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3. parreüer in Zulda

Fuldaer WZeitung

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«otattonsbruü u. Verlag der Snibaer Ae« rtenbr rtferei in S«ida- Zernfprecher Ur 9.

Fulda, Dienstag den 9. April 1907.

M 80.

34. Jahrpang.

Ovstes Matt.

[:] 500 Millionen neue Schulden.

Da der Reichstag seine Arbeiten wieder auf­nimmt, und im Mittelpunkt derselben die Etats­beratung steht, so mutz der Finanzfrage im Reiche erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet werden. Gute Finanzen sind das Zeichen eines gesunden Staates; sind die Finanzen schlecht, so macht sich entweder irgend eine Fäulnis geltend oder die Bürger zahle» zu wenig zu den Reichsausgaben. Das Reich ist nun in der wenig angenehmen Si­tuation, daß seine Finanzen sehr schlecht stehen, schlechter als se früher zuvor. Diese Erscheinung ist um so auffallender, als erst im Vorjahre der Reichstag 180 M i l l. Jl neue Steuern bewilligt hat; wenn auch diese Gelder noch nicht eingehen, so ist doch schon der grötzte Teil derselben flüssig. Die Ausgaben, die man im Vorjahre berechnete, sind auch noch nicht alle auf ihrer Höhe angelaugt. Aber trotzdem bietet sich das Bild: 265 Mill, neue Schulden und über 80 Mill. <M De­fizit. Doch dir Schuldenlast ist damit noch nicht ganz genannt; es kommen noch Nachtragsetats mit mindestens 100 Mill, für Südwestafrika (Farmerentschädigung und Eisenbahnbau, Etats- Überschreitungen usw.) und über 200 Mill, für die Erweiterung des Nordostseekanals; das sind insgesamt 300 Mill. Jl neue Anleihen, sodaß Heuer mehr als 5Ov Mill. =4t neue Schulden ge­macht werden müssen.

Unsere Schuldenlast ist heute schon nahezu 4 Milliarden.

Das erste Jahr der neuen Mehrheit begann so­mit recht niedlich: wenn diese Herrschaften 5 Jahre am Ruder sind, hat das deutsche Volk eine nette Bescherung beieinander. Dann find unsere Finanzen ganz ruiniert und man wird nach dem Zentrumsarzt Ausschau halten, der unS kurie­ren soll.

Woher die höchst bedenkliche Erscheinung? Man wird nicht behaupten wollen, datz unsere Steuerlast zu klein sei; was man dem Staate, der Gemeinde und dem Kreis zu zahlen hat, gibt eine große Summe zusammen. Dazu kommen noch alle in- direkte«'Steuern und Verbrauchsabgaben; es ist ja fast gar nichts mehr, was man zum Leben braucht, unversteuert. Das ganze Steuerfeld ist abgegrast. Bier, Zigaretten, reiche Erbschaften rind Fahrkarten hat man int Vorjahr teilweise gewaltig herangeholt und da läßt sich nichts mehr ausvresien. In der Wahlzeit hat man zwar sehr viel davon lesen können, wie klein die Steuerlast sei, die auf dem einzelnen ruht; man hat die Paar Markstücke h-ngemalt und einige kleine Mün­zen dazu und auf die andere Seite die Zunahme des Nationalvermögens gestellt. Es hat diese Manipulation teilweise genützt; aber wo sind beute die für neue Steuern begeisterten Leute? Man mutz sie mit der Laterne suchen und findet sie nicht. Die das Wort „national" am öftersten im Munde führen, sind am kleinlautesten beim Zah­len. Jetzt will niemand mehr behaupten, unsere Stenern seien zu niedrig. Es kann auch niemand mehr Steuerguellen angeben, die viel Geld abwerfen; man hat die Dividenden st euer genannt. Sie bat manches für sich, aber auch viele Gegner; warum soll nur jener eine besondere Steuer bezahlen, der an einer Aktiengesellschast 'eteiligt ist, nicht aber jener, der einen großen Besitz allein bat und den Gewinn allein einsteckt? Da gehe man doch gerechter vor und besteuere alle grotze-.i Einkommen noch besonders für das Reich; wir wisieu Wohl, daß dies Bedenken hat, weil wir so eine

