trldeiK tSgllch, mit Asrnahme der $ot** undzeitktage Dttrttl* jShn.ve,«g»P"i' ohne Bringen« hn «”• BeHengelötnSBlba«"« auswärts 1 Nk. 50 Pf9*
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A. parzeller in Zulda
Zuldaer W Zeitung
w»che»beuage:„3Iluftrierte§omitagrzeitung" mon«t$beii«ge: „Sulbaet Geschichtsblätter"
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Botetionsdrnck n. Verlag der Zuldaer Ar» tienbr rdetel tn ssNlda. Zernfprecher Nr 9.
34. Jahrgang.
Fulda, Montag den 18. Februar 1907.
):::( Der neue Reichstag.
Am Dienstag tritt der neue Reichstag zusam- men; zwei Monate hindurch waren wir ohne Reichstag. Die Verfassung schreibt vor, daß bei einer Auflösung nach 90 Tagen der neue Reichstag sich wieder versammeln müsse. Der Bundesrat hat nicht so lange gewartet, denn es sind nur 68 Tage verstrichen, bis der neue Reichstag sich
einfindet.
Es ist ein neuer Reichstag in vielfacher Be- zichung. Zunächst hat er eine große Erneuerung seines Mitgliederbestandes erfahren. Wenn zwar bei der Auslösung des Parlaments die alte Regel eingehalten wird, daß der „heimgesendete" Abgeordnete tunlichst wieder kandidiert, so ist dies- mal hiervon in erheblichem Maße abgewichen worden. Eine ganze Reihe von Parlamentariern kebrt nicht wieder, diese scheiden Alters- oder Be- rufshalber aus! Wie tief der Wechsel greift, sieht man z. B. an folgenden Umständen: 36 Sozialdemokraten sind weniger da; die Hälfte der nationalliberalen Fraktion besteht aus frischen Leuten usw. Auch im Zentrum hat eine große Erneuerung stattgefunden! Mögen nun die „Alten" und die „Jungen" sich gut zurechtfinden! Denn „Junge" haben wir sehr viel im Parlamentshause, auch jung im Alter.
Die erste Arbeit im neuen Reichstage, der vom Kaiser selbst eröffnet wird, ist die Wahl einesPräsidiums; nach neuen Meldungen soll bereits eine Vereinbarung bestehen, wonach das Zentrum den Präsidenten, die Konservativen den ersten Vizepräsidenten und die Nationallibe- ralen den zweiten Vizepräsidenten stellten. Von verschiedenen Seiten wird uns dies bestätigt; wir wollen abwarten, wie die Fraktionen sich stellen, denn von heute an finden Fraktionssihungen statt. Die ersten Tage werden dann der Bureau- Wahl zufallen und hierauf kann die Arbeit beginnen. Die erste große Debatte behandelt namentlich den Ausfall der Wahl und die Gründe der Reichstagsauflösung; der Flottenvercin dürfte in der nächsten Zeit unangenehme Tage haben.
Der Reichstag bleibt nur bis 22. März versammelt; dann geht er in die Ferien bis nach Ostern; nach Ostern soll er auch nur fünf Wochen tagen und dann in die großen Ferien gehen. Er hat also nur den Etat zu erledigen. Bis zur Osterpause kann auch nicht viel geschehen, da nur knapp drei Wochen für die eigentliche Arbeit bleiben. In dieser Zeit kann nur ein Teil des Etats beraten werden und es ist dann sofort ein Notgesetz erforderlich, das sich auf ein oder zwei Monate erstrecken muß. Daß die Etatsdebatten
nicht so rasch gehen werden, liegt schon darin, daß die „neuen" Leute alle reden wollen. Außer dem
Etat dürfte sehr wenig zur Beratung gelangen; die Regierung hat sich noch nicht entschieden, ob sie die anderen Vorlagen sofort einbringen will oder erst im Herbste; zu bekannt ist, daß eine Verzögerung für gewisse Vorlagen nicht angebracht ist, wir rechnen hierzu in erster Linie die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine, Versicherungsvertrag, Maß- und Gewichtsordnung usw. Hoffentlich kommt auch bald der Entwurf über die neuen Arbeitskammern, die in dieser Legislatur
periode geschaffen werden miissen.
