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Wochenbeilage: „Illustrierte Zonntagzzeitllng" Monatsbeilage: „Fuldaer Geschichtsblätter"

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Rotatien$6tnd n. Verlag der xnldaer Ar« tiendr nkerei in Sn Iba.

.Serrfpte 1?et Nr 9.

Fulda, Donnerstag den 14. März 1907.

34. Jahraana.

M 61.

Erlies Wlatt.

a. (Eine (Erinnerung an windthorst.

Wieder jährt sich der Tag, an dem vor nun­mehr 16 Jahren unser unvergeßlicher Führer Windthorst uns durch den Tod entrissen wurde. Da möchten wir an einen Zug auS seinem Leben erinnern, der uns den großen Mann in seiner ganzen Selbstlosigkeit zeigt und ihn uns noch sympathischer macht.

Der Kaiser von Oesterreich, Franz Joseph, hat ihn, der Verwalter der Güter seines Mündels, des jungen Fürsten von Thurn und Taxis, zu sein. Das Jahresgehalt betrug 100 000 Mark und ent­sprechende Pension für seine Familie bei seinem Tode.

Windthorst war nicht reich und mußte bis zu seinem Tode als Jurist seinen Lebensunterhalt, neben der großen Tätigkeit für das Zentrum, sich verdienen.

Ehe Windthorst dem Kaiser von Oesterreich antwortete, wandte er sich an zwei aus Preußen Verbannte Bischöfe und bat sie zu einer Bespre­chung in Privatangelegenheit nach einem Grenz­ort. Er richtete dort an sie die Frage:

Balten Sie es für meine Pflicht, als Katholik, L.. Drrwaltung der fürstlichen Güter mit jährli­chem Gehalte von 100 000 <M abzuweisen, oder glauben Sie, daß ich es mit meinem Gewissen als Katholik Vereinen kann, es anzunehmen?"

Die beiden Bischöfe zogen sich zur Beratung ;zurück und kamen wieder mit der Antwort: „Ihre ' Pflicht als Katholik ist auszuharren, wo Sie sind!" Windthorst schrieb an den Kaiser von Oesterreich und lehnte das Anerbieten dankbar ab.

So erzählte der Abgeordnete Dr. Lieber den Vorfall in einer Rede auf Windthorst.

Der „Vorwärts", das Hauptblatt der Sozial­demokraten schrieb damals:

„Die Anekdote aus dem Leben Windthorst's ist wahr. Die „Perle von Meppen" (Windthorst) war, was immer man von der Parteistellung denken mag, durch und durch lauter. E s g a b keinen selbstloseren Charakter, und dies hat ihm die hohe Achtung und Sympathie verschafft, die er noch heute bei allen Parteien genießt. Er, der Besieger Bismar ck's, starb arm wie eine Kirchenmaus, wäh­rend Bismarck, der, als er Minister wurde, arm war wie eine Kirchenmaus, heute (1897) seine Millionen nach Dutzenden zählt."

Wer steht höher, der selbstlose, arme Windt­horst oder der eigennützige, reiche Kanzler Bis- marck?

Deutsches Reich.

Berlin, 13. März 1907.

♦ Die heutige Sitzung des Reichstages wurd noch mit der Besprechung der Interpellation Hompesch.Bassermann betr. die Strafpro- zeß«Resorm ausgefüllt, obwohl eS von den sogen. Mehrheits-Parteien anders beabsichtigt war. Nach- dem nämlich die Abgeordneten Dr. Müller- Meiningen (freis. Volksp.), Dr. Roth (Wirt­schaft!. Verein.), Dove (sreis. Verein.) Miecz- kowski (Pole) und Varenhorst (Reichsp.) ge­sprochen hatten, beantragte der Block Schluß der Debatte. Vizepräsident Dr. P a as ch e läßt darüber abstimmen, das Bureau ist zweifelhaft, so erfolgt der Hammelsprung, und siehe da: die Mehrheits- Parteien sind in der Minderheit! Darob natür­lich allgemeines Gelächter. Nachd.m dann noch eine ganze Reihe von Abgeordneten zum Worte

Grüne Augen.

