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Verantwortlicher 6d)riftkli«:1L®t6ltr für die Anzetzen: J. parzellrr in fiulba

wochenbeilage: „Illustrierte Somitagrzeitnng

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«otatton,druck n. Verlag der jiuldaer St» tiendr rckerei In tiulda. Zernsprecher Nr 9.

An;«i a en: Die ein­spaltige petitzeile oder deren Raum 15 psg. Reklamen )ie priitzeile 25 psg.; bei wieder- holunaen wird «ntspr. Radalt aewahrt.

M 81.

Fulda, Mittwoch den 10. April 1907.

34. Jahraanq.

Krstes Wlcrlt.

(:) Die verärgerten liberalen.

Wenn man zur Zeit ein linksliberales Blatt zur Hand nimmt, begegnet man in seinen Spalten wieder der Arlffossung, wie sie kurz nach den Wah- len in jenem Wahllager vorherrschend waren. Nur macht sich jetzt die V e r ä r g e r u n g geltend, weil der entschiedene Liberalismus immer noch nichts von dem sieht, was er sich infolge seines Um­schwungs zur Regierungspartei erträumt hat. Des Zuwartens mm müde, fängt er an, in schärferem Tone seine alten Forderungen von neuem zu wie­derholen. Auf spätere Zeiten abzuwarten hat er keine Lust mehr, schon die nächsten Wochen der wiederbeginnenden parlamentarischen Saison will er nach Möglichkeit für seine Zwecke ausnutzen.

Den ersten Vorstoß scheint man mit dem An­trag auf

Abänderung der Reichstagswahlkreise machen zu wollen. Bekanntlich haben die „ver­einigten" linksliberalen Parteien einen Antrag auf Neueinteilunq der Wahlkreise nach dem heuti­gen Stand der Bevölkerung cingebracht. Schon vor einigen Tagen hat die „Freisinnige Ztg." angekündigt, daß man der Regierung demnächst in dieser Frage „gehörig auf den Zahn fühlen" werde. Das „Bert. Tagebl." fpinnt in Nr. 175 diesen Faden weiter. Es kann nicht verstehn, daß Naumann, wie er sich auf dem Delegierten- tag der Freisinnigen Vereinigung ausdrückte, nut leeren Händen in die Sommerferien gehen wolle. Davon will das Mosseblatt durchaus nichts wissen: es fühlt sich bange vor dem, was alles in der Zwischenzeit sich ereignen könnte. Deshalb läßt es folgenden Stoßseufzer vernehmen: „Bis zum Herbst kann sehr viel passieren; bis dahin kann die Regierung sich entschließen, den Reichstag zum zweiten Mal auszulösen. Dann stände der Liberalismus hilflos da. Seine radikalen Anhänger hätte er verloren, ohne nach rechts an Terrain gewonnen zu haben. Geduld ist gut; nur darf diese politische Tugend nicht überspannt werden. Man braucht der Regierung nicht die Pistole auf die Brust zu setzen, aber man muß sie nötigen, schon jetzt Farbe zu bekennen. Das läßt sich machen, sei es bei der Beratung des liberalen Antrages auf eine Neueinteilung der Wahlkreise, sei es bei der Erörterung der Ziele eines Neichsvereinsgesetzes, sei es sonst bei einer liberalen Forderung." Aus diesen Zeilen spricht »um mindesten ein hochgradiger

Parteiegoismus, nicht weniger aber auch die Besorgnis um den eigenen Bestand. Gleichzeitig wird aber die eigene Unfähigkeit vollkommen eingestanden. Der liberale Gedanke vermag nicht, sich selbst zur Gel­tung zu bringen, deshalb wird kräftigste Unter- llütznng von der Regierung gefordert und erhofft.