Die Debatten dürften im neuen Reichstage sehr heiß werden; es ist ein Nachfeucr der Wahlreden und besonders dann kann es viele Zusammenstöße geben. Das Zentrum wird sich ruhig verhalten, wenn es auch die Abrechnung mit den Gegnern vollzieht. Aller übrige kann es an sich berankommen lassen. Es ist ein Glück, daß außer dem Etat nichts beraten wird; das Zustandekommen anderer Gesetze wäre in dieser politischen Siedehitze nicht gesichert. Aber mit der Zeit fällt ja eine folcke Temperatur und namentlich das Zentrum wird seine Ruhe und Kälw nicht verlieren und mit aller Kraft arbeiten am Blühen
WcrHcl'.
Eine Erzählung aus alter Zeit. Von A. M. Witte
10J iNochdruL verboten.)
»Vor Euch steht ein Christ, sagte ernst der Kaplan, während Eberhards Augen starr auf Rahel gerichtet waren, die in totenähnlicher Er- starrung auf dem Stroh lag. Wie elend sie aussah I Ihr Antlitz war noch bleicher als sonst. Ein Blutstrom hatte ihr Gewand gefärbt. Kein Lebenszeichen gab sie von sich. „Wenn ein Christ Eure Tochter behüten soll, dürft Ihr seinen Brüdern nicht fluchen."
„Meine Brüder sind verachtet und verfolgt," schrie Borneck, „von Euch Christen. Weil Paul Fromm aus Angst vor der Folter den Diebstahl einer Monstranz ern-kstantz und die Juden als Mitschuldige bezeichnete, werden sie uns alle foltern und töten. Nicht habe ich warten wollen, bis - dahin kam. Eilends sind wir geflüchtet. Aber mein Kind, meine Rahel! Die Eile, die Aufregung und diese Kälte haben sie krank gemacht. Ruben sagt, sie wird sterben, wenn wir weiter fahren. Mein Kind, mein einziges Kind haben mir die Christen getötet." Wie in Verzweiflung warf sich der alte Jude über seine Toch- ter. Diese schlug plötzlich die Augen auf. „Wo sind wir?" Nur wie em matter Hauch drang diese Frage an Eberhards Ohr. „In sicherer Hut," sagte Eberhard ernst und bestimmt, sich zu ihr nei-eiw Bei dem Ton seiner Stimme erkannte auch Rahel ihn unverzüglich. Freudig erstaunt sah sie zu ihm auf. „Ihr seid es! Gott erhörte wirklich mein Gebet! Ich darf Euch noch einmal Wiedersehen! O Dank, Dank Ihm!" Langsam nur rangen sich diese Worte von ihren Lipven. Borneck blickte verwirrt von einem zum andern.
Rubens Seele dämmerte die Ahnung, daß zwischen Eberhard usid Rahel ein Zusammenhang
des deutschen Vaterlandes! Das ist die erste und beste „Zentrumsrache".
♦ Die Rekrutierungrgebiete der Sozialdemokratie.
Auf gründ der Stimmenverhältnisse bei den letzten Reichstagswahlen bespricht die Deutsche Tagesztg/ in ihren Nummem 75 und 76 vom 14. Februar die Rekrutierungsgebiete der Sozialdemokratie. Der Verfasser verficht die Ansicht, daß die Sozialdemokratie bereits 1903 nur kaum ein Viertel der Wählerschaft als ihre Anhängerschaft betrachten konnte. Dieses Wachstum erklärt er vor allem durch die Vermehrung des Hauptrekrutierungsgebietes der Partei, der gewerblichen Arbeiterschaft. Von 1890 bis 1897 nahmen die Stimmen der Partei fast genau im Verhältnisse des Wachstums dieser Bevölkerungsklasse zu. Dieses Wachstum wird aber immer rascher, und der Verfasser kommt zu dem Schluß, daß die ganze Entwickelung nicht möglich wäre, stünden der Industrie nicht ständig wachsende Arbeitermassen zu Gebote, die das platte Land liefert. Die Hauptaufgabe der sozialdemokratischen Agitation war und ist stets, diese landflüchtenden Massen für sich zu gewinnen. Nach den hierzu angeführten Zahlen war anscheinend 1903 der sozialdemokratische Anhang in der Gewerkschaft am stärksten.