Roman von Dr. F. L. Eß.

20 J (Nachdruck verboten.)

Lady Mapleton hielt inne, sich die Tränen t.u§ den Augen wischend und wie traumverloren -.i die Ferne starrend. Dann wandte sie sich plötz­lich an die Schwiegertochter.

„Was Ihren Sohn erster Ehe angeht, liebe Tochter", sagte sie im Tone der Treuherzigkeit, „wie gerne hätten wir ihn auch hier gesehen I Jesko hat ihn auch wie seinen eigenen Sohn ge­liebt. Wir hätten dann zwei Söhne gehabt, und er wäre wie unser eigener Enkel behandelt worden."

Diese Versicherung schnitt Philomene tief ins Einerseits fühlte sie sich dadurch ermutigt, ihren Schwiegereltern die Wahrheit zu gestehen. Oder würde« sie etwa doch anders handeln, als eben Lady Stapleton angedeutet hatte, wenn sie

Wahrheit erführen? •

! Andererseits klang Heinzens Drohung der Un- alücklichen wieder ins Ohr, und sie schauderte vor den Folgen deS beabsichtigten Schrittes zurück.

Heinz blieb noch volle vierzehn Tage im Schlosse. Sei« Aufenthalt bedeutete für die Sckwester ebensoviele Ewigkeiten voll Oual. Aber auch nach der Abreise fand sie den Mut nicht, die Wahrheit zu gestehen und sie verschob dies Tag um Tag, Woche um Woche, die nötige Kraft und den Mut von oben erhoffend. Eine Art Sühne sur ihr Zaudern und die Unwahrheit ihres Be­nehmens war der Umstand, daß sie die Schwere ihrer Sünde von Tag zu Tag drückender em­pfand.

Und doch konnte sie sich immer noch nicht zu der sittliche« Höhe aufraffen, zu der ihr durch die vaterbaltung mit Lady Stapleton am ersten Tage die Wege in so herzgewinnender Weise geebnet pwben waren. Sie fing an, in sophistischer

gekommen waren, fanden zum Schluffe stürmische Szenen zwischen der konservativ-liberalen Minder­heit und den Sozialdemokraten statt, die ihren Ursprung in derAeußerung desAbg. Dr. Wag­ner-Sachsen (kons.) hatten, daß in Sachsen die Arbeiler zu Geschworenen nicht herangezogen wer- den könnten, da die Arbeiter sozialdemokratisch verhetzt seien. Dies stellte der Abg. Singer (Soz.) alS eine unerhörte Beleidigung der Ar- beiterschaft durch die neue Mehrheit des Reichs­tages hin. Natürlich fühlten sich hierdurch die Freisinnigen, welche doch zu der Mehrheit sich rechnen, getroffen und schickten den Abg. Mül­ler-Meiningen vor, der dem Abg. Singer In- finuation und Verleumdung an den Kopf schleu­derte. In diesen Krastausdrücken ging es bis zum Schluffe durch die Abgg. Stadthagen (Soz.), Heine (Soz.) und Bruhn (Deutsche Resormp.), der dem Abg. Stadthagen jüdische Verdrehungskunst nachsagte, fort.

* In der Budgetkommission des Reichstages kam bei der Beratung des Marineetats das Unglück, das die französische Marine be­troffen hat, zur Sprache. Auf eine Anfrage, ob das neue Pulver nicht auch bei uns ein ähnliches Unglück verursachen könne, erklärte Staatssekretär von Tirpitz, die Einrichlungen in unserer Marine seien derart getroffen, daß nach menschlichem Er- meffen eine solche Besorgnis unbegründet sei. Der Marineetat, der in seinem Extraordinarium sich ja innerhalb des genehmigten Flottenpro­gramms hält, gab wenig Anlaß zu Erörterungen und wurde ohne Aenderung bewilligt. Die Kommission erledigte weiter den Etat der Reichseisenbahnen. Beim Etat des Reichs­schatzamtes führte die schon beim Etatnotgesetz kurz erörterte Frage der Schahanweisungen und des Reichszuschusses an die Bermsgenoffen- schaftcn noch einmal zu einer längeren Aussprache. Verschiedene Redner, insbesondereAbg. Müller- Fulda (Ztr.) sprachen sich gegen die Schrtzan- weisungen auS; der Schatzsekretär verwies wieder­holt auf die ungünstigen Geldmarktverhältniffe, die notwendige Rücksichtnahme auf den Diskont. Schließlich wurde auf Antrag des Abg. Dr. Wirmer (srs. Vp.) anstelle von 200 Millionen Mark, wie im § 4 des Notgesetzes vorgeschlagen wird, nur 150 Millionen Mark der Schatzver­waltung als Anleihevollmacht bewilligt.