Dieses Drängen des entschiedenen Liberalis­mus nach Erfüllung seiner Wünsche gibt dem reckten Flügel des nationalen Blocks sehr ;n d^ken. Man vergleiche nur den Artikel, wel- cheu e „Post" in ihrer Nr. 163 vom 9. April dem Wiedeli/eginn der parlamentarischen Arbeit ge- widmet hat. Es heißt da: „Es scheint, als habe der Freisinn noch große Dinge vor, um sich so rasch als möglich P a r t e i b 0 r t e i I e zu sichern, die er aus seiner vermeintlichen Unentbehrlichkeit in­nerhalb der neuen nationalen Mehrheit heraus­zuschlagen hofft .... Im freisinnig-demokratischon Block hat stch der scköne Gedanke, daß der Reichs­kanzler diesen Block „braucht", und daß er ge­zwungen ist, die unentbehrliche Mitwirkung des Freisinns so t-*uei wie möglich zu erkaufen, vn- verriickbar festgesetzt .... Nach alledem wird

JUexa

oder

Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von Eduard Wagner.

12| kRachdruck verboten.)

Am andere» Abend hatte er das Vergnügen, sie wieder zu sehen und mit dem Abendstrauß kam ein zweiter Rosenstrauß. Er glaubte, daß die junge Dame ihm die Blumen geschickt hatte, ob­wohl die Haushälterin sich den Anschein gab, die Gabe komme von ihr, und als Briggs sich zum Abendessen in dir Küche begeben hatte und der Graf stch allein befand, führte er die Rosen in seltsamer Zärtlichkeit und Ehrerbietung an seine Lippen.

Kaum hatte er den Strauß wieder in die Vase gesteckt, als er auf der Veranda in geringer Ent­fernung Tritte hörte, und eine zarte, liebliche Stimme rief:

„Vater! lieber Vater! Komm' heraus in die milde Luft! Ter Mond erhebt sich über den Golf! Die Nacht ist wunderbar. Du bist feit gestern morgen in Deinem Zimmer eingeschlossen gewesen. Deine Krankheit ängstigt mich. Wenn Du ntd)t auf die Veranda herauskommen kannst, muß ich annehmen, daß Du ernstlicher krank bist, als Du mich es glauben machen willst!"

DeS jungen Grafen Herz bebte hoffnungsvoll. Das Mädchen war also -Messer Stasio's Tochter. Ihre Stimme durchbebte ihn, wie ihr Anblick es getan, als er sie in der Höhle der Banditen ge- sehen hatte.

Dann vernahm er den Klang eines schweren, gemeßenen Schrittes. Mr. Strange, unfähig, dc» Bitten seiner Tochter zu widerstehen, verließ fein Zimmer und warf sich schwer auf einen Sessel der Veranda In der Stille deS Abends, und da ein Flügel der Glastür von, Lord KingscourtS

man sich auf verschiedene Vorstöße gefaßt machen muffen, die den Zweck haben, nach und nach eine entschieden

liberale Parteiherrschast

im Reiche wie in Preußen zu etablieren- , Daß dazu aber die Regierung die Hand bieten könnte, halten wir für ausgeschlossen. Hat doch Fürst Bülow seiner Abneigung gegen eine Parteiherr, schäft, von welcher Seite sie auch versucht werden sollte, in der entschiedensten Weise Ausdruck ge­geben." Das freikonservative Organ sagt mit keinem Worte zu viel, wenn es behauptet, daß die Kraftanstrengungen des entschiedenen Libera­lismus auf die Etablierung einer liberalen Par- teiherrfchaft gerichtet find. Wie kläglich nimmt sich gegenüber diesem liberalen Heißhunger nach Macht und Herrschaft das eigene Können der bür­gerlichen Linken aus! Ganze 14 Prozent des Reichstags vermögen die entschieden liberalen Parteien auszufüllen I Dem kleinen Gernegroß schwebt offenbar noch die Zeit vor, die jetzt schon fast ein Bierteliahi hundert zurück liegt. Im März 1884 entstand die neue freisinnige Partei durch eine Verschmelzung der Fortschrittler mit den sezessionistifchon Liberalen. Ihre Reickstagsfr.'k- tion zählte damals 100 Mitglieder. Diese Zahl verminderte stch aber bei den Wahlen im Jahre 1887 auf 32, stieg indessen drei Jahre später wie- der auf 64. Heute zählt der entschiedene Libera­lismus 47 Fraktionsmitglieder I Weil er aber ein Plätzchen gefunden hat, an dein er sich behaglich sonnen zu können vermeint, gedenkt er der ver­gangenen Herrlichkeit und wird nicht müde, den Reichskanzler daran zu erinnern, daß der Libera­lismus immer noch nur auf Kündigung mit ihm arbeitet.

