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JV3 34.

Fulda, Montag den 11. Februar 1907.

34. Jahrgang.

0C

(Nachdruck verboten.)

„500 Dukaten, Eberhard. Wohl weiß ich, daß es eine große Forderung ist, aber ebensowenig von wem ich das Geld bekouunen kann. >>ch ward zum Spiel verleitet und immer in der Verlorene zurückzugewinnen, er- Lk Dvrlust auf Verlust. Kannst Du mir yeii t?rt %

Alles paßte zu der würdevollen, ernsten Schönheit der leise orientalische Ausdruck ihrer Erscheinung umgab sie nicht zu ihrem Nachteil wie mit poeti- schem Zauber. Mit vornehmem Anstand blieb fie stehen und schaute ruhig unbewegt mit dem rät- selhaften Blick ihrer dunklen Augen zu ihm aus. Wo hatte er diese Augen schon einmal gesehen?

„Was ist Euer Begehr?" Ihre Strmine brach zuerst das Schweigen, während er noch immer wie verzaubert sie ansah und in seiner Erinnerung nach der Aehnlichkeit suchte.

Eberhards Gedanken lagen weitab von jenem Tage, da er den nämlichen Weg gegangen, als er sich am Abend, nachdem die Kavaliere, welche fei­nen Dienst hatten, sich int Schlosse verabschiedet, über die lange Brücke nach dem Jüdenhof begab; ja, als er denselben erreicht Hatte, erinnerte er sich noch mit keinem Gedanken der kleinen Nahel. Er ergriff den Klopfer und Pochte dreimal gegen die Haustür, welche den Namen des Wucherers trug.

des Wucherers abgestoßen. Sein Wort als Bürge, das Wort eines Edelmannes, galt dem Juden nichts, nur feiner Unterschrift schenkte er Glau­ben, und die zurückzuzahlende Summe überstieg um ein Bedeutendes das Darlehen, das gefordert wurde.

Im ersten Augenblick wollte Eberhard fort- geben und lieber seine Mutter in das Vertrauen ziehen, obwohl er fürchtete, daß, wenn sie dem einzigen Sohne auch viele Wünsche erfüllte, sie vielleicht nicht gern behilflich sein würde, für den leichtsinnigen Vetter einzutreten, jedoch mußte er das Geld schnell haben, er batte es Waldow ein­mal versprochen, und sein Versprechen war ihm heilig; dazu kam der Wunsch, Nahe! wiederzu­sehen, welche im Aeußeren so wenig ihrem Vater zu gleichen schien, wie in ihrem Denken und Fühlen.

So ging Nochow nach einigem Sträuben doch auf die Bedingungen ein. Er erhielt auch zuerst nur einen Teil des Geldes, da Borneck vorgab, nickt die ganze Summe im Hause zu haben, den Nest sollte er am nächsten Morgen im Empfang nehmen.

Das Glück ivar Eberhard günstig, denn auch am anderen Tage empfing Nahel ihn zuerst allein. Sie war ganz unbefangen ihm gegenüber, sie plauderte mit ihm, wie mit einem alten Freunde, wie mit Nuben. Er erzählte ihr vor seinen Reisen, wie reizvoll und interessant es sei fremde Menschen in ihren Ländern kennen zi lernen, ihre Sitten und Gebräuche zu studierm sich des steten Wechsels farbenprächtiger Land­schaften zu erfreuen, und wie doch das Bewußt­sein, eine liebe Heimat zu haben, zu der er jeder­zeit flüchten könne, ihm dieses Glück erst im vollen Maße habe genießen lassen. Nabel börte ihm gespannt zu, ihrem Blick erschloß sich eine Welt. Sie war ja nie hinaus gekommen aus dem Jüden- hos, in dem sie wie in einem Gefängnis einge­schlossen war. Geschieden von allem, was der Jugend begehrenswert erschien, hatte sie hier ge-

am 13. Mai v. Js. die Beratung des Kornpro- mißantrages, Schulunterhaltungsgeseh, und das Abgeordnetenhaus hat dabei deutlich zum Aus­druck gebracht, daß in der Gehaltssrage etwas geschehen müffe. Deshalb faßte es den Beschluß, ohne Verzug eine Revision des Besoldungs­gesetzes vorzunehmen. Die Zusage des Kultus­ministers ist also lediglich die Einlösung dieser Forderung.

