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34. Jahraanq.

Fulda, Dienstag den 2. April 1907.

M 74.

Krstes Wlctlt

Ausland

wer dieses Mal die Kosten tragen soll.

entfielen 1903

in Preußen auf:

Konservative Freikonservative Nationalliberale Freis. Volkspartei Freis. Vereinigung Zentrum Sozialdemokraten

Stimmen: 324157 47975 256220

73245 16735

251 958 314149

werde Sie davon überzeugen", unterbrach ihn Spiridion kalt. .Liefern Sie Ihre Taschen- bischer, Juwelen, Uhren und sonstige Wertsachen

Mandat. Da hat Fürst Bismarck, der bekannt­lich daS Dreiklassenwahlrecht „das schlechteste aller Wahlsysteme" nannte, mit feinem scharfen

bringen und sagen, daß der schreckliche Spwrdwn ein Löscgeld verlangt von zwanzig Tausend eng­lischen Pfund Sterling für Lord Kingscourt und fünf Tausend englischen Pfund Sterling für den anderen Engländer. Vielleicht wird Mylord eure Anweisung durch Sie an die Bank senden, damit das Geld sogleich abgeschickt werde?"

Mylord wird nichts derartiges tunl nef Lord Kingscourt scharf. „Durch ein Uebereinkom- men mit Ihnen würde ich dieses ruchlose Räuber- unwesen nur bestärken und das. Schicksal der näch­sten Reisenden, die in Eure Hände fallen, noch verschlimmern. Ich denke, daß die englische Re­gierung die Sache in die Hände nehmen wird.

mein wortbrüchiger Spiridron, und sie wird die Regierung zwingen. Euch zu züchtigen."

Spiridron lächelte wieder kalt und ruhig.

„Sie kennen meine Gebirgsfcstung, meine verborgene Höhle nicht", bemerkte er. „Ich trotze allen Regierungen der Welt, Mylord. Sie^kon-

denken wäre. Einige Monate früher oder später ändern indessen absolut nichts daran. Jeden­falls wäre es das Zweckmäßigste, wenn die Re­gierung alsbald mit der Sprache heraus­rückte. Löst der Reichskanzler sein, den Be­amten in bündiger Form gegebenes Versprechen ein, dann müssen die neuen Vorschläge ja doch spätestens zum nächsten Jahre dem Reichstag unterbreitet werden. Es fragt sich nur.

Gering werden sie gewiß nicht sein. Die Lösung dieser Frage wird für die Bülowschen „Paarungs"- Parteien jedenfalls eine harte Nuß fein

erstenmale seit 80 Jahren dürfen die Bayern die Vertreter des Volkes direkt wählen, rote es bei den Reichstaqswahlen der Fall ist.

z!par;eller in 5«lda WocheNbeilagL!

ein recht umfangreiches Steuerbukett überreicht werden." Also schreibt sogar jetzt schon Die ,Vois. Zt gck in ihrer Nr. 447 vom 28.März.

Das freisinnige Organ bezieht sich dabei auf eine Liste der erforderlichen Mittel, welche zur Begründung einer neuen Finanzresorm in den halboffiziösen ,Berl. Pol. Nachr/ zusammengestelll wurde. Wer den Gang der Dinge aufmerksam verfolgt hat, der hat sich durch die den Wahl- zwecken öienenben Schönfärbereien der Regierung nicht irreführen lasten. Jnfolgedesten ist für ihn auch die Aufzählung der ,B. P. R/ durchaus keine überraschende Dteuigfeit mehr. Wir denken da namentlich auch zurück an die Reichstags» sihuna, in welcher Fürst Bülow für nächstes Jabr .ganische Aufbefferung der Beamten- gehäliec untunDigen ließ. Die Botschaft wurde äußerst beifällig ausgenommen; der Freuden­ausdruck wich aber auf verschiedenen Seilen des' Hauses gar bald einem langgedehnten „Ah “! als die Bülow'sche Erklärung die Deckungsfrage hercinzog. Allein auch schon alle anderen Ver­hältnisse in umeren Reichsfinanzen mußten z. B. die Behauptung der ,Köln. Ztg/ vom 19. Dezbr., „daß die Regierung an possttive Vorschläge auf dem Gebiete neuer Steuern zurzeit garnicht denkt", auf ihren wahren Wert zurückführen. Wir brauchen nur die Zusammenstellung der ,B. P. 91/ zur Hand zu nehmen.

