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Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Ae» tiendr rclerei in fiulbo. Fernsprecher Rr 9.

M 44.

Fulda, Freitag den 22. Februar 1907.

34. Jahrgang.

Zweites WLatt.

Wochen-Rundschau.

X Fulda, 22. Februar 1907.

Der neue Reichstag ist unter prunk- vollem Aeußeren am Dienstag dieser Woche durch den Kaiser eröffnet worden. Mit großer Span- nun sah man der Thronrede entgegen. Da der ganz Wahlkampf unter der kolonialpolitischen Pa­role ausgefochten wurde, so steht auch jetzt Sud­westafrika im Vordergrund der Thronrede. Es wird angedeutet, daß eine erhebliche Verminde­rung der Schutztruppe aller Voraussicht nach mög­lich sein wird. Damit wird die Politik des Zen­trums, die es in seinem Antrag vom 13. Dezember niedergelegt hatte, abermals gerechtfertigt. Da- gegen ist vom Zentrum in der ganzen Thronrede auch mit keiner Silbe die Rede. Seit dem Aus­gang der Hauptwahlen wurde nur noch von der Bekämpfung der Sozialdemokratie gesprochen, der auch die Thronrede einen besonderen Passus widmet. Gleichzeitig wird zum Ausdruck gebracht, daß man die beste Waffe gegen den Umsturz und ein wohlgeeignetes Mittel zur Befriedigung der Wünsche der unteren Klassen in einer planmäßi­gen Fortführung unserer kräftig begonnenen So­zialpolitik erblickt. Die Thronrede selbst enthält den Entschluß, das soziale Werk entschieden weiter zu führen. Die Ankündigung ist aber sehr all­gemein gehalten, ohne irgend eine bestimmte Vor­lage in Aussicht zu stellen. Die Thronrede betont auch, daß alle verfassungsmäßigen Rechte gewis­senhaft beachtet werden sollen, diese Mahnung richtet sich nicht zuletzt gegen das Scharfmacher- tum, welches unausgesetzt gewissen Stellen zu er­kennen geben will, daß eine „Verbesserung" na­mentlich des Reichstagswahlrechts geboten er­scheint. Der Schluß der Thronrede enthält dann die üblichen Bemerkungen über unsere auswär­tigen Beziehungen. Sie bezeichnet aber die näch­sten Aufgaben des neuen Reichstages nur unbe­stimmt und ist größtenteils inhaltsarm. Am Reichstag selbst wird es nun liegen, seinen Arbei­ten eine bestimmte Richtschnur zu geben.

Die Blockparteien haben am Dienstag im Reichstag ihre erste „Großtat" ausgeführt. Ihre Verhandlungen und Abmachungen haben zu einem Resultat geführt, bei welchem dem Zentrum der erste Präsidentenposten vorenthalten wurde. Da­mit ist aber auch das Zentrum vom Präsidium überhaupt ausgeschaltet worden. Erster Präsi­dent wurde der bisherige Vizepräsident Graf Stolberg. Die Wahl selbst ist bisher von keiner Seite als glücklich bezeichnet worden. Jeder, der nur für eine kurze Zeit den Grafen Stolberg bei seiner früheren Amtsführung als Vizepräsi­dent beobachtet hat, weiß eben, daß ihm die Eigen­schaften abgehen, welche an den Präsidenten des Reichstags gestellt werden müssen. In kritischen Momenten verliert er seine Ruhe und Ueber- legunp, sodaß ihm früher schon Graf Ballestrem wiederholt zu Hilfe kommen mußte. Das Zen­trum selbst hat an seinem Recht auf den ersten Präsidentenposten festgehakten, und der Abg. Spahn vereinigte insgesamt 164 Stimmen auf sich. Das sind im großen Ganzen die Stimmen derjenigen Parteien, welche am 13. Dezember auf Seiten des Zentrums standen. Da von vornherein feststand, daß das Zentrum durchaus nicht gewillt ist, um die Vize-Präsidentenstelle zu betteln, hat­ten die Blockparteien auch die übrigen Stellen im Präsidium schon verteilt, und die Abstimmung führte zu dem Resultate, wie es von vornherein als wahrscheinlich erschien. Der Block ist Herr des Präsidiums und darf nun zusehen, wie er mit der sonderlichen Zusammensetzung fertig wird. Die Stellung des Präsidenten hat nicht nur Vor- te.Ie, sondern vielleicht noch größere Nachteile.