Was die Beantwortung der Interpellation selbst betrifft, so konnte der Minister einige glückliche Argumente in's Feld führen. Die Ver­handlungen haben aber gezeigt, daß es den nationalliberalen Interpellanten weniger um die Sache selbst zu tun war, als um die Kampfes- fiimmung,. welche der gesamte Liberalismus nicht erst seit hente dem Kultusminister gegen­über eingenommen hat, wenngleich auch ein der­artiger Nebenzweck in Abrede gestellt wurde. Im übrigen hat aber die Verhandlung gezeigt, daß das Zentrum in der Besoldungsfrage auf dem richtigen Wege war. All die Wirkungen, welche die Einsetzung der drei Millionen in den Etat und der Bremserlaß gehabt haben, ist, wie der Zentrumsabg. Dittrich feststellte, ein neuer Be­weis, daß das Zentrum nicht unrecht hatte, als es sich seinerzeit derartigen provisorischen Maß­nahmen gegenüber kühl verhielt uud sogar davor warnte.

„Herrn Borneck muß ich sprechen, ihn selbst," sagte er.

„Meinen Vater," entgegnete sie, leicht unter seinem Blick errötend. Nicht lange werdet Ihr seiner harren müssen. Er hat nur einen Nach­bar aufgesucht und muß im Augenblick wieder­kehren. "

Sie öffnete bei diesen Worten die Tür zu einem reich und zierlich ausgestatteten Gemach.

Eberhard trat auf sie zu, plötzlich war ihm klar und deutlich die kurze Episode einer längst verflossenen Zeit vor die Augen getreten, da er zum Ritter eines schutzlosen kleinen Mädchens sich ausgeworfen hatte — zu gleicher Zeit ward aber auch der alte Wunsch, dieses Mädchen häufi­ger zu sehen, in ihm aufs neue wach.

„Nicht unbekannt seid Ihr mir, edle Jungfrau. Schon einmal stand ich, vor vielen Jahren Euch gegenüber. Gedenkt Ihr dessen noch? In Euren Zügen finde ich das Kind wieder."

Er berührte mit diesen Worten eine Saite ihres Innern, welche noch lange darunter erzit­terte; halte sie doch im ersten Moment gewußt, daß das Ideal ihrer Kinderzeit fast unverändert vor ihr stand, und nur zu gern glaubte sie, daß er, an den sie seit jenem Tage so oft in Dankbarkeit gedacht, auch ihrer nicht vergessen habe. Fast wil­lenlos folgte sie, die niemals mit den Herren, welche ihren Vater aufsuchten, anders als flüch­tig zusanimengetrosfen war, ihm in das Gemach und ließ sich von ihm während der Zeit des War­tens erzählen; er schien ihr kein Fremder zu sein. Lange sollte indes die Zeit des Alleinseins nicht währen, der alte Borneck kehrte zurück und lieh den Besucher zu sich in das obere Stockwerk be­scheiden. Eberhard verabschiedete sich von Nahel, der Hoffnung Ausdruck verleihend, sie wiederzu­sehen.

Diese Hoffnung ließ ihn freundlicher gegen den Vater sein, als er es sonst wohl gewesen; denn seine vornehme Natur fühlte sich von dem niedrigen Sinne und dem hochfahrenden Wesen

nossen (nl.) betreffend den sogenannten Brems­erlaß des Kultusministers über die E r h ö h- ungder Lehrer gehälter in den Städten.

