Einzelbild herunterladen
 

Lrsckeiut täglich, mit Au-nähme der Sonn« vnd.^eieitage Viertel« jähn. Sezngspreis ohne vringerlohn wnl 8e«ellgeldin5«ldaun» auswärts I Ult. 50 pfg-

vermitwortllcher

Schristtriter: 3.8a**; für »ie :

J. parjtBer iw Zwlda

Zultzaer

w»ch<nbMge:„3lluftrierte§onntagszeitung"

Zeitun

monatsbeilcge: „SUlöflCt GeschichtSblSttN

A«;eraen: Vie ein­spaltige Petitzeile oder deren Raum 15 pfg. Reklamen ait pelitzeil« 25 Pfg.; bei wiedrr- hoinnaen wird tntipr

Rabatt gewährt.

- ♦ IS-»--

Uotaltonsorilck n. Verlag der Zluldaer 21t» tiendr iderei in ^ulda.

8err.fprej)tr Nr 9.

M 5L

Fulda, Montag den 4. März 1907.

34. Jahraang,

Zweites Wt'att

äußerung herausklang. "(Sehr gut! und Heiter­keit im Zentrum.) Was aber seine politischen Freunde anlangt, so habe ich gar manchen ge­sehen, der wohl geklatscht hat — aber unter der Bank, damits nur ja nicht gesehen werde. (Große Heiterkeit im Zentrum.)

Die Rede des Abg. Semler war ganz eigen­artig. Wenn ich nicht wüßte, daß er dem natio­nalliberalen Feste am Donnerstag nicht beige­wohnt hat, so würde ich seine Rede als einen Niederschlag dieses Festes betrachten. Jetzt aber muß ich annehmen, daß sich in ihr trotz des Telegramms des Reichskanzlers von der lichter gewordenen Gegenwart (Große Heiterkeit im Zentrum) die Stimmung widerspiegelt, welche die Rede des Abg. Gröber bei Herrn Semler hervorgerufen hat. (Verschiedene Mgeordnete auf der linken Seite des Hauses rufen: Aaah!) Ich bedauere, meine Herren, daß dieses lang­gedehnte Aaah! nicht in den stenographischen Bericht kommt. (Schallende Heiterkeit.) Herr Semler meinte, es ginge jetzt bei uns mit ge­dämpftem Trommelschlag. Es ist nichts vorgekommen, was uns zu einer solchen Dämpfung veranlassen könnte. (Erneute Hei­terkeit.) Herr Liebermann hat gesagt, wir wür­den fünf Jahre zusammen bleiben. Bei seiner genauen Kenntnis der Verhältnisse werden wir also Gelegenheit haben, in diesen fünf Jahren zu zeigen, daß unser Trommelschlag nicht ge- däinpft ist.

Herr Semler meinte, ein schlagender Be­weis dafür, daß seine Partei keinen Kultur­kampf wolle, sei der, daß davon nichts in dem Manifest stehe, sonst würde es seiner Partei an flammenden Worten nicht gefehlt haben. Letzte­res bezweifelt niemand unter uns. (Schallende Heiterkeit im Zentrum.) Denn um Worte, um flammende Worte, sind sie nie verlegen. (Er­neute Heiterkeit.) Gewiß haben Sie nicht ge­sagt, jetzt setzen wir uns hin und machen einen Kulturkampf. Nein, Sie haben es direkt getan. (Stürmische Heiterkeit im Zentrum und Wider­spruch bei den Nationalliberalen.). Es ist merk­würdig, der erste Kulturkaiupf begann mit einem Angriff auf das Klösterlein in Moabit und gleichzeitig verlangte man die Entlassung des Ministers von Mühler. Gesagt hat man dabei nichts von einem Kulturkampf. (Heiterkeit.) Jetzt hat man im Abgeordnetenhause — Herr Winckler wird mir wohl gestatten, daß ich soviel

von seltener Aufopferung für die, die ihm nahe fanden — aber er hatte, wie alle Menschen, seine schwache Seite: zu freigebig, blind vertrauend und der Stimme der Vernunft weniger zugänglich als den Lockungen der Vergnügungen.

