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Betattensbrud u. Verlag bet Selbe et Be» tienbr tderei in Selbe. Sernsprecher Ht 9.

Fulda, Montag den 25. Februar 1907.

M 46.

34. JahrgMg.

r§ür den Monat HlärP nehmen alle Postanstalten, Landbriesträger, Zertungsträger und die ExpeditionsHarmonie)

l Bestellungen auf die ,Fuldaer Zeitung^

| zum Preise von 50 Pfennig (ohne Bestell- il I gelb und Bringerlohn) fortwährend an. \\

* Zu der Wahl de§ Präsidiums im Reichstage

nimmt die ,Nordd. Allg. Ztg.' in ihrer Nr. 47 vom 24. Februar nochmals das Wort. Sie schreibt:

„Durch die Wahl eines konservativen Prä­sidenten und zweier liberaler Vizepräsidenten ist die Frontstellung der Parteien während des Wahlkampfe- auch äußerlich bei der Konstitu­ierung deS Hauses zu markantem Ausdruck ge­kommen. Zweifellos hätte sich weiter Wähler- schichten eine empfindliche Enttäuschung be­mächtigt, wenn nach den Wahlen das Zentrum, gleich als ob nichts geschehen wäre, wieder den ersten Präsidenten gestellt und so dem neuen Reichstag den Stempel einer besonderen Macht- stellung aufgedrückt hättet

Wir meinen, daß die Machtstellung des Zen­trums auch jetzt bestehen bleckt, obwohl der „nationale" Block es vom Präsidium ausge­schlossen hat. Köstlich aber ist es, wenn das offiziöse Organ schreibt: „Gleich als ob nichts geschehen wäre"! Wer war es denn, welcher nach dem Ausfall der Hauptwahlen jede Be­kämpfung des Zentruuis, die vorher der gesamten Wählerschaft so sehr ans Herz gelegt wurde, gänzlich beiseite stellte, „gleich als ob nichts ge- chehen wäre"? Wir dächten, daß sich die offiziöse ,Nordd. Allg. Ztg/ am besten daran erinnern düiste, auf wessen Seite dieser Um­schwung sich so rasch vollzogen hat. Das oifi- ziöie Organ orakelt aber aus dem Ausfall der Präsidentenwahl noch mehr. Es schreibt nämlich:

„Jedenfalls tft bei diesem ersten Anlaß, dem eine gewiffe sym ptomatische Bedeu­tung nicht abzusprechen ist, die konservativ- 'iberale Paarung erfolgreich in die Er- cheinunq getreten. Wenn die Zentrumspiesfe iber sich über die ihr unerquickliche Gegenwart rurch Hoffnungen auf die Zukunft hinweg-' röstet, in der das Einvernehmen zwischen den Konservativen und den liberalen Parteigruppen durch die rwiicken ihnen bestehenden tKeneMäke der Anschauungen schon von seiber in die Bruche gehen werden, so ist zu hoffen, daß diese Spekulation an der Klugheit, Beionnen- hfit und dem „nationalen" Sinn der beteiligten Parteigruppen zuschanden werden wird. Denn gerade das Gefühl für „nationale" Ehre, das über dem Parieigeist unb über der Partei- enelkeit zu stehen hat und das nicht erlaubt, sich halb und halb als ein Staat im Staate zu fühlen, bildet für die Konservativ-Liberalen ein Bindemittel, dessen Stärke hoffentlich dem Zentrum und seinem Anhang eine peinliche Ueberraschung bereiten wird."

Daß man in gewissen Kreisen sich zu liefet Hoffnung aufichwingen möchte, glauben wir recht gern. Noch deutlicher spricht ans Dielen Zeilen aber der Wunsch derselben Herren, daß her „nationale" Block in allen Fragen mit

Grüne Augen.

Roman von Dr. F. T. Eß.

!-) (Nachdruck verboten.)

