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Aldaer W Zeitung

MonakbeNage: „

44

34. Jahraang.

Fulda, Samstag den 23. März 1907

JW 69.

Drittes Ntatt

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pflichtig. .

Hinsichtlich der Gebäude gilt als Bruttoein­kommen der Mietwert der eigenen Wohnung und die Mietseinnahmen nach dem Ergebnis des letzt- vergangenen Kalenderjahres.

Zur Beurteilung der Höhe des Mietswertes der eigenen Wohnung ist anzugeben, aus wieviel und was für Räumen die Wohnung besteht.

Der Mietwert eines Grundstücks oder Gebäu­des, welches dem Gewerbebetriebe oder einem an- deren Erwerbszweige des Besitzers dient (z. B. Gastwirtschaft, Fabrik, Lager) darf von dem Steuerpflichtigen bei den Geschäftsunkosten aus Handel und Gewerbe nicht in Abzug gebracht wer- den, folglich kann und darf er auch nicht als Ein- kommen aus Grundbesitz ausgcführt werden.

Für landwirtschaftlich benutzte Grundstücke find in Einnahme zu stellen der erzielte Preis für alle gegen Barzahlung oder auf Kredit verautzer- ten Erzeugnisse aus allen Wirtschaftszweigen, sur Berkaus vor, Vieh, Milch, Eier, Butter u. a„ für die Verleihung von Zugkraft und andren W,rt- schaftsmitteln der Geldwert aller Erzeugnisse, welche zur Bestreitung des Haushalts des Be- sihers, zum Unterhalte seiner Angehörigen, sowie der nicht zum Wirtschaftsbetriebe gehaltenen Hausgenosicn verbraucht sind, der Mietwert der eigenen Wohnung u. a.

" Das landwirtschaftliche Einkommen wird be- rechnet nach dem Durchschnitt der drei letzten Wirtschaftsiahre, wenn eine geordnete Buchfüh­rung dorliegt, liegt solche nicht vor, wird es ge­schätzt nach dem Ergebnis des letztvergangenen Kalenderjahres. „ . ,

Das Einkommen aus Handel und Gewerbe umfaßt den Gewinn aus gewerblichen oder Han- delsuntcrnehmungen jeder Art in Preußen, mö­gen diefelben in großem oder geringem Umfange, fabrif- oder handwerksmäßig betrieben werden.

Führt der Steuerpflichtige Handelsbucher nach Vorschrift des Handelsgesetzbuches, so find die B ii ch e r a b s ch l ü s s e d e r dr e i l e tz t e n G e - schäftsjahre der Berechnung des geschäft­lichen Einkommens zu Grunde zu legen, füfyrt er keine Bücher, so gilt als steuerpflichtiges Einkom­men der im letztvergangenen Kalendcriahr er- zielte, aus der Gegenüberstellung der zahrllchen Betriebseinnahmen und Ausgaben sich ergebende Geschäftsgewinn. . , . .

Zu den Einnahmen gehören insbesondere die für geschäftliche oder gewerbliche Leistungen jeder Art bedungenen oder gewährten Provi- . stonen, Zinsen und sonstigen Gegenleistungen, der erzielte Preis für alle gegen Barzahlung oder auf Kredit verkauften Waren und Erzeugnisse^ der Geldwert der zum Gebrauch oder Verbrauch des Steuerpflichtigen, seiner Angehörigen und der nicht zum Gewerbebetriebe gehaltenen Dienstboten und sonstigen Hausgenossen aus dem Betriebe cntnommneen Erzeugnisse und Waren, sofern die Anschaffungskosten dafür unter den Geschäftsunkosten verrechnet sind.

Die Zinsen des im Handels- oder Gewerbe­betrieb angelegten eigenen Kapitals des Gewerbe­treibenden sind als Teile des Geschäftsgewinns ■ zu betrachten und deshalb nicht bei dem Einkorn- ' men aus Kapitalvermögen, sondern bei dem Ein- ■ kommen aus Handel und Gewerbe zu verrechnen.

