34. Jahrqang.
Fulda, Donnerstag den 4. April 1907
JA 76,
— ~ u ttfittMX I wenn niemand sich ausschließt, wird der Ertrag
8» DOS St. 30ftPQ$l}0U$ In ♦/UnjvlV I einigermaßen für die Bedürfnisse hrnretchen.
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Schriftleiter:A.wetzlee
z!par,eiter'?n L-ida Wochenbeilage: f,3IIuftttettC SoNNt(lgS^ltNNg
2. Mietzinsen vom alten Haus
3. Zuschüsse «.Zuwendungen:
a) durch das Bischöfl. Generalvikariat laus Fastenalmosen 2141.49 Mk.) 4- 1261.04 Mk.......
b) von dem Bonifatius-Sammelverein zu Fulda, Köln, Münster und Paderborn ........
c) von dem Schutzengelverein . . . d) von der Stadtkasse Hünfeld . .
e) aus Zuwendung von Privaten hauptsächlich Priestern der Diö- zese Fulda.......
Rotationsdruck u. Verlag der jiuldaer Ae» tiendrrckerei in fiulba. zernspretzer Ur. 9.
2. Kapitel. ;
Ei« rettender Engel.
DaS Abenteuer Lord Kingscourt'S und seiner Freunde in Griechenland erregte ungeheueres Aufsehen nicht nur in Athen, sondern auch in England und in der ganzen zivilisierten Welt. Kapitän Wilbraham tat das ©einige, um die Gemüter zu erregen und aus dieser Erregung den möglichst größten Borteil für seine gefangenen Freunde zu ziehen. Entrüstete Engländer schrieben Berichte an die Zeitungen und verlangten von der Regierung energisches Einschreiten, damit die Angriffe auf die Freiheit und das Eigentum englischer Untertanen gebührend bestraft werde. Englische Damen sprachen von der Sache als .sehr romantisch" und sehnten sich, mit den Helden dieses Abenteuers zufammenzutrefsen. Der Marquis von Middleton, der Vater Berlin Kollys, wandle sich persönlich an die Königin. Die vornehmen Verwandten des Grafen Kingscourt und viele hochgestellte Personen, welche mit Vergnügen in ein verwandtschaftliches Verhältnis -u dem jungen Manne getreten fein würden, verwendeten sich zu seinen Gunsten. Die Regierung tat sogleich die nötigen Schritte zur Befreiung der beiden jungen Männer und trat zu diesem Zwecke in einen lebhaften schriftlichen Verkehr mit der gric- , chischen Regierung. Seitens der letzteren wurden energische Maßregeln ergriffen. Truppen wurden ausgesandt, um die Straßen, Wälder und Täler zwischen Atben und Korinth zu durchstrei-
Einnahmen.
1. Pflegegelder:
Rechuuugsabschlr ft der Einnahmen und Aufgaben des St. Josephshauses zu Hünfeld
Hauses.......
Steuern, Abgaben, Lasten Schul- u. Schreibeoürsuisse Arzt und Apotheke . . . Insgemein......
Lrsckeint täglich, tntt Ausnahme der Sonn« itnfc Seiet tage, viertel« sühn. Bezugspreis ohne Bringet!'bn tmb veiieügeld in Hulda und auswärts 1 KL 50 Pf-.
17,016.77 Mk.
1894.01 „
2343.03 „
1030.73 „
487.97 „
pfing ihn erst an den» Tage, an welchem er nach Athen aufzubreclzen im Begriffe stand. Er erhob das Geld und reiste in Begleitung zweier anderer Offiziere ab. Die Zeit war kurz bemessen, und die geringste Verzögerung konnte für seine Freunde gefährlich werden.
Als sie in Triest ankamen, erfuhren sie, daß der Dampfer, mit dem sie zu fahren gedachten, bereits abgegangeir war. Nichts blieb ihnen übrig als den Abgang des nächsten Dampfers abzuwarten oder auf einer anderen Route weiter zu reifen. In beiden Fällen war eine verhängnisvolle Verzögerung eingetreten, denn, wie sie es auch anfangen mochten, sie mußten rm günstigsten Falle Athen zwei Tage später erreichen, als sie es beabsichtigt hatten. ,
Kapitän Wilbraham war in Verzweiflung-, er wußte, daß er nickt mehr zur rechten Zeit an- kommen foimte, und nur ein Wunder konnte seine I bedrängten Freunde retten.