Rrichseinkommrusteuer

erhalten und den E'uizelstaaten ein Gebiet weg- uehnien, auf dem sie sich erholen können und

müssen. Wohin man auch blicken mag, nirgends mehr toiC sich eine ergibige Steuerquelle -eigen; wenn man sagt, man müsse die direkte E r b- s ch a st s st e u e r einführen, man müsse den Erb­gang zwischen Eltern und Kindern besteuern, so hat man eine ganz gewaltige Opposition zu er­warten; man führt allerlei Grunde an, um das Hauptmotiv zu verdecken, daß man eben nicht mehr Steuern zahlen will. Wir geben auch ohne wer­teres zu, daß unsere Steuern eine Höhe erreicht haben, mit der auch die Finanzminister zufrieden fein können.

Wenn aber die Einnahmen trotzdem nicht aus­reichen, so muß eben an den Ausgaben gespart werden; leider will hier niemand einsetzen. Be- sonders im neuen Reichstage ist die BewilligungS- lust sehr groß; es ist auch ganz selbswerständlich, daß gewisse Ausgaben unbedingt geleistet werden müffen. Staatsnotwendigkeiten lasten sich nicht verschieben, und hierzu rechnen wir z. B. die Bei­hilfe für die unteren Beamtenklaffen und die organische Gehaltsregulierung im nächsten Jahre. Dieses Geld muß einfach aufgebracht wer­den und es ist auch vorhanden, weil seine Be­triebe (R e i ch s v o st und E i s e n b a h n), die am meisten Beamten haben, Ueberschüsse erzielen; zuerst aber muß doch das Beamtenheer auskömm­lich besoldet werden, ehe der Betrieb'einen lieber» schuß erzielt. Wo nachher viel gespart werden könnte, das ist die

Weltpolitik.

Sie hat un- in die Schuldenwirtschaft und das Finanzelend hmeingeworfen. Der Reichskanzler hat zwar versprochen, beim Reichsheer etwas spa­ren zu wollen; als man aber näher zusah. waren es Seifenblasen, die er zur Freude der Liberalen auffteigen ließ Nicht eine Position konnte er an­geben, wo wirklich gespart wird; es mutz eben des­halb der Reichstag mit der Sparsamkeit einsetzen. Das Zentrum hat es versucht, aber es fand keine Gegenliebe; beim Militäretat beanstandete es eine Reihe von Forderungen, aber der Block be­willigte sie rundweg. Im Flottenetat wird es ebenso gehen. Die Kolonialpolitik aber verschlingt Riesensummen; für 1907 sind allein 96 Milst Jl vorgesehen, dazu dürften noch 100 Millionen im Nachtragsetat treten, sodaß fast 200 M i l l. in dm „Kolonien verpulvert" werden sollen.

Wenn somit eine Gesundung der Reichs- stnanzen eintreten soll, so ist dies nur möglich, wenn mit unserer so weitspurigen Weltpolitjk ge­brochen wird, wenn die Ausgaben hierfür sich in verständigen Grenzen halten. Wir haben aller­dings sehr wenig Hoffnung, daß dies geschehen wird; der Widerstand an gewisten Stellen ist zu groß. Man würde viel ItÄer sich noch an einem Dutzend Punkte engagieren, als in ruhigen Bah­nen gehen. Die „nationale Mehrheit" bewilligt auch hier alles, denn dazu ist sie geschaffen und ge­fordert worden. Wie aber soll das Ende sein? Neue Schulden; neue Steuern, tiefer Stand un­serer Reichsanleihen, allgemeiner Rückschlag auf das Erwerbsleben. Man denke nur einmal daran, daß die Hochkonjunktur zurückgeht; dann fallen die Einnahmen ganz ravid, die Ausgaben aber bleiben. Wir sehen deshalb sehr trübe in die Zukunst, so lange das Zentrum mitzubestimmen hatte, so lange wäre diese Pumpwirtschaft nicht möglich gewesen. Es ist aber gewiß fein Ruhm für untere Nation, wenn sie immer tiefer in die Schulden geratet; der Block kann sich die- ses zum „Verdienst" anrechnen!

Deutsches Reich.

Berlin, 8. April 1907.

