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3. patze«er in Snlba

Fuldaer WZeitung

wochenbeilage: „Illustrierte Zonntagzzeitung" Monatrbeuage: „Fuldaer Geschichtsblätter"

Anzeigen: Vie ein­spaltige Petitzeile ober beten Raum 15 pfg. Reklamen Ke Petitzeile 25 pfg.; bei Wieber- holungen wirb entfpr. Rabatt neroährt.

Hototi onsörud u. Verlag bet Sulbaer Ac> tienbr iderei in Sulba. Serr.fpred)« Nr t.

34. Jahraang.

Fulda, Montag dm 8. April 1907.

M 79.

Aweitss 323£att.

I lj Die Fraktionen der deutschen Reichstages.

(Schluß.)

VL

Die kleineren Fraktionen auf der Rechten.

Neben den beiden konservativen Parteien sitzen aus der rechten Seite des Hauses noch drei kleine Fraktionen: Polen, Wirtschaftliche Vereinigung und Reformpartei, die nach ihrer politischen Be­deutung in einem Artikel behandelt werden können.

Die polnische Fraktion zählt 20 Mit­glieder; sie ist eine ausgesprochene konfessionelle und nationale Partei, da sie nur aus Katholiken und Polen besteht. Einstens bestanden zwischen Polen und Zentrum enge Beziehungen, die heute vollständig gelöst sind; noch vor 15 Jahren waren die Polen Regierungspartei; sie verhalfen einer kleinen Marinevorlage zur Annahme, was ihrem damaligen Führer von Koszielski den Bei- namen „Admiralski" und einen Sitz im preußi­schen Herrenhaus einbrachte. Auch der Erzbischof oon Posen, Herr v. Stablewski, gehörte einstens zu dieser Fraktion Doch sind diese Zeiten längst vorüber; in demselben Maße, in welchem die preußische Regierung eine verschärfte Polenpolitik trieb, in ganz demselben Maße wurde die Fraktion zur Oppositon spartet; heute gibt es im Reichstage keine ausgesprochenere Oppositionspar­tei als die Polen: diese sind im Ablehnen radi­kaler als selbst die Sozialdemokratie. Keinen Pfennig bewilligen sie mehr der Regierung. Wenn ihre Opposition nicht recht zum Ausdruck kommt, so liegt es daran, daß sie nur selten im Reichstage erscheinen; sehr oft ist gar *etn Pole anwesend, oder vielleicht einen; nur bei rein polnischen Fra­gen erscheinen sie etwas zahlreicher.

Die Fraktion hat sich ihre Mandate bisher nur aus Westpreußen und Posen geholt, jetzt geht sie auch nach Oberschlesien, wo sie dem Zentrum schon mehrere Sitze abnahm. Tie polnische Fraktion hat sog. Fraktionszwang, d. h. es wird in der Fraktion abgestimmt, wie man sich im Plenum stellt, und diesem Beschluß müssen sich dann alle Abgeordneten fügen, ob sie der Ansicht der Mehr­heit sind oder nicht. Rebe» den Polen haben nur noch die Sozialdemokraten Fraktionszwang. Es mag nicht immer sehr leicht sein, diesen Zwang durchzulübren, weil cs unter den polnischen Ab­geordneten zwei Richtungen gibt: Alte und Junge; letztere nennt man Radikalpolen. Zu den gemäßigten Polen gehört Fürst Radziwill und v. Czarlinski; sie suchen sich auch heute noch mit dem Zentrum aut zu stellen, haben aber nichts mehr zu sagen. Tie Radikalpolen sind die Her­ren; sie werden vertreten durch die Abg. Ehrza- nowski, Graf Mielzinski, Kulerski und Korfanty. Letzterer ist der Typ der Ra- dikalpolcn; aber die Hoffnungen seiner Leute hat er nicht erfüllt; im Reichstage nämlich ist er nichts als eine Null und bedeutet gar nichts. Die ge­samte Fraktion hat keinen guten Redner und Ar­beitskräfte stellt sie überhaupt nicht. Ihr Vor­stand ist Fürst Radziwill, der sich in Berlin, wie seine gesamte Familie, am katholischen Leben sehr rege beteiligt.

Die sonderbarste Fraktion ist zwei­felsohne die Wirtschaftliche Vereini­gung; sie setzt sich folgendermaßen zusammen: aus 1 Braunschweigischer Welfe, 5 Bund der Land­wirte, 3 Christlich-Sozial, und 8 Deutsch-Sozial. Was diese bunte Mischung Einheitliches haben soll, weiß kein Mensch; man sagt auch, daß sie sich

oder

Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von Eduard W a gner.