In Holland ist in der letzten Woche eine Ministerkrisis ausgebrochen. Die zweite Kammer hat das Kriegsbudget abgelehnt und damit die Krisis eingeleitet. Zwar heißt es, daß dieser Be­schluß sich nicht gegen das gesamte Kabinett, son­dern nur gegen den Kriegsminister gerichtet hätte. Gleichwohl hat das gesamte Ministerium der Königin seine Entlassung angeboten. Die Ur­sache der Krisis liegt in dem radikalen Vorgehen des Kriegsministers, dessen auf eine Verkürzung des Milizdienstes gerichteten Bestrebungen von der Kammer nicht gebilligt werden. Zu welchem Ende der Konflikt führt, steht noch dahin. Viel­fach wurde eine Auflösung der Kammer erwartet; alle von der Königin zu Rate gezogenen Politiker sollen aber von einer Auflösung abgeraten haben. Das Erbe, das der Kriegsminister hinterläßt, ist nicht erfreulich. Es wird auch seinen Nachfolgern noch manche Sorgen bereiten.

In Frankreich hat am Dienstag in der Kammer eine große Sitzung stattgefunden, in wel­cher die radikale Partei die Regierung über die Kirchenpolitik interpellierte. Zwischen Clemen- ceau und dem Kultusminister herrschte eine Mei­nungsverschiedenheit und man erwartete daraus eine Kabinettskrisis. Es handelt sich um den Ver- trag, der zwischen den Bürgermeistern und den Geistlichen über die Vermietung der Kirchen ge­schlossen werden soll. Der Kultusminister zeigte versöhnlicher. Als aber die Interpellation erfolgte, war die Einigkeit im Kabinett wieder hergestellt. Clemenceau ist vor seinem versöhn­licheren Kollegen zurückgetreten, und so ist zu er­warten, daß dre Verhandlungen mit dem Epis­kopat zu einem günstigen Resultat geführt werden können.,

. sE die neugewählte Duma

tm nächsten Monat zusammentreten. Gleichzeitia wird der Reichsetat sich wieder versammeln. Aus den Zahlen über die bisherigen Resultate der Wahlmannerwahlen läßt sich noch immer kein be­stimmter Schluß auf die endgiltige Zusammen-

i

I

Davon starben im Alter von unter iJahr;

Der Geburfenüberschuss über dis, Gesammfsterbliehleif:

1,023,847 Kind, oder 3,-h auf 100E/nwohn.

418,834Kind, oderauf 100 Ein wohn.

34 857 Kind, odertjrauf 100 Ein wohn.

34,010 Kind, oder 1,o auf 100 Einwohn..

39f,781 Kind, oder 1,96 auf 100 Einwohn.

eiwaS weiter und stellen wir gleichzeitig einen Vergleich über die Todesfälle der unehelichen und ehelichen Kinder an, so ergibt sich, daß (von der Schweiz und Ungarn abgesehen, wo uns die Zahlen fehlens in Oesterreich • Ungarn schon auf 5,6, in Deutschland aber erst auf 7,5 Todesfälle von Kmdern ein uneheliches Kind kommt. Die Aufsicht über die Säuglingspflege muß demnach in Deutschland wirksamer sein, als in Oesterreich. Was den Geburts-Ueberschuß über die Geiamt- Sterblichkeit angeht, also das eigentliche Gesamt- Resultat unserer Ausstellung, so marichiert hier Deutschland an der Spitze, da es einen lieber« schuß von 1,45 auf 100 Einwohner Hw, Oester« reich-Ungarn hat nur 1,1 und die Schweiz gar nur 1.0'/„ ein Beweis für die zufl iedenstellende Entwickelung der sanitären Maßnahmen in Demsch- land, aber auch für die gesunden wirtschastlichea Verhältnisse.

Ein Antrag G a m p (Rp.) fordert einen Nach- tragsetat für Gehaltszulagen an die Beamten in Posen und Westpreußen nach Art der preußischen Ostmarkenzulage.

