34. Jahrgang.
Fulda, Samstag den 23. März 1907.
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llotation,druck n. Verlag der Fuldaer Ar> tieadr «kerei in Ktlda. Zernsprecher Nr 9.
L«zeige«'. Vie ei», spaltige Petitzeil« ober deren Saum 15 pfg. Reflanten »ie Petit,eile 25 pfg.; bet wieder. Holungen wird entspr. »abalt gewährt.
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gleichsam Schritt für Schritt, stch das Feld erobern. So ist auch nicht mit einem Alleluja der Ostersegen eingeheimst. Laßt die Festgedanken andauernd wirken, vom Palmsonntag an bis zum weißen Sonntag, wo die Kinderkommunion uns so lebhaft an die schöne Zeit unserer hoffnungsvollen Unschuld erinnert.
Nachdenken, in aller Stille nachdenken! Ist denn das jetzt noch mode? Ich fürchte fast, daß die moderne Welt es verlernt. Wir haben es ja immer so eilig, ringsumher hastet alles mit den Maschinen um die Wette. Wo bleibt da die Zeit zum Nachdenken? Am Feierabend und an den Sonntagen, ja, was hat der moderne Mensch da nicht für eine Menge von Verpflichtungen? Die Geselligkeit z. B. nimmt viel Zeit und Kraft in Anspruch, und bei der Geselligkeft pflegt man sich selbst zu verlieren. Dann und wann kommt man vielleicht zum Lesen — wenn man gerade keine „bessere" Unterhaltung findet. Und weil man zum Zeitvertreib liest, hat man keine Lust, über das Gelesene weiter nachzudenken. Plaudern tut man gern, auch kritisieren, räsonnieren, schulmeistern. Jedoch zu einem stillen, ehrlichen Plauderstündchen mit sich selbst bat man keine Zeit; ebensowenig gilt das Kritisieren, Räsonnieren und Schulmeistern dem eigenen Ich, und das hätte es doch wirklich so sehr nötig.
Zuhören und Bravorufen, Lesen und Amen dazu sagen — das heißt noch nicht einen neuen Sauerteig ansetzen. Die dargebotenen Gedanken selber durchdenken, das vom Geiste Genoffene gleichsam verdauen und in belebendes Blut umzuformen, die Nutzanwendung auf die eigenen Verhältnisse zu machen und den Willen in bessere Bahnen zu lenken — das ist die heilsame Kunst. Das gebt nicht im alten gewöhnlichen Schlendrian. Da muß man schon sein eigenes Hirnschmalz in Anspruch nehmen.
„Den Kopf in die Hand nehmen", denkt mancher mit Schrecken, wenn man ihm von so einer Gedankenarbeit redet. Ach was, dieses gepreßte Verfahren ist gar nicht nötig. Nachdenken kann man ebne alle Apparate und Kunstgriffe. In der Werkstätte und am Kochherde, vor dem Einschlafen und beim Anziehen, auf dem Arbeitsweg und auf dem Spaziergang, wie es gerade trifft, überall kann man einen vernünftigen Gedanken fassen.
Nachdenken, selbständig nachdenken, innerlich durchleben — das ist gerade für die nächsten zwei Wochen besonders anzu raten. Ein Stoff von unendlicher Fülle der Erbauung wird uns da geboten von dem Hosanna am Palmsonntag bis zu dem Brotbrechen von Emaus; verarbeite ihn in deinem Innern, dann wird dein Herz reich gesegnet sein und auch von dir das Wort gelten: Per crueem ad lucem, durch das Kreuz zu Licht und Freud'!
erheblicher Mehrheit abgelehnt, und so war der Block gesprengt. Daß nun die Liberalen den Sturz von Studt mit erhöhten Kräften fordern, braucht nicht zu überraschen. Sie wollen auch Graf v Posadowsky, Frhr. v. Rheinbaben und v. Stengel beseitigt wissen! Aber ehe eine solch vollständige Veränderung vor stch geht, kann der Kanzler selbst fallen.