8) (Nachdruck verboten.)

„Seltsam, daß sie nicht kommt," sprach der Mann zu sich selbst, immer unruhiger werdend. „Es war nicht Recht von mir, ihr so viel Freiheit zu lassen. Sie ist schon seit Mittag fort. Kann ihr etwas zugestoßen sein? Ich wÄ die Diener ausschicken, nach ihr zu suchen."

Er machte eine Bewegung, die Veranda zu ver­lassen, als er rasche Pferdetritte hörte, und eine Minute später sah er ein Mädchen über den gro­ßen Platz dem Hause zureiten. Die Reiterin war das Mädchen, welches Lord Kingscourt und seine Begleiter aus den Händen der Banditen befreit hatte.

Mr. Strange wartete, bis das Mädchen heran- geritten war. Sie glitt aus dem Sattel, gab dem Ponny einen leichten Schlag mit der Hand, und dieser lief um das Haus in seinen Stall, während seine Reiterin freudig die Stufen der Veranda hinaufeilte in die Arme ihres Vaters.

„Ta bin ich wieder!" rief sie in englischer Sprache, die Zärtlichkeit ihres Vaters lebhaft er- Widernd. „Ich komme zu spät zum Tee?"

„Eine Stunde zu spät, Alexa!" erklärte Mr. Strange. Ich begann schon zu fürchten, es möchte Dir etwas zugestoßen fein. Wir müssen diese lan­gen Ritte einstellen, mein Kind. Ich habe mich sehr geängstigt. Wie, wenn Du einigen von den Banditen in die Hände gefallen wärest, von deren Ueberfällen man in der letzten Zeit wieder so viel gekört? Sie möchten Dich gefangen genommen und um ein Löfegeld festgehalten haben, wie sie die unglücklichen Engländer festhalten, von denen wir gestern lasen. Bleibe nie wiedtzr so lange fort, Alexa, — verstehst Tu?"

lediglich deshalb zusammengefunden haben, um für die Kommission einige Sitze zu erhalten. Bei fast allen Abstimmungen fällt diese Fraktion auch auseinander. Auf der einen Seite die denkbar schärfsten Agrarier, denen das Zentrum nicht agrarisch genug ist, und auf der anderen Seite Sozialreformer wie Stöcker und Schack. Die Wirtschaftliche Vereinigung hat deshalb auch kein politisches Programm; selbst in wirtschaftlichen Fragen bleibt sie nicht geschloffen. Einer ihrer fähigsten Köpfe war der jugendliche Graf Re­de n t l o w, der im Frühjahr 1906 starb. Die beiden sympathischen Persönlichkeiten in dieser Fraktion sind Stöcker und Dr. Wolff, beides frühere Pastoren, aber sehr verträglich und von jeder Kulturkämpferei weit entfernt. Der ehe­malige Hofprediger Stöcker ist einer der besten Redner des Reichstages, ein klarer Kopf und mächtig wirkender Debütier.

Die deutsche Reformpartei setzt sich aus $ Antisemiten zusammen und folgt dem Rufe des Sachsen Zimmermann, des intimsten Freundes des Antisemitenführers Liebe r m ann von Sonnenberg, der der Wirtschaftlichen Vereinigung beigetreten ist.

An dem Schicksal dieser drei Fraktionen sieht man, wie wenig Einfluß kleine Parteigruppen haben; wer sich solchen anschließt, verzichtet von Anfang auf eine ersprießliche Arbeit; die Wähler müssen deshalb auch darauf sehen, daß ihre Ab­geordneten großen Gruppen angehören, in denen sie zur Geltung kommen. Freilich stimmen diese beiden antisemitischen Parteien auch, sehr häufig mit den Konservativen, jedoch nicht immer, und erhöhen so den Einfluß derselben.

)( Zur Wührmg ötr Heute Eiste- behnWrchrm em 1. Mei 1907.

