LrsSrint tSglich, mit ansr.abme der Lonn> unö.Seiedage viertel- jähit. Bezugspreis ohne vringerlahn unb Veilellgetdin5«>daund auswärts 1 AN 50 Psg-
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Sotstionrdruck u. Verlag der SiilOatr 2k» tieudr tckerei in Sui6a.
Zerrsprecher Nr 9.
JV8 62.
Fulda, Freitag den 15. März 1907.
34. Jahre ang.
Irveites WLcrlt.
a. Aus dem Reichstage.
Der erste Vizepräsident des Reichstages, Herr P a a s ch e, ist „ein nervöser und heftiger Herr, der bei Sturmszenen seine Gelassenheit nicht behält". So schreibt über ihn ein Blockblatt. Er faßt seine Stellung so auf, als wäre erdesFürstenBü- l i) lv e r st e r K a m m e r d i e n e r, der nichts auf seinen Herrn kommen läßt. Wenn es nach ihm ginge, dürften die Abgeordneten den Reichskanzler und seine Maßnahmen nicht einmal mehr kritisieren; dazu haben sie aber unzweifelhaft ein Recht. Da ist ein Vorgang aus alter Zeit interessant. Es war im Jahre 1864. General v. Roon war Kriegsminister und W irde bei einer Militärdebatte persönlich gegen die Landboteu. Bockum-Dolfs präsidierte. Er verbat sich die b e- le idi gende Kritik. Der Kriegsminister erwiderte, daß der Präsident kein Recht habe, an einem Minister die Disziplinargewalt auszuüben. Dieselbe erstrecke sich nur auf die Ab- geordneten. Bockum-Dolfs unterbrach General b. Roon, als er in derselben Weise fort- fuhr und liefe sich von dem Saaldiener seinen Hut bringen, den er aufsetzte — worauf der Minister seine Rede schließen mußte. Es war ihm allerdings dabei ein Malheur passiert. Der Diener hatte einen falschen Hut gegriffen, der viel zu groß war. Bock um- Dolfs setzte ihn erregt auf und sein halbes Gesicht verschwand unter dem Zylinder. So wahrten Präsidium und Landboten die Rechte des Hauses. Heute ist man bei den Liberalen anderer Ansicht. Ueberhauvt herrschen im Reichstage jetzt eigentümliche Be- griffe über das Recht des Hauses. Fürst Bülow zieht es vor, durch Abwesenheit zu glänzen. Die Reichsboten bringen ihre Beschwerden gegen ihn vor — die Antwort geben seine Räte. Und doch ist der Reichskanzler der alleinige Verantwortliche. Vor 40 Jahren dachte man auch darüber anders. Die Abgeordneten ließen sich damals eine solche Behandlung einfach nicht gefallen.
Es war in dne sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Graf Lippe war Justizminister und hatte dem Hause eine Gesetzesvorlage eingebracht. Der Präsident Grabow schritt zur Beratung. Am Ministertische fehlte Graf Lippe. Da erklärte Freiherr Vincke, damals Vincke-Hagen, daß die Abwesenheit des Ministers des Hauses Brauch beleidige und er forderte die Landboten auf, dasselbe zu verlassen. Mann für Mann, mir Ausnahme der wenigen Konservativen, folgte man ihm. Die Sitzung wurde geschloffen. Am anderen Lage war Graf Lippe zur Stelle.
Der „Kladderadatsch" widmete damals diesem Vorfall folgende Verse:
„Da würd' v. Vincke zornig sehr Wo ist er?
Der das Gesetz uns vorgelegt, Der M i n i st e r I
Das tut des Hauses heil'gen Brauch Beleidigen!
Was er uns vorgelegt, soll er auch Verteidigen!"
):( Umrdritkn wtii StaMuf riiuj Schiff».
Von O. B o l j a h n.
Die meisten unserer verehrten Leser, die von einem Stapellauf lasen, z B. von dem des vor nicht langer Zeit fertig gestellten Doppelschrauben- Srhnelldampfers „Kronprinzessin Cecilie", haben
Grüne Augen.
Roman von Dr. F. 3E, Eß.
21j (Nachdruck verboten.)
