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DtrairtwetttHer Schriftleiter: 3. Banat; für »ir Anzeige»: ). parzeLer in Znlda
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INonatrbrXage: „ZuldaN GeschlchKblStter
R»tatt»nrdru<l u. Verlag der Fuldaer Ac> tiendr ackeret in Znlda Zernfprecher Nr 9.
-An»eigen: die einspaltige peützelle oder deren Baum 15 Ps r Ntklamen sit Petit-c, t 25 Pfg.; bei Witter« Holungen wird entsp-. Rabatt gewährt.
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w»che«bellagt:„3ll«sttiette§onntagrzeitung"
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Fulda, Mittwoch den 27. Februar 1907.
34. Jahrgang.
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gewiß Deinen Geschmack teilen und Deine Wünsche befriedigen."
„Kind, es ist Pflicht einer Gattin, ihren Ge« schmack dem des Gatten unter^uorbnen Ich habe dies zu tun versucht. So bin ich äußerlich glücklich, mein Gatte hat von der Oede in meiner Brust nicht die leiseste Ahnung. Und nun findest Du auch eine Erklärung für mein Bangen um meinen Jesko: der arme Junge fühlt wie ich. Es ist ihm zu einsam geworden im Vaterhause, er sehnt sich nach einer weniger ruhigen Atmosphäre, und wenn ich auch seine Abwesenheit bedauere, so versöhnt mich andererseits der Gedanke, Jesko könnte draußen in der Welt gefunden haben, was ihm hier mangelte."
Ellen schrie auf. Durch die dichte Haselnußstaude zur Linken hindurch hatte sie einen Reiter gesehen, der langsam auf die Ruine zuritt. Er mußte offenbar ortskundig fein. \
Standhaftigkeit der Konservativen sich erst währen! Oder machen sie die Reform BörsengesetzeZ mit?
„Ja, Du bist eben auch anders aufgezogen worden als ich. Sieh, Liebling, ich erlebte meine Kindheit in einer Gegend, wo man die Riesen der Alpenwelt mit der Hand durchs Fenster grei- fen kann. Würzige, reine Luft weht dort und über Berg und Tal lacht die Sonne vom tiefblauen Himmel herab. . . Ich kam dann zu Klosterfrauen zur Ausbildung. Die Hausordnung war streng, aber nie sah ich andere, als heitere, zufriedene Gesichter. Und der Klostergartenl Wenn die Sonne mit ihren Strahlen über das , .. -------- -------
Hochgebirge herüberlachte, so glänzten die Tau- »entdeckst Du Dich nicht dem Onkel? Er würde . - , _~ _ i Annitb Clin» i U rt 4 4. vs. -JT Tss« « < r7\ - cm •• f *
Vorwurf zu machen, daß sie die konfessionellen Leidenschaften erregt hätten, schreibt die,Kreuzzeitung': „Das alles ließe sich hören, wenn die Vertreter des Flottenvereins sich auf die Bekämpfung der Sozialdemokratie beschräntt und nicht das Zentrum als eine noch größere Gefahr bezeichnet, den furor protestantirus gegen diese Partei zu Hülfe gerufen hätten. Aber so wenig man verständigerweise in die Post-, Eisenbahn-, Krieger- und Kolonialvereine den konfessionellen Hader bineinzutragen versucht, so wenig sollte man auch im Flotten-
In wenigen Minuten hatte der Reiter die Biegung des Weges erreicht. Es war ein schlank gewachsener junger Mann in Reisekleidung. Er sah prüfend nach links und rechts. Als er das volle Gesicht der Bank zuwandte, stutzte er, dann sprang er vom Pferde und eilte auf die beiden Damen zu.
„Muttep, Mutter, erkennst Du mich denn nicht mehr?"
„Jeskol" kam es von den Lippen der Schloßherrin, und sie breitete die Arme aus, um den lang Vermißten ans Mutlerherz zu drücken.
Eine halbe Stunde später war Ellen in ihrem Stübchen allein, um sich für das Diner änzuklei- den. Sie überdachte die plötzliche Ankunft Jeskos noch einmal und die Sache kam ihr wie ein Traum vor.
