ÄsStiot täglich, eit bei Son» ünb.Seiet tage. Dtertel- Mn.vezngoprei» ohne »tmgerle^e »«> ee«efigeIbinS«lbattu> ausroirtsimtSOPfg-
PeranttoortliOer Schriftleiter: 3. van»; «r Oie Anzeigen: g. parjeSet in Jnlba
Maer W Zeitung
Woch-Nde!>ag«:„3lluskierte5onntagrzeitnng" monatsbenege: „Sulbaer GeschlchtrblSttrr"
Anzeigen: Vie ein« fpalNge petttzeile ober bereit Bannt 15 psg. Reflamen oie Petitzeile 25 Pf9.; bei wieder- holnnaen wird entfpr. Badalt gewährt.
Botatt onsbrui n. Verlag bet Fuldaer Ae» tienbrirferei in Hulda.
Zernsprecher Hr 9.
Fulda, Freitag den 22. Februar 1907.
M 44.
Krstes Wtatt.
SentrumsantrSge im Reichstag.
Die Thronrede zur Eröffnung des Reichstags hat im besonderen betont, daß die verbündeten Regierungen entschlossen sind, das soziale Werk im Geiste Wilhelms I. fortzusetzen. Sie bezog sich aber in der Haupffache nur auf die Negation der Sozialdemokratie und will, daß der deutsche Arbeiter darunter nicht leiden dürfe. Sie betrachtet die soziale Gesetzgebung auch nur als auf den Grundsatz der sozialen Verpflichtung gegenüber den arbeitenden Klaffen beruhend. WaS also die Thronrede in dieser Hinsicht vom jetzigen Reichstag verlangt, ist in der Hauptsache ein- fettig und nur ganz allgemein gehalten. Man könnte daraus schließen, daß man die weitere Initiative ganz dem Reichstag überlassen möchte.
Das Zentrum hat das Gebiet der sozialen Gesetzgebung alsbald in den Bereich seiner Beratungen gestellt. Es ist mit bestrebt, die Förderung unserer Sozialpolitik für die Zukunst in festbestimmte Bahnen zu lenken. Und weil es eine Partei ist, die sich als eine Vertretung aller Stände darstellt, betrachtet es auch die Sozialpolitik als ein Gebiet, welches sür alle arbeitenden und gewerblichen Stände gefördert werden muß. Bereits am Donnerstag dieser Woche hat es längere Beratungen über unsere Sozialpolitik gepflogen, deren Ergebnis die Einbringung einer Reihe von Anträgen ist. Sie stellen ein sozialpolitisches System dar und erstrecken sich nicht allein auf den Arbeiterstand, geilen vielmehr auch der Landwirtschaft, dem gewerblichen Mittelstand, also dem Handwerk und dem Kausmannsstand. In mancher Hinsicht betreffen sie noch unerfüllte Forderungen, welche bereits in ftüherer Zeit erhoben wurden. Sie enthalten aber auch sehr viel Neues, das in letzter Zeit erst in den Vordergrund gerückt wurde.
Für die Arbeiterschaft wird in erster Linie die Sicherung des Koalitionsrechtes betont. Gleichzeitig wird aber auch an der allen Forderung der Rechtsfähigkeit der Berufsvereine festgehalten. Nachdem diese Vorlage schon im alten Reichstage eingebracht und auch einer allgemeinen Kritik unterzogen wurde, ist ziemlich allgemein ihre Wiedervorleguno in der Thronrede erwartet worden. Sie enthielt indessen davon nichts; das Zentrum gibt aber durch seinen jetzigen Antrag zu erkennen, daß es diese Fragen durchaus nicht auf die lange Bank geschoben wissen will. Ebenso bestimmt bringt es die endliche Erfüllung der Forderung nach Arbeitskammern zum Ausdruck. Auch von seinem früheren Antrag über die Regelung des Bergarbeiter- Gesetzes ist das Zentrum nicht abgewichen; es hat vielmehr den Antrag von der vergangenen Sefsion jetzt abermals wiederholt.
