Huldaer W Zeitung
M 35.
Fulda, Dienstag den 12. Februar 1907.
34. Jahrgang.
Monatrbeilage: „zuldaer Geschichtsblätter"
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3- VarzeLer in finita Wochenbeilage: „IllustrierteZonntagszeitung
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8«rnsprecher Nr 9.
Iasten-Hrünung in der Diözese Iuköa für dar Jahr 1907.
Mir einer Ansprache von Dr. Wilhelm Arenhold, Verweser des Bistums Fulda.
Gegenliebe zu entflammen. Muß die gläubige Seele bei dieser Betrachtung nicht ausbrechen m den Rus des hl. Liebesjüngers: „Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebt"?17) Unb mit dem hl. Paulus im Feuereifer der Liebe die unbegreifliche Undankbarkeit so vieler Christen verurteilen: „Wenn jemand unfern Herrn Jesum nicht liebt, der sei verflucht."? "ft . O, mein teurer Heiland, möchte ich diesen apostolischen Fluch niemals aus mich laden! Nein
ich will dich heben. Ich will dir treu auf deinem Leidenswege folgen, ich will mit inniger Teilnahme alle Bitterkeit deines Leidenskelches durchkosten. Gib du mir deine Gnade dazu' O laß mich deine Leiden fingen!" „O Haupt voll Blut und Wunden!" ,.O du hochheiliges Kreme' an bem mein Herr gehangen!" Sei bu von nun an der Wegweiser meines Lebensader Stab meiner Schwachheit, die Leuchte meiner Augen! In deinen Fußtapfen, gekreuzigter Heiland will ich wandeln, unter der Fahne des Kreuzes will ich standhaft den Kampf des Lebens kämpfen mein Lebenskreuz will ich nun ohne Murren und Verzagtheit in Geduld und Demut freudig tragen alle Tage meines Lebens. 9
christliche Seele, schau (fleißig) hin und tue nach dem Vorbild, das dir gezeigt ist"1") auf Kalvaria. „Deine Augen werden, wie Jsaias prophezeit, deinen Meister sehen, 'deine Ohren werden das Wort hören, mit dem er dich ermahnen wird. Das ist der Weg, wandelt darauf und weichet weder zur Rechten noch zur Linken ab. "2°) Seine Lehre ist himmlische Weisheit, seine Mahnung wunderbare Kraft. Vom Kreuze herab ruft er dir zu: „Ich bin das Licht der Welt wer mir nachsolgt, wandelt nicht in der Finsternis""), jch bin der Weg, die Wahrheit und^das Leben." 22) Hier predigt er uns alle Tugenden durch fein ergreifendes Beispiel, Demut und Ergebenheit in Gottes heiligen Willen, Geduld und Sanftmut in Arbeit und Schmerzen, Barmherzigkeit und Freigebigkeit, Abtötung und Keuschheit. Darum predigen wir Euch den Gekreuzigten „Gottes Kraft und Gottes Weisheit", "ft Darum beteuert der hl. Apostel Paulus: ,Jch hielt dafür unter Euch nichts wissen zu sollen, als Jesum Christum, den Gekreuzigten." 21)
So kniet denn, geliebte Diözesanen, in der hl. Fastenzeit täglich nieder unter dem Kreuze des göttlichen Erlösers! Betrachtet in liebevollem Mitleid die Wunden seines gemarterten Leibes! Höret seine Lehren, beherziget seine Ermahnungen! Betrachtet die einzelnen ergreifenden Szenen! Betet täglich mit einander den schmerzhaften Rosenkranz oder „die hl. fünf Wunden"! Besuchet regelmäßig die Kreuzwegandacht! Eilet auch an den Werktagen zur hl. Messe, dieser inhaltvollen und anschaulichen Darstellung des hl. Kreuzesopfers! Denn jetzt ist die gnadenreiche Zeit, die Zeit ernster Buße, die Zeit innigster Verehrung des bittern Leidens und Sterbens Jesu Christi. - «Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi sei mit Euerem Geiste. Amen." 2-)