Ein Antrag A r e nd t (Rp.) wünscht eine Untersuchung, in welcher Weise gegen die hohen Diskontsätze der Reichsbank Abhilfe zu schaffen fer. Die Ergebnisse dieser Untersuchung sollen bei der bevorstehenden Erneuerung des Privilegs der Reichsbank berücksichtigt werden

Em Antrag Staudy (k.) will noch in dieser Session einen. Gesetzentwurf vorgelegt wissen, durch welchen die Zuckersteuer von 14 auf höchstens 10 M pro Doppelzentner herabgesetzt wird.

setznng der neuen Duma ziehen. Zwar hat sich bis jetzt ergeben» daß die Opposition der Regie­rung über eine große Mehrzahl der Wahlmänner verfügt; da aber diese Wahlmänner erst noch in den Gouvernementsstädten zur Wahl der Mit­glieder der Duma zusammentreten müssen und dabei die mannigfaltigsten Einflüsse mitspielen, darf man doch mit verschiedenen „Umfällen" rech­nen. In der Zeit vom 23. Februar bis 8. März werden die meisten Mitglieder der Reichsduma gewählt fein, aber erst nach den ersten Sitzungen des Parlaments wird sich die Stärke der einzelnen Parteien übersehen lassen. Die Regierung hofft, daß die zweite Duma lebensfähig bleibt und ein Zusammenarbeiten mit ihr möglich wird. In­dessen stützt man sich in der Hauptsache auf den Reichsrat, welcher die hochgehenden Wünsche der Volksvertretung nach Möglichkeit eindämmen soll. Trotzdem halten weitsichtige Politiker für wahr­scheinlich, daß auch die zweite Duma das Schicksal ihrer Vorgängerin teilen wird.

In M a r o k k o ist der frühere Khalif des auf­rührerischen Raisuli, Ben Mansur, auf offener Straße in Tanger ermordet worden . Als Rai- fuli noch in feiner Feste Zinat thronte, war Ben Mansur sein Vertreter in Tanger In dieser Eigenschaft ließ er sich zahlreiche Uebergriffe zu schulden kommen, so daß das diplomatische Korps immer mehr eine Einschränkung der Macht Rai- sulis verlangen mußte. Als dann Raisuli den Truppen des Kriegsministers Gebbas unterlag und aus Zinat floh, war Ben Mansuras der erste, der sich von ihm lossagte. Die Mörder Mansuras sind Marokkaner und der Mord hängt mit poli­tischen Händen zusammen. Raisuli selbst ist weit davon entfernt, sich zu unterwerfen. Er setzte sich jetzt mit dem Thronwerber Bnhamara in Ver­bindung und bot ihm gemeinsame Sache gegen die Regierung an. Unterstützt wird er von meh­reren Stämmen, die sich auf seine Seite gestellt haben.

Unsere Statistik gibt unseren Lesern die Mög« lichkeit, in den drei deutschen Ländern Mittel­europas selbst Vergleiche über die Fruchtbarkeit und die Lebensfähigkeit anzustellen. Am meisten Kinder werden in Oesterreich-Ungarn geboren, wo auf 100 Einwohner im Jahre 3,6 Geburten kom­men, speziell in Ungarn, wo der Prozentsatz so­gar 3,7 Geburten ausmacht. Deutschland hält mit 3,41 Geburten die goldene Miltelstraße ein, am schlechtesten steht die Schweiz da, denn hier kommen nur 2,77 Geburten auf 100 Einwohner. Dafür hat die Schweiz den Vorteil, daß die Säuglings-Sterblichkeit bei ihr am geringsten ist. Auf 100 Einwohner sterben hier jährlich nur 1,4 Kinder im Alter von unter einem Jahre, in Deutschland 1,96 Kinder, in Oesterreich-Ungarn aber gar 2,51 Kinder, ein ganz hoher Prozent­satz, der auf die dortigen sanitären Verhältnisse ein eigenartige-Licht wirst. Gehen wir nun noch

.3,297 Kind. |( oder iS auf. 100 Ein wohn.

362,654 Kind. t oder 1,45 auf 1100 Einwohn.

darüber einzutreten: ob und wie diese Aufsichts­beamten für die Kontrolle des Ausverkaufswefens, der Wanderlager und Wanderversteigerungen, so­wie der Abzahlungsgeschäfte herangezogen werden können.

II. Erhebungen über die Lage des kaufmän- nischen Mittelstandes auf dem Lande, in den klei­nen, mittleren und größeren Städten, unter öf­fentlichen und kontradiktorischer Anhörung der verschiedenen Jnteressentengruppen in die Wege zu leiten.

Abg. Dietrich (f.) hat folgenden Antrag eingebracht: Der Reichstag wolle die Verbündeten Regierungen ersuchen, dem Reichstage tunlichst bald einen Gesetzentwurf vorzulegen betreffend die Unfallfürsorge für die bei Rettung oder Ber­gung von Personen oder Sachen verunglückten Personen, insbesondere der freiwilligen Feuer- und Wasferwehren.