„Auch ich war in Frankreich, in Paris . . ." Der Mensch ist doch ein selbstsüchtiges Wesen. Tr beschäftigt sich mit dem Nebeumenscheu und Denkt koch gleichzeitig nur an sich. Nicht als ob Zesko der Sängerin seine Reisen erzählen und ibr so indirekt hätte sagen wollen, wie reich ein Mann sein müsse, nm solche Reisen zu machen: nein, di ses Zusammentreffen bildete sich vor sei- ncm geistigen Auge romantisch aus Das Wesen neses iungtn schönen Weibes zeigte sich im Laufe xr Unterredung von einer vorteilhafteren Seite ~ aber war schnell mit dem Schluffe zur vand, daß dre Sängerin ein Opfer des Schicksals iei, etn unglückliches Geschöpf, das zu einem glück­licheren Dasein berechtigt wäre — so eine Art Lornröschen, zu deffen Erwachen aus dem Schlafe des Unglück- ei nur des Königssohnes bedürfe. Dieser Königssohn aber — der konnte vielleicht Jesko Stapleton sein.

, Jesko war nahe daran, sich in diese Rolle hin'-inzudenken, als ibn die Stimme seines Frenn- des R derich zur Besinnung brachte.

„Geteilte Freude ist doppelte Freude, Staple- !ot’> %’tc er den Freund plötzlich sagen. .Bitte, l teil en C le mich den Damen vorl"

'n den sauren Avfel, worauf die -angcrm ihn wieder ins Gesvröch zog. fluni» 3iinte aber, die infolge ihrer Unkenntnis des Eng- liscken bislang den Unparteiischen gespielt hatte, nahm sich des Ankömmlings an. der mit großer Erduld den Redeschwall der Alten über sich er- ichen ließ, ohne dabei den Freund ans dem Auge >« verlieren. Und er fand auch bald heraus, wie um Jesko stand. Zu diesem Zwecke aber mußte Roderich dre Damen kennen lernen, was ibm. s

der Regierung durch dick und dünn gehen möchte. Lassen wir aber nur die erste wirtschaftliche Frage an den Reichstag herantreten, dann wird der Reichskanzler und mit ihm die Regierung eine „peinliche Ueber- raschung" erleben, wenn sie sich auch für jene Gebiete auf die unbedingte Zuverlässigkeit der konservativ-liberalen Paarung felsenfest verlasfen würde. Nur zu früh wird man in der Wilhelm» straße erfahren, daß praktische Politik in dieser Hinsicht auf einer ganz anderen Seite zu finden ist, auf einer Seite, die man so gern ignorieren möchte, wenn man nur könnte.

)::( Die Zahl der sozialpolitischen

Anträge

hat das Z e nt r u m abermals vermehrt. Am Samstag hat es im Reichstage zwei weitere An- träge eingebracht, welche die Privatbea.n- ten und das Bauhandwerk betreffen. Zu­nächst wird die Regierung um Vorlegung von Ge­setzesanträgen und Anordnungen ersucht, welche eine Ausdehnung der Erhebungen der Kommis­sion für Arbeiterstatistik auf die Verhältnisse aller Privatbeamten bezweckt. Weiter wird die Errichtung von Ausschüssen der Privatbeamten in größeren Betrieben, die Vertretung der Privatbe­amten in Arbeitskammern und die Schaffung von Schutzbestimmungen für Privatbeamte gefordert. Nach demselben Antrag soll die Kranken- und Un­fallversicherung in angemessenen Grenzen ausgedehnt und eine staatliche Pension?- und Re­liktenversicherung für Privatbeamte geschaffen werden. Schließlich wird eine gesetzliche Siche­rung für die Dienstkautionen gefordert für den Fall, daß der Arbeitgeber in Konkurs kommt.

Auch für die Wünsche der technischen Ange­stellten bat das Zentruin einen umfassenden An­trag eingebracht. Vor allem wird die restliche Gleichstellung mit dem kaufmännischen Angestell­ten gefordert. Sie soll sich im besonderen auf die obligatorische Zahlung des Gehalts nach Monars- schluh, auf die Gehaltsfortzablung bei milit'iri- schen Uebungen bis auf die Dauer von acht Wo­chen und auf das Verbot von Abzügen vom Gehalt für Beträge aus einer Kranken- oder Unfallver­sicherung erstrecken. Die weiteren Forderungen beziehen sich auf die Ausstellung eines Dienstzeug- niffes bei Dienstkündigung und auf die Konkur­renzklausel. Schließlich wird noch eine Verlänge­rung der Ruhezeiten, besonders Montags, und die Unterstellung unter die Gewerbe- oder Kauf- mannsaerichte gefordert. Der Antrag gilt auch für technische Angestellte in landwirtschaftlichen Nebenbetrieben, im Verkehrsgewerbe und im Bergbau.

