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Rotationsdruck u. Verlag der Inldaer Ac» tirndr rckerei in $ulba. 8«rnsprecher Nr *>-
JW 65.
Fulda, Dienstag den 19. März 1907.
34. Jahrgang.
l Konfetration und Inthronisation ' -er hochwürdigsten Herrn Bischofs Vr. - Joseph Damian Schmitt.
s (C Fulda, 19. Mätz 1907.
> Das Fest des hl. Joseph wird zukünftig in der ' Diözese Fulda den Vorzug genießen, der Jahrestag = der Bischofsweihe ihres neuen Oberhirten zu sein. ) Gestern, am Vorabend des hohen Festtages, wurde die Feier durch Glockengeläute eingeleitet. Jubelnd 1 riefen es die Glocken der Kathedrale hinaus in die Lande, daß der Tag der Bischofsweihe ge- ? kommen, und mit kräftigem Schalle stimmten in I diese Freude die Geläute der übrigen Kirchen ein.
Festesstimmung legte sich über die altehrwürdige Bonifatiusstadt und hielt ihren Einzug in die , Herzen der Diözesanen, denen mit der heutigen \ Weihestunde vom Allgütigen wieder ein Nach- ' folger der Apostel, einer aus der auserlesenen , Schar jener beschert worden ist, die der hl. Geist aesetzt hat, die Kirche Gvttes zu regieren.
> Heute früh von 6 Vs—7 Uhr verkündete feier» | liches Glockengeläuts noch einmal, daß die Stunde nahe, in der an unseren Bischof die göttliche । Sendung ergehen sollte.
Die' Paulusprornenade hatte durch duftiges ■ Tannengrün ein freundliches Festaewand erhalten, | das durch eine mit dem bischöflichen Wapp°n geschmückte Ehrenpforte gekrönt wurde. Den Domplatz säumten zahlreiche durch Guirlanden verbundene Flaggenmasten, an denen buntfarbige Wappenschilder angebracht waren. Der reiche Fahnenschmuck der Häuser bekundete auch äußerlich die Festfreude der Bürger. Die Stadt wies großen Fremdenverkehr auf. Nach den unbeständigen stürmischen vorhergegangenen Tagen zeigte heute der Htmmel ein freundliches Gesicht und lachender Sonnenschein begrüßte den festlichen Tag.
Schon am frühen Morgen sah man festliche Scharen die Stadt durchwandern mit dem eine., Ziele: Zum Domplatz, zur Kathedrale! Ibn Vs8 Uhr versammelten sich die Teilnehmer des Festzuges vor und in derStadtpsarrkirche, der Klerus im Dome; auch die Ordensgeistlichen vom Frauenberge und aus Hünfeld hatten sich zu der Feier eingefunden. In großer Anzahl waren die hochw. Herren Geistlichen aus allen Teilen der Diözese eingetroffen, um dem Weiheakte beizu- wohven; diejenigen aber, welche nicht erscheinen konnten, vereinigten sich mit ihren Gemeinden im innigen Gebete für den neuen Oberhirten. Am Festzuge beteiligten sich außer den Honora- lioren, dem Magistrat und Stadtverordneten- kollegium die im Programm erwähnten hiesigen Schulen und Vereine. Diesen voraus gingen Fahnendeputationen katholischer Vereine aus verschiedenen Teilen der Diözese, u. a.: Der kathol. Gesellenverein von Eckweisbach, die Männer- und Arbeitervereine von Bockenheim, Neuhof und Künzell rc. Die Wege, die der Festzug nahm, waren von Zuschauern dicht besetzt. Die äußere Ordnung wurde durch die Schutzmannschaft, Gendarmerie itnb Feuerwehr aufrecht erhalten.
Bald nachdem die Kauieerare ihre Psorteu geöffnet, füllten sich ihre weiten Hallen mit einer sehr zahlreichen Menge, um an der erhabenen Feier teilzunehmen. Die Ordnung int Dome hatten die Hellebardiere und die Freiwillige Feuerwehr übernommen. In den reservierten Bänken nahmen Platz: Als Vertreter der preuß. Regierung Herr Oberpräsident v. Wind- heim, als Vertreter des Großherzogs Sachsen- Weimar Herr Geheimrat v, Göckel. Ferner Ober-Präsidialrat Dr. Mauwe, Geheimer Ober-Regierungsrat Dr. Pähler (Direktor des Prov. - Schulkollegiurns) und Ober-Regierungs- rat Fliedner aus Raffel. Die Herren Landräte Spr ingorum- Fulda, Freiherr v. Dörnberg - Gersfeld, Valentiner - Schlüchtern, v. Trotha-Hünfeld, und v. Saoigny-Büren, ferner Graf Hutten-Czapski waren erschienen. Als Vertreter der oberrheinischen Diözesen waren zugegen die Domkapitulare Dr. Otto- Freiburg, Dr. Her ter»Rottenburg und Dr. Selbst-Mainz sowie Regens Dr. Herr und Domdechant Hilpifch-Limburg, als Vertreter des Bonifatiusvereins, Gras Hermann Stolberg. Die Landgräfin von Heffen und die Fürstin von Isenburg-Büdingen nebst ihren Töchtern und Gefolge hatten sich ebenfalls zur Feier eingefunden.