Die neue Estenbahntarifreform, die nach dem Einvernehmen aller deutschen Eisenbahnverwil- tuugen am 1. Mai d. I. im ganzen Reichs einge- führt werden soll, wird sich nicht nur als «Schmer­zenskind des Reisenden in Bezug auf den Geld­beutel entpuppen, sondern ihm auch sonst mit feinen verwickelten Bestimmungen viel Kopfzer­brechen bereiten. Der Staatsbürger, der viel reift, wird in den nächsten drei Wochen bis zum Inkrafttreten der Reform gut tun, sich einiger­maßen mit den neuen Bestimmungen c.bzufinden, um am 1. Mai gewappnet zu fein Die Eisen- bahnverwaltungen wollen dem Gedächtnis ent­gegenkommen und werden für das reifende Pub­likum ein Merkblatt kostenlos abgeben, das die nötigen Winke enthält. Dieses Merkblatt dürfte aber kaum rasende Abnahme finden und der Rei­sende dürfte es sich erst aushändigen lassen, wenn er die Reise antritt. Zeit zum Studium des Blat­tes hat er in diesem Augenblicke aber kaum, und so verfehlt dieses Blatt seinen Zweck, den Reisen­den zu informieren, damit die Beamten nicht durch allzuvieles Fragen des Publikums über­bürdet werden Es dürfte daher auch für das Publikum van Wert sein, schon jetzt die hauptsäch­lichsten Bestimmungen sich einzuprägen, die wir in leicht verständlicher Farm hier zum Nutzen aller Reisenden wiedcrgcbeu wollen. Die Frage nach dem Nutzen und Werte des alten und des neuen Systems sei nicht weiter berührt, int allgemeinen kann man sagen, ein bißchen teurer wird ba§ Rei­fen wohl, dafür wird der Tarif aber vereinfacht und vereinheitlicht, für Si'iddeutschland bringt der neue Tarif sogar eine Ersparnis für das reisende Publikum. Tie Grundlagen des Tarif es sind: Schaffung einer einheitlichen Fahrkarte zur Hälfte des Preises der Rückfahrkarte, Beschränkung der Zuschläge zu den Durchfahrtsschnellzügen möglichst auf ' die großen durchgehenden, sogenannten

„Ich verstehe."

„Nun gehe hinein und mache Dich zum Tee bereit. Tu wirst mich dann am Teetisch finden."

Mr. Strange blickte seiner Tochter mit zärtli­chen Blicken nach, als sie durch die Veranda eilte und in der Tür verschwand. Es war zu sehen, daß er sie mit der ganzen Innigkeit feiner edlen Natur liebte. Ihre Stimme war seine liebste Mu­sik, ihre Gegenwart war die einzige Freude seines Lebens. Sie war das einzige Wesen in der wei­ten Welt, welches ihm gehörte und er wachte über sie mit der Sorgsamkeit einer Mutter.

Er hatte sich ihrer Erziehung gewidmet, und fein eifrigstes Bestreben von dem Augenblick an, als er mit ihr nach Griechenland gekommen, war, ihr Mutter und Gespielinnen zu ersetzen und sie glücklich zu machen, damit sie die mancherlei Ent­behrungen in dieser Einsamkeit nicht fühlte. Er hatte die Schule in Oxford besucht, war bewandert in allen Wissenschaften, war mehrerer Sprachen mächtig und ein Meister in der Musik. In all' diesen Dingen unterrichtete er seine Tochter und fand in ihr eine eifrige und talentvolle Schülerin

Als Alexa in ihr vierzeyntes Lebens fahr trat, hatte er durch einen Agenten in Athen eine Gou­vernante für sie aus Paris kommen lassen, welche fünf Jahre in seinem Hause lebte und ihrem Zöglinge mit derselben Zärtlichkeit zugetan war, wie Jedermann, der das reizende und muntere Mädchen kannte. Dann war die Gouvernante nach Paris zurückgekehrt und Alexa wurde als Herrin über das Hauswesen ihres Vaters einge­setzt, sodaß sie tun und lasten konnte, was sie wollte. Zn dieser Zeit war cs, daß sie sich ihrer Liebe zu längeren Ritten auf ihrem Bonny hin­gab, von denen der heutige in der Befreiung der Gefangenen aus den Händen der Räuber re­sultierte.

Mr. Strange (Kitte in seiner grenzenlosen Liebe zu ihr sein Bestes getan, sie zu verwöhnen. Ihre Wünsche waren für ihn. Gesetze. Aber bei ihrer edlen Natur, ihrer Herzensgute, ihrem heiteren Temperament und ihrer Verständigkeit war diese

v-Züge, Gestaltung der Gepäckabfertigung tu einfacher und billiger Weise.

