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Sotationr-rnck u. Verlag -«jluIdaer A» tienbr rckerei in Hulda. Zerrlprecher Nr 9.
M 37.
Fulda, Domerstag den 14. Februar 1907.
34. Jahrgang.
MH
Vie Aufbesienmg der SeamtengehLlter in Preutzen.
Im verflosienen Wahlkampf hat di« preußische Regierung durch die ,Nordd. Allg. Ztg/ eine Ausbesserung der Beamtengehälter ankündigen lassen. Auch in der Thronrede war von einer Ausbesserung die Rede, wodurch dann bet schon bekannte Zentrumsantrag veranlaßt wurde, in welchem für alle mittleren und unteren Staatsbeamten eine persönliche Zulage, weiter eine all« gemeine Erhöhung des Diensteinkommens dieser Beamten und die Erhöhung deS Gehaltes bet Volksschullehrer gefordert wird. Als dann jüngst die nationalliberale Interpellation »über den Studt'schen „Bremserlaß" im Abgeordnetenhaus besprochen wurde, gab der Kultusminister die Erklärung ab, daß ein Gesetzentwurf über, die Ausbesserung der Lehrergehälter zur baldigen Vorlage in Vorbereitung ist. Am Mittwoch dieser Woche wurde nun der Forfleiat beraten; bei dieser Gelegenheit sind von verschiedenen Seiten Aeußerungen gemacht worden, welche in Bezug auf die Gehaltsausbefferung der Beamten programmatische Bedeutung haben.
Die Veranlassung zu der Gehaltsdebatte gaben die Besoldungsverhältniffe der Förster sowie der Hilfsjäger und Forstaufseher, für welche nament» lich die Zentrumsredner warm eingetreten sind. Allgemein auf die Beamtengehälter ging indessen der konservative Abg. v. Heydebrand ein, indem er feststellte, daß die Wünsche der Beamten Berechtigung und Dringlichkeit erlangt haben. Damit hat der konservative Redner eine allgemein gehegte Ansicht zum Ausdruck gebracht, nur in der Durchführung der für eine Gehaltsaufbesserung geplanten Maßnahmen weicht feine Meinung von den Ansichten auf den anderen Seiten des Hauses ab. Er und mit ihm die ganze konservative Partei wollen eine organische Besserstellung sämtlicher preußischer Staatsbeamten in die Wege geleitet sehen, den Anstoß dazu erwarten sie aber lediglich von einer Vorlage der Staatsregierung selbst. Von freikonservativer Seite wurde dieser Auffassung zugestimmt.
Die konservativen Parteien erwarten also in Sachen der Gehaltsaufbesserung jede Initiative von der Regierung. Sie selbst wollen darin absolut nicht selbständig vorgehen. Unseres Erachtens deckt sich diese Ansicht keineswegs mit den Aufgaben der Volksvertretung, wird auch auf anderer Seite nicht geteilt. Mit Recht betonte deshalb der Zentrumsabgeordnete Busch, daß der von konservativer Seile vorgeschlagene Weg allein nicht zum Ziele führt. Der Landtag kann durchaus nicht darauf verzichten, bei der Regelung der Beamtengehälter selbst ein kräftiges Wort mitzureden. Aehnlich lautet wohl auch das Urteil auf liberaler Seite, wenn z. B. der Abg. Schröder-Kassel zum Ausdruck bringt, daß vor der Aufbesserung die dazu vorliegenden Pe- titionen einer gründlichen Erörterung unterzogen werden sollen. Daraus geht hervor, daß lediglich tn der Behandlung der Materie selbst verschiedene Auffassungen herrschen. In der Hauptsache selbst ist man aber dann einig, daß in Sachen der Gehaltsaufbesserung etwas geschehen muß. Infolgedessen kann diese Einheitlichkeit auf die Regierung nicht ohne Eindruck bleiben. Besonders erfreulich ist es ober, daß die konservative Fraktion eine Regelung der Beamten-
WcrHeL.
