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34. Jahrgang.

Fulda, Montag den 15. April 1907

M 85.

Kotationsttru» n. Verlag der 5uldaer Ae» tieadr ickrrei in Snlbd. 5err.iprrch«r Nr 9.

An;«iaen: Vie rin« ipaltige Petitzeile »der deren Kaum 15 pfg. Rtflamtn »ie Petitzeile 25 Pfg.; bei wieder- holnnaen wird entfpr. Nadal l aewätzrl.

Lr!leint tSglich, mit Ann ahme der Semi« und Feiertage viertel- jühn.vezugapreir ohne vringeri'h« ueb veitellgeidinZuidaund auswärts i Ml. 50 Pfg.

Verantwortlicher

SckrflUettte: K.wetzler

3- ParzeRer in Sulbo rood^nbdiage: „Illustrierte Sonntagszeitung

konnten.

Hat sich England erleben.

Die

Einkreisung Deutschlands

scheinen, in denen

unser Kaiser als Friedenskaise r

zu sein. Da wir aber das erste nicht mehr sind und sei« wollen, so müssen wir das andere als unser unvermeidliches Schicksal bezeichnen. Frei­lich ist die erste Forderung dieier Steilung a uf), daß von unserer Seite nur. jede Schwäche und jeder unnöt ge Vorstoß vermieden wird; aber gerade diese beiden Dinge wechseln in un- serer Politik beständig ab. Einmal ertönt das Wort vom „Dreizack", und dann wieder erfolgt eine Haltung, die unS viel Spott einbringt. Was z. B. derzeit König Eduard in aller West über Deutschland herumträgt, fördert unser An- sehen nicht; da wird geflisientlich erzählt, Deutschland habe Angst und sei sehr froh, wenn man es in Frieden lasse!

Unter solchem Gestiche wächst der Mut der Kleinsten, ohne daß Deutschland feine Energie und seine Kraft zeigen kann. Ein Vorkommnis der letzten Tage ist hierin besonders kenn- zeichnend; wir haben die Revanchedebatte in der französischen Kammer vor Augen. Ein General hält eine höchst Kriegs lustige Rede; der Kriea*n>inister wird interpelliert; er erzählt.

Wenn nun auch Fürst Bülow sehr bet friedigt aus Rapvllo zurückgekehrt ist, Erfolge hat er nicht mitgebracht. Italien tanzt heute nur die Extratouren mit uns, aber die ständigen Wege geht es mit anderen. Unsere internatio­nale Lage ist somit sehr ernst, ernster als die Oeffentlichkeit annimmt. In einer solchen Situation aber war es doppelt verwerflich und politisch höchst unklug, Zwistigkeiten im Innern auftreten zu lasten und hier große politische Reibungen zu schaffen, rote es durch die Neu­wahlen geschehen ist; für unsere Gesamtlage war dies kein Heldenstück. Oktavio!

a Deutschland katt gestellt.

Em altes Thema, sagt der Leser und geht weiter. Leider hat er recht und doch nicht recht. Es ist ein alte» und stet» neue» Thema, ba» zu erörtern wir gerade jetzt allen Anlaß haben. Wir stehen nämlich wieder einmal ganz allein im internationalen Konzerte da, und die Zeit ist vorüber, wo wir die erste Flöte spielen

gefeiert wird; im französischen Volke sucht man den Eindruck zu erwecken, als fehle dem Kaiser der Mut, auf eine Herausforderung die genügende Antwort zu geben. Gewiß schadet es uns nicht, wenn die Gegner uns für schwach halten, wenn wir eS nur nicht sind; aber je länger sich unsere Feinde in diesen Wahn einwiegen, um so mehr machen sie sich mit der Möglichkeit eines Krieges vertraut; und es ist sehr gefährlich, mit diesem Feuer zu spielen. Festigkeit und Ge- schloffenheit unserer Politik muß das verhindern;

nicht verhindert habe. <------ , .

sich doch klarmachen, daß unsere zentrale Lage in Europa uns nun einmal dazu verurteilt, für die anderen Mächte entweder Gegenstand der