„Er" war ganz derselbe geblieben. Die Züge ! der Mutter, noch immer so weich und melancholisch, das Auftreten noch immer so jugendlich- knabenhaft... Ob „er" wohl in Stapleton bleiben wird? Er hat so viel gereift: wird es ihm hier in diesem stillen Schlosse nicht langweilig werden? Wenn es nur von ihr, von Ellen abhinge, ihn zurückzuhalten? Hat die Tante nicht darauf angespielt, als sie von Jeskos Verheiratung sprach? Der Zauber des eigenen Herdes, die Erinnerungen an die gemeinsam verlebte Jugendzeit mußten ihn daran denken lassen, daß es doch nirgends so schön wäre als hierl Wie würden sie mit einander musizieren, Sprachen treiben, spazieren gehen, reiten und fahren l
Weiter kam Ellen in ihren Gedanken nicht. Sie war eine furchtsame Natur, ihrer Reize unbewußt und völlig verzagt, wenn es sich darum handeln würde, einen Einfluß auf den vielgereisten Vetter auszuüben. Sie dünkte sich so tief unter den Mädchen stehend, die Jesko auf seinen Reisen gesehen haben mußte.
Der Eintritt der Tante unterbrach Ellens Ge- dankengang. So schnell hatte die oute Tante noch
Grüne Augen.
Roman von Dr. F. 3c. Eß.
(Nachdruck verboten.)
nie Toilette gemacht. Ein Mousselinkleid umschloß ihre schlanke Gestalt, im Haare trug sie eine verwelkte Rose und am Halse wurde das Kleid von einem in Diamanten gefaßten Medaillon zu- ämmen gehalten, das die Schloßherrin von ihrer Großmutter mütterlicherseits geerbt hatte. Jesko hatte als Kind stets große Freude an diesem Kleinod gehabt, und die Mama hatte ihm einst versprochen, daß seine Braut das Kleinod erben sollte.
„Du willst doch nicht etwa dies blaue Kleid heute tragen, Ellen?" begann die Tante. „Das weiße steht Dir besser. Trag' es ihm zu Ehren! Eile Dich, die Herren warten auf uns. Robert ist eben auch angekommen. Wenn Du gesehen hättest, wie Papa den unstäten Wanderer in die Arme schloß, so stürmisch, daß ich meinen Gatten gar nicht mehr kannte! Er vergaß sogar, daß er das Geld mit vollen Händen ausstreute. . . . Aber komm' jetzt, mein Liebling!"
Sie küßte die Nichte auf die weiße Stirn und verließ mit ihr Arm in Arm das Mädchenstüb- chen. Man hätte sie für zwei Schwestern halten können, so sehr hatte die Freude die Schloßherrin verjüngt.
Als die Damen das Eßzimmer betraten, waren der Schloßherr und die beiden Söhne bereits anwesend. Aber die Schloßherrin war enttäuscht. Jeskos Auge ruhte voll Entzücken auf der Mutter, nicht auf Ellen.
„Mama bleibt ewig jung und entzückend, nicht wahr?" wandte sich der Lord an seine Söhne. «Sie ist die Sonne unseres Hauses." Damit ging er auf die Gattin zu und küßte ihr, wie einst als galanter Bräutigam, die zarte, weiße Hand.
Man setzte sich zu Tische, allseitig innig erfreut und glücklich, daß man sich wieder endlich gefunden hatte. Jesko aber hielt diese Stunde in seinem Gedächtnis fest, und die Erinnerung daran wurde ihm später manchmal ein Trost in trüben Stunden.
Deutscher Reich.
Berlin, 26. Februar 1907.