Tine Erzählung aus alt« Zeit. Von A. M. Witte
7j (Nachdruck verboten.)
Allerdings, nicht zum Träumen angelegt scheint mir ihr Wesen, sagte Eberhard; er dachte an Rahel, wie gerade ihre zum Denken und Sinnen neigende Natur ihn so mächtig angezogen habe, und wie doch Gertraud das Gegenteil davon fei.
„Da sprecht Ihr wahr; ihr klares Wesen sehnt sich nimmermehr nach der Ferne, denkt nie, daß dort nur das Paradies ruht, welches sie erstreben müsse, ihr Eden liegt hier, in ihrer Heimat, und klug tut sie daran; das Paradies, das man ersehnt, findet man doch nur in sich selbst, in einem auf Gott ruhenden Sinn." Nachdenklich schaute der Kaplan in die langsam verlöschenden Kohlen.
„Jeder Mensch trägt aber ein sehnendes Gefühl in der Brust" widersprach Eberhard.
Der Kaplan fiel ein: „Sie hat nur eine Sehnsucht, zu beglücken, und recht hat sie; was ist alles gegen das Bewußtsein, ein Segen für unsere Umgebung zu sein?" Forschend blickte der Priester auf das gesenkte Antlitz des jungen Mannes, aber Eberhard blieb schweigend. Beide hingen ihren Gedanken nach, und endlich erhob sich der Kaplan, um zu gehen, da kein Gespräch mehr in Fluß kam.
Als Eberhard in seinem Schlafgemache sich allein befand, überdachte er das Gespräch mit dem C- AeT- sollte es eine Bedeutung haben? Sollte derselbe vielleicht Gertraud zum Thema desselben erwählt haben, um mit dem Willen feiner Mutter °b er Gertrauds mit anderen Gefühlen als mit denen eines Bruders denke?
Wie leicht hatte er es sich gedacht, mit der Mutter von seiner Liebe zu reden, ihre Gründe, daß er vornehm, Rahe! gering, er Christ, sie noch Jüdin, zu widerlegen I Aber nun, da er wieder in der Burg feiner Ahnen weilte, erschien ihm die
gehälter bald und bringend wünscht. Auch dieses Moment muß bi« Regierung befonbetB im Auge behalten.
Bekanntlich liegt von nationalliberal« Seite d« Antrag vor, für bie laufenbe Session eine Kommission für Vorschläge zur Regelung der Dienstbezüge der Staatsangestellten einzusehen, welch« bie Vorberatung b« einschlägigen Petitionen zu überweisen ist. Dies« Antrag ist bereits auf bie TageSorbnung der morgen, Donners- tag, stattfindenden Sitzung gestellt. Damit gibt bas Abgeordnetenhaus zu «kennen, baß es bie Frage b« Gehaltsaufbesserung baldigst erledigt wissen will. ES fragt sich nur, ob bas HauS sich insgesamt auf ben nationalliberalen Antrag festlegen wird. Der schon erwähnte Zentrums- antrag bringt ja bereits zum Ausbruck, baß auf eine allgemeine Erhöhung des Diensteinkommens, zunächst der mittleren und unteren Staatsbeamten im Etatsjahr 1908 Bedacht genommen werden soll. In seiner Wirkung geht der Antrag also weiter wie die Forderung der Nationalliberalen. In Rücksicht auf bie günstige Finanzlage des preußischen Fiskus ist von den Debatten über diese Anträge jedenfalls manch kräftiges Wort zu ermatten.
Deutsches Reich.
Berlin, 13. Februar 1907.