Das Einkommen aus Handel und Gewerbe l wird geschätzt nach dem Ergebnis des lctztver- gangencn Kalenderjahrs, wenn der Gewerbetrek-

Dere«t*»rtli*er Schriftleiter:A.wetzier, &S2C9L wochMdeuas«: „Zlluftüette Sonntagszeitung

Ob das Einkommen aus Kapitalien fließt, die in Preußen, in anderen Bundesstaaten oder im Auslande angelegt sind, ist für die Steuer» -flicht ohne Einfluß.

Zu dem Einkommen aus Grundbesitz geboren die Einnahmen aus Vermietung und Selbst- Nutzung von Gebäuden, die Einnahmen aus Ver­pachtung oder Selbstnutzung eigener oder frem- der Grundstücke. Nur das Einkommen aus Grundbesitz, der in Preußen liegt, ist steuer-

Sttomil el Mi Sie LmuilsgW M 6 Wts-AMumisleier.

2. Dar steuerpflichtige Einkommen und seine Berechnung.

|?] Die Ordensniederlaffungen in Preußen.

In der Sitzung des preußischen Abgeordne­tenhauses vom 13. März wurde auch daS Or­denswesen in Preußen besprochen. Statistische Angaben über die Anzahl der Niederlassungen machte Ministerialdirektor von Chappuis, auf die wir ihrer Wichtigkeit wegen näher emgehen.

Den amtlichen Mitteilungen zufolge betrug die Zunahme der Niederlassungen von Anfang 1887 bis Ende 1906 durchschnitt­lich 64 im Jahre. In den 13 Jahren von Ende 1886 bis Ende 1899 wurde eine zahrliche Zunahme von durchschnittlich 65 gezählt. Von Ende 1899, dem Beginn der Amtszeit des Mi­nisters. bis Ende 1906, stellt sich dieselbe Zahl auf durchschnittlich jährlich 62 Niederlassungen. Im Jahre 1906 sind 50 Niederlassungen neu errichtet worden. Ende 1886 waren 746 Nie­derlassungen mit 7248 Mitgliedern vorhanden, während 1899 insgesamt 1594 Niederlassungen mit 20 898 Mitgliedern gezählt wurden Rund 1300 Niederlasiungen, also zwei Drittel sämt­licher Mederlasiungen, sind von ganz klei­nem Umfange. 750 haben durchschnittlich nur drei, die übrigen durchschnittlich nicht über sieben Mitglieder. Von den 1906 bestehenden 2034 Niederlasiungen sind 68 für die Seelsorge. 28 für beschauliches Leben, 15 für Missionsan­stalten (Ausbildung von Missionaren für die deutschen Kolonialgebiete und außerdeutsche Länderi und 96 für höhere Mädchenschulen be- stimmt. Alle übrigen, also 1827,

find charitativen Zwecken

„Bestehe nicht darauf!" bat Lorenz steyeut-fiu, indem er ängstlich vermied, den Taufnamen oer Braut auszusprechen. „Du weißt, daß ich glück- lich wäre, könnte ich bleiben."

Lilian kannte ihren Bräutigam längst, um nicht weiter in ihn zu drinnen. Sie schob Lorenz einen Stuhl hin und setzte sich dann mit gemisch­ten Gefühlen ihm gegenüber.

Lorenz zögerte, Platz zu nehmen, aber daS plötzliche Gefühl der Midigkeit nötigte ihn dazu. Lilian begann zu erzählen, was sieh seit dem letz­ten Besuch Lorenzens zugetragen, welche Bucher sie gelesen, und wo sie Besuche gemacht habe. Dann knüpfte sie ihre Pläne für den Winter an, hielt aber plötzlich inne, als sie sah, wie Lorenz bei ihren letzten Worten noch bleicher geworden llXir,',2)?cin Gott!" rief sie erschreckt, „was ist Dir. Du "stehst mich wie geistesabwesend an, und so schmerzlich, als müßte ich heute abend sterben. . . Ich habe das Recht, zu wissen, was Dich DemtgL

Ohne zu antworten, trat er an das Fenster, um Mut zu schöpfen für den schwersten «chriit seines Lebens. t .,

„Ja, ich bin leidend", .sagte er dann mi. ge­brochener Stimme. „Einem meiner bebst m Freunde ist ein Unglück zugestoßcn, ich ... will es Dir kurz erzählen, und ich bin sicher. Du mit Deinem edlen Herzen wirst ihm Deine Teilnahme nicht versagen." , .. .