Dies Bild gilt jedoch dem Versasser nicht als das bemerkenswerteste Ergebnis der Wahlen. Zwei andere Lehren find ihm wichtiger. Er stellt die Zahlen der Wahl und Berufsstatistik einander gegenüber und ersieht daraus, daß gerade in den ältesten Rekrutierungsgebieten der Sozialdemokratie die stärkste nicht nur relative, sondern sogar absolute Abnahme ihres Anhanges seit 1903 stattgesunden hat. Als Beweis dafür gilt ihm namentlich das Stimmenverhältnis im Königreich Sachsen. Die andere Lehre zieht der Verfasser aus den wirtschaftlichen Organisationen der Arbeiter und erklärt daraus, daß der Einfluß der nichtsozialdemokratischen Arbeiter zur Zeit im Erstarken begriffen ist.
Von besonderem Interesse sind aber zwei Feststellungen, welche in den betreffenden Artikeln an dieser Stelle eingeschaltet sind. Sie betreffen die Gebiete, in denen der Sozial- demokraüe der stärkste Einhalt geboten ist und die Quellen, aus welcher das Hauptreservoir der sozialdemokratischen Partei gespeist wird. Für das Erstarken des nichtsozialdemo- kraiischen Einflusses sagt der Verfaffer: „Insbesondere sind es die katholischen Gegen- den, wo die Arbeiter noch in hohem Maße die revolutionäre Agitation ablehnen, wie aus der Wahlziffer der Jahre 1903 und 1907 hervor- geht ... Es scheint also, daß die Organisation der Arbeiter seitens der katholischen tirch- lichen Kreise den revolutionären Ansturm mindestens aufgehalten hat und das sogar in den Großstädten. Noch stärker erweist sich der Einfluß der katholischen Kirche in beruhigendem Sinne aus die Gemüter des Volkes, wo er mit dem Einflüsse des kleinstädtischen Lebens zusammentriffl. In den ostpreußischen fast rein katholischen Wahlkreisen Allenstein- Röffel und Braunsberg-Heilsberg wurden 1903 nur 222 resp. 228 sozialistische Stimmen abgegeben und 1907 kaum mehr. Dabei haben diese Kreise heute an 3290 resp. 3080 Wahlberechtigte aus der gewerblichen Arbeiterklasse
bestand, Leah und der Kaplan verstanden diese Szene, aber keiner berührte es mit einer Frage, denn die Zeit drängte. Rahels Krankheit hatte die Flucht schon verzögert, diese konnte bereits entdeckt sein. Jeden Augenblick konnten Joachims Abgesandte erscheinen. Der Kaplan ergriff jetzt das Wort: „Der Tod Eures Kindes ist sicher, wenn Ihr weiterfahrt. Laßt sie hier, unter dem Schutz eines Edelmannes, wenn Ihr sie retten wollt."
„Wollt Ihr mir versprechen bei dem Gotte, der da rächen wird den Wortbruch, Rahel zu schützen vor Spähern und Verfolgern, uns nie zu verraten, und meine Tochter, wenn sie genesen, sicher zu senden dorthin, wo ich Zuflucht finde? Schwört mir dies erst vor diesen Zeugen." Hvchaufgerichtet trat bei diesen Worten der Jude dicht an Eberhard heran. „Was ich verspreche, halte ich freiwillig, aber ich schwöre nicht. Ihr müßt dem Worte eines Edelmannes Glauben schenken!" — „Nun, dann gebt mir Euer Wort, daß Ihr meine Tochter behüten und sie nicht.abwendig machen werdet dem Glauben ihrer Väter, und Euch wird segnen Jehovah, wie ich allen andern fluche, die sich Christen nennen!"