Der Tag, an welchem das Schicksal Lord Kingsrourfs und seines Freundes Kolly's ent- schieden werden mußte, war enblich angebrochen. In ihrer Höhle harrten die Räuber in finsterer Erwartung der kommenden Tinge. Eimge ipiel- ten Karten, andere erzählten sick Geschichten und wieder andere rauchten und trankem
Briggs saß auf einer Bank, den Kopf auf beide Hände gestützt. .
'Der Graf ging mit seinem Freunde Arm in Arm in der Höhle hin und her.
i Nun Vertin," sagte Lord Kmgsconrt, das längere Schweigen brechend, „untere drei Monate [ gebe^daß Wilbraham mit dem Gelbe
in Athen ist", erwiderte Kollys. „Sprridion s Vertrauter ging gesteril aus, um ihn auszusuchen. Wenn er das Geld bringt, werden wir heute abend frei feilt* t , _ .. „ .
I Wir haben weder frische Luft genossen, noch
b) „ c) „ d) „ e) „ 0 ••
179 Kinder. ,
Für ungefähr 49 Kinder wurde nichts gezahlt.
311'exa
oder
Auf qeheirnnisvokken Wegen.
Roman von Eduard Wagner.
Flachdruck verboten.)
L.CO
Unfct Vorbild, der Heiland, hat als guter Hirt eine vorzügliche Fürsorge gerade jenen ,,Schafen aus dem Volke Israels zugewendet, welche tn der Irre gingen*; diesen ging er am liebsten nach; für diese war er mit Sorge und Kummer erfüllt; diese Diaspora-Schäflein suchte er um leben Preis zurückzuführen und zu retten. Mussen wir da nicht als Jünger des Heilandes eine gleiche Sorge und Liebe haben, und gerade zur Rettung, solcher Diaspora-Kinder gerne mit beitragen!
„Ich bin überzeugt, daß dieses Werk (der Kom- „munikanten-Anstalten) ein Gott besonders wohl- „gefälliges ist, und daß dadurch wie kaum durch „ein anderes, die Rettung unsterblicher Seelen „in der Diaspora gefördert wird, und ich trage „kein Bedenken, die Bitte um eine liebevolle „Unterstützung derselben aufs wärmste zu befürworten", so schrieb mit Recht noch tn den letzten Tagen seines Lebens der hochselige Bischof Kon- rad Martin von Paderborn, der große Förderer und langjährige Präsident deS Boiiisatiusverems.
Unsterbliche Seelen, für die bet gott- liche Heiland fein kostbares Blut vergossen hat, kann es etwas kostbareres geben?
Wenn schon auf jedem zu einem guten Zwecke gespendeten Almosen der Segen Gottes ruht, j dann ganz gewiß auf jenen Gaben, durch die Seele« gerettet werden, die ohne sie verloren gingen. Und wenn es auch der Bedürfnifle, für welche die christliche Mildtätigkeit in . Anspruch genommen wird, gar viele gibt, bie nut so großen Opfern vom hochseligen Bischof Adalbert erbaute Kommunikanten an st alt unserer Diözese mit ihren Pflegebefohlenen darf nicht ver- geffen werden. Da ist doch in unserer Twzeie der Glaube zu lebendig, die Liebe zu glühend, als daß man ein Opfer dafür nicht gerne brachte.
Die Anstalt ist auf die tatkräftige Unter- stützung der Diözesanen angewiesen, denn abge- sehen von den auf derselben noch lastenden Bau- schnlden reichen die Einnahmen nicht einmal zur Bestreitung der lausenden Bedürfnisse hin, so dai, die Rechnung für 1906 mit einem Fehlbetrag von 2053 M abschließt. .