Der Großvater war außer sich vor Freude. „Wie wird es um diese zwei kleine Leutchen heute über zwanzig Jahre stehen?" fragte er Philo- meNe. „WaS wird das Schicksal ihnen bringen? Soll das Baby", wandte er sich dann in seiner Freude an den Enkel, „einmal Deine Frau werden?"
Zur allgemeinen Heiterkeit nickte der zukünftige Bräutigam und klatschte dann freudestrahlend in die Händchen.
„Nun, was denkst Du von dem Plane, Ellen?" neckte der Lord die junge Mutter. „Lord Lorenz wurde gar keine schlechte Wahl treffen."
Philomene errötete, Ellen reichte ihr die Hand Über den Tisch hinüber. „Ich bin vollständig einverstanden", sagte sie. „Aber Onkel, sagen Sie nicht Lord Lorenz; Sie müssen es noch erleben und den Kindern Ihren Segen geben."
Der Lord schüttelte de» Kopf. „Ich bade jetzt siebenzig Jahre auf dem Rücken, und verschiedene Anzeichen sagen mir, daß ich auf die große Reise gefaßt sein mufe. Ja, wenn ein Mann in diesen fahren zwei Söhne zu Grabe tragen muß, bann chird ihm die LebenSvder unterbunden; mein Lorenz — er streichelte zärtlich den kleinen Blond-
•Ü konnte wohl meine Jahre verlängern, Awt aber das Geschehene ungeschehen machen. Wir sind nun eben bei einander", fuhr der Greis rn seierlrchein Tone fort, „da kann ich noch mehr sagen. Philomene, versprich mir, Deine Mutter nie zu verlassen, und Du, Ellen, der Witwe meines Sohne« stet? eine liebevolle Schwester zu Meiben!"
Ellen» Augen füllt,n sich mit Tränen: sie Vollste an jenen Abend in der Schloßbibliolbek.
schwerlich eine Vorstellung davon, welche gewaltige Arbeit erforderlich ist, um so einen „Ozeanriesen" mit seinem ungeheuren Gewicht von 35 000 Zentnern im nackten Rohbau für den Stapellauf fertig zu stellen.
Die schwierigste Arbeit ist das „Unterbringen des Ablaufschlittens". Dieser besitzt bei dem Schiff „Kronprinzefsin Cecilie" die ungeheure Länge von 190,6 Meter und besteht aus riesigen Balken, die zu zwei Bahnen zufammengesetzt sind. Die einzelnen Balken sind durch starke Taue mit einander verbunden, während die Bahnen unter dem Schiffskörper hindurch von starken Stahltroffen ober Stahltauen zusammengehalten werden.
In den Balken befinden sich schwere eiserne Bolzen, die mit Ringen versehen find, durch die mittels Stahltrossen der Schlitten am Schiff befestigt wird, sodaß zwischen Schiss und Schlitten eine durchaus sichere und feste Verbindung besteht. Am Hinteren Ende des Schiffes, wo die Wellen- hosen (Umhüllungen der Schraubenwellen) aus dem Schiffskörper heraustreten, sind natürlich noch besondere Unterstützungen angebracht durch starke Holzklötze, deren Verbindung mit dem Schlitten besondere Ailfmerksamkeit erfordert. Am Vorder- enbe des Schlittens wird unter dem Schiffskörper hindurch eine der Schiffsform entsprechend gebogene, sehr starke eiserne Platte untergelegt. Der so bergestellte Ablaufschlitten hat ein Gewicht von ungefähr 12 400 Zentnern. Der Schlitten selbst liegt auf einer Gleitbahn, die eine Steigung von etwa 55 Millimeter auf 1 Meter hat.
Eine zweite Arbeit, die viel Aufmerksamkeit und Pflichttreue erfordert, von der überhaupt das ganze Gelingen des Ablaufes abhängt, itnb die so recht deutlich zeigt, von welch hoher Wichtigkeit oft auch die scheinbar einfachste, ja, oft bespöttelte Arbeit ist, ist das „Unterbringen des Ablauffettes". Bei der Zusammensetzung desselben ist zu beachten, daß es nicht körnig wird, daß es aber auch großen Fettgehalt haben muß, um de» Schiffskoloß besser gleiten lassen zu können. Ans diesem Grunde nimmt man reinen Rindertalg dazu. Es ist ferner darauf zu achten, daß durch das riesige Gewicht, welches auf dem Schlitten lastet, das Fett nicht an den Seiten des Schlittens herausgepreßt wird. Zu diesem Zwecke muß das Fett genügende Härte bekommen. Dies geschieht dadurch, daß »man der Mischung Parafin zusetzt.
