jahr mehrere Stonate hier auf und zieht wieder ab, wenn er Gefahr merkt, oder die Geschäfte schlecht werden. Gestern Abend traf ich einen seiner Leute, den er als Vor­posten ausgeschickt hatte, um zu sehen, ob die Gegend sicher ist. Er ist der Sohn eines alten Freundes von mir, und sagte mir, daß die Ban­diten den ganzen Sommer über unzufrieden und besorgt gewesen sind, weil das junge Mädchen ihr Versteck weiß. Sie hatten sich geweigert, hierher zurückzukehren, bis Spiridion versprochen, Maß­regeln zu ergreifen, daß das junge Mädchen ihnen keinen Schaden zuzusügen im Stande sei. Die a Bande ist nicht mehr weit; sie wird diese

in der Höhle ankommen.'

Der Graf erschrak. Die Ueberzeugung, daß Alexa in großer Gefahr schwebe, führte ihn in Versuchung, umzukehreu. Nach reiflicher lieber- legung aber entschloß er sich, seine Reise sortzusetzen.

„Ich werde Ihnen morgen einen Brief an \ Mr. Staffo mitgeben," sagte er; und ich wünsche auch, daß Sie ihm erzählen, was Sie mir gesagt ' haben. Die junge Dame wird in großer Gefahr sein."

I „Ich will den Brief besorgen und die Nachricht Mr. Staffo morgen abend mitteilen," versprach der Grieche in glaubhaftem Ernst.

| Die Reite wurde ohne einen bemerkenswerten

Zwiichensau beendet. Sie kamen am Abcus m Elchen an und der Graf begab sich sogleich in das Hotel, in welchem er vor seinem Abenteuer logiert hatte und wo ictn Gepäck sich befand.

Er ordnete an, daß für seine Begleiter gut ge­borgt werde bis zu ihrer Rückkehr am andern Morgen und eilte bann auf fein Zimmer, wo er noch alles vorfand, wie er es verlassen hatte. Den Schlüstel zu seinem Koffer hatte er verloren, und deshalb ließ er einen Schlosser kommen und das Schloß öffnen. Die darin enthaltenen Kleider waren in gutem Zustande, auch fein Geld und die Kreditbriefe fanden sich noch vor.

Die Kleider, welche er trug, hatte ihm Mr. Strange geliehen, da diejenigen, welche er bei feiner Entlassung aus der Räuberhöhle trug, schlecht geworden waren. Er vertauschte sie jetzt mit feinen eigenen und bestellte sich etwas zu essen. Nach dem Essen ließ er sich Papier, Feder und Tinte bringen und schrieb einen Brie, an Air. Strange, in welchem er diesen von dir Rückkehr Spiridion's in Kenntnis setzte und ihn ermahnte, auf seiner Hut zu sein.

Diesen Bries gab er am andern Morgen dem Weingärtuer nebst einer hübschen Summe Geldes für ihn und die anderen Männer als Belohnung für chre Begleitung, und diese traten dann ihre Rückreise an.

Lord Kingscourts erster Weg an diesem Mor­gen war zum Polizeipräsidenten, um diesem von der Rückkehr Spiridions in fein altes Versteck zu benachrichten. Der Präsident verriet wenig Teil­nahme für Lord Kingscourt; aber dennoch gelang es diesem, von ihm das Versprechen zu erhallen, daß er aüe5 aufbieten wolle, die Räuber zu fangen.

Darauf begab sich der Graf zu dem englischen Konsul, welcher ihn auf das Wärmste empfing und zu seiner Befreiung aus den Hä den der Räuber und zu seiner Genesung beglückwünschte. Es winde dem Grafen schwer, den Fragen des Konsuls in Betreff seines Aufenthaltes während seiner Krank- heit auszuweichen.

Deutsches Reich.

Berlin, 15. April 1907.

