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Fulda, Mittwoch den 10. April 1907.

M 81.

34« Jtihrciansi.

Zweites Wtatt.

):( Sie SklmkeiipslegtriMi-Sihilt des Mholischen AMeHchl-e-Vmins

in Ain.

Durch die bevorstehende Neugründung der Krankenpflegerinnenschule in Düsseldorf ist das Interesse für derartige Institutionen geweckt, und dürfte deshalb die bereits seit einem Jahre be­stehende Einrichtung des Katholischen Krankenfüc- sorge-Vereins Beachtung verdienen. Eine statt­liche Anzahl katholischer weltlicher Pflegerinnen haben ihre Ausbildung bald vollendet und sind bereit, Krankenpflegedienste in Anstalten oder bei Familien zu übernehmen. Außerdem haben auch viele geistliche Ordensschwestern der verschieden­sten Kongregationen aus Köln und außerhalb Kölns an den theoretischen Kursen teilgenomnien.

Die Art der Ausbildung, wie sie hier einge­führt ist, hat vor kurzem noch von feiten des Herrn Geheimen Obermedizinalrates Dr. Dietrich aus dem Kultus-Ministerium volle Anerkennung ge­funden, der dieselbe als vorbildlich bezeichnete; aus diesem Grunde schon dürfte eine nähere Mit­teilung erwünscht sein.

Die Pflegerinnen machen zunächst einen zwei­monatlichen theoretischen Kursus durch, der täg­lich zwei Stunden des Nachmittags in Anspruch nimmt, den übrigen Teil des Tages bringen sie in den Krankenhäusern zu. Die Erteilung des theo­retischen Unterrichts haben in liebenswürdiger Weise mehrere Mitglieder der Akademie für prak­tische Medizin, und zwar die Herren Professor Dr. Hochhaus und Professor Dr. Tilmann und Dr. Dreesmann, ferner der Beigeordnete der Stadt Köln, Herr Dr. nied. Krautwig, sowie die am St. Vincenz-Krankenhaus tätigen Aerzte Dr. Huismans, Dr. Hchder, Dr. Jung, Dr. Schönen­born und Dr. Wittwers übernommen. Die reli­giöse Unterweisung geschieht von Herrn Pastor Dr. Oberdörsfer und Herrn Pastor Tils.

Da der Unterricht von allen diesen Herren vollständig gratis erteilt wird, ist der Verein den­selben zu großem Danke verpflichtet. Der Kran­kenpflege-Unterricht erstreckt sich auf alle Gebiete, die in der vom Bundesrat genehmigten Prüfnngs- ordnung vorgesehen sind.

In der übrigen Zeit des Ausbildungsjahres werden die Pflegerinnen auf den verschiedenen Abteilungen der städtischen Krankenhäuser und des St. Vincenz-Krankenhauses beschäftigt, und zwar je nach der Bedeutung der einzelnen Stationen einen oder zwei Monate lang, so auf der chirurchi- schen, der inner» Abteilung, der Abteilung für Augen-, Haut-, Nasen-, Hals-Krankheiten, Jm'ek- tions-Krankheiten auf der psychiatrischen Abtei­lung, der Kindcrabteilung, ferner auch in der Küche und Waschküche, sowie in der ambulanten Krankenpflege. Außerdem nehmen die Pflegerin- neu noch an einem besonderen Kursus über In­fektions-Krankheiten und bereit Bekämpfung teil; derselbe wird von Herrn Direktor Czaplewsky ab- gebalten und endigt mit einer Abschlußprüfung. Während der ganzen Zeit ist wöchentlich eine Nepe- titionsstunde. Am Schluß des Jahres müssen die Pflegerinnen das staatliche Examen ablegen, wel­ches darüber entscheidet, ob die Pflegerin imstande gewesen ist, sich in der kurzen Zeit eines Jahres die notwendigen Kenntnisse anzueignen.