Tarifberechnung: Es kostet das Kilometer st<r die 1 .Klaffe 7 4, für die 2. Klaffe 4,5 für die 3. Klasse 3 A, für die 4. Klasse 2 Dies ist also der bisherige Tarif für Rückfahrkarten. Nach dieser Skala lasten sich die Kosten einer Reise leicht berechnen, hinzu kommt allerdings noch die Fahr- kartenstener.

Schnellzugs-Zuschläge: Für gewrsse Arten von Schnellzügen kommen Zuschläge in Rechnung, sie betragen für 1 bis 75 Km. 50 für 76 bis 150 Km. 1 über 150 Km. 2 M in der ersten und zweiten Klasse, in der dritten Klasse die Hälfte die­ser Sätze. Die Schnellzüge werden vom 1. Mai in zwei Gattungen eingeteilt: in zuschlägspflich- tige (Schnellzüge genannt) und in zuschlagsfreie (Eilzüge genannt). Die Schnellzüge dienen dem Schnellverkehr und werden mit der Zeit alle in O-Züge umgewandelt werden; es sind Züge, die wie Eisenbahnminister Thielen humoristisch ein- mal ausführte, an allen anderen Stationen vor­beifahren und nur an der eigenen (d. h. der Ziel­station des Reisenden) halten. Z. B. auf der Strecke Berlin-Halle hält der Schnellzug gar nicht, der Eilzug in Jüterbog, Luckenwalde, Wittenberg, Bitterfeld. Die Eilzüge vermitteln also den Um- steigeverkehr in etwas schnellerer Weise wie ge­wöhnliche Personenzüge, die an einem Dorfe hal­ten. Tie Schnellzugszuschläge verteuern übrigens das Reisen nicht, da sie für die I)-Zuasplatzkarten cintrcten, die in Wegfall kommen. Reisende, die zuschlagspflichtige Züge (der Fahrplan gibt Aus­kunft, welche Zuge dies sind) benutzen wollen, er­halten entweder Fahrkarten für Schnellzüge mit eingerechnetem Zuschlag ober besondere Schnell- zugszuschlagskarten; für diese wird ein Fabr- kartenstemvel nicht erhoben. Die besonderen Zu­schlagskarten werden auf allen Stationen verkauft, auch wo keine Schnell- ober Eilgüterzüge halten, auch sollen die Zugführer solche Karten immer zum Verkauf bei sich führen.

Lösung der Fahrkarten: Rückfahrkarten kom­men nicht mehr zur Ausgabe. Der Reisende kann sich nach der Ausgangsstation aber Doppelkart-m lösen; er erhält sodann eine Karte für die Hin­fahrt und eine für die Rückfahrt. Letztere wird mit dem Stempel „Rückfahrt" versehen und darf nur am Lösungstage ober am nächsten Tage nach der Lösung benutzt werden. Tie Doppelkarten bleiben steuerfrei, wenn die einfache Karte steuer­frei ist. Die Lösung von Toppelkarten empfiehlt sich also nur bei Markt-, Nah- und Ansflugverkehr, für längere Reise muß man sich schon zweimal Karten lösen. Der zweite Gang zum Schalter ist im allgemeinen auch nicht so zeitraubend. Für die Nord- und Ostsecbäder werden übrigens noch nach dem 1. Mai Rückfahrkarten nach altem Mu­ster ausgegeben, die soviel kosten wie zwei Dopvel- farten, hier wird der zweite Gang zum Schalter erspart.

Vorausbestellnug von Karten und Plätzen in Schnellzügen: Tie Vorbestellung von Karten für bestimmte Züge wird nicht geändert. Auch Plötze können, obgleich Platzkarten in Wegfall kommen, vorausbestellt werden. Die Dorausbestellimg non Karten ist nun gegen Vorzeigung einer für den betreffenden Zug gültigen und zur Fahrt vou d->r Ausgangsstation dieses Zuges ab berechtigenden Fahrkarte zulässig. Auf Fahrkarten, die auf den Zwischenstatione-r gelöst werden, können Plätze nicht reserviert werden. Die Fahrkarten, auf die Plätze bestellt werden, sind mit dein Vermerk „Pl." auf der Rückseite zu versehe».