Das Leben der Menschen ist ein fortgesetzter Kampf: die Wahrheit dieser Worte, wäre sic nicht zur Genüge durch eine Erfahrung bewiesen, die so alt ist wie das Menschengeschlecht selbst, sie fand ihre Bestätigung in Olgas Leben. Nur ihrer Wachsamkeit und ihren Anstrengungen war es zu danken, daß das Familienglück nicht schon in den ersten fünf Jahren ihrer Ehe in die Brüche ging.

Hermann hatte eine Schwester ins Hans ge­nommen, die ihm im Geldverschwenden nach Kräf- ten sekundierte. Er opferte dem Vergnügen und seiner Unvorsichtigkeit manchmal in wenigen Ta­gen die Einnahmen eines ganzen Monats, und seine Schwester kannte kein größeres Erdenglück, als ihre Toilette möglichst bald zu wechseln. Und ein so harmloses Wesen sie im übrigen war, in dem Punkte der Toilette war sie einfach unver­besserlich.

Die beiden Kinder wuchsen heran, die Sorgen der Mutter wurden verdoppelt. Die Einnahmen der Familie hingen von Zufälligkeiten ab, und besonders Heinzens Charakter erfüllte das Mut­terherz mit Angst. Außer den schwachen Seiten des Vaters zeigte sich bei dem Jungen eine Stör­rigkeit und Anlage zum Müßiggang, deren Be­seitigung allen Erziehungskünsten spottete.

Zum Nachsinnen und Nachgrübeln angelegt, sah die arme Mutter nur das Schlimmste für die Zukunft des Sohnes, und als dann noch die Nah­rungssorgen mit der Zeit immer fühlbarer wur- den — das kleine Kapital, ihre Mitgift vom gräf­lichen Hause war längst aufgebraucht —, da war es mit der Kraft der Armen vorbei.

Eines Tages kniete die unglückliche Familie am Sterbebett der Mutter. Sie hatte eben allen

nehmen, daß berechtigte und unberechtigte For­derungen der Kirche bekämpft werden. Man könnte hier wieder verlangen, bringen Sie Be­weise, daß unberechtigte Forderungen gütend ge­macht worden sind. Verschiedene deutsche (Staa­ten bedürfen nicht des scharfmacherischen Vor­gehens der Abg. Semler gegenüber den Ansprü­chen der Kirche.

Herr Dr. Semler hat weiter von einer besse­ren Registratur des Abg. Gröber gesprochen. Schade, Herr Semler, daß Sie sich eine bessere Registratur nicht angelegt haben. (Schallende Heiterkeit im Zentrum.) Sie hätten ja sonst den Abg. Gröber leicht in den Sand strecken können. Interessante Dinge muß man sich immer regi­strieren, man kann sie zuweilen gebrauchen. (Er- neute Heiterkeit.) Und dann hat Herr Semler das Wort subaltern gebraucht. Ja, mein Gott, Herr Dr. Semler, welche Anschauung ist subal­tern, diejenige, welche der freie Mann zum Aus­druck bringt, oder diejenige, die im Gehorsam gegen den Regierungstisch zu Ausdruck gebracht wird. (Stürmische Heiterkeit im Zentrum.)

Was der Abg. Semler über Südlvestafrika gesagt hat, trifft zusammen mit der orientali­schen Märchenphantasie des Herrn v. Dernburg. (Stürmische Heiterkeit, Zurufe.) Gewiß, der Herr Kolonialdirektor besitzt den Adel, den ita­lienischen. (Heiterkeit und erneute Zurufe, die auf der Tribüne unverständlich bleiben.) Den Redner zu kontrollieren, dafür ist der Präsident da, oder wollen Sie (nach links) Polizeidienste leisten? Ich habe nichts dagegen. (Zuruf links: Zurufe sind erlaubt! ) Jawohl, Zurufe sind er­laubt, aber es ist auch erlaubt, auf dieselben zu antworten. (Stürmische Heiterkeit i. Zentrum.)