Lorenz leitete seine Erzählung mit der Frage an Lilian damit ein: „Hast Du schon jemals da­von gehört, daß Kinder verwechselt oder unter schoben werden? ,, ,.

Eine Reihe von Zufällen ,die ich hier nicht erzählen kann, ließen die Sache lang ein Geheim­nis bleiben, und der junge Mann — das unter» schobene Kind, der Wechselbalg — fand Ausnahme in einer hocha»gesehenen reichen Familie, für deren rechtmäßiges Mitglied er sich hielt. Ja, noch mehr! Er liebte ein gutes, liebreizendes Mädchen und fand Gegenliebe. Kurze Zeit vor

8e$ eigen: Die ein­spaltige petitzeile oder deren Saum 15 pfg. steitamen ole Petitzeile 25 Pfg.; bei wieder» »•langen wird eutspr. Bobalt gewährt.

Satation,druck »

ihrer Vermählung entdeckte der junge Mann den Betrug, den er, ohne sein Wissen und Wollen, zum Opfer gefallen war. Noch wußte er allein um die Sache. Er fragte mich um Rat."

Lorenz hielt inne, den Blick angstvoll aus Lilian gerichtet, die mit ersichtlichem Jnterelse seiner Erzählung gefolgt war. ...»

„O, ich weiß, was Du ihm geantwortet hast, Lorenz! Er solle seine Pflicht tun . . ."

Lorenz schwieg. Lilian fuhr fort: „Du willst es nur nicht sagen, weil es Dich schmerzt.

„Ja", gestand er endlich, „das war mein Rat. Aber denke Dir die Tragweite dieses Schrittes. Ein öffentlicher Skandal in schärfster Form, dem kaum em Eingriff von feiten des Landesfursten die Spitze abbrechen kann! Ein gebrochenes Leben . . Aber er muß das grausame Opfer bringen, seiner Braut die Wahrheit gestehen.

„Die Arme!" warf Lilian voll Teilnahme ein.

„Ja, er mußte seiner Braut sagen: Ich bin ein obskurer Mensch, arm und mittellos, und muß das Leben von vorne anfangen. Das Band zwi­schen uns ist gebrochen — ich bin nicht mehr der, dem Tu einst Hand und Herz zu eigen gabst.

Lilian weinte still vor sich hin. „Und lvaS tat die arme Braut?" fragte sie leise.

„Was hättest Du an ihrem Platze getan?" gab Lorenz die Frage zurück.

„Ich... hätte ihn nach wie vor geliebt", sagt' sie mit zitternder Stimme, „denn er ist es wert. Aber einen obskuren Namen anzunehmen, der in einen öffentlichen Skandal verflochten war, dazu hätte ich den Mut nicht. Aber einen anderen hätte ich doch nie geheiratet!"

Lorenz sah betroffen zu Boden. „Nun, so hm auch die Braut meines Freundes entschieden, sagte er, „und er liebte sie zu innig, um sie von ihrem Vorsatze abzubringen. Aber denke Dir seine Verzweiflung!"

Lilian vermochte nicht zu antworten es war ihr sonderbar zu Mute. Warum ging ihr denn die E^ähluna fo nahe? (Forts, folgt.)

den von der Zunft der Metzger gezogenen „Herr- aott" Am Palmsonntag selbst führte man ihn

Mg Äeitigt, sodaß der Palmesel scht nur noch m sprichwörtlichen Redensarten eine Rolle spE Dazu gehört auch das bekannte Wort vom „Herrgöttle von Biberach".

In München, wie überhaupt in Bayern, konnte man während der 20er Jahre des vori- gen Jahrhunderts den Palmesel in feierlicher Prozession herumführen scheu. Darum versteht man dort noch eher als anderwärts, wenn man einen derb ein „Roß Gottes" nennt oder , wenn man einer Maid sagt, sie se, aufgeputzt tote das Roßlein am Palmsonntag.

