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Hotatlonsbrud u. Verlag bet ,<ulbaer3t« tlenbrederel in zuldo.
$trr.fpred?er Nr 9,
Fulda, Mittwoch den 6. März 1907.
JW 54.
34. Jahrkang.
Zweites Wkrtt.
An» ter Seschlchte der SIlaoerei.
Sin Gedenktag. Von G. Röder.
(Nachdruck nicht gestattet.)
Km 6. Februar im Jahre 1807, also rund vor M) Jahren, erließ das englische Parlament dte -genannte Abolition-act of slavery; o h- das Karlament beschloß, daß vom 1. .Januar 1808 an in allen englischen Besitzungen dte Sklaverei auf- , guberen habe. Damit erhielt die Sklaverei, genauer gesagt, die Negersklaverei, den Stoß inS Herz, an dem sie Mit der Zeit verenden mußte.
Wenn wir heute von Sklaverei sprechen, be» rühren wir, soweit wir in modernen Kulturstaaten leben, eigentlich nur eine geschichtliche LÄtsache, die völlig hinter mls liegt, denn in den auf christlicher Grundlage aufgebauten Staaten — mögen manche davon auch zur Zeit stark ent- 'christlicht sein — gibt es keine Sklaverei mehr.
Allerdings macht sich in der modernen Philosophie ab und zu eine Meinung breit, die, wenn auch nicht direkt und offen, für die Sklaverei eintritt. Wenn z. B. der vielgenannte Nietzsche von der Existenzberechtigung von „Herrenmenschen" spricht, sagt er im Grunde nichts anderes, als daß körperlich und geistig begabte Männer, Völker, Rasten das Recht haben, minder gut aus- gestattete niederzudrücken, sich dienstbar zu machen; bis zur Wiedereinführung der Sklaverei als staatlich und menschlich berechtigte Einrichtung ist dann selbstredend nur ein Schrill.
Was Nietzsche sagt, ist ganz und gar nicht neu, mag er auch ein ganz „moderner" Mann sein, denn sein Gedanke liegt der Sklaverei nicht bloß Les ganzen Altertums, sondern überhaupt aller Sklaverei zugrunde.
Wenn der Mensch der Eiszeit einen schwächeren Gegner niederwarf, hat er es aus seinem rohen und gewalttätigen Gemüte heraus gewiß als ganz selbstverständliches Recht betrachtet, den Ueber- wundenen wie jedes andere Stück Beute zu betrachten und ihn, um seine Kräfte sich nutzbar zu machen, in das Sklavenjoch zu zwängen.
Bei einem einzelnen oder einem Volk, das auf tiefster Kulturstufe steht, oder eigentlich ohne alle Kultur lebt, kann man sich solche Rechtsanschau- ung sehr leicht vorstellen; wundern muß man sich aber, daß die großen Kulturvölker des Altertums: Babylonier, Egypter, Phönizier, Griechen, Römer, trotz ihrer hohen .Kultur, bezüglich der Menschenrechte in doller Verrohung verblieben und die Sklaverei nicht bloß rechtlich anerkannten, sondern auch in aller Hartherzigkeit ausübten. Man kann es sich kaum vorstellen, daß im alten Athen, im alten Rom, deren Prachtbauten und Kunstwerke, deren vollendete Schauspiele, literarische Erzeug- niste, geistvolle Philosophie wir heute noch bewundern, neben einer Minderzahl freier „Herrenmenschen" eine erdrückende Mehrheit von entrechteten Menschen, von Sklaveir wandelte, über die ihre Herren schalten und walten konnten, wie über ein beliebiges, ihnen gehörendes Stück Vieh Und diese Sklaven waren nur in geringer Zahl Angehörige unkultivierter Nationen Die meistrn waren Leute, die auf derselben Kulturstufe wie ihre Herren standen. So wurden nach der Eroberung Jerusalems viele bnnberttansenbe von Juden von den siegenden Römern als Sklaven verkauft und doch standen die damaligen Juden geistig und kulturell gewiß nicht tiefer als die Römer. Anderseits besaßen die Römer eine ganze Anzahl griechische Sklaven, die so gebildet waren, daß sie sogar als Schreiber, als Privatsekretäre, als Lehrer der römischen Jugend verwendet wurden. Und wie bei den Römern, so war es bei den Griechen, den Sgyptern und allen Völkern des Altertum». Einzelne Männer dieser Nationen haben, das Rohe und Unmenschliche der Sklaverei allerdings empfunden, aber sie waren so umfan- Sen und durchdrängt von ererbten Vorurteilen, »6 sie die Sklaverei nicht anders zu rechtfertigen wußten als mit der Aufstellung, es sei nun einmal Fügung eines unabänderlichen Schicksals, daß die einen Herren, die andern Sklaven sein müßten.
Man hätte nun erwarten sollen, daß das Christentum mit der Sklaverei, als einer der ganzen Cebre Christi widersprechenden Einrichtung, sofort und gründlich aufräumen mußte. Allerdings vertragt sich Sklaverei und Christentum nicht, daß jene ab« trotzdem solange innerhalb der christlich fortleben konnte, muß man be» Umstanden erklären: das Christentum war wahrend der ersten drei Jahrhunderte teils eme verfolgte teils eine still geduldete Religion, der die Klugheit und der Selbsterhaltungstrieb nah« legen mußte, sich möglichst still zu verhalten Daß christliche Priester und sonstige Männer offen vor allen Leuten gegen die Sklaverei hätten auftreten sollen, war ganz ausgefchlosten; jeder Der- such wäre von vornherein vergebens gewesen und vo»e der Christenschar noch weitere Verfolgung gebracht. Als aber zu Beginn des vierten Jahr-
rt« Christentum auf Grund der Ertaste Kail« Konstantins sich frei an die Oeffentlichkeit M wohl die Mehrzahl der Chri-
kSL-üLfund Existenz der Sklaverei
9f^Len- etn,J?Q& f*e gar nicht auf den Gedanken kam, einen Mastensturm gegen jene zu
M W, fie U gS f'a to* ef koch Vicht» genutzt, denn die römische Staats- maschme und daS römische Recht blieben noch lange dem inneren Wesen nach heidnisch, außerdem wurde der Widerstand aller Sklavenbesitzer ein wohl kaum Lbcewindbarer geworden
Hat m:i auch nicht die Christenheit in ihrer Gesamtheit den Kampf gegen die Sklaverei ausgenommen, so taten es doch einzelne und vor allem die Kirche. Mehr und mehr bringen die Synoden und Konzile darauf, daß die Sklaven menschlich behandelt t erben sollen unb befürworten eine Freilassung der Sklaven; namentlich wenden sie sich gegen btn Sklaven handel, der ein allmäh- liches Aufhören der Sklaverei zu einer Unmöglich, feit machte.
Sc währt der Kampf der Kirche gegen die Sklaverei ununterbrochen durch das ganze Mittel- alter fort und am Schluß desselben war es ihr fast überall gelungen, dem Unwesen ein Ende zu machen, als ihr von zwei Seiten her ein böser Strich durch die Rechnung gemacht wurde.
Vom Norden Afrikas aus waren die erobernden Mohammedaner in Südeuropa eingedrungen, wurden aber nach langem, heißem Ringen von den christlichen Völkern wieder vertrieben, die Feindschaft und der Haß blieben aber. Die nord- afrikanischen Staaten organisierten einen förmlichen Seeräuberkrieg und raubten von den Küsten wie den Schiffen christlicher Länder ungezählte Menschen, um sie zu Sklaven zu machen. Wir erwähnen hier nur beiläufig, daß auch der große spanische Dichter Cervantes gelegentlich einer Seefahrt geraubt wurde und 1575 bis 1580 als armseliger Sklave in Nordafrika gefangen gehalten wurde. Die Christen meinten das Recht zu haben, Gleiches mit Gleichem vergelten zu dürfen und raubten ebenfalls Menschen islamitischer Religion und machten sie zu Sklaven. Die Folge war, daß sich in Portugal und Spanien seit Beginn des 15. Jahrhunderts förmliche Sklavenmärkte auftaten, die trotz aller Mahnungen der Kirche geraume Zeit blühten.
Einen anderen Rückfall in die Sklaverei, und leider einen für Jahrhunderte, hatte die Entdeckung Amerikas zur Folge. Schon kurz nach der Entdeckung der großen westindischen Inseln Kuba, Portoriko «sw. fingen die Spanier tausende von Eingeborenen ein und zwangen sie zur Sklavenarbeit in den Bergwerken un6 auf den Feldern. Da die schwächlich veranlagten Leute in erschreckendem Maße abstarben, kam man auf den Gedanken, an ihrer Stelle kräftige Neger auf Afrika einzuführen, die man ja auf den erwähnten Skla- venmärkten Portugals und Spaniens kennen gelernt hatte. Schnell wurde die Sache geschäfts- mäßig betrieben und bereits im Jahre 1517 bet- lieh Kaiser Karl V. einer Gesellschaft flämischer Schiffer bezw. Handelsherren eine Konzession auf jährliche Lieferung eines gewissen Quantums Neger nach dem spanischen Amerika. Seitdem fjav sich der Negerhandel in erschreckendem Maße gesteigert; fast alle, seefahrenden Nationen nahmen an dem Profit teil. Millionen von Negern wurden in den nächsten Jahrhunderten in Afrika billig aufgekauft oder in Treibjagden gefangen und als Sklaven nach Amerika transportier^. Wieviel Tausende unb Abertausende von Negern bei den Sklavenjagden und dem Massentransport umkamen, läßt sich gar nicht angeben; aber ungeheuer ist die Zahl gewesen. Doch das kümmerte den Sklavenhändler nicht, denn trotz aller Verluste an „Ware" brachte der Handel mit „schwarzem Elfenbein" doch außerordentliche Summen ein.
Diele Stimmen wurden im Lause der Zeit gegen diese moderne Sklaverei laut, aber sie verhallten, die Gewinnsucht der Händler und Plan- tagenbesitzer war stärker unb blieb Sieger, bis bic erwähnte englische Abolition-act of slavery vom 6. Februar 1807 dem Treiben einen Stoß ins Herz gab. Von nun an wurde der Neger- bandel, soweit er sich zur See abwickelte, sehr gefährlich, denn die englischen Kriegsschiffe griffen die erwischten Sklavenhändler nicht mit GlacS- Handschuhen an, sondern knüpften sie kurzer Hand auf.
Die Weltgeschichte dürste England für fein Vorgehen aufrichtig dankbar fein, wenn man nicht wüßte, daß bei Annahme des Gesetzes im engti- fchn Parlament sehr viel von Menschenfreundlichkeit geredet wurde, daß man im Grunde aber doch nur das abgefallene Nordamerika treffen wollte, das ohne Zufuhr von Sklaven mit feinen großen Plantagen sehr in bic Enge geriet
. In Amerika felbst wurde die Sklaverei dann im >whre 1862 endgültig abgefchafft; aber auch wieder nicht aus Hochherzigkeit, sondern weil die industriellen amerikanifchen Nordstaaten die Plan- tagenbau treibenden unb Sklaven bedürfenden Südstaaten tötlich treffen, ihre auf ihren Reich, tum sich stützende Selbständigkeitsgelüste bcrnicb- ten wollten.
Der letzte Staat, der die Sklaverei aufgab, war Brasilien; 1871 erschien das entsprechende Gesetz.
Noch immer aber schmachtet em ganzer Erdteil unter dem Fluch des Sklavenhandels, der Sklavenjagden — Afrika. Grauenhafte Schilderungen haben fast alle hervorragenden Afrikaforscher gegeben. Endlich wurde auch gegen dieses Boll- teert der Finsternis Sturm gelaufen. Kardinal Lavigerie war es, der schmetternd in die Alarm- trompete stieß. Sein Ruf wurde gehört; mit Begeisterung ging man daran, die Greuel des afri- 'anischen Sklavttrwesens auszutilgen. Die Ai-ti- klavereikonferenz von 1889-1900 zu Brüssel krönte das Unternehmen. Jede Art Sklaverei ist durch ie und seitdem geächtet.
Damit ist aber zlvar noch nicht alle Sklaverei auf dem Erdenrund verschwunden, aber ihre Kraft ist doch gebrochen. Was der 6. Februar 1807 begonnen, kann man heut» -'S ziemlich vollendet betrachteil.
Zeitmessung im Altertum.
■ Von Franz Karl Thomas.
(Nachdruck verboten.)
Heutzutage trägt jeder Mann und auch fast jede Fran, wenigstens sobald sie die vier Psähle ihrer Behausung verlassen, eine Taschenuhr mit sich. Zu den Geschenken, die der Junge und das Mädchen am Kommuniontage erhält, gehört mindestens eine Taschenuhr. In der Wohnung, in den Arbeitsräumen, überall wo der Mensch sich dauernd aufhält und arbeitet, auch auf den öffentlichen Straßen und Plätzen befinden sich Uhren, sodaß man stets mit Leichtigkeit, mit einem einzigen Blick feststellen kann, wie weit die Zeit vorgeschritten ist. Die ganze Einrichtung genauer Normalzeitbestimmungen, wie wir z. B. für ganz Deutschland die Tagesstunden täglich nach der Berliner Mittagslinie festgelegt haben, zeigt bnS Bestreben der Allgemeinheit, sich möglichst leicht und möglichst gleichmäßig über die Zeit orientieren und danach die Lebenstätigkeit einrichten zu können. Ohne genaues Zeitabmessen wäre unser ganzes modernes Leben unmöglich. Ein geordneter Eisenbahnverkehr in dem heutigen Umfange, mit seiner fast absoluten Pünktlichkeit, ohne eine fest vereinbarte Art der Zeitmessung, ist gar nicht denkbar. Und so geht's in tausend anderen Dingen. Fast unser ganzes Leben, vom Aufstehen morgens früh bis zum Schlafengehen out Abend, die Geschäftszeit, die Besuchsstuitden, die Mahlzeiten und die Erholungsstunden, der Anfang der Konzerte und Theater, kurz alles, was dem Einzelmenschen nur einigermaßen mit der Außenwelt in Berührung bringt, ist nach der Uhr festgelegt.
Wir Kulturmenschen können es uns kaum vor- stellen, daß man auch hat auskommen können zu Zeiten, wo noch nicht ein jeder, wo er geht und steht, eine Uhr mit sich trug. Und doch sind diese Zeiten, selbst in unseren hochkultivierten Ländern noch gar nicht so lange geschwunden. Sehen wir uns heutzutage noch auf dem Laude um, so werden wir oft genug noch sinden, daß die Feldarbeiter sich die Zeit nach dem Läuten vom Torfkirchturm einteilen; und selbst wenn der Landmann die Uhr bei sich trägt, richtet er sich doch nach dem Glockenschlag.
Gegen Ende des Mittelalters waren die Hans- uhren — Taschenuhren in nuferem Sinne gab's damals überhaupt noch nicht — ein so kostspieliges Gerät, daß sich nur wohlhabende Bürgersleute einen solchen Luxusgegenstand anschaffen konnten. Im frühen Mittelalter gar waren e» nur reiche Fürstenhöfe, sowie einige Klöster, die eine Räder- nhr ihr eigen nannten. Solche Näderuhren wurden dann auch als ganz besondere Wunderwerke angestaunt. Die ersten Räderuhren finden wir laut Forschung im 12. Jahrhundert und zwar in den „Gebräuchen" des Zisterzienserordens, die etwa um 1120 niedergeschrieben wurden.
Aus dem Jahre 1232 kommt uns dann die Kunde von einer Uhr, die zu ihrer Zeit zweifellos das vollkommenste und berühmteste Werk ihrer Art war. Der Sultan Saladin machte sie dem Kaiser Friedrich II von Hohenstaufen zum Geschenk. Ausdrücklich wird in einer aus jenen Tagen stammenden Beschreibung dieser Uhr ansqe- führt, daß ihre Bewegung durch Räder und Gewichte vermittelt worden sei. Sie zeigte den Lauf der damals bekannten Planeten, die Zeichen des Tierkreises, sowie den Tag und die Stunde genau an. Das Werk wird von Zeitgenossen auf den Preis von 5000 Dukaten geschätzt, eine Summe, die für die damalige Zeit etwas ganz außerordentliches bebautet. Von dieser Zeit ab finden sich hie und da Berichte über die Aufstellung von Räderuhren, und die ganze Art der. Beschreibung läßt untrüglich daraus schließen, daß vorher berichtbare Räderuhren nicht bekannt waren.
Und wie hat's vorher gegangen? Der griechische Lustspieldichter Aristophanes läßt in einem seiner Werke, in den „Ekklesirzusen", eine für die Frauenemanzipation schwärmende Frau zu ihrem Manne sagen: „Du hast nichts zu besorgen, als gebadet und gesalbt zum Essen zu kommen, wenn der Schattenzeiger 10 Fuß mißt." Daraus können wir auf die Art der Zeitmessung schließen. Man hat die bekannte Beobachtung sich zunutze gemacht, baß die Schatten der Gegenstände im Sonnenlichte sich verkürzen, je höher die Sonne steigt: daß sie demnach am Mittag am kürzesten sind und sich von da ab bis zum Niedergang der Sonne wieder verlängern. Zum Zwecke der Zeitbestimmung batte man deshalb Stäbe von einer bestimmten Länge auf freien Plätzen aufgerichtet. Wollte man die Zeit feststellen, so mußte man den Schatten des Stabes messen. Dabei mußte man aber ungefähr im Kopfe haben, wie lang der Schatten zu einer bestimmten Tagesstunde sein mußte, um diese selbst zu beftimmen.
Vielfach wurde statt deS Stabes auch der menschliche Körper selbst benutzt. Wollte man die Zeit feftfteCen, so stellte man sich mit dem Rücken gegen die Sonne, so daß man auf seinen eigenen Schotten sah; man merkte sich die Stelle, an der der Schatten des Kopfes endigte unb ging dann, genau einen Fuß fest vor den anderen setzend, bis zu der vorher angemerkten Stelle unb zählte die Schritte. Da nun die Länge des Fußes zur Länge des Körpers und damit auch des Schattens immerhin in einem ziemlich bestimmten Verhältnis steht, konnte man mit dieser Art der Messung chon ziemlich gute Resultate erzielen.
Um bei der Bestimmung der Zeit das Ab- meffen des Schattens durch Abschreiben zu erfroren, ging man bald dazu über, um die als Schattenzeiger aufgestellten Säulen konzentrische Kreise zu ziehen, an denen man die Länge deS Schattens eststellen konnte. Aber auch hierbei war eine genaue Zeitmessung noch nicht möglich. Es blieb dabei zu berücksichtigen, daß je nach der Jahreszeit auch der tägliche Stand der Sonne wechselt; daß im Winter die Schatten bei «ns jnfolgebeijea,
länger find als im Sommer. Diese Ungenauigkeit in der Zeitbestimmung suchte man abzuhelfen, indem man die Sonnenzeiger je nach dem Jahresstand der Sonne auswechselte. Auch gab man sich daran, Schattentabellen für die einzelnen Monate des Jahres anzufertigen. Aus biefen konnte man, wenn auch mit einiger Mühe und bei einiger Uebung, die Tagesstunde je nach der Schaltenlänge herausrechnen.
Eine im Altertum vielfach verwendete Sonnenuhr hatte die Gestalt einer hohlen Halbkugel. Diese war genau wagerecht aufgestellt, so daß die offene Seite dem Himmelsgewölbe zugekehrt war. Im Zentrum dieser Halbkugel >var bann ein Kügelchen angebracht. Sobald die Sonne über dem Horizont erscheint, wirft das Kügelchen einen Schatten auf den Rand der Halbkugel. Je höher die Sonne steigt, desto tiefer geht der Schatten in die Halbkugel hinab und je wie die Sonne sich von Ost nach West dreht, so geht der Schatten in der Halbkugel entsprechend von West nach Ost. Ter Schatten macht also in der Halbkugel genau denselben Weg in umgekehrter Richtung wie die Sonne am Himmel. In den Hohlkugeln waren nun Linien angebracht, welche den Stand des Schattens an den einzelnen Tageszeiten anzeigten. Die Linien waren durchweg gezogen für die Zeit der Tag- und Nachtgleiche, für den kürzesten und den längsten Tag. Bald hatte man auch Sonnenuhren nach diesem Prinzip konstruiert, welche am Halse mitgetrogen wurden. So einfach diese Uhren nach unseren heutigen Begriffen herzustellen toaren, so waren sie doch im Altertum immerhin eine große Seltenheit. Sonnenuhren wurden meist auf öffentlichen Plätzen aufgestellt. Nur wenige ganz reiche Leute konnten sich den Luxus erlauben, eine eigene Sonnenuhr in ihrem Hanse aufzustellen. Ja, es galt schon für das Zeichen eines reichen Mannes, wenn man sich einen eigenen Sklaven hielt, der stündlich nach der öffentlichen Uhr die Zeit ansagte. Und wenn's beim Einzelnen dafür nicht reichte, so schafften sich mehrere Familien zusammen einen ItbrenfHauen an.
An der Verbesserung der Sonnenuhr ist bann ständig bis weit in das Mittelalter hinein gearbeitet worden. Ein Fehler aber, den man ihnen mit den feinsten Berechnungen unb Kurven uiifjt nehmen konnte, war der, daß sie nur bei Sonnenschein, aber nicht bei trübem Wetter und bet Nacht ihre Dienste taten.
So mag denn nicht allzu spät der Sebanfe aufgetaucht sein, langsam rinnendes Wasser zur Zeitmesiung zu benutzen, und tatsächlich werden sckon sehr früh Wasseruhren erwähnt Von dm Chaldäern erzählt der Schriftsteller Makrobins, daß sie eine bestimmte Wassermenge in zwölf Teile teilten, so daß jeder Teil genau in bet Zett durch eme feine Oeffnimg des Gefäßes ablaufen mußte, während ein Zeichen des Tierkreises durch die Mlttagslinie lief. Da aber die Alten feine feste Zeiteinheit für die Stunde hatten, vielmehr jeden Tag, den kürzesten wie den längsten, in zwölf gleiche Teile zerlegten, die sie Stunden nannten, so toar diese Zeitmessung ebenfalls noch eine sehr ungenaue. Dazu kam denn noch, daß dir Aus- flußgeschwindigkeit der bestimmten Wasiermenge sich immer mehr verminderte, sobald die Druck- höhe nachkieß.
Im 4. Jahrhundert v. Chr. werden von Aristoteles schon Uhren mit Räderwerken erwähnt. Auch hier handelt es sich noch um Wasseruhren,' wie sich aus Mitteilungen des Schriftstellers Vitruv ergibt. Nach einer feiner Darstellungen habm wir uns diese Uhr ungefähr folgendermaßen vorzustellen: Die Uhr bestand aus zwei Waffergefäßen, das obere hatte im Boden eine Oeffnung, die mit Gold oder einem durchbohrten Edelstein ausgearbeitet war, weil diese Körper von dem durchfließenden Wasser am roenigften angegriffen wurden und Heine störende Unreinigkeiten sich ansetzen ließen. Durch diese Mün- düng gelangt daS Waffer gleichmäßig fließend in da» untere Becken. Hier schwimmt auf dem Wasserspiegel ein umgestürztes Becken. Aus der Mitte desselben ist ein senkrecht stehender, mit Zähnchen versehener Stab angebracht. Hebt sich nun mit dem steigenden Wasserspiegel auch der Stab, so setzen die Zähnchen eine ebenfalls gezahnte Scherbe in Bewegung. Mit dieser Scheibe sind dann weitere Zahnräder verbunden, welche verschiedene Bewegungen aussühren, Figuren bewegen, Äugeln sollen lassen usw. Mit dem aufsteigenden Stab konnte ei« Zeiger verbunden werdeir, ivelcher die Zeit aus einer seitlichen Skala angab.
Endlich benutzten die Alten noch eine Art der Uhren, wie sie sich, wenn auch in beschränktem Umfange, noch bis auf die heutige Zeit erhalten haben: die Sanduhren. In genau der Form, wie heute noch die beim Eiersteden gebrauchte Sanduhr, so tritt un5 dieser Zeitmesser schon im Altertum entgegen; ihre Große allerdings schwantte damals zwischen einem Fuß und wenigen Zoll.
Wie an den Sonnenuhren, so bat man auch an bett Waffer- und Sanduhren ständige Verbefferungen vorgenommen, so daß sie immer mehr zu brauchbaren Zeitmessungen geeignet wurden. Astronomen und Techniker teilen das Verdienst um die Verbesserungen der Uhren. Zwar haben die rauhen Stürme der Völkerwandermtg im 4. Jahrhundert unserer Zeitrechnung viele wettvolle Errungenschaften zerstört. Doch daS Problem einer zuverlässigen Zeitmessung war zu wichtig, als daß es hätte dauernd vernachläffigt werden können. Und so siuden wir dann bald, nachdem die Völker wieder zur Ruhr gekommen sind, Astronomen, Mathematiter und Künstler, namentlich viele in der Klosterzelle, an der Arbeit, um das Verlorengegangene wieder zu erringen und neues hinzuzufinden, bis wir dann endlich in langsamer, stetiger Entwicklung uns durchrangen bi- zur heutigen Stufe, die eine weitere Vervollkommnung fast ausgeschloffen erscheinen läßt.