Neber die erste Session des neuen Reichstages hat eine Korrespondenz die Meldung v«breitet, daß nur mit einer Tagung von etwa 10 Wochen zu rechnen wäre. Die Sitzungen würden also bereits zu Pfingsten ihr Ende finden, so daß lediglich d« Etat zu Ende beraten werben könnte. 9tun wird aber gemeldet, daß die Regierung im ersten Tagungsabschnitt auch die Vorlagen über die Berufsvereine und die Arbeiterkammern dem Reichstage vorlegen will. Daraus wird der Schluß gezogen, daß von einem so frühen Schluß der Session nicht bie Rebe fein könne. Man rechnet bamit, daß der Reichstag etwa bis Ende Juni tagen wirb. Leiber vermissen wir noch bie Nachricht, ob bie Regierung bie Vorlage über bie Berufsvereine in ber vom Reichstag gewünschten Weise ab. geändert hat ober ob sie gesonnen ist, den Entwurf in seiner ursprünglichen Form abermals vorzulegen. Ein bayerisches Blatt will auch wissen, daß die Regierung den Plan ein« durchgreifenden Böriengesetzreform, entsprechend den Wünschen des Handels und der Industrie, erwäge. Falls sich diese Mitteilung bestätigt, ist also von einer Wiebereinbringung ber dem alten Reichstag noch vorgelegten Novelle Abstand genommen worden. Änderseits schreibt bie .Deutsche Tagesztg/ zu der Meldung: „Der Berichterstatter hat die Glocken läuten hören, weiß aber nicht recht, wo sie hängen. Seine Meldung ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß man sich in den maßgebenden Kressen noch nicht entschieden hat, ob man das Börsengesetz dem Reichstage sofort wieder unterbreiten soll ober einer nochmaligen Umarbeitung unterziehen solle."
f. Der Abg. Bebel, der bekannte Sozialisten- führet, gehörte am 12. Februar b. IS. volle 40 Jahre bem deutschen Reichstag an. Neben ihm gehört nur noch ein Abgeordneter eine ebenso lange Zeit bem Reichstag an, das ist bet Zentrumsabgeordnete Graf Hompesch.
Mutter mehr denn je als die stolzeste Repräsentantin ber Treue für die Unbefleckthcit des adligen Namens, die auch sein Vater stets hoch gehalten, indem er jederzeit die Traditionen feines Hauses gewahrt. Aber anderseits schien ihm Rahe! besonders dazu geschaffen, auch einmal Unmögliches zu verwirklichen, und die Vornehmheit ihrer Natur ergänzte die Vornehmheit der Geburt. Gab es keine Brücke über die Kluft, welche ihn von ihr schied?
Nur schweigende Trennung? Und war dieselbe noch feiner würdig?
Lange, lange dauerte es, ehe Eberhard den Schlaf gefunden hatte.
Wie sie an jedem Morgen zu tun pflegte, schritt Gertraud auch am heiligen Christtage schon früh durch den Park nach den Wirtschaftsräumen. Plötzlich vernahm sie Schritte hinter sich und erblickte, aufschauend, ihren Detter.
„Ein herrlicher Wintertag," begann sie etwas verlegen, als et nach freundlichem Gruße stumm neben ihr schritt. „Ein echtes Weihnachtswetter." Sie streifte leicht im Vorbeigehen den Schnee von einem Strauche, sodaß die Flocken zur Erde fielen. „Nicht unlieb, nicht wahr, Eberhard, ist's Dir, dieses Fest nach Jahren wieder daheim zu feiern?"
„Schön ist's, Gerttaud, in der Heimat zu fein, wenn treue Herzen uns empfangen, aber herrlich war es auch dort draußen."
„Kaum kann ich's mir denken! Nichts auf Erden geht mit über der Heimat Zauber; bin ich auch nicht hier geboren wie Du, so ruhen doch alle meine süßesten Erinnerungen hier; es verlangt mich nimmer hinaus, kennen lernen möchte ich gar nichts anderes, als dies glückumsponnene Heim; fast graut mir's bei dem Gedanken, dieses Haus zu verlassen und an den Hof zu gehen." Ihre dunkelblauen Augen schienen liebevoll das
Bei dem „Genossen" Bebel waren die 40 Jahre seiner parlamentarischen Tätigkeit nur durch Gefängnisstrafen unterbrochene „KriegSjahre gegen bie herrschende Ordnung".