Der Katholische Krankenfürsorge-Verein be­gnügt sich aber nicht nur mit der Ausbildung der Krankenpflegerinnen, sondern er will den ausge­bildeten Pflegerinnen für ihr ganzes Leben eine Stütze, ein Heim geben. Die Pflegerinnen sollen, solange sie dem Verein angehören wollen, nach jeder Richtung sicher gestellt werden. Sie werden ein festes Jahresgehalt beziehen; auch bei Krank­heit, bei Invalidität und tm Alter soll für sie ge­

sorgt werden. Es wurde bei der Gründung des Vereins von dem durchaus richtigen Grundsätze ausgegangen, daß man nicht nur Pflegerinnen ausbilden soll, sondern, daß eS ebenso wichtig sei, nach der Ausbildungszeit für diese Pflegerinnen Sorge zu tragen. Es darf nicht vergessen werden, daß der Beruf einer Krankenpflegerin die mannig­fachsten Gefahren bedingt. Dies veranlaßte auch, daß der Referent Professor Dr. Georg Meyer auf der 29. Versammlung des deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege in Danzig den Wert der moralischen und religiösen Erziehung deS Pflegepersonals entschieden betonte, und deshalb die Mitwirkung des Geistlichen bei der Ausbil- dimg und der Prüfung verlangte.

Wie aus der kurze,r Schilderung hervorgeht, ist daher in Köln bereits seit einem Jahre eine durchaus zweckentsprechende Pflegerinnenschule eingerichtet. Anfang Mai beginnt der dritte theo­retische Kursus, zu dem schon eine Reihe Anmel­dungen eingelaufen sind. Noch weit ersprießlicher durch Ausbildung einer größeren Anzahl von Pflegerinnen würde der Verein seine Tätigkeit entfalten können, wenn ihm auch nur annähernd so reiche Mittel zur Verfügung ständen, wie der neu zu gründenden Schule in Düsseldorf. Darum ergeht die Aufforderung vor allem an unsere Mit­bürger, dieses neue Unternehmen durch Beitritt zum Verein als Mitglieder zu unterstützen, zumal auch die Tätigkeit des Vereins allen Bürgern ohne Unterschied der Konfession zugute kommen soll.

vermischter.

* Eine« Besuch bei der älteste» Frau Deutsch­lands, der nach amtlicher Beglaubigung 119- jährigen Eder in Spitzendorf im Bayerischen Walde schildert Joseph Benno Sailer in den „Münchener Neuesten Nachr." Die Greisin saß mit bloßen Füßen im Schnee, was ihr nach ihrer Versicherung nichts schadet. Ihre Augen blicken noch lebhaft, doch ist sie seit 10 Jahren recht kin­disch. Sehr beklagt sie, daß ihr Gedächtnis so

Die älteste Frau DeufscMands

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stark nachgelassen habe. In ihrem langen Leben ist sie nie ohne Sorge und Entbehrung gewesen. „Na Herr, nix is mehr, alles tuat mir weh und derschnaufen fcn t halt scho gar nimmer", sagte die Alte, die von Kaffee, Kartoffeln, Wassersup- Pen, Kraut, Knödeln und Brot lebt. Eine Nach- barin verriet, daß Josepha früher eine Vorliebe

ür Bier hatte und manchen Sonntag ein Rausch, ein heimbrachte. Seit 69 Jahren ist sie Witwe. Prinzregent Luitpold selbst nimmt an ihrem Ge­schick regen Anteil. Die alte Frau hat in thron jungen Jahren noch Napoleon den Großen kennen gelernt, als bei Leipzig seine Macht zerschellte, bekam sie ihr erstes Töchterchen, das ebenfalls noch lebt und sich uns jetzt als 94 Jahre zählende Greisin vorstellt. , „ ..

* Gestiegen. Lehrling: „Papa, heut' bin ich aber in der Achtung meines Prinzipals ge­stiegen." - Papa: „Na wieso denn?" - Lehr- ling: „Ja weißt, der andere Lehrling hat gestohlen.

♦ Einzige Möglichkeit. Kleinfürst (von emer Auslandsreise heimkehrend): „Wie kommt eS nur, daß mir mein Land jetzt so klein erscheint — ich bin doch nicht etwa inzwischen stärker geworden <

Literarisches.