WiS nun die Forderungen für das Bau- bandwerk betrifft, so ersucht das Zentrum die Reaierung, tunlichst bald einen Gesetzentwurf b> treffed Aenderung der Gewerbeordnung vorzule­gen, in welchem vorgeschrieben wird, daß be­sondere Beamte für Bankontrolle in genüaender Zahl an gestellt und gewählte Vertreter der Arbei­ter zu der Kontrolle zugezogen werden. Ander­seits sollen Verordnungen zum Schube der Bau­arbeiter auf Grund des § 120e der Gewerbeord­nung erlassen werden. Um aber den nach beider Hinsicht zu erlaffenden Vorschriften eine Zweck­mäßige Gestaltung zu sickern, soll vor Erlaß der­selben den beteiligten Arbeitaebern und Arbeit­nehmern unter besonderer Berücksichtiaung der bezüglichen gesetzlichen Vertretungen, zu denen die Handwerkskammern, die Jnnungsverbänd-, die Gesellenansschüffe usw. zu recknen sind, Gele­genheit zur gutachtlichen Aeußerung gegeben werden.

dank bet Redseligkeit der Alten, in kürzester Zeit gelang.

Die Familie hatte eine Art Nomadenleben geführt. Tas Haupt der Familie, ein angesehe­ner Musiklehrer, batte der sicheren, wenn auch nickt sehr lukrativen Stellung eines Dirigenten des katholischen Stadtkircheuckors und Musiklehrers an mehreren höheren Schulen die Stelle eines Theaterkapellmeifters voraezogeu und war so und im Verkehr mit dem leichten Theatervölkchen auf die schiefe Bahn geraten. Nachdem er einige Jahre von Stadt zu Stadt gezogen war, batte er sich in Paris niedergelassen, wo es mit dem Wohlstand der Familie rasch bergab ging. Ter Kapellmeister erlebte noch das Glück seiner Tochter; ein Be­amter der städtischen Verwaltung in Paris führte das schöne Mädchen an den Altar. Aber das Glück des Paares tvar nickt von langer Dauer. Der Franzose, ein Lebemann in des Wortes voll­ster Bedeutung, ging bald wieder seinen früheren „Neigungen" nach, und da er neben dieser einen „Nationaltugend" der Franzosen auch noch der zweiten, dein Absiutgenuß, huldigte, so nahte sich das Verhängnis in raschen Schritten. Noch war das Paar keine drei Jahre verheiratet, da lag der unglückliche Gatte auf der Totenbahre, seiner Fa­milie nichts hinterlassend als Jammer und Rot und die Berechtigung, seinem Andenken zu — fluten.

Ewige Monate nach des Gatten Tod gebar Philomene einen Sohn, etrt schmächtiges Wesen, das den Keim des Todes von dem unglücklichen Vater geerbt batte.

Der harte Kampf ums Tafein trieb die Witwe aus Frankreick fort. Ter Erlös aus dem Mobilar und einiger Schmucksachen reichte eben hin, um Stuttgart zu erreichen, wo sich die Witwe mit ihren musikalischen Fähigkeiten ehrlich und de- scheiden durchzubringen hoffte. Zudem war sie ja dann auch in der Heimat.