Fahrpreisermäßigungeu: In der Ausgabe von Monats-, Schüler- Arbcits-, Kinder- und Sonn­tagskarten treten Aenderungen nicht ein. Sonn­tagskarten erhalten eine kleine Begünstigung in- sofern, als Fabrtunterbrechnng und Uebergana in höhere Wagenklasten zngelassen werden. Den Mo-

Erziehung ihr nickst nachteilig geworden. Wenn sie zuweilen auaj etwas eigenwillig, kühn und un­erschrocken war, vermied sie doch sorgfältig, ihrem Vater ober sonst jemandem Schmerz zu bereiten, unb war sie in dem einen Augenblick neckisch und übermütig, so konnte sie int nächsten ebenso ernst unb sinnig sein, wenn die Umstände es erfor­derten.

Mr. Strange trat in's Haus und kam in ein kleines, anmutiges Speisezimmer, welches durch eine breite Flügeltür mit der Veranda in Ver­bindung stand. Der Teetisch war gedeckt und in dessen Mitte stand eine brennende Lampe. Die ganze Ausstattung des Zimmers hatte ein eng­lisches Ansehen; nur der klare Honig, die frische Ziegenmilch, der Kuchen und die köstlichen Früchte erinnerten daran, daß man sich in Griechenland befand.

Er hatte kaum das Zimmer betreten, als seine Tochter in einem frischen, anmutigem griechischen Kostüm erschien. Ihr Haar war mit einem brei- ton Band zurückgebunden und fiel lose auf den Rücken. Sie nahm ihren Platz an der brodelnden Teemaschine ein und begann eine Unterhaltung, welche ihrerseits heiter und ungezwungen geführt wurde; ihr Vater aber sagte wenig, lächelte ihr jedoch wohlgefällig zu.

Nachdem das Mahl beendet war, nahm Mr. Strange den Arm seiner Tochter und führte sie ins Wohnzimmer.

Dieses war ein hohes und großes Gemach, dessen Fußboden mit türkischen Teppichen belegt war. Neben anderen notwendigen Gegenständen bildeten eilt großes hübsches Piano forte, mehrere Schreibtische unb Bücherregale, gefüllt mit kost­baren Banden, die Ausstattung des Zimmers. Es wurde erleuchtet durch eine große Hängelampe und mehrere Wachskerzen.

Alexa setzte sich an's Piano, ihre Hände glit­ten leicht über die Tasten, dem Instrument Herr- liche Töne entlockend, und sie fang dann mit rei­ner Stimme und tiefem Gefühl eine alte schottische

natskarteni »Habern kann die Benutzung von Schnellzügen freigegeben werden, die Direktionen sind aber befugt, einzelne Schnellzüge auszuneh­men ober die Benutzung nur gegen Zuschlagskarte zu gestatten. Tie für Reifen größerer Gesell­schaften bisher gewährten Preisermäßigungen mit Ausnahme der für Arbeitergesellschaften werden aufgehoben. Wenn öffentliche Interessen in Frage kommen, können wie bisher für Reisen größerer Gesellschaften von mindestens 30 Personen Arbei- tergesellschaftskarten für die 4. Klasse ansgegeben werden. Diesbezügliche Anträge sind an die der Reiseantrittsstation vorgesetzte Direktion zu rich­ten. Der Fahrpreis wird in diesen Fällen wie bisher auf 1,5 für die Person und das Kilo­meter ermäßigt.

Fahrtunterbrechung ist überall gestattet, von einer Bescheinigung derselben soll abgesehen werben.

Rückfahrkarten, bie vor dem 1. Mai gelöst sind, behalten ihre Gültigkeit betreffs der Benntzungs- dauer auch nach dem 1. Mai. Inhaber von Rück­fahrkarten, bie nach beut 1. Mai zuschlagsvslichtige Schnellzüge benutzen, brauchen keinen Zuschlag für diese Züge zu bezahlen, auch wird ihnen Frei- gepäck gewährt. Nach dem 15. Juni werden Rück­fahrkarten im Eisenbahnverkehr als ungültig be- trachtet.