Die Banner der Korporationen und Vereine, hatten zu beiden Seiten des Mittelschiffes Aufstellung genommen.
Begrüßt von feierlichen Orgelklängen zogen die Hochwürdigsten Herren unter dem Baldachin in den Dom. Nachdem das Ecce sacerdos magnus verklungen war, begannen gegen 8 V* Uhr die erhabenen und feierlichen Zeremonien der Konsekration, die der Hochwürdigste Herr Bischof Willi von Limburg genau nach den Vorschriften des römischen Pontifikate vornahm, wie wir sie unseren Lesern in der letzten Samstagsausgabe ausführlich be- chrieben haben. Das feierliche Pontifikalamt verherrlichte der Chor des Priesterseminars, Dirigent Herr Proseffor Dr. Schreiber, in exzellenter Weise. (Das ausführliche musikalische Programm haben wir in der gestrigen Nummer
veröffentlicht.) Daran schloß sich die feierliche Inthronisation des neuen Bischofs, d. h. die nach den Canones erforderliche Einsetzung in sein Amt. Nach dem feierlichen Ita missa est stimmte der neugeweihte Bischof das Tedeum an, das vom Chore der Alumnen fortgesetzt wurde. Während dieser herrlichen Lobeshymne durchschritt der neue Oberhirte die Kathedrale und spendete zum erstenmale den Gläubigen den bischöflichen Segen. Das war ein tiefergreifender, ein heiliger Augenblick, da die große Gemeinde niederkniete, um in Andacht den Segen ihres Oberhirten zu empfangen. Auf den. Throne nahmen Se. Bischöflichen Gnaden sodann die kanonische Huldigung der Mitglieder des Domkapitels und der übrigen Geistlichkeit entgegen.
Zur hohen Freude der versammelten Gläubigen ergriff dann der Hochwürdigste Herr Bischof Joseph Damian das Wort zu folgender herzlichen Ansprache:
„Vota mea Domino reddam in conspectu omnis populi eins ... in medio tni Jerusalem.“
„Meine Gelöbnisse will ich dem Herrn entrichten im Angesichte seines ganzen Volkes... in Deiner Mitte, Jerusalem." Psalm 115, 9, 10.
In Christo geliebte Diözesanen I Nach dem Empfange der hl. Bischofswcihe hätte ich lieber mich zurückgezogen, um in andächtiger Stille Gott zu danken und seine Gnade zur Erfüllung der hohen Pflichten zu erbitten. Allein, wenn jeinals, so erwartet ihr heute von mir den Dienst des Wortes, der mir als eine der vornehmsten Obliegenheiten übertragen ist. Ich darf mich auf drei Worte beschränken: ein Wort lobpreisenden Dankes, ein Wort zuversichtlichen Vertrauens, ein Wort opferfreudiger Hingabe.
Geliebte Diözesanen! Als die Apostel am Pfingstfeste den hl. Geist empfangen hatten, drängte es sie hinaus aus dem Saale, um laut zu erzäblen die Großtaten Gottes. Was das Pfingstfest den Aposteln, hat heute die Konsekration zrim Bischof mir gebracht: Großes hat an mir der Herr getan. Nicht hinblickend auf meine Schwachheit und Niedrigkeit, hat er meiner sich erbarmt, um aus dem Staube emporzuheben den Armen, ihn zu erheben zum Hirten seines Volkes, seines Erbteils, das er erkauft hat mit seinem Blute. — „Was soll ich also dem Herrn vergelten für alles, was er heute an mir getan" (Ps. 115, 3), „Preise, meine Seele, den Herrn, und alles was in mir ist, seinen heiligen Namen" (Ps. 102, 1).