* Dem Abgeordnetenhimse ist eine Neben- bahnborlage zugegangen. Es sollen 19 neue Nebenbahnen gebaut werden, darunter Geisa- Tann (932,000 Mk.), Zimmersroda-Ge- münden a. d. Wohra (4,420,0; *0 Mk), Wetzlar-Gränenweisbach (6,230,000 Mk).

n. Die „Neue" des Zentrums. Die frei­sinnige ,Breslauer Zeitung" tischte neulich ihten liefern das Märchen aus, es habe während der Osterferien zwischen zahlreichen Zentrumsabgeord­neten ein Gedankenaustausch darüber statl- gei'unben, wie man der von vielen als unhalt­bar empfundenenSi tuation gegenüber der Regierung und den bürgerlichen Parteien abbeben fönne, mit anderen Worten: Das Zentrum be­reue feine Taktik und beeile sich, den Büßgang nach Canoffa anzutreten. Die ,Bresl. Zlg.' hat offenbar etwas läuten hören, weiß aber nicht, wo die Glocken hängen. Selbstverständlich sind die führenden Männer der Partei auch während der Osterferien miteinander in Fühlung geblieben und ihr Gedankenaustausch galt natürlich mehr politischen Fragen als 'etwa bem Wetter und Ostereiern. Verhandlungen in dem von der .Breslauer Zeitung' untergefchobenen Sinne zu führen aber, liegt für das Zentrum gar feine Veranlassung vor. Im Gegenteil: würdige und vorsichlige Zurückhaltung ist im gegenroät» tigen Augenblick sür die Zentrumspartei ein Gebot der Selbstachtung. Die ireikonfervaiive ,Post' hat die Metdung der ,Breslauer Zeitung' anfcheinend als bare Münze genommen und leit« artiteil bereits über die „Reue des Zentrums". Der Artikelfchreiber, vermutlich Herr von Zedlitz,

JUexa

oder

Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von Eduard Wagner.

7 s (Nachdruck verboten.)

Die Leute mit ihren Tieren kamen näher und ielleu jetzt vor der Veranda.

Mr. Sttange erhob sich schwer und hiell sich fest an der Ballustrade, um nicht umzuflnken.

„Sie müffen gehen," sagte er mit tonloser dumpfer Stimme. „Ich habe Sie nur noch um eine Gunst zu bitten: Wenn Sie diesen Ort ver­lassen haben, erwähnen Sie weder Alexa's, noch meiner gegen irgend einen Menschen. Der einzige Gefallen, den Ge unS erweisen können, ist, vaß Sie uns in dieser sicheren Abgeschlossenheit lassen. Leben Sie wohl! Gott segne Sie!"

Er drückte warm die Hand des Grafen und schwankte dann in das Haus.

Lord Kingscourt sah chm traurig nach; dann ging er die Stufen der Veranda hinab und be­stieg fein Pferd. Briggs der inzwischen herberge- kommen war, und die Männer folgten seinem Bei­spiel und der Trupp setzte sich in Bewegung.

In einiger Entfernung von Hause drehte sich der Graf im Sattel um. Mr. Sttange war nicht sichtbar; ebenso wenig Atcra; aber sem übervolles Herz sagte ihm, daß sie, hinter einer Gardine ver­borgen, chm nachschaute. Er schwang zu einem letzten Gruße ben Hut und setzte dann mit feinen Begleitern rascher seine Reise fort.

AIS sie durch den Hohlweg und die Oliven­wälder ritten, spähten des Grafen Augen scharf nach allen Seiten, ob nicht Spiridion in einem Dickicht zu einem Ueberfall bereit liege. Er äußerte feine Befürchtung gegen einen der Griechen, welcher lachte unö sagte:

„Es ist ferne Gefahr, Myldro, durchaus teilte ropirtbr."