Nun wird Fürst Bülow endlich hören müssen, schon weil die liberalen Wähler dies verlangen. Gar zu schön sagt nämlich das „Berl. Tagebl." am Schlüsse seines Artikels: „Die liberalen Wäh­ler wollen eine Klärung der politischen Lage, noch ehe der Reichstag in die Sommerferien geht. Hier liegt da? Nhodus, auf dem die liberalen Parteien zu tanzen haben. Fordert man eine Geduldsprobe auf unbestimmte Zeit, so wird sich der Verdacht regen, daß die liberalen Parteien einer Entscheidung überhaupt aus dem Wege gehen wollen." Wie vortrefflich man es doch versteht, die Rollen zu vertauschen! Bisher haben wir immer geglaubt, daß der Reichskanzler es wäre, der nach der Musik der liberalen Flöten­spieler das Tanzen, lernen müsse; auf einmal möchte mau aber die Tanzstunde zwischen den Par­teien und ihrer Wählerschaft beginnen lassen. Aber so etwas will ja das „Berl. Tagebl." gar nicht zum Ausdruck bringen; es sucht vielmehr auf diese Weise den ersten Vorstoß gegen den Reichskanzler unauffällig einzuleiten., Ta er bis zur Stunde stch nicht so gefügig gezeigt Hai, wie es den liberalen Tanzbodeumeistern vorfckwebt, verschreiben sie sick ihre Wähler als Geigenspieler zum frisch-fröblichen Hexentanz, der nun begin­nen soll. Es fdbeint uns, als ob Fürst Bülow an feinen neuen Fiemiden noch große Freude haben wird.

Deutscher Reich.

Berlin. 9 April 1907.

* Beim Empfange des neuen französischen Botschafters in Berlin, (Sombon, durch Kaiser Wilde l.m am Montag wurden fol­gende A u f v r a ch e n ansgetauscht. Der Bot­schafter sagte:

„Majestät! Ich habe die Ehre, Eurer Maje- stät das Schreiber zu überreichen, wodurch mich der Präsident der französischen Republik bei Eurer Majestät als außerordentlichen Botschafter beglau­bigt. Ich bin tief durchdrungen von dem Wert

Simmet halb offen stand, konnte dieser jeden Ton der sausten, lieblichen Stimme hören.

„Wie angegriffen Du aussiehst", sagte das Mädchen in englischer «spräche. „Ich sah die Ver­änderung an Dir nicht in Deinem Zimmer; es war dort so sinster. Du solltest nach einem Arzt schicken."

„Wer kann eint kranke Seele kurieren?" fragte Mr. Strange bitter. „Ich bedarf keines ArztZ, keiner anderen Medizin, als Deine Liebe. Aber um Deinetwegen wünsche ich, ich wäre jetzt tot."

,^fch verstehe Dich nicht. Wie sonderbar bist Du", sagte das Mädchen bekümmert. „Hast Du Kummer?"

„Keilten neuen, mein Kind. Wie sorgenvoll Du aussiehst! Tu mußt meine Last nicht auf Deine Schulter ziehen, mußt Dir meinen Kum­mer nicht fo zu Herzen nehmen, Alexa. Morgen werde ich wieder der Alte fein. Es ist mir, daß dieser junge Mann, unser Gast, mich mit einem eigentümlichen Heimweh erfüllt bat, — einer Sehnsucht nach meinem Vaterlande, wie ich sie nie wieder zu kommen geglaubt hätte. Wir wol­len nicht weiter davon sprechen, meine Tochter. Man sollte froh fein, in diesem schönen Griechen­land leben und sterben zu können!" nitb doch seufzte er schwer.