Um das Schiff endgültig zum Stapellauf fertig zu machen, ist es nötig, den Schiffskörper von den sogenannten Kreuzstapelungen, auf denen er bis zum Ablauftage ruht, frei zu legen. Das wird dadurch erreicht, daß man zwifchen die Längsteile des Schlittens Holzkeile in großer Anzahl hineintreibt, wodurch der Schiffskörper aufgekeilt wird und so die Stapel herailsgenommen werden können.
Nun liegt das Schiff zum Ablauf klar. Um aber ein vorzeitiges Ablaufen zu verhindern, müssen in den Schlitten selbst verschiedene Hindernisse eingebaut werden, die erst im letzten Augenblick vor dem Ablauf beseitigt werden. Vorn in der Nähe des Stevens werden Sandsäcke unter den Schlitten gebracht, die im geeigneten Zeitpunkte aufgeschnitten werden, so daß der Sand frei her- ausläuft.
An verschiedenen Stellen zwischen Schlitten und der Bordwand der Gleitbahn sind kleine Holzkeile eingeschoben, an bereit Steife befestigt sind, durch welche man die Keile herausreißen kann.
Mehr nach dem vorderen Ende des Schlittens liegt zu beiden Seiten noch eine Bremse. Diese besteht aus einem großen Balken, dessen eines Ende in einen Vorsprung des Schlittens hinein- greift, während das andere Ende gegen die Ab- laussrichtung, durch Blöcke und Flaschenzüge sest- gemacht ist. lieber diesem Tauwerk hängt ein Fallbeil, welches auf ein gegebenes Signal hin herunterschlägt und bas Tau zerschneidet, fodaß
wo sie Jesko das gleiche Versprechen gegeben hatte.
„Wozu solche düstere Gedanken, herzliebster Onkel!" entgegnete Ellen „Du siehst heute fo gut aus, wie schon lange nicht mehr."
Der Lord beachtete den Einwurf seiner Nichte nicht und wandte sich an seine Tochter. „Ich er» inarte, Philomene", sagte er ernst, daß Du ans Lorenz einen ehrenhaften Mann machst. Aber nun fing uns ein Lied, bitte!"
Philomene stand auf, übergab den Täufling seiner Mutter, trat auf den Lord zu und küßte ihn auf die verwelkte Stirne. Dann setzte sie ich an das Klavier und begann zu präludieren.
„Gold'ne Abendsonne, wie bist du so schön!
Nie kann ohne Wonne deinen Glanz ich seh'n", 'etzte sie dann mit ihrer harmonischen Stimme ein. Es war, seit Philomene im Schlosse weilte, dies einfache Liedchen ein Ohrenschmaus für bett Lord geworden, und auch heute lauschte er mit 'ichtlichem Behagen dem Gesänge der Schwiegertochter.
Als diese geendet, bot sich allen ein seltsamer Anblick dar. Der Lord war über dem Liede eingenickt, den Frieden der Seele auf dem Antlitz. Aus seinem Schoße saß Lorenz, das eine Aermchen um öen Hals des Großvaters geschlungen. Fast urchtsam schmiegte er fein blondes Köpfchen an die Brust des Großvaters.
Ellen deutete auf die liebliche Gruppe,' den Zeigefinger an die Lippe legend.
Mau verzog sich leise, um den Großvater nicht zu stören. Klein Lorenz hatte aber bisher ich als ein so guter Gesellschafter des Lords bewiesen ,daß feine Anwesenheit allein genügte.
Eine halbe Stunde später trat Lady Stapleton leise in das Zimmer. Klein Lorenz schlief an der Brust des Großvaters. Die Großmutter wollte nun beide zu ihrem gewohnten Spaziergänge im Park abholen. Sie drückte einen Kuß auf die Stirn des Gatten, tvich aber mit einem Schrei des Entsetzens zurück: die Stirn des Lord» war eiskalt.
der Balken zurückschnellt und bas Schiff nunmehr gänzlich frei liegt. (Auf der Werst in Bremen zerschlägt stets bei Schiffbau-Oberingenieur dieses Tau selbst durch einen gewaltigen Axthieb. )
Gegen den Vordersteven ist noch eine hybrauliche Presse von herkulischer Kraft aufgestellt, deren Druck genügt, schließlich bas Schiff in Bewegung zu setzen.