* Zur Hebung der Lage der unteren und mittleren Post- und Eisenbahnbeamten haben bekanntlich die Zentrums-Abgeordneten Müller-Fulda, Gröber und Speck im Reichstag einen Antrag gestellt, anstatt der durchaus unzu­reichenden von der Regierung vorgeschlagenen außerordentlichen Beihilfen von je 30 Mark für das Jahr 1907 den unteren Beamten eine ein­malige Teuerungszulage von je WO M. und den mittleren Beamten eine solche von je 150 Mark am 1. April 1907 auszuzahlen und dafür die erforderlichen Mittel durch das Notgeietz zu be­willigen. Diesen Antrag begründete Abgeordneter Müller-Fulda in der Budget kommission mit dem Nachweis, daß seit 10 Jahren nichts für diese Beamten geschehen sei, seitdem seien jedoch nicht allein alle Lebensmittel und sonstige Be- darssartikel sowie Wohnungsmi.sten gestiegen, sondern auch alle anderen Arbeitslöhne seien seit- dem um mindestens 20 Prozent erhöht worden, und sür die kleinen Beamten sei ni^s geschehen. Es sei jetzt ein unabweisbares Bedürfnis, dieser sJlollage abzuhelfen; er bitte deshalb die Ver-

Weise mit dem guten Engel in ihrer Brust zu verhandeln.

Die Wahrheit könnte dem Lord das Leben kosten redete sie sich vor. Habe ich ein Recht da­zu? Darf ich ihm die letzte Illusion, die ihn noch aufrecht hält, rauben? Und dann, habe ich als die angetraute Gattin feines Sohnse nicht das Recht, hier zu sein, und das ureigenste persönliche Recht, die Rechte dieser Stellung mit irgend je­mand zu teilen? Warten wir also ab, bis die Vorsehung selbst eingreift. Wenn dann Kärt­chen . . . Lorenz das einzige noch ist, das Lady Stapleton nicht mehr ohne den Knaben sein kann, und sie wird dann auch billigen, daß ich ihr mit Rücksicht auf den Lord die Wahrheit so lange der- schwiegen habe. Und Heinz wird bis dahin ande­ren Sinnes werden und seine Drohungen nicht verwirklichen.

In dieser Art schläferte Philomene die Stimme des Gewissens in ihrer Brust ein, aber sie fand dabei die ersehnte Ruhe des Gemüts und den Frieden eines reinen Herzens nicht. Dies zeigte sich, als sie zum erftenmale am Sarge Jeskos in der Familiengruft betete. Ter Schmerz um den Toten und das Bewußtsein der Schuld stürmten mit vereinter Wucht auf sie ein, so daß ihr der Lord in Sorge um ihre Gesundheit verbieten mußte, die Gruft wieder zu besuchen. Sie selbst begann sich zu Haffen. Sie hielt sich unwürdig, in der Erinnerung an Jesko und die kurze Zett chres Eheglücks Trost zu suchen, und die Gegen­wart ihres Kindes wurde ihr zur Pein. Der wahre Enkel, so klagte sie sich an, schläft in der Ferne verkannt und vergessen, unter dem arm- lichen Hügel den ewigen Schlaf, während der . . Wechselbalg hier seine Stelle einnimmt. Wie wenn das unschuldige Kind einst für die Schuld der Mutter büßen müßte?