Mitteilungen der Herder'scheu Verlagshaud- luttfl zu Freiburg im Breisgau. Die soeben ausgegebene Nummer 4 wird eröffnet durch eine Biographie von P. I. B. Diel Die von ihm besorgte Auswahl von Brentanos Werken l>at das Andenken des so früh Heimgegangenen Sängers wieder wachgerufen. Es folgt eine Ueberstcht der „staats- und sozialwissenschaftlichen Literatur , welche die reiche Tätigkeit des Herderschen Verlags auf diesem Gebiete veranschaulicht. Wir heben von grundlegenden Werken das „Staatslexikon', P. H. Pxsch's „Lehrbuch der Nationalökonomie", von Einzelfragen P. V. Cathreins „Sozialismus" und P. A. Rösler's „Frauenfrage" hervor. Solche systematische Uebersichten über einzelne Literatur- gebiete sind hock'willkommen für den Bedarfsfall und sichern den „Mitteilungen" das dauernde In- teresst eines jeden Literaturfreundes. Aus der Feder von Weihbischof Knecht befindet sich eine neue, in Text und Ausstattung durchgreifend ver- besserte Biblische Geschichte für Schule und Haus, daran anschließend auch eine neue Ausgabe des be- währten Kommentars im Druck, sodaß diese vtel- gebrauchten Lehrmittel in einer den strengsten pä­dagogischen Anforderungen genügender Gestal­tung sollen geboten werden. Das von Freund und Feind mehr und mehr geschätzte Konversations- Lexikon wird schon kommenden Herbst abgeschlos­sen werden. — Die Miteilungen werden kostenlos versandt.

Marktberichte.

• Frankfurt a. M., 8. April 1907. Amtliche No- tierrma derBiehmarkt-Preise. Zum Verkauf standen 431 Ochsen, 66 Bullen, 740 Stube und Färsen (Stiere und Rinder), 224 Kälber, 196 Schafe und Hämmel und lo53 Schweine. Bezablt wurde für 100 Pfd. Schlachtgewicht: Ochsen: ». vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlacht- wertes bis zu 6 Jabren 82—85 M., b. junge fleischige nicht ausgemäktete und ältere ausgemäflete 71—76 M., e. mäßig genänrte junge, gut genährte ältere 68 -70 M., d. gering genährte jeden Alters 5a—60 M. Villlen: ». vollfleischige höchsten Schlachtwertes 73—75 Mark, h. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere, 70—72 M., c. gering genährte 00.00 M Kühe und Färsen (Stiere und Rinder): a. vollfleischige, ausge­mästete Färsen (Stiere und Rinder) höchsten Schlachl- werteS 73—75 M., b. vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 70 - 72 M„ e. ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 63 bis 62 M., d. mäßig genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 00—00 M., e. gering genährte Kühe und Färsen Stiere und Rinder) 00—00 M. Bezahlt wurde für 1 Psd. Schlachtgewicht: Kälber: a. feinste Mast. (Bollmast) u. beste Saugkälber (tzannov.) 100—104 Pfg., b. mittlere Mast- und gute Saugkälber 94—99 Psg , c. geringe Saugkälber 72-76 Pfg., d. ältere gering genährte Kälber (Fresser) 00-00 Psg. Schafe: a. Mastlämmer und jüngere Masthämmel 80—00 Pfg., b. ältere Masthämmel 76—78 Pfg., <•. mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merzschaie)OO—00 Pfg. Schweine: a. vollfleischige der ferneren Rassen und deren Kreu. zungen im Alter bis ju 1'/. Jahren 57—58 Psg., b. fleischige 55—56 Psg., e. gering entwickelte, sowie Sauen und Eber 50—52 Psg., d. ausländische Schweine (unter

Angabe der Herkunft) 00—00 Pfg. Bezahlt wurde für 1 Pfd. Lebendgewicht: Kälber: a. 60—62 Pfg., b. 55 bis 58 Pfg. Schweine: a. 45—00 Pfg., b. fleischige 43—44 Pfg. Geschäftsgang in Großvieh und Kleinvieh gut, Markt geräumt. Ueberftand unbedeutend. Aus Oesterreich standen 47 Ochsen und 1 Bulle zum Ver­kauf.