. Trotz des Vernichtungskrieges hat sich noch manch hölzerner Palm-Eiel unter das Kirchen- dach geflüchtet, und die Jugend findet ihn dort trotz Schloß und Riegel. Wenn sie dann zu Hause von dem Fund berichtet dann erzählen die Alten, wie man zu ihrer Großvater Tagen mit den Palmen „umgegangen ist und tote mit dem ehrwürdigen „Palm-Esel .

Grabes.

In altertümlichen Sammlungen finden sich noch hier und da hölzerne Palmesel; wir erin­nern uns, eine solche Figur in Basel gesehen zu haben. Indessen stammen diese Palmesel alle erst aus späterer Zeit; die Glaubensspaltung hat mit den Ueberbleibseln aus dem frühen Mit­telalter aufgeräumt.

Feierlich inar die Palmprozession in der ehe­maligen Reichsstadt Biberach in Württemberg. Am Vorabend des Palmfestes stellte man das Christusbild auf dem Esel auf dem Kirchhof auf. Tags daraus führte ihn eine Prozession in em Kirchlein vor dem Tore. Alle Zünfte, die Schul­jugend, die Obrigkeit, die Bürger und der ge­meinsame Mann", die Frauen nut brennenden Kerzen in Laternen, die Geistlichkeit begleiteten

Als Emkornmeu im steuerpflichtige» Sinne gelten die gesamten Jahreseinkunfte des Steuerpflichtigen in Geld und Geldeswert aus:

a) Kapitalvermögen,

b) Grundvermögen, Pachtungen und Mieten, c) Handel, Gewerbe und Bergbau, d) Gewinn bringender Beschäftigung.

Das Einkommen aus Grundvermögen oder aus Handel, Gewerbe und Bergbau außerhalb Preußens ist steuerfrei.

Das Einkommen aus den 4 vorgenannten Einkommensguellen ist streng auseinanderzubal- ten. Ties ist wichtig, namentlich für GÄverbe- treibende und Kaufleute; auch wenn sie ihr ge­samtes Einkommen einheitlich und ungesondert durch ihre Bücher und Bilanzen gehen lassen und es folglich auf Grund des Jahresabschlusses nur summarisch nachweisen können, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als daß sie für die Angabe des steuerpflichtigen Einkommens aus, den einzelnen Einkommensauellen die Geschäftsbilaiizen für sich aufstellen und für den Gewinn oder Verlust aus den drei anderen Einkommensguellen gesonderte Abschlüße Herstellen.

Als Einkommen aus Kapitalvermögen gelten — nach dem Ergebnis des Kalenderjahrs 1906 berechnet — Zinsen, Renten und geldwerte Vor­teile aus Kapitalfordernngen jeder Art. Ins­besondere gehören zum Einkommen aus Kapital- vermögen auch die vereinnahmten Gewinne aus dem An- und Verkauf von Wertpapieren, sowie aus Spekulationsgeschäften.

Handel- und Gewerbetreibende dürfen die Zin­sen des in dem eigenen Betriebe angelegten An­lage- und Betriebskapitals nicht bei dem Einkorn- men aus Handel und Gewerbe tun, da diese Zin­sen steuerlich als Teile des Geschäftsgcwinnes zu betrachten sind.

vertag der $*lbett 2k ttendr rckerei m SulO« zuldaer Geschichtrblätter" »■»

Der Palmsonntag erinnert an den Einzug Ehristi in Jerusalem; baS weiß jeder katholische Christ. Ebenso befannt sind die kirchlichen Bräuche, welche für diesen Tag angeordnet sind. Dagegen wissen viele nichts von den volkstüm- lichen Bräuchen, wie sie in früheren Zeiten am SRalmfonntag üblich waren. Zur Liturgie des Palmsonntags gehört die Palmen»«ihe und die Palmenprozession. Allgemein ist bekannt, wie die Zeremonien gestaltet sind. Anders verhält es sich mit den Palmenprorejfionen m ftüheren