”) I- Joh- 4, 19. — «) 1. Kor. 16, 22. — >«) II. Mos. 25. 40 — 30 20 21 _ .a <*nf> r 10
- «) Das. 14, 6. - ,,) I. Kor. 1, 23. Das. 2, 2. - Phil 4. 23? ‘ 8' 12‘
I. Zunächst also, geliebte Diözesanen, sollen wir in der hl. Fastenzeit Buße tun für die ?" en unfereä Lebens und mithin vor allem wahre Bußgesinnung mit der Gnade Gottes in . , r?rR? en. "" pflegen. Ohne Bußgesinnung, ohne demütige Anerkennung unserer Sünden- !!wÄ ln"crI,c$e $eue über unsere Sünden, ohne herzliche Bitte um Verzeihung wären auch ~ dußwerke wie eine leere Schale ohne Kern, wie ein toter Leib ohne die belebende
futrt uns die hl. Kirche in die Einsamkeit der hl. Fastenzeit, hinweg von dem Qor «^??rtlgen Treiben der Welt, damit wir Einkehr halten in unser Inneres, unser Gewissen hi ri* crforf^en und, wie Christus, unser erhabenes Vorbild, 40 Tage lang zum
Lßen tT S?tW- Urn\,®=?be Unb Formung flehen. „Erbarme dich meiner, 0 Gott, nach deiner Barmherzigkeit." ) „Meine Missetat erkenne ich und meine Sünde ist immerdar vor mir. ) „Ein gedemüligtes unb zerknirschtes Herz wirst du, 0 Gott, nicht verschmähen."») dem Sn« 65?nrCt biC ^rche °m 1. Tage dieser hl. Zeit Eure Stirne mit geweihter Asche, ° tf r?' und ruft Euch das Strafurteil des göttlichen Richters zu: „Gedenke,
, v' a bst etaub unb zu Staub wirst du wieder werden."") Deshalb läßt sie auch am Wrmutood, m der Epist-l d°r hl. M-ss. mi, d.„ °rg-.!f.„d-„ WM.n d-- L-n b-lm P7 n m „3a°'‘Tm »W IP-» d--H--ri B-k.hr-l.uch ,u m” „n
v £ ä Hbrzen mit Fasten, mit Weinen und mit Klagen."10) Deshalb träat der Priester in
bie 2Jl(jbnunQ ri» Dprnnf cficntTtrfi • ± m inander, U!N uns Woche für!
'^bnung zu veranschaulichen: „Tuet Buße!" „Bringet würdige Früchte der Buße'"11) G S“. 6I' S«'uus-r-,ch»u-„Bui. ^-.u-rlL-r"'.«E dich
' ? ? m-ch , „Tu auf, tu auf, o Sünderherz" und andere mehr.
f. r l tu?! brnn' fleIle6te diözesanen, ernste Einkehr halten in unser Herz' Laßt uns eine dußgchunuug in -n°-ck.u uud »u,°rh-l,.n! Laßt uns m!t d-m
"$°r "h •» -'M- Ich-. -bnd.-).„ ta JÄÄ
Icrsten-Werorönung
für bas Zcrhr 1907.
11 sind alle Freitage des Jahres, auf welche kein kirchlicher Feier-
—9frirre. b»c allgemeinen Kirche, fei es einer einzelnen Pfarrei ober eines besonderen Ortes b'ms,d^^^r'Mittwoche ber Aschermittwoch unb die drei letzten Tme der Karwoche Von der Abstinenz der Onate mb er-Sams tage hat der hl. Vater dispensiert. ~ Jafrtrtgc, an denen nur eine einmalige Sättigung gestattet ist, ,mo alle £,age der vlerzigtaglgen Fastenzeit (mit Ausnahme der Sonntage), ferner die ßuatembertage unb bte fünf höheren Vigilien vor Pfingsten Peter unb Paul ?palta, VAllerheiligen und Weihnachten. Diese fünf Vigilfasttaqe sowie
die QuatMberfasttage sind am vorhergehenden Sonntage von der Kanzel zu verkündigen. '
„ o- ''t erlaubt, während der Dauer der hl. Fastenzeit - an Sonntagen ohne Ein- Sh??' 9?nrW,Mutagen (selbstverständlich mit Ausnahme der AbstinenMge) zweimal - unter Vorbehalt einmaliger Sättigung — Fleischspeisen zu genießen ebenso an den Quatember-Samstagen und den unter 2. genannten fünf Vigilfasttagen.