Ausbeulung oder

Gegenstand deS Neides

ist; in englischen Kreisen hat man die Reise nach Konstantinopel und nach Jerusalem nicht vergeffen; die Freundschaft zwischen dem Kaiser und dem Sultan ist den Engländern ein Dorn im Auge, sie fürchten diese, wer! sie sich sagen, daß der Kaiser hierdurch bet den Ruhamedaneni beliebt wird. England aber muß ich mit diesen gut stellen, sonst hat es m Egyp- en und in Indien große Schwierigkeiten zu befürchten. In englischen Kreisen sagt man, daß Deutschland sich nur deshalb freundlich mit dem Sultan stelle, um int Kriegsfälle die Muhame- dauer gegen die Engländer aufwiegeln zu können, die englische Flotte müsse dann verteilt werden und Deutschland könne zu Lande und zu Wasser ieqen. Aus diesen Befürchtungen heraus stnd auch die Bemühungen der fremden Mächte ui Sachen der Bagdad-Eifenbahn zu verstehen; 3 Punkte kommen für den Batt der Bagdad-Bahn wesentlich in Betracht: der Charakter der Bag- dad-Bahn als türkische Staatsbahn, die deutsche Aufsicht über die Bagdad - Bahn und die Zu- lässigkeit einer internationalen Finanzierung. Wür­den nun auch von deutscher Sette keine Bedenken erhoben werden, falls französische, englische oder russische Kapitalisten sich an dieser Finanzierung beteiligen, so darf doch betont werden, daß der Bau der Bagdad-Bahn augenblicklich gerade an den schwierigsten Stellen (durch das Taurusge­birge) rüstig fortgesetzt wird. Nicht ein Frank, nicht ein Schilling, nicht ein Nickel sind notwen- big, um diesen Ban tm Taurusgebirge, der etwa IVi—2 Jahre in Ampruch nehmen wird, zum Abschlüße zu bringen. Dann wird die Fortsetzung des Baues unter günstigeren lokalen Bedingungen erfolgen, sodaß ruhig abge märtet werden kann, wie sich bann die weitere Finanzierung des Un­ternehmens gestaltet. „Unter allen Umständen wird Deutschland daran fe sth a 11en, daß es die Aus- sicht über die Bagdad-Bahn nach töte vor au»- übt. In dieser Hinsicht werden den fremden Kapitalisten die sich an der Finanzierung betei­ligen wollen, keine Zugeständnisse gemacht werden tonnen;" so heißt eä in dem deutschen Blatte, das die Bagdadinteressen besonders ver­ficht. Frankreich will uns bekanntlich Geld stellen, wenn wir uns aus Marokko zurückzieden; aber die deutsche Finanzwelt will dieses Geld gar nicht.

Etwa» mehr sollte man auswärtigen Politik; denn das wirkt für unser ■ - ~ 1 Ansehen vernichtend. Die Revanchedebatte tn

Frankreich mit unserem Verhalten hat uns einen schweren Stoß verletzt; dieser kann nur noch da­durch repariert werden, daß wir auf der H a a g e r Konferenz die erforderliche Antwort geben, wenn die Frage der Abrüstung zur Debatte steht. Dem diesbezüglichen englischen Vorschlag haben sich auch die Vereinigten Staaten von Amerika und Spanien angeschloffen. Für die Haltung Amerikas ist wohl lediglich die Verpflichtung maßgebend, die Präsident Roosevelt vor seiner Wahl ein­gegangen ist. Auch er hat den „Pazifisten" (Friedensfreunde) seinerzeit ein Zugeständnis machen müffen, das feiner eigenen persönlichen Uebetjeugung wohl schwerlich entspricht, das er aber unbebenfltd) machen konnte, weil es ohne praktische Folgen bleiben wird. Was den dritten im Bunde, Spanien, betrifft, so ist seine inter­nationale Lage gegenwärtig derart,^ daß es durch die Zustimmung zu Rüstungsbeschränkungen keine Gefahr läuft. Daß er sich aber den beiden Mächten angeschloffen hat, die die Initiative er­griffen haben, ist immerhin beachtenswert, denn er zeugt von einer nicht geringen Steigerung des ! englischen Einflusses in Spanien. Dieser Einfluß ! geht zurück auf die guten Einvernehmen der Westmächte und die Entwicklung der Dinge in der Marokkosrage; er hat «aber auch wohl durch persönliche höfische Verhältnisse eine Ver-

Deutsches Reich.