Allda ist zunächst die Rede von der Regelung des Wohnungsgeld-Zuschusses. Es kom­men dazu 21 Millionen Mark, um welche der Jnvalidenfonds nach deren Uebernahme aus den Reichsetat allein für 1907 entlastet werden oll. Die Zeit feiner gänzlichen Aufbrauchung siegt aber in der nächsten Nähe, sodaß zu diesem Zwecke noch größere Summen erforderlich werden. Bei der jüngsten Finanzreform im Juli 1906 ist auch an Vie Tilgung der Reichsschuld gedacht -erben; letztere beläuft sich jetzt insgesamt auf

. Milliarden Mark. Da hiervon */s % amor- iiiieii werden sollen, ergibt sich eine ganz erkleck­liche Summe, die dazu auszubringen ist. Außer-

Deutsches Reich.

Berlin, 30. März 1907.

f. DaS Kaiserpaar wird dem dänischen Königspaare im Laufe des SomrnerS einen Be- such abstatten. Dieser Besuch ist insofern von Bedeutung, als er als eine Erwiderung des Be- sucheS des dänischen Königspaares, welches vor einigen Monaten dem deutschen Kaiserpaar erst­mals seinen Besuch abstattete, anzusehen ist. Der Besuch des deutschen Herrscherpaares ist auf mehrere Tage berechnet.

f. Dem Prinzen August Wilhelm, welcher bekanntlich zur Zeit an der Bonner Universität seinen Studien obliegt, wird, wie die ,Postt ver­nimmt, der erste Inhaber der Roosevelt-Professur an der Berliner Universität Prosestor Dr. Burg eß während seines Sommeraufenthalts in Bonn Vorträge über die amerikanische Verfassungsgeschichte halten. Es ist ein Kursus von zehn Vorlesungen in Aussicht ge«

«feetot tagt l 6t, mit rw,nähme der Sorm- unb Seiet tage, viertel« iShri.ve;,igkprei5 ohne vringerl'hn und Befiefigelb in Sulbaunb auswärts 1M 50 Pfg.

verantwortllter Schriftleiter:A.wetzler

* Die Neuwahlen für den bayerischen Land­tag sollen nachPfingsten stattfinden. Zum

♦ Auf das vielgeschmähte englische Krtegs- schiff „Dreadnought" wird jetzt zur Veränderung auch einmal einLo blied gesungen. AusLondon schreibt man: „Das Linienschiff „Dreadnought" ist jetzt wieder nach Portsmouth zurück ge­kehrt. Wie von dort berichtet wird, wurden bei den vor Trinidad vorgenommenen Schieß­versuchen vier Geschütze auf einmal abgefeuert, ohne daß auch nur eine einzige Fensterscheibe in der Nachbarschaft gesprungen sei. Das Schiff hat, was den Bau anbetrifft, keine riet S chaden erlitten; die Geschütz-Bettung ist außer­ordentlich widerstandsfähig. Der Verbrauch von Heizmaterial ist sowohl bei voller Fahrt, wie bei den Kreuzfahrten sparsam. Das Schiff bewährt sich ausgezeichnet auf See. Em Nachteil ist nur der, daß wegen der Turbinen die Maschinenräume sehr heiß sind. Die Rück­reise ist von dem Schiff bei einer Geschwindig­keit von 16Vs Knoten in neun Tagen, das heißt in drei Tagen weniger zurückgelegt worden, als sonst Linienschiffe gebrauchen."