Die Interpellation lautet: Durch Verfügung vom 4. Mai 1906 hat der Herr Kultusminister die königlichen Regierungen angewiesen, Be- scklüsse der Schulverbände, insbesondere der Stadtgemeinden auf Erhöhung des Gehaltes ihrer Lehrer vor der Bestätigung sorgfältig daraufhin zu prüfen, ob dadurch das von der Staatsregie­rung verfolgte Ziel, auf dem Gebiete des Lehrer­besoldungswesens eine größere Gleichmäßigkeit md Stetigkeit herzustellen und der Landflucht der Lehrer entgegenzuwirken, etwa gefährdet wer­den würde.

Wie verträgt sich die ausschließliche Hervor­hebung und besondere Betonung dieses Gesichts­punktes mit den berechtigten Interessen

a) der Schulverbände, insbesondere der Stadt­gemeinden, an der Hebung ihrer Volks­schulen,

b) der Lehrerschaft an der materiellen und ideellen, Hebung ihres Standes?

Abg. Schiffer (nl.) begründete die Interpel­lation; er verlangte die Zurücknahme des Er­lasses, weil im Volke über ihn Erbitterung herrsche.

Kutusminister ©tubi wiederholte die schon am 10. Januar gegebene Erklärung, daß die Ab­sicht des Erlasses keine Herabdrückung der Lehrer- besoldung fei; es sei eine Geschäftsverfügung an die Regierungen gewesen, um eine gleichmäßige Aufbesserung der Lehrer zu erreichen. Dies Ziel

Deutsches Reich.

Berlin, 9. Februar 1907.

f. Besuch be8 Kaisers in Madrid im Laufe des Monats März war vor kurzem in der Presse angekündigt. An unterrichteten Stellen ist jedoch von einer derartigen Absicht des Kaisers nichts bekannt. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der Kaiser wie in früheren Jahren auch in diesem Jahre im Frühjahr wieder eine Seereife zu seiner Erholung antreten, lieber das Ziel dieser Reise ist zurzeit noch nichts be­kannt.

Der stellvertretende Kolonialdirektor Dernburg beabsichtigt bekanntlich eine Reise nach linieren afrikanischen Kolonien anzutreten. Ber­liner Blättermeldungen zufolge hat Herr Dern­burg an eine Reihe von Großindustriellen eine | Einladung ergehen lassen, ihn auf dieser Reise ! zu begleiten. Er will damit den Vertretern der Industrie Gelegenheit geben, die afrikanischen Schutzgebiete auf ihren Wert aus eigener An­schauung zu prüfen. Jedenfalls beabsichtigt Herr Dernburg durch diese Maßnahmen, auch die Perle unserer Kolonien, Südwestafrika, zu dem von ihm geträumten Ideal zu verwirklichen. Wir fürchten sehr, daß Herr Dernburg mit feinen Schilderungen über ein künftiges Neudeutschland bei den Großindustriellen wenig Gegenliebe finden wird.

* Die erste Session des neuen Reichstages dür le, nach einer der ,Mil.-pol. Korrespondenz' „von besonderer Seile" zugegangenen Informa­tion, nur etwa 10 Wochen umfassen. Die Re­gierung beabsichtigt keinerlei größere Vorlagen dem Reichstage zugehen zu lassen und rechnet mit der Erledigung der kolonialen Sonderetats und der laufenden Budgetgeschäste, sowie des neuen Abkommens mit Amerika, bis etwa zu den Psingsttagen hin. In die Osterferien sollte der Reichstag am 22. Marz gehen und am 9. April für weitere fünf Wochen wieder zusammentreten.

Er wurde durch einen Pagen unterbrochen, der Eberhard an die Seite des Herrschers rief.

„Den Namen, Kurt! Du vergißt, daß ich lange fern von Berlin weilte."

„Borneck, der stadtbekannte Geldjude, im Geck­holl wohnt er, im Jüdenhof."

Eberhard von Nochow sprengte an die Seite des Zuges, wo Kurfürst Joachim ritt, und ließ Waldow mit erleichtertem Herzen und voll Dank­gefühl zurück.

