Srfdehrt tag! ich, mit »usnahme der Sonn« wnbStieilöge Vierteljahre veznaspreis ohne vringerlohn und venellgeld in $ulba und auswärts l RN 50 PfS-
verantwortli-er SchristtritertA-wehIer; für »i« Mnjttgtn: z. parzeler in «inlda
8u!öaerMZeitung
wochenbeilage: „Illustrierte Zonntagrzeitung" Monatsbeilage: „zuldaer Geschichtzblatter"
« »i e i g t n: Vie einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 pfg. Reklamen ?ie Petitzril« 25 pfg.; bei Wiederholungen wird enlspr.
Rabatt gewährt.
Rotati ans druck u, Verlag der.«uldaer Ac» tiendr tderti in «{Mlba.
ZernspreHer Rr 9.
M 59.
Fulda, Dienstag den 12. März 1907.
34. Jahrgang.
Zweites MKrtt
sollte gegen den feit" doch durch schützt sein:
Das Zentrum
Dorwurf der „Vaterlandslosig- seine ganze Vergangenheit ge-
Partei mit der Sozialdemokratie in einen Topf zu werfen und ihr dos Kainszeichen der Reichsfeindschaft aufzudrücken, und ihr antinationale Arroganz (Anmaßung) vorzuwerfen. Es kommt einem vor, als wolle er sich schadlos halten für das erzwungene Wohlwollen, das er dem Zentrum gegenüber so lange zur Schau getragen hat.
Das Zentrum läßt sich durch all diese Verdächtigungen in der pflichtmäßigeir Sorge für das Wohl des Vaterlandes nicht beirren: es wird nach wie vor nationale Arbeit leisten, es wird sich aber auch das Recht nicht nehmen lassen, selber darüber zu urteilen, was national ist. Es wird nicht blindlings mit der Negierung durch dick und dünn laufen und alle Regierungsforderungen für Soldaten, Schiffe und Kolonien mit Hurra genehmigen, sondern unter Umständen auch so frei sein, der Regierung ein Nein ins Gesicht zu sagen. Die Abgeordneten sollen
keine parlamentarische Bediente, sondern gleichberechtigte Ratgeber und Mitarbeiter der Re- gierung sein.
„Lächerliche Phrase!" höhnte Heinz. „Was für ein kostbarer, diebessicherer Schatz doch nicht so em gutes Gewissen ist. Nur schade, daß man da- von nicht leben kann! Und den eigenen Bruder würdest Du kalten Blutes ans Messer liefern? Na, allerliebst? Ich bin sa ein Verbrecher, aber lch spekulierte noch nie auf Notpfennige der Armen, an denen ihr saurer Schweiß klebt: ich bin auch fein Bankier, der unter der Maske eines ehrlichen, angesehenen Mannes Hunderttausende um ihren letzten Heller betrügt. Was kann ich denn dafür, daß die heutige Zeit das Geld zum Gott gemacht hat, dem die Welt int Staube Weihrauch opfert? Soll ich ettoa davon eine Ausnahme ma- chen? Doch wozu die Zeit vertrödeln! entweder oder! Wenn Du nicht willst, wie ich will, so soll der Lord erfahren, daß fein Sohn die Schwester eines — Diebes geheiratet hatte."
„Schweig!" rief Philomene empört dem Bruder zu. „Wir deckten den Betrag, bevor die Sache bekannt wurde."
„Gut! Aber bann wähntet Ihr mich in Asien: ich saß in Italien im Zuchthaus wegen Einbruchs! Hättest Du Zeitungen gelesen, so hättest Du mci- nen Namen gefunden. Der Prozeß hat damals viel Aufsehen gemacht."
„Du lügst!" schrie die Kranke.
„Nun, ich kann es Dir schwarz auf weiß und von der Behörde bestätigt beweisen. Auch der Lord wird es erfahren. Hei, wie freundlich wird er dann die Schwiegertochter ans Herz drücken' Und wie tröstlich muß es der letzteren sein, zu wissen, daß der Schatten ihres Bruders sich auf ihren Lebensweg legt, bis die Welt weiß, welch' feiner Familie die künftige Lady Stapleton an- gehörte!"