* Zur Lage itt Rußland. Die Duma hat nach Ankündigung ihres Präsidenten 54 Regie- rungsvorlagen zu beraten, von denen ihr freilich bisher erst wenige zugegangen sind. Bis jetzt ist I auch noch nicht eine einzige in Beratung gezogen worden; die zweite russische Volksvertretung fängt leider an, der ersten immer ähnlicher zu werden, in der auch sehr viel geredet, aber so gut wie gar nicht praktisch gehandelt wurde. In den Dumasitzungen vom Donnerstag und Freitag handelte es sich um einen Initiativ- antrag und um eine Interpellation. In der Donnerstagsverhandlung machte der Regierungs­vertreter wieder energisch Front gegen den Ver­such der radikaken Linken, der Duma exekutive ! Befugnisse zuzusprechen, und am Freitag stellte

(1 Das große Zteuerbukett.

(Die Regierung vor und nach den Wahlen.)

An;«igen: Die rin« spattige petiheile ober deren Kaum 15 pfg. Retlamen sie petitzeil, 25 pfg.; bei Wieder­holungen wirb entspr. Rabatt gewährt.

Rotationsdruck u. Verlag der Sulbatr Ae» ttendrrckerei in fiulba.

Zernsprecher Nr 9.

nommen.

Wie das preußische Dreiklaffenwahlrecht aussieht, mögen einige Zahlen beweisen. Ur­wählerstimmen und Abgeordnete 1nAj

Abgeordnete:

143

59

79

25

8

97

dem ist bekannt, daß das Flottengesetz immer noch Mehrausgaben bringt. Schon allem diese Taffachen laffen erkennen, daß die Fmanzreform vom vorigen Jahre mit ihren neuen Steuern keineswegs genügen wird, um die _ erneut erforder­lichen Mittel hinlänglich aufzubringen. .

Diese Tatsache mußte aber der Regierung mehr noch wie allen anderen schon srühzettlg be- kannt gewesen sein. Um so verwunderlicher ist es, daß sie im Wahlkampfe noch jegliche neuen Steuerprojekte einfach in Abrede stellte. Freilich hat sie damals gesagt, daß an „sofortige" be-

au8."

Widerstand war nutzlos, und so gehorchten d,e Engländer, ihre Börsen, Uhren und sonstige Wert» । berfudien nur bedenken Sie das: Spi-

f*n in d-n «"i-in-sd» R°ub°r torfenb, ter »V» gS“Sn,m. Äm heilig ift. Ä sich ihnen genähert harte. . „ wenn das von ihm genannte Lösegeld ihm inner-

Nachdem Spind,on die Sachen geprüft, au- [)q[£) bteier Monate nicht gebracht worden ist, er fierte er feine Unzufriedenheit über den geringen I b£)n :ebem |einer Gefangenen ein Ohr der eng- Ertrag der Sammlung. Dredrer Freunde hatten Aschen Regierung als Geschenk zuschicken wird, nur wenig Geld bet fich... nicht mehr, als zur Be- ^enn Verlaufe eines weiteren Monats das ftreitung ihrer Reisebedurfnlffe unbedingt erfor- @eI{) nil$t eintrifft, wird er das noch übrige Ohr derlich war; auch Schmucksachen besaßen |ie nur unb bie rechte Hand eines jeden Gefangenen wenige von unbedeutendem Wert. schicken. Mit jedem Monat des Zögerns kehren

Wir werde,r das später ausgleichen", sagte Sie stückweise in Ihre englische Heimat zurück, der Hauptmann nachdenkend. Ich werde genötigt _ verstehen Sie?" sein vorläufig zwei von Ihnen zu behalten: W Das Gesicht des Räubers war, während et so lorb weil er der Reichste, und Kollys, weil et der sprach, freundlich wie der Himmel eines schonen Sohn eines Lords ist. Kapitän Wil — Wilbta- Frühlingsmorgens, seine Stimme ruhrg un> ham — ein barbarischer Name — mag frei aus- wohltönend wie immer; aber die Gefangenen be­gehen!" merkten in seinen Augen ein höllisches Funkeln,

Die Engländer verstanden ihn vollkommen, welches ihnen zeigte, daß er wirklich ausfuhren aber er beeilte sich, sich noch deutlicher zu erklären, werde, was er geschworen. .