Möge deshalb die im Fastei,Hirtenbrief ausgesprochene Bitte um ein Fastenalmosen für die Kommmiikantenanstalt überall freudige Gewah- rung finden. Heber die Kräfte hinaus braucht niemand sich anzugehen. Die kleinen Gaben der Armen haben bei Gott oft den größten Wert. Tas sehen wir an der armen Witwe im Evan- grltum. Mit dem Opfer ihrer zwei Pfennige hatte sie ein größeres Verdienst vor Gott, als alle Reichen, die Goldstücke in den Opferkasten warfen. Selbst auf Erden schon ruht auf dem Almosen der Armen ein besonderer Segen. Mo- gen die einzelnen Spenden noch so genug fein.
a) Für Beköstigung .....
Kleidung,Wäsche.Reinigung Heilung und Beleuchtung Hausinventar ..... Gesinde- und Tagelohn . Bauliche Unterhattung des
Summa der Einnahmen: 22,842.99 Pik. Ausgaben.
Zweites Wtatt. !
[!j Die Fraktionen -er deutschen . Reichstages.
in.
Die Natimialliberalen.
Links vom Zentrum sitzen die Nationallibe- rolen, die man wegen ihrer großen WandlungS- fähigkeit auch „Fraktion Drehscheibe" nennt. Heute sind sie 54 Mann stark gegen 50 im vorigen Reichstage. Einst hatten sie mit den ihnen nahe- stehenden Gruppen die Mehrheit im Reichstag und nützten diese lediglich zum Kampfe gegen die katholische Kirche aus, woran sie schließlich zugrunde gegangen sind. Neben den Konfervaftven bilden sie die Regierungspartei; es kommt fast nie vor, daß chie Nationalliberalen in Konflikt mit der Regierung geraten; sie find immer zum Jasagen bereit, wie es ihnen auch auf dem Goslarer Parteitage vorgehalten worden ist. Wenn sie von einem Minister ein schönes Wort erhalten, sind sie im dritten politischen Himmel; fällt eine auch noch so wenig sagende An- erfennung der Liberalen vom Regierungstisch, kommen sie schon in die fünfte Region; wird aber gar einer der ihrigen Minister, so sind sie in voller politischer Seligkeit und gehen mit der Regierung durch dick und dünn. Die „Wahrung der Personalien" war immer das erste Prinzip der Nationalliberalen; mit anderen Worten: Wenn sie die besten Futter platz« an der Staatskrippe haben, sind siezufrie- d e n. Das Volk ober nicht, da es was anderes erwartet. Die Nationalliberalen geben sich gern als die reichste Partei aus; mag auch fein, daß sie im Reichstag, von einigen Beamten abgesehen, die reichsten Mitglieder beherbergt und so ihren Charakter als „Kommerzienrats°Partei dokumentiert.
Der Besitzstand der Nationalliberalen ist sehr zusammengeschmolzen; eigentliche Stammsitze haben sie heutzutage garnichtmehr. Im Jahre 1903 erhielten sie im ersten Wahlgange auch nur 5 Mandate, was deutlich ihre Stärke beweist. Sonst leben sie nur noch von der „Furcht", und sie verstehen es meisterhaft, diese „Furcht" den Wählern beizubringen. Die heutige nationalliberale Fraktion ist das reinste Angstprodukt. Fast alle Mandate holen sie in den Stichwahlen; stehen sie mit einem Konservativen in Wettbewerb, so wird die „Furcht" vor ber, „Reaktion" an die Wand gemalt und recht kräftig der zersetzte liberale Mantel geschwenkt; streiten sie mit dem Zentrum um ein Mandat, so soll die „Furcht" vor dem schrecklichen „Ultramontanis- mus* alles auf rütteln, um einem nationallibe- ralen in den Sattel zu Helsen und sie finden die schlimmsten Töne der Kulturkampfszeit wieder. Ringen sie mit den Freisinnigen um das Mandat, so kehren sie die „Furcht" vor bet ungenügenden nationalen Wehrfähigkeit heraus und berufen sich daraus, daß sie im Reichstag immer alles für Heer und Flotte und Kolonien bewilligt haben und es soll die „Reaktion" ihnen helfen. Müssen sie aber mit den Sozialdemokraten um den Sieg streiten, so rft es natürlich die „Furcht* vor dem lieber- bandiiehmen der Umsturz Partei, die alle Bürger- licke für sie begeistern soll, derweil sie in Baden und auch anderswo mit den Noten hübsch Arm in Arm gegangen sind. Auf die Werbekraft der eigenen Ideen hat die Fraktion schon längst verzichtet; immer nur die „Furcht" ist der Wahlzutreiber.