„Mehr Freude ist im Himmel über einen Sün­der, der Buße tut, als über 99 Gerechte, die der Buße nicht bedürfen."

So hat einst der Stifter unserer heiligen Reli­gion selbst gelehrt, und er war ja die Wahrheit.

tretet der Regierung, diesen Forderungen gegen­über sich nicht ablehnend zu verhallen. Die liberalen und konservativen Redner bekämpften den Antrag und wollten nur einer Resolution zustimmen, die den Wunsch ausfpricht, die Regierung möge sich mit einer solchen Unterstützung einverstanden erklären. Da­mit wäre jedoch den Beamten nicht geholfen, da das Reichsschatzamt bereits erklären ließ, es erkenne zwar eine Notlage an, jedoch müsse man in Bewilligungen vorsichtig fein. Angesichts des großen Defizits und der großen Kosten, welche durch die Kolonien, insbesondere Südwefiasrika, herbeiqeführt werden und die Reichskasse schwer belasten, ist dies ja auch erklärlich. Die Dis­kussion über den Antrag dauert noch fort; allem Anschein nach wird die konservativ-liberale Mehr­heit den Antrag des Zentrums in der Kommission ablehnen. Gleichwohl wilder im Plenum des Reichstages doch wieder eingebracht werden. Dort scheint eine Annahme eher noch zu erwarten sein, zumal doch manche liberale und konservative Abgeordnete Bedenken tragen dürften, den kleinen Beamten anstatt des Brotes einen Stein zu gewähren.

* Das Zentrum hat zur zweiten Beratung des Reichshanshaltsetats folgende Resolution eingebracht:

Der Reichstag wolle beschließen, die verbündeten ^Regierungen zu ersuchen, die bestehende Porto­vergünstigung sür Postsendungen an Personen des Soldatenstandes auch auf die den eigenen Be­darf betr. Po stsendüngen von Personen des Soldateustandes in die Heimat auszu­dehnen.

Ferner zum Etat der Reichspost- und Tele­graphenverwaltung : Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, zu veranlassen:

1) Daß die Bearbeitung der M a s s e n a u f» lleferun gen von Dru cksachen bei der Post an den Vorabenden von Sonn- und Feiertagen mit dem gewöhnlichen Schalterschluß endigen und bis zum nächsten Werktage ruhen, 2) daß die Annahme- schatter für Postauflieferungen an den V o ra b end e n aon Sonn- und Feiertag en früher als bisher geschlossen werden.

♦ „Es zahlt ja blos das Volk!" Die Darmstädter Bank, an welcher der jetzige Ko- lonialdireklor D er n bürg im abgelaufenen Jahre noch Direktor war, hat, wie bekannt, ihren Geschäftsbericht herausgegeben. Mit keinem Worte denkt sie ihres ausgetretenen Di­rektors, mit keiner Silbe dankt sie ihm. Man merkt, sie sind froh, daß sie ihn los sind, denn er war ein „Draufgänger" und bat ihnen einige Sachen einaebrockt, an deren Besserung seine Nachfolger arbeiten müssen. Der ,Bayer. Kuriert bemerkt dazu:

„Warum soll ein Bankdirektor, der sein Unternehmen dem Bankerott zuzuführen auf dem besten Wege war, nicht unsere Kolonien re­gieren und heben können? Hier lassen sich ja Dattelpalmenhaine von ungeahnter Ausdehnung mit einem Schlage aus dem Wüstensande zaubern, bei der Bank aber dürfen derlei Phan­tasten keine Rolle spielen, denn hier tragen dir Aktionäre die Verluste, bei den Kolonien aber zah It blos das Volk!"

Jedenfalls darf man, weil „blos das Volk" zahlt, den Wunsch hegen, daß die Entschieden­heit , mit welcher Dernburg zweifellos die Initiative hinsichtlich der nötigen Reformen in der Verwaltung der Kolonien ergriffen bat, mit

Und an diese seine trostvollen Worte dachte nun die Arme — oder sie dachte auch nicht daran, aber et, dessen eingeborener Sohn diese 93er- heißung der armen Menschenkindern verkündigt hatte. Er sah in das Herz der Unglücklichen, wo die Reue eben leise anskeimte, kaum dem Ange sichtbar, dem Herzen selbst noch unbewußt, und er gab diesem Herzen einen ersten Trost: Philomene betete.