E. Immunität der Reichstagsabgeordnefm. Der Abg. E r j b e r g e r bat sich bekanntlich im Prozesse Pövlau geweigert, darüber auszusagen,

^Uexa

ober

Auf qeheimnisvotten Wegen.

Roman von Eduard Wagner.

11) (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)

„Gewiß!" erklärte der Graf. „Da ich seine Gastfreundschaft in so ungewöhnlicher Weise in Anspruch genommen habe, bin ich ängstlich, ihm meine Dankbarkeit auszudrücken."

.^arauf erschien auch die Haushälterin mit der Meldung, daß ihr Herr sich die Freiheit nehmen werde, dem fremden Gaste feine Austvar- titng zu machen, wenn dieser sich wohl genug fühle, hn zu empfanaen.

Lord KingS<-ourt erwiderte, datz es ihm Frettde machen würde, seinen Wirt zu sehen, und eine Minute später trat der Herr des Hauses ein.

Das Licht brannte matt, aber Lord Kingscourt konnte sehen, datz sein Wirt ein Mann von außer­ordentlich vornehmer Erscheinung war, nobel, ge­bieterisch schön und mit einem Zug tiefer Melan­cholie auf seinem Gesicht, welchen Zeit und Ge­wohnheit fest auf demselben ausgeprägt hatten. Er sah auch, daß dieser Mann kein Grieche war, vielmehr glaubte er an besten ganzer Erscheinung und seinem Wesen einen Landsmann zu erkennen. Jedoch bewahrte Mr. Strange eine Reserve, welche beit Grafen mit Bewunderung, ja Befremden »rfüfite.

Mr. Strange drückte seine Sympathie aus utxb erkundigte sich nach dem Befinden des Kranken Er sprach Griechisch und Lord Kingseourt ant- tooriete in beneiden Sprache, dankte seinem Wirt für dessen Freundlichkeit und äußerte seine Hoff­nung, besten Gastfreundschaft nicht lange in An­spruch nehmen bm müssen.

Das strenge Gesicht Mr. Strange's hellte sich auf, als er auf seinen Gast niedersah. Etwas in dem ausdrucksvollen Gesicht und den dunkeln Augen desselben schien ihn tief zu bewegen. Es schien Erinnerungen wachzu rufen, welche jahre­lang in ihm geschlummert hatten; denn feine Lippen zitierten unter dem vollen Schnurrbart und er wandte sich so, daß der Schatten auf sein Gesicht fiel, damit feine Bewegung nicht bemerkt werden möge.

„Sie sind willkommen in meinem Hause, so lange es Ihnen gefällt zu bleiben, Mylord", sagte er mit freundlicher Höflichkeit. „Ich bin nur ein armer Einsiedler, und alles, was ich von Ihnen erbitten möchte, ist, das Sie, sobald Sie meinem Hause den Rücken gekehrt haben, meinen Namen und meine Eristenz vergessen. Bis dahin befehlen Sie über mich und meinen Haushalt. Wenn Sie meiner Hausfchlterin Ihre Pflege und die Be- Handlung Ihrer Krankheit anvertrauen wollen, kann ich Ihnen baldige Herstellung verheißen."

»»Ich will gerne Ihre Verordnung befolgen und mich Ihren Anweisungen unterziehen," erwi­derte der Graf.

Nach einigen weiteren gegenseitigen Aeußerun- gen und als Mr. Strange sah, daß die Schmer­zen des Patenten wieder überhand nahmen, ent- schuldigte er sich und verließ das Zimmer, schickte aber seine Haushälterin, um dem Kranken nut Rat und Hilfe beiiufteben. Dank ihrer Geschick­lichkeit konnte der Lord die ganze Nacht schlafen; aber als er am anderen Morgen erwachte, fühlte er sich eiender als zuvor, und alle Geschicklichkeit der Haushälterin reichte nicht hin, ihm toefent- liche Linderung zu schaffe». Tie geringste Beme gnng berurfadne ihm namenlose Schmerzen, und es war voraussichtlich, daß die Krankheit eine langwierige werden würde, und Lord Kingsronrt wappnete sich mit Geduld.