diejenigen, welche wegen ihres Alters oder ihrer Arbeit oder aus irgend einem anderen fSnapniS* ^üentlichen Fastengebote entbunden sind, dürfen gleichwohl nur zweimal Fleisch- | j/vl I v»l y vlllvpvll»
^feif/unh •li^en,^\t.er. 21 aufgeführten Fasttagen ist es verboten,
°°ch »ms.ch.lich b« Sonntag,
. _?• ®er Gebrauch geschmolzenen Fettes unb der sogenannten Grieben unb ber mit solchen ober ÄarSoteF-geft3te®Pet en' bet ^bischbrühe ist an allen Tagen - mit Ausnahme des istÄÄ& M* Moss - 3fcn«esu®«U'!n.eä b™ 8k,,ent”n triOahl' °" fest" - mit ä“8"»')«' d-- K°r-
Geliebte Diözesanen! Die HI. Fastenzeit ist vornehmlich 1) eine Zeit der Buße unb 2) eine S~ben5 UnfeteS Jesu Christi. Unter beiben Gesichtspunkten ruft un§ bie hl. Kirche an ber Schwelle dieser hl. Zeit die Worte des Apostels zu: Sieh, jetzt ist die gnadenreiche Zett. Jetzt gilt es. Euch vorzubereiten auf die hl. Karwoche, auf den großen Ver- sohnungstag der Christenheit und auf das hohe Fest der glorreichen Auferstehung unseres Herrn 9J?V§ b??Cr' mtt ^bnstus im geistlichen Sinne zu sterben, indem wir das IbrifVT™ bF $8erfe bec öu^e' 'ndem wir der Sünde absterben, um dann mit SS nF X S e,net” neuen herrlichen Leben der Gnade zu erstehen, wie der hl. Paulus allen Getauften zuruft mit den Worten: „wenn wir mitverseht werden in die Ähnlichkeit hS nnTr Fe,F,eFert rcir e§ °uch mit der Auferstehung fein."’1) Jetzt gilt es aber auch, b " FsFF‘9 etl ®t Öfer ÖUf l^'nem schmerzvollen Leidenswege mit herzlicher Teilnahme und inniger w d "-) $U besIetlen' denn „wenn wir mit ihm leiden, werden wir auch mit ihm verherrlicht
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ÄSÄtÄ MSS HSS.
namentr*! F9"9'" ^'3 und beharrlich die häuslichen Andachten und frommen Äsungen a6er ben ^such des Gottesdienstes, nicht nur an den Sonntagen, sondern auch an den haft c“9en" ®enn so diese hl. Bußzeit der 40tägigen Fasten haltet, wird sie für Euch wahr- »X? ÄTSV3"t x®; * ei” ”°,SÜ9lid)e aus Eu-- h7oL
Barmh.r.j,,/)" » » reto M d-S große Gch-lmnis b« gMlliL
Sbr eine brnti*. $ure lrtue Bußwm, fptnbm unb mit J-suS uud in J-s», ro„Clf,
6 II. Selitbl. »X (bM,Te * DH«tommu„io„.
nm* uud b-,-tig-u f„aro ift mal.» H 1'. ^ßs-lmnung. bi. wir m b« hl. Fasl.uj.it unh Sterben „nfersa p. ' . 8 9 die rechte Stimmung der Seele, um das bittere Leiden
£. .Ä*?".' Slnbnnf.it« ab.r gibt « ± ^erfnirfrbnra "rübrf9' • ° F s^x9 Un5 iUr duße anregt, so ergreifend uns bis zur innersten
Z rkuirschung ruhrtz wie die Andacht zum leidenden und sterbenden Erlöser.
der Tat, Geliebte, muß es den Sünder, der noch gläubig ist nickt ni Kranen
damst^^' b:<5° fCV ?°lt biC 9eI,ebf' ba§ seinen eingeborenen Sohn dahin gab" er mit ! ' gehen, sondern das ewige Leben haben!"») Wenn
LT b7 Vb T? "®et ®01”’ ^esus Christus, das makellose Gchtts- 2 W VT fCfibare§ erlöst und „unsere Sünden an feinem Le.be auf
M ^eujes) getragen "1-) Oder Mit dem hl. Paulus: „Er hat mich geliebt lind ha
S TLT T? Wem Cr beherzigt, daß Christus der Herr den allerschmachvollsten, s rMerzlichsten, aHergraufamften Kreuzestod für uns erleiden wollte, um unsere harten Herren ^erweichen, uns von der Unersättlichkeit seiner Liebe zu uns zu überzeugen, uns zur innigsten - -> P, 15o$t°4 1 3" w Jo1’ IT"’ 2' 1" rä M 4' 7‘ Röm. 6, 5. — -) Röm. 8, 17. - ft Ps.. 50 1
AA L - Val L z W 2, n - ..) Mach. 3,2.8. J s 38, k
Ecce nunc tempus acceptabile.
Sieh, jetzt ist die gnadenreiche Zeit.
n. Kor. 6. 2.
Geliebte Diözesanen!