Redner geht dann nochmals eingehend auf den Zentrumsantrag ein, wegen dessen der Reichstag aufgelöst worden sei. Nur Oberst Deimling sprach dagegen. Von den National- liberalen erklärte sich auch Abg. Dr. Paasche für den Antrag. Wenn wir nun im Dezember vo­rigen Jahres den Zusatz betreffend die Vorbe­reitungen für die Rückberusung der Truppen ge­macht haben, so geschah das, weil nach den eige­nen Worten des Reichskanzlers der Aufstand ge­brochen und damit das Ende des Aufstandes zu­gegeben worden war. Unser Antrag ging auf die Zukunft, und das war das ganze Staatsver­brechen, das wir begangen haben. (Lebhafte Zustimmung im Zentrum.)

Schon der Wortlaut des Antrages, noch mehr aber die Begründung, die ihm der Abg. Spahn in der Sitzung vom 13. Dezember mit auf den Weg gab, zeigte, daß wir zur Niederwer­fung des Aufstandes jeden Mann und jeden Groschen zu bewilligen bereit waren (Lebhafte Zustimmung im Zentrum) und daß wir keines­wegs die Forderung stellten, daß die Truppen schon bis zum 1. April auf 2500 Mann ver­ringert werden sollten. Es ist wirklich an deA Zeit, daß mit diesem Märchen gründlich aufge­räumt wird, daß man es in die Rumpelkammer tut, oder daß es irgend eiiwm Museum für par­lamentarische Altertüme'. einverleibt wird (Sehr gut! und Heiterkeit im Zentrum.)

Die Entwickelung der Dinge hat uns recht gegeben. In der Weihnachtszeit haben sich die Bondelzwarts unterworfen. Die Unterwerfung paßte allerdings so schlecht zu der Wahlparole der Regierung, daß man sich wohl fragen konnte, ob hier nicht etwa auch „die Schwarzen" in Ber­lin die Hand im Spiele gehabt haben. (Heiter­keit.) Hoffentlich schadet es den hierbei getrof­feneil Vereinbarungen nicht, daß ein katholischer Missionar, Pater Malinowski, in hervorragen­der Weise dabei mitgewirkt hat. (Sehr qutl im Zentrum.)

Ein eigentünrliches Gefühl allerdings be­schleicht einen bei dem Gedanken, daß/ wenn einer der Ordensmänner, die besonders dazu beigetragen haben, die Bondelzwarts zu unter­werfen, aufgerieben von den Mühen und Stra­pazen in Afrika, in Deutschlarid im Kreise seiner Ordensbrüder Ruhe und Erholung suchen wollte, ihm das unter Umständen auf Grund von Reichsgesehen verwehrt werden kann. (Sehr wahr! im Zentrum.)

Eigentümlich ist es auch, wenn trotz der her­vorragenden Anerkennung, die seitens der Truppenführer den katholischen Krankenschwe­stern zuteil geworden ist, jetzt nach einem Ersatz für sie gesucht werden soll. Ob das auch zum neuen Kurse gehört, weiß ich nicht. Im Zusam­menhänge mit der Tatsache, daß neuerdings reli­giöse Niederlassungen, die seit Dezennien be­stehen, aufgefordert worden sind, den Nachweis ihrer Genehmigung zu bringen, könnte man allerdings auf diesen Gedanken kommen. (Sehr richtig! im Zentrum.)

vom preußischen Abgeordnetenhause spreche — die erste Aktion damit begonnen, daß man sich um die Niederlassung der Franziskaner in Schle­sien bekümmerte, und bald kam der Runderlaß, welcher untersucht, ob alle klösterlichen Nieder­lassungen, die schon seit Jahrzehnten bestehen, auch genehmigt seien. (Sehr richtig i. Zentrum.)

In den Verhandlungen des Abgeordneten­hauses hat es durchgeklungen, daß eine freie 'rische Luft in das preußische Kultusministerium eingeführt werden müsse. Die Nationalzeitung, welche für sich in Anspruch nimmt, das vornehm- "te natioiialliberale Blatt zu fein, hat direkt nach der Reichstagsauflösung als erstes Signal im Wahlkampfe die infame Nachricht von der Ve- techung Leos XIII. gebrockt. (Lebhafter Bei- all im Zentrum.) Sie sehen hier also eine Aehnlichkeit zwischen der Einleitung des ersten Kulturkampfes und dem gegenwärtigen Zu­stande. Also auf Ihr Manifest, Herr Dr. Sem­ler kommt es nicht an. (Lebhafte Zustimmung int Zentrum.) Abg. Semler will in Anspruch

die weiße, durchsichtige Hand segnend aufs Haupt gelegt und der Schwägerin die Familie als ein­ziges Vermächtnis ans Herz gelegt. Am schmerz- uchsten schien Heinz von dem Schlage g-trofsen zu sein, aber diese ernste, feierliche Stunde ver­hallte in seiner Brust ohne Echo.