Für die Landwirtschaft soll ebenfalls in der Zukunst unserer sozialpolitischen Gesetzgebung etwas geschehen. Zahlreiche Wünsche hat die Landwirtschaft namentlich auf dem Gebiete der Fleisch - beschau. In der Hauptsache handelt es sich um Erleichterungen im Gebühren wesen, das der Landwirt bisher als eine lästige Abgabe empfunden hat. Jetzt hat das Zentrum den Antrag ringe-
Grüne Augen.
Roman von Dr. F. X. Eß.
2] (Nachdruck verboten.)
„Ich bin doch sehr gespannt auf diesen AbendI" wandte sich ein bekannter Komponist an Roderich Straub. „Die Frau Baronin tut so geheimnisvoll und feierlich."
Es war zwar erst Mitte April, die Erde seufzte noch in den Banden des Winters, aber dennoch hatte jeder der Gäste einen kleinen Strauß beim Eintritt erhalten. Das Fuggersche Treibhaus bot der reizenden Frühlingsboten in Hülle und Fülle.
Im Hintergründe des großen Salons war ein Wintergarten errichtet, der eben im Lichte zahlreicher elektrischer Flammen erglühte. Ein Kenner hätte Mühe gehabt, die Zahl und den Wert der prachtvollen Pflanzen abzuschätzen: Palmen, Oleanders, Aloen, Orchideen und anderes mehr war in sinniger Harmonie zusammengestellt, so daß selbst solche Gäste, die sonst nicht sonderlich für Naturschönherten, sondern mehr für die Schönheiten eines reich besetzten Buffets schwärmen, nicht umhin konnten, sich den Wintergarten in nächster Nähe zu besehen.
Zu den Naturschwärniern gehörte auch der Engländer— unwillkürlich zog cs ihn zu dem Wintergarten hin; er überließ sich ganz und voll dem Zauber, der von dort ausstrahlte. Auf diese Weise entging er auch oder hoffte wenigstens, den trivialen Redensarten, wie sie bei solchen Anläßen !eigespart werden, zu entgehen. Er suchte sich ein gedecktes Plätzchen an der Wand aus, wo er nun im Grünen versteckt, der Dinge harrte, die da kommen sollten.
Wenn ein Gedanke unser ganzes Sinnen und Trachten ausfüllt, so bleibt es nicht aus, daß wir selbst Dinge außer uns damit in Verbindung bringen, so daß er uns in tausenderlei Gestalten entaeaentritt und fejn Opfer nickt mehr freigibt.
bracht, daß die Kosten der Fleischbeschau auf dte Einzelstaaten übernommen werden sollen.
Umfangreicher sind die Anträge, welche den gewerblichen Mittelstand betreffm. In erster Linie gelten sie dem Handwerk. Auch hier werden wieder manche Forderungen abermals erhoben, welche bisher unerfüllt geblieben sind. Sie beziehen sich auf die Abgrenzung des Hand- werk-, auf die Zugehörigkeit zur Handwerks- und Handelskammer, auf die Heranziehung der Fabriken zu den Kosten der Handwerkskammern, fordern weiter den sog. kleinen Befähigungs-Nachweis usw. Für den Kaufmannsstand sind An- träge eingebracht worden, welche eine Verschärfung des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb, Regelung des Ausverkaufswesens und der Ver- hältniffe in Abzahlungsgeschäften betreffen. Zu Gunsten der Handlungsgehilfen spricht ein Antrag, in welchem die Anstellung von Handelsinspektoren zur Kontrolle der Schutzbestimmungen und des Ausverkaufswesens usw. gefordert wird. Um aber die Verhältnisse im kaufmännischen Mittelstand überhaupt der sozialen Gesetzgebung besser unterordnen zu können, ist vor allen Dingen notwendig, daß die Mißstände von Grund aus erkannt werden. Deshalb fordert das Zentrum in einem weiteren Antrag, daß über diese Ver- hältniffe Erhebungen angestellt werden sollen.
