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Zuldaer

34. Jahroanls.

Rotationsbrud n. Verlag der Sulbaer Ar« tienOr idtrti in Hulda Zernsprecher Nr 9.

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DerantwortlMxr Schriftleiter: A-Wetzler

An;tigen:We eftw fpaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Reklamen )ie petitzeil« 25 pfg.; bei Wieder­holungen wird entspr. Rabat t^ewübrt.

Lrscleint töglich, mtt llurr.abme der Sonn- undHeiertage. Dtettel- jährt, vezu g»l>re‘* ohne Bringeri'bn und

Erstes Mlcrtt.

Wegen des hl. Karfreitag wird die nächste Nummer der Fnldaer Zeitung erst am Samstag ausgegedeu.

(:) Des Welterlösers Tod.

Der liebliche und schöne Stern verkündigte den Eintritt des Welterlösers, blutigrot ist der Unter- gang dieser himmlischen Sonne auf Kalvaria. Der Kreuzestod des Herrn kündigt uns der Leh­ren so unendlich viele; Golgatha ist die erste und größte Kanzel der Welt, der unendlich hehre Lehr­stuhl aller Wahrheiten, besonders der Wahrheit von der eigenen Schwäche, der eigenen Mängel und der menschlichen Unvollkommenheiten. G o l- gatha aber ist auch der Lehrstuhl, der uns die große und schwere Kunst des Sterbens lehrt, jene Kunst, an die niemand heran will und, die wir doch alle durchkosten müssen, die entscheidend ist fsi- die ganze Ewigkeit.

Der Welterlöser freilich hat stch auf die schwere Kunst sein ganzes Leben hindurch vorbereitet: fehl Eintritt in die Welt brachte ihm Leiden und Entbehrungen und der Kreuzestod warf die Schat­ten aus seine Kindheit. Jeder Schritt in seiner öffentlichen Wirksamkeit brachte ihn dem Tode näher, das wußte er. Besonders in seinem letz­ten Lebensmomente svrach er wiederholt vom Tode. Aber er tat es ohne Zaudern, denn „er wer gehorsam bis zum Tode". Aber vor seinem Tode sorgte er für die Seinen: in dem hl. Evan- geliunr ist senes herrliche Testament ausgezeichnet, das er vor seinem Tode gemacht hat. Die Sinter- lasten schaff Jesu aber ist wertvoller als alles eitle Menschengnt. „Friede" hinterläßt er! Seine Mutter gibt er dem Jünger und noch tiefer öffnete er den Gnadenschatz, als er das Altarssakrament einsetzte und sich selbst zur bleibenden Speise hin­gab. Dann erst litt und starb er mit klarem, vollen Bewußtsein; mitleidig? Frauen mischten sonst im Judenland einen Myrrhentrank für den Gekreuzigten, damit sie die Schmerzen nicht allzu sehr empfinden sollten. Auch Jesus bot man die­sen Trank an, er kostete hieran, aber er trank ibn nicht. Wozu aber benutzte der Welt­erlöser die letzten Stunden, die letzten Minuten seines Erdendaseins? Zum Edelsten und Höchsten, besten der Mensch fähig ist, zum Gebetei Je mehr sein Ende herannabte, desto inniger wurde sein Gebet! Die sieben letzten Worte am Kreuze sind nur die lauten Stoßseufzer desselben, innerlich betete er immer, bis er seinen Geist in die Hände des Vaters empfahl! Welch eine Predigt, dieser Tod! Welch ein Vorbild für ein christliches Sterben!

Karfreitag lehre du uns, wie wir als Christen zu leben haben, um so glücklich sterben zu können. Auch unsere Todesstunde kommt; was im Men­schenleben aufwärts wächst, muß wieder abwärts zu Boden gehen; was geboren wird, muß sterben; am Anfang des Lebens steht die Wieae, am Ende der Sarg. Lange Jahre wertet vielleicht die Tetenglocke für dich; ober es kommt die Stunde, wo sie auch für dich anschlägt. Das grünste Blatt fallt vom Baum, der längste Strom findet im M"er sein Ende; auch dein Leben finkt einstens geräuschlos in das tiefe Meer der Ewigkeit Wenn du auch diese Gedanken onsschlägst, der Tod kommt doch; das kann dir jener mächtige Minister saoen, in dessen Gegenwart man nie vom Tode reden durfte; man mußte das Hinscheiden eines Bekannten stets umschreiben; aber auch der Allge­waltige blieb nicht verschont, wenn er auch den Tod nicht sehen wollte. Wie dem Gottessohn, so schlägt auch für dich die letzte Stunde! Deshalb kann ein kluger Mensch den Gedanken an den Tod nicht abweisen; dieser Gedanke ist sein bester Beamter; er ist der verantwortliche Minister eines jeden Menschen, wenn dn diesem Gedanken folgst, bleibst du von Schmid frei. Es gibt keinen unfehlbareren Ratgeber auf Erden für alle mensch­lichen Taten als der Gedanke ar. den Tod und die Entschliisie, die man unter solchen Gedanken saßt.