Eine alte Jüdin öffnete ihm. Als er dieselbe nach Borneck fragen wollte, trat aus der gegen­überliegenden Türe Nahel auf den Flur hinaus. Mit einem Blick überflog fein Auge die schlanke Gestalt, welche er an diesem Orte nicht vermutet batte, und welche in einfacher, aber vorteilhafter । Kleidung vor ihm stand. Sie wandte sich gegen ^ch kann Leah, und die halbe Wendung des Körpers ließ 111 mr her. I «STz. 03«- _ • r JC.ri A! r.i - w-

f. Der Seniorenkonvent des preußischen Abgeordnetenhauses beriet am Samstag die Geschäftslage des Hauses. Betreffs der Etats- beratung wurde beschlossen, in diesem Jahre von einem Kontingentierungsplane Abstand zu nehmen. Die Etatsberatung soll jedoch auf jeden Fall vor Eintritt in die Osterferien erledigt werden, zwischen die Etatsberatung sollen die gestellten Interpellationen und die ersten Lesungen der be­reits eingegangenen Gesetzentwürfe eingeschaltet werden. Die Beratung des übrigen Stoffes soll jedoch bis nach Ostern vertagt werden.

f. Eine Reihe von Aerztekongressen wird im Laufe des Monats April 1907 in Berlin stattfinden. Vom 3. bis 6. April tagt der 36. Kongreß deutscher Chirurgen. Auf der Tages­ordnung stehen verschiedene sehr interessante Themata, u. a. die Chirurgie des Herzens, die operative Behandlung der Lungenkrankheiten und die Behandlung der Oberschenkelbrüche. Mit diesem Kongreß ist zugleich eine Ausstellung ver­bunden. Weiter findet am 1. April die Zu­sammenkunft der deutschen Röntgengesellschaft statt. Zur Erörterung steht die Frage nach dem Einfluß der Röntgenstrahlen auf die Erkennung und Behandlung von Knochenbrüchen. Am zweiten April tagen die deutschen Orthopäden in Berlin.

f. Eine Ermittelung des Wohnungsauf­wandes der Beamten wird zur Zeit von den Behörden vorgenommen. Es handelt sich um die Nachprüfung der Bemessung des Wohnungs- geldzuschuffes für diejenigen Orte, deren Revision nach dem Gesetze sür den Servistarif zum 1. April 1908 erfolgt. Der Nachprüfung sollen die tatsächlichen Verhältnisse vom 1. Januar d. I. zu Grunde gelegt werden.

Aus dem Landtage.

Abgeordnetenhaus.

(6. Sitzung vom 9. Februar.) Eröfsnung 11% Uhr.

Interpellation der Abgg. Bachmann und

* Der preußische Dremscrlaft in Sachen der LehrergehSlter.

Im Mai des vorigen Jahres hat das preußische Kultusministerium einen Erlaß an die Regierungen herausgegeben, welcher seit dieser Zeit viel böses Blut gemacht hat, und zwar nicht allein in Lehrerkreisen; auch auf Seiten der Gemeindeverwaltungen zeigte sich allenthalben eine große Unzufriedenheit über diese Verfügung. Der Erlaß des Ministers ist bekannt unter dem Namen Bremserlaß. Und auf liberaler Seite hat man sich mit Vorliebe seiner bedient, um dem Fürsten Bülow die Wünsche nach Konzes- sionen und Garantien besser präsentieren zu können. Im preußischen Al>beordnetenhause hat nun die nationalliberale Partei eine Interpellation darüber eingebracht, welche am Samstag zur Besprechung stand.