„Lorenz" entwickelte sich gegen der Mutter Erwarten besser, körperlich wie geistig. Dir „Großeltern" waren darüber glücklich, und beson­ders der Lord, der infolge des vielen Kummers jetzt fast ständig ans Zimmer gefesselt war, lieh den „Enkel" nie von sich.

Philomene zeigte sich dafür auf alle nur er- denkliche Weise dankbar. Sie bot alles auf, um dem kranken Lord das Leben zu erheitern. Sie erzählte von Jesko, von ihren gemeinsamen Rei­sen, von den glücklichen Tagen ihrer Ehe, und als dann der Lord immer mehr in sie drang, jbm das Lied zu singen, das sie an jenem ihr unß?r- geßlichen Abend im Fuggerschen Hause in Stutt­gart gesungen hatte, da war auch der Anfang ge­macht, wo ihre prachtvolle Stimme neues Leben in die öden Räume des Schlosses zauberte.

Sie selbst lebte unter den behaglich gestalteten Verhältnissen nicht auf. Von Tag zu Tag ging ihre Gesundheit mehr zurück, wozu die fortwäh­renden Geldforderungen des genußsüchtigen Bru- ders, stets mit den stereotypen Drohungen beglei­tet, das Ihrige beitrugen.

Aengstlich folgte die Schloßfrau der Gestaltung der Dinge. Sie suchte die Schwiegertochter zu zerstreuen, indem sie mit ihr in den Schlössern der Nachbarschaft Besuche machte und deren Gegen­besuche empfing. Sie veranstaltete Alisfküge mit Philomene zu Fuß, zu Wagen und zu Pferde, und der Lord kaufte für sie ein prachtvolles, lammfrommes Reitpferd, da er, 5er Landwirt und bis vor wenigen Jahren leidenschaftliche Reiter, wohl wußte, wie gerade für seelisch Leidende ein

der erforderlichen Vorsicht gepaart sein möge, damit Über diesen Schmerzenskindern des Reiches m der Zukunft auch einmal ein glücklicher Stern leuchte.

.'. Das Ministerium der öffcntüdjeu Ar­beiten veröffentlicht im ,Staatsanzeigert Grund­sätze für das Verfahren bei der Annahme von Arbeitern und die Arbeiterfürsorge-Ein­richtungen der der Herstellung und dem Aus­bau von Wasserstraßen. 'Die Grundsätze beziehen sich auf Verfahren zur Fernhaltling schlechter Elemente, Erleichterung des Zuzugs geeigneter Arbeitskräfte, Fürsorge sür Unterlunst, Verpflegung, Seelsorge und gesundheitliche Für­sorge, Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs, Be- lehrung und Unterhaltung, Einrichtung von Ar- beiterausschüssen und Förderung der Spar­samkeit.

Der Duellgegner welcher, rote bereits berichtet, den Hauptmann aus Zerbst in einem Duell erschossen hat, ist nunmehr bekannt. Es ist nicht ein Berliner Apotheker, sondern der Hauptmann Pachaly, bisher vom ostpreußischen Grenadierregiment Rr. 3, jetzt beim Infanterie­regiment Rr. 78. Die Veranlassung zum Duell war die Frau des Erschossenen.

Aus Dem Reichstage.

17. Sitzung vom 13. März 1907.

Eröffnung 1% Uhr:

Das zweite Zusatzabkommen zum i nter na­tionalen Uebereinkom men über den Eisenbahnfrachtverkehr vom 14, Ok­tober 1890 wird ohne erhebliche Debatte in 1. und 2. Lesung erledigt.

Fortsetzung der Interpellationen Hompesch > (Ztr.) und Saffermann (nl.) betr. Strafpro­zeßreform.