Sn maJ etn Werd behalten", sagte er. Lord Kingscourt ,edoch wankte nicht tn fernem Er tE Waleick nach Athen zuruckkehren und die Entschluß, dem Verla,igen des Räubers zu wider- WtsÄst mitnehmen: Lord Kingscourt und fein stehen. Auf das Geld kam es ihm nicht an, - eS Freund Kollys sind in der Gewalt des furchtbaren betrug nicht die Halste seines ^ahreselnkommens; Sviridion Er mag die Botschaft nach England aber es widerstrebte feinen Grundsätzen, ein wl- binnen und laaen. daß der schreckliche Spiridion I ches Lösegeld zu zahlen.. Er wußte ohne sich selbst zu uberheben, daß er tn seinem Vaterlande em geachteter und einflußreicher Mann war, und daß die englische Regierung alle Hebel in Bewegung setzen würde, nicht nur um ihn und seinen Kame­raden zu befreien, sondern auch durch Unschädlich- machen des gefürchteten Spiridion ferneren An­griffen auf das Leben unb Eigentum englischer Untertanen in Griechenland vorzubeugen. So ent­schloß er sich ruhig abzuwarten, was tn der ihm gegebenen Frist geschehen würde.

Der Banditenhäuptlmg zwang Kapitän Wil- braham, die gestellten Bedingungen in fern Ta­schenbuch zu schreiben, gab ihm einige strenge Er-

Urteil doch recht.

* Neues Gewerkschaftsorgan. Von den evangelischen Mitgliedern der chrrst- liehen Gewerkschaften wird tm Ruhrremer eine äußerst lebhafte Agitation entwickelt, die, wie der Besuch der zweiten Konferenz der evangelischen Arbeitervereinsmitglieder und der evangelischen Mitglieder der schäften am vorigen Sonntag tn Essen bewies, von steigendem Erfolge begleitet ist. Um der christlich-nationalen" Arbeiterbewegung em un- abhängiges, den Interessen der evangelischen Arbeitervereine und der christlichen Gewerkschaften dienendes Preßorgan zu schaffen, wird unter der Redaktion des Gewerkschaftssekretärs Rafflenbeul- Esten am 1. April eine in Bochum erscheinende Wochenschrift unter dem Titel ,Dte Arbeit herausgegeben. Als Mitarbeiter dmes Blattes werden genanntiReichstagsabgeordneterB ehrens, eine Anzahl namhafter Persönlichkeiten tn der evangelischen Arbeitervereinsbewegung, sowie eine größere Anzahl von christlichen Gewerkschasts- sekretären evangelischer Konfession. Dieses Vor- gehen ist um so bedeutungsvoller, als die,Arbeit das einzige evangelische Arbeiterorgan sein wird, das von evangelischen Arbeiterführern herausge­geben und redigiert wird.

* Eine Eintagsfliege mehr! Der neue Nationalverein hat sich in der freiytnntgen Presse keiner besonders günstigen Ausnahme zu erfreuen gehabt. Etwas anders scheint es mit der nationalen Presse zu fein. Der neue Nationalverein soll, wie er schreibt, in die Selbständigkeit der bestehenden Parteiorgam- sationen nicht eingreifen und ihre Tätigkeit nicht stören; sondern „ergänzen". Er soll Emzel- mitglieber und körperschaftlich beitretende Vereine aufnehmen, und je nach den örtlichen Verhält­nissen Ortsgruppen bilden oder sich auf. die Unterstützung bestehender Vereine beschranken

ÄÄ M I S'Ki'Ä^'Är Jn.-rp°°°U°n Vertiefung der liberalen Grundsätze und ihrer daß von einer Immunität der Dumamitglieder Anwendung auf Einzelsraaen und zur Beein- keine Red- ist.