Soweit sind diese Anträge des Zentrums im Reichstag bereits eingebracht worden. Damit hat jedoch das Zentrum das soziale Gebiet sürserste noch nicht erschöpft. Zahlreiche Anträge sind zurzeit noch Gegen stand derBeratung u.werden für die kommende Zeit vorbereitet. Wir greifen daraus einen Antrag heraus, welcher eine Verbesserung der Sage der Reichsbeamten und Arbeiter in Reichsbetrieben bezweckt. Insbesondere handelt es sich um eine einmalige besondere Teuerungszulage, welche vom 1. April ü 07 sür alle mit weniger als 3000 Mk. Gehalt gereicht werden soll. Wie diese Zulage zu berechnen sein soll, steht noch nicht fest. Am empfehlenswertesten wäre vielleicht, daß sie in Prozenten des Gehaltes bemessen würde, derart z. B. daß bei 2000 Mk. Gehalt 20%, bei 3000 Mk. 15% in Abrechnung gebracht würden. Wir möchten indessen durch solche Beispiele dem Beschlüße der Fraktion nicht vorgreifen, freuen uns aber jetzt schon darüber, daß neben den schon erwähnten auch auf diesem Gebiete Anträge zu erwarten sind. Auf diefe Weise verwirklicht das Zentrum am besten die in der Thronrede betonte Forderung auf sozialem Gebiet, stellt aber gleichzeitig eine bestimmte Richtschnur auf, welche die Thronrede leider hat vermiffen laßen.
Deutsches Reich.
Berlin, 21. Februar 1907.
r. Der Kaiser wird in diesem Jahre das Bad Homburg besuchen. Zunächst ist alsbald nach dem Osterfest ein längerer Aufenthalt des Kaiserpaares und der Prinzessin Viktoria Luise in Homburg angeietzt. Weiter wird der Kaiser gelegentlich des Taunus-Rennens ebenfalls auf mehrere Tage Aufenthalt in Homburg nehmen. Schließlich liegt es noch in der Absicht des Kaisers, der im September stattfindenden Eröffnung des neuen Homburger Bahnhofes beizuwohnen.
So erging es auch Jesko. So wenig Aehnlich- keit auch der Wintergarten im Fuggerfchen Hause mit dem väterlichen Schlosse Stapleton in Wirklichkeit hatte, für den jungen Träumer hatte er deren genug, um ihn lebhaft in das Schloß hinweg zu zaubern. Die tapetenbekleideten Wände mit dem kunstsinnig davor gestellten Blumenschmuck mahnten an das aus Backsteinen massiv erbaute Schloß, an dessen roten Wänden grüner Epheu malerisch emporrankte. Die grüne» Frühlingskinder riefen die Erinnerung an das in großem Maßstabe angelegte Treibhaus hinter dem Schlosse wach — endlich die Nische im Saale, glich sie nicht dem Pförtchen, das aus der Mutter Boudoir in die Schloßkapelle führt?
Auf dem kunstreich geschnitzten Altäre der Schloßkapelle steht eine Statue der Gottesmutter. Jesko sieht sich wieder im Geiste vor dem Altäre knien und hört, wie die Mutter ihn beten lehrt: Ave Maria!
Arme Mutter! Vielleicht kniet sie in dieser Stunde wieder vor dem Bilde und betet in Wehmut für den undankbaren Sohn, der in der Ferne nicht an sie, nicht an die Heimkehr zur Mutter denkt!
Jesko fühlte heiße Scham über seinen Undank, und wie eine Eingebung kam es über ihn, schon morgen die Heimreise anzutreten. Willenlos brach er eine Kamelie vom grünen Geäst, das ihn verbarg, küßte sie inbrünstig und umschloß sie wie ein Kleinod mit dec Hand. Dann tastete et leise vorwärts, bis er die braune Portiere erreicht hatte. Er trat in ein Vorzimmer, wie im Traume befangen.
Wohin nun? Plötzlich schrak er zusammen. Eine Frauenstimme tönte herüber, unsäglich weich und melodisch. Es war ein deutsches Lied, die Aussprache verriet die Ausländerin.