Daß aber ein solches Angstprodukt sehr ge- misckt ausfallen muß, ist gar nicht verwunderlich; die Anost macht Pilatus und Herodes zu Freunden, und daher seben wir auch sehr große G c-
wird bekanntlich auch im die-lahngen Fastenhirtenbrief der Wohltätigkeit der Diözesanen ausS wärmste empfohlen. Es handelt sichda auch wirklich um die Unterstützung einer für unsere S'mrt? S.S [fit H. M ..m 1. 3«n. 1906 bi« 1 3«. 1907.
Rechenschaftsbericht sind im verflossenen Jahre wiederum nicht weniger als l^ kathol ch.
Kinder der Diaspora, die jahrelang nichtkatholische .
Schulen besuchen mußten, tn Hünfeld aufgenom-1 104 Knaben und 51 Mädchen 12,?46 10 Mk.
men, und auf den Empfang der ersten HI. Kom- 24 Pfleglinge derKinderkripp« 00
munion vorbereitet worden. Ohne diese Anstatt . ^ie Kinder der Bewahranftalr wären wohl die meisten davon unserer hl. Religion ' ganz verloren gegangen, denn in der Regel Han- delt es sich um Kinder, deren Eltern selbst nur wenig unterrichtet, lau und gleichgiltig ober gar verschiedenen Glaubens finb, ober um arme Wal- senkinder, die Vater unb Mutter verloren kmben unb nun in der größten Seelengefahr schweben in der Gefahr, Gott ihren höchsten und besten
! Vater und die Kirche, ihre höchste und beste Mul- tcr, zu verlieren. Wer sollte für biese armen Kinder nicht ein Herz voll Liebe und Teilnahme
tei geworden.
Nicht in Abrede läßt sich stellen, daß sie eine Anzahl guter Arbeitskräfte hat, die ihre Aufgaben mit viel Geschick lösen. Der Führer der Fraktion ist Bassermann, Rechtsanwalt, in Mannheim; ein sehr reicher Mann; er bestrebt sich stets, die Fraktion auf einer mittleren Linie zu halten. Kulturkämpfer ist er g a r nicht unb paßt deshalb zu seinen badischen Ge- innungSgenofien sehr schlecht; dort erhält er auch fein Mandat; er muß überhaupt viel wandern. Bis 1903 in Jena untergebracht, fiel er in Karls- ruhe durch und kam erst 1904 in Frankfurt a. O. wieder durch; es ist sehr bezeichnend, daß der Führer der Partei ein solches Wanderleben zu ühren hat. Neben ihm spielte der jüngst verstorbene Dr. Sattler eine Nolle; er war gegen das Zentrum sehr verbissen. Bekannt ist Dr. P a a s ch e, der nunmehr Vizepräsident im Reichstage ist; er wollte gern Kolonialdirektor wer-1 )en, aber es hat nicht gereicht; jetzt ist er gut be- oldetes Aussichtsratsmitglied einer Berliner Bank und hat feine Professur nieder gelegt. Paasche ist der bet den Stenographen sehr ge- ürchtete Schnellredner des Reichstages. Er oer- ügt über ein sehr großes Wissen und ist in allen Fraktionen beliebt. Graf Oriola gibt sich als Patron aller pensionierten Offiziere und Mili- täriiwaliden aus; aber seine persönliche Eitelkeit hätte es im Mai 1906 nahezu fertig gebracht, daß das ganze neue Militärpensionsgesetz gescheitert wäre. Dr. Sieber versteht sich nur auf das Blasen der Kulturkampfstrompete. Frhr. von H e y l ist ein hochschutzzöllnerischer Grandseigneur, der vor 20 Jahren noch ein bürgerlicher Hehl war. Büsing war als früherer Vizepräsident in der Zolldebatte und als Vorsitzender der Steuerkommission bekannt. Der alte fteundliche Herr aus Mecklenburg ist in den neuen Reichstag nicht zu- rückgekehrt. Dr. S e m I e r ist das neue Licht aus Hamburg, der sich mit Kolonialpolitik befaßt. Die Hanseaten haben natürlich das größte Interesse an der Kolonialpolitik, weil sie dabei sehr viel verdienen, nicht draußen, sondern bei den Aufträgen in der Heimat.