flustung der öffentlichen Meinung. Ein Sekre- * Werbliche Abgeordnete tn Finnland. In

lärmt, Die Beeinflussung der Presse, Schaffung Finnland haben vor emigen Tagend-eWahlen von Literatnr und Agitationsschriften sollen für den Landtag stattgefunden. Auch die Frau en

weitere Mittel seiner Tätigkeit fein. Als Unter- sind dort wahlberechtigt. Die meisten haben für

zeichner des Ausrufs findet man lauter jung. Männer gestimmt, doch sind auch unter den 260 liberale, linksliberale und nationalsoziale Namen. Abgeordneten 20—30 Flauen, darunter die Kan-

* Gamps Osterei. Der Führer der deutschen didattn der Dienstmädchen, vlun kann es Reichspartei Oberregierungsrat Gamp ist, wie auch bald in Deutschland losgehen!

der ,Reichsanzeiger- mitteilt, in den erblichen * Der italienische Minister des Aeußeren Adelstand erhoben und ihm zugleich die frei- Tittoni ist am Samstag früh von Santa Severa herrliche Würde verliehen worden. zur Zusammenkunft mit dem Deutschen

9 * Abgeordneter Luttmann, welcher im Rei chs kanzler nach Rapallo abgere,ft. Landtag den Wahlkreis Kafsel(Land)-Witzen. * Die französische Teputiertenkammer be- Hausen vertritt und gleichzeitig Mitglied des schäfngte sich am Donnerstag nut der ,,Jena- Reichstages ift, beabsichtigt wegen Ueberbürdung Katastrophe. Bei Besprechung der Inter- ein Mandat niederzulegen. Lattmann gehört der pellatton betreffend die Explosion auf der „Jena deutsch-sozialen Partei an. Nach der ,Heff. Postt beklagte sich der Ad mir al B lenaimä darüber, hat eine VertrauensmSnnerversammlung des daß man nicht nach der Verantwortlichkeit bei Bundes der Landwirte beschloffen, Herrn Lati- den verschiedenen Unfällen der französischen mann zu bitten, fein Landtagsmandat bis zum Marine nachforsche, über die er em ungünstiges Schluß der Legislaturperiode im Jahre 1908 Urteil abgibt. Desorganisation sei überall anju- bettubebalten. treffen. Die OAziere wagten mcht mehr, den

,, <—-«---—hx.— c>—1 Minister auf dem Laufenden zu erhalten, die Kabinettscheis deS Ministers seien unfähig.

ZMaerWZeitung

^monafsittiage: „zuldaerGeschlchisblätter'

Als der Wahlkampf am heftigsten lobte, hat die Regierung alle Mittelchen versucht, um die koloniale Suppe und den nationalen Brei recht schmackhaft zu machen. Von neuen Steuern durfte gar nicht geredet werden. Die ......_

Behauptung, baldige neue umfangreiche Steuern ziehungsweise „baldige" neue Steuern nicht zu seien von den verbündeten Regierungen tn Aus- I »s». «;;«;«»smnnnt» Mtber oder sväter

sicht genommen, entbehrt jeder tatsäch­lichen Grundlage." Also versichette man offiziös am Abend des 21. Januar d. I. in der ,Nordd. 2111 g. Ztg/ Der ganze „nationale" Blätterwald hat diese Behauptung nut freudigem Jubel nachgedruckt. Hat er den schönen Worten der Regierung Glauben geschenkt oder sie nur als ein Beruhigungsmittel in der Wahlzeit be­trachtet? Wir wollen diese Frage nicht näher untersuchen. Viel wichtiger ist uns, was die rauhe Wirklichkeit uns lehrt. Und da sieht nun einmal fest: „Zur Deckung aller als erfor­derlich aufgeführten Mittel wird dem Reichstage vermutlich über kurz oder lang

$Uexa

ober

Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von Eduard Wagner.

2] (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung auS dem zweiten Blatt.)

Die Fremden waren unverkennbar Banditen, alle bis an die Zähne bewaffnet, und den Reffru- den die Läufe ihrer Pistolen entgegenhaltend, orangen sie auf dieselben ein.