„Teufel, der Du bist," stöhnte Philomene und :iel machtlos auf die Kissen zurück. Unwillkürlich chloß sie die Augen, um das verzerrte Gesicht des Bruders nicht mehr zu sehen, den der Fürst der Finsternis schon so weit in seiner Macht hatte,
Matthäus Schiestl. Zil den bekanntesten jungen Meistern der Malerei gehört Matthäus Schiestl, dem die feinschmeckerischen Kenner und das schlichte Volk gleichmäßig ihre Gunst zuweisen. „Wenn irgend einer, so ist Schiestl ein Maler-Poet; er ist inwendig nickt nur voller Figuren, sondern auch inwendig voller Ideen, die bildneriichen Ausdruck suchen und finden." Mit diesen zutreffmdeir Worten charakterisiert den Künstler Dr. Max Eittinger, der im 6. Heft (1. März) der allgemeinen Kunstzestichrift ,Die christliche Kunst' einen längeren Artikel über ihn veröffentlicht. Dem mit feinstem Verständnis und wissenschaftlicher Genauigkeit veriaßten Text sind 27 tadellos ausgesührte Reproduktionen nach Gemälden und Zeichnungen Sckiestl's und eine farbige Wiedergabe des bekannten Gemäldes „Der Kardinal" beigegeben. Man vermag sich asio dtirch das genannte Heft der „christlichen Kunst" ein getreues Bild vom bisherigen Wirken des Meisters zu verschaffen. Die gleiche Nummer bietet übrigens außerdem noch n. a. mehrere Aufsätze, ausführliche Ausstellung-berichte und vermischte Nachrichten. Das schöne Titelblatt wurde von Matthäus Schiestl eigens für dieses .Heft gezeichnet und ist schon für sich allein sehr febenSroert.
liches und Ersprießliches geleistet." Dieses Lob gilt wieder vor allem dem Zentrum!
Am 13. April 1904 erklärte der Abg. v. Kar- borf, ein ehemaliger Kulturkämpfer:
„Wir können nicht sagen, daß die Herren vom Zentrum gewissermaßen ultramontane Politik bei uns getrieben haben. Nein, meine Herren, sie haben bentsch-nationale Politik getrieben in der Herstellung unserer deutschen Wehrkraft; sie haben deutsch-nationale Politik getrieben mit uns in der Frage brr Kolonialpolitik, welche sie ge- nreinschaftlich mit uns inauguriert (begonnen) haben; sie haben endlich deutsch-nationale Politik getrieben bezüglich des Zolltarises."
Der Reichskanzler v. Bülow hat am folgenden Tag diese dem Zentrum zuteil gewordene An- erkennung ausdrücklich bestätigt.
Im Jahre 1905 erklärte die „Kre»zz:itung", das Hauptorgan der konservativen Partei, in ihrer Nummer 485:
„Man kann in Wahrheit nicht behaupten, daß das Zeiitrum diese feine Machtstellung! in staatsgefährlicher Weise mißbrauche. Es beteiligt sich ganz loyal an der Gesetzgebung und wahrt die Ehre und das Ansehen des Staates nach innen wie nach außen; es zeigt Verständnis für die sozialen Aufgaben der Zeit und für die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Gegenwart: es hat bei der Reform des bürgerlichen Rechts, bei der Zollgesetzgebung, der Börsenresorm usw. fleißig und umsichtig mitgearbeitet, politische Uebergriffe gegen die evangelische Kirche hat <S nie versucht; den Vor Wurf der Reichsfeindschaft und antinationaler Gesinnung kann man ihm also nicht machen, ohne mit der Wahrheit in Konflikt zu kommen.
Im Jahre 1906 schreibt die „Allgem. evange- lisch-lutherische Kirchenzeitung" in ihrer Nummer 22:
„Wir haben lediglich infolge der Z u st i m- mungdesZentrums alle die g r o ß e n G e- s e tz e der letzten Jahre vom Zivilrecht über die Zollvorlage bis zum Flottengesetz erhalten. Wir wanchen also diese Partei wie das liebe Brot. Wäre das Zentrum nicht da, so müßte es erfunden werden, denn ohne es gingen die Reichsgeschäfte nicht einen Tag weiter."