. ."fluche nicht, — denn ich — bin Christin," rief Rahel, von ihrem Lager sich aufrichtend. „Ja, auch Du sollst es wissen, zu dieser Stunde, da der Tod mich bedroht, lange schon bin ich es in meinem Herzen. Ich habe nicht mehr gebetet zu dem Gott der Rache, ich habe gebetet zu dem Gott der Liebel Ich habe den Gott der Christen anqefleht um em Ze cheu, ob er lei der wahre Gon, und oö der Gekreuzigte sei der verheißene Messias, und et hat es mir gegeben"
Mit einer Festigkeit und Entschiedenheit, als sei ihre ganze Kraft zurückgekehrt, hatte Rahel diese Worte gesprochen.
Wie ein Wahnwitziger fuhr Borneck in die Höhe. „So ist es also wahr, was ich vermutete, als ein Dieb kam dieser Mann in mein Haus,
aufzüweisen." Mit diesen Feststellungen verkündet der Verfasser zwar nichts neues mehr, sie sind aber um so interessanter, als im Anschluß an den Wahlkampf der „entschiedene" Liberalismus es war, welcher mit aller Entschiedenheit betonte, daß nur er das festeste Bollwerk gegen die Sozialdemokratie in den Großstädten sein könnte.
Als zweite wichtige Lehre ist nach der .Deutschen Tageszeitung den Wahlen von 1907 zu entnehmen, daß sich die gesamte Landwirtschaft noch stärker gegen die sozialdemokratischen Einflüsse erwiesen hat. Diese Er- scheinung wird zu einem Teil darauf zurück- geführt, daß gerade die unruhigsten, ver- änderungssüchtigsten Elemente unter den Landarbeitern in die Städte wandern, zu einem anderen Teil aber auf die ganze ruhige Tätigkeit des Landarbeiters, die Sicherheit seiner, wenn auch bescheidenen Existenz. Und nun führt die Abhandlung zu folgendem Schluß: „Mehr als jemals hat sich die gewerbliche Arbeiterschaft, insonderheit die protestantischen Großstädte, als das Hauptreservoir erwiesen, aus dem die Fluten der Revolution beständig gespeist werden." Auch diese Feststellung ist eine vorzügliche Illustration zu der vom Freisinn beliebten Behauptung.
Deutsches Reich.
Berlin, 16. Februar 1907.
r Für eine liberale Einigung tritt jetzt auch Pfarrer Naumann in Nr. 86 des .Berliner Tageblatt' vom 16. Februar ein. Von einer vollständigen Verschmelzung der freisinnigen Fraktionen unter sich will er aber vorerst noch nichts wissen. Die Selbständig'.eit der Parteiorganisationen will er solange erhalten wissen, bis es zur inneren Selbstverständlichkeit und Notwendigkeit geworden ist, sich ineinander ausgehen zu lassen. Diesen Zeitpunkt hält Nau- mann noch nicht für gekommen, deshalb empfiehlt er als Uebergangszustand, daß die Abgeordneten der drei Iinf§liberalen Parteien im Reichstag und in den Landtagen von jetzt an als eine parlamentarische Fraktion auftreten und gemeinsame regelmäßige Beratungen einrichten. Anderseits will er, daß in den verschiedenen Landesteilen im Sinne der Frankfurter Einigung das Einigungswerk überall dort formell vollzogen wird, wo die Einigung der Gesinnung bereits tatsächlich sich eingestellt hat. Alles weitere übertäßt Naumann aber der Zukunft. Gibt er doch selbst zu, daß die Verwirklichung des Eini- gungsgedankens ein Wagnis für die liberale Sache "bedeutet. Alles in allem geht also fein Vorschlag dahin, daß er nur einen Zusammenschluß der Fraktionen unter Wahrung ihrer eigenen Selbständigkeit und örtlicher Einigung der drei Gruppen unter sich will. Damit macht Naumann dem Einigungsgedanken vorerst nur unwesentliche Zugeständnisse, die einige große liberale Partei steht eigentlich nach seinen Ausführungen noch mehr nur auf dem Papier wie je zuvor.
* Die Kolonial-Armee. Nunmehr ist, wie offiziös mitgeteilt wird, auch Oberst Deimling der Ansicht, daß der jüdwestafrikanische Ausstand als erloichen zu betrachten ist. Er hat sein Haupt- quartier auch bereits nach Keetmanshoop verlegt. Die Truppenzahl soll bis zum Sommer auf 6000
um zu stehlen das Herz meiner Tochter, und um es abtrünnig zu machen dem Gott unserer Väter!"