Jesko erwachte aus seinem Traume und horchte gespannt nach dem Saal hinüber. Eine solche Sängerin hatte er noch nie gehört und er war weit gereist — von St. Petersburg nach der Kaiserstadt an der blauen Donau, von da nach Mailand und
* Der zum ReichtagSprasideuten gewählte Abg. Graf Udo zu Stolberg - Wernige- rode ist der zehnte in der Reihe der Präsidenten. Der erste war der am 23. März 1871 gewählte Nationalliberale Simson, der bereits seit dem 2. März 1867 Präsident des Norddeutschen Reichstag gewesen war. Er wollte schon im Laufe der ersten Legislaturperiode fein Amt niederlegen. Durch die große Stimmenzahl, mit der darauf seine Wiederwahl erfolgte, ließ er sich bestimmen, bis zu Ende der Legislaturperiode auszuharren. Als Simson zu Beginn der zweiten Legislaturperiode von längerer Krankheit noch nicht hergestellt war, fiel die Wahl des Hauses auf den früheren Präsidenten des Abgeordnetenhauses, damaligen Oberbürgermeistrr von Breslau v. Forckenbeck. Dieser wurde auch zu Beginn der dritten Legislaturperiode, am 22. Febr 1877, wiedergewählt. Ebenso nach der Auflösung des Reichstags infolge Verwerfung des ersten Sozia- listengesetzes am 11. September 1878. Im nächsten Jahre, im Zusammenhang mit der Wirtschaftsreform und der Beratung des Zoll- tarifes im Reichstage, richtete Forckenbeck am 20. Mai 1879 ein Schreibe» an den Reichstag, worin er erklärte, daß er bei dem Gegensatz, in welchem er in Bezug auf tiefgreifende Fragen mit der Majorität des Hause gekommen sei, das Amt des Präsidenten nieöerlege. Bei der Neuwahl am 21. Mai 1879 erhielt der Konservative v. Seydewitz 195 von 324Stimmen. Erst dadurch, daß der erste Vizepräsident des Reichstages , der süddeutsche Nationalliberale von Stauffenberg, sein Amt niederlegte, kam es zum erstenmale zur Wahl eines Zentrumsmannes in das Präsidium: an Stauffenbergs Stelle wurde am 29. Mai 1879 der dem Zentrum angehörige Freiherr v. Franckenstein gewählt. An den Platz Seydewitz' trat für ein Jahr sodann der Reichsparieiler Graf v. Arnim-Boitzen- bürg. Nach den Neuwahlen von 1888 wurde zwar Graf Arnim-Boitzenburg wiedergewählt, er nahm aber die Wahl nicht an, weil er nicht mit einem Zentrumsmitgliede zusammen das Präsidium führen wollte. Es folgten sich als- bann die konservativen Präsidenten v. Goßler, von Wedell-Pisdorf und v. Levetzow.' Nach den Februarwahlen von 1890 setzte das Präsidium sich aus einem Konservativen (von Levetzow), einem Zentrumsmann (von Boul) und einem Deutschfreisinnigen (Baumbach) zusammen. 1893 wurde der Nationalliberale Bürklin zum zweiten Vizepräsidenten gewählt, der dann im Jahre 1895, zusammen mit dem konservativen ersten Präsidenten v. Levetzow, nach Ablehnung der Beglückwünschung des Fürsten Bismarck zu seinem 80. Geburtstage, aus dem Präsidium austrat. Nunmehr wurde dasselbe an erster Stelle mit Herrn v. Boul, dem Zentrumsmann, besetzt, der es bis 1898 behielt, darauf ging es an Graf Ballestrem über. Das Zentrum hat somit das erste Präsidium 11 Jahre lang ununterbrochen geführt.