Zur Reichstagspräsidentenwahl schreibt | bie ,Kons. Korresp/: „Die Reichstagspräsidenten- I wähl wird in der Presse noch immer besprochen und dabei will man noch immer nicht von der Legende ablassen, daß die Konservativen nur durch einen „Druck von oben" oder durch Eingreifen der „Wilhelmstraße" bewogen worden seien, sich gegen den vom Zentrum präsentierten Kandidaten zu wenden. Wir müssen dringend bitten, von der Verbreitung dieser Angabe endlich Abstand zu nehmen. Es liegt doch auf der Hand, daß die Konservativen sich nicht ohne weiteres von der „Wilhelmstraße" dirigieren lassen, sondern ihrer Ueberzeugung gemäß handeln. Die Rücksicht auf die augenblickliche politische Lage war es, die die konservative Reichs- tagssraktion bei der Präsidentenwahl zu ihrer Stellungnahme, deren Korrektheit wohl kaum bestritten werden kann, allein bestimmte. Man würde sich namentlich auf der Linken sehr stark täuschen, wenn man dort onnehmen wollte, die Konservativen seien geneigt, einem „Drucke" von irgendwelcher Seite nachzugeben." Wir können demgegenüber feststellen: 1. Die Konservativen waren bereit, dem Zentrum den ersten Präsidenten zu geben, falls noch eine Fraktion aus | der „nationalen" Mehrheit diesen Vorschlag mache; 2. der Chef der Reichskanzlei arbeitete mit Hochdruck, daß diese Bedingung nicht erfüllt werde; 3. dann zogen sich die Konservativen zurück. Im übrigen freut es uns, wenn die
* Eine konservative Stimme gegen Konfeffionshader. In dem Moment, wo Reichskanzler sich berechtigt sah, im Reichstage dem Zentrum und den Katholiken allein den
„Meinst Du? Ich meinerseits kann von Einförmigkeit hier nicht reden. Das Leben ist mir hier so süß geworben, wie ich es wohl anberswo nie gefunden hätte."
)?( Liberale Heuchelei.
der nationalliberale Männer stolz zu Beginn der Reichstagssitzung am Dienstag doch so gedrückt war! Weder nach links noch nach rechts getrauten sich die Mannen zu schauen ob des Sündenregisters, das ihnen der sozialdemokratische Abg. Bebel über ihre „nationale" Heuchelei vor Augen hielt. In Entrüstung arbeiteten sie, als das Zentrum im verflossenen Wahlkampfe dem nationalliberalen Kulturkänipfertum in diesem oder jenem Wahlkreise nicht zum Siege verhelfen wollte und lieber Gewehr bei Fuß stand in denjenigen Wahlkreisen, in welchen den nationalliberalen Kandidaten ein Sozialdemokrat gegenüber stand. Geradezu in Wut sind aber die Liberalen vor Entrüstung geraten, weil hier und da, z. B. in Hanau Zentrumsstimmen einem sozialdemokratischen „Genossen" zu gute gekommen sind. Und welche Enthüllungen machte jetzt Bebel in seiner Etatsrede?
Wer den Worten Bebels am Dienstag folgte, fand es nur zu begreiflich, daß die Herren auf den nationalliberalen Bänken allen Grund hatten, stumm und resigniert auf der Anklagebank zu fitzen. Zwar haben ja die Vorgänge bei diesem Wahlkampfe wie auch bei früheren Gelegenheiten gezeigt, daß der Nationalliberalismus von jeher mit besonderer Leidenschaftlichkeit dem alten Satze: Lieber rot als schwarz" nachgegangen ist. Beweise dafür sind vor und nach der Wahlschlacht zur Genüge erbracht worden. Heute aber berichtete Bebel über eine ganze Reihe von Techtelmechteln, welche zwischen den Nationalliberalen und den Sozialdemokraten zum Abschluß gebracht werden sollten. Von den Feststellungen, welche in das Jahr 1905 für diebadischenLandtags- wählen zurückgreifen, wollen wir noch absehen; Bassermanu wird ja selbst wissen, daß offiziell damals, das Abkommen getroffen wurde, daß die nationalliBerale Partei die Genossen in fünf Wahlkreisen gegendasZentrum unterstützen sollte. Er muß auch davon Kenntnis haben, daß dieses Abkommen den Sozialdemokraten zwei Wahlkreise in bie Hände lieferte, und sarkastisch rief ihm Bebel hierzu entgegen: „Weiß Herr Bassermann nicht, wie damals Reserveoffiziere, hohe Staatsbeamte, Pfarrer, Lehrer und! Kriegervereinler ohne Ausnahme für den Sozialdemokraten gestimmt haben?" Ganz verdutzt waren die national- liberalen Seelen ob dieser Entgegenhaltung. Nicht ein einziger wagte auch nur den geringsten Zwischenruf!