Die Zukunft der Nationalliberalen ist trübe; sie werden als Mittelpartei von allen Seiten angegriffen und haben keine Widerstandskraft.
fen, die Berge, Felsen und Schluchten zu durchsuchen, — aber alles blieb ohne Erfolg.
Bon den Räubern oder ihrer Zufluchtsstätte war keine Spur zu finden.
Zwei Monate verstrichen, das Ende des Ende des dritten nahte heran. Die Besorgnis unb Angst der Leute steigerte sich auf» Höchste. Geschichten von der furchtbaren Grausamkeft Spiridion's gingen von Mund zu Mund und wurden mit den üblichen Ausschmückungen in den Zeitimgen ob- gedruckt.
Man erinnerte sich, daß er erst vor einem I Jahre die Obren eines Gefangenen zu dessen Verwandten geschickt hatte, well diese gezögert bitten, das Lösegeld zu schicken. Man erinnerte sich, daß er zwei ihm verhaßte Personen, die in seine Hände gefallen waren, zu Tode gemartert hatte.
Kapitän Wilbraham entschloß sich endlich, das Lösegeld zu nehmen und nach Athen zurückzu- kehren, um seine Freunde zu befreien. Der Marquis von Middleton und der Agent des Grafen verhalfen ihm zu dem Selbe.
Während dieser Zeit hatten bie Gefangenen furchtbar von der Feuchtigkeit, Kälte und unge- funben Lust nicht nur, sondern auch durch aller- lei Entbehrungen zu leiden, sodaß ihnen das Leben in dieser Höhle bis zum Uebermaße zuwider war. Sie waren matt unb entkräftet unb sehn- ten sich nach frischer und gesunder Luft. Schon vor längerer Zeit hatten sie sich enffchlossen, das Lösegelb zu zahlen unb später auf Mittel zu sinnen, die Räuber zu züchtigen und sie für die Zukunft unschädlich zu machen.
Lord Kingsccurt batte zwei Briefe an Kopi- tän Wilbraham geschrieben. In den einen derselben batte er eine Anweisung von zwanzigtausend Pfund gelegt, welche er ihn bat, mit den fünftausend Pfund für Kollys sogleich zu bringen.
Dieser Brief war unterwegs, durch Zufall iraendwo liegen geblieben und Wilbraham em-
genfätzeinder Fraktion. Der Bund der Landwirte hat hier sehr viele Anhänger, namentlich I unter den aus Süddeutschlanb und Hessen stam-1 inenden Abgeordneten. Man findet ein paar liberal fortgeschrittene Leute, aber noch mehr Re-1 aftionäre, die ganz gut auf der äußersten Rechten sitzen konnten; in Sachen des Reichstagswahlrechts sind sie absolut nicht hieb- und stichfest: es geht ihnen die „pupillansche Sicherheit ab, die Fürst Bismarck schon bei ihrem Führer Miquel vermißte. Und wenn der Großherzig von Baden vor etwa einem halben Jahre ihren Führer J Bassermann wegen seiner nationalen Haltung so sehr lobte, so wüßten wir in der Tat nicht, was Bassermann in dieser Beziehung mehr geleistet hatte, als das Zentrum. Weil so verschiedenartige Elemente in dieser Fraktion sich befinden, deshalb muß sie auch sehr viele Sitzungen ab- halten, um die Geschlossenheit zu erzielen; aber trotz alledem fallen die Nationalliberalen sehr häufig auseinander.