Gepäcktartf: Freigepäck wird nicht mehr be­fördert. Der Gepäcktarif wird nach Gewichts- abstufungen und EntsernuUgszonen _ berechnet. Das Abfertignngsverfahren bleibt dasselbe. Das bisherige Freigepäck (bis 25 Kilogramm) kostet vom 1. bis 50. Kilometer 20 vom 51. bis 300. Kilometer 50 -Z, darüber hinaus 1 M, 26 bis 35 Kilogramm kosten vom 1. bis 25. Kilometer 20 F, b's 50 Kilometer 25 bis 100 Kilometer 50 F, für je 50 Kilometer 25 ,Z mehr, 36 bis 50 Kilo­gramm kosten bis 25 Kilometer 40 -Z, bis 50 Kilo­meter 50 -3, bis 100 Kilometer 1 M, für je 50 Kilometer 50 3 mehr. Mehr als 1 Zentner dürfte der gewöhnliche Reifende kaum mitführen, wir lassen deshalb hier die übrige Skala unberücksich­tigt. Die Abfertigung gestaltet sich nach diesem Tarif bedeutend einfacher, von einer Verwiegung soll tunlichst Abstand genommen werden. Für die Beamten bedeutet der Tarif eine wesentliche Er­leichterung, ba sie mit tausenden von Fracht­sätzen zu rechnen haben. Der Reisende kann die Gepäckfracht leicht kontrollieren, ba auf jeder Fahr­karte die Entfernungszone cmfgedruckt ist und der Reisende das Gewicht seines Gepäcks meistens kennt.

Fahrräder: Unverpackte einsitzige Zweiräder — ausschließlich Motorfahrräder — werden auf Entfernungen bis 100 Kilometer nach Wahl deS Reisenden entweder gegen Lösung von Fahrrad­karten ober auf Gepäckschein abgefertigt. Ans Entfernungen über 100 Kilometer erfolgt die Ab­fertigung stets auf Gepäckschein. Beguemer ist in allen Fällen der Gepäckschein, teilweise sogar billiger als bie Rabkarte, ba der Radler fern Rad dann nicht selbst an den Packwagen zu brin­gen und auch nicht vom Packwagen abzuholen braucht.

~j Der Palast der Wahrheit.

Don Paula Baronin Bülow-Wendhausen.

(Nachdruck verboten.)

Meine Großmama besaß ein altes französisches Märchenbuch, das meine kindliche Phantasie leb­haft beschäftigte. Titel und Autor sind mir ent­fallen, ich glaube aber, es stammte noch aus dem achtzehnten Jahrhundert. Es war so prächtig all gebunden in braunem Leder, mit roter Etikette unb goldenem Titel! Dabei roch es so interessant muffig und wurde nur selten aus der Bibliothek

Ballade. Ihr Valor hatte sich auf einen Divan gesetzt und hörte bewegt dem Gesänge zu.

„Komm', Alexa, setze Dich zu mir," sagte er, nachdem die letzten Töne verklungen waren und las Mädchen sich vom Ingrument erhob. „Ich habe Dir etwas zu sagen."

Das Mädchen setzte sich auf einen gestickten Schemel neben ihn und schmiegte ihren Kopf an seine Kiiiee.

„Du hast mir Deine Erlebnisse aus Deiner heutigen Tour noch nicht erzählt," sagte der Vater ernst, ihr weiches Haar streichelnd. „Du bist im­mer so bereit, mir Deins kleinen Abenteuer zu er- zählen, daß Dein heutiges Schweigen mir zeigt, daß Dir wirklich etwas passiert ist. Hast Du je­manden in den Bergen angetroffen?

Das Mädchen zögerte, aber da sie gewohnt war. dem Vater alles an?,übertragen, was sie wußte und was ihr Herz druckte oder bewegte, konnte sie ihm auch jetzt die Wahrheit nicht vorenthalten.

„Was für scharfe Augen Du hast, mein Vater," sagte sie. „Ich hatte beute ein Abenteuer: aber ich habe es selbst ausgesucht. Ich glaube, ich war ein wenig tollkühn. Ich führte ein seltsames Werk aus unb überlegte erst nachher. Erinnerst Du Dich unseres Patienten im vorigen Jahre, — Spiri- dion?"

„Nur zu gut. Ich habe stets bereut, das; ich er­laubte, ben Mann in bieses Haus zu bringen. Er hätte unten im Dorse im Hause eines Arbeiters gelassen werden müssen."

„Nachdem ich gestern von der Gefangenschaft der armen Engländer in der „Athener Zeitung" gelesen hatte," fuhr Alexa weiter, „konnte ich diese Nacht nur wenig schlafen, und wenn ich schlief, träumte ich von den unglücklichen Männern, und heute dachte ich den ganzen Morgen au sie. So ritt ich diesen Nachmittag ans nach den Bergen, in der Hoffnung, Spiridion zu treffen und ein gutes Wort für die Gefangenen bei ihm einzu­legen."

„Alexa!"

(Fortsetzung folgt)