Noch schöner klang alles, was Bebel vom nationalliberalen Sündenregister bei den jetzigen Reichstagswahlen von der Tribüne aus der Partei des Herrn Bassermann ins Gesicht schleuderte. Ganz im Sinne des flottenbereinli- eben Geschäftsführers haben die nationalliberalen Herren gehandelt. Ihr Streben war darauf gerichtet, die Sozialdemokratie für sich z u gewinnen, wofür sie ganz liebevoll G c- genbienfte in Aussicht gestellt haben. Obne jeden Widerspruch auf Seiten der Nationalliberalen, wohl aber unter unausgesetzten „Hört-hört"-Rufen des Zentrums mußten sich die nationalliberalen Heuchler sagen lassen, daß die Nationalliberalen in Freiburg sich bereit erklärt haben, ihre Parteigenossen in Mainz und K ö l n zu veranlassen, für den Sozialdemokraten zu stimmen, falls die Sozialdemokraten bie Nationalliberalen in Freiburg unterstützen würden. Für diese Liebesdienste wollten sich die National- liberalen weiter Gießen, Osnabrück und Hildes
Konservativen keinem „Druck von oben" weichen. Wenn Fürst Bülow fein im Reichstage entwickeltes Programm durchführen will, muß d.e - ------ ~ ‘ ’ ■' ' K-
tropfen wie Millionen von Edelsteinen. Jasmin und Veilchen und Rosen dufteten zu den offenen Fenstern herein, und wenn wir bann in den Garten hinabstiegen, so konnten wir mit der luftigen Sängerschar in den Zweigen der in weißen Blüten gerade prangenden Bäume um bie Wette fingen. . . .
Als meine Schuljahre zu Ende waren, durfte ich reisen, hinüber über die weißglänzenden Eis- riesen nach dem benachbarten Italien. Ich sah das wildromantische Oberitalien, sah Paläste und Kirchen aus r. stßem Marmor, stieg hinab in die Campagna, sah bie einstige Weltstadt Rom mit den Wahrzeichen einer großen Vergangenheit be- trat Petri ewigen Dorn, empfing den Segen des Nachfolgers des Apostelfürsten, weidete den schön- beitstrunkenen Blick an den unsterblichen Schätzen des Vatikans
heim von den Sozialdemokraten verschreiben lassen. Wir verstehen es recht gut, daß Herr SBof- fermann bei diesen Enthüllungen daS Bedürfnis hatte, außerhalb des Sitzungssaales zu verweilen und erst dann auf der Bildfläche zu erscheinen, als Bebel sich bereit» einem anderen Gegenstände zugewandt hatte.
Das find d i e s e l b e n nationalliberalen Herren, welche sich immer noch in der höchsten Entrüstung über daS Zentrum gefallen! Hiergegen hat aber auch der Reichskanzler absolut nichts einzuwenden. Oder wird er sich auch den Nationalliberalen gegenüber zu dem Bekenntnis ermannen, daß er sie so oft und fo unwidersprochen in einem Topf mit den Sozialdemokraten zusammen gefunden hat? Wir werden auf eine folche Feststellung lange warten dürfen.
I verein diese- im schlimmsten Sinne antinational wirkende Gift verbreiten. Herr Viktor Schweinburg beleidigt jene nationalen Vereine ohne jeden Anlaß, wenn er ihnen vorwirst, sie ließen sich durch Sozialdemokraten und Juden von der Erfüllung ihrer nationalen Pflicht abschrecken. Da sehr viele ihrer Mitglieder der Zentrums- Partei angehören, andere den liberalen und konservativen Parteien, so verbietet sich ihnen eine Agitation von Vereinswegen gegen eine von diesen Parteien von selbst. Daß sie bei den Wahlen geschlossen gegen die Sozialdemokraten vorgehen, wird Herr Viktor Schweinburg nicht bezweifeln können. Jede andere Agitationstätigkeit aber dürften und sollten sie nur als Mitglieder politischer Parteien ausüben, und es ist Sache der organisierten Parteien, nicht des Flottenvereins, sie dafür zu gewinnen." Angesichts dieser Feststellungen berührt eS doppelt eigenartig, wenn der Reichskanzler nur die Abwehr im Zentrum sieht und nicht die Hetze'von anderer Seite. Allerdings hat dasselbe Blatt in der Wahlbewegung zwei Mal eingestanden, daß ein neuer Kulturkampf geplant sei! Er hat sich beidemal sehr scharf gegen diese Hetze gewendet! Aber bis heute hat man noch fein Wort aus dem Zenttumslager feststellen können, daS die konfessionelle Hetze entfacht hätte.