f. Zn den Etatsbetatungen d«S preußischen Abgeordnetenha useS liegt eine ganze Reihe neuer Anträge und Interpellationen vor. Zur zweiten Lesung des Kultusetats hat die freisinnige Volkspartei einen Antrag eingebracht, in welchem die Regierung ersucht wirb, bie Lehrpläne d« Volksschule unb b« höheren Lehranstalten in organische Verbindung zu bringen unb die bei den staatlichen höheren Lehranstalten noch bestehenden Vorschulen allmählich aufzuheben. Zum Etat der Hanbels- unb Gewerbeverwaltung hat d« Abgeordnete Graf Spee (Zeutr.) einen Antrag eingebracht, in welchem die Regierung ausgefordert wird, die Anweisung zur Ausführung der Reichsgewerbeorbnung dahin zu erroeitetn, baß bei ber Prüfung der Vorlagen zu gewerblichen Anlagen nach § 16 ber Reichsgewerbeorbnung außer ben Bau-, Gewerbeaussichts- unb Mebizinalbeamten in gleicher Weise durch die Landwittschaflskammern zu bezeichnende land- wirtschaftliche Sachverständige beteiligt werden, sofern landwirtschaftliche Interessen durch die Anlagen berühtt w«den. Weiter wird bie Regierung in bem Anträge aufgefordert, einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den dem 8 113 Satz 2 des Zuständigkeitsgesetzes folgende Fassung gegeben wird: Sofern landwirtschaftliche Interessen in Betracht kommen, entscheidet der Minister für Handel und Gewerbe in Gemeinschaft mit dem Minister für Landwirtschaft. Der Antrag wird unterstützt von Mitgliedern der konservativen Fraktion.
.-. Die konservative Fraktion hat eine Interpellation eingebracht, in welcher bie Regierung angefragt wirb, ob sie bei ben evangelischen Landeskirchen eine vermittelnde Tätig, feit nach der Richtung eintreten zu lassen gedenkt, baß burch weiteren Ausbau bet Psarrbesolbungsgesetze von 1898 burch eine allen Landeskirchen umfassende Neuregelung beS RuhegehaltSwesens den Geistlichen eine den Anforderungen ber Zeit entsprechende Verbesserung ihr« wirtschaftlichen Lage gewährleistet werde. Weit« wird die Regierung in der Interpellation aufgeforbett, dahin zu wirken, daß diese Reform noch vor ben nächsten orbent« lichen Tagungen der obersten kirchlichen Vertreter ihre Erledigung findet unb daß, wenn dies nicht angängig fei,, geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um eine vorläufige Befriedigung der dringendsten Bedürfnisse zu sichern.
* Fraktionssitzungen im neuen Reichstage haben bereits angefetzt die Konservativen, die Nationallibe- taten und dir Sozialdemokraten; während die Nationalliberalen schon am 18. Februar eine Sitzung abbalten, haben die beiden anderen Fraktionen am Eröffnungstage selber ihre erste Fraktionssitzung und zwar unmittelbar nach der konstituierenden Plenarsitzung. Das Zentrum dürste wohl auch schon am 18. Februar seine erste Sitzung abhalten, da gerade für die ersten Tage sehr viel Beratungsstoff vorliegt.
* Die Verteilung der Sitzplätze im Reichstage bat bereits begonnen, an den einzelnen Plätzen sind schon die Namen der Abgeordneten angebracht worden. Das Zenttum hat wie stützet die beiden mittleren Keile erhalten.
f. Die Branntwein - Erzeugung und bet Btanntwein-Berbtauch im deutschen Steuergebiete
vor ihr liegende Bild, das friedliche Dorf, zu betrachten.
„Und was fesselt Dich hier? Kann es der Ju- gend wohl genügen, auf dieser einsamen Scholle ihr Dasein zu verbringen?" Eberhard blickte sie forschend an.
„O, Eberhard," erwiderte sie, „sand ich doch hier alles, Heimat, Glück und Liebe, was bedarf es mehr zur Zufriedenheit?"