Alle diese Vorkehrungen, bei denen es sich also nur um einen Ablauffchlitten handelt, müssen getroffen werden, wenn das Schiff in der Längsrichtung vom Stapel läuft. Nun gab es aber früher Werften, z. B. die durch ihre vielen Kriegsschiffbauten berühmte Werft, „Aktiengesellschaft Weser", die wohl ein genügend langes, sich am Stromcsufer entlang ziehendes Terrain hatte, das aber nur eine geringe Tiefe aufweisen konnte, weshalb die Schiffe dann nicht längs, sondern quer vorn Stapel laufen mußten. Das war ein allerdings weit interessanterer Anblick, aber auch ein viel gefährlicheres und schwierigeres Manöver, denn allein schon für den Ablauf eines „kleinen Kreuzers" gehörten nicht weniger als 14 Ablauffchlitten, statt des einen bei der Längsrichtung. Und alle 14 Schlitten mußten genau so peinlich und gewissenhaft behandelt werden, tote der eine. Statt des einen Fallbeiles toaren dann 14, deren Fall alle von dem Durchhauen eines einzigen Taus abhing, was dann auch der betr. Oberin- genieur durch einen Beilhieb erledigte.
Zum Aufhalten oder Abstoppen des Schiffes dienen zunächst zwei kolossale Vorder- ober Buganker, die in dem Augenblick mit ihrer schweren langen Kette in die Tiefe rasseln, too das Schiss no chan mächtig langen und starken Stahltauen befestigt, die allmählich nachgegeben werden und schließlich das Schiff zum Stillstand bringen.
vermischter.
* Wie Gras Häseler ei» Frühstück gab. Der frühere Kommandant des Metzer Armeekorps, Graf Häseler, erfreute sich in den Reichslanden einer ungewöhnlichen Popularität, ja er stellt für das ganze Deutsche Reich eine Gestalt dar, die sich allgemeiner Volksbeliebtheit erfreut. Diesen Ruhm zu fördern, ist jetzt in Metz ein hübsches Buch „Graf Häseler-Anekdoten", gesammelt, und herausgegeben von Friedrich Sporledet, erschienen. Wir entnehmen dem amüsanten Merkchen die folgende Episode: Ein Häselersches Frühstück. Die Enthaltsamkeit und Diät des Grafen Häseler ist sprichwörtlich geworden. Was ein Häselersches Frühstück bedeutet, mögen die folgenden Zeilen erzählen. Von Berlin aus war ein königlicher Prinz zur Teilnahme an einer Kavallerieübungsreise int Bereiche des 16. Armeekorps abkommandiert Beim Empfange in der Wohnung des Grafen Häseler wirb er vom Kommandierenden auf verschiedene Einzelheiten aufmerksam gemacht und nimmt schließlich die Freiheit, den Grafen zu einem Frühstück int Grand-Hotel einzuladen. Der Gras nimmt an, und bei der Verabschiedung bittet er, als Revanche das Frühstück bei der Hebung am folgenden Tage stellen zu dürfen..— Die Königliche Hoheit nimmt ahnungslos an. Am Nachmittag ergeht an alle Teilnehmer die Mitteilung, daß der Kommandierende bei der Hebung ein Frühstück servieren läßt, daß die Herren sich deshalb mit diesem für den Kriegsfall nebensächlichen Ballast nicht zu beladen brauchen. Der Prinz tear ein starker Esser, wie es fast alle Hohenzollern sind und waren. Die Hebung hatte einen sehr länglichen Charakter, und der Prinz wurde hterhin und dorthin gesandt, als ob er ein ganz gewöhnlicher Dragoner sei. Was er seit langem nicht gehabt hatte, stellte sich ein: Hunger: Erst ein lenes Ziehen in der Magengegend, dann aber gebärdeten
Lorenz erwachte bei dem Schrei der Großmutter und versuchte den Lord zu wecken — umsonst! Der Lord war der scheidenden Abendsonne des Liedes nachgegangen und rvachte nicht mehr auf.