0 Heraus aus dem Flottenverein! Die Austritte aus dem Flottenverein mehren sich namentlich in Bayern mit jedem Tage. Nach der Münchener liberalen Allgemeinen Zeitung' veröffentlicht nun auch die liberale ,Augsburger Abendzeitung' einen scharfen Anikel gegen den Flottenverein und seine politische Agitation. Sie macht den Verein verantwortlich für die Wahl-
Rom, von da nach dem lustigen Seine-Babel und von da nach der gemütlichen fchwäbischen Residenz.
Form und Inhalt dessen, was die gottbegnadete Sängerin, wie sie Jesko bei sich nannte, vortrug, schmeichelte dem Ohre und griffen mit Macht dem Engländer ans Herz. Trefflicher fetzten die Töne ein, voll und abgerundet durchliefen sic die Tonlagen, bald leise, bald laut sprachen sie zum Herzen und referierten dort die Stimmung, die in diesem Augenblicke die Sängerin ersaßt hatte.
Eine Seltenheit, so auf die Zuhörer einzuwirken, von denen viele nicht das geringste Verständnis für die machtvolle Sprache der Töne haben.
Jesko Stableton war tief ergriffen, in feinen Augen perlten Tränen. Der laute Beifallssturm drinnen im Saale drang zu ihm herüber, und es regte sich in ihm der Wunsch, die Sängerin zu sehen, die die innersten Saiten seines Herzens angeschlagen hatte.
Er trat in den Salon. Die Gefeierte stand noch beim Klavier, von allen Seiten umringt. Es war eine schlanke Figur in schmucklosem, weißs-idenem Kleide. Sie trug weder Blumenschmuck noch anderen. Ihre vollen, blonden Haare glänzten wie Goldfäden in der Betrachtung des Wintergartens. Ein Mann im schwarzen Frack bot ihr den Arm und führte sie in einen anstoßenden kleinen Salon, der für die heute abend auftretenden Künstler reserviert war. Das Paar schritt an Jesko vorüber.
War die Dame schön? Das anwesende schöne Geschlecht würde ohne alles Bedenken sofort mit Nein! geantwortet haben. Und die Herren, die in der Regel über Frauenschönheit anders urteilen? Sie waren zu einem Urteil noch gar nicht gekommen, so sehr standen sie alle unter dem Sauber dieser Erscheinung.
Es bildeten sich kleine Gruppen im großen Saale. Das ausschließliche Thema war das gehörte Lied, und übereinstimmend lautete das Ur-
34. Jahrgang.
und Wühlarbeit seines Geschästssührers General- Keim, der unter Ueberschreitung seiner Befugnisse die Organisation des Vereins zur Entfaltung einer politischenAgitation mißbraucht habe. General Keim habe seine Agitationstätigkeit mit einer Heimlichkeit betrieben, welche daS sicherste Zeichen eines schlechten Gewissen- sei. Den Ruf der Zentrumsfeindlichkeit, ja der Katholikenfeindlichkeit, werde der Flvtten- verein so rasch nicht abschütteln können. Auch wenn der Verein in die durch die Satzungen gewiesenen Bahnen zurückgekehrt fein werde, von den jetzt in ihrem Vertrauen Getäuschten werde ihm immer entgegengehalten werden: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht." Die Tätigkeit des Generals Keim fei im Interesse des Flotten- vereins aufs tiefste zu beklagen, und es fei erforderlich, je eher desto besser, den General Keim als Sündenbock in die Wüste zu schicken. Es würden sonst viele Mitglieder vom Flottenverein abfallen. Auch aus dem Rheinlande liegen wieder mehrere Meldungen vor: In Mörs hat der Vereinsoorstand desselben sein 91 mt n '-d er- gelegt. — In Euskirchen legte Beigeordn !er Goebel fein Amt als stellvertretender -uuijujeuöer der Ortsgruppe des Flottenvereins nieder. Wo bleibt Fulda?
r. Für die Zigarrenindnstrie von Interesse ist eine Bekanntmachung, welche der ,Reichs- anjeiger' heute veröffentlicht. Sie betrifft die Einrichtung und den Betrieb der zur Anfertigung von Zigarren bestimmten Anlagen.