Der Bremserlaß hat die Regierungen ange­wiesen, Beschlüsse der Schulverbände insbesondere der Stadtgemeinden auf Erhöhung des Gehaltes ihrer Lehrer vor der Bestätigung sorgfältig da­hin zu prüfen, ob dadurch das von der Staats­regierung verfolgte Ziel, auf dem Gebiete des Lehrerbefoldungswesens eine größere Gleich- mäßigkeit und Stetigkeit herzustellen und der Landflucht der Lehrer entgegenzuwirken, etwa gefährdet werden würde. Daß dieser Erlaß von besonders gutem Geschick diktiert wäre, kann wohl nicht gesagt werden. Zum mindesten konnte I er zu Mißverständnissen Anlaß geben. Zwar war er von der Absicht ausgegangen, der Flucht der Lehrer von den Sanbotten in die besseren Stellen der Städte entgegenzuwirken, ind em er auf einen Ausgleich in den Lehrer- bestÜbungen zwischen Stadt und Land hinzielte.

Wirkung aber war eine andere. Zunächst faßten ihn namentlich die Stadtgemeinden als einen Eingriff in ihre Selbstverwaltung auf, der fie in der Hebung ihrer Volksschulverhältnisse hindere., Die Lehrer aber sehen in ihm ein Hindernis zur Besserstellung ihrer Gehaltsver­hältnisse. Der nationalliberale Interpellant gab denn auch diesen Ausfassungen Ausdruck und | entrollte gleichzeitig ein Bild der Lehrerbesoldungs-I frage.

AuS der Antwort des Kultusministers fei zunächst als wichtiger Punkt die Ankündigung einer '.Neuregelung des Lehrerbesol- dungsgesetzeS herausgegriffen. Er teilte mit, daß er ein neues Besoldungsgesetz bald vorlegen werde, über das die Verhandlungen schon im Gange seien. Da aber auch erklärt wurde, daß man erst die Wirkungen des Volksschulunter- haltungsgesetzes abwarten wolle, ehe die Vor­lage über die Neuregelung der Lehrergehälter eingebracht werden sollte, ist mit einer alsbaldigen Verwirklichung der Ankündigung noch nicht zu denken. Das Schulunterhaltungsgesetz tritt näm­lich erst am 1. April 1908 in Kraft. Wenn nun seine Wirkungen noch berücksichtigt werden fallen, wäre die neue Gehaltsvorlage kaum vor bem Jahre 1909 zu erwarten. Das gegen­wärtige Lehrerbesoldungsgesetz datiert aus dem Jahre 1897. _ Dasselbe stellt keine Maximal- grenze für die Lehrergehälter auf, es enthält vielmehr nur Normen für das Grundgehalt und die Alterszulagen. Die Hoffnungen der Lehrer auf Besoldungsaufbesserungen wurden aber da­mit nicht erfüllt, die Wunsche traten vielmehr in der Folgezeit schärfer hervor. Es folgte nun

habe das Abgeordnetenhaus und auch die inter­pellierende Partei selbst anfgeflellt. Nur in 17 Fällen sei Gemeinden die Genehmigung zu einer Gehaltserhöhung für Lehrpersonen nicht erteilt worden. Der Minister beklagte sich nochmals bitter über die in Versammlungen gegen ihn be­triebene Hetze. Das neue Lehrerbesoldungsgefetz werde in allernächster Zeit vorgelegt werden; die Vorarbeiten des Kultusministeriums seien be­reits beendet.

In der Besprechung der Interpellation wurde eine genauere Zeitangabe für die Einbringung der Vorlage gewünscht.

Die Antwort des Ministerialdirektors Schwartzkopf ließ aber erkennen, daß das Kultus- niinisterium selbst noch nicht übersieht, welche Schicksale der Entwurf in den Negierungsinstan- zen noch durchzumachen hat.

Abg. Dittrich (Ztr.) erinnerte den Minister an feine Warnungen vor provisorischen Maß­nahmen, da solche die Wünsche der Regierung nicht befriedigen könnten. Eine recht baldige gründ­liche Reform hätte sofort das Ziel sein nuissen.

Abg. Dr. Friedberg (nl.) wies in gereiztem Ton verschiedene Bemerkungen des Ministers zu­rück. Er sei keine Persönlichkeit, von der man Belehrungen über den Ton in Versammlungen annehme; die Behauptung, daß die Nationallibe­ralen selbst früher mit dem Sinne des Erlasses einverstanden gewesen seien, sei eine schwere Ver­dächtigung des politischen Charakters der Par­tei usw.