Gehorsam bis zum Tode! Dein Tod wird aller Voraussetzung nach kein Kreuzestod sein, aber das Totenbett kann ein Kreuz werden, wenn es auch keine Nägel bat; auch da ist man ange­fesselt und hilflos. Aber dann bleibt nur das Gebet und die Unterredung mit Gott.

Als der Heiland sein Haupt neigte, da konnte er sagen: ..Es ist vollbracht!" Er konnte mit hei­ligem Trost zurückschauen auf fein ganzes Leben. Alles war getan — der Wille des Vaters erfüllt, der Kelch ausoettunken, die Schuld der Mmsch- hett getilgt! Vollbracht war, was Gottes Weis- heit ersonnen, die Gerechttgkeit verlangt und die Liebe beaebrt jfjotte, was den Altvordern verbeißen war, welch schönes Schlußwott deS Lebens Christi: „ES ist vollbracht!" Ein Aufiubeln klingt durch dieses, Wort! Möge es uns allen vergönnt sein, auch in der Sterbestunde so denken zu dürfen, dar:: können wir unseren Geist in die .Hände des Schöpfers zuruckemvfehlen. Möge uns der heurige Karfreitag im Gebete um eine glückselige Sterbe­stunde vereinigen."

Deutscher Reich.

Berlin, 27. März 1907.

* Die Borlage zur Berbreiternng des Kaiser Wilhelm-Kanal- hat, wie die „Berl. N. N." wis­sen wollen, die Genehmigung des Kaisers gefun­den. Dem genannten Blatte zufolge wird die Vorlage bereits in dieser Woche dem Bundes- rat zugehen. Man hofft, daß die Vorlage vom Bundesrat so schnell verabschiedet wird, daß fie dem Reichstag noch in dieser Session wird xu-

gehen können. Die Gesamtkosten, welche durch Anleihen aufgebracht werden sollen, betragen 220 Millionen Mark. „

* Dem verstorbenen Professor Dr. Ernst von Bergmann widmet der deutsche „Rerchsanzel- ger" einen längeren, warmempfundenen Rach- ruf, in welchem es u. a. hecht: tiefster

Trauer steht die wisienschaftliche Welt an der Bahre des großen Toten. Aber die Gefühle des Schmerzes 'über den jähen Verlust des bis zur letzten Stunde schaffensfreudigen Gelehrten ttef- fen zusammen mit dem Gefühle inniger Dank­barkeit für alles, was er in langjähriger Tätig­keit als Forscher, Lehrer und Arzt geleistet hat."

* Armeelieferanten-Kartell in Sicht? Die Deutsche Waffen- und Munitionsfabrik hielt am Dienstag ihre Generalversammlung ab. Die Zahl der Aufsichtsratsstellen wurde von 20 auf 24 erhöht und sofort 3 neue Aufsichtsratsmit- glieder gewählt. Diese 3 neuen Aussichtsrats. Mitglieder sind der frühere Direktor der Gesell­schaft, Generalmajor a. D. Emil Fleck, General­konsul Karl Menshausen-Düffeldorf und Vize­admiral z. D. Lack-Berlin. Letztere beiden ge­hören, wie der Vorsitzende ausdrücklich hervor­hob, dem Aufsichtsrat der Fried. Krupp Akt.-Ges. an. Ueber die Gründe dieser bemerkenswerten Ergänzung des Aufsichtsrates wurde nur wie üblich mitgeteilt, daß die reichen, auch inter­nationalen Beziehungen und Kenntnisse der Sperre den Jntereffenten der Gesellschaft nützlich fein würden. Es drängt sich indes doch die Frage auf, ob der starken Vertretung der Krupp- Gesellschaft im Aufsichtsrat der deutschen Waffen- und Munitionsfabriken nicht doch noch eine größere Bedeutung beizulegen ist, soweit die Beziehungen zwischen beiden Gesellschaften in Frage kommen. Es will uns scheinen, als ob sich hier ein Kartell anbahne, das die gesamte Lieferung für unser Heer in die Hand erhalten will. Man trifft fast immer die gleichen Persönlichkeiten, sei es im Au,sichtsrat der Kölner-Rottweiler Patronenfabrik, oder bei Krupp ober bei Löwe oder bei der Waffen- und Munitionsfabrik. Be­merkenswert ist uns auch, daß stets eine Anzahl höherer Staatsbeamten, Militärs- und Marine­offiziere darunter zu finden sind.