gewidmet. Davon entfallen auf Krankenpflege 1675, auf Kleinkinderbewahranstalten 1087, auf Wagenpflege und Waifenanstalten 251, auf Armen- und Pfründeanstalten 125, auf Ret- tungsanstalten 48, auf Arbeiterkolonien 6, auf Verpflegungsanstalten 153, auf Arbeiter- und Mägdeherbergen 114 usw. Es ist dabei hervor-

das altehrwürdige Schlcß, wo sie bald als Herrin einziehen sollte an der Seite eines geliebten Gat­ten. Wie freute sich die Großtante daraus, ihre Lilian nun immer um sich zu haben. Wie wollte Lilian ihrerseits alles cufbicten, um den Lebens­abend der Großmutter ihres Lorenz zu verschö- nern! An Lady Philomena würde sie eine zweite Mutter finden und vielleicht würde es ihr gelingen, diese dem frohen Lebensgenuß wieder zu geben.

Wie würde sie am Arme Lorenzens durch den Park wandeln, wie mit ihm, vielleicht auch manch­mal ohne sein Wissen, die Armen der Nachbarschaft aufsuchen und ihnen eine Wohltäterin werden.

Die Türe ging auf. Eine Magd meldete die A:ckunft Lord Stapletons.

Wie elektrisiert sprang Lilian auf, aus ihren schwarzen Augensternen leuchtete ungekünstelte Freude.

Ihr Bräutigam trat ins Zunmer. Sein Ge­sicht war bleich, sein Auge blickte verändert, er hatte vergessen, den Neiseanzug zu vertauschem Stumm reichte Lorenz seiner Braut die Hand, enttäuscht wartet sie auf den Willkommgruß.

„Was macht Deine Großmama und die Ma­ma!" stotterte Lilian, ohne eigentlich zu wißen, was sie sagte. „Wie ... kommst Du hierher, ohne vorher mir zu schreiben? Es ist unrecht von Str, mich so . . ."

„Ich mußte in einer unaufschiebbaren wich­tigen Angelegenheit reifen", unterbrach Lorenz die Braut. „Ich komme von München und muß noch heute nach England Weiterreisen."

„Noch heute?" wiederholte Lilian gedehnt und Tränen traten ihr in die Augen.

„Das darfst Tn nicht, Lorenz!" sagte sie. „Ich habe Dich nicht so bald wieder. Papa und Mama würden große Augen machen, wenn ich das täte! Sie werden spätestens zum Mittagessen wied-r f ier fehu . . Habe ich sc wenig Macht über mei­nen Bräutigam? Zudem bist Du müde, ich sehe es Dir an, und es ist meine Pflicht, über Deme Gesundheit zu wachem"

zuheben, daß die verschiedenen Tätigkeiten nicht allein von einer Niederlaflung ausgeubt werden, sondern daß die charitattven Zwecken gewidmeten Orden mehrere Tätigkeiten nebeneinander aus- üb^n sämtlichen Niederlasiungen entfallen 144 auf M ä n n e r o r d e n. Diese zahlen zusammen 973 Ordenspriester, 926 Kranken- Pfleger, 521 Novizen und 1221 Laienbruder. Zum Schluß noch die Angaben über die G e- amtzahl der Ordensmitglieder.

In der

Krankenpflege sind 20 574 Ordensschwestern tätig. Auf die Männerorden entfallen 3641 Mitglieder, wenn auch d,e Laienbruder, Kran­kenpfleger und Novizen hinzugerechnet werden. In den übrigen Tätigkeitsarten der Ordensge­sellschaften als Kleinkinderbewahranstalten, Waisen- und Rettungsanstalten, Verpflegungs­und Mrsorgeanstalten, Mägdeherbergen rc, sind einschließlich der in höheren Mädchenschulen und Missiousanstalten beschäftigten Schwestern etwa 5000 Mitglieder tätig.

Diese Zahlen allein zeigen in aller Deutlich­keit, wie eminent groß die Tätigkeit der katholischen Ordensmitglieder auf charttanvem Gebiete ist.. Wir sind nun begierig zu sehen, welche Aufnahme diese Statistik in gewissen Blättern findet.