Berlin, 13 April 1907.

Die Trauerfeier für den verstorbenen Zentrumsabgeordneten Prinzen Arenberg sand am Samstag vormittag in der Kapelle her Ur« ulinerinnen in der Lindenstraße zu Berlin statt. Illeben der fast vollzählig erschienenen Zen­trumsfraktion nahm der Reichskanzler Fürst v. Bülow, sowie das Präsidium des Reichs­tages an der Trauerfeier teil Unter anderen beteiligten sich an der Trauerfeier auch die Minister v. Bethmann-Hollweg, v. Einem, Dr. v. Studt, die Staatssekretäre Krätke, Dr. Ikieberding und Stengel, sowie der Kolonial­direktor Dernburg. Der Präsident des Ab- geordnetenhauses, Herr v. Kröcl er, hatte sich wegen einer nnaufschieblichen Reise fein § Fern­bleibens entschuldigt. Auch die Zentrumssraktion des Abgeordnetenhauses nahm an dem Absletben des Prinzen Arenberg innigen Anteil. Der Vor­sitzende der Fraktion, Abg. Dr. Pors h, wür- digte in einer Sitzung der Fraktion in warmen Worten den schweren, in vielfacher Beziehung unersetzlichen Verlust, welch:« die Fraktion durch den Tod des Prinzen Arenberg erlitten habe; in treuer Pflichterfüllung und großer persönlicher Liebenswürdigkeit habe der Verstorbene der Fraktion und ihren Mitgliedern wertvolle Dienste geleistet. Sein Andenken werde unvergessen bleiben. — Die nationalliberale Fraktion deS Abgeordneienhautes sprach der Zentrums« frattion aus Anlaß des Trauersalts ihr Beileid aus, welches der nationalhberale Abg. Dr. Friedberg in einem Schreiben an den Vor­sitzenden Dr. Porsch zum Ausdruck brachte.

* Klage des Abg. Roeren. Wie der ,Deutsche Bote' erfährt, ist in der Privatbeleidigungstlage des Abg. Roeren gegen den Bezirkshauplmann a. D. Geo A. Schmitt nunmehr das Haupt­verfahren und zwar in Köln, eingeleitet worden. Als Beweismittel für den Angeklagten sollen, so weit der Reichskanzler die notwendige Genehv'i- gung dazu erteilt, die Akten des Kolonialamts herangezogen werden. Rian kann sehr gespannt sein, ivie diesem Ansuchen enisprochen wird. Wir freuen uns, daß die Togo-Sache vor Gericht kommt, well jetzt die Wahrheit sestgestellt wird, und diese haben die Missionen nicht zu sürchteu.

n. Ein Personenwechsel im Reichsschatzamt soll nach allgemeiner Annahme für den kommenden Herbst bevorstehen. Bis dahin wird es sich als unbedingt nötig erweisen, der Volksvertretiing neue Steu er vo r schlä g e zu unterbreiten. Reichsschatzsekretär von Stengel, dem es nur unter großer Nachgiebigkeit gelungen ist, die Reichsfinanzreform durchzuführen, dürfte aber kaum Lust verspüren, der dornenvollen Aufgabe,

„Die Leute kommen!" faßte er.

Air. Strange stützte den Kops in die Hand, da­durch lein Gesicht verbergend, welches von Schmerz verzogen und totenbleich war. Seine Augen hatten einen seltzamen starren Glanz, fein Atem war schwer und unregelmäßig, als sei ihm die Lust abgeschnitten und er dem Ersticken nahe.

„Ich habe mich geirrt," sprach der Graf nach einer Weile; es sind unsere Leute nicht. Es muß em anderes Geräusch gewesen fein".