Tas Kind wurde zur Pflege aufs Land geae- ben, und die Witwe blieb.mit der Tante.in der

Ein weiterer Antrag bezieht fich auf die Er­weiterung der Sonntagsruhe. Für Postbeamte soll sie durch Einstellung deS Drucksachenverkehrs an Sonn- und Feiertagen durchgeführt werden. Ein allgemeiner Antrag verlangt, daß die Arbeitern zu gewährende Ruhe mindestens für jeden Sonn- und Festtag 36, für zwei aufeinander folgende Sonn- und Festtage 60 Stunden beträgt. Für Gehilfen-, Lehrlinge und Arbeiter in Handlungsbetrieben, welche nick offene Verkaufsstellen sind, soll die Arbeitszeit au höchstens zwei Stunden an Sonn- und Festtagen beschränkt werden. Die Zulassung der Beschäfti­gung soll ortsstatutarisch an bestimmte Bedingun­gen geknüpft werden. Für die in Gast- und Schankwirtschaften beschäftigten Personen wird gefordert, daß ihnen tunlichst jeden Sonn­tag, mindestens aber jeden zweiten Sonntag der Besuch des Gottesdienstes ermöglicht wird. Schließlich soll die Sonntagsruhe auch auf die Binnenschiffahrt ausgedehnt werden.

Damit sind die Initiativanträge des Zentrums erledigt. Andere Forderungen werden als Resolutionen bei der Etatsberatung eingebracht. Mit diesen Anträgen berührte das Zentrum die Gebiete, auf denen schon seit langer Zeit die von ibm jetzt berücksichtigten Wünsche laut geworden sind. Mit all diesen Anträgen erweist sich das Zentrum abermals als eine wahre Volks- Partei.

Deutsches Reich.

Berlin. 23. Februar 1907.

* Arbeit «ach der Wahl. Die „Köln. Volks­zeitung" veröffentlicht folgende sehr beachtens­werte Zuschrift aus ihrem Leserkreise:

„Die Wahlen zum Reichstage haben uns einen großen Erfolg gebracht. Während der Wahlzei trat wieder so recht deutlich die Notwendigkeit einer guten Parteipresse hervor. Alles, was nicht Zentrumsblatt war, trat gegen uns auf. Kreisblätter und farblose Generalanzeiger, sogar die Zeitschriften statutengemäß unpolitischer Vereine schwangen die Keule. Zweierlei Der in- laßt uns setzt nach der Wahl, entschieden für un­sere Presse einzutreten: zunächst die Dankbar­keit für die vorzügliche Wahlarbeit, welche die Presse in der Berichterstattung und der Bekäm­pfung der Gegner geleistet hat; dann aber nötigt uns der politische Selbsterhaltungstrieb, für Weiterverbreitung unserer Zei- t u n g e n zu arbeiten. Die politische Organisa­tion in Wablvereinen, Zentrumsvereinen usw. ist ur Entbehrlich und muß in allen Bezirken durch- gesührt bezw. ergänzt und Verbeffert werden. Aber ganz unentbehrlich ist auch die Schulung unser?? Volkes durch eine gut geleitete Parteipreffe. Sie räbrf und stärkt die politische Gesinnung, bildet Vertrauensmänner heran und führt den Partei- organisatianen Mitglieder zu; sie ist das fort- währende Bindeglied zwischen Fraktion und Wäb- lern. Möge man in allen Versammlungen der nächsten Monate planmäßig vorgehen, in jeder Versammlung auf die Aufgaben und Bedeutung der Preffe Hinweisen, vielleicht auch V^rteilum eines entsprechenden Flughlattes veranlaffen. Die Ervedition der Zeitung, die an dem betreffenden Orte in Frage kommt, wird gewiß nern eine An- zabl Exemplare zur Verteilung bereitstellen. Noch einige Gedanken betreffend die k l e i n e r e u Z?i- tnimsblätter. , Sie haben während des Wahl­kampfes Tüchtiges geleistet. Leider begnügt man sich außer der Wahlzeit vielfach mit dem Ab­druck verschiedener Korrespondenzen, an denen ich durchaus nickt Kritik üben will. Während der Kampfzeit ersckienen auch manche Or ginal-Leitartikel, in denen örtliche Verhältniffe beleuchtet wurden. Dassollteauchsonstöftersaescheben.

Stadt, wo sie durch Klavierunterricht zunächst den Unterhalt verdiente.

Je mehr die redselige Alle die Lebensgeschichle der Sängerin ausmatte, desto mehr mußte ihr Zuhörer an jene Sirene denken. Gleichzeitig mußte er aber auch ein wachsames Auge auf ben Freund haben. Dieser toar ganz Ohr für die Sän­gerin, die indes mit einer gewissen Herablassung zu dem nach ihrem Dafürhalten noch recht jungen Manne sprach, der auf die Gunst der Sängerin sehr stolz war.