Im Reichstage hat auch die wirtschaftliche Vereinigung eine Reihe von Anträgen eingebracht. Sie betreffen zunächst eine Gehaltsausbefferung der Reichsbeamten, weiter eine Verschärfung des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb. Ein weiterer Antrag fordert paritätische Angestellten- und Arbeitskammern, auch soll auf eine Beseitigung der Sonntagsarbeit im Handelsgewerbe hmgewirkt werden. Es soll auch ermöglicht werden, dem Ueberhandnehmen des ZigeunerunwesenS im Reiche entgegenzuwirken. Für das Vereins« und Versammlungsrecht wird eine Neuregelung von Neichswegen, für die Erfindungen der technischen Angestellten und Arbeiier ein besserer Schutz durch das Patentgesetz gefordert. Die wirtschaftliche Vereinigung will auch dem Vordringendes Ausländertums an deutschen Hochschulen steuern, weiter eine Untersuchung über den Umfang ausländischer Arbeiter vorgenommen wißen. Die übrigen Anträge betreffen den Ernteurlaub des Militärs, die Anstellung von Handelsinspektoren, die Tarifverträge und das Orgamsationsrecht für Reichsangestellte und Kommunalbeamte. Die sozialdemokratische Fraktion hat beschlossen, eine Interpellation über die Einführung von Schiffahrtsabgaben einzubringen. Ferner will sie Initiativanträge über etliche Materien einbringen, zu denen das Vereins-, Versamm- lungs- und Koalitionsrecht re. gehören. Weiter wird die Einführung von Fachberichten nach Art der Gewerbegerichte für die ländlichen Arbeiter und das Gesinde, außerdem die Einführung der Krankenversicherung für oie ländlichen Arbeiter gefordert. Schließlich wird noch dir Abschaffung des Majestätsbeleidigungsparagraphen und die Sicherung der Immunität der Abgeordneten gefordert.
teil dahin, daß die Sängerin die vollste Bewunderung verdiene.
In diesem Augenblicke trat der Hausherr auf Jesko zu. „Sind Sie befriedigt von dem Liede?" fragte er gut gelaunt.
Jesko bejahte und fragte seinerseits nach dem Namen der Sängerin.
„Philomene Mühlacker, feit einigen Monaten Witwe, wenn ich nicht irre."
„Sie ist also gezwungen, zu singen, obgleich sie um den Gatten trauert ... Ist sie nicht eine Französin?"
„Ich glaube nicht. Ihr Name ist deutsch: tote lange sie aber in Frankreich gelebt hat und ob sie dort geboren wurde, weiß ich nicht ... Ich habe durch Zufall von ihr gehört, meine Frau hat das weitere besorgt. Es ist ein gutes Werk ,toenn wir auf diese Art der Armen den Weg ebnen."
Roderich Straub trat auf die beiden zu, worauf der Baron sich empfahl.
„Nun, was sagen Sie denn zu dem Liede?" fragte Jesko den Freund.
„Ausgezeichnet!" erwiderte dieser. „Aber die Sängerin selbst . . . hm! . . ., sie toirft anziehend auf mich und im selben Augenblicke abstoßend. Ihre Schönheit hat so etwas . . . Verhängnisvolles. Entschuldigen Sie das harte Wort, aber ich finde keinen anderen Ausdruck . . . Solche Augen liebe ich nicht."
„Ei," wendete Jesko ein, „warum soll denn der Augapfel des Menschen nicht ebensogut das grüne Meer als den blauen Himmel widerspiegeln dürfen?"
„Ich habe von Jugend auf eine Abneigung gegen grüne Augen. Mein Vater gab mir zum Spielen ein Buch, in dem eine Meernymphe oder Sirene mit grünen Augen abgebildet war, wie sie eben einen bezauberten Mann in die Tiefen zog.
„Doch wohin führen Sie mich denn?"
„Ich mutz die Sängerin nochmals sehen!" sagte Jesko lakonisch. „Kommen Siel"
•
(Fortsetzung folgt)