Die Sterbende richtete sich nochmals auf mit dem letzten Aufgebot ihrer Kräfte. Es galt das Schicksal ihrer Tochter.

„Philomene", hauchte sie kaum hörbar. „Dein Vater nannte Dich oft die Primadonna. Er wird Dich für die Bühne gewinnen wollen. Begreifst Du, was es bedeutet, der sterbenden Mutter ein Versprechen zu geben?"

„ Tas Kind war damals zwölf Jahre alt. Sie flüsterte mit schluchzender Stimme der Sterben­den ihr „Ja" zu.

„Nun, so versprich mir heilig, nie die Bühne ju betreten, auch wenn Du Dir mit Deiner Stim­me das Brot verdienen müßtest l"

Philomene versprach, den Wunsch der Mutter zu erfüllen, und noch später, wenn sie im Glanze ihrer Jugend bewundert und beneidet um ihr Talent als Sängerin der Versuchung widerstand, rankte sie im Herzen der sterbenden Mutter für ihre weise Fürsorge.

Der frühe Tod der Gattin und Mutter war wie w oft un Leben, auch für diese Familie der Anfang vom Ende. Der Vater war jetzt ohne u Ä. und konnte sich über den zum Teil verschuldeten Verlust nicht trösten. Seine Schlue­ter ein Alltagswesen in des Wortes wahrster Bedeutung — hatte nicht den mindesten Einfluß auf ihn. Der langjährige Wirkungskreis war >en Armen zum Orte des «schreckens geworden, und da seine leichte Ausfall !g der Dinge ihn am Nachdenken und Prüfen hinderte, so verließ er die Stadt und zog als Kapellmeister einer wan­dernden Künstlertruppe — Musiker und Schau­spieler — in die Welt hinaus.

Es muß wieder und immer wieder betont werden, wir haben nicht verlangt, daß am 1. April die Truppen auf 2500 Mann reduziert werden sollten, sondern wir forderten nur die Vorbereitungen für die Reduzierung, damit, wenn der Friede geschlossen fei, die Regierung nicht etwa sagen könne, wir haben für die Heim- sendung keine Vorbereitungen getroffen. Das Zentrum ging einig in diesem Punkte mit dem Kolonialdirektor Dernburg, welcher sich dahin erklärt hatte, daß er einen Ersah für die Schutz- truppen durch eine Miliz oder auf andere Weise schaffen wolle. (Lebhafte Zustimmung im Zen­trum.) Für die Verminderung der Truppen, für ihre Rücksendung nach Deutschland, für ihren Ersatz durch billigere Polizei truppen waren weitausschauende Vorbereitungen notwendig und wir sagten uns daher, daß, wenn nicht schon im laufenden Etat mit diesen Vorbereitungen begonnen werde, die von uns angestrebten Er- parnisse erheblich hinausgeschoben und wesent- ich verringert werden würden.

neues Zuchthausgesetz. Als ich das hörte, da dachte ich mir: jetzt werden die Bun­desgenossen da drüben (nach links) entzückt sein. (Heiterkeit.) Aber es war nichts. Es scheint, hier ist die erste Unstimmigkeit in dem Konzert, dessen Konzertmeister oder dessen Impresario wenigstens (Heiterkeit) der Herr Reichskanzler ist. (Heiterkeit.) Aber viel­leicht ist der Vorschlag des Herrn Winckler nur die andere Seite der Medaille, der Programm- medaille (Sehr gut! und Heiterkeit) des Herrn Reichskanzlers. Nach der einen Seite dies, nach der anderen Seite jenes. (Sehr gut! und Hei­terkeit im Zentrum.) Und dabei ist die Regie­rung so unschuldig. (Heiterkeit.) Sie hat gar nicht die Initiative ergriffen; sie ist von den Parteien gedrängt worden. Halb zogs sie hin, halb sank sie hin. (Heiterkeit.)