Nachdrücklicher und deutlicher, wie es in den hier angeführten.Zeugnissen geschehen ist, hätte man dem Zentrum seine „nationale" Haltung wohl nicht bescheinigen können.
Und jetzt ist das alles auf einmal vergessen, da ist das Zentrum der Sündenbock, der in die Wüste gejagt wird, da bekommt es zum Dank für eine guten Dienste von den Regierenden einen Fußtritt und die ganze Nation wird aufgerufen zu seiner Vernichtung. Der Reichskanzler, der schließlich all seine Erfolge, derentwegen er in den Grafen- und Fürstenstaud erhoben worden - ist, dem Zentrum verdankt, scheut sich nicht, diese >
erkennung kommt in erster Linie auch dem Zentrum zugute.
Im Jahre 1903 schrieb — man höre und staune — die „Norbbeutsche Allgemeine Zeitung" llbre den verfloffenen Reichstag (1898—1903): „Wie oft ist derselbe als unfähig für die Durchführung der großen Aufgaben bezeichnet worden. Und doch hat dieser Reichstag auf sozialpolitischem Gebiet, auf dem Feld der Weiterentwickelung der Rechtspflege, in den Heer- und Marinefragen, Erfreu-
i daß es für denselben kein Halt auf der Bahn des Verbrechens mehr gab.
Wie tief kann doch der Mensch sinken! Er, die Krone der Schöpfung, steht moralisch abgrundtief unter der unvernünftigen Tierwelt, und anstatt sich des Vorzuges vor dem Tiere bewußt zu werden, tritt er feine Würde, die Freiheit des Willens, in de» Kot und treibt mit offenen Augen wie ein herrenloses Schiff dem Verderben entgegen. Und nicht genug damit, er reißt auch noch andere mit sich fort auf der schiefen Bahn des Lasters, gerade als ob ihm dies ein Trost wäre.
Die Blicke der Kranken fielen auf ihr Kind, das mit seinem Roßchen spielend am Fenster saß. „Wenn sie es sehen toerben," sagte sie sich, „sie müßten Mitleid mit ihm haben. Ja, ich will mit ihm nach England ziehen unb ihnen im Schlosse die Wahrheit sagen."
Erschöpft hielt sie int Denken inne. Ihr Bruder batte sie fortwährend scharf beobachtet unb ihre Erregtheit ititb Erschöpfung war ihm nicht ent-; gangen. Er hielt es für angebracht, den letzten Trumpf auszuspielen.
„Kunigunde wird Dich nun endlich sehen wollen," begann Heinz. „Fall nicht aus der Rolle, wenn nicht alles verloren fein soll!"
Die Tante trat ein unb begrüßte, leise schluchzend, die Kranke. Sie bejammerte Jeskos Hingang und den des guten Karlchens, das sie ja aus der Taufe gehoben hatte.
„Nun werdet Ihr aber bald nach England rei- sen-können und Heinz wird Euch bis dorthin begleiten und für alles sorgen," tröstete sie. „Ich kann nicht mitziehen, aber ich hoffe, daß Ihr alle Jabre einmal zu mir nach Stuttgart kommt Vielleicht komme ich auch einmal zu Euch. Tu weißt, ich kenne die Manieren der vornehmen Engländer und Du wirst Dich meiner gewiß nicht zu schämen brauchen. Zum Tiner kleidet mau sich in England sonntäglich: ich habe ein schönes, schwarzes Spitzentuch, das zu meinem blauen I
Mit Erfolg und Energie hat der katholische Volksteil sich im öffentlichen Leben betätigt und an allen großen Ausgaben mitgewirkt, welche die Gegenwart an die staatliche Gesetzgebung stellt, es hat damit dem gemeinsamen Vaterland gedient, für dessen Größe und Einigung daS Blut der Katholiken auf den Schlachtfeldern Frankreichs nicht minder geflossen ist als der Andersgläubigen, dem auch wir nicht minder als die Andersgläubigen treu ergeben sind mit Herz und mit Hand. Die politische Vertretung, die wir uns im Zentrum geschaffen haben, braucht das Licht des Tages und die Kritik nicht zu scheuen, sie hat den Pulsschlag der Zeit verstanden und war sich stets den Pflichten gegenüber Volk unb Reich bewußt. Das hat schon
Bismarck, der erste Kanzler des Deutschen Reiches, der Jahrzehnte lang das Zentrum aufs heftigste bekämpft hatte, anerkannt.