* Der Abg. Bonderscheer (Elsäsfer) ist zum Vorstandsmitgliede der Zentrumsfraktion de- Reichstages gewählt worden.
* Personalien aus der Kolonial-Abteilung veröffenttichen die .Kiel. Neuesten Nachr/. Wir entnehmen den Mitteilungen, daß Geheimrat Dr. Seitz nicht nach Kamerun gehen wird, sondern daß ihm, sobald daS neue Kolonial - Amt bewilligt ist, eine „hohe" Stellung in diesem Reichsamte Vorbehalten ist; er soll also wohl Unterstaatssekretär werden I Ferner soll es nicht richtig sein, daß der Wirk!. Legationsrat v. Jacobs auS dem Kolonialdienste in den Konsulardienst zurücktreten wird. Herr v. Jacobs werde zwar fein Justiz - Reservat an den aus Südwestafrika zurückkehrenden Oberrichter Dr. Meyer abtreten, aber eine andere Verwendung im Kolonialdienste finden. Außerdem registriert das Kieler Blatt das Gerücht, Geheimrat v. d. Groeben, der in der Kolonial-Abteilung außer dem wirtschast- tichen Dezernat auch das Presse - Dezernat inne hat und dessen Zusammenarbeiten mit dem Generalmajor Keim bei der Abfassung der gegen das Zentrum gerichteten Flugblätter des deutschen
| Floltenvereins aus den Enthüllungen des ,Bayer. Kur/ bekannt geworden ist, werde aus dem Kolonial-Amte ausscheiden. Allerdings fügen die ,Kiel. Reuest. Nachr/ hinzu, daß sie an dieses Gerücht nicht glauben. Geheimrat v. d. Groeben hat bekanntlich die Schrift „Lügen des Herrn Erzberg er" geschrieben, in welchen er selbst mit der Wahrheit sehr unsanft umging.
* Händeklatschen ist im Reichstage nicht üblich, scheint aber allmählich in Mode zu kommen. Am Montag folgte der Rede des Reichskanzlers links und rechts nicht nur Beifall, son- dern ein Teil des nationalen Blockes ließ sich auch dazu hinreißen, die Bülowsche Rede mit Händeklatschen auszunehmen. Der Präsident rügte in der Dienstagssitzung diese neueste parlamentarische Unsitte, wollte aber in Rücksicht auf die starke Besetzung des Hauses das Händeklatschen selbst nicht vernommen haben, sondern von anderer Seite erst daraus aufmerksam gemacht sein. Gras Stolberg warnte auch die
Tribünen, an irgend welchen Kundgebungen für das Hans sich zu beteiligen. Es sind also dieselben Vorgänge, welche sich bereits abgespielt haben, als die Kolonialdebatten im vorigen Reichstage kurz vor Auflösung zur Beratung standen. Damals schon hat Gras Ballestrem dem Hause ähnliche Vorhaltungen gemacht, sie sind aber auch im neuen Reichstage unbeachtet geblieben.
* Dem Reichstage ist ein Antrag Arendt (Mansfeld) auf Einführung einer Wehrsteuer zugegangen, die für die Versorgung der Invaliden und Veteranen zu verwenden sei. Ferner liegt ein Antrag Dirksen vor aus eine den heutigen Preisverhältnissen entsprechende Gehaltsaufbesserung der unteren und mittleren Reichs« beamten oder auf Gewährung einer der gegenwärtigen Verteuerung der Lebenshaltung entsprechenden vorläufigen Zulage.