„Sie Machen von ihrem früheren Vormund," sagte Mr. Strange mit gewaltiger Aufregung. „Er ist nicht verheiratet?"

„Wein; aber er ist sehr beliebt in allen Kreisen. Er ist reich und einer der feinsten Gentlements. Ohne Zweifel hätte er schon längst eine geeignete Partie machen können, aber feit Jahren hat er mit unverbrüchlicher Ergebenheit eine Dame an ge­betet, jedoch mit wenig Erfolg. Vor meiner Ab­reise aus der Heimat wurde aber seine Verlobung mit dieser Dame atS bevorstehend ausgesprochen".

„Und wer ist diese Dame?"

„Eine der 'chöusten Frauen Englands, über ihre Jugend und Frühlingszeit hinaus, aber in einem wahren Sommerglanz von Liedlichkert und Schön­heit. Sie ist die Tochter des Herzogs von Clyffe- bourne, — Lady Wolga!"

Mn tiefer, seltsamer Ton entsuhr Mr. Strange s Lippen. Sein Oberkörper sank kraftlos vorwarlS. wie von einem Schlage plötzlich gelähmt.

Jetzt wurden die Pferde und Maultiere in einiger Enfternimg sichtbar, geführt von den Män­nern, welche zur Bedeckung dienen sollten, und der junge Graf achtete nicht ans Air. Strange.

„Sie habe» die beiden Namen, di« ich eben nannte, gewiß schon gehört," fuhr er, sich erhebend fort „Vor 18 Jahren wnrdr der Vtame Montheron in der ganzen Welt genannt und dir Flamen des gegenwärtigen Marqnis und der Lady Wolga wurden insbesondere überall erwähnt. Ich spreche von dem Drama, welches ganz England mit Schrecken erfüll". (Forts, folgt)

ftärtung erfahren, seit eine Nichte de« Königs von England Königin von Spanien geworden ist. König Eduard versteht eS vielleicht, von allen jetzt lebenden gekrönten Häuptern am besten, seine persönlichen Beziehungen tn den Dienst der Politik zu stellen. Aber Frankreich, der neueste Freund Eduards, tut vorerst nicht mit. Unsere Vertreter können jetzt jede Ver­handlung ablehnen, ehe nicht die Heraussorde- rung von Frankreich zurückgenommen fit. Es heißt Selbstmord begehen, wenn wir ernsthaft über diese Frage diskutieren, während ssoeoen unser Gegner erklärte, er sehe mit Sehnsucht dem Tage entgegen, an welchem er über uns herfallen könne, um Rache für 1870 zu nehmen. Da muß unsere Ablehnung so fest und so unerschutter- lich sein, bis wir Genugtuung erhalten haben. Was dann geschieht, haben wir hier ntcht zu unlttsuchen. ben setzten Wochen immer deutlicher gezeigt, daß eine wichtige Ursache un- serer Isolierung die

deutsche Balkanpolitik

vollzogen und König Eduard von kann manche schöne Stunde deshalb Wir überschätzen den persönlichen Ein- fluß des englischen König« in der Politik nicht ; derselbe bringt vor allem darauf, daß er mit einem ungemein sicheren staatsmännischen Instinkt und einer sehr genauen Kenntnis der Seele des englisch«! Volkes seine Persönlichkeit im Sinne der Politik seine« Kabinett« zur Wirksam kett bringt Der sichtbare Nutzen dieser Wirksamkeit sichert ihm natürlich auch einen Einfluß auf da« Kabinett, der über den von seinen Vorgängern geübten gewiß hinauSgeht. Aber der König kennt doch die verfassungsmäßigen Schranken seine« Amte« zu genau, al« daß er auch nur den Versuch machte, fein Kabinett in dem Umfange zu leiten und zu lenken, wie ihm da« häufig zugeschrieben wird. Und das führt uns auf eine allgemeine Bemerkung zurück, die wir zur Beurteilung der internationalen Sage und der politischen Rolle unsere« Vaterlandes nicht unter- drücken möchten. Wir begegnen leider in der deutschen Presse z» viel der Ansicht, alle Schwierigkeiten und Gefahren, denen unsere Politik begegnet, feien der überlegenen Staatskunst der un« feindlich gesinnten Mächte und Staatsmänner, in erster Linie des Königs Eduard zuzuschreiben, während unsere eigene Politik da« alle« sehr