Am 3. Dezember 1884 erklärte er im Reichstag:
Die Zentrumspartei hat vieles an sich, was mich im Vergleich mit anderen Parteien in hohem Grade an zieht und besticht. Sie hat eine sehr strenge Disziplin. Viele ihrer Grundsätze sind mir sympathisch unb ich teile sie. M a n k a n n mit ihr rechnen. Und im Jahre 1887, als er den Kulturkampf abbrach, erklärte er ausdrücklich: „daß das Zentrum eine staalSerhaltenbe Partei fei." Ungefähr fünf Jahre später, am 29. Januar 1892, sagte fein Nachfolger Graf Caprivi im Hinblick auf das Zentrum: „Nationalismus ist nicht mehr das Kennzeichen einer einzelnen Partei."
Das mögen sich alle jene merken, die in liebenswürdiger Bescheidenheit glauben, die nationale Gesinnung allein gepachtet zu haben.
Im Jahre 1898 wurde der Reichstag mit einer Thronrede geschlossen, in der es von der verflossenen Legislaturperiode (1893—98) heißt: „Dieselbe ist fruchtbar gewesen an gesetzgeberischen Erfolgen, die zur Macht und Wohlfahrt des Vaterlandes dauernd beitragen werden." Diese An
a. Meminisse juvat» ((Erinnerung ist nützlich.)
Eine der häßlichsten Erscheinungen im letzten Wahlkampf ist die Tatsache, daß man dem Zentrum und seinen 2% Millionen Wählern das Schandmal „antinationaler Gesinnung" aufdrücken wollte und auch heute noch aufdrückt. Die Abg. Gröber und Hertliug haben in ihren glänzenden Reden keinen Zweifel darüber gelassen, daß das katholische Volk durch diesen unbegründeten Vorwurf auf das tiefste erbittert ist. Wohin kommen wir, wenn von einer geringen Summe nationale Gesinnung oder Gesinnungslosigkeit abhängig gemacht werden soll, wenn die nach reiflicher Erwägung erfolgte Ablehnung einiger Millionen schon ein Grund ist, einer großen Partei den Patriotismus abzusprechen.
hinterm Ofen vor: „Schorsch, is kei Waffer da. Ge' du an de Brunnen und hol's, — dir macht der Regen doch nix mehr, du bischt doch jetzt emol naß!" Der Schorsch nimmt den Küvel, läßt ihn voll lausen, kommt zurück, schüttel ihn der Frau über den Kops und sagt: „So, Gretel, jetzt bildet du so naß wie ich, jetzt kampcht du hier der Wasser lebet hohle!"
* Zn arg. Bauer (in der Stadt vor dem Aushangekasten eines Photographen, wo einige preisge tönte Tiere von der Vichausstellung ab» gebildet zu sehen sind): „Nein, nachgerade wird es doch zu arg! Jetzt lassen sich die Kühe auch schon photographieren!"
* Sein Schwager. Ein schwäbischer Bauer blieb ost zum Verger feiner Frau lange im Wirtshaus sitzen. Die Frau beschloß, ihn durch Schrecken auf andere Wege zu bringen. Sie vermummte sich als Satan und trat, als der Bauer wieder einmal bezecht nach Hause ging, gespenstisch hinter einem Baum hervor. „Wer ischt dös ?" fragte der Mann etwas stutzig. — „Ich bin der Satan!" brummte die Bäuerin. — „Komm' her, gib mir die Psol'", sagte der Bauer, „i Han dein Schwester zur Frau.»'
vermischter.