a. Nichts Ungehöriges soll man stch im öffentlichen Leben gefallen lassen. ‘ Tut man's doch, so trägt man die Kosten, indem man zur Wiederholuna förmlich anreizt. Das müssen wir Katholiken uns ganz besonders merken, denn die Erfahrung lehrt, daß wir viel zu gutmütio sind und uns allzu vi<ll gefallen lasten. Sich wehren, bringt Ehren! nicht sich ducken und in die Ecke drücken lasten. Tas gilt auch bezüglich der ganz, ungehörigen Agi­tation der Kriegervereine bezw. deren Leitung. Bereits haben die Miinsterländer Krie- gervereine ein deutliches Wörtlein in dieser Be­ziehung geredet. Jetzt haben die Emsländischen Vereine (Hannover) sich angefchlosten. In der von 30C Delegierten besuchten Versammlung zu Lin­gen wurde diese Wahlagitation auf das schärfste verurteilt. Man verlangte vom Bundesvorstand die bündige Erklärung, daß in Zukunft jede Wahlagitation gegen eine der bürgerlichen Parteien unterbleibe. Dafür daß das entschiedene Vorgehen der emsländischen Kriegervereine gegen das unsatzungsgemäße Verhalten des Bundes­vorstandes dem letzteren doch nicht so „ganz einer­lei" war, zeugte der Umstand, daß er sich durch zw?' Mitglieder, den Geheimen Rat Dr. Westphal und den Redakteur der „Parole" Dr. Röhrs, auf der Versammlung vertreten ließ; außer diesen wa.- auch der Vorsitzende des bannoverschen Pro­vinzialverbandes der Kriegervereine anwesend. Diese gaben für i h r e Person die gewünschte Erklärung ab, eine weiteroebende Vollmacht hatten sie nicht. Die Angelegenheit fall ans dem nächsten Ve r- bandstag in Thorn verbandelt werden. Da­mit begnügten sich die Delegierten und nahmen von dem äußersten Schritt, dem Austritt aus dem Bunde, einstweilen Abstand. Den Emsländern muß man dankbar sein, daß fie drese Angelegenheit ernst in die Hand genommen haben. Auch im Sauerland und in Paderborn ist man energisch vorgegangen. Das gehört sich auch. Noch einmal sagen wir es, nur sich nichts gefallen lassen! Mit Seifetreterei und Angstmeierei ist noch niemals etwas erreicht worden. Wir Katholiken sind nicht nur zum Steuerzahlen und Mundhalten da, wir haben gleiches Recht wie die andern auch. Gerade setzt, wo gewissen Leuten der Kamm sehr geschwol- len ist. ist es tor allem nötig, diesen Standunkt enerastch zu vertteten.

* Der Direktor des Evangelischen Bundes, Lic. Everling, machte auf der letzten Generalver­sammlung des Evangelischen Bundes zu Grau- denz in seiner Rede über die „Parität" einen Ausfall gegen den in Paderborn erscheinenden „Leo", dem er vorwarf, daß er „alle möglichen, vielfach einseitig oder falsch darge- stellten Vorkommniste zur Förderung des konfestionellen Friedens unter der ständigen Ru­brik „protestanttsche Parität" den anfznrettenden Lesern darböte." Daraufhin schrieb die Redak­tion des Leo an Lic. Everling nnterm 12. No­vember 1906, er möge so freundlich sein und ihr angeben, welche von den 123 Fällen, die vom 26. Februar 1905 bis zu seinem Borttage am 10. Okt. im „Leo" berichtet waren, einseitig od-r falsch gewesen seien. Sie halte es selbstverständ- lich für ihre Pflicht, die betteffenden „falsch oder einseitig dargestellten Vorkommnisse" zu berichti­gen, sobald sie ihr näher bezeichnet worden seien. Nachdem die Redattion 14 Tage vergeblich auf Antwort gewartet hotte, ersuchte sie Herrn Everling am 27. November 1906 zum zwei­ten Male, den Beweis feiner Behauptung zu er­bringen. Daraufhin ließ ihr Direktor Everling durch einen Beamten des Evangelischen Bundes