Briggs rückte das Bett an's Fenster und legte die Kisten so zurecht, daß sein Herr, halb aufac-

erhalten zu haben. @r, Redner, habe in Anhalt von vornherein die Unterstützung der Natio-al- libtralen und Konservativen gehabt; er habe aber stets erkärt, daß er als Freisinniger und nicht als Sammelkandidat kandidiere. Redner kommt auf den „nationalen Block" und auf die „Paarung (Heiterkeit) zu sprechen. Vom Block sei herzlich wenig zu erwarten. Für die meisten notwendigen nationalen Ausgaben werde auch das Zentrum zu haben sein, und für die anderen Fragen werde der Bl ock meistens versagen. Wie mflffe z. B. ein Vereinsgesetz aussehen, das zugleich den Liberalen und Kon­servativen gefalle? Er «Redner) könne sich schwer ein solches vorstellen. An die Stelle der künst­lichen werde bald wieder die natürliche Ver­wandtschaft treten, und Zentrum und Konser­vative werden sich wiederfinden — im preußi­schen Abgeordnetenhause haben sie sich nie ver­loren. Der Reichskanzler wird wieder mit Kon- servaüven und Zentrum zusammenarbeiten. Immer­hin ist die Stellung des entschiedenen Liberalis­mus gebessert. Er ist ausschlaggebendes Glied wenigstens bei einer, der konservaliv-nationallibe- ral-sreisinnigen Mehrheit." — Diese interessanten Auslassungen enthalten in der Tat viel Richtiges. Es ist fiat, daß Leute vom Schlage der preußi­schen Konservativen und freisinnigen Vereimgung auf die Tauer nicht zufammenarbetten können. Die freisinnige Vereinigung hat aus ihrer Gegner­schaft gegen die Konservativen auch während des Wahlkampfes kein Hehl gemacht, und besonders war es das ,Berl. Tagebl/, das wegen seiner Mießmachelei von der ,Rordd. Allgem. Ztg/ und den Blättern des Blocks häufig zurechtgewiesen werden mußte.

* „lieber die Rederei im Reichstage" schreibt die Korresp. der Wirtschaftl. Bereinigung folgendes:

' Die stenographischen Berichte für die Zeit vom 19. Februar bis zum 20. März enthalten auf 643 Druckseiten etwa 1286 Spalten. Von diesen werden etwa 1093 durch Ausführungen der Redner gefüllt, der Rest entfällt auf geschäft­liche Mitteilungen und dergleichen. Die Regie­rungsvertreter beanspruchten für sich etwa 110 Spalten. Im übrigen „redeten" die Vertreter

der Sozialdemokratie .... 255 Spalten

des Zentrums . . . . . 190 „

der Freisinnigen......122 „

der Konservativen ..... 116 ,

der NationaNiberaleu .... 110 „

der Re.chspartei......72 „

der Polen . .......60 „

der Wirtschaftlichen Vereinigung 57 „

Der Korrespondenz will scheinen, als ob in diesem Punkte die Wirtschaftliche Vereinigung den anderen Fraktionen getrost ein Vorbild fein könnte. Sie rechnet auch uns, waS die Reden hinsichtlich der gezahlten Diäten kosten. Die Ab­geordneten erhalten für Februar mid Marz 1100 Mark. Rechne man, daß biete Summe an durch­schnittlich 350 Abgeordnete zur Auszahlung ge- lange, lo ergebe das einen Aufwand von 385 00J Mark. Jede der 1286 Spalten des steno­graphischen Berichtes koste also rund 300 Mk. Hiernach kosten die Reden

der Sozialdemokraten .... 76 500 Mk.