* Feuerlöschen mit Schnee. Die gewaltigen Schneernafsen, die auch im Kreise Friebeberg herniebergegangen sind, haben eine Windmühle vor bet völligen Vernichtung durch Feuer bewahrt. Die alte Mühle bei Driesen geriet aus unbekannter Ursache in Brand. Da nun geraume Zeit vergehen konnte, ehe die Feuerwehr zur Stelle war, retteten die zusammengeströmten Zuschauer die Mühle dadurch, daß sie eine regelrechte Schneeballschlacht auf sie eröffneten, wobei auch Spaten gebraucht wurden. Die Wirkung war über- raschend, denn als die Feuerwehr auf dem Plane erschien, gab es für sie nichts mehr zu tun. Die wasserhaltigen Wurfgeschosse hatten dem Feuer Einhalt geboten.
* Die Anker eines Ozeantiefen, die recht ansehnliche Dimeusioiien haben, besitzen dementsprechend auch ein außerordentliches Gewicht. Jeder der drei Buchanker des neuen Schnell-1 deutschen Lloyd in Bremen wiegt 7000 Klg., der i Heckanker 2700 KIg. und der Wursanker 1350 Klg. Die Gesamtlänge der Ankerketten beträgt 750 Meter. Zur Bedienung der Ankerwinden sind 5 Dampfmaschinen auf dem Oberdeck im Vor- unb Hiterschiff ausgestellt unb außerdem werden 5 Tanspillköpse von 4 Dampfmaschinen betrieben.
♦ Erziehung in der Ehe. Der Holzhacker Kien- span hat den ganzen Tag im Regen gearbeitet und freut sich, als er heimkommt, auf die warme Stube und die warme Suppe. Aber er hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Die Frau ruft
Literarisches.
DerUntergang brr „Berlin" ist eine der furchtbarsten Schiffskatastrophen, die sich je ereignet haben. Bei anderen Katastrophen sind wohl noch mehr Menschen ums Leben gekommen, aber nicht unter so tragischen Umständen. Angesichts des sicheren Hafens wurde die „Berlin" auf eine Mole geschleudert unb barst mitten auseinander. Wie sich dieses entsetzliche Unglück zngetrageu hat, wird in her jüngst erschienenen Nr. 24 der illustrierten Wochenschrift „D'e recht anschaulich geschildert Mehrere Ausnahmen vom Schiss uulwvon der Rettungsarbeit ergänzen die Darstellung die- ses traurigen Ereignisses. „Die Welt des Wissens' schildert allerlei Interessantes „Von den päpstlichen Breven und dem Fischerring", sowie einen „Ausflug in die pontmischen Sümpfe". Was die Frühjahrsinode bringt, findet sich in Praktisch verwertbarer Form dargelegt in der „Welt der Frauen". Die textliche und illustrative Ausstattung der Wochenschrift „Die Welt" trägt allen billigen Ansprüchen Rechnung, sodaß wir wiederholt Gelegenheit nehmen, sie unserem Leserkreis zum Abonnement zu empfehlen. Gerade jetzt, vor Beginn des neuen Halbjahrbandes, ist die beste Gelegenheit zuin Aboimiereit. Der Preis beträgt, wie bisher, nur zehn Psenige.
I Kleide da ganz gut paßt. Was ich noch sagen will, ich habe aus meinem Gärtchen in Stuttgart Blumen, mitgebracht unb sie vor einer Stunde auf I Karlchens Grab gepflanzt.
Philomene war unfähig, den Redeschwall der alten guten Seele Einhalt zu tun oder gar zu antworten. Sie begnügte sich, ihr die Hand zu drücken und ihr so für ihre Liebe zu danken.
Die nächsten Tage brachten neue Ruckfälle. Die stereotype Drohung Heinzens: Soll ich dem Lord schreiben? machte endlich ihrem Mute, die Schuld einzugesteben, ein Ende. Eine physische unb moralische Ermattung überkam sie, und willenlos mußte sie der Entwickelung der Dinge zusehen.
