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Rotatt ous druck ». Verlag der .luldaer Rc- tieudr idetei in -iulda.

Serrfpreljct Nr

JV3 58.

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Fulda, Montag den 11. März 1907.

34. Jahrelang.

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Irveites WLatt.

-e- Adel und Zentrum.

Trotzdem daS Zentrum bei der letzten Wahl so glänzens abgeschnitten hat, geben die Gegner die Hoffnung nicht auf, den ZentrumSturm doch noch zu stürmen. Im Lager der Bülowianer spekuliert man auf eine Trennung des Adels vom Z e n t r um. Damit ist eS aber auch nichts. Frhr. v. Hertliug hat in seiner glänzenden Rede, die auch bei den Gegnern allgemeine Beachtung gefunden hat, durch diese Spekulation einen dicken Strich gemacht. Was vom katholischen Adel nicht zum Zentrum gehört, hat der Januar 1907 herunter- gefcgt; die größte Mehrzahl der katholischen Ade- ligen hat treu und fest zum Zentrum gehalten und wird es erst recht tun, wenn der Kanzler mit seinen Versuchen nahen wird. Dieser Tage hat auch der Senior des katholischen Adels, der greife

Fürst Karl zu Löwenstein, bas in unzweideutiger Weise zu erkennen gege­ben. Er erschien auf dem

Parteitag der bayerischen Zentrumspartei und wandte sich mit folgender Ansprache an die Versammlung, die ihn mit stürmischem Beifall, Händeklatschen und Bravorufen empfing:

Ich bin sehr erfreut durch Ihre freundschaft­liche Begrüßung, aber auch beschämt, denn Sie sind zwei Tage in voller Arbeit hier, und ich komme nur so gelegentlich herein. Ich kann Sie aber versichern, daß mein Hiersein bezweckt, meine volle und warme Sympathie für das bähe- rische Zentrum anszusprecheu, umsomehr in einer Zeit wie in der jetzigen, wo viele Anfeindungen und Stürme gegen das Zen­trum stattgefunden haben und wo wir vielleicht guten Grund haben zu befürchten, daß für das Zentrum noch eine recht schwere Zeit des Kampfes kommen wird. Da ist es Pflicht eines jeden, der in der Gesinnung auf demselben christlichen Boden steht und denselben Wahlspruch vor sich hat tote das Zentrum, diese Gefühle nicht uur im Herzen zu tragen, sondern auch öffentlich kund zu gebe«.

Das ist der Grund, der mich hier in Ihre Ver­sammlung geführt hat. (Stürmischer Beifall.)

Prälat v. D a l I e r, der Vorsitzende der Zen- trumspartei, antwortete darauf also:

Wir wußten es ja aus jahrelanger Erfahrung, baß Se. Durchlaucht immer in erster Reihe der Kämpfer gestanden ist. Ich danke ihm von Her­zen, daß er in dieser schwierigen Zeit zum Dele- giertentag gekommen ist (Beifall) und daß er diese Worte gesprochen hat. Wir wünschen von Herzen, daß Gott ihn noch lange Jahre erhalte, damit er auch weiterhin treu für unsere Sache »intreten kann. (Beifall.)

Nochmal ergriff hierauf

Fürst Löwenstein

das Wort. Er sagte: Der Wunsch, den Ihr ber­eiter Vorsitzender ausgedrückt hat, eS mögen noch viele Jahre mir vergönnt sein, den nehme ich dankbar an. Aber ich habe die Freude, sagen zu können, daß auch der junge Nachwuchs in ganz demselben Sinne handelt und die gleichen Wege geht. (Lebhafte» Bravo.) Er hat vor kur­zem erst Anlaß gehabt, in einer öffentlichen Er­klärung seine volle Zustimmung zum Zentrum auvzndrücken. (Stürmischer Beifall.)

Grüne Augen.

Roman von Dr. F. £ Eß.

17) (Nachdruck verboten.)