„Gutes Herz," sagte Eberhard gerührt, „glück- sich ist die Mutter zu preisen, daß sie Dich in der Zeit meines Fernseins um sich haben konnte. Dank Dir, daß Du ihr die einsamen Sttinden verschönst." Er faßte ihre Hand und zog dieselbe — zum erstenmal im Leben — an feine Lippen Ger- trauds Wangen überzog ein tiefes Rot.
„Tante ließ mich nie fühlen, daß ich allein stehe, sie ward mit Mutter, muß ich da nicht glücklich sein? Einen Wirkungskreis gab sie mir, der mich beglückt, für Arme darf ich sorgen, ihr Leid lindern, ihre Tränen trocknen, überall darf ich helfen, und wenn sich heute abend alle der- sammeln, die wir bescheren, dann wirst auch Du glauben, daß mein Glück hi« an diesem Orte ruht."
Fast bewundernd sah Eberhard feine Bast an und sie schritt neben ihm, heiter und anmutig tote immer, aber die Welt erschien ihr doch ganz besonders reich, so unermeßlich weit und ichön, weil er an ihrer Seite ging..
„Auf Wiedersehen!" rief sie ihm zu, als sie in den Räumen der Schlotzoertoaltcrin entschwand.
Eberhard ging durch den Park zurück. Unwillkürlich verglich er die beiden Mädchengestalten Rahel mußte in gleichem Alter tote Gertraud stehen und hatte gleich dieser die Jugend einsam verbracht, aber mütterliche Fürsorge, Liebe und Treue hatten Gettrauds Lebensmor- gen bewacht; als die Eltern starben, war sie noch zu klein gewesen, um ihren Tod ganz zu verstehen
weist im Januar 1907 gegen ben gleichen Monat beS Vorjahres einen nicht unbebeutenben Rückgang auf. Im Januar 1907 würben im ganzen erzeugt 608,446 hl Alkohol gegen 640,268 hl Alkohol im gleichen Monate des Vorjahres. Davon wurden zur steuerfreien Verwendung abgelassen 137,826 hl, darunter vollständig denaturiert 97,459 hl (Januar 1906: 139,743 hl bezw. 98,281 hl). Unter staatlicher Kontrolle verblieben 1,119.629 hl und in den freien Verkehr gesetzt wurden 219,725 hl. Auf Preußen entfallen von der Gesamtsumme des erzeugten Alkohols 514,919 hl Alkohol. Davon wurden zur steuerfreien Verwendung abgetaffen 105,938 hl, darunter vollständig denaturiert 82,782 hl. Mit Anspruch auf Steuerfreiheit wurden im deutschen Steuergebiete im Januar 1907: 45,410 hl roher und gereinigter Branntwein unb 911 hl Branntwein-Fabrikate abgelaffen.
f. Mit Bezug auf den Kanal Kampe-Dörpen, durch welchen die oldenburgische Regierung eine Wasserstraße zwischen der Ems und der Weser herzustellen gedenkt, ist vor kurzem durch die Presse eine Notiz gegangen, daß mit den Garantiezeichnern für den Rhein-Hannover-Kanal in den Provinzen Westfalen und Hannover, welche bekanntlich auf Grund d« Garantieverpflichtung Einspruch erhoben haben, neuerdings seitens dn preußischen Regierung verhandelt worden sei. Wie es weiter hieß, hätten bie Garantiezeichner sich zu Zugeständnissen bereit erklärt, wenn der Staat entsprechende Kompensationen gewähren wolle. Die ,Nordd. Allg. Zig.' ist von „zuständiger Seite ermächtigt" zu erklären, daß Verhandlungen mit den Garantiezeichnern überhaupt nicht ftattgefunden haben.