Hochgelobt sei Gott und der Vater unseres Herrn JesuS Christus, der Vater der Er- barmungen und der Gott alles Trostes, der uns ttöstet in all unserer Trübsal",1) „der da arm macht und wieder bereichert, der da erniedrigt und wieder erhöht."2)
Auch uns, geliebte Diözesanen, gelten diese Trostesworte der hl. Schriften. Denn des Herren Hand hatte uns geschlagen, als uns der Tod am 17. Juli des vorigen Jahres den inniggeliebten Bischof Adalbertus raubte, aber Seine Hand hat uns wieder gesegnet, indem durch die am 29. Dezember stattgefundene Wahl des Domkapitels in der Person des Hochwürdigsten Herrn Domkapitulars und Regens vr. Joseph Damian Schmitt ein ebenso frommer als gelehrter 4>rie|ter als unser zukünftiger neuer Bischof bezeichnet wurde. Für diese große Gnade laßt uns Dank sagen dem Herrn unferm Gott! Freilich kann der Neugewählte die Regiemng der Diözese noch TVTeT erft na$ bem Osterfeste möglich sein. So bin ich denn in diesem S w AtSS ? L 3 Sen5tißt‘ bie Fastm-Ordnung zu verkünden. Bevor ich aber bteje Pflicht erMe sei es mir gestattet. Euch in kurzen Worten die hohe Bedeutung der heiligen Fastenzeit ms Gedächtnis zu rufen. „Der Friede Gottes aber, der alle Vernunft übersteigt, möge, darum, flehe ich mit dem Apostel Paulus, Eure Herzen und Eure Gedanken behüten in Christus
„ Zsb etmabne bringen!), vom Aschermittwoch an während der hl. Fastenzeit alle geräuschvollen Lustbarkeiten zu vermeiden und sich nach der Absicht der Kirche stiller Geistes- sammlung und der Ausübung heilsamer Werke der christlichen Nächstenliebe zu befleißigen.
10. Wahrend der hl. Fastenzeit soll nach der Psarrmesse das Evangelium des Tages werdenUUb barau^ ba§ ®cbet um Vergebung der Sünden und für Kirche und Staat verrichtet ü,'terIt^e ^ett bauert vom 3. Fastensonntag bis zum 2. Sonntag nach Ostern vlKIlUllvKUUJ*
12. Die Scheine über den Empfang der Ofterkommunion sind an die betreffenden Herren Pfarrer bezw. Pfarrgeistlichen abzuliefern. v
cv c. ?- Den hochwürdigen Kiiratklerus ersuche ich, in der hl. Fastenzeit unb int Laufe des Jahres durch ihren Unterricht, der die örtlichen Verhältniffe mehr berücksichtigt, in Predigt und ®bri]tenlebre das kirchliche Fastengebot und die gegenwärtige Fastenordnung des weiteren zu
Der hiermit in so großem Umfange erteilten Fastendispens will ich, geliebte Diözesanen, bem Beispiele des verewigten Bischoses Adalbertus folgend, eine Bitte anfögen, deren Erfüllung großen Segen stiften würde. In manchen Diözesen pflegt die Berechtigung zum Gebrauche der Fastendl-pens an die Spendung emes Almosens gebunden zu werden. Wenn ich auch die von mir erteilte Dispens an eine solche Bedingung nicht knüpfen will, so spreche ich doch den inniaen Wunsch aus, duß freiwillig ein Fastenalmosen gespendet werde, und zwar zum Besten der so überaus wichtigen Kommunikanten-Anstalt zu Hünfeld, in der arme Kinder welche nicht- katholische Schulen besuchen mußten, wenigstens auf ben Empfang ber ersten hl Kommunion vor- werben können. Diese unter der Leitung von Barmherzigen Schwestern stehende Anstalt ist durchschnittlich von mehr als 100 armen Kindern besetzt, denen teils gegen eine Geringe Ver- gütung, teils ganz umsonst der Unterhalt gewährt werden muß. Die Ansordetungen, welche an die genannte Anstalt gestellt werden, steigern sich von Jahr zu Jahr. Daher bitte auch ich recht dringend um Euer Almosen für diese unentbehrliche Anstalt. Zn diesem Zweck sind in ben einzelnen Psarr- unb Filialkirchen nut eigenem Gottesdienst Opferbüchsen aufzustellen, unb der ®rtrag von den hochw. Herren Pfarrern nach Ablauf der österlichen Zeit unter dem Titel „Fastenalmosen" an unsere Kanzlei emzusenden.
. Dievorstebende Ansprache ist nebst der Fasten-Verordnung am Sonntag Quinquagesima statt ber Predigt von der Kanzel zu verlesen. ä 1 1
Fulda, den 4. Februar 1907.
Der Verweser der Bistums Hulda:
Vr. Vilh. Arenhold.