Er konnte ferner Tochter nicht sagen, welche Stunden der Angst, der Furcht und Sehnsucht er verlebt hatte fiit der Anwesenheit Lord Kings- courtS in seinem Hanse. Er konnte feiner Tochter nichts sagen von der durchwachten Nacht und fei­nen stundenlangen ruhelosen Wanderungen in feinem Zimmer nährend der Nacht; von den qualboQen Erinnerungen, welche ihn in den letzten vierundzwarizig Stunden seine jahrelangen Rei­ben noch einmal durchkosten ließen. Es war sein Wunsch getoefen, ihr junges Leben sorgenfrei zu halten, und fein Leben mußte ganz getrennt von dem ihrigen bleiben; feine Vergangenheit mußte ihr ein ewig versiegeltes Buch fein. Darum zwang er sich, gesund zu erscheinen, er lächelte in ihre

dieser Ehre, da sie mir erlaubt, mich der Person Eurer Majestät zu nähern. Ich werde den Ge­fühlen des Herrn Präsidenten ebenso tote denen der Regierung der Republik gemäß handeln, wenn ich an der Entwicklung der guten Be- ztehungen zwischen Deutschland und Frankreich arbeite, und ich wage zu hoffen, daß die Erfüllung meiner Aufgabe mir durch da8 hohe Wohlwollen Eurer Majestät erletchtert werde."

Der Kaiser erwiderte: ,

„Herr Botschafter! Ich heiße Sie willkommen. Das Werk, das Sie vollbringen wollen, nämlich die Arbeit an der Entwicklung der guten Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich wird meineganzeSympa t h t e haben. Meine Regierung ebenso tote ich wird sich angelegen sein lasien, -Ihre Ausgabe nach Möglich­keit zu erleichtern. Die Verständigung zwischen zwei großen Nationen, dte beide fähig und bestimmt sind, Gesittung und Fortschritt unter den Völkern der Erde zu bir- breiten, ist ein Ziel, besten Erreichung der ge- meinsamen Arbeit aller Hochsinnt- gen Geister würdig ist, über die Frankreich und Deutschland verfügen."

Es ist unseres Wissens nicht Brauch, derartige Erklärungen bei Botschafterempfängen mit Hülse der Offiziösen der Oeffentlichkeit zugänglich zu machen. Warum das int vorliegenden Falle ge­schehen ist. bedarf nach den jüngsten Vorgängen auf dem Parkettboden der Politik keiner weiteren Auseinandersehtmg.

• Reichskanzler Fürst Bülow hat heute die Rückreise nach Bersin angetreten.

* Der Hotteutottenhäuptling Simon Köpper ist bekanntlich entgegen seiner früheren Kapltu- lationserklärung wieder in die Kalahari abge­rückt, ohne sich zu unterwerfen. Amtlich wird über die Angelegenheit noch folgende Meldung ans Südwestafrika wiedergegeben:

Der Marsch Simon Köppers nach Gocha? wurde durch die Heranziehung entfernter und in der Kalahari weit zerstreuter Banden, soivie durch das tiefe sandige Dünengelände und die Mitführung von Weibern und Kindern erheblich verlangsamt. Major Pierer, der diesen Marsch zunächst überwachte, wurde durch Mangel an Verpflegung und Master gezwungen, die Truppe schneller nach Gochas vorauszu­senden. Mit Patrouillen hielt er jedoch die Fühlung mit Simon Köpper aufrecht und hoffte hier­durch dem Kapitän, desten Haltung bisher verläßlich erschien, das Sammeln feiner ängstlichen und miß­trauischen Leute zu erleichtern.

Dieses Telegramm läßt noch Vieles im Un­klaren über die Gründe, die Simon Kipper zu seiner erneuten feinbfebgen Haltu' g, von der in der Notiz noch keine Rede ist, veranlaßt haben. Wie es scheint, soll der beschleunigte Marsch des Majors Pierer nach Gochas den Hottentottenführer aufsichtslos gemacht und ihm den Gedanken nahegelegt haben, zu, entweichen. Es steht aber beinahe so aus, als wenn die Regierung den Schluß des Telegramms unter­drückt hätte.

n. Der deutsche Flottenverein hält seine diesjährige Generalversammlung am 12. Mai im Kasino am Augustinerplatz zu Köln ab. ; Der Hauptversammlung geht am 11. Mai eine Sitzung des Gejamtvorstandes voraus. Die diesmalige Tagung wird im Vergleich zu ihren Vorgängerinnen weit mehr die öffentliche Ausmerltamkeit aus sich ziehen. Zivelsellos wird es zu lebhaften Auseinander etzungen lommen. Die eigenartigen gegen das Zentrum gerichteten Machenfchatten des Geschäftsführers des FtottenvereinS, deS Generalmajors Keim, während der Reichstagswahlen haben große Mißstimmung felbst bei solchen VereinSmitglredern

forgeuvollen Augen und lenkte das Gespräch ge­schickt auf einen anderen Gegenstand.