Mitteilen, daß ihr demnächst etntge Berichti­gungen der Fälle in der Rubrik „Protestantische Toleranz und Parität" zugehen würden. Seit- dem toartete die Redaktion abermals e m Vierteljahr auf diese „Fälle" und schrieb dann am 4. März 1907 zum dritten Male an den Direktor Everling. Auch dieses Schreiben blieb unbeantwortet, freilich nicht zu unserer Ueberraschung. Wenn sich in dem „Leo" falsche oder einseitige Darstellungen befunden hätten, dann hätte der Evangelische Bund sich wahr­haftig nicht dreimal darum bitten lasten. Eine, solche Zurückhaltung sind wir nicht von ihm ge- wohnt. Direktor Everling ist bei der letzten Reichstagswahl im Kreise Döbeln (Sachsen) zum Abgeordneten gewählt und der national- liberalen Fraktion beigetreten. Da paßt er hin. Sein Fraktionsgenosse Semler meinte ja auch bei einigen seiner Behauptungen: „Beweis ist, daß ich es sage," und der Fraktionskollege Dr. Paasche entzog sich dem Beweise einiger beleidi- genden Behauptungen einfach dadurch,, daß er sagte: „Die Namen kann ich Ihnen nicht nen­nen; ich würde ein Unrecht gegen die Leute be­gehen." . .

* Oberbürgermeister Adickcs hat, tote der Voss. Ztg." aus Frankfitrt a. M. gemeldet wird, die Uebernahme eines Ministerpostens abge­lehnt. Nach der Deutschen Tageszeitung sind mit ihm überhaupt Verhandlungen wegen Ueber­nahme eines Ministeriums nicht gepflogen wor­den.

-e. Der „protestantische" Staat. Im Ak>- geordnetenhause wurde jüngst die Gehalisfrage der evangelischen Geistlichen angeschnitten und Er­höhung "der Gehälter beantragt. Da nun die katholischen Geistlichen bedeutend schlechter gestellt sind, so war es natürlich, daß in der katholischen Presse auch darüber geschrieben wurde. Wie weit nun das Jmparitätsgefühl gewisser Leute vom Evangelischen Bunde geht, beweist ein Ar­tikel in dem freiwilligen Organ des Evangelischen Bundes, der,Tägl. Rundschau', worin gefragt wird, ob denn die protestantischen Pastoren „nicht einen gewissen Anspruch darauf haben, auch einmal etwas ohne Rücksicht auf die katho­lischen vom Staate zu erhalten?" Warum be« sürwottet das Blatt nicht, daß etwa zu den Flotten- und Heereskosten und dergl. sogen, „natio­nalen" Bedürsniffen der „protestantische" Staat das Recht Hot, die Protestanten ohne Rücksicht auf die Katholiken zu Extraleistungen heran- zuziehen? Sind die Katholiken wirklich Bürger zweiter Klasse? Diese Unverfrorenheit geht doch über die Hutschnur.

* Weimar, 27. März 1907. Der Groß­herzog trat heute eine Reise nach Südfrank- reich an; er begibt sich zunächst nach Beaulieu bei Nizza.

Ausland.