* Der Ausstand der Berliner Werkzeugmacher hat für die Arbeiter ein schlimmes Ende genommen. Bereits vor 17 Wochen sind sie in den Streik eingetreten, welcher burch Lohndifferenzen hervorgerusen wurde. Jetzt ist der Kampf gänzlich gescheitert und die Streikenden haben beschlossen, wieder zu den alten Bedingungen an die Arbeit zurückzukehren. Leider ab« finden nur bie wenigsten ihre Stelle noch frei. In den meisten Fällen sind anb«e Kräfte herangezogen worden. Für bie Mehrzahl barf also bie Kasse des Metallarbeiterverbandes eintreten.
Zweierlei Maß. Gar großes Geschrei wirb im liberalen Lager immerfort darüb« gemacht, daß bas Zentrum bei der Stichwahl im Wahlkreise Gelnhausen-Hanau nicht den national- liberalen Kandidaten herausgehauen hat gegen ben Sozialdemokraten. Wenn man bie in Hanau, Gelnhausen, Schlüchtern rc. «scheinenden Blätter lieft, sollte man glauben, das Zentrum unb besonders Herr Abg. Müller-Ful^a habe das größte Verbrechen d« Welt begangen dadurch, daß er nicht sür bie Wahl des nationalliberalen Herrn Lucas eingetreten ist. Da ist es doch wohl angebracht, einmal zu fragen, wie denn die Gesinnungsgenossen des Henn Lucas unb der anderen Herren sich verhalten, wenn sie ben Ausschlag zu geben haben zwischen einem Zentrurns- manne unb einem Sozialdemokraten. Was haben denn die Liberalen in Mainz, in Höchst unb all ben andern Wahlkreisen getan, wo sie es in ber Hand hatten, ben Sozialdemokraten ein Manbat zu entreißen? Da hreß eS überall: Lied« rot als schwarz! unb weder in Hanau noch in Gelnhausen hat sich jemand darüber entrüstet. Es ist wirklich großartig, daß man es
und die Siebe feiner Mutter hatte sie den erlittenen Verlust nie so recht fühlen lassen, der Schmerz war aufgelöst in linde Wehmut und hatte Gertraud nie feinen Stachel gezeigt. Rahel dagegen war ohne Liebe, ohne Zärtlichkeit aufge- wachsen, ihr Herz hatte von klein an nur da» Dunkel des Lebens kennen gelernt. So ivac Rahe! ernster, gereifter geworden vor der Zert, während Gertraud im Innern ein Kind geblieben war.
„Rahel! —" Wie ein leiser Seufzer stahl sich dieser Name auf seine Lippen. Wenn sie in der Umgebung und Obhut wie Gertraud aufgewachsen wäre, würden sich dann ihre Anlagen anders entwickelt haben? Gewiß! dann würde auch sie glücklich und zufrieden fein! Und wenn jetzt noch diese Mädchenblume in sonniges Erdreich verpflanzt würde, ihr Sehnen nach der Freiheit, nach der Ferne gestillt, dann würde sie in der Sonne bei Glückes auch jetzt noch nur um so lieblicher blühen und noch herrlicher sich entfalten, und der Ausdruck von Trauer und Leid würde aus ihren Augen ganz verschwinden! Noch heute wollte er sprechen. Mit diesem Vorsätze ging er in daS Schloß zurück, aber, feinem festen Charakter gan- zuwider, verschob er es aufs neue auf gelegenere Zeit. Als er die Mutter so glücklich reden hörte, fürchtete er einen Mißklang in die Harmonie zu bringen, wenn er ihr gesagt, was fein Herz bedrückte.
Das Fest ging vorüber. Eberhard konnte nicht froh fein, wie die andern. Er gedachte Rahels und machte sich bittere Vorwürfe über feine Lauheit, aber so oft er seine Mutter anfafi, blieb das Wort unausgesprochen, das er auf den Lippen hatte So nahte das neue Jahr 1510 heran. In einer Woche sollte die Ueberfiebelnng nach Berlin stattfinden. Ta trat eines Tages der Kaplan zu ungewohnter Zeit und ganz erregt in das Zimmer, in dem Frau v. Rochow, Gertraud und Eberhard friedlich beisammen saßen?
(Fortsetzung folgt.)