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llotationrdruck u. Verlag der Sulöaet Ac» tiendr iderei in sfulba. Setrfpre.tct Nr 9.
M 7L
34. Jahrgang.
Fulda, Mittwoch den 27. März 1907.
Erstes Erstatt.
)§( Abkkale MSm« her!
Seitdem der Reichstag in Osterferien gegangen ist, Hingt mißgestimmt und mißvergnügt ein Refrain in all die Betrachtungen, welche der Liberalismus über die Bergangenbeit und noch mehr über die Zukunft anstimmt. Und weil er noch immer im Finsteren tappt, jammert er gar sehr über die „U n s i ch e r h e i t d e r Lage". Die neue Aera soll liberal sein, deshalb ertönt jetzt für die Besetzung der leitenden Reichsund Staatsämter mit aller Wucht der Ruf: „Lr- berale Männer her!"
Die Krisengerüchte sind in dieser Zeit in der nämlichen liberalen Presse in üppiger Fülle ge- diehen. Für sie ist die Lage unsicher, weil noch kein Minister ihren „Konzessionen" geopfert wurde. Deshalb muß der Reichskanzler immer wieder daran erinnert toerben. Die „Boss. Ztg." glaubt am sichersten zum Ziele zu gelangen, wenn sie ihre Mahnungen :n Nr. 139 vom 23. März :n folgende Form kleide!:
„Auf die Schwierigkeiten mußte Fürst Bülow gefaßt sein. Aber wenn er sie voraussah, hätte er sich vielleicht auch der Mahnung erinnern dürfen, daß man nicht neuen Wein in alte Schläuche füllen soll. Er selbst hat den 13. Dezember als einen Wendepunkt bezeichnet. Er ist sich der Neuheit seiner Politik bewußt. Da wäre es folgerichtig gewesen, für diese Politik ein taugliches Werkzeug zu schaffen, an die entscheidenden Amtsstellen solche Personen zu bringen, die sich dem neuen Kurs offen und willig anschließen. Fürst Bülow kann die Hindernisse nur betvältigen, «nenn er nicht in der Regie- rung auf Schritt und Tritt gehemmt wird. Auch dürfen die Dinge nicht so eingerichtet sein, daß cs überall eines persönlichen Finreifens bedarf, uni peinlichen Mißgriffen vorznbeugen oder an- gerichteten Schaden wieder gut zu machen. Die Last, die auf feinen Schultern ruht, ist schwer, als daß er seine Kraft unnötig zersplittern dürfte."
Um für diese neu aufgeputzte liberale Forderung den Reichskanzler gelüstiaer zu machen, malt ihm die „Boss. Ztg." noch eine Niederlage seiner Politik und die Sprengung des Blocks in diecken Strichen an die Wand. Sie schreibt nämlich:
„In seinen früheren Programmreden bat er bei mit. daß das Volk ein Recht habe, eine einheitliche, feste und zielbewußte Regierung zu verlangen. An dieser Einheitlichkeit scheint es zur Zeit zu fehlen. Hätte man ein einheitliches Ministerium, eS wäre ihm nicht unmöglich, in Beratungen mit den Führern aller Parteien der neuen Mehrheit, auch mit denen der Konservativen im Abgeordnetenhause, ein gemeinsames Aktionsprogramm zu vereinbaren, das eine Niederlage seiner Politik verhüten könnte. Wird aber der Block wirklich g e • sprengt, was dann? Graf Posadowsky hat im Reichstag angedeutet, daß Fürst Bülow bei der Auflösung um sein Amt gespielt habe. Wenn die Paarungspolitik, der sich vielleicht gerade Graf Posadowsky zur Verfügung stellen wird, in die Brüche geht, hätte Fürst Bülow seinAmtver- spiel t."
Daraus spricht «veder Hoffnungsfreude noch Zuversicht für die Zukunft. Die ersten Wochen der parlamentarischen Saison sind eben vorüber und damit auch die wonnigen Flitterwochen, welche der „großen einigen liberalen Partei" so seliges Wohlbehagen brachte. Nun aber die Zukunft etwas ganz anderes von ihr fordert, ruft sie eiligst wieder nach
Hilfe bei der Regierung.
Sie soll ihr liberale Männer in allen Reichs- und Staatsämtern geben, damit die Lage geklärt wird und die Unsicherheit schwindet. Also faßt der entschiedene Liberalismus die „konservatrv-Ilberale Paarung" auf! , ,
Die Karnikel sind aber btt Konservativen, welche nicht gewillt sind, nach der liberalen Flöte zu tanzen. Schreibt doch die „Boss. Ztg." am Schlüsse ihres Artikels:
„Aber wenn die Konservativen nrcht wollen, wenn sie in die Opposition gegen den „agrarischen Reichslanzler" und seine Paarungspolitik treten? Darüber mag sich Fürst Bülow den Kopf zerbrechen. In jedem Fall erfordert die innere Lage eine Klärung. Lehrreich wird dabei für den Reichskanzler fein, daß der W i d e r st a n d gegen seine Pläne nicht von der bürgerlichen Linken, sondern von seinen guten Freunden auf der Rechten ausgeht. Ihnen würde auch die Verantwortung zufallen, wenn der vom leitenden Staatsmann unternommene Feldzug gegen das Zentrum und Sozialdemokratic ungeachtet des Erfolges bei den Wahlen mit einem traurigen Fiasko endete."
Weil nun die „Voss. Ztg." dem Reichskanzler alles das noch einmal in eindringlichen Worten gesagt hat, wird er doch jetzt wissen, was er zu tun hat. Einstweilen hat er es noch vorgezogen, fern der Wilhelmstraße zu weilen und den sonnigen Süden aufzusuchen, wo ihn, wie das „B. T." sich so vornehm ausdrückte, die schwarze Gefahr nicht bedrückt. Daß aber der Liberalismus mit der schon aufdringlich werdenden Hervorkehrung seiner Person ein geradezu widerliches Spiel aufführt, hat er noch nicht eingesehen. Andererseits kann er es jedoch nicht verbergen, wie bange ihm vor der Zukunft ist, die ihm die Trauben mit jedem Tag höher hängen. Deshalb tut schleunige Hilfe not, deshalb auch unter Winseln und Drohen der Ruf: „Liberale Männer her!"
Deutsches Reich.
Berlin, 26. März 1907.
* Die Fürsorge des Zentrums für die mittleren Beamten wird von diesen offen und mit Dank anerkannt. So schreibt z B. die „Neue Postalische Rundschau", Organ der deutschen Postverwalter- Vereinigungen, in ihrer lebten Nummer vom 20. März in einer „D e r R ei ch s t a g u n d d i e B e- amten" betitelten Abhandlung: „Auch diesmal hat sich das Z e n tr u m sehr beamtenfreundlich gezeigt und den Reigen derjenigen Parteien eröffnet, die eine baldige Aufbesserung der Beamtengehälter anstreben."
«Reform des Landtagswahlrechts <n Preußen. Der Vizepräsident des Abgeordnetenhauses Herr Dr. .Krause machte in einer Versammlung des Nationalliberalen Vereins zu Groß- Lichterfelde beachtenswerte Ausführungen über das Landtagswahlrecht und dessen Reform. Der Redner kam zu der Schlußfolgerung, daß die Einführung des Pluralwahlsystems die beste Lösung dieser akut gewordenen Frage kringen würde. (Dem höheren Bildimgsgradc, dem höheren Alter und dem größeren Besitz entspce- chende Mehrstimmen für den betreffenden Wähler.) Der zu erwartende Widerstand des Her- renhauses würde sich überwinden lasten, wenn sich nur erst Regierung und Abgeordnetenhaus einig wären. Eine Mehrheit dafür möchte sich vielleicht schon durch Zentrmn und beide freisinnige Parteien im Abgeordnetenhause erzielen lasten; indessen siebe zu erwarten, daß auch ein
E Im Feuilleton dieser Zeitung erscheint =
in den nächsten Tagen:
Blexa
oder:
Huf geheimnisvollen Wegen
von Eduard Wagner.
Der Roman, der einem Teile unserer Leser bereits aus einer früheren Veröffentlichung vor 23 Jahren bekannt ist, wird in seiner vom ersten bir zum letztenKapstelüber- au- spannenden Handlung, sowie in seiner hochdramatischen Entwickelung den ungeteilten Beifall aller derer finden, die ihn noch nicht gelesen haben. Auch wer ihn kennt, wird ihn ganz gewiß gern noch einmal wieder lesen wollen. In seinem Wiederabdruck entsprechen wir einem aus den Krei^-" unserer Abonnenten oft ge> äuße: unsche. Nur wenige von den
Litteralurerzeugniffen, welche die Zeitungen unter dem Strich veröffentlichen, hatten in den letzten Jahrzehnten einen so außerordentlichen Erfolg auszuweisen, wie „Alexa".
Grüne Augen.
Roman von Dr. F. X. Eß. 31| (Nachdruck verboten.)
Ja, Roderich war der große Wurf gelungen, ein Weib zu finden, dessen ganze Welt der Gatt: ausmachte. Ein Blick aus die Gattin, die neben dem Schreibtisch strickte oder häkelte, genügte, um Roderich seies Glückes sich bewußt Weeden zu lassen. Eine freudlge Stimmung überkam ihn. und damit war die unerläßliche Vorbedingung für ein gedeihliches Schaffen gegeben. Ein Blick auf die Gattin gab ihm neuen Mut, tvenn er feine Ansicht von nicht zu unterschätzenden Gea- nern angegriffen sah, und ehrlich mußte der gefeierte Schriftsteller sagen, daß alle die hoheitsvollen Gedanken, di-> seine unermüdliche Feder für Mit- und Nachwelt auf dem Papiere festhielt, erst in der Nähe der Gattin die Lebensfähigkeit finden mußten.
Auch heute weilte Frau Ellen im Heiligrume des Gatten, wie Lilian scherzweise Papas Arbeitszimmer zu nennen pflegte. Roderich Straub sah die Korrekturbogen seines neuesten Werkes durch, während die Gattin einen Eisenbahnfahr- plan studierte. In den nächsten Tagen wollte die Familie in ein nördliches Seebad gehen
Die weihevolle Stimmung im Zimmer wurde plötzlich unterbrochen. Lftian stürzte herein, einen eben angelangten Brief in der Hand. Er war von Lady Philomene und für den Papa bestimmt.
„Laß mich ibn öffnen, Papa!" bat Lilian er» rötend. „Es ist gewiß ein Brief von Lorenz darin, und der geht mich eher an als Dich!"
„Soo!" schalt Papa lächelnd. „Dann öffne ihn halt!"
Ohne weiter aufzusehen, korrigierte er die Druckbogen weiter Da ein schmerzlicher Auf-
Teil der Konservativen weise genug fern werde, ich einer solchen Reform nicht entgegeuzusetzen. Des weiteren gab der Vortragende der lieber- Zeugung Ausdruck, daß die gesetzliche Festlegung der Wahlpflicht nur von Nutzen sein VJÜrbc. Sie würde auch die Besorgnis, daß dann viele Sozialdemokraten in das Abgeordnetenhaus einziehen müßten, hinfällig machen, denn die Er- fahrungen bei den letzten Reichstagsivahlen hätten ja gelehrt, daß die große Partei der Nicht- Wähler sich aus Nichtsozialdemokraten zusam- mensetzt. Das dem Block angehörige „Bert. Tagebl." bemerkt hierzu:
„Das ist, wie wir ausdrücklich hettorhebeu möchten, die Ansicht des nationalÜberaien A!'° geordneten Krause. Die Ansicht der enlsch'edcn Liberalen ist es nicht. Diese wollen von einem Pluralwahlrecht nichts wissen, sondern sie for dern die Uebertragung des Reichstagswahl- rechts auch auf Preußen, selbst auf bte Gefahr hin, Herrn Krause und seinen Parleige- nossen zu mißfallen." Die Rechnung auf das Zentrum aber ist wenso verfehlt, denn im Januar 1907 hat die Zentrumsfraktion den Anfang auf Einführung des ReichstacMvahlrechts in Preußen gestellt. Die Liberalen ietzen sich also zwischen zwei Stühlen nieder.
r. Oberbürgermeister Dr, Adickes in Frankfurt a. M. soll Blättenneldunaen zufolge nach Berlin berufen worden fein. Der Liberalismus wittert daraus erneut „Dtorgenhifl". Zwar soll Adickes „nicht liberal im Parteisinn" fein, aber überall wo er hingestellt werden mag, „wird er die Fenster weit aufmachen, um die Stickluft der preußischen Bureaukralie zu reinigen." Also jubiliert das ,Berl. Tagebl/ in einem Artikel, in welchem es dem ff ran tarier Oberbürgermeister alle möglichen Oberbürgermeisterporteseuille anbietet. Wir lassen es dahingestellt, inwiefern die Wünsche des Liberalismus sich bei diesir Berufung mit der Wirklichkeit decken, ffn der Zeit der Krisengerüchte waren die liberalen Herren wenigstens noch nie an Kombinationen verlegen.
* Ein reizendes Bureaukratenstiickchen teil! Dr. Oetker in seinem bet I. F. Lehmann in München erschienenen Buche: Die Negersekte und die Deutschen in Afrika mit, das inert ist, weileren Kreisen bekannt au werden. Er schreibt: „Hier und da entbehrte der heilige Bureän- kratismus auch in den Kolonien des Humors nicht. Hier ein Slucklein davon: War da Anno 3E. in den ostafrikanischen Städtchen 9). vom Fiskus eine Partie Ochienhäute verkansl worden, und der ortsübliche Preis gebucht, einkassiert und verrechnet. So etwa nach zwei Jahren kommt daraufhin von Berlin auf dem so beliebten Instanzenwege eine Anfrage, wie es komme, daß die Ochienhäute nur ein solch' geringes Gewicht gehabt hätten. Was sollte der betreffende Beamte antworten? Er selber war nicht dabei gewesen und wußte natürlich von der ganzen Sache nichts. Aber geantwortet muß werden, Nachdem er längere Zeit in liefern Nachdenken über die Unzulänglichkeit alles Irdischen und speziell alles Afrikanischen die Akte angestarrt hatte, kam ihm ein glüeflicher Gedanke. Und et schreibt etwa so: „Urschriftlich ganz gehorsamst zurück. — lieber die betagten Ochsenhäute kann diesseits eine genaue Auskunft nicht mehr gegeben werden, da in- zwischen bereits dreimal em Beamtenwechsel schrei Lilian? und ohnmächtig sank sie in die Arme der Matter.
Der Bries hatte wirklich zivei Briefe geborgen, einen von Lady Philomene, den anderen von Lorenz. Diesen hielt Lilians Hand rrnurpflaft umschlungen.
Ausführlich hatte Lady Philomene b-richtet, tvas sich in den letzten Tagen auf Schloß Stapleton zugetragen.
„Da Sie nun alles wissen," fuhr der Brrsi fort, „so werden Sie mich verachten und ver- abscheue.r können. Ich habe beides verdiem Vielleicht ober würden Sie milder über mich urteilen, wüßten Sie, wie Viel ich unter der Lasi dieser Schuld gelitten habe, so viel, daß ich das trostlose Heute als einen Tag des Glücks anseoe. Lady Stapleton hat mir in ihrer grenzenlosen Großmut verziehen. Sie, die Sre meinem unvergeßlichen Gatten ein treuer Freund gewesen — Ihre Gattin, die mir stets eine liebevolle Schwester war — Lilian, das arme Kind, das ich meinem sündhaften Gehe-mnis opferte: Sie alle wage ich nicht um Verzeihung zu bitten und ich Uvrde Ihnen nie mehr unter die Augen treten formen
Doch die Liebe des Mutterherzens rührt vielleicht Ihr Herz. Ich bitte für mein Kind. Es Ware ihm ein leichtes gewesen, die Entdeckung m feiner Brust zu verbergen: er zog es vor, der Gerechtigkeit Genüg: zu tun. Nur eines beunruhigte ihn, die Sorge um meine Ehre. Pater Gerhard will alles ausbieten, um einen Skandal zu verhüten, und Lady Stapleton will zu diesem Zwecke alles aufbieten.
Wenn Sie edeln'üttg genug denken, das Band zwischen Lilian und meinem Sohne nicht zu zerreißen: wen? Lilian mein Kind innig genug liebt, um den bürgerlichen, aber unbefleckten Namen Mühlacker statt den des Erben. ?on <stav- leton zu tragen, so will ich das wettere große Opfer bringen, fln meinen Sohn nicht mehr M emittieren. Ellen. S'e find auch Mutter, können Sie fühlen, was es heißt, daS Kind für der Matter Fehler leiden zu sehen!"
I stattgefunden hat. Es wird jedoch vermutet, daß der Grund für das geringe Gewicht jener Häute darin zu suchen ist, daß es hierzulande so große Ochsen wie in Berlin nicht gibt". Der bittere Hohn im Schlußwort ist in der Tat angebracht; wegen einigen Pfennigen schreibt man von Berlin in die Kolonie hinaus. Wenn aber die Berliner selbst infolge ihrer horrenden Lieferungsverträge Millionen verpulvern, dann ist alles ruhig; dann verteidigt man diese Verträge anfangs noch und löst sie nur, als der Reichstag mit Nachdruck darauf besteht.
* Die Gründung eines deutsch - kolonialen Franrnbundes ist von Damen der deutschen Kolonialgesellschaft angeregt worden. Der geplanten Gründung liegt der Gedanke zugrunde, im Anschluß an die schon bestehende Tätigkeit des Kolonialvereins deutschen Frauen eine Uebersiede- Iitng bezw. einen Broterwerb in den deutschen Kolonien zu ermöglichen. Nun kann es an der Verwirklichung der Kolonialrräume Dernburgs nicht mehr fehlen.
* Ter neue Hochstkommandicrende in Süd- westasrikn. Oberstleutnant Ludwig v. Estorfs wurde am 24. Dezember 1859 zu Hannover geboten, erhielt seine Erziehung im Kadettenhause und trat 1878 als Offizier in das 31. Infanterie- Regiment ein. 1894 ließ er sich als Hauptmann in die Schutztruppe für Südwestasrika versetzen und nahm an den Feltdügen gegen die Witboois
v.Estorff
die Khanas-Hotteutoten, die OsthereroS und Swarlboois teil. Er hat, von dem letzten großen Feldzug abgesehen, 18 Gefechte mitgemacht, ohne verwundet zu werden. In dem letzten Feldzuge hat er den Oberbek-chl schon wiederholt kommissarisch auSaciiBt, auch ist er in Ostafrika tätig gewesen. Es scheint demnach, als ob die Wahl diesmal auf den richtigen Mann gefalle» sei.
* Der wiirttembergifche General v. Pfaff hat fein Amt im Uotteuverei», das er erst am 3. Januar d. I. angetreten hatte, inzwischen niedergelegt. Der ,9t. G. K/ jufolte hat General v. Pfaff keinen Augenblick ein Hehl daraus gemacht, und tut es auch nicht, daß ihn ans- ichließlich die lleberzeugung, mit dem General Keim nicht gemeinschaftlich arbeiten zu können, zum Verzicht auf feine Stellung im Flottenoerem bewogen bat. General v. Pfaff ist nun nicht etwa Katholik, sondern er ist Protestant. Aber Keim scheint niemand neben sich dulden zu können; sreiltch kann er einen Kontrolleur feiner bedenklichen Manipulation auch nicht gebrauchen.
Ausland.
* Ter rumänische Bauernkrieg. Die,Neue Freie Presse' hat von dem rumänischen Finanz-
Der Brief von Lorenz war kürzer, auch er war an Roderich Straub adressiert. Lorenz wnßie, daß seine Mutter für ihn bitten würde, aber er erklärte, daß er Lilian das Opke- nicht '.umuten dürfe. Er erinnerte an feine letzte Unterredung mit Lilian und sagte zum Schluß allen L'bewohl. Der Brief war unterzeichnet „Karl Mühlacker".
Lilian war inzwischen roteber zu sich gekommen. „Gib mir die Briefe wieder, Papa!" bat Lilian schmerzlich.
Als sie beide gelesen hatte, trat sie vor bte Eltern bin. „Papa, ich lasse nicht von Lorenz," sagte sie mit fester Stimme.
Tie Eltern sahen einander fragend an. Ellen zog die Tochter auf ihren Schoß, wie sie es einst mit dem Kinde getan, und briitfte es an :hr Herz und Roderich maß das Zimmer mit langen Schritten. .
„Ellen," hielt er plötzlich ntne. „ich darf nicht länger hier bleiben, ich muß nach Stapleton. In anderthalb Stunden geht der Zug nach Frankfurt ab. Packe mir das Nötigste ein! O. Ellen, ohne Dich bräche ich jetzt hilflos ww em vom Sturm geknicktes Rohr zusammen, flüsterte er •mit vor Tränen erstickter Stimme. „Litton, ment Kind!" tröstete er dann die Tochter. „Ein Trost bleibt Dir in Deinem Schmerze' Du hast Dem Herz keinem Unwürdigen geschenkt." Und in feinem Herzen flüsterte es: „Arme Lilian, armer Lorenz!"
10.
Mit rasender Geschwindigkeit brauste bet Schnellzug dahin. Landesgrenze um Landesgren^e im Fluge überschreitend. Wie taumelnd drehten sich zu beiden Seiten Felder und Wälder nm den Zug, und das Auge des Reisenden fand feinen Stützpunkt mehr, um mit Mule die landwirtschafl- lichen Mannigfaltigkeiten zu betrachten, die ttnks und rechts dahinflogen.
Heidelberg, Darmstadt, Frankfurt waren vorüber, mit Windeseile sauste 'er Zug durch das Rheintal stromabwärts dahin, dem heiligen Kostr au. Mit feierlichem Gruße grüßten die hoch-