So drängt es mich jubelnd auszurufen, wenn ich der großen Gnade gedenke, die sich aus dem Füllhorn des hl. Geistes heute in meine Seele gesenkt hat. Wenn ich jedoch des Rufes gedenke, der mit dieser Erhebung verbunden ist, wenn ich betrachte das Werk, das der Herr mir auflegt, dann möchte ich immer wieder ausbrechen in die Worte des Propheten: „Herr, ich vernahm deinen Ruf, und fürchte mich; ich schaute dein Werk, und schrak zusammen". (Habak. 3, 2.) Denn groß und niederdrückend ist die Bürde des Bischöflichen Amtes. Allein, tote so vieles gibt cs auch, das die Last mir erleichtert. Ich erinnere mich der Mitglieder des hohen Domkapitels, die durch Gottes Vorsehung in der Regierung und Verwaltung der Diözese mir an die Seite gegeben sind, Männer von treuer kirchlicher Gesinnung, deren Erfahrung ich aus langjährigem gemeinsamen Zusammenwirken kennen gelernt, in denen ich zum Teil ehemalige Lehrer dankbar verehre. Ich sehe vor mir einen Klerus, aus dem wohl niemand mir ganz unbekannt ist, Männer, zu denen ich in der Jugend voll Achtung aufgeblickt, oder deren Eifer ich in gemeinsamer Arbeit kennen gelernt, oder olche, die ich zum Priestertum vorbereiten durfte. Wie hebt den Bischof ein Klerus, den kirchliche Wissenschaft und solide Frömmigkeit auszeichnet. Ich gedenke des guten christlichen Volkes der Diözese, an dem noch jüngst Kardinal Kopp in öffent- sicher Versammlung die einfache aufrichtige Frömmigkeit rühmte, und in dem Volke eines gläubigen, von der hehren Aufgabe des christlichen Erziehers durchdrungenen Lehrerstandes. Vertrauen weckt auch in mir das Bewußtsein, daß die staatlichen Autoritäten meinem Amte wohlwollende Unterstützung werden angedeihen lassen, wie ich noch gestern abend aus dem Munde Sr. Erzellenz des Herrn Oberpräsidenten vernommen habe. Wie bin ich dankbar für diese Worte! Mut weckt in mir der Hinblick auf die Einmütigkeit des gesamten Episkopates und seiner Einheit mit dem obersten Hirten der Kirche, eine Einheit, wie sie noch selten in der Kirchengeschichte zu verzeichnen war. — Es gibt Augenblicke, es gibt Lagen — ihr kennt sie aus Erfahrung, ehrwürdige, Priester —, in denen menschliche Klugheit, moralische Hülfe versagt. Auch für solche Augenblicke, die auch mir nicht erspart werden, will ich nicht verzagen, ermutigt durch die Worte des Herrn, des Stifters der Kirche: „Siehe, ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt." (Matth. 28, 20.) Wie schrak doch einst Petrus zusammen, als Stürme ihn umtosten, da er auf den Wogen wandelte! Und wie setzte er unerschrocken seinen Fuß in die heidnische Stadt Rom mit all' ihren Greueln, um in ihr einen Thron geistiger Herrschaft aufzurichten zur Rettung der Seelen. Es war das Wort Christi, das ihn aufrecht hielt und ihm übermenschliche Kraft verlieh. Auf dieses Wort vertraue auch ich, und will ich vertrauen.
Und so darf ich denn opferfreudig mich dem Herrn und seinem hl. Dienste weihen. Er allein kennt die vielen Gnaden, die er mir erwiesen hat seit dem Tage, da er zum erstenmale die Sehnsucht nach seinem Altäre in die jugendliche Brust senkte bis zu dem gegenwärtigen Augenblicke, da er mich setzte auf den ehrwürdigen Stuhl des hl. Sturmius, als Wächter am Grabe des großen
lllustrissimo ac Reverendissimo Domino
JOSEPHO DAMIANO
PASTOR MYSTICUS.
Episcopo nec non aetatem,
Fuldensi hoc die festo Consecrationis onomastico fausta quaeque, plurimam firmamque valitudinem, dona mortalis vitae potissima adprecor!
urgit fausta dies nobis: fas plaudere cives, Annuit ecce Deus votis, fas reddere grates, Terrigenum Primus vestris succurrere fatis Excupiens, vigilem viduata ad pascua mittit Pastorem, pulcro cingit quem candida serto Virtutum praeclara cohors, quemque omine laeto Signatum Omnipotens summo respexit .olympo, Illius e placido ut niteat nova gratia vultu Cernite; quam sollers quod rectum novit et aequum, Nil laudes hominumque minas, nil dona moratus, Decernat, faveatque bonis et damnet iniquos, Illius adsistunt lateri, comitesque sequuntur Consilium, dubiisque vigil prudentia rebus. Quin adeo nullo titulorum cupidus amore Ingenuos servat mores animumque modestum, Supplicibusque Deum votis, mortalia corda Devincire sibi ut possit, lacrimisque fatigat. Plurima num maneant Pastorem dura laborum ? Vires sufficiet virtus, prostemere pugnet Seu scelerum pestes, patriumque fugare sub orcum, Seu caveat pecori insidias, quas horrida tendunt Monstra, ovium plerumque humilem similantia formam; Sive aris senimu tergat, templisque nitorem Restituat, juvenumque sacra inter septa coronam Crescentem instituat doctrina ac moribus aureis. Sed quid plura meis educam carmina chordis? Expectate adsis, Pastor sanctissime, neve ülterius desiderio Te subtrahe plebis, Commissus grex ille tibi suspicia fundit;
Te pia virgo rogat, supplex rogat ipse sacerdos Praesidii expertes dudum quos angit amaror, Te pueri, atque senes, viduae innuptaeque puellae, Teque rogant inopes, quos tristis torquet egestas: Afibre namque malis per Te solatia sperant.
Eja age, rompe moras; jam tandem limina templi Ingredere, et sacris redimitus tempora vittis Scande aras, tollensque manus mortalibus aegris Incipe *dona Dei signo impertire salutis, Indiciis certis ut quae grex optima nuper De Te praecepit, properes atque omina firmes.