Die Diözese Fulda hat am St. Josephs- feste wieder einen Oberhirten erhalten in der Person des bisherigen RegenS und Domkapitulars Herrn Dr. I o s e ph D a m i a n S ch m i tt. Ad mutlos annos!
Große Bergwerksunglücksfälle haben in der letzten Woche das lothringische Kohlenrevier heimgesucht; schlagende Wetter holten 75 Bergleute unerwartet in die Ewigkeit ab. Die Trauer ist sehr groß. Das Zentrum hat bereits im Reichstage eine Interpolation eingebracht, um die Regierung anzuhalten, auf strengste Einhaltung aller Vorsichtsmaßregeln zu dringen.
Am Goldenen Horn bereiten sich heftige Auseinandersetzungen vor. Man darf sich nicht darüber täuschen, daß unser Botschafter bei der Pforte, Frbr. v. Marschall, zwar in seinem Kampfe gegen die Uebergriffe Fehim Paschas Sieger geblieben ist, daß aber sein Erfolg mit einer tiefen Verstimmung des jetzigen Sultans erkauft werden mußte. Tas ist gerade in einem Augenblicke, wo mit einem Thronwechsel in der Türkei gerechnet werden muß, nicht ohne Bedenken. In den Balkanstaaten gährt es überhaupt sehr. Es waren schon seit einiger Zeit aus Numänien Nachrichten darüber eingetroffen, daß dort in gefährlicher Weise gegen die jüdische Bevölkerung agitiert wird. Es war auch bekannt, daß ruffische Aai- tatoren über die Grenze von Bessarabien gekommen waren, um im Geiste des russischen Antisemiten Kruschewan in Rumänien zu wählen. Nachdem eine Reihe kleinerer Krawalle stattgefunden hat, ist nunmehr in Podul Jloaie, zwischen Jassy und Passani gelegen, ein sehr ernster antisemitischer Krawall ausgebrochen.
Bulgarien hat ein neues Kabinett erhalten. das in der Oefsentlichkeit günstig ausgenommen worden ist, aber Fürst Ferdinand scheint nun selbst für seinen Thron zu fürchten; das Land ist von Agitatoren schrecklich durchwühlt worden.
Die Haager Friedenskonferenz gibt jetzt zu viel Streitigkeiten Anlaß. Das reichhaltige Programm der Konferenz würde weitaus genügen, um die Zeit der Konferenz nutzbringend anszufüllen. Aber in England will man offenbar nicht locker kaffen, ehe nicht auch die Frage der Abrüstung auf das Programm gesetzt worden ist. Wir stehen dieser Frage insoweit skeptisch gegenüber, als wir vermuten, daß man dabei über unverbindliche Erörterungen nicht hinauskommen wird. Aber es wäre verkehrt, wenn das Deutsche Reich, das aus vielen Gründen nicht die Initiative zur Abrüstung geben konnte, jetzt die Initiative ergriffe, um den Abrüstungsvorschlag zu Fall zu bringen. Wir können unsere Rüstung tragen. Wir brauchen also nichts zu tun, was wie ein Druck auf unsere Nachbarn aussehen könnte, aber wir haben als Kulturvolk die Pflicht, nichts unversucht zu lassen, was die militärische Last, die auf den europäischen Mächten ruht, etwas erleichtern könnte. Wir sind stark genug, um die Dinge an unS herankommen zu lassen.
GroßcrLeichtsinnhat offenbar auch die schlimme Katastrophe des französischen Panzerschiffes „Jena" verursacht. Sie kostet den Franzosen ihr schönstes Panzerschiff. Dieser Verlust, dem sich leider auch noch der Ver- lüft von mehr als 100 Seeleuten hinzugesellt, hat überall in der Kulturwelt und besonders im Deutschen Reiche aufrichtige Gefühle der Sympathie geweckt. Zugleich aber war es doch eine Beruhi- gung, aus dem Munde des Staatssekretärs v. Tirpitz zu erfahren, daß nach menschlichem Ermessen eine ähnliche Katastrophe in unserer Marine unmöglich sei.