Uurzer Getreide-Wochenbericht

der prrlsberichtsfielle des deutschen Landwlrtschastsrats vom 2.-8. April 1907.

Das schöne, trockene Frühjahrswettcr während des größten Teils der Berichtszeit kam den Land­wirten sehr zu statten; dennoch ist es fraglich, ob die in manchen Gegenden vollständig ausge­winterten Weizeuflächen noch rechtzeitig mit Som­merweizen bestellt werden konnten. Den meist gut durch den Winter gekommenen, aber rückstän­digen Roggensaaten boten die frischen Ostwuide und die noch vielfach vorgekommenen Nachtfröste keine günstigen Entwickelunqsbedingungen. Die während der Bestcllzeit nicht ungewöhnliche Er­scheinung, daß tos landwirtschaftliche Angebot eine Einschränkung erfährt in Verbindung mit der all- gemein schwachen Versorgung hat namentlich m Mitteldeutschland ein stärkeres Kaufbedürfnis zu Tage treten lassen, dessen Befriedigung nur unter Bewilligung erhöhter Preisansprüchc erfolgen konnte. Erwerbungen von ausländischen Werzen- sorten, die als Ersatz für das deutsche Erzeugnis in Betracht kommen, wurden in größerem Um­fange vorgenommen. Auf dem zeitweise durch feste amerikanische Berichte angeregten Termin­markte machte sich andauernd Deckungsbedürtms geltend, zum Teil infolge der verzögerten Erfül­lung rumänischer März- und Aprilverpslichtun- gen. Auch für Roggen zeigte sich aus diesem Grunde und gegen nach Sachsen verkauften runi- schen Roggen, dessen direkte Forderungen hoher lauteten, seitens hiesiger Importeure etwas mehr Deckungsfrage. Der Umstand, daß der Bedarf für Roggen nur geringe Ansprüche stellt, sowie das Fehlen neuer Exportfrage machte sich in Aube- tracht des schwachen Angebots weniger fühlbar. Für Hafer ist der Bedarf ziemlich zurückhaltend, auch scheint sich Mitteldeutschland aus den ange- kommenen Wintcrladungen von Schlesien und Po­sen vorerst genügend versorgt zu haben; da sich in den Nachbesckmffungsverhältnissen aber nichts geändert hat, blieb die Haltung vorwiegend fest. Die durch Schwierigkeiten im Hamburger Hafen­betrieb noch verschärfte Knappheit in greifbarer Futtergerste sowie in Mais haben die Preise für diese beiden lebhaft begehrten Futterartikel weiter anziehen lassen.

Es stellten sich die Getreidepreise am letzten Markt­tag« in Mark pro 1000 Kilogr. je nach Qualität, wo­bei das Mehr (ch-) brzw. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern () beigefügt ist, wie folgt

Weizen Roggen Hafer

Danzig 196 (4- 2 .) 166 (- 4 ) 168 ( )

Berlin 191 (+ 2 ) 170>(— '/.) 185 ( )

Hamburg 184 (+ 2 ) 172 (— 2 ) 184 (- 1 )

Hannover 185 ( ) 175 ( 188 ( j

Düjseldors 191 <-s- 1 ) 177 (+ 1 ) 189 (-s- 1 )

Köln 18R ( ) 173 ( ) 190 (+ 2 )

Frankfurt 195 (4- 2 ) 177l/.(4- '/') 194 t )

München 205 (+ 1 ) 186 ( ) 184 (- 2 )

Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Mai 189.75 (4- 0.25), September 185.00 (— 1.5*0, Budapest Mai 132.10 (— 1.55), Pari- April 186.65 (-f- 1.25), Liver­pool Mai 144.00 (4- 0.30), New-Aork loh) 129.45 — 0.75), Roggen: Berlin Mai 174.00 (— 1.25, Sep­tember 164 (— 2.25-, Hafer Berlin Mai 176.75 (—1.25) Mark.

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