Abg. Dr. Muller-Meiningen (f. Bp.): Die freiheitlichen Bestimmungen Süddeutschlands in Bezug auf die Preßvergehen dürfen der Reform nicht geopfert werden. Leider hat der Staats­sekretär sich über die Zahlung von Diäten an Schöffen und Geschworene völlig ausgeschwiegen. Auch hat er nichts über die Beseitigung des un­moralischen Zeugniszwanges gegenüber Redak­teuren gesagt. Auch eine gründliche Reform des Eideswesens ist notwendig. Der Eidesztvang für Dissidenten ist in keiner Weise mit unserer Ge­wissensfreiheit und Toleranz vereinbar. Hebet die Immunität der Reichstagsabgeordneten muß endlich auch größere Klarheit geschaffen werden. (Sehr richtig!)

Staatssekretär des Neichsjustizamtes Dr. Nie- betbing: lieber die Fragen, die der Abg. Dr. Muller angeregt hat, kann ich mich noch nicht aus­sprechen. Es muß erst die Strafprozeßreform selbst fertig vorliegen. Zu dem Beschluß des Reichstags, den Schöffen und Geschworenen Diä­ten zu gewähren, hat der Bundesrat noch keine Stellung genommen.

Abg. Dr. Barenhorst (Np.): Wir legen vor allem auf die Einführung der Berufung gegen Entscheidungen der Strafkammern und auf die Schaffung großer Schöffengerichte Gewicht.

Abg. Dr. Nieckvwski (Pole): Auch wir for­dern vor allen Dingen die Einführung der Be­rufung gegen Urteile der Strafkammern. Weiter verlangen wir, daß Mittel und Wege gefunden werden, durch welche die vollständige Unabhängig­keit der Richter in politischen Prozessen gewähr­leistet wird. Endlich müssen wir fordern, daß die in den polnischen Landesteilen tätigen Richter der polnischen Sprache mächtig sind. (Beifall b. d. Polen.)

Spazierritt in der frischen Luft eines der besten Heilmittel ist, um sie an ihrem Hinbrüten zu ver­hindern. So befahl et denn, da er selbst nur äußerst selten mitreiten konnte, dem Philomene begleitenden Reitknecht, möglichst viel Galopp- reiten zu üben.

Der Erfolg blieb nicht aus. Philomenens Ge­sundheit kräftigte sich allmählich^ und als.nach Monatsfrist Ellen einem herzigen Mädchen das Leben schenkte, konnte Philomene die Pflege der Wöchnerin ohne alles Bedenken in ihrem ganzen Umfange übernehmen. Sie saß stundenlang an der Wiege der Kleinen und fang die deutschen Wiegenlieder, die sie aus der Jugend herüber- gerettet hatte. Wer sich am meisten darüber freute und ihr diese Liebe mit Liebe vergalt, war die Schloßfrau. Es war ihr nicht entgangen, daß sich Roderich Philomene gegenüber etwas zurück­haltend zeigte: als er aber sah, wie sie sich seines Töchterchens annahm und ihm die Lieder sang, die auch an des Vaters Wiege einst gesungen worden waren, da gedachte er seiner Mutter, und die Schranke zwischen ihm und Philomene fiel, und Lady Stapleton freute sich darob am meisten.

Heute machte Ellen den ersten Ausgang. Die Schloßbewohner versammelten sich vollzählig in der Schloßkapelle, wo der Pfarrer des Kirchspiels die Taufe des Kindes vollziehen sollte. Philomene trug den Täufling.

Nachdem die heilige Handlung vollzogen war — das Kind erhielt den Namen Lilian — war Gratulationscour im Speisesaale. Lord Staple­ton saß in seinem großen Armstuhle aus gepreß­tem Leder, zur Linken neben sich den Enkel, wie gewöhnlich.

Philomene brachte dem Lord den Täufling zum Kusse. Als dann Philomene auch ihrem Sohne dos Wickelkind zum Kusse hinhielt, da er­griff der galante kleine Mann das zarte Händ­chen des Täuflings und drückte einen schallenden Kuß auf dasselbe.

(Fortsetzung folgt.)