Abg. G a m p (Rp.) beantragt den Reichskanz­ler zu ersuchen:

1. die Vereinfachung der Reichsversich'rungs- gesetze (Krankenversicherungsgesetz, Unfallversiche­rungsgesetz, Jnvalidenversicherungsgesetz und Al­tersversicherungsgesetz) mit möglichster Beschleu­nigung zur Durchführung zu bringen;

2. die Zeitgrenze, von welcher ab die Alters- reute gewährt wird, von 70 auf 65 Jahre herab­zusetzen und für die Deckung der dadurch erforder- lichen Mehrbeträge in erster Reihe die durch die Vereinfachung der Reichsversicherungsgesetze zu erzielenden Ersparnisse an Verwaltungskosien zu verwenden;

3. die obligatorische Kranken-, Unfall- und In­validenversicherung auf die kleinen Gewerbetrei­benden sowie die Privatbeamten mit geringem Einkommen unter wesentlicher Beteiligung des Reichs an den Kosten dieser Versicherung auszu­dehnen.

Ein Zentrum San trag ersucht die ver­bündeten Regierungen, dem Reichstage noch in dieser Session einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen

1. bis zur reichsgesetzlichen Regelung der Be­aufsichtigung des Verkehrs mit Nahrnngs- und Genußmitteln einstweilen zur Durchführung des Weingesetzes und zur Ueberwachung des Wein­baues und Weinhandels in jedem Bundesstaate besondere Beamte im Hauptamte anzustellen sind und jede Weinhandlung der zuständigen Verwal­tungsbehörde anzumelden ist;

jede Weinhandlung der zuständigen Verwaltungs­behörde anzumelden ist;

2. die ständige Führung eines Lagerbuches zur Pflicht gemacht wird, welches eine genaue Kon­trolle über den Ein- und Ausgang der Weine - aus den Lagern ergibt;

3. der Zusatz von Zuckerwasser wirksam kinge- schränkt und zeitlich und räumlich begrenzt wird;

4. die Deklarationspflicht für den Verschnitt bon Rotweinen mit Weißweinen festgesetzt wird.

Ein freikonservativer Antrag for­dert die Vorarbeiten zu einem Gesetz betreffend die Pensions- und Hinterbliebenenversicherung der Privatbeamten für die nächste Session.

1,668,660Kind? oder 3,6 auf 100 Ein wohn.

in der Schweiz (1904

5. die Sicherung und Forderungen der Bau­handwerker herbeigeführt wird.

II. Bei Vergebung öffentlicher Arbeiten und Lieferungen für das Reich unter Berücksichtigung der für die betreffenden Gewerbe bestehenden Ta­rifverträge 1. die Handwerkergenossenschaften 2. die Handwerker, welche den Meistertitel zu füh­ren berechtigt sind, tunlichst zu bevorzugen.

III. Ein Handwerkerblatt nach dem Vorbilde des Rc:chsarbeitsblattes herauszugeben.

B) Zu Gunsten des kaufmännischen Mittelstandes

I. Gefetzentwürse vorzulegen, durch welche

1. das Gesetz über den unlautern Wettbewerb entsprechend erweitert, das Ausverkaufswesen ge- regelt und das Gesetz über die Abzahlungsge­schäfte einer seine Härten beseitigenden Revision unterzogen wird;

2. besondere, tunlichst aus dem Kaufmanns- stände zu berufende Aufsichtsbeamte — Handels- inspektoren — eingeführt werden, welche an Stelle der Polizeibeamten die Durchführung der Be- ftimmungen zum Schutze der Gehilfen und Lehr­linge überwachen, dabei aber in Erwägungen

vermischtes.

* Karlsruhe, 20. Febr. 1907. Der Musketier Albrecht Heilmann des Infanterie-Regiments in Rastatt war in der Nacht vom Fastnachtsdienstag auf Mittwoch über den Zapfenstreich ausgeblichen und kletterte, um ungesehen in die Kaserne zu gelangen, über die Maner. Hierbei tat er einen Fehltritt und erlitt einen dreifachen Oberschenkel« druch und eine Gehirnerschütterung, an deren Folgen er nach dem ,Rastatter Tageblatt gestorben ist.

514,442 Kind. M oder 1,i auf y 100 Ein wohn. S

Geboren wurden: Sd,we?im Jahref30t bezw.1303.

im Deutschen Reicht^ mOsterreich-Un£arn(1903)

5oziale Anträge.