Was ihr Verhältnis zum Zentrilm betrifft, so war es vor 10 und 5 Jahre» besser, als jetzt; damals haben sie ihre Kulturkampfs- lüft ganz in de» Hintergrund gestellt und mit dem Zentrum an der Annahme des Bürgerlichen Gesetzbuches und der Flottengesetze gearbeitet, in ihrer Mehrheit auch für die Aufhebung des 8 2 des Jefuitengesetzes gestimmt; heute sind sie um einige Schattierungen kulturkämpfe- rischer geworden. Dr. fieber gibt sich namentlich in dieser Beziehung sehr viel Mühe; der EvangelischeBundistdaherd^ebeste Wahlstütze der altersschwachen Par-
Summa der Aus^S»: 24,896 76 Mk.
Abschluß.
Einnahmen .... 22,842.99 Mk.
Ausgaben .... 24,896.76 „
Üeberzahlung . 2053.77 „
In Pflege befanden sich peo 1906: 104 Knaben, Mädchen und 24 Krippenkinder, zusammen
Kiedenrvereine.
Von Dr. jur. W. Brandts, Berlin.
(Nachdruck verboten.,
Mit der Vermehrung der Bevölkerungszahl und dem Ausblühen von Handel und Industrie im Deutschen Reiche hat sich naturgemäß in den letzten zwanzig Jahren auch die Zahl der Prozesse stark vermehrt, aber leider in ganz unverhältnismäßig hohem Maße. Während im Jahre 1881 die Gemmtzahl der ordentlichen Prozeffe in erster Instanz 1 065 853 betrug, ist sie im Jahre 1903 auf 2 059 543 gestiegen, al,o nahezu aus das doppelte; nicht ganz in dem- selben Maße haben sich die Privatklagen wegen Beleidigung usw. vermehrt, nämlich rwn 73 000 auf 11801)0. Dies Anwachsen ist eine höchst bedauerliche Erscheinung, denn jeder Prozeß, auch der einfachste und klarste, kostet den prozeß- führenden Parteien, auch der gewinnenden, nicht nur Zeit und Geld, sondern er verursacht Mühe, macht Aerger und Verdruß, raubt die innere Ruhe und vermindert sür eme gewifle Zeit die
bäT Tageslicht gesehen, seitdem wir diese Höhle betraten," sagte Kingscourt. „Wir sind beide schwach unb leidend. Ich fürchte, dieses Abenteuer bat mir bleibenden Rheumatismus eingebracht. Ich suhlte mich sehr unbehaglich." .
„Kingscourt," sprach Kollys ernst, „ich habe ein schrecklich ängstliches Gefühl. Der Bote des Hauptmanns Spiribion muß jeden Augenblick zu- rückkehren. Wie, wem: er mit leeren Händen kommt? Wie, wenn Wilbraham nicht angekommen ist?" . . — m
„Tu machst Dir unnötige Sorge, Berti». Er bat Zeit genug gehabt, zu kommen. Er ist in Athen und wartet jedenfalls nur auf bte Gelegenheit, mit Spiridion zu verkehren."
„Aber, wenn er Aufenthalt gehabt haben sollte? Ich habe eine schreckliche Ahnung. Wenn er krank geworden wäre! Es gibt der Möglichkeiten so I "
„Daß wir gar nicht an sie denken wollen," un-. terbrach ihn der Graf. .Laß' uns das Beste hoffen, Berlin. Wenn etwas passiert und Wilbraham nicht in Athen ist, ober wenn er zu sicher auf bte Hoffnung gebaut hat, die Soldaten wurden un» I befreien, bann allerdings wird das Schlimmste eintreten. Spiridion ist ein Teufel in Menschem gestalt. Es würde ihm das größte Vergnügen machen, unsere Ohren vom Kopse zu trennen und sie nach England zu schicken. Ich bin gerade nicht eitel," fügte er gezwungen fHerzend hinzu, „aber ich möchte doch mein Sortiment Ohren nicht auseinander gerissen sehen. Ein Paar scheint mit zur Erhöhung menschlicher Anmut durchaus notwendig." , . , .,
„Mir auch," pflichtete Kollys bet; „aber ich habe eine dunkle Ahnung, daß ich eins von dem I Paar verlieren werde. Wenn wir heute verstümmelt würben unb Wilbraham käme morgen an, gäbe es keine Sprache ber Welt, der ^tch meine I Empfindungen auszubrücken vermochte. 1F. bf