Minister Studt erwiderle scharf und offen­sichtlich stark nervös, er fei Angriffe vom Abg. Friedberg, der ein Kampsobjekt für feine abwei­chenden grundsätzlichen Auffassungen brauche, ge­wohnt und nehme sie nicht tragisch

Finanzminister Frhr. v. Nheinbabeu vertei­digte dann die von dem Bremserlaß bezweckten einheitlichen Gehaltsregelungen.

Ministerialdirektor Schwartzkopf schilderte dann die parlamentarische Vorgeschichte des Er­lasses. Er behauptete, das ganze Abgeordneten­haus sei int vorigen Jahre einverstanden gewesen mit den Schritten, die die Negierung zu tun vorhatte. Nach seiner Darstellung wäre das Haus gewissermaßen schuld daran, dgß für die Lehrer- anfbefferung nicht fünf, sondern nur drei Milliv' neu anfgetoenbet wurden. Aus dem Hause rourbt lebhaft bagegen protestiert. Nachträglich noch zwei Millionen bereitzustellen, ist bie Regierung nicht gewillt.

Abg. ZirfchS (Ztr.). Die Landlehrer sind oer- stimmt durch bie Festsetzung bes Grundgehalts; sie nehmen nämlich an, daß diese Minimalgehälter als die künftigen Normalgehälter anzusehen sind.

Abg. Stroßer (nl.) Mißachtend habe ich über den Minister nicht gesprochen, ich habe nur seine Angriffe gegen meinen Freund Schiffer znrück- gewiesen. Wir sind durch die ehrverletzenden An-' griffe auf unsere Partei angegriffen worden. Ministerstürzerei treiben wir nicht, wir wissen ja gar nicht, wer nach dem gegenwärtigen Minister ans Rnder kommen würde; vielleicht wirb der noch schlimmer als der jetzige. (Sehr gut! und Beifall links.)

Kultusminister Dr. v. Studt nimmt sich ge­gen die Vorwürfe der Vorredner in Schutz, er sei der Provozierte und nicht die Nationallibe- ralen.

Nach einer Reihe kurzer, sachlicher und per­sönlicher Bemerkungen seitens der Abg. Fr. v Zedlitz, Dr. Friedberg, Stroßer und Cassel tritt Vertagung ein.

Nächste Sitzung Montag 11 Uhr. (Rest der heutigen Tagesordnung und Etat der Forstver- waltung.)

Schluß %5 Uhr.

WcrHel.

Eine Erzählung aus alter Zeit. Von A. M. Witte

„Wolltest Du Dir von der schönen Arka nicht auch die Zukunft sagen lassen?" fragte er scher­zend.

-'Sie würde mir voraussichtlich nicht Ange­nehmes verkündet haben," wehrte Kurt von Waldow ab.

Eberhard streifte mit einem Seitenblick den wnst so luftigen Kavalier, dessen Gemüt ihm wirk- oAtps9 bebrnicft ^schien. „Was ists also?" kam er alsdann freundlich dem Vetter zu Hilfe.

„Kannst Du mir Geld borgen? Ich aebranifie mpnn°A,Cn\I.8 sch"n morgen und bin ratlos an wen ich mich wenden soll." ' an

Gegenfrage" Unb toic bicI?" war die leis»

Sie Gerhard?" Kurt reichte ihm

die Hand. „Nie werde ich Dir das vergessen Nur kann ich selbst heute abend nicht zfl dem Wucherer gehen, denn mich fcffclt ber Dienst $Benn Du auch das noch tun wolltest----mif

Seinen Namen wird er das Geld l , ohne Burgen schlug er es mir ah"

über^lnp'ffr^'J0 Ieib wir dies tut rann i «eat), uno bie halbe Wendung des Körpers ließ fii.™

nenbpn^f^r^" ^Uflte Cr in feiner hcrzgewin- Ja i. ermutigen Art und Weise hinzu, „will iuj tun.

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