„Meine Nichte würde mich gewiß auszanken." brach Kunigunde ihre indiskrete Erzählung plötz­lich ob, „wenn sie zugehört hätte. Aber ich dachte, Sie könnten meine Nichte da und dort empfeh­len, daß wir größere Einnahmen hätten."

Hatte die Sängeriil diese Worte gehört? Ge­nug, sie erhob sich plötzlich. „Gehen wir!" wanote sie sich schroff an die Alte. „Ich fing« diesen Abend nickt mehr."

„Woran denken Sie, Jesko?" wandte sich Ro­derich Straub an Stapleton. „Vielleicht an die Sirene, von der ich heute abend sprach?"

„Lasten Eie die Spötteleien, Roderich!" gab der Engänder geärgert zurück. „Frau Mühlacker ist eine geistreiche Dame. Was ihre Manieren betrifft . . ."

„Brr, brr Enthusiasmus geht loSl" unterbrach ihn der andere. „Sagen Sie bester: diese Dame gehört nickt in unsere Gesellschaft, und eS wäre eine gefährliche Geschmacksverirrung unserer- seits . .

„Wie kommen Sie zu dieser Herbheit?" brauste Jesko auf, während sich sein Gefickt rötete. „Die Sängerin ist eine ferngebildete Dame, die sich in jedem Salon sehen lasten kann. Zudem stammte rbre Mutter von einem französischen Adelsge­schleckte."

»Ihre Tante gewiß auch!" lachte Sttaub hei­ter auf.

Jesko biß sich auf die Lippen. „Frau Mühl- acker ist die charmanteste Frau, die ich gesehen,

Aber eS scheitert vielfach daran, daß die Geschäfts­stelle ein Honorar nicht zahlen kann oder will. In der Wahlzeit greift mancher Zentrums ma:ur auS Begeffterung für die gute Sache zur geber, ohne an ein Honorar zu denken. Soll er aber öfters im Jahre einen längeren Artikel schreiben, dann wünscht er doch eine wenn auch bescheiden« Vergütung. Schreiber diese- hat einmal ein Jahr hindurch jeden Samstag eine Wochenplauderei, meist lokaler Natur, geliefert, durchschnittlich 18Ö Zeilen, außerdem noch 2—8000 Zeilen sonstiger Artikel; irgendeine Vergütung ist ihm bis heute noch nicht angeboten worden. Gewiß sind nidjt olle Verleger tn der Lage, ein Honorar zu zahlen; sehr viele aber können eS und tun eS doch nicht. Damit schädigen sie ihre eigenen Interessen. Die Verhältniffe der engeren Heimat sollen nicht bloß in Lokalnotizen berücksichtigt werden, sondern bin und wieder (tote oft, daS richtet sich nach der Sage der Dinge) auch in einem Leitartikel. Da­wird daS Ansehen des Blatte- bestimmt heben uni die Agitation für dasselbe sehr erleichtern."

Der Verfasser diese- Arttkelö trifft den Nagel auf den Kopf. WaS den kleinen und mittleren Blättern fehlt, das ist die Mitarbeit jener Parteifreunde, die befähigt sind, „Original-Leit- artikel" (und fonstige Artikel) zu schreiben, „in denen auch örtliche (und allgemeine) Verhältniffe beleuchtet werden. Vielfach glaubt man, die Ab­fassung derartiger Artikel ser Sache deS Redak­teurs. Der allerdings die Verhältniffe auch nur einigermaßen kennt, der weiß, wie fehr gerade bei kleinen und mittleren Blättern die Redakteure mit Arbeit überlastet sind. Selbst bei den gro­ßen Blättern, die ein ganzes Dutzend Redakteure oder noch mehr haben, wird im allgemeinen von keinem Redakteur die Abfaffung solcher Strtitel verlangt, weil für alle sonstige Arbeit genug vor­handen ist. Bei den kleinen Blättern dagegen, die nur einen oder höchstens zwei Redakteure haben, erwartet man eS von diesen als selbstver- ständlich. Da müssen einsichtige Männer ein­greifen, ihre Feder in den Dienst der guten Sach« stellen und solche Artikel, wie sie in obiger Zu- schrift gekennzeichnet sind, schreiben. Ein entspre­chendes Honorar wird jeder anständige Verleger gerne bezahlen. Wer nicht in der Lage ist, schrift­stellerisch für fein Blatt zu arbeiten, der möge sich um deffen Verbreitung bemühen. Wenn so alle Mitwirken, dann wird unsere kleine und mittlere Preffe auch in Zukunft ihrer Aufgabe voll und ganz gerecht werden können. Also auf zur Tat, zur Arbeit nach der Wahl!