Sie treffende Schlag uuerträglich; aber tq habe weit schlimmere Erfahrungen gemacht, weit härtere Schläge erhalten und lebe doch noch. Sie stammen auS 7mm edlen alten ««schlecht. Dir Kingseourts sind von jeher stolz gewesen auf ihr« Ehre und ihre Tugenden. Rein KutgScourt entehrte jemals feinen iRanttn oder machte eine Mißheirat Mit der Zeit werden Sie tret »caut finden, deren Namen dem Ihrigen noch mehr Glanz hinzufitgrn wird, und bann wird kainr Schmach auf Ihnen oaften o»ec tm Geheimnis Ihr Leben verdunkeln."

. „Wenn ich Alexa nicht heirate, werde ich uu» cseiralrt bleiben!" tdlärte der Graf bestimmt. „Sie scheinen di« Kingscaurts zu kennen, Air. Strange?"

6m« dunkle SUI« übergoß dessen ««sicht

„Ich hab« vau Ihr« ;zawil« gehört Mylord," eriaidert« er km?. „Die «eefeu, w* KingScvurt

daß er den General zwar versetzt habe, aber chn sehr hoch schätze, daß er ihn umarmt hat und daß et mit ihm---; da entsteht Lärm,

sonst hätte der Kri e gSm ini st er in der Kammer ganz offen die Revanche angekündigt. Aber daS ist ein Soldat! sagt man. Gut; der Minister­präsident Clemenceau endete auch und er erzählte ganz offen, daß er mit Sehnsucht den Tag der Rache erwarte. Ein unerhört« amt­licher Verstoß: die leitende und verantwortliche Persönlichkeit deS Nachbarstaates proklamiert ganz offen einen Rachekrieg gegen uns! Was er- folgt als Antwort? Rein gar nichts - Richt einmal unseren deutschen Botschafter sendet man auf mehrere Monate in Urlaub, bis eine Genug« j tuung erfolgt ist. Und doch ist diese neue Her- I ausforderimg viel schärfer als die, welche sich einst vor dem Kriege Minister Gramm ont ge­stattete. Wir haben diese Ohrfeige ruhig ein­gesteckt. Daraus müffen fremde Mächte ableiten, als seien wir schwach; ihr Uebermut wächst und kann sich im gegebenen Moment zur Kriegs­gefahr entwickeln. Die Diplomatie muß doch dem Kriege vorbeugen; doch nichts ist geschehen, um den Gegner in die Schranken zu weisen. Nun aber wird die Ansicht von Deutschlands Schwäche noch besonders bestärkt durch die vielen Broschüren, die in Frankreich und England er«

durchdrang jetzt Mr. Strange, — ba^elbe Ver­langen, welches sich während der Anwesenheit Lord Kingscoucks in feinem Hause sein« schon mehr­mals bemächtigt hatte. Es gab Meiftchen, dir er einst getonnt, die ihm lieb und teuer gewesen, — lebten sie noch, oder waren sie tot i Er hatte fett 16 Jahren nichts von ihnen gehört. NeueS auS der Heimat! Er brannte plötzlich vor Verlangen, es zu hören. Seit 16 Jahren war er keinem Engländer begegnet, hatte er keine englische Zeitung gelesen. Wie niochte sich in dieser Zeit alles ver- ändert haben! . m

, Ich hörte manchen großen Namen, als ich vor Jahren in England war," sagte er vorsichtig, aber doch mit einer fieberhafien Hast. „Ich denke, daß eine neue Generation von PeerS jetzt tm Hau,e der Lords sitzt und eine neue Generation tm Haus« der Gemeinen. Ich weiß, daß die Königin, Vik­toria noch regiert, kenne auch auS den Mhener Zeitungen die politischen Tage-neuigkciten. Ich glaube, daß ich mit der englischen Politik ebenso vertrant bitt, wie Sie selbst, Mylord. Aber um die Zeit zu verbringen, die ich noch bis zur An­kunft der Pferde und ihrer Begleiter vor unS habe, möchte ich wohl etwas Neues auS der Gr- fellschaft hören. Welches sind die hervorragendsttm Personen aus der hohen Gesellschaft Englands r, Lord KingScourt nannte verschiedene Namen, welche jedoch feinen Wirt wenig zu iiuerefsieren schienen.