stürzung hervorgerufen; ganz abgesehen hiervon, daß die nationale Mehrheit gesprengt ist, sagt man sich, daß eine ganze Reihe von Manda- ten kassiert werden muffen, toenn dieser SeJdjlUB aufrecht erhalten bleibt. Rechte tote Linke furchtet für ihre Sitze und der Reichskanzler sieht die Ture zu weiterer Wahlagitation verriegelt. Daher wehrt er sich mit aller Gewalt gegen einen solchen Beschluß. Wie man sich in parlamentarischen Kreisen erzählt, soll er auch schon Erfolg gehabt hoben. Die F r e i s i n n i g e n, die m der Kom- miffion die Wahl für ungiltig erklärt haben, sol- len infolge des Wunsches des Reichskanzlers ge­neigt fein, int Plenum für die Giltigkeit der Wahl zu stimmen und damit die amtliche Wahlbeeinfluffung zu sanktionieren. Diese Angst und Not soll also nochmals beseitigt wer- den; freilich müffen die Freisinnigen auch einen erheblichen Teil ihrer Grundsätze begraben; aber sie tun dies mit Wohlbehagen, nur um das Züng­lein an der Wage spielen zu können. Man kann sich also bereits auf den Umfall gefaßt machen.

Aber eine

zweite Wetterwolke

steigt an dem jungen Glückshimmel auf. Die i Nationalliberalen und die Freisinnigen wünschen eine Vertagung den Sommer über; es war überraschend, welchen Beifall der Abg. Basser- mann in diesen Parteien fand, als er den ent­sprechenden Wunsch äußerte. Man muß offen zugestehen, daß bis heute ein Grund zu einer Vertagung nicht vorliegt; es ist kein Gesetzent- wurs vorhanden, der nicht noch dieses Frühjahr erledigt werden könnte. Freilich sieht es um so schlimmer aus, wenn im Herbste alle anqe. kündigten neuen Vorlagen erscheinen. Vor No­vember tritt der Reichstag nicht wieder zusammen, dann ergießt sich systemlos ein Füllhorn von I Gesetzentwürfen über das Haus, und kaum ist dann die nötige Anzahl von Kommissionsmitglie- dern anfzutreiben. Der Staatssekretär beklagt, daß der Reichstag das von ihm vorgelegte Mate- rial nickst erledigte; aber daran trägt doch eine falsche Disposition die Schuld . Mindestens ein Teil der Gesetze, die in den Kommissionen der Ver­gangenen Tagung schon durchberaten waren, konnte vorgelegt, nach erfolgter erster Lesung an die Kommissionen verwiesen und für die zweite Lesungen im Plenum vorbereitet werden. Mit diesen zwei Lesungen konnte im Oktober oder No-

I bember der Reichstag beginnen. Allerdings, dann müßte statt Schluß eben Vertagung Eintreten Die „Kons. Korrespondenz" wendet sich nun, schars gegen die Vertagung; die Rechte will hiervon nichts wissen. Sie befürchtet, daß sie später das Präsidium verlieren könnte, wenn erst 1908 oder 1909 wieder eine Präsidentenwahl ist; wenn je­doch eine solche Wahl schon im Herbste 1907 ftatt- findet, so rechnet sie mit der Wiederwah des bisherigen Präsidiums. So kann also auch diese Angelegenheit zu einem Zerwürfnis führen;

I man muß jetzt beobachten, ob die Linke oder die I Rechte in diesem hinter den Kulissen ausgefoch­

tenen Streit siegt. Am Dienstag bereits kommt es zu einer

dritte« Probe.

Die Budgetkommission beginnt die Beratung des Kolonialetats. Daß das Staatssekretariat be- willigt wird, ist ja klar; aber jetzt handelt es sich in erster Linie um die Neugestaltung der Schutz­truppen. Die Regierung fordert für Berlin eine ganze Unmenge von Offizieren und Beamten und zwar vom Leutnant bis zum Generalleutnant mit sehr erheblichem Mehrbedarf; cs ist ein kleines Kriegsministerium, das hier hier gefordert wird und mehr Beamte umfaßt, als z. B. das wiirt- tembergische Kriegsministerium. Um. die Not­wendigkeit einer solchen umfangreichen Militär»