Nach einer durchwachten Nacht voll Jammer und Schmerz saß Philomene am anderen Morgen am offenen Fenster. Sie war unfähig, einen anderen Gedanken zu fassen, als den, daß der Tod nun schon zum fünften Male in der verhältnismäßig kurzen Zeit ihres Lebens ein Lücke in ihr Dasein gerin'cu, eine u nausfüllbare.Lücke. Sollte wirklich ein Teil der Menschheit von der Ewigkeit zum Unglück vorherbeftimuit fein?
Der Eintritt des Söhnchens gab ihren Gedanken eine andere Richtung. Lorenz sah sehr- bleich drein; die Gouvernante hatte ihn weit unten un Parke gesunden, too er Großpapa suchte, nach dem er ohne Aufhören im weinerlichen Tone fragte.
„Milady, Lady Stapleton 'wünscht Lord Lorenz zu sehen!"
Philomene schauderte zusammen. „Einst wirst Dir Lady Stapleton und Dein Sohn Lord sein!" hatte ihr einst Heinz ins Ohr geraunt.
„Ihr werdet Gott gleich fein!" hatte einst Heinzens Lehrmeister seinem Opfer zugeraunt.
An beide Verheißiingen dachte Philomene in diesem Augenblick.
Wie die Zeit vergeht! Jahr um Jahr rinnt hinab in das unergründliche Meer, der Ewigkeit, ohne daß der Mensch sich dessen bewußt wird. Alljährlich erneut sich die Erde; Frühling, Sommer, Herbst und Winter beginnen den gewohnten Kreislauf von neuem, und doch bleibt die Erde etoig jung.
Wir sind um achtzehn Jahre vorgerückt. Schloß Stapleton steht immer noch, der wuchtige Back- sleinbau. Auch der Park ist noch vorhanden, nur daß einige der Banin riefen, die der Zahn der Zeit bis in5 Herz hinein augeuagt hatte, jüngeren „Strebern" weichen mußten. Auch das konservative Fuhlen der Nachbarschaft ist noch dasselbe, nur daß ha und dort einiac holle Schornsteine rau-
sich die Gedärme tote bissige Schlangen. Es stellte sich ein Wolfshunger ein, der nur durch die Aussicht auf das zu erwartende splendide Frühstück auszuhalten war. Auch den anderen Offizieren ging es ebenso. Königliche Hoheit zog alle Augenblicke die goldene Nepetieruhr, aber Graf Häseler ließ sich durch das feine Schlagen der Hhr nicht stören. Die Sonne stieg hoher und höher, der Schatten der Nase fiel senkrecht auf den Mund — ein Zeichen, daß die Mittagsstimde her- annahte. Der Prinz hielt verzweifelte Ausschau nach dem Proviant, sah aber nichts. Aber er tchlmfül auch Hohenzollern können fdjlvcigen. Endlich stoppt der unermüdliche Graf ab. Die Herren steigen ab, stehen im Kreise herum, jeder wartet innerlich voll Hngeduld auf baj Frühstück. Endlich kommt eine Stabsordonnanz, welche zwei große Satteltaschen voll bepackt am Gaule hängen hat. Er öffnet und verteilt an jeden Herrn eine in Seidenpaier gehüllte Kugel, ein anderer Soldat gibt jedem Herrn ein sauber blinkendes Glas voll Waffer. Als die Herren die Seidenpapier- hülle lösten, kam ein einziger, schöner, rotbäckiger Apfel heraus. Mit einem nicht toiederzngebenden Gefühl betrachteten die Offiziere dieses Frühstück. Gras Häseler aber begleitete feine Einladung mit den Worten: Die Verminderung des Gepäcks muß mit der Selbstzucht Hand in Hand gehen. Für Königliche Hoheit habe ich zwei Aepsel mitbringen lassen. — An das Häfelersche Frühstück dachte der Prinz noch, als er bereits wieder in Berlin war.