* „Jesuitenranke" und der französische Kul- turkampf. Unter dieser Spitzmarke schrieben kirchenfeindliche Blätter, z. B. „Berliner Volks­zeitung" (Nr. 100 vom 28. Febr.): „Der vatika­nische (!) Korrespondent der Brüsseler „Jndrp. Beige" versichert, daß die Unnachgibigkeit des Papstes in der französischen Trennungs- frage auf Einwirkung der Jesuiten zu- rückzuführen sei, die bei der Einführung des Privatkultus in Frankreich für ihre Gesellschaft Vorteile erwarten. Der Papst soll seine Freude darüber ausgedrückt haben, daß die Verhandlun­gen abgebrochen worden seien." Dazu wird der Zentral-Auskunftstelle von authentischer Seite geschrieben: „Die Sache ist ganz aus dec Luft gegriffen. Den Anlaß zu diesem Märchen gab ein erdichtetes Interview mit dem General der Jesuiten, welches in verschiedenen französischen und englischen Zeitungen veröffentlicht wurde an dem aber kein einziges Wort wahr ist, da ver General der Gesellschaft Jesu mit absolut nie­manden eine Unterredung über diesen Gegen­stand hatte. Solche Mittel werden gebraucht, um den offenbarsten Lügen den Anschein von Wahrheit zu geben."

* Eine Militärdebatte in der französischen Depntiertenkammer hatte beinahe zum Sturz des Kabinetts Clemenceau geführt, nachdem die­ses kurz zuvor erst ein Vertrauensvotum bezüglich der auswärtigen Politik erhalten hatte. Nach d--r Marokkodebatte wurde die Interpellation des so­zialistischen Radikalen Colliard über die Heim- sendung der Militärklasse von 1903 erörtert. Kriegsminister Picquart sprach sich im Interesse der nationalen Verteidigung gegen die Heimsendung dieser Altersklasse aus, welche erst im September erfolgen könne. Die vom Obmann deS Heeresausschnffes beantragte und von der Regierung angenommene einfache Tagesordnung wurde mit 278 gegen 236 Stimmen abgelehnt. Dieses Abstimmungs­ergebnis rief große Bewegung hervor. In den Wandelgängen der Kammer wurde bereits das Gerücht von der Demiffion des Kabinetts erörtert. Der Sozialist Gerault-Richard brachte hierauf eine neue Tagesordnung ein, in welcher das Ver- trauen ausgesprochen wird, daß die Regierung die Heimsendnng der Altersklaffe von 1903 sobald wie möglich veranlaffen werde. Clemenceau geneh­migte diese Tagesordnung, welche sodann m i t 413 gegen 79 Stimmen angenommen wurde. Clemenceau sagte, die Tagesordnung Colliard habe er deshalb abgelehnt, weil diese er­klärt habe, daß die Entlassung der Jahresklaffe 1903 mit der Landesverteidigung vereinbar fei, und weil die Minister einstimmig der gegentei­ligen Ansicht seien. Er stelle die Vertrauensfrage. Die Unterstellung, daß die Tagesordnung Ger- ault-Rickard kriegerisch sei. weife er zurück. Er

erkenne an, daß die Lage in Europa, ohne ver­wickelt zu fein, aufmerksame Beobachtung ver­diene.

♦ Zur Lage in Rußland. Stolypin hat am Dienstag die Institution der F e l d g er i ch t - in der Duma verteidigt und dabei den provi­sorischen Charakter dieser Ausnahmegerichte be­tont. Er ließ der Hoffnung Raum, daß in viel­leicht nicht allzu langer Zeit an eine Aufhebung jener Standgerichte gedacht werden könne. Zu einem Konflikt ist es glücklicherweise bei aller Schärfe nicht gekommen, mit der die Gegensätze in der Debatte aufeinanderprallten.

* Streikende belgische Bergleute als — Globo kotier. Auf den Werken der Gesellschaft „Ha­sard", unweit von Herve, streiken die Bergarbei­ter; während des Streiks hat eine Anzahl der­selben mit Frau und Kindern die Heimstätten verlassen und ziehen zu Fuß von einer Stadt zur anderen. In Brüssel kamen etwa 200 derselben am Montag abend an: sie trugen auf dem Rü­cken wollene Decken aufgerollt wie M-lifär>"äntel und verkauften auf den Straßen Lieder und An­sichtskarten; doch verbat alsbald die Polizei den Verkauf auf offener Straße. Immerhin betrug die Einnahme 300—400 Frcs. In Brüssel wur­den die Leute im Volkshaufe und im Kaffeehause der Heilsarmee betoirtet. Wie sie erzählen, sind sie auf der „Wanderschaft" überall freundlich auf­genommen worden.