„Laßt Eure Waffen stecken 1" rief der Führer Der Banditen in englischer Sprache. „Wenn Ihr Widerstand leistet ober schießt, werdet Ihr ohne Gnade niedergeschossen werden. Wir trachten nicht nack Eurem Leben; Ihr seid sicher, so lange Ihr Euch ruhig Verhalteti"

Ungeachtet des Zurufs des Räuberhauptmanns fuhr die Hand Lord Kingscourfs nach feinem' Revolver während sein Blick rasch die Zahl seiner Gesellschaft überflog. Kollys und Wilbrabam waren mutig wie er selbst und bereit, fernem Beispiel zu folgen; aber die drei Führer waren Verräter, und es unterlag keinem Zweifel, datz sie sich Bei einem Kampfe auf die Seite der Räu­ber stellen mürben. Von den drei Bedienten waren iwei Feiglinge, die bereits zitternd auf ihren Knien lagen und die Räuber um Gnade anflehten. Der dritte, des Lords eigener Diener, war an die Seite seines Herrn getreten, um sich totverachtend auf die Wegelagerer zu stürzen.

„Vier gegen fünfzehn 1" dachte Kingscourt, in­dem seine Hand mit der Schußwaffe herabsank. „Es ist nutzlos. Widerstand zu leisten. Die Schur­ken sind zu sehr im Vorteil."

Der Aiiführer der Banditen, welcher seine »tagen nicht von dem Grafen abgewandt hatte, ■ädjelte und sagte: „Sis find klug, Mylord. Es ist bester, Sie verlieren Ihr Geld, als Ihr Leben."

Obwohl z. B. die Freikonservativen nut Vs der Stimmen der Freisinnigen Volkspanei er­reicht haben, besitzen sie doch mehr als das Doppelte an Mandaten. DaS Zentrum soll, nach dem Maßstabe der Konservativen, ebenfalls höher kommen. Die Sozialdemokratie aber, die fast ebensoviel Stimmen wie die Konservativen erhalten hat, besitzt auch nicht ein einziges

Lord Kingscourfs Augen suchten seinen ver- räterischen Führer.

„Wir haben für sichere Passage dieses Weges bezahlt", sagte er. „Fragen Sie Paulos dort, ob wir nicht generös waren, und ob wir nicht von Spiridion, dem Banditenhauptmann, das Ver­sprechen haben, daß wir nicht belästigt werden sollten."

„Ich bin Spiridion", erklärte der Hauptmann mit vornehmer Verbeugung. „Versprechungen können in Griechenland ebenso gebrochen werden, wie in England."

Seine Höflichkeit, sein feines Lächeln und feine vornehmen Manieren kontrastierten seltsam mit seiner feindlichen Haltung und der tödlichen Waffe, die noch immer auf den Grafen gerichtet war. Als niemand auf seine Aeutzerung ant- wartete, fuhr Spiridion fort:

„Hätte ich nicht das Versprechen gegeben, von welchem Sie sprechen, mein Herr Engländer, würden Sie nicht dieses Weges gekommen sein. Konnte ich mir einen so schönen Preis ent­gehen lasten? Wir haben schon manchen Englän­der gefangen, aber noch nie einen so vornehmen Lord wie Sie, reich wie ein Fürst, und fähig, ein fürstliches Lösegeld zu bezahlen."

„Sie kennen mich?" fragte der Graf.

Spiridion zog ein Papier aus feiner Tasche und studierte es aufmerksam.

„Ich erhielt dieses gestern abend durch einen Extraboten", sagte er kühl. „Drei Engländer", las er von dem Papier. „Die Hauptperson, ein vornehmer, englischer Lord, Graf van Kingscourt, groß, dunkel, jung, mit einem Schnurrbart, reitet einen Schimmel. Sie sehen, daß es für mich nicht schwer war. Sie zu erkennen. Die andern Engländer, ebenfalls reich, aber nicht zu verglei­chen mit dem Grafen. Ich habe feit zwei Stun­den auf Sie gewartet."

Was wollen Sie von uns?" fragte der Graf. Ich kann nickt denken, daß Sie. Ihr Wort

I brechen —"