* Ein Ehedrama in drei Anzeigen. Aus Jena iir.rb berichtet: Folgendes Ehedrama in drei Aufzügen spielte sich dieser Tage im Inseratenteil eines hiesigen Blattes ab. Erster Akt. (Er): „Warne hiermit jedermann, meiner Fran etwas auf meinen Namen zu borgen, da ich für nichts auffomme." Zweiter Akt. (Sie): „Nach den vielen Brutalitäten während unseres Zusammenlebens hätte sich mein bisheriger Mann diesen letzten hämischen Angriff ersparen können. Er trifft wich nicht mehr, und die von mir bereits eilige- rettete Scheidungsklage wird vollends Klarheit zwifchen uns schaffen." Dritter Akt. (Er): „Ich muß in dieser Angelegenheit berichten, daß es unwahr und eine Beleidigung für mich ist, daß ich brutal gegen meine bisherige Frau gewesen sein soll; aber mancher Manu würde sie brutal behandelt haben für ihr gemeines Benehmen gegen mich, indem sie mir bei jeder Gelegenheit ihre Zunge entgegenstreckte, soweit es ihr nur möglich war. Auch hat sie selbst nach mir geschlagen und mir dann noch die Worte (unter Beisein von Zeugen) entgegengeschleudert: „Es ist doch eine Schande für einen Mann, wenn er sich von seiner Frau schlagen läßt!" Dieses ist meine letzte Erwiderung, das andere findet sich." Damit fiel der Vorhang, denn „Sie" verzichtete — es ist verwunderlich und spricht jedenfalls zu ihren Gunsten — auf das letzte Wort.
Nettame«- lutb Auzeigekrtei!
Märzrnstauh und Miirzenjchme tun nicht, teic die Bauernregel sagt, tute Korn dLjw und Weinstock weh — die schaden auch den XJB' Menschen und wer nicht vorsichtig ist, etFältet --sich: er hunet, ist Heger und verschleimt A der ganze Organismus leidet. Maa n ug sich KipäB af,ö vorsehen uu» FayS achte Lodener Mmeral- nCJSt Pastillen zur Vorbeugung und Belampsung ------immer zur Hand haben. Wer'S noch nicht er- probk hat. mache einen Versuch — die Zchachtel kostet ja nur hä Psg. lieber«U erhältlich. Nach- XJr ahruungen weise man zurück.
chen und in anstoßenden Fabrikräumen ein geschäftiges Völkchen herumhantiert.
Es ist Dezember. Ein blauer Himmel wölbr sich über dem Schloß, die Luft ist kalt, aber rein. Der Juwelier Winter, wie er in einem Kinderliebe genannt wird, hat die vielen Zweige und Aeste der Bäume mit Eiskrusten und feinen Schneekristallen überreich verziert, und die Helle Dezembersonne bricht sich in denselben wie in ebenso geschliffeneil Edelsteine».
Ein Schlitten glitt lautlos die Schloßhalle hiuaii. Munter trabten die zlvei gutgenährten Rößlein im Schnee dahin, das Schellengeklingel klang volltönend in den klaren Morgen hinein, und die drei Jnsaffen des Schlittens suchten mit freudig erregten Blicken schloß Stapleton, das Ziel ihrer Fahrt.
Das junge Mädchen im Schlitten band den weißen Schleier vom Gesichte ab, um einen freien Ausblick zu haben.
„Du erkältest Dich ganz gewiß, Lilian!" toarnte die besorgte Mutter.
„Ach nein!" wehrte Lilian ab. „Ich muß das Schloß sehen, too Du als Mädchen gelebt hast."
Die ältere Dame — es ist Lady Ellen — tvandte sich an ihren Gatten. „Ich bin sehr aufgeregt, Roderich!" klagte sie. „Wir haben so lange unsere Lieben nicht gesehen. Meinst Du nicht auch, daß Tante Stapleton sehr gealtert ist? Hnd Philomene? Ailch an ihr wird die Zett nicht spurlos borübergegangen sein. Sie schrieb mir unlängst, wie Du ja weißt, Lorenz fei sehr kräftig geworden und habe sich geistig über alles Erivarten gut entwickelt."
„Ich glaube dieses gerne," ließ sich Roderich vernehme!«. „Lorenz hat die Anlagen seines Vaters geerbt, und nur feine schwächliche Natur hat i st, immer so still und bescheiden gemacht. Dn^erinnerst Dich, Ellen, wie er als Stuttgarter Studiosus bei jeder Gelegenheit wie ein schüchterner Backfisch errötete! Na, seither ist et wohl männlicher geworden."
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