des Zentrums...... 57 000 „

der Freisinnigen...... 36 600 „

der iwmervativen ..... 84800 „

der Nationalliberalen .... 33000 „

der Reichrpartei......21 900 ,

der Polen..... • 18 000 „

der Wirtschaftlichen Vereinigung 17 100 „

woher er fein Material gegen tue Kolomalver­waltung erhalten hatte; er berief sich auf Art. 30 der Verfassung und sah in diesem das Recht zur Zeugnisverweigerung gegeben. Der Gerichtshof belegte ihn dafür mit 100 <M Geldstrafe. Der Abg. Erzberger legte sofort Beschwerde beim Kam­mergericht ein und begründete seinen Standpunkt und das Recht des Abgeordneten zur Zeugmsver- Weigerung. Das Kammergericht aber bat in seiner Sitzung vom 21. März 1907 diese Be­schwerde verworfen und sich den Ausführun­gen des Landgerichts angeschlosten. Damit hat das höchste preußische Gericht entschieden, datz der Reichstagsabgeordnete kein Recht zur Zeugnisverwelgerung hat. Der genannte Abgeordnete ist wegen seiner Nachtrag!,- chen Zeugenaussage, die auf den ausdrücklichen Wunsch des Angeklagten erfolgte, vielfach ange­griffen worden; demgegenüber ist es von Inter­esse, daß das Kammergericht in seiner Begründung der Ablehnung der Beschwerde eigens betont: „die Höhe der erkannten Strafe erscheint angemessen. Der Umstand, daß der Beschwerdeführer nach- iräglich Zeugnis abaelegt hat, kann eine ©trat- Milderung int Hinblicke darauf nicht begründen; daß der Zeuge ausdrücklich erklärt hat, er wahre seinen prinzipiellen Standpunkt, zur Abgabe des Zeugnisses nicht verpflichtet zu sein". Das Kam­mergericht hat also im Gegensatz zu der dem Abg. Erzberger feindlichen Presse ausdrücklich aner­kannt, daß derselbe in seinem Verhalten ganz konsequent Verfahren ist; er hat nur einer gewissen Presse nicht das Vergnügen bereitet, datz er sich als „Märtyrer" verhöhnen lasten ließ und daß er den gesamten Arbeiten des Reichstags nn Jahre 1907 entzogen wurde; dafür hat ihn fein Wahlkreis nicht in den Reichstag entsendet. Nach­dem der allein interestierte Angeklagte selbst den Abgeordneten gebeten hat, auszusagen, fiel auch jeder Grund zur Verweigerung des Zeugnisses weg; auf diesen Standpunkt stellen sich aiich die Initiativanträge aller Parteien; sie wollen ein Schweigerecht festlegen, aber keine Schwei­gepflicht des Abgeordneten konstruieren. . In­folge dieser Entscheidung eines obersten Gerichts­hofes muß nun im Reichstage eine Klärung fier- beigeführt werden; wenn die Gerichte in Artikel 30 kein Reckt zur Zeugnisverweigerung aner­kennen, nützt es dem Reichstag gar nichts, wenn er anderer Ansicht ist; der einzelne Abaeordnete hat dann nur den Schaden zu tragen. Eine klare Umschreibung der Immunität ist jetzt ein doppel­tes Bedürfnis.

f Die Freisinnige Vereinigung ist der un­sicherste Musikant im neuen Block-Konzert, diese Herren greifen öfters daneben und verursachen allerlei Mißtöne. Auf ihrer letzten General- verfarnmlung am Samstag haben sie sich dieser Eigenschaft noch besonders gerühmt, der Vor- sitzende, Abg. Schrader, meinte nämlich in ferner Eröffnungsrede: „Das wichtigste inner« politische Ereignis des vergangenen Jahres war die Reichstagsauflösung, die völlig uner­wartet kam. Die Auflösung wandle sich gegen das Zentrum, denn von der Sozialdemo­kratie hatte niemand eine andere Stellungnahme zur Kolonialpolitik erwartet. Die Auflösung traf den liberalen Wahloerein nicht unvor­bereitet. Der Kampfruf gegen das Zentrum wurde von den Liberalen freudig, rote eine Er­lösung begrüßt. Bald aber erkannte der Kanzler die Aussichtslosigkeit eines Kampfes gegen das Zentrum, dessen feste Stellung nicht durch einen Husarenstreich erschüttert werden kann. Daher wurde im Silvesterbries der Kampf gegen die Sozialdemokratie pro Hantiert. . ' . Dieie freisinnige Vereinigung hat aus eigenen Mitteln den Kampf geführt; sie ist stolz baraur, Regierungsunterstützung nicht erbeten und nicht

richtet, die ferneren Berge, die nähere anmutige Landschaft und einen Teil der nächsten Umgebung des Hauses übersehen konnte. Gerade unter oem Fenster lag Miß Stranges Blumengarten, wo die schönsten Rosen in einer wahren Ueberfuüc blühten. Hier verbrachte an schönen Tagen Alepa ost mehrere Stundeit, uttb ihrer Gewohnheit ge­mäß kam sie auch an diesem Tage in ihren Garten, ohne auch nur an die Möglichkeit zu denken, von ihrem Gaste gegeben zu werden.