* Dankenswerte Offenherzigkeit. Kaum wittern die Liberalen Morgenlust, da glauben sie auch schon, ihrer wahren Natur keinen Zwang mehr antun zu sollen und brutal die Vergewaltigung, Unterdrückung und Beseitigung aller Andersdenkenden fordern zu dürfen. In der ,Köln. Zig/ wird der Regierung vorgehalten, daß sie die Wahlsiege des Zentrums selbst verschuldet habe, indem sie Katholiken al- Beamte anstellte und freundliche Beziehungen zwischen Staatsbehörden und der Zentrumspactei duldete. Es wird daraus der Schluß gezogen: „Für die Staatsregierung erwächst hieraus die Ausgabe, wenn sie nicht künftighin vor gleich« Ueberraschungen gestellt fein will, die in den letzten Jahren vollzogene Besetzung von Staats st eilen sowohl bei den Zentralbehörden wie in den Provinzen einer nüchternen Prüfung zu unterziehen." Eine saubere und anständige Gesellschaft diese angeblichen Liberalen! Das sind dieselben Leute, die sonst gleich über eine wirkliche ober angebliche Maßregelung von Beamten auS politischen Gründen ein Mordsgeschrei erheben und immer hoch und heilig versichern, bei der Anstellung von Beamten entscheide allein und dürfe allein entscheiden die persönlich» Befähigung. Kaum fühlen sich die Edlen al- regierende Partei, da treten sie schon schamlos mit der Forderung auf, daß die Katholiken und Anhänger der Zentrumspartei von den Staat-' ämtern ausgeschlossen werden ntüffen. Und dabei bilden Katholiken in den höheren Stellen noch immer Ausnahmen, mach denen man mit der Laterne suchen kann. Kein Minister ist Katholik, unter den Oberpräsidenten ist ein ein- ziger Katholik, in den Ministerien bilden die katholischen Räte eine verschwindende Minderheit. Der edlen liberalen Duldsamkeit ist aber das noch zu viel. Es ist „antinationale Arroganz", daß Katholiken überhaupt ein höheres Staatsamt aufzunehmen wagen. Alle Aemter müssen den Liberalen vorbehalten bleiben. Das wird ja einstweilen noch nicht ausdrücklich ge- agt, aber sobald der Reichskanzler erst mit der .Paarung konservativen und liberalen Geistes" ertig ist, werden die Liberalen zweifellos daraus dringen, daß die konservativen Beamten beteiligt und an ihre Stelle die so überaus tüchtigen wie bescheidenen Liberalen gesetzt werden.
* Die Sozialdemokraten haben im Reichstage folgende Interpellation eingebracht: „Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß daS Reichskanzleramt, das Reichsmarine- amt, das Reichspostamt und das Oberkommando der Schutztruppen in die
Als ich ins Vaterhaus zurückkehrte, kostete c3 mich Mühe, mich wieder zu erkennen. Und das Geschick ließ mir keine Zeit dazu, Lord Stapleton kam, wir liebten uns, und wenige Monate später hielt ich meinen Einzug ins Schloß Stapleton."
Sie hielt inne und sah Ellen schmerzlich an. „Noch keinem Menschen", fuhr sie dann fort, „habe ich erzählt, was Du jetzt gehört hast, Ellen. Ich klage nicht über mein Lotz, das eine andere viel- leicht dankbar segnen würde. Mein Gatte ist der edelste Mensch, der je gelebt. Aber er ist nicht mitteilsam und von Dinge« in Anspruch genommen, für die ich mich nie interessieren konnte Robert hat weder Freude an Büchern noch an der Kunst. Wir reifen nicht, wir sehen nur an Neujahr Besuch bei uns. Und doch birgt diese fried- liebe Vereinsamung ein Glück in sich, das mir genügen sollte. Aber ich habe zu viel des Schönen gesehen, ich habe das süße Gift gekostet, ich habe Ansprüche in meinem Herzen genährt, für die ich hier im Hause kein Verständnis finde. . /
„Warum aber", unterbrach Ellen die Tante, j