* Ein Kabinrtiswcchsrl in Rumänien ist die Folge der Bauernunruhen. Die Konservativen haben ihre Unfähigkeit erkannt, die brennende Agrarfrage einer gedeihlichen Lösung entgegen» zuführen und darum das Regiment an die Libe­ralen abgetreten. Aus Bukarest wird vom Man- tag gemeldet: Das Kabinett Cmtacuzene hat feine Entlassung gegeben. Der König hat den Chef der liberalen Partei, Demeter Sturdza, mit der Kabinettsbildung betraut. Tas neue Kabinett ist aus folgenden Persönlichkeiten gebildet worden: Demeter Sturdza Präsidium und Aeußeres, Jean Bratiano Inneres, Emil Costinesco Finanzen, Spiru Haret Unterricht, Anton Carp Handel und Ackerbau, Thomas Stelian Justiz, V. G. Mortzun. Oeffentliche Ar­beiten und General Averesco Krieg.

* Ein großer amerikanischer Eisenbahnerstreik wird angekündigt. Die Londoner Zeitung „Daily Chronicle" meldet aus Chicago: Die Leiter der westlichen Eisenbahnen scheinen ebenso entschlossen gegen die Bewilligung eines 12-pro­zentigen Lohnzuschlags zu sein, wie die Angestell­ten ihn fordern. Da das Ultimatum der Strei­kenden nur noch wenige Tage für eine Entschei­dung Zeit läßt, befürchtet man, daß der ganze Westen binnen kurzem sich inmitten eines riefen- haften Eisenbahnausstandes befinden wird. Tie Bahnleiter sandten Depeschen an Pierpont Mor­gan, Harriman und Hill, in denen sie dieselben auffordern, ihren Einfluß aufzubieten, um den Streik abzuwenden.

Ztadtveroröneten-Versammlung.

an Fulda, 28. März 19< >7.

An der gestrigen Sitzung der Stadtverord­neten - Versammlung nahmen 20 Mitglieder des Kollegiums teil. Der Magistrat mar durch die Herren erster Beigeordneter August Müller, Stadtrat S1 öhr und Stadtbaurat Schirmeyer vettreten. Den Vorsitz führte Herr Stadlverord- neten-Vorsteher Justizrat Geaenbaur.

1) Bewilligung der Mehrausgabe für die Legung des Wasserhauptrohres durch die Fulda. Es waren für diele Arbeiten 6600 Mark bewil­ligt. Die Strecke Eichsseld, Horaserweg, Breiter­weg war bereits im Vorfahre ausgeführt. Für die Weiterlegung der Rohrleitung von der Klär­anlage durch die Fulda nach der Maberzeller- straße standen noch 4186 Mark zur Verfügung. Dieser Betrag wurde um 573 Mark 84 Pfg. überschritten. Der Referent schlägt vor, die Ueberschreitung aus dem Wafferwerk - Erweite- rungs-Fonds zu bewilligen. Die Versammlung stimmte dem Anträge zu.

2) Bestimmungen über die Verwaltung des Gas- und Wasserwerks. Durch einen Be­schluß der Siadtverordneten-Versammlung vom 4. August 1906 war die Festsetzung einer Ord­nung über die Verwaltung des Gas- und Wasserwerks gewünscht worden. Der Magistrat hat nun eine diesbezügliche Ordnung ausgear­beitet, die der Versammlung jetzt vorlag. Die beiden Referenten, die Herren Dux und Weber, sprechen sich über die Ordnung nicht günstig aus und halten dieselbe, da die Rechte der Stadtverordneten-Versammlung nicht genügend gewahtt seien, nicht für annehmenswert. Das Magistratsmitglied Herr Stöhr begründete die Bestimmungen, erNärte die prinzipiellen Bedenken als nicht stichhaltig und meinte, die aus Magistrats- und Stadtverordneten-Mitgliedern bestehende gemischte Kommission würde sich auch hier bewähren. Er bat, die Ordnung zu ge­nehmigen. Gegenteiliger Ansicht waren die Herren StadtverordnetenvorsteherG ege n bau r,S chmarz und Fritz. Mü der Ordnung sei nicht Diel genützt, sie sei eine taube Ruß, die Siavtver- ordneten würden bei Vergebung der Arbeiten doch nicht gehött, der Magistrat würde doch in allen Fällen Recht behalten usw. Bei der Ab­stimmung wmde die Vorlage einstimmig abge­lehnt.

3) Bewilligung der beim Neuba« eine? Kulturhauses im Schloßgarten vorgekommenen Kostenüberschreitung. Durch Mehrarbeiten, welche