In Ergänzung des Leitartikelsim 1. Blatte bringen wir nachstehend den Wortlaut der daselbst er­wähnten Anträge. Der Arbeiterantrag des Zentrums hat folgenden Wortlaut: Die ver­bündeten Regierungen um alsbaldige Vorlegung von Gesetzentwürfen zu ersuchen, welche bezwecken:

1. die Sicherung und den weiteren Ausbau des Koalitionsrechts der Arbeiter (§ 152 der Ge­werbeordnung);

2. eine auf freiheitlicher Grundlage aufgebaute Regelung der privatrechtlichen und öffentlich- rechtlichen Verhältnisse der Berufsvereine aller Art;

3. die Einrichtung von Arbeiterkammern zum „freien und friedlichen Ausdruck der Wünsche und Beschwerden der Arbeiter";

4. die Sicherung und weitere Ausgestaltung der Tarifgemeinschaften zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.

Der vom Zentrum für die Landwirt­schaft gestellte Antrag ist in Gesetzesform ge­kleidet und hat folgenden Wortlaut:

Der § 23 des Gesetzes betreffend die Schlacht­vieh- und Fleischbeschau vom 3. Juni 1900 wird abgeändert wie folgt: Die Kosten der amtlichen Untersuchung (§ 1) fallen den Bundesstaaten zur Last. Gebühren dürfen hierfür von den nach § 1 Verpflichteten nicht erhoben werden. Das Gesetz tritt mit dem Tage seiner Verkündigung in Kraft.

Der vom Zentrum für den Mittelstand einge­brachte Antrag lautet: Die Regierung zu er­suchen, zur Erhaltung und Förderung des gewerb­lichen Mittelstande.s folgende Maßnahmen zu treffen:

A) Zu Gunsten des Handwerker st and es

I. Gesetzentwürfe vorzulegen, durch welche

1. Bestimmungen zur Umgrenzung von Fabrik und Handwerk, insbesondere soweit die Zugehörig­keit zu Handwerker- und Gewerbekammern in Betracht kommt, festgesetzt und unter Zuziehung der beteiligten Kreise Instanzen zur Entscheidung der bezüglichen Streitigkeiten geschaffen werden;

2. die Fabrikbetriebe mit handwerksmäßig ausgebildeten Arbeitern zu denjenigen Kosten her- angezogen werden, welche den Handwerkerorgani- fationen für die gewerbliche Ausbildung des Handwerkerstandes erwachsen;

3. die Ausbildung von Lehrlingen in hand­werksmäßigen Betrieben nur solchen Personen gestattet wird, welche den Meistertitel zu führen berechtigt sind;

4. die Grenzen der Zulassung zur freiwilligen Invalidenversicherung für selbständige Hgndwer- fer und andere Kleingewerbetreibende erweitert werden;

Literarisches.

Einen bemerkenswerten Rückblick aus die Reichstagswahlen bietet die neueste Stummer der „Allgemeinen Rundschau" (Wochen­schrift für Politik und Kultur, Herausgeber und Verleger, Dr. Armin Kausen in M ü n ch e n). Mehrere Artikel, wovon drei besonders eindrucks­voll aus der Feder des Herausgebers, beschäftigen sich mit diesem Tagesthenm. Manches Wort'in bte’er Nummer dürfte Sensarwn erregen. Wir beschränken uns auf die Wiedergabe der T.tel: Reck' deine Glieder, bayerischer Zentruinsienl Vcm Herausgeber. — Weltrundschau: Ter neue Reichstag. Das Ausland und die Wahlen. Von Fritz Nienkemper.— Wer ist der eigentliche Sieger bei den Reichstagswahlen? Vom Herausgeber. — Der bankerotte Regierungs-Liberalismus in Baden. Von Joseph Schliers. — Bittre Früchte der Polenpolitik. Von E. Seefried. — „Lieber rot als schwarz." Ein offenes Wort über Wahl- abkommen mit der Sozialdemokratie. Vom Her- ausgeber. — Der italienische Volksverein Von •cof. Massarette, Rom. — Prof. Thode über Kunst und Sittlichkeit. — Zu Harnacks Friedensrede. Von Dr. Strehler-Zehlendorf. — Der schwarze Drache. (Nach den „Kinder- und Hausmärchen" der Gebrüder Grimm.) Von Dr. Weer — Win­tersehnsucht. Von A. Jüngst. — Zum 75 Ge­burtstag Maximilian Schmidts. Von Franz Wich­mann. — Lenzgedanken im Süden. Von Josephine « Z? Bühnen- und Musikrundschau. Von L G. Oberlaender, München. Vom Bücher- rsiche — Finanzwirtschaftliche Rundschau. Von wt. Weber. — Probenummern werden vom Ver« läge an jedermann gratis versandt.