„Nicht weiter!" fast gebieterisch schaute Rahel den Vater an. „Nicht um der Liebe willen, wie Du wähnen magst, bin ich Christin. Niemals hat dieser Mann mir je ein Wort von Liebe gesagt." Klar und deutlich, wie in gesunden Tagen, klang Rahels Stimme durch die stille Abendluft, und ohne dem Vater Zeit zu einer Entgegnung zu lassen, fuhr sie fort: „Ist jemand anzuklagen, so bin ich es allein, soll einen ein Vorwurf treffen, kann er doch nur mir gelten; ihm zu zürnen, steht Euch kein Recht zu, ihm, der frei und unabhängig schalten konnte, wie er gewollt; der mir einsame Stunden verkürzte, ohne jemals zu fragen, ob ich feinen Glauben teile, ob ich gering und aus verachtetem Stamme feil Nicht er hat mich bekehrt, Gott selbst, der Gott der Liebe sprach in meinem Herzen."
Rahels Kraft schien nach diesen, mit der äußersten Kraftanstrengung hervorgestoßenen Worten zu Ende. Unwillkürlich suchte das Mädchen nach einer Stütze. Eberhard sprang hinzu und um- faßte sie.
„Dem falschen Trugbild schenkst Du Glauben?" rief der alte Jude in rafender Erregung. „Es gibt keinen Gott der Liebe, müßten fonst wir ziehen irrend und flüchtig von Land zu Land? Aber Jehovah lebt, der Gott unserer Väter, und der wird einst unser Volk rächen an seinen Verfolgern."
„Halt", unterbrach ihn der Kaplan, „schont Eure Tochter."
Ein neuer Blutstrom drang aus ihrem Munde, und wie leblos war sie in Eberhards Arme gesunken. Dieser Anblick drängte den Zorn und die Erbitterung Bornecks zurück, der Schmerz, die Angst um sein Kind gewannen die Oberhand.
„Ruben, rettet sie!"
Der Arzt tat, was in seinen Kräften stand, sie ins Leben zurückzurufen. Eberhard beorderte den Haushofmeister, Unterstützung zu holen; dann
Mann vermindert werden. „Wieviel Mann dann noch in der Kolonie verbleiben sollen, hängt von den Maßnahmen ab, die das Oberkommando betreffs der Stations-Besatzungen treffen wird, und davon, wie der Reichskanzler sich zu der Frage stellen wird. Bevor die Bahn nach Keetmanshoop. nicht fertiggestellt ist, ist auf eine größere Truppenverminderung nicht zu rechnen. Nach Erlöschen des Aufftandes wird man das Land in Militär-Distrikte teilen, jeder Distrikt erhält eine Station, jede Station eine Besatzung. Die Stärke der Besatzung wird bedingt durch die Lage der Station, ihre Entfernung von den Verbindungswegen und den Hauptorten der Kolonie und die Sicherheit der Gegend. Das Oberkommando in der Kolonie wird hierfür einen genauen Plan aufstellen. Dazu kommt noch, daß die Lokationen und die Gefangenen - Lager militärischen Schutz und Aufsicht erfordern. Wenn alle diese Pläne genau geprüft sind und die Zahl der zu verwendenden Truppen feststeht, läßt sich auch angeben, wie hoch die Zahl der Truppen im Etat für 1907 fein soll." Also trotz des Erlöschens des Aufstandes soll die Bahn Kubub-Keelinans« Hoop gebaut werden. Um dieser Bahn wenigstens einige Beschäftigung zu geben und überhaupt den Zusammenbruch der seit Jahren ja schließlich von den Truppen lebenden „Kolonie" zu verhüten, wird man bemüht sein, möglichst viele Soldaten in Wüst-West zu behalten. Ueber 6000 werden es kaum werden; diese Truppe allein wird dann jährlich ihre 50 Mill, kosten. Aber der Standpunkt des Zentrums ist schon durch diese Mitteilung gerechtfertigt.