„Nur eines wünsche ich," fuhr Jesko nach die­sen Gedanken zu Philomene geivendet fort, „näm­lich im Kinderzimmer meines Elternhauses zu sterben und Dich in den Augen meiner Mutter für alle Zeiten geborgen zu wissen. . . Aber gelt, morgen läßt Du mir einen Priester kommen? Ich vertraue zu Gott, daß er meine Reue und mein Opfer annehmen wird."

Die Nacht verlief ruhig. Philomene war ge­gen Morgen am Bette des Kranken eingenickt, und al» sie aufwachte, hielt fte Jesko mit seinen Armen so fest umschlungen, al» ob man sie ihm rauben wollte.

Der Priester kam und brachte dem Kranken die Tröstungen unserer heiligen Religion. Al» der Priester fortgegangen war, verlangte JeSto nach den Kindern. Er wollte ihnen den Vater» fegen geben.

„Ich war beiden ein Vater," sagte er zur Gat­tin. „Der Tod rafft mich weg, mitten im häus­lichen Glücke — vielleicht zur Sühne, daß ich so glücklich war. Möge der Himmel kein weitere- Opfer von Dir fordern, geliebtes Weibl Denke oft an ihn, den Vater der Witwen und Waisen, und wir werden uns einst alle dort oben bei ihm Wiedersehen!"

Heinz hatte au» dem benachbarten Städtchen einen Arzt holen lassen, der noch vor Mittag ein- traf. Er hielt den Zustand des Kranken durch­aus nicht ganz hoffnungslos.

Der Nachmittag war ein sommerlich warmer Oktobertag. Der Kranke atmete mit Behagen die aromatische Luft ein, die durch das offene Fen­ster von dem naben Tamienwalde heriiberwebte.

Fürst Löwenstein wollte damit daran erinnern, daß auch sein Sohn,

der Erbprinz,

ein treuer Anhänger des Zentrums sei. Dieser hatte bereit» im Wahlkampf Gelegenheit genom­men, seiner Gesinnung offen Ausdruck zu geben, indem er folgende Erklärung veröffentlichte:

„Persönlich halte ich den Wunsch der Zen- trumsfraktton des Reichstags aus Rücksicht auf die Finanzen des Reichs und aus Rücksicht auf die braven, heldenmütigen Truppen selbst, diese, so­bald es die Zustände in Südwestafrika erlauben, allmählich zurückzuziehen und daher auch die Ab­lehnung von 8,9 Millionen für gerechtfer­tigt. Aber wenn ich auch nicht dieser Ansicht wäre, so könnte ich doch nicht vergessen, was das Zentrum für meine Religion und für meinVaterland seit Jahrzehnten getan hat, ich könnte jetzt besonders nicht vergessen, daß die Entwicklung der Armee und der Ausbau unserer Flotte ohne die immer tätige und teilweise füh­rende Mitwirkung des Zentrums gar nicht mög- lich gewesen wäre. Ich würde mich schämen, den Wert einer so großen Partei an ihrer Stel­lungnahme zu einer verhältnismäßig so unbedeu­tenden Zweckmäßigkeitsfrage zu messen. Als Deut­scher baue ich auf den stets bewährten warmen und tätigen Patriotismus der Zentrumsfraktion. Als Katholik müßte ich blind fein, wenn ich einer anderen Partei als dem Zentrum die Jntereffen meiner Religion anvertrauen wollte.

Darum erkläre ich auf das Entschiedenste, daß ich nach tote vor treu zum Zentrum stehe und meine Stimme dem Zentrumskandidaten geben werde. "

In ähnlicher Weise hat sich auch der Fürst zu Quadt-Jsny in Württemberg ausgesprochen; er erklärte: „ihm ständen die Rechte der Kirche und die konfessionelle Schule zu hoch, und seien ihm zu wichtig, als daß er eine Schwächung des Zentrums wünschen könnte."

Und Graf Ballestrem, der frühere ReichstagS- präsident, erklärte dasselbe; ein starkes Zentruin sei unbedingt notwendig für daS Wohl des Vater­landes.

Recht mannhaft ist auch der in Paderborn wie­dergewählte Reichstagsabgeordnete Karl von Savigny, Landrat in Büren, geb. in Hof Trage» bei Somborn, für daS Zentrum öffentlich einge­treten. Sein eigener Bruder, Leo von Savigny. jetzt Professor in Münster, war öffentlich in einer Schrift gegen das Zentrum und für die sog M- ttonalkatholiken eingetreten und hatte sich frei willig angeboten, Vorspanndienste dem „unpoliti­schen" Flottenvereine zur Unterstützung der Libe­raler zu leisten. Demgegenüber erklärte in einer öffentlichen Versammlung der zen­trumstreue ältere Bruder: „Ich will die Gelegen­heit benutzen, um eine für mich tief schmerzliche Lage mit kurzen Worten zwischen der Oeffentlich- keit und mir abzumachen. Ich habe von meinen Jugendjahren an als Sohn des hauptsächlichen Mitbegründers der Zentrumsfraktion, meine» verstorbenen Vater», immer treu zum Zentrum gehalten. Als fein ältester Sohn durfte ich schon an manchen der wichtigsten Zusammenkünfte in feiern Hause, wo alle die großen Männer des Zen­trums, wie Windthorst, Mallinckrodt, Dr. Reichensperger, von Gerlach und andere sich ver­sammelten, als Zuhörer teilnehmen; ich habe den Geist jener Zeit in mich aufnchmen dürfen und ich bin ihm von Herzen treu geblieben! Da ist es für mich sehr bitter, daß in dieser fc^vere« Zeit,

„Wenn ich noch meine Mutter umarmen kann, dann, glaube ich, würde ich genesen. Wie glücklich wäre ich, Philomene, mit Dir ins Schloß Staple- ton einziehen zu können!"

Philomene ließ sich durch de» Gatten Hoffnung gleichfalls in Hoffnung einwiegen. Da plötzlich gegen Abend trat ein neuer, heftiger Blutsturz ein, und wenige Minuten nachher hauchte Jesko in den Armen seiner Gattin seine Seele aus . . .

Drei Tage später reiste die um ein Mitglied verminderte kleine Karawane weiter. Die zweite Kutsche, schwarz verhangen, barg einen Sarg.

Unsere Reisegesellschaft hatte bis zur nächsten Eisenbahnstation nur noch zwei Tagereisen, da mußte man ein zweites Mal Halt machen. Klein Lorenz wurde von heftigen Krämpfen befallen, und bevor ein Arzt zur Hand sein konnte, war der Sohn dem Vater in die Ewigkeit nachge­folgt.

Jetzt hatte Philomene den Leidenskelch bis zur Neige geleert, ihre Kräfte waren erschöpft. Sie verfiel in ein heftige» Nervenfieber, da» sie an den Rand des Grabes brachte.

Als Philomene wieder zu sich kam, fand sie sich in ländlicher Umgebung. Die Fenster waren ver­hangen, an ihrem Bett saß Heinz, in ein Buch ver­tieft. Die Kranke sann nach — vergebens. Die letzten Tage tagen wie nebelverhüllt hinter ihr, sie kannte keine Klarheit in ihre Erinnerung tün- einbringen. Ein Stöhnen entrang sich ihren blei­chen Lippen.

Heinz blickte auf. „Du mußt nicht sprechen," sagte er sanft. „Volle zehn Tage haben wir um Dein Leben gebangt, Du warst sehr krank. -Heute wurde Jesko neben Robert in die kühle Erde ge­bettet, der Kleine aber schläft den Schlaf des To­des hier im Dorfe unter wilden Rosen, und Kuni­gunde hat sich des kleinen Lorenz angenommen, bis Du mit ihm nach England abreisen kannst wo mau Euch ungeduldig erwartet."

wo alle Katholiken treu zum Zentrum halten soll­ten, mein eigener Bruder feiner abweichenden An­sicht einen öffentlichen Ausdruck gegeben hat und eine Schrift gegen das Zentrum verfaßt hat. Ich will darüber weiter fein Wort verlieren, ich habe ein solches Verfahren ja schon vorher im affgemei­nen kritisiert; ich kann daran nichts ändern. Mein Bruder ist ein erwachsener Mann in selbständiger Stellung. Er muß seine eigenen Taten verant­worten. Das aber bin ich der Oeffentlichkeit schul­dig zu sagen: Ich habe nicht einmal von der Ab­sicht meines Bruders, eine solche Schrift zu ver- öffentlichen, gewußt, konnte also nichts dagegen tun. Und weiter will ich sagen: Eines nur kann ich daraus folgern! Da ich diese Tat nicht habe hindern können, so kann ich nur eines tun, meiner- seits mich mit um so heißeren Herzen zur Fahne des Zentrums bekennen bis zum letzten Atem­zuge!"

Respekt vor solchen Männern. Das katho­lische Volk weiß, was es an ihnen hat und ist stolz auf sie.

Dieses herrliche Beispiel muß für jeden von uns ein neuer Antrieb sein,

dem Zentrum treu

zu bleiben allezeit.

vermischtes.

* Der Deutsche Werkmeisterverband (Sitz Düs­seldorf), dessen Generalversammlung Ostern in Mainz stattfindet, zählte Ende 1906 45 300 Mit - glieder und 5300 Witwen, die in 800 Bezirksver- einen bereinigt sind. In den Jahren 1905 und 1906 erhielten die Mitglieder rund 240 000 dl, die Witwen 370 000 dl Unterstützungen. Außer­dem wurden an die Hinterbliebenen 1 176 000 dl Sterbegelder gezahlt. Seit 1884, der Gründung des Verbandes, kamen insgesamt 10 800 000 dl Sterbe- und Unterstützungsgelder zur Auszahl­ung. Trotzdem wurde noch ein Vermögen von acht Millionen zur Deckung künftiger Verpflichtungen gesammelt. Als ein segensreicher Zweig seiner Wohlfahrtseinrichtungen erwies sich der Brand- versicherungsverein, dem heute 8000 Mitglieder angeboren, lieber 15 000 dl find bereits, trotzdem der Verein erst vor 2 Jahren gegründet wurde, an die von Brandschäden getroffenen Mitglieder gezahlt. Von der Stellenvermittlung des Ver­bandes wurden in der gleichen Zeit rund 56 000 offene Stellen zur Kenntnis der steffesuchenden Mitglieder gebracht. In sozial-politischer Be- ziehung trat der Verband in Gemeinschaft mit an­deren Verbänden für eine Besserstellung seiner Mitglieder ein, wobei er die Unterstützung fast aller Parteien des Reichstages gefunden hat. Jetzt sammelt man in den Mitgliederkreisen eifrig für einen Jubiläumsfonds anläßlich der 25jährigen Jubelfeier Ostern 1909, der besonders für die Un­terstützung der bedürftigsten Mitglieder und Wit­wen Verwendung finden soll.

* Magdeburger LebenS-Bersiche^ng» - Gesell­schaft. In der Lebensversicherung wa­ren im Jahre 1906 zu erledigen 7678 Anträge über 34 454 596 dl Versicherungssumme. Ausgefertigt wurden 6515 Policen über 29 045 896 dl. Ter reine Zuwachs des VerficherungsbestandeS betrug infolgedessen 2578 Policen über 16 274 528.50 dl, sodaß letzterer sich Ende 1906 auf 84 383 Policen über 268 272 776,50 dl Versicherungssumme be­lief. In der Unfallversicherung erhöhte sich die Prämien-Einnahme auf ta. 932000 dl und der Versicherungsbestand auf 29 395 Versiche­rungen über rund 145 Millionen Mark aus den Todesfall, 318 Millionen Mark auf den Jnvalidi- tätSfaff und 113 000 dl tägliche Entschädigung für vorübergehende Erwerbsunfähigkeit. In der

Heiirz hatte in ruhigem Tone berichtet. Aber der Schluß seiner Erzählung hatte die Kranek mächtig getroffen.

„Was sagst Du," rief sie mit zitternder Stimme, „Lorenz lebt?"

„Ja, Loreirz lebt, Karlchen ist gestorben. Du hast in Deinem Delirium die Namen verwechselt. Ich habe mir eine Abschrift von dem Eintrag in das Totenregister geben sowie den Namen Karl- cheus auf das Grabkreuz sehen lassen."

Mit Mühe richtete sich die Kranke im Belte auf. „Du lügst," rief sie erregt au». „Ein Kind ist mir so lieb wie das andere, und der Verlust des einen wie des anderen ginge mir gleich nahe. Aber Lorenz ist in meinen Armen gestorben. Bring mir mein Kind Herl"

Heinz ging hinaus und kehrte in wenigen Augenblicken mit dem Kinde zurück. „Mama", rief der Kleine, als er die Mutter gewahrte.

Die Kranke streckte die Arme nach dem Knaben aus und liebkoste ihn: war er doch das einzige, was ihr von ihrem Glück geblieben.

Heinz störte sie au» ihrer kurzen Freude auf. „Wie heißt Du," fragte er den Kleinen.

„ßaur Stapleton," antwortete prompt bet Kleine.

„Du lügst, mein Sohn!" fuhr die Mutter auf. „Heinz hat Dir das vorgesagt."

„Bist Du wirklich von Sinnen?" fragte Heinz leise. „Wer auf der weiten Welt kann beweisen, daß dec Kleine nicht Lorenz ist? Kein Mensch würde ihn für vier Jahre alt halten."

„Schweig!" befahl die Kranke. „Ich gebe diesen Betrug nicht zu, nimmer, nimmer!"

„Nun, da lies diesen Brief da!" sagte Heinz trocken und zog ein Papier aus der Tasche.

Der Brief kam von Lady Stapleton, JeSkos Mutter. Ec lautete also:

„Liebe Tochter! Wenn ich meinen kranken Gatten in feinem leidenden Zustande hätte allein lassen können, so wäre ich längst zu Ihnen geeilt.

Anfang 1906 neu aufgenommenen Haftpsl ichh Versicherung bestanden Ende des Jahres 2091 Versicherungen und die Prämieneinnahme betrug rund 46 000 dl.

* Eine geistesgegenwärtige Primadonna. Aus Chicago wird gemeldet: Aus eine, kluge Slrt J)at ein Mitglied der in Chicago spielenden „San Carlos Opera Company" den Ausbruch einer all­gemeinen Panik hintangehalten, die ohne diese Geistesgegenwart leicht hätte verhängnisvoll wer­den können. Während der Ausführung der „Lu­cia di ßammermoor" war auf der Bühne ein un­bedeutendes Feuer entstanden. Das Publikuin bemerkte den Rauch, wurde unruhig, und als man, um des Feuers Herr zu werden, den Vor­hang mitten im Akt fallen ließ, bemächtigte sich der Zuschauer furchtbares Entsetzen. Da erschien die Primadonna Miß Alice Neilsen vor dein Vor­hang, lächelte und intonierte mit lauter Stimme die amerikanische Nationalhymne. Diese Kalt­blütigkeit verfehlte nicht ihre Wirkung, die erreg­ten Leute hielten inne in ihrer Flucht, ein paar Stimmen fielen ein, noch ein paar und schließlich sang das ganze Auditorium von weitaus über 2000 Menschen stehenden Fußes die National­hymne. Der Brand auf der Bühne war inzwi- scheu erstickt worden.

* Ein Sarg als Bett. Aus eigenartigen Gründen mußte eine Zwangsvollstreckung einge­stellt werden, die bei einem Tischlermeister in Moabit vorgenommen worden war. Der Ge­richtsvollzieher hatte zwei Särge gepfändet. Ge­gen die Pfändung wurde seitens des Besitzers interveniert, und zwar begründete er seinen Ein­spruch damit, daß der eine, größere Sarg von seinem erwachsenen Sohne als Schlafstelle benutzt werde. Durch eidesstattliche Versicherungen, die der Tischler bei dem Amtsgericht Berlin-Mitte einreichte, wurde erwiesen, daß das gepfändete Stück wirklich schon seit längerer Zeit die Lager­stätte des jungen Mannes war. DaS Amtsgericht kam zu der Ücberzengung, daß der Sarg tatsäch­lich unter den obwaltenden Verhältnissen ein un­entbehrliches Hausgerät sei, welches der Pfändung nicht unterworfen ist, und verfügte aus diesem Grunde die Aufhebung der Zwangsvollstreckung.

* Eine allgemeine Panik, brach am Soa»t*g m New york aus, und auf den Straßen spielten sich wilde Schreckensszenen ab. Wie dem ,Lok.-Anz.' berichtet wird, waren zwei Meilen von Newyork bei Homestead 1000 für einen TunnMqu, bereit gelegene Pfund Dynamit expiadiert und die Gewalt der Explosion bat derart in den Straßen gewirkt, daß die Leute erschreckt in« Freie flohen. Die Erschütterung wirkte wie ein stacker Erdstoß und ließ die Häuser erzittern. D-e N»o- yorker glaubten nicht anders, al» den Anfang emer Katastrophe L la Francisco zu erleben. Schrecksntdmfe ertönten, und die Feuerwehr jagte, von kopflosen Menschen alarmiert, rmr h dir Strafen. Der Polizei gelang es erst nach StmiNit, die aufgeregten Gemüter zu beruhigen.

* Beweis Herr: „Glauben Sie auch, daß das Radfahren fürs Herz gefährlich werden kann?" Junge Dame: „Freilich, eine Klubfreimdin von mir hat sich verlobt!"

Mekla«eu- und Anzeigenteil.

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um mit Ihnen Jesko zu beweinen. Die Hoffnung, bald die um uns zu haben, die er im Leben am meisten geliebt. Sie, meine Tochter, und fein Kind, diese Hoffnung ist mein und meines Gatten einziger Trost.

Ich begreife nicht, wie ich noch am Leben bin. Zwei Söhne zu Männern heranreifen sehen, um sie beide in einer und derselben Woche zu ver­lieren: das geht übet die Kräfte eine» Menschen hinaus.

Auch Sie, liebe Tochter, hat der Himmel schwer geprüft! Er nahm Ihnen den Gatten, der Sie gewiß innig geliebt hatte, und nun auch den Sohn, den Jesko wie fein eigene» Kind hielt. O, ich verstehe Ihren Schmerz. Aber wenn man ein Kind Jahre lang um sich gehabt hat. . .

Eilen Sie zu uns, liebe Tochter, daß wir un seren Schmerz gemeinsam tragen. Soffen mein. Gatte und ich hier nicht ganz verkümmern, so muß ich auf Sie u ud unseren Enkel zählen können.

Ich bin in aufrichtiger Liebe

Ihre

Mutter

Laura Stapleton/

Die Kranke schob den Brief von sich. Heinz überreichte ihr einen zweiten Brief. Er lautete: „Herrn Heinz Klette! Im Auftrage meines Vetters, des Lord Stapleton, teile ich Ihnen hier­durch mit, daß der Lord durch den Tod Jeskos auf'S tiefste getroffen ist. Sein einziger Trost ist, zu wissen, daß Jesko einen Sohn hinterließ. Der Lord wünscht, daß Lady Stapleton mit Lo­renz möglichst bald im Schlosse eintreffe, wo man sie als Tochter aufnehmen wird.

In Hochachtung

Roderich Straub."

Die Kranke rang voll Scham und Verzweif­lung die Hände. „Ehrloser Betrüger!" rief sie dem Bruder zu. „Und ich soll zu dieser Schandtat uiit» helfen? Niemals, niemals!" (Forts, folgt.)