In Italien hat sich die Krisis im Ministerium Giolitti wieder ausgeglichen. Der Marschall de Budini war loyal genug, die Schwierigkeiten, die Giolitti aus dem Tode des Iustizministers Gallo erwachsen mären, nicht zu benutzen, sondern dem Ministerpräsidenten eine Schonzeit zu gewähren. So darf Giolitti hoffen, sich nach den Osterferien mit einem nur wenig verändertem Kabinett, das sich, auf feine alte Mehrheit stützt, dem Parlament wieder vorzustellen.
Die russische Duma kann von Glück reisen. Der Einsturz der Decke über dem Duma- saale mußte notwendig im ersten Augenblicke den Verdacht erwecken, daß es sich um ein Attentat auf die Duma gehandelt habe. Aber die weiteren Meldungen lassen kaum noch daran zweifeln, daß es sich wirklich nicht um ein Verbrechen, sondern nur uni verbrecherischen Leichtsinn gehandelt hat Dem Einsturz der Decke des DumasaaleS könnte sehr bald ein politischer Zusammensturz folgen.
lichen Autoritäten zu einer neuen Regel für die Berechnung des OsterterminS zu bewegen. Die diesjährige Frühzeitigkeit des Osterfestes hat eine neue Besprechung dieser Angelegenheit in den Zeitungen hervorgerufen.
Die beiden Uebelstände in der bisherigen Osterordnung sind bekanntlich die: 1. die Beweglichkeit des Festes vom 21. März bis 25. April, also mit einem Spielraum von 5 Wochen, ist zu groß; sic führt dort, wo das Osterfest als Ende und Anfang eines Jahrganges betrachtet wird, z. B. in der Schule, zu einer störenden Ungleichmäßigkeit, indem der eine Jahrgang zu lang, der andere zu kurz wird. 2. Wenn die Festtage gerade auf den Anfang April fallen, so entsteht ein Kon- slikt zwischen der gebotenen Feiertagsruhe und den zahlreichen Geschäften, die der Quartalswechsel und namentlich der Umzug mit stch bringen.
Zur Abhilfe ist vorgeschlagen worden, die Be- weglickkeit des Osterfestes auf die Zeit vom 4. bis 10. April zu beschränken, und zwar mittels der Regel: das Osterfest wird gefeiert am dritten Sonntag nach dem 20. März, (wobei letzteres Datum als ftrer Tag des Frühlinas-Anfangs gelten soll). Diese Regel hätte drei Vorteile: 1. Sir wahrt in gewissem Maße den alten Zusammenhang des Osterfestes mit der Tag- und Nachtgleiche im Frühjahr; S. sie ermöglicht eine genügende Gleichmäßigkeit in der Dauer der Schuloder Verwaltungsjahre und gestattet den regelmäßigen Schluß zu Ende März; 3. sie verhütet, daß Ostern, Ostermontag ober auch Karfreitag auf den 1. April fallen. Karfreitag kann frühestens auf den 2. Avril fallen, worauf dann Ostern am 4. folgen würde. Wer Bedenken hat, ob sich in diesem Falle der Umzug und die sonstigen Quartalsgeschäfte vor den Feiertagen erledigen ließen, kann ja beantragen, in der obigen Regel den 21. März als Ausgangspunkt der Berechnung hinzustelleu; dann würde der erste Festtag frühestens auf den 5., spätestens auf den 11 April fallen. Dieser Tage las ich nun einen Artikel, der Ostern immer schon vor dem 1. April, am ersten Sonntag nach der Tag- und Nachtaleiche gefeiert wissen möchte. Ich glaube, die Schulmänner werden lieber den ganzen März zum Abschluß ihres Schuljahres behalten wollen. Man darf überhaupt nicht glauben, daß das letzte Drittel des Monats März frei ist von Unruhe und Störungen; der 1. April wirft seine Schatten nach beiden Seiten, und namentlich der Umzug mack» sich schon vorher sehr bemerkbar. Obendrein ist für unsere nördlichen Breiten Ende März vom Frühling noch wenig zu spüren, und wir möchten doch gar zu gern etwas Lenzluft haben auf dem „Gange nach Emaus". e