t Das Stärkste im Wahlkampfe. In Nr. 12 vom 14. Februar 1907 (Morgenausgabe) der ,Hamburger Nachrichten" findet sich folgende Anzeige: „Wer schließt sich einem Reichs- verband wider den römischen Beichtstuhl an? Zweck des Verbandes: Emanzipation des katholischen Deutschlands bezw. vom Zentrum. Mittel: Massenpetitionen an die Reichsregierung, den Bundesrat und den Reichstag um Verbot des Beichtstuhles und der Ohrenbeichte als religiös unnötig (siehe Prote-stantismus), politisch verdächtig und staatlich unkontrollierbar. Beweis der Möglichkeit solches Einschreitens:Frankreich. Günstiges Zeitmoment: Rom ist jetzt auch in Frankreich stark engagiert. Wer ist Rom? H. St. Chamberlain antwortet: „Die Herrschsucht um ihrer selbst willen." Und darunter soll unser Volkstum leiden ? Briefliche Anmeldungen für obigen Reichsverband nimmt entgegen: Dr. I. Möllmann, Hamburg21." — Zu dieser Leistung haben wir nur das eine zu bemerken: Wenn ein solch unerhörter Aufruf selbst nach dem Ausfall der Wahlen erscheint, was würde erst zu erwarten gewesen sein, wenn das Zentrum geschwächt worden wäre? Daß aus dem protestantischen Hamburg ein solcher erscheint, besagt genug, daß ihn ein liberal-konservatives Blatt aber ausnahm, noch mehr! Wir bitten alle unsere Leser, diesen Aufruf in jedem katholischen Hause zu besprechen!
Katholiken sind einmal da! Die konservative ,Kreuzztg/ schreibt: „Das katholische Volksdrittel ist einmal vorhanden und es kann dem Vaterlande nicht dienlich sein, wenn es allen vaterländischen Interessen fremd, abgeneigt, gleichgültig gegenübersteht. Das Wohl des Vaterlandes verlangt vielmehr gebieterisch, daß auch dieser Volksteil immer mehr lerne, tue Politik nach politischen patriotischen, nationalen
wandte er sich zu Vorneck: „Wenn Ihr Eure Tochter dem Leben erhalten wollt, müßt Ihr jede Aufregung vermeiden. Sie ist kein Kind mehr, stark geworden ist in ihr der Glaube, den sie verehrt."
Gebrochenen Herzens stand Borneck da, als et fein Kind, einer Toten ähnlich, vor sich sah, und schwere Tränen fielen in seinen Bart.
„Komm', Leah" Die Alte hatte schweigend, sich innerlich die bittersten Vorwürfe machend, das Zusammensein der beiden ehemals begünstigt zu haben, der Szene beigewohnt, und schrak bei dieser Anrede zusammen. „Komm' laß uns forteilen von hier, ich habe mein Kind verloren. Wir wolle in ein anderes Land gehen, uns eine neue Heimat zu suchen, Rahel wird sie hier finden."
„Mein Wort darauf," Eberhard versuchte vergebens, Borneck die Hand zu reidjen, „ich mache Rahel zu meinem Weibe."
Als hätte er diese Worte nicht gehört, fuhr Borneck fort, „Ruben will bleibön, bis die Christen ihn in ihrer Liebe," er lachte grell und höhnisch auf, „zum Feuertode verdammen. Wenn Rahel die Augen aufschlägt, soll sie uns nicht mehr sehen. Sie wird ja doch nicht mehr nach ihrem alten Vater fragen."
Der Kaplan versuchte vergebens, den Juden zu unterbrechen. Dieser schüttelte nur den Kopf.
„Laßt uns ziehen, schon sind die Häscher uns auf den Fersen, ihr — der Christin — werden sie nichts tun. — Aber ich kann sie im neuen Glauben nicht segnen," flüsterte er, sich erschauernd abwendend.
„Nicht segnen, heißt ihr fluchen", murmelte Ruben.
Der Alte trat an feine Tochter heran und legte die Hand auf ihre Stirn: „Rahel!" rief er bann, „Rahel, wenn Du einst wirst verstoßen werden von denen, die Dich jetzt lieben, dann kehre zu Deinem Vater zurück."
Rahel hörte nicht, was ihr Vater sprach; sie fühlte nicht, wie Leah, laut anffchluchzend, ibk