,Hch denke, mein Vormund kann als eine der tonangebenden Personen bezeichnet werden," bemerkte der Graf. „Selbstverständlich ist er letzt nicht mehr ment Vormund, aber er war es nach meine« Vaters Tode, während der Zett meiner Minder« jährigkeit. Er ist jedoch nicht verheiratet."

„Ihr Vormund ?"

„Ja, der MarquiS von Montheron."

Mr. Strange zuckte zusammen, al» habe ihm eitle Kugel die Brust durchbohrt.

Ein fernes Geräusch von Pferdetritten auf der anderen Seite des Hauses nahm die Aufmerksam- teit Lord Kmgscourt'S in Anspruch.

sind reich, mächtig und stolz — eine der edelsten und besten Familien Englands. Jeder, der in England gcroc|en ist, muß von ihnen gehört haben."

„Sie waren dort?"

',®fe sind von englischer Gebitrt? Ich bin fest davon überzeugt!"

„Ich bin ein Engländer!"

„Und doch haben Sie wahrend meines ganzen Verweilens hier nie von England gesprochen. Ist es lange hier, seitdem Sie England vcrlaffen haben?"

Dir. Strange nickte.

„Vielleicht haben wir gemeinschaftliche Bekannte," sagte der Graf. „Ich habe Sie nie einen englischen Namen äußern hören: aber vielleicht wäre ich im Stande, Ihnen Auskunft über alte Bekannte geben zu können. Alexa sagte mir, daß Sie nie eng­lische Leitungen lesen —"

„Weil ich von der Stunde meinet Verbannung an mich nicht um Neuigkeiten auS England küm« werte. Ich verlange weder von England zu hören, noch eS jemals wiederzusehen."

„Und gibt es nicht eine Person tn England, von deren Wohlergeheu Sie hören möchten?" fragte t>er Graf verwundert.

Urbrr das bleiche Gesicht Mr. Strange'» jo gen finstere Wolken. Eiue plötzliche, überwältigende Aufregung überfiel ihn, die zu verbergen er sich abwandte.

„Es gibt Niemanden, von dem ich z« hören wünscht, sagte Mr. Strang« rauh; „Niemanden

! in England, Niemanden in ver ganzen Welt!"

„Haben Sie meinen Vater gekannt'-' fragte Lord Kingscaurt, welcher wünschte, seinen Wirt für irgend etwas zu interessieren.

„Ich habe ihn gekannt," lautete bte Antwort.

„Er starb vor sechs Jahren," berichtete der junge Graf, „und meine Mutt« folgte ihm kaum ein Jahr später." . ,

Ein mächtiges Verlangen, roteber einmal von Menschen zu hören, bie er früher gekannt hatte.

Arexa oder

Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von Eduard Wagner.

16] (Nachdruck verboten.)

„Kann kein Bitten, keine Vorstellung Si« be« wegen? Kann nicht die Zuversicht auf bas Glück Alexa'» Sie bestimmen, in unsere Heirat einzil« willigen? ES muß ein schreckliche» Geheimnis {em, welche» Sie nötigt, zwei Leden zu vernichten."

„Da» ist e»; e» ist em Geheimnis, so schrecklich, daß ich kaum daran zu denken wage," erwiderte Mr. Strange dumpf. „Lasten Sie un» nicht weit« darüb« sprechen."

„Was e» auch ist, «6 kann mich nicht abschrecken, noch weine Siebe untt Treue zu Alexa erschüttern,", sagte Latt KingScourt fest. „Ich nntbe sie immer- bar lieben."