Und für den guten Ton in diesem Hause sorgt endlich als eine Art Oberzeremo­nienmeister Herr Dr. Semler, der anscheinend mit der Herausgabe eines Parlamentsknigge beschäftigt ist. (Große Heiterkeit.) Er hat sich gestern beklagt über die wenig urbanen Formen, in denen die armen bescheidenen Nationallibe­ralen (Heiterkeit) Jahre hindurch vom Zentrum behandelt worden seien. Dabei hat noch am 11. Dezember fein Kollege Dr. Paasche das Zentrum eine „befreundete Partei" genannt. (Hört, hört! im Zentrum.) Als ihm zugeruten würde: Beweise, da hieß es: avtog eya ich hab's gesagt! Ich wollte einmal sehen, wenn man vor einem Gericht damit als Beweis körne, daß man sagt: ich hab's gesagt. (Heiter­keit.) Jedenfalls ist dieser Ausspruch der beste Beweis für die persönliche Bescheidenheit des Herrn Dr. Semler. (Heiterkeit.) Wenn auch aus dem Putsch auf Fernando Po nichts gewor­den ist — trotzdem steht er hier unter uns als der Uebermensch, als der Herr-Mensch: ?ya ich hab's gesagt .(Große Heiterkeit.)

Herr Dr. Semler ist bann auch auf das Klatschen anläßlich der Neichstagsanflösung zu sprechen gekommen, und er hat das Klatschen feiner politischen Freunde damit motiviert, daß nun endlich der Bann gebrochen worden sei, den das Zentrum auf die armen Nationalliberalen gelegt habe. (Heiterkeit.) Was die äußerste Linke anlangt, so hat er offenbar die Ironie nicht verstanden, die hier aus dieser Gefühls- j

Der dankerfüllte Blick der Brant entschädigte ^esko reichlich für feine Großmut.

Eine halbe Stunde später war die Witwe Phi- lomene Mühlacker Lady Stapleton, das Glied einer der angesehensten Familien der Vereinigten Inseln geworden

4.

Versetzen wir uns im Geiste zurück in die Zeit, da man fünfundzwanzig Jahre weniger schrieb

Em junger deutscher Klavierlehrer hatte so­eben seine Studien auf dem weltberühmten Kon­servatorium zu Stuttgart vollendet. Zwischen der Gouvernante eines gräflichen Hauses und dem Musiklehrer hatte sich ein zartes Verhältnis entspannen. Die Brücke dazu bildete beider Ver­ständnis für das Göttliche in der Welt der Töne.

Die Gouvernante stand vereinsamt in der Welt. Seit ihrem zehnten Jahre eine arme, ver­lassene Waise, sehnte sie sich nach einem eigenen Heim, mochte es auch noch so bescheiden sein, und von inniger Dankbarkeit war ihr Herz beseelt gegen den, der sie zur Herrin feines häuslichen Herdes machte.

. Nur mit Widerstreben ließ die gräfliche Fa­milie die Gouvernante ziehen. Alle hatten sie in den zwei Jahren, da letztere im Hause weilte liebgewonnen, und das gräfliche Paar ließ sich's nicht nehmen, einen Teil der Schuld, wie es sich ausdrückte, dadurch abzutragen, daß es das Heim des jungen Paares geschmackvoll einrichtete und durch eine gerade fürstliches Geschenk seine Exi- tenz für die nächsten Jahre sicher stellte.

Bald wurde das niedliche Heim belebter. Ein Mädchen und hernach ein Knabe tummelten sich tn den Räumen, und die junge Mutter fühlte sich auf dem Gipfelpunkt des Glücks angelangt, wenn man überhaupt hrenieden in diesem Tale der Zähren von Glück sprechen kann.