Vier Wochen später war Philomeile soweit genesen, daß man die Reise fortsetzen konnte. Ihr letzter Gang im Dorfe hatte dem Friedhöfe gegolten. Von Schmerz und Scham überwältigt war sie am Grabe niedergesunken, das die sterb- lichc» Ueberreste des Erben von Stapleton barg. „Ich werde Dich einst Heimholenl" flüsterte sie dem Toten ins Grab hinab.
Es ist November. Die Sonne verbirgt sich hinter dem dichten Nebelschleier, ihre Strahlen erwärmen nicht mehr. Die Natur ist am Absterben, die Erde bat ihre Arbeit vollendet und geht langsam zur Ruhe. Ein kalter, übelriechender Nebel lagert auf der Erde, und langsame, schwere Wassertrcpfen rinnen an beit entblätterten Resten der Bäume träge herab.
Der Wald steht entlaubt da, kaum daß da und dort an einer Eiche noch ein fahles Blatt zittert, das lose wie es ist, bei dem leisesten Windstoß zu Boden fallen wird. Mit heiserem Gekrächze steigen Krähen auf dem Felde in die Luft: sie sind die verspäteten Nachzügler der bundertköpfigen geflügelten Musikbande, die den Sommer über Frei- konzerte gab.
(Fortsetzung folgt.)
Grüne Augen.
Roman von Dr. F. X. Eß.
18] (Nachdruck verboten.)
„Die Sache hat ihre zwei Seiten, Schwester!" nahm Heinz das Wort. „Gehst Du auf meinen Plan ein, so sicherst Tu Deinem Kinde eine sorgenfreie Zukunft. Mit der Zeit wirb er Lord Stapleton werden: der nächste Verwandte des Lords will ja, wie ich von Jesko horte, in ein Kloster eintreten und allen Vorrechten feiner Geburt entsagen . . . Eine Entdeckung brauchst Du niemals zu fürchten. Die Knaben glichen sich. Du weißt's selbst, auf's Haar, und nach diesem Dorfe brauchst Du ja nicht schon im nächsten Jahre wieder zu kommen, falls Du hier Verdacht befürchtest."
„Es ist und bleibt ein Betrug, ein Unrecht Ich kann nicht!" stöhnte die Kranke.
Heinz ließ sich aber nicht aus der Fassung hingen.
„Hm," machte er, bann gestehe dem Lord die Wahrheit. Dann sitzest Du als verlassene, arme Witwe b«, die nichts Besseres für sich und ihr armes Würmchen tun kann, als mit ihm zu sterben. Und auch gesetzt der Fall, brr Lord ließe die Witwe seines Sohnes nicht verhungern: wür- den Dir die paar Pfennige Almosen, die er Dir ntntourfe, genügen, um das Leben in der bisher gewohnten Weise fortzusetzen? Zu viel zum Ster- ben und zu wenig zum Leben. Endlich, wenn Du letzt die Wahrheit sagen wolltest, würde man Dir glauben, daß Du von der Sache nichts ae- mufet babeft? Tu siehst, es gibt hier kein Zurück mehr!"
„O doch," warf Philomene ein. „Ich könnte bem Lord beweisen, daß ich im Delirium lag wahrend . . . Du den Betrug vollführtest. Vor meinem Gewissen aber hätte ich Ruhe,"
Die Opposition einer Partei mag ja für die Regierung unbequem fein und man wird es ihr nicht verübeln, wenn sie die Gegner ihrer Pläne bekämpft. Aber überaus kurzsichtig hcm- delt eine Regierung, welche eine im Nahmen der Verfassung und der Gesetze sich haltende Opposition als „antinational" bekämpft. Ein solches Vorgehen ist geradezu verderblich für den Staat und für die Regierung selbst. Ein Volk, dem das Rückgrat ausgebrochen wurde, ist auch nicht imstande, einen Thron zu stütze». Es verliert jede Widerstandskraft und wird schließlich auch fremdem Druck nachgeben. Nur Männer, die Kraft haben zu widerstehen, haben auch die Kraft, bas Vaterland zu schützen.
„Liebe des freien Manii's Gründet den Herrstherthron Wie Fels im Meer."