Zetten.

Die erste Palmprozession sah die Stadt Je­rusalem; der dortigen kirchlichen Gemeinde lag es ja von jeher nahe, den Tag des Einzugs Christi feierlich zu begehen. Erstmals begeg­nen toir ihr im Jahre 386. Von hier aus brei­tete sie sich dann allmählich bis zum Abendlande aus. Der hl. Isidor von Sevilla beweist uns, daß das Fest bereits im Jahre 636 bei uns be­kannt tixir. Von allem Anfang an war dem Hosanua-Gesang die Weihe und Austeilung der Palmen und die feierliche Prozession zugesellt. In tiefem Dunkel liegt es aber, um welche Zeit ein anderes Wahrzeichen dieser Prozession hin- zugesügt wurde, das indessen zur Zeit wieder verschwunden ist. Wir meinen das Bild der Ese­lin, auf welcher der Messias in seine Stadt ritt, den „Palm-Esel". Die ersten Anfänge zeigten sich in Augsburg. Schon im zehnten Jahrhun­dert, zu Zeiten des hl. Ulrich, spielte er daselbst eine Rolle; er hielt sich standhaft durch viele Jabrbunderte, fast bis in unsere Zeit hinein. In der'kirchlich-offiziellen Sprache wurde die Palm­sonntag-Prozession im „hohen Dom" des gro­ßen Augsburger Bischofs nicht anders genannt als: „Die Prozession mit dem Bildnis des Herrn, der da sitzt auf einem Esel".

Der fromme Brauch fand seine Förderung namentlich durch die klösterlichen Nie­derlassungen. Es ist im Mittelalter aud vorgekommen, daß ein Prälat ober Bischof sechs sich auf die Eselin setzte und mit der Prozession einherritt. Von einem Bischof von Halberstadt geht wenigstens solche Kunde. Auch aus der Mitte des 18. Jahrhunderts erzählt ein Jerusa­lem-Pilger, daß rs damals in der heiligen Stadt noch Brauch gewesen sei, daß der Pater Guardian alljährlich am Palmsonntag eine Eselin bestieg und in die Stadt ritt bis vor die Kirche des hl.

Grüne Augen.

Roman »en Dr. F. X. Eß.

28] (Nachdruck verboten.)

„O Gott," stammelte er zu dem gestirnten Nachthimmel empor, „raube dem Kinde den Glau­ben au die Mutter nicht! Nimm mir alles, Ka­men, Ehre, Reichtum, daS Leben — nur die Ach­tung und den Glauben an die nicht, die mich ge­boren hat!" . t rax ,

Langsam schritt Lorenz weiter, der Glaube an die Mutter hielt ihn aufrecht. Stumm ragen die schwarzen Häupter der Riesen des Hochgebir­ges gen Himmel, leise rauschen die Blätter der Bäume, von ferne tönt das Plätschern des Dorf- baches herüber, näher rücken die Umrisse der Schindeldächer Höchbergs, Lorenz steht vor dem Gasthause. Still wie die Nachbarhäuser liegt das „Eichhörnchen" da, geborgen im Gottesfrieden der Nacht.

Sorenj will die Ruhe des Hauses nicht stören, er geht auf den Kitzchhof zurück, das Herz ist ihm zum Zerspringen voll. Es drängt chn, das Grab des Brüderchens nochmals zu sehen und dort tm Gebete Trost und Dergesien zu suchen. Bald aber machen Jugend und Erschöpfung ihre Rechte gel­tend und Sterne leuchten milde herab auf den iuugen Mann, der auf dem Grabe des Bruders eiiigesck'lafe.i ist.

Emst hatten beide in demselben Bettchen fried­lich neben einander geschlafen.

9.

Papa und Mama waren ausgegangen, Lilim war allein. Sie saß am Klavier — es war das Geschenk der Großtante in Stapleton zu ihrer ersten hl. Kommunion — und phantasierte. Es war ein Uebersetzen ihrer Gedanken in Töne.

Immer wieder schweiften die Gedanken der Braut hinüber über den trennenden Kanal in