B. Der neue Reichstagspräsident. Die kleinliche Politik der Rache hat gesiegt. Ein Koniervaliver ist Präsident des Reichstages ge- worden. Ob aber die Parteien, welche dem Zen- trum damit die Zähne zeigen wollten. Glück haben werden, wird die Zukunft lehren. Selbst die gegnerischen Blätter sprechen es immer deut­licher aus, daß man in der Person des Grasen v. Stolberg keinen glücklichen Griff getan habe, da ihm Eigenschaften abgehen, die für einen Präsidenten des Reichstages unbedingtes Er­fordernis sind, nämlich Schlagfertigkeit, Ruhe und Ueberlegung. Daß hierin der neue Präsident seinem Vorgänger, Grafen Ballestrem, gar zu unähnlich ist, muß jeder zugeben, der einmal Zeuge seiner Amtsführung in schwieriger Lage gewesen ist. So erinnere ich mich einer Szene aus der letzten Reichstagsfitzung am 13. Dezember 1906, der ich zufällig beiwohnte. Der Pole v. 6^arlinsky sprach von „Schandtaten" der Regierung bei der Behandlung polnischer Kinder und Eltern. DaS war natürlich ein Ausdruck, den er rügen mußte. Er wurde dabei aber gleich innttlich aufgeregt und geriet in immer größere Extase, je mehr dem Redner von Seiten der

und Sie können mein Urteil nicht ändern . Ich üble, von diesem Abend wird mein Glück oder Inglück abhängen."

Run lachte Straub erst recht hellauf. „Sind Sie verrückt?" rief er. „So etwa- habe ich noch nie erlebt! Kaum die Serene gesehen und fern Lebensglück von ihr abhängig gemacht! Ein rich­tiger Roman! Kommen Sie, Freund, verschlafen Sie die Geschichte, und bann reifen Sie sobald als möglich heim zu „Mutter". Hinter ihrer Schürze ist ein Kind am besten aufgehoben . ."

Schweigend verließen die Freunde das gast- iche Hau», schweigend drückten sie sich zum Nacht­gruße die Hand. Der Engländer aber träumte von der Sirene mit den grünen Augen.

2.

ES war ein warmer, stiller Junitag. Lady Maggie, die Schloßherrin auf Stapleton, saß allein in der Schloßbibliothek.

Mühsam rangen sich die Sonnenstrahlen durch daS Laubbach der Eichen und Buchen, die tote um Schutze um das Schloß berumftanben. Die arbigen, mittelalterlichen Butzenscheiben bet hohen Fenster dämpften da- einflutende Tages­licht und warfen vielfarbige, gespenstische Schatte« auf die Wände.

Hohe Regale standen den Lang-wanden der Bi- öliothek entlang, beladen mit Büchern allerlei Al­ters und Inhalt». Auch eine Sammlung alter Waffenstücke fehlte nicht, und die hoben Harnische blickten drohend von der Wand herab.

Bor dem schweren Tisch au« Eichenholz steht ein gepolsterter Lehnstuhl. Auf dem Tische liefen i»ie neuesten landwirtschaftlichen Zeitungen. Dpt Lehnstuhl ist heute aber leer, der Schloßherr ist anderswo.

Auf einem anderen Tische liegt eine zahlreiche Sportlitteratur. Robert, des Hause- Nettester, ist ein Sportsmann mit Leib und Seele.

Turnen, Ballwerfesi, Fußballspiel, Wettrennen zu Fuß und zu Roß find seine Liebhabereien.

(Fortsetzung folgt.)