Es war schon spät am Nachmittag. Der Gras lag ruhig auf seinem Kissen, fein Gesicht war bleich und von Schmerz verzogen. Plötzlich erschrak er. als er leise Tritte hörte und eine schlanke Ge­stalt an seinem Fenster vorüberhuschte. Sie hatte ein Slumenförbd’.en am Arme, für welches ne die prachtvollsten Rosen auswählte. Ihr Haar leuchtete wie Goldbronce in der rötlichen Flut des Abendsonnenscheins: ihr holdes, zartweißes Gesicht mit den rosig überhauchten Wangen war dem Beobachter halb zugewandt, und als sie, von Strauch zu Strauch gehend und einige besonders schöne Exemplare abschneidend, hinter einem über­aus vollblühenden Busch stehen blieb und ganz von Rosen umwoben war, da sah sie in der Tat rote eine Elfenkönigin aus oder wie die Göttm der Blrimen felbst. , . .

Der Graf erkannte m rhr sogleich seine Ret­terin aus der Räuberhöhle, das brave, furchtlose Mädchen, welches gewagt hatte, zwischen Spiridlon und seine Opfer zu treten.

„Briagsl" rief er leise: „komm her und stehl Der Diener kam und sah zum Fenster hinails

„Der ist die junge Dame, Briggs?" fragte der Graf hastig und erregt.

„Ich weiß es nicht, Mylord", lautete die Aut- wort des Dieners.

„Sie ,n,iß in diesem Hanse wohnen", sagte der Graf. „Tritt zurück, Briggs. Sie darf nicht be- merken, daß wir sie beobachten. Ich denke, sie ist die Tochter unseres Wirts. Sie hat dieselbe Hoheit­

ticye Würde, >o- «cye ihn auszeichnet", fügte er wie im Selbstgespräch hinzu. „Wer mag , dieses ge­heimnisvolle Paar feilt, so edel, so würdevoll, !o seltsam abgeschlossen voii dec ganzen Menschheit?'

Er beobachtete Alepa, so lauge er sie sehen konnte, seine köiperlicken Leiden vergessend in der Bewunderung ihrer Schönheit und Anmut. So lange sie im Garten weilt?, dachte er nur an sie; als sie aber, nachdem sie ihr Körbchen mit Rosen gefüllt hatte, sich entfernte und seinen Blicken entschwunden Ivar fiel er bleich und schweigsam auf sein Kiss?« zurück.

Etwas spater kam die Haushälterin mit den« Abendessen und einer Vase voll ausgewählter Rosen. Sie stellte beides auf den Tisch neben dem Beit und wollte sich entfernen.

„Warten Siel" sagte der Gras hastig, und fein Gesicht wurde glühend rot, als er die Blumen nahm unb begierig ihren köstlichen Duft einatinere, „Wie schön sind diese Rosen! Sie sind sehr auf- merksam, meine gute Frau. Die Rosen sind uitr lieber als das Essen."

Die .eraushalrerin lächelte, sagte aber nicht, wie er ertoarbi hatte, daß die Rosen ihm von anderer Hand geschickt worden waren.

„Sagen Sie mir", sprach der junge Graf wer­ter, „wie rst der Name meines freundlichen Wirtes?"

„Er heißt Messer Staffo", lautet die kurze, bestimmte Antwort.

„Ist er ein Grieche?"

„Nein, Mylord; er kam aus einem fremden Lande, — weit von hier, — aber aus welchem, weiß ich nicht."

.Der junge Graf hätte gern noch einige Fragen in betreff des jungen Mädchen, welches ihn aus den Händen der Räuber befreit hatte, an cie Haushälterin gerichtet, aber sein Zartgefühl hielt ihn davon zurück Stunden lang grübelte er da­rüber nach, wer dieses Mädchen sein mochte, und als er schlief, träumte er von ihr.