„Ich bin nickt imstande gewesen, unseren Gast heute zu besuchen, Alexa", sagte er. „Hast Du Volt ihm gehört?"

„Die Haushälterin sagt, daß er krank tst und vor einem Monat nicht transportiert werden kann", erwiderte Alexa. „Aber sie glaubt sicher, ihn vollständig heczustellen."

„Heftiger Rheuniatismus ist eine schreckliche Krankheit", sagte Mr. Strange; „aber, Aminka ist eine gute Pflegerin, und sie wird mehr auS- richten als der Arzt aus Athen, bett er mit feinem Freunde morgen erwartet. Laß uns hinab nach dem Golf gehen. Die Luft tut mir gut."

Der Graf hörte ihre Schritte sich entfernen, und wieder streckte sich unwillkürlich feine Hand nach den Rosen auS, die er nochmals an feine Lippen führte.

Es war eine solche Glut auf feinen Wangen, ein fo eigentümlicher Glanz in feinen Augen, daß Briggs, als er wieder zu ihm kam, feinen Zustand für fieberhaft erklärte und ihm einen kühlenden Trank und ein Schlafpulver gab.

Es toar am Nachmittage des nächsten Tages, als Mr. Bertm Kollys. begleitet von einem Athe- ner Arzt, geführt von dem Weingartner, welcher Lord Kingscourt in das HauS Mr. Strange's ge­brockt hatte, daselbst ankam.

Der Engländer und sein Begleiter waren von einer Abteilung berittener Soldaten^ eSforburt worden, welche im Hause des Weingartners zu­rückgeblieben waren. Dieser Mann war so lange in Mr. Strange's Dienst gewesen und kannte des­sen Abneigung gegen Fremde so gut, daß er s'ck weigerte, Mr. Kollys und den Arzt zu dem Kran- ken zu führen, wenn nicht das Militär zurück- bliebe.

Mr. Strange empfing die Ankommenden auf der Veranda, begrüßte sie höflich und lud sie zum Eintreten ein. Mr. Kollys war nicht wenig über- rascht, in diesem abgelegenen Winkel der Erde

hervorgerufen, die der Zentrumspartei durchaus ferne stehen. Unter den einzelnen Punkten der Tagesordnung beanspruchen das größte Interesse Punkt 1: Rechenschaftsbericht des Prä­sidiums, fowie Punkt 6: Ergebnis der seit­herigen Agitation, Richtung und Ziel der Agitation für die nächste Zukunft. Bericht­erstatter ist für beide Punkte der Geschäfts« führer des Vereins, Generalmajor Keim. All­seitig ist man gespannt, wie er sich aus der heiklen Affäre herauSzuziehen versuchen wird. — In Rottweil (Württemberg) hat die letzte ReichStagswahl zu einer Krisis im dortigen Flotienverein geführt. Von den 300 Mitgliedern des Vereins ist etwa die Hälfte a uSgetreten.

n. Wörmann „gegen Simplizissimus". Das Hamburger Schöffengericht hat in dem Pro-esse der Firma Wörmann gegen den Simplizissimus- redakteur Gulbransson wegen Beleidigung, letzteren zu einer Gefängnisstrafe von drei Mo­naten verurteilt. Gegenstand der Klage bildete eine Zeichnung, die eine Frau mit ihren Kindern im Hamburger Hasen darstellt, darunter stellen die Worte: „Wir können Vater nicht begraben, denn Wörmann gibt die Leicke nicht heraus, bis das Lagergeld bezahlt ist". Wörmann stellte Be­leidigungsklage, er habe dis Leichentransporte sogar unentgeltlich besorgt. Der Angeklagte wendete ein, er habe überhaupt nur das Monopol- system der Firma mit seiner Uebervorteilung deS Reiches treffen wollen, und dazu willkürlich er­wähnte Zeichnung gewählt. Das Gericht aber stellte sich aus den Standpunkt Wörmanns und verhängte über den Angeklagten die empfindliche Strafe von drei Monaten. Darob geht ein Sturm der Entrüstung durch den „freiheitlichen" Preffewald. Die „Preßfreiheit fei in Gefahr, ebenso die Kunst," das Gericht habe sich „ver­ständnislos" gezeigt, es habe einen „logischen Fehlgriff" begangen, die Urteilsbegründung sei „absonderlich, neu und besremdend", und wie die Klagetöne noch alle lauten. Wir sind gegen­teiliger Ansicht. Es war einmal Zeit, daß dem „Simplizissimus", der sckon lange den Gipfel der Ruppigkeit erstiegen hat und selbst die heiligsten Geiühle in roher Weise verletzt, ein derber Denkzettel eingehändigt wurde. Die Witz­blätter sind heute vielfach zu einer öffentlichen Gefahr geworden; nichts ist vor ihren Witzge- schoffen mehr sicher. Kirche und Christentum, Staat und Gesellschaft fuchen fie zu untergraben. Was sie zu tun übrig lasten, das leistet die in ihrem Gefolge erscheinende tagtäglich sich häufenden Schmutz- und Schundliteratur. Kein Wunder daher, daß sich jetzt Männer aller Par­teien und Konfessionen zulammentun, um dieser öffentlichen Gefahr zu begegnen.

n. Erweiterung des Nordostseekanals. Dem Reichstage wird demnächst eine Vorlage zugehen, welche 200 bis 250 Millionen Mar k für die Erweiterung des Noidostseekanals fordert. Der Kanal ist 98 Kilometer lang, die Spiegel- breite beträgt 67 Meter, die Sohlbreite 22 Nieter, die Tiefe 9 Meter. Schon bei feiner Erbauung wiesen Sachverständige darauf hin, daß biete Dimensionen auf die Dauer unzu­länglich sein würden. Der Verlauf der Dinge hat ihnen recht gegeben. Die Marmeverwaltung sieht sich nunmehr gezwungen, den modernen Bedürfnissen entsprechend den Kanal zu er« -rodletn, und dem Reichstage wird wohl nichts andere- übrig blerben, als tn den saueren Apfel zu beißen. Die Regierung wird also zumal bei

einen Mann von so ausfällig hervorragender Er­scheinung zu finden, wo er einen griechischen Bauern zu finten erwartete.

Der Wirt führte sie in das Wohnzimmer ui'd berichtete kurz über Lord Kingscourt's Befinden, griechisch sprechend, wie er gegen jedermann tat seine Tochter ausgenommen.

„Der Gras schläft jetzt, glaube ich", sagte et. „Er hat einen sehr schlimmen Tag gehabt, unb deshalb ist es vielleicht bester, ihn nicht zu wecken. Sie sind ja dock genötigt, die Nacht über hier zu bleiben. Ich will Sie jetzt nach Ihren Zimmwn weisen lasten, und Sie können nach dem Tee Lorb Kingscourt s»hen."

Die Gäste stimmten ihm bei unb würben in behagliche, lustige Zimmer gebracht, wo sie euren Diener zu ihrer Aufwartung bereit fanben, wel­cher ihnen Wasser brachte und ben Staub von ihren Kleibern bürstete.

Später begaben sie sich wieder ins Wohnzim­mer, wo ihr Wirt sie erwartete. Er führte sie ins Speisezimmer und erwies sich nicht nur gast­freundlich, sondern auch gewandt und angenehm unterhaltend. Mr. Strange hatte niemals Gäste gehabt, so lange er dieses Hans bewohnte, und so hatte seine heutige Gesellschaft für ihn den Netz der Neuheit Unter dem anregenden Einfluß der gebildeten Fremden entwickelte er eine Fülle tiefe» Gedanken und zeigte eine Schärfe und Feinheit des Geistes, daß Mr. Kollys in immer größeres Staunen geriet.

Als das Mahl vorüber war, schickte Mr. Strange einen Diener in das Zimmer des Kran­ken, welcher bald mit der Meldung zurückkam, ba& Lord Kingscour wach und bereit sei, seine Be­sucher zu empfangen. Der Wirt führte sie zu dem Krankenzimmer unb ging bann weiter in das Gemach feiner Tochter, wo diese auf Wunsch ihres Vaters, sich den Gästen nicht zu zeigen, ge­blieben war.

Lord Kingscourt saß aufrecht im Beite unb sah gespannt nach ber.Tüce, als fein Freund -?m-