Doch keine Rosen ohne Dornen! Hermann Klette war ein gottbegnadeter Künstler, eine hei­lere, edle, für alles Schöne begeisterte Natur und

Es ist weiter gesagt, unser Antrag bedeute emen Eingriff in die Kommandogewalt. Wir halten die Verfassung hoch, denn wir sind eine Verfassungspartei.. Zu uns gehörte der Abge­ordnete, der zuerst die Wiederaufrichtung des Kaisertums gefordert hat: Reichensperger. Wir erblicken im Kaisertum einen Hort zum Schuhe der Rechte und der christlichen Ordnung. (Bei­fall im Zentrum.) Es fällt uns daher"gar nicht ein, bie Rechte des Kaisertums irgendwie zu schmälern, das überlassen wir ruhig den neuen Freunden des Reichskanzlers, speziell der Deut­schen Volkspartei, die noch in ihrem Programm bom Jahre 1895 das kaudinische Joch aufgerich­tet hat, daß sie die Mitwirkung des Reichstages bei Erklärung von Krieg und Frieden verlangt. (Sehr richtig im Zentrum.)

Die Kommandogewalt des Kaisers erstreckt sich nur auf die Truppen, die auf Grund des Gesetzes über die Friedenspräsenz ihm unter­stellt sind, aber es gibt kein Gesetz, welches die Friedenspräsenzstärke der Schuhtruppen regelt. Es gibt kein Gesetz mit der Verpflichtung, Trup- pen zum Dienste in den Schutzgebieten zu be-

Heöe des Abg. vr. Zchadler

im Reichstage am 2. März 1907.

Der Abg. Fürst Hatzfeld hat gestern darüber geklagt, daß, während früher hier von großen Dingen gesprochen worden sei, jetzt die klein­liche Parteipolitik einen so «breiten Raum einnehme. Diese Klage ist verständlich vom Standpunkt eines Mannes, der auf so stol­zer Höhe wandelt wie Fürst Hatzfeld. (Heiter- feit.) Aber in den Niederungen der misera plebs interessiert man sich nun einmal für die Stellung der Parteien, will man wissen, was sie wollen, was sie sollen, was sie tun. Nun ist ja aber vor allen Dingen dem Reichstag eine große positive Aufgabe gestellt worden durch den Abg. Winckler. (Sr verlangt, wie er sich euphe­mistisch ausdrückte, einen erhöhten Schutz der Arbeitswilligen, also mit anderen Worten ein

Grüne Augen.

Roman von Dr. F. T. Eß.

10] «Nachdruck verboten.)

„Du bist eine unnatürliche Schwester. Wer zwang Dich denn, ihm von meinen Kindereien zu erzählen? Ich muß mich bei ihm rein waschen. Stelle mich ihm vor!"

„Kindereien sagst Du? Und Dich ihm vor- ' stellen? Nie, nie!"

„Na, dann besorge ich es selbst. Vielleicht be- reust Du nachher Deine Weigerung!"

Philomene rang verzweifelnd die Hände. „Was habe ich denn getan, „daß Du mich zu Tode quälst Mnd mit Deinem Haß verfolgst? Wenn Du Geld brauchst, sag es — aber Ausnahme in dies Haus — nie, nie!"

»JE brauche Geld, ja, um etwas zu werden. Aber ich brauche Hilfe in einer anderen Weise Sei nicht hatt, Philomene! !)tur dies einmal noch V* flehte er.

„Wieviel Lasten bürde ich nicht Jesko auf, der mich so felbstlos liebt!" jammerte die Schwe­ster. „Nein, ich will meinem seligen Vater zu Liebe das schwere Opfer bringen und Dich Jesko .vorstellen. Kunigunde!"

Die Gerufene erschien. „Sei gut mit ihm", befahl Philomene, „und vergiß, was wir um seinetwillen gelitten, er will ein ehrlicher Mensch werden.

- , Tie Klingel ertönte. Jesko trat ein. Hastig ■gmg er auf seine Braut zu und küßte ihr galant die Hand. „Tu hast geweint?" fragte er besorgt.

»Mein Bruder — Du weißt ja — ist vorhin angekommen."

„Der Bruder meiner Philomene soll auch mein ^Bruder fern!" sagte Jesko und hielt dem Fremden die Rechte hin.