Alf i mit diesem Märztermin ist kein Staat zu machen. Wenn überhaupt eine neue Ordnung zu erreichen ist, so hat der oben erwähnte Vorschlag (4. bis 10. April) die besten Aussichten. Ob es überhaupt dahin kommt, bas hängt von —Rußland ab. Vielleicht von der russischen Duma! Die Sacke hängt so zusammen: Als der verstorbene Berliner Astronom Förster wegen seiner Sieb- lingsidee, der neuen Osterordnung, fick bei bet richtigen Schmiede, nämlich dem hl. Stuhle 'n Rom, erkundigte, da wurde ihm unter Leo XIIT. die vorläufige, unverbindliche Auskunft zuteil, daß die Kirche sich wohl zu der Abänderung der alten Ordnung verstehen könnte, wenn damit eine einheitliche Osterseier für die ganze Christenheit erzielt werden könnte, b. h. wenn Rußland und der Übrige fckismatische Orient den gregorianichen Ka- lender mitsamt der neuen Osterregel annehmen würden. Natürlich hat Dr. Förster damals auch sogleich bei Rußland auf den Busch geklopft; aber dort wollte man weder von dem eigenen Kalender, noch von der eigenen Spurweite der Eisenbahn ablaffen. Inzwischen ist nun Rußland in die Reihe der sogenannten Verfassungsstaaten getreten und macht augenblicklich bett zweiten Teil bet konstitutionellen Kinderkrankheiten durch. Im Laufe dieser Entwickelung kommt es vielleicht noch zu der Erkenntnis, daß fein Absperrungssystem veraltet ist. Vielleicht gibt es aber noch einen Rückschlag. Wir muffen geduldig auf Rußlands Willensmeinung warten; denn ehe nicht in allen christfichcn Ländern, auch den russisch-schismafi- schen, die Einheit der Osterfeiern gesichert ist, wird der Papst gewiß nicht eine Abänderung der ehrwürdigen Osterregel verfügen.
Vorläufig heißt es also, die Feste so zu feiern, wie sie nach der alten Berechtigung fallen. Und es geht auch so, wenn man nur sich vernünftig einrichtet. Ter Mensch kann sehr geschmeidig sein, wenn er mutz.
Man sollte überhaupt nicht so übermäßig viel von den Aeußerlichkeiten der Festfeier reden, sondern sich mehr an das Innerliche halten. Im Herzen mutz Ostern gefeiert werden, «nd das kann man im März so gut wie im April.
Im Herzen! Ja, der Kirchenbesuch, das Mitsingen, daS Anhören der Predigten, das Lesen im Gebetbuch — daS sind lauter schöne und förderliche Sachen, ober sie tun eS noch nicht allein. ES gibt Leute, die gleichsam einen Gummimantel über ihrem Herzen tragen; das erbauliche Wasser lauft ab, ohne einzudringen. Sie feiern das Fest in ihrer gewohnten Manier, und wenn die Feier vorbei ist. so ist sie eben spurlos vorbei. Es bleibt keine Nachwirkung, feine Frucht. DaS ist nicht das richtige. Heraus aus der Schablone und dem Schema aufgeknöpft die Hüllen der Seele, da- Herz geöffnet für den Gnadenregen, wie ein gelockerter Acker für den Frühlingsregen I
Das geziemt sich besonders zu Ostern; denn in der Festepistel sagt der gewaltige Paulus: Feget aus den alten Sauerteig und nehmet an den neuen Sauerteig de§ Heilesl Durchsäuert soll die Seele werden, durch und durch erfüllt und um- gewandelt von neuem Erkennen, Fühlen und Wollen
Der Sauerteig wirkt nicht im Handumdrehen auf bei* ganzen Mehlvorrat; er mutz allmählich,
X Fulda, 23. März 1907.
Di« Mischung der polittschen Karten wird immer bunter und die Situation gewinnt nicht, Sven» Fürst Bülow auch noch mehr Reden hält. So hat er die Gelegenheit des Festeffens des deutschen Landwirtschaftsrates benutzt, um sich dem Bomb der Landwirte demonstrativ an den Hals zu werfen. Selbst wenn Fürst Bülow nicht mehr Ueich»ka»ler ist, kann er sich kein besseres Lob henken, eil daß er ein agrarischer Reichskanzler gewesen sei. Fürst Bismarck wollte einst auf seinen Leichenstern geschrieben wissen, daß er ein treeer Diener seines alten, kaiserlichen Herrn gewesen sei; Fürst Bülow begnügt sich mit dem Rrchme, ein treuer Diener der Bündler genannt gu werden. Aber zuerst redete er diesen zu, doch «blich die Scheuklappen abzulegen und auszu- hören, in Handel und Börse ein verderbliches Element zu sehen. Er führte ihnen die englische Aristokratie vor Augen, die rechtzeitig notwendige SanDessionen gemacht und gerade dadurch England reefclutionären Erschütterungen bewahrt habe. Fürst Bülow will einige Wünsche der bürgerlichenLinken erfüllen, weil er sonst kein« Mehrheit im neuen Reichstage hat. Er will auf dem Gebiete des Strafrechts und der Straf- hr»»eßordnung volkstümlichen Forderungen entgegenkommen, und er will endlich die Börse von den „drückenden Feffeln" befreien. Aber umsonst steht sich die liberale Preffe nach einem Zugeständnis der Agrarier an die bürgerliche Linke um. Gerade die Beratungen bei Landwirtschaftsrats gipfelten in einem Beschlüsse zur Börsenreform, au» dem hervorgeht, daß man gar nicht daran denkt, bet Börse irgendwie entgegenzukommen. Und Fürst Bulow hat mit seiner PÜuderei nichts erreicht.
Im »dgeordnetenhause gar ist sein Block total auieinandergeriflen worben; ein frei- konfervatip-nationalliberal-freifinniger Antrag wollte die geistliche Schulaufsicht total beseit igen; er hatte eine sehr große Zahl von Unterschriften gefunden. Da unternahm der qe- schüftige Führer der Freikonservativen, Octavio ». Zedlitz. einen kühney Ritt gegen den Kultusminister und er fiel glatt auf die Erde; der Antrag wurde vom Zentrum und Konservativen mit
RechtSmW gegen die Seronlagang zm AMs-Nnkmuienstmr.
(Nachdruck verboten.)
Einspruch und Berufung.
Die Veranlagung zur Staatseinkommenstcuer wird den Steuerpflichtigen mit einem Einkommen von mehr als 900 M von dem Vorsitzenden der Einkominensteuerveranlagungskommifsion mittelst einer besonderen Zuschrift bekannt gegeben.
Aus der Zuschrift ersieht der Steuerpflichtige den Einkommensteuerfatz, welchen er für das Steuerjofir (1. April bis 31. März) zahlen foll, ferner auf tote hoch fein Einkommen bei der Ver- anlagung angenommen worden ist. Die Zuschrift enthält weiter eine Belehrung über das dem Steuerpflichtigen gegen das Ergebnis der Veranlagung zustehcnde Rechtsmittel. Während bisher jedem Steuerpflichtigen gegen das Ergebnis seiner Veranlagung das Rechtsmittel der Berufung an die Berufungskommission zustand, unterschetdet das neue Einkommensteuergesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 19. Juni 1906 zwischen Steuerpflichtigen mit einem veranlagten Einkommen von nicht mehr als 3000 <At und von mehr als 3000 <M; erstere können ihre Veranlagititg anfechten durch E i n s p r u ch att die Veranlagungs- kommission, letztere durch Berufung an die Berufungskommisfion. Der Einspruch sowohl wie die Berufung sind bet dem Vorsitzenden der Ver- anlagungskommission einzureichen. lieber den Einspruch entscheidet die Veranlagungskommis- sion, über die Berufung die Berufnngskommis- fion. Gegen die Entscheidung der Veranlagungs- kommisfion steht dem Steuerpflichtigen endgültig die Berufung an die Berufungskommission, gegen die Entscheidung der Berufungskommission dem Steuerpflichtigen mit Einkommen von mehr als 3000 <* das Rechtsmittel der Beschwerde an daS Oberverwaltungsgericht zu.
Der in der Steuerzuschrift angegebene Einkommensteuersatz bezieht sich nur auf die Staits- einkommensteuer. Bei Empfang der Zuschrift vermerke der Steuerpflichtige auf ihr bett Tag deS Empfanges, damit er genau weiß, mit welchem Tage die Frist für die Anbringung des Rechtsmittels (4 Wochen) abläuft. Sodann prüfe er, ob er daS veranlagte Einkommen tatsächlich hat oder nicht. Auf das Einkoinmen allein kommt es an, nicht auf den Steuersatz. Wer nichts anderes anzuführen weiß, als daß er früher weniger Steuern zahlte, oder daß dieser und jener nicht so viel Steuern zu zahlen habe wie er, daß er deshalb glaubt, die veranlagte Steuer sei zu hoch für ihn, der sehe von Einspruch oder Berufung gegen die Veranlagung ab, eZ wäre unnütze Mühe. Ebenso derjenige, welcher die zur Begründung deS Einspruchs ober der Berufung dienlichen Tatsachen vorzulegen und unter Beweis zu stellen, nicht in der Lage ist. Sache der Steuerpflichtigen ist es, feinen Einspruch ober seine Berufung ausführlich zu begrün-
Jeder Zentrumsmann ein Zentrumsblatt!
Die Zett muß ein für allemal vorbei fein, daß Anhänger der Zentrumspartei sich mit „farblosen*, sogenannten — aber auch nur sogenannten „parteilosen-, „unparteiischen" oder gar Blättern gegnerischer Patteien begnügen.
Die Reichstags wählen vom 25. Jan. und 6. Februar 1907 haben glücklicherweise wieher einmal volle Klarheit geschaffen. Zeder Reichrbürger weiß heute, zu welcher Partei er steht. Darum also auch klar und unzweideutig für alle Zukunft:
Seher IsnLrrrmsmann ein AenLrumsbkcltt!
Das ZentrumSblatt für den RegierungSbezttk Kassel ist die
»Ktlbaer Zeitung'.
Katffoliten im Neg.wez. Maffei!
Laßt Euch nicht irre machen durch die Probeblätter, welche jetzt wieder mit allen Anpreisungen von der „farblosen", „unparteiischen" «nd „nationalen" Preffe Euch inS HauS geworfen werden!
Laßt Such nicht einfangen mit der hohlen Phrase, daß man die Politik nicht mehr vorn Parteistandpuntte aus betrachten will und nur die objektive Darstellung eines „farblosen" unter dem Deckmantel der „Unparteilichkeit' den Liberal« dienenden Blatter wünscht!
Bedenket,welch' treuer und zuverlässiger Führer Euch die ,Fuldaer Zeitung' im stkeichstagSwahlkarnpfe gewesen ist.
Hinaus also mit den „farblosen" und sog, „unparteiischen" Blättern aus dem katholischen Hause! Jeder katholische Mann halte sein ZentrumSblatt! Der Ernst der Zeiten erfordert es.
Ju den nächsten Tagen gilt es, das Abonnement für das 2. Quartal 1907 zu erneuern, gewinne jeb<r Abonnent einen neuen dazu.
Das Abonnement kostet pro Vierteljahr in Fulda und auswärts (ohne Bestellgeld) 1.50 Mk.
Unpolitische Zeitkäufe.
(::) Berlin, 21. März 1907.
(Nachdruck nicht gestattet.)
Etwas Sonnenschein fft unS hier zu Lande zum Frühlingsanfang befcheert worden; aber sonst ist von der vielbesungenen Herrlichkeit des LenzeS noch nichts zu spüren. Auf der Erde und auf den Menschen lastet noch der Bann dieses außerordentlich strengen Winters. Insofern trifft es sich schlecht, daß in diesem spät erwachenden Frühjahr daS Osterfest schon in den März fällt.
Das Sprüchwort sagt, man müffe die Feste feiern, wie sic fallen. Das ist richtig mit dem Vor- behalr, daß die maßgebenden Gewalten unter Um- ständen auch Feste verlegen können. Gerade in Bezug auf das Osterfest sind seit Jahren